Alles wird Asche

Nele Neuhaus
Kriminalroman
557 Seiten
erschienen im Ullstein Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannender Taunuskrimi mit gewaltigen Ausmaßen

Klappentext:
Eine Frau stirbt in ihrer brennenden Villa in Kronberg im Taunus. Ein Bauunternehmer hängt kopfüber im Rohbau eines Frankfurter Hochhauses, den Fuß in einem Seil verfangen und qualvoll erstickt.
Was zunächst nach Unfällen aussieht, entpuppt sich als eine brutale und raffinierte Mordserie.
Die Ermittlungen führen das erfahrene Ermittlerduo Oliver von Bodenstein und Pia Sander in den Umkreis des tödlich verunglückten Tech-Milliardärs Patrick Brinkhoff, Entwickler eines bahnbrechenden KI-Chatbots. Während die beiden noch versuchen, das dichte Netz aus Loyalitäten in Brinkhoffs Softwarefirma und Familie zu entwirren, stoßen sie auf weitere Morde, die alle mit Brinkhoff zusammenhängen.

„Alles wird Asche“ ist schon der 12. Band der Taunuskrimi-Reihe von Nele Neuhaus.
Bei den Krimis von Nele Neuhaus spürt man immer, dass die Autorin weiß, wovon sie schreibt.
Sie kennt sich an den Handlungsorten sehr gut aus. Sie kennt die Polizeiarbeit mittlerweile recht gut und weiß, wo sie sich Rat holen kann. So kommen ihre Bücher immer sehr authentisch bei ihren Leser*innen an.

Pia hat ihr Sabbatical vorzeitig beendet. Zwischen ihr und ihrem Mann kriselt es.
So ist Pia froh, wieder beim K11 einsteigen zu können.
Hier bekommt es das Team mit einem komplizierten Fall zu tun.
Pia begleitet ihren Ex-Mann Henning nach Frankfurt. Hier wurde ein Bauunternehmer in seinem Rohbau erhängt.
Da beim K11 in Frankfurt schon eine Vermisstenanzeige einging, arbeiten die Frankfurter und das K11 aus Hofheim zusammen.
Aus dem einen Mord wird eine Mordserie und das K11 muss den Täter stoppen. Die Hinweise führen zu einer Softwarefirma. Tech-Milliardär Patrick Brinkhoff, der eine bahnbrechende KI entwickelt hatte, ist vor einigen Jahren am Mount Everest tödlich verunglückt. Hängen die heutigen Taten mit dem verunglückten Patrick Brinkhoff zusammen?

Pia und Oliver ermitteln mit ihrem Team wie immer auf Hochtouren.
Doch sie finden kein Motiv und keine Spur des Täters. Immer wieder stoßen sie auf
Brinkhoffs Softwarefirma und die Brinkmann-Stiftung.

Nebenbei erfahren die Leser*innen auch wieder einiges aus dem Privatleben der Charaktere. In diesem Band vorwiegend aus dem Leben von Pia.

Nele Neuhaus hat mit ihrem neuen Krimi in puncto Spannung alle Register gezogen.
Die Autorin jongliert mit mehreren Erzählsträngen, bei denen man sich am Anfang manchmal fragt, wie die zur eigentlichen Geschichte gehören.
Nach und nach bekommt man ein immer komplexeres Bild und staunt, welche Ausmaße die ganze Geschichte annimmt.
Nele Neuhaus webt auch einige Informationen über die Entwicklung der KI und deren Können mit ein. Die Abschnitte sind interessant aufgemacht und sind auch für Laien wie mich gut verständlich.

Die Autorin legt immer wieder falsche Spuren. die man als Leser*in nur zu gerne aufnimmt, um sie dann wieder zu verwerfen.

Nele Neuhaus hat wie immer einen fließenden und gut verständlichen Schreibstil. Sie baut Spannung auf, die von Anfang bis Ende anhält.
In diesem komplexen Fall öffnet sie immer wieder neue Türen, aber am Ende ist jede Tür wieder geschlossen und alle Fragen sind beantwortet.

„Alles wird Asche“ war wieder ein Krimi mit Hochspannung. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

Jetzt heißt es wieder warten, bis irgendwann hoffentlich der 13. Band erscheint.

Winterschlaf

Mario Petuzzi
Roman
234 Seiten
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Toller Debüt-Roman

Zum Inhalt:
Sobald im Frühjahr der Schnee bis ins Tal schmilzt, schickt der Großvater die zehnjährigen Zwillinge in den Keller, um die Mutter aus ihrem monatelangen, buchstäblichen Winterschlaf zu wecken.
Die Mutter erwacht mit einem Kopf voller Träume.
Die Träume sind jedoch keine gewöhnlichen Träume, sondern besitzen hellseherische Kräfte.

„Winterschlaf“ ist der bemerkenswerte Debüt-Roman von Mario Petuzzi.

Die Charaktere haben keine Namen, was sie märchenhaft wirken lässt.
Da sind die Zwillinge, sie werden nur „die Eine“ und „der Andere“ genannt. Aus ihrer Sicht wird die Geschichte erzählt.
Für die Zwillinge gehört es zur Normalität, dass die Mutter im Winter mehrere Monate im Keller Winterschlaf hält.
Der Großvater, hier Apo genannt, ist das Oberhaupt der Familie. Er führt ein Geschäft mit den Träumen der Mutter. Kaum ist der Winterschlaf beendet, stehen die Menschen schon in der Tür, um von den Träumen zu erfahren.
Die Mutter ist im Winter eine leblose Hülle. Im Sommer ist sie die Heilbringerin.

Sie alle werden den Leser*innen nicht nähergebracht. Man kennt sie nur von der Erzählung der Zwillinge und ist so etwas wie ein stiller Beobachter.

Der Schreibstil von Mario Petuzzi ist fast poetisch zu nennen.
Er passt die Sprache gekonnt den Traumsequenzen und der rauen Realität an.
Mario Petuzzi erzählt die Geschichte in einem ruhigen Ton. Er nimmt sich viel Zeit für ausgiebige Beschreibungen.
Mario Petuzzi lässt viel Spielraum, damit sich die Leser*innen ihre eigene Fantasie spielen lassen können.

„Winterschlaf“ ist ein so anderes Buch und sticht somit aus den vielen literarischen Werken hervor.

Die Honigfrauen – Eine neue Heimat

Mirjam Müntefering
Historischer Roman
504 Seiten
erschienen im Blanvalet Verlag
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Blanvalet Verlag für Rezensionsexemplar

Schöner Abschluss der Honigfrauen-Saga

Klappentext:
Bergisches Land, 1910. Irma ist verzweifelt: Das Landcafé im Honigstal hat bei der Einweihung versagt! Es fehlen die einzigartigen Kreationen ihres verstorbenen Großvaters. Einzige Lösung scheint ihre Tante Harriet, die das Talent Ludwigs geerbt hat. Womöglich weiß sie von den geheimen Rezepten? Aber wird Irmas Großmutter die uneheliche Tochter ihres Mannes hier wirken lassen? Auch Arno lässt sich seit der Eröffnung nicht mehr blicken, während Irmas guter Freund Eugen sich höchst sonderbar verhält. Als sich ein Tester des Guide Michelin ankündigt, gilt es für die Honigfrauen, zusammenzuhalten.

„Die Honigfrauen – Eine neue Heimat“ ist der 2. Band der Honigfrauen-Saga von Mirjam Müntefering.

Es geht zurück ins frühe 20. Jahrhundert und ins Bergische Land.
Die Geschichte wird aus der Perspektive dreier Frauen erzählt.

Da ist Irma Honig, sie ist die Enkelin des Konditormeisters Ludwig Honig.
Auguste Honig, die Ehefrau und Witwe von Ludwig.
Harriet Lenze ist Ludwigs uneheliche Tochter, von der bis zu Ludwigs Tod niemand etwas wusste.

Die drei Frauen haben schon im 1. Band für gute und turbulente Unterhaltung gesorgt.
Ich habe jede der drei Frauen auf ihre Art gemocht.

Irma und Auguste haben mit dem Landcafé einen Neustart gewagt. Leider war dieser nicht von Erfolg gekrönt. Der Konditor, der die feinen Backwerke herstellt, kann die Gäste nicht überzeugen. Die feinen Kreationen von Ludwig Honig fehlen.
Es stellt sich die Frage, ob Harriet, die uneheliche Tochter von Ludwig, das Landcafé retten kann.
Harriet ist Feinbäckerin und scheint das Talent von Ludwig geerbt zu haben.

Mirjam Müntefering hat interessante Charaktere ins Leben gerufen. Die drei Frauen haben alle ihre Stärken und gefallen mir gut.

Mirjam Müntefering hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Gekonnt führt sie ihre Leser*innen zurück in die Anfänge des 20. Jahrhunderts.
Die Familiengeschichte wird unterhaltsam und interessant erzählt, auch wenn manches schon recht vorhersehbar ist.

„Die Honigfrauen – Eine neue Heimat“ ist eine gelungene Fortsetzung und leider schon das Ende der Honigfrauen-Saga.

Tod in heller Sommernacht

Lisa Sarah Brandstäter
Kriminalroman
478 Seiten
erschienen im Ullstein Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannender Finnland-Krimi

Klappentext:
Eine schöne Sommernacht in der Kleinstadt Porvoo bei Helsinki endet für die junge Studentin Lina tödlich. Ein Auto drängt sie von dem sandigen Waldweg ab und überfährt sie brutal. Die Polizei in dem idyllischen Küstenort nahe Helsinki bittet Kommissarin Leena Victor um Hilfe. Bei ihren Ermittlungen stößt sie auf ein Geflecht aus Widersprüchen, heimlichen Affären und perfekt platzierten Lügen. Als ein zweiter Mord den kleinen Ferienort erschüttert und eine junge Frau spurlos verschwindet, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, und Leena Victor versucht, das Mosaik Stück für Stück zusammenzusetzen. Denn unter der gleißenden finnischen Mitternachtssonne lauert ein Täter, dessen Rachedurst noch lange nicht gestillt ist.

„Tod in heller Sommernacht“ ist der 2. Band der Krimireihe „Leena Victor ermittelt“ von Lisa Sarah Brandstäter.

Die Autorin hat lebendig und authentisch wirkende Charaktere geschaffen.
Das Ermittlerduo trägt den Roman mit viel psychologischer Tiefe.
Leena Victor ist eine starke, kompetente und zugleich einfühlsame Ermittlerin.
Sie wirkt menschlich und greifbar, auch weil sie neben dem Fall mit massiven Problemen im eigenen privaten Umfeld zu kämpfen hat.

Sebastian Nyberg ist Leenas Partner. Auch er hat Ecken und Kanten und seine privaten Probleme.

Die beiden Ermittler habe ich im 1. Band schon gut kennengelernt. Mir waren sie schnell sympathisch gewesen.

Der Schreibstil von Lisa Sarah Brandstäter ist flüssig, bildhaft und temporeich.
Die wechselnden Perspektiven lassen die Leser*innen ganz nahe an die Charaktere rankommen.

Auch der Handlungsort wird von der Autorin gut nähergebracht.
Die idyllische, historische Kleinstadt Porvoo nahe Helsinki mit ihren charakteristischen Holzhäusern dient als malerische Kulisse.
Die helle Sommernacht, in der es im Norden Europas nicht dunkel wird, wird den Leser*innen gut vermittelt.

„Tod in heller Sommernacht“ ist ein gelungener 2. Band. Ich freue mich jetzt schon auf den 3. Band „Tod im kalten Abendlicht“, der im Herbst 2027 erscheinen soll.

Entdeckung der Wahrheit

Ellin Carsta
Historischer Roman
318 Seiten
erschienen bei Tinte & Feder
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Die Kinder der Hansens geht spannend weiter

Klappentext:
Hamburg/Wien 1929: Ein brutaler Mord erschüttert die Familie Hansen. Schnell gibt es einen klaren Verdächtigen, doch die Mühlen der Polizei mahlen langsam und der Mangel an Beweisen gibt der Familie wenig Hoffnung, dass der Täter verurteilt wird. Eduard, der sich inzwischen immer tiefer in illegale Geschäfte vertieft hat, sinnt auf Rache und will auf eigene Faust für Gerechtigkeit sorgen.

„Entdeckung der Wahrheit“ ist jetzt bereits der 9. Band der Familiensaga „Die Kinder der Hansens“ von Ellin Carsta. Ich hibbele immer noch jedem neuen Band entgegen.

In den vorherigen Bänden hat man die verschiedenen Charaktere schon gut kennen und lieben gelernt.
Die Familie lebt weit verzweigt in Hamburg, im Schwarzwald, in München, in Wien und in den USA.
Das sind auch die Schauplätze der Geschichte.
In jedem Kapitel steht eine Person im Mittelpunkt, die wir ein Stück durch die Geschichte begleiten dürfen.
Diese Perspektivwechsel machen die Geschichte besonders interessant und facettenreich.

Wir sind im Jahre 1929 angekommen. Zwischen dem 8. und 9. Band ist nicht viel Zeit vergangen.
Amala ist hinter Eduards Geheimnis gekommen und es gibt Zwietracht zwischen den Besitzern des Hansens.
Außerdem hat die Familie wieder mit einem schmerzlichen Verlust zu kämpfen. Und Eduard und Florentinus begehen eine Tat, zu der ich sie niemals für fähig gehalten hätte.

Ellin Carsta hat mich wie schon mit vielen anderen Büchern wieder begeistert.
„Die Kinder der Hansens“ ist aufgrund der vielen Schauplätze und Familienzweige sehr abwechslungsreich und wird immer spannender.
Jeden Familienzweig begleitet man ein kurzes Stück des Weges.

Der Schreibstil von Ellin Carsta ist unterhaltsam und gleichzeitig fesselnd.
Die Autorin spricht in der Geschichte viele spannende Themen an.
Was mich immer wieder bei dieser Reihe begeistert, ist die Herzlichkeit und der Zusammenhalt aller Familienmitglieder untereinander, obwohl es in diesem Band zu Unstimmigkeiten zwischen Eduard, Amala und Auguste kommt.

Egal, unter welchem Pseudonym die Autorin ihre Bücher veröffentlicht, ich weiß immer: Das Buch wird mich nicht enttäuschen.
Ellin Carsta ist einfach eine begnadete Geschichtenerzählerin.

Jetzt freue ich mich schon auf Band 10, „Ende einer Ära“, der dann aber auch das Ende der Saga sein soll.

Autumn Secrets

Sarah Fulmar
Roman
314 Seiten
erschienen im Bastei Lübbe Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an LovelyBooks für das Rezensionsexemplar

Herzklopfen und raue Klippen

Die erfolgreiche Londoner Unternehmensberaterin Penelope wird von ihrem Chef unfreiwillig in eine Auszeit geschickt. Sie kehrt zurück in ihre Heimat St. Ives, um den Kopf freizubekommen. Spontan übernimmt sie dort die Organisation der traditionellen Herbstwanderung. Das Schicksal führt sie dabei direkt zu Nathan. Er ist der beste Freund ihres Bruders und ihr unerfüllter Crush aus Teenagerzeiten. Schnell flammen alte Funken wieder auf. Doch ein großes Hindernis bleibt: Penelopes Leben ist in London, während Nathan tief in Cornwall verwurzelt ist.

Der Liebesroman „Autumn Secrets“ von Sarah Fulmar ist der zweite Band der Seasons by the Sea-Reihe. Die Geschichte entführt die Leserschaft in ein herbstliches Wohlfühlszenario voller tiefgründiger Gefühle.

Die Charaktere sind greifbar, nahbar und glaubwürdig.
Penelope ist intelligent und gut organisiert.
Die angeordnete Auszeit ist für sie ein Kontrollverlust, den sie erst einmal verarbeiten muss.
Nathan ist attraktiv. Er ist bodenständig, aber stur. Hinter seiner rauen Schale verbirgt sich ein weicher Kern.

Die Nebenfiguren, wie die Dorfgemeinschaft, sind zum Teil skurril, aber liebenswert.

Der Handlungsort wird von Sarah Fulmar anschaulich beschrieben. Die malerische Kulisse von St. Ives kommt hier gut zur Geltung. Die Autorin fängt die landschaftliche Schönheit der englischen Küste perfekt ein.

Der Schreibstil von Sarah Fulmar ist flüssig und gut verständlich. Die Autorin schreibt emotional und auch recht anschaulich. Ich hatte schnell Bilder im Kopf und das Rascheln des Herbstlaubs im Ohr.

„Autumn Secrets“ ist genau das richtige Buch für den anstehenden Herbst.
Die Stimmung im Buch schreit förmlich nach einer Decke und einer heißen Tasse Tee.

Amokspiel

Sebastian Fitzek
Thriller
442 Seiten
erschienen im Droemer Knaur Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein Spiel um Leben und Tod

Zum Inhalt:
Im Berliner Radiosender 104.5 werden bei einer Live-Sendung Geiseln genommen. Der Geiselnehmer Jan May macht daraus ein Spiel.
Er ruft jede Stunde eine zufällig gewählte Telefonnummer an. Meldet sich der Teilnehmer sofort nach dem Abheben mit der richtigen Parole, die in der Sendung bekanntgegeben wird, wird eine Geisel freigelassen. Meldet sich der Angerufene aber einfach nur mit seinem Namen oder mit „Hallo“, wird eine Geisel getötet.

„Amokspiel“ ist ein rasanter und nervenzerreißender Psychothriller von Sebastian Fitzek.
Das Buch ist schon 2007 erschienen. Zu Sebastian Fitzeks 20-jährigem Jubiläum hat der Droemer Knaur Verlag das Buch noch einmal in einer ganz besonderen Schmuckausgabe veröffentlicht.
Das Buch ist ein Hingucker, wunderschön und liebevoll gemacht. Als Sebastiaan Fitzek muss man das Buch in seinem Regal stehen haben.

Die Charaktere sind vielschichtig gezeichnet und wirken recht authentisch.
Jan May ist der Geiselnehmer. Ein Amokläufer, der nicht nur als Bösewicht dargestellt wird. Seine Verzweiflung und die Motive hinter seiner Tat verleihen ihm eine tragische Tiefe, die den Leser immer wieder an Gut und Böse zweifeln lässt.

Ira Flint führt die Verhandlungen mit dem Geiselnehmer. Sie ist psychisch sehr labil und stand kurz vor einem Suizid. Gerade das macht sie zu einer perfekten Ansprechpartnerin für den Geiselnehmer.

Sebastian Fitzeks Schreibstil ist bildhaft, direkt und temporeich. Die Kapitel sind kurz und enden nicht selten mit einem Cliffhanger, was dazu führt, dass man immer weiterlesen möchte.
Die wechselnden Perspektiven und die unerwarteten Wendungen führen die Leser*innen immer wieder auf eine falsche Spur.

Sebastian Fitzek schafft eine klaustrophobische Atmosphäre.
Die Spannung setzt sehr früh ein und bleibt bis zum Ende auch erhalten.

„Amokspiel“ ist ein extrem spannender Psychothriller, den ich jetzt nach vielen Jahren gerne noch einmal gelesen habe.

Und der Wind steht still

Astrid Lehmann
Roman
279 Seiten
erschienen im Gmeiner Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

ielen Dank an den Gmeiner Verlag für das Rezensionsexemplar.

Ein ergreifendes Schicksal zwischen Schwarzwald und Bretagne

Klappentext:
Bretagne, Gegenwart. Die achtzigjährige Alice ist so rau wie die bretonische Küste und am liebsten allein mit ihrer Hündin Marguerite. Doch in ihr tobt ein Sturm. Lange schon hütet sie ein dunkles Geheimnis. Als die Schatten ihrer Geschichte sie einholen, beginnt eine Reise zurück in den Schwarzwald, und vielleicht auch zu sich selbst.
Schwarzwald, 1942. Elsa, eine tüchtige Magd, lernt beim Tanz den älteren Soldaten Heinrich kennen. Bereits beim nächsten Heimaturlaub läuten die Hochzeitsglocken, dann verliert sich von Heinrich jede Spur im Krieg. Beim französischen Soldaten Antoine findet Elsa Trost. Doch hat ihre Liebe Zukunft?

Mit ihrem Roman „Und der Wind steht still“ ist Astrid Lehmann ein tief berührender Roman gelungen. Hier zeigt die Autorin ein oft vergessenes Kapitel der deutsch-französischen Nachkriegsgeschichte auf.
Die Geschichte verwebt gekonnt das Schicksal zweier Frauen über Jahrzehnte hinweg und entfaltet dabei eine emotionale Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann.

Die Geschichte hat zwei Zeitebenen, die miteinander verknüpft werden.

In der Gegenwart begleiten die Leser*innen Alice. Sie lebt sehr zurückgezogen an der bretonischen Küste.
Alice wird von der Vergangenheit eingeholt und begibt sich mit ihrer Tochter auf eine Reise in den Schwarzwald. Hier hofft Alice, auf die Vergangenheit ihrer Familie zu stoßen.

Die 2. Zeitebene führt die Leser*innen zurück in die 1940er Jahre.
Hier lebt die Magd Elsa. Sie lernt den Soldaten Heinrich kennen. Beim nächsten Heimaturlaub wird schon geheiratet. Doch danach verliert sich die Spur von Heinrich. Er gilt als vermisst. Trost findet Alice bei dem französischen Soldaten Antoine. Doch darf Alice eine neue Liebe finden?

Astrid Lehmann erzählt die Geschichte mit viel Emotion.
Die Charaktere sind vielschichtig und plastisch dargestellt.
Ich bin Alice in der Gegenwart und auch Magda in der Vergangenheit gerne gefolgt.
Die Autorin vermittelt die Zerrissenheit ihrer Charaktere sehr gut.

Auch die Handlungsorte werden sehr anschaulich beschrieben. Die raue Küste der Bretagne ähnelt der rauen Alice.
Im Schwarzwald ist der Hunger und die Ohnmacht der Menschen nach dem Krieg zu spüren.

Der Schreibstil von Astrid Lehmann ist flüssig und gut verständlich. Die Autorin spiegelt die Nachkriegszeit und die Zeit der Besatzung realistisch wider.

„Und der Wind steht still“ ist ein gut recherchierter Roman, den ich mit Freude gelesen habe.

Wenn wir Frauen uns einige wären

Jule Marek
341 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Jule Marek für das Rezensionsexemplar

Zusammen sind wir stark

Klappentext:
Im kleinen Ort Richport an Floridas Küste kämpft jede Frau für sich:
Lenie schweigt und ordnet sich unter, um Harmonie zu wahren.
Sena macht, was nötig ist, um wirtschaftlichen Erfolg zu sichern.
Rics stürzt sich in jeden Konflikt, um weibliche Selbstbestimmung zu verteidigen.
Als Kenneth seine Verlobte Lenie aalglatt übergeht, stellt Rics sich ihm vehement in den Weg. Doch ihr Widerstand hat Folgen: Der einflussreiche Anwalt setzt sie unter Druck. Und Sena und Lenie sehen durch Rics ihre Ziele bedroht. Erst als die vierzehnjährige Madlin Schutz braucht, wird klar, wie hoch der Preis für Schweigen und Anpassung ist. Gelingt es den Frauen rechtzeitig, ihre gemeinschaftliche Stärke zu erkennen und aufeinander zu vertrauen?

„Wenn wir Frauen uns einig wären“ von Jule Marek, ist ein Roman, der aufzeigt, dass Frauen, wenn sie zusammenhalten, viel bewirken können.

Im Mittelpunkt stehen vier Frauen, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird.

Lenie ist Lehrerin und in Richport beliebt. Leni passt sich gerne überall und jedem an. Jetzt wagt sie sich aus ihrem Schneckenhaus und möchte von ihrem Verlobten Kenneth einen Hochzeitstermin. Doch der hat zurzeit andere Prioritäten.

Sena führt das Diner in Richport. Sie ist ganz Geschäftsfrau, die rein zweckorientiert handelt und alles dem wirtschaftlichen Erfolg unterordnet.

Rics ist eine kleine Rebellin. Sie scheut keinen Konflikt, um für Gleichberechtigung einzustehen. Dabei macht sie sich bei Anwalt Kenneth, der ihre Tauchschule kaufen möchte, um ein Luxushotel zu bauen, nicht gerade beliebt.

Madlin ist 14 Jahre und verbringt mit ihrem Onkel David ein paar Tage in Richport um Tauchen lernen.
Seit dem Tod ihrer Mutter steht ihr Leben auf dem Kopf. Ihr Vater, der offensichtlich mit dem Tod seiner Frau nicht zurechtkommt, greift oft zum Alkohol und wird dann gewalttätig gegen seine Tochter.
Erst als Madlin sich weigert, wieder nach Hause zu ihrem Vater zurückzukehren, und einfach verschwindet, werden die Erwachsenen wach.
Als Madlin erzählt, was sie bedrückt, stehen die Frauen fest zusammen und erreichen Großes.

Das Herzstück in der Geschichte sind die Charaktere. Die sind von Jule Marek gut gezeichnet und sympathisch.
Anhand der vier Frauen zeigt Jule Marek auf, was Frauen zusammen bewirken können.
Mir hat es gut gefallen, wie die vier so unterschiedlichen Frauen plötzlich wie eine Mauer zusammenstehen.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich. Auch der Handlungsort Richport in Florida wird anschaulich beschrieben.

„Wenn wir Frauen uns einig wären“ ist ein Roman über Frauen, den nicht nur Frauen lesen können.

Fadenscheinig

Vera Nentwich
Kriminalroman
289 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Vera Nentwich für das Rezensionsexemplar

Gelungener Auftakt einer neuen humorvollen Krimireihe

Klappentext:
Lutz Weber, 71, pensionierter Krawattendesigner, hat ein Auge für Details, das die Polizei nicht hat. Als sein Café-Bekannter Arthur Schmid tot aufgefunden wird und alle von natürlichem Tod sprechen, weiß Lutz: Die Druckstellen auf dem Bezugsstoff des Sessels erzählen eine andere Geschichte.

Sein unfreiwilliger Partner: Kasper Wozniak, 20, der den Fall am liebsten live ins Internet streamen würde.

Gemeinsam und oft genug gegeneinander– tauchen die beiden in die Vergangenheit eines Mannes ein, der mehr wusste, als er sagen durfte. Ein alter Arbeitsunfall, verschwundene Beweise, ein Spitzname in einer Tabelle. Und irgendwo in der Südstadt jemand, der sehr genau beobachtet, wie weit Lutz und Kasper gekommen sind.

„Fadenscheinig“ ist der 1. Band der neuen Krimireihe Weber & Wozniak von Vera Nentwich.
Die Autorin hat mich schon mit ihrer Frau Appeldorn-Reihe und der Biene Hagen-Reihe begeistert. Dementsprechend war ich schon auf die neue Krimireihe gespannt.

Im Mittelpunkt stehen Lutz Weber und Kasper Wozniak die sich hier zu einem guten Team zusammenraufen.

Lutz Weber ist 71 Jahre. Seit dem Tod seiner Frau weiß er nichts mehr so recht mit sich anzufangen. Sein Essen besteht aus Tiefkühlkost oder er geht im Josefshaus essen.
Ein festes Ritual bei Lutz ist „Das Café“. Hier kehrt er jeden Tag ein, trinkt seinen Kaffee und liest Zeitung.

Kasper Wozniak ist 20 Jahre und weiß nach der Schule nichts mit sich anzufangen. Eigentlich möchte er Influencer werden und damit Geld verdienen. Seine Mutter drängt ihn allerdings, eine Ausbildung zu machen.

Lutz und Kasper treffen beim Auffinden des toten Arthur Schmid aufeinander.
Die zwei Männer sind völlig unterschiedlich. Lutz hat kein Verständnis dafür, dass Kasper überall mit dem Smartphone Aufnahmen macht. Kasper macht sich oft lustig über das wenige technische Verständnis von Lutz.
Auch wenn Lutz und Kasper es erst nicht merken, tun sich die beiden gegenseitig gut.

Zusammen gehen Lutz und Kasper dem Tod von Arthur Schmid auf den Grund. Für die Polizei ist es ein natürlicher Tod. Aber Lutz ist sich sicher, Spuren für einen Mord entdeckt zu haben.

Vera Nentwich hat wieder großartige Charaktere ins Rennen geschickt. Lutz und Kasper gefallen mir beide gut. Auch die Mutter von Kasper ist eine sympathische Frau. Ich muss immer schmunzeln, wenn sie die deutschen Worte etwas verdreht.

Die Dialoge zwischen den Protagonisten sind, wie von Vera Nentwich gewohnt, oft mit Humor gewürzt.

Vera Nentwich hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Den Handlungsort Krefeld beschreibt die Autorin sehr anschaulich.

„Fadenscheinig“ ist ein spannender und zugleich humorvoller Krimi. Ich freue mich schon jetzt auf den 2. Band „Aufgetrennt“, der am 30.10. erscheinen soll.