Die Geschichte der Anna de Breuil

Helmuth Boeger
Historischer Roman
586 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Helmuth Boeger für das Rezensionsexemplar

Eine starke Frau-eine großartige Geschichte

Klappentext:
Bevor sie zur gefürchteten Mylady de Winter wird, ist sie Anna, eine begabte Novizin, gefangen zwischen Klostermauern und den Intrigen der Mächtigen. Ulm, im Jahr 1613: Die Welt steht am Abgrund des Dreißigjährigen Krieges. Die dreizehnjährige Anna de Breuil wird von ihrem Vater, einem katholischen Festungsbauer, in die Obhut des Klarissenklosters Söflingen gegeben. In der Stille der Klausur scheint ihr Weg vorgezeichnet: ein Leben im Gebet, fernab der Wirren der Welt. Doch Anna ist anders. Sie ist hochbegabt und besitzt eine Beobachtungsgabe, die den Jesuiten nicht verborgen bleibt. Was als Ausbildung zur gebildeten Nonne beginnt, entpuppt sich bald als Rekrutierung für ein tödliches Netzwerk. Der Orden erkennt in ihr das perfekte Werkzeug für die Verteidigung des Glaubens und der Krone. Ihr Weg führt sie von den staubigen Straßen der Gascogne bis in die glanzvollen, aber hasserfüllten Hallen des Louvre. In Paris wird sie Teil des geheimnisvollen „Corps Saint-Sacrement“. Zwischen Fechtunterricht, Kryptografie und der gefährlichen Nähe zum jungen König Ludwig XIII. muss Anna lernen, dass Schönheit eine Waffe und Identität nur eine Maske ist. Doch während sie für die Mächtigen spioniert und in die dunkelsten Folterkeller der Bastille blickt, stellt sie sich die alles entscheidende Frage: Wie viel von ihrer eigenen Seele muss sie opfern, um in einer Welt zu überleben, die von Männern regiert wird?

„Die Geschichte der Anna de Breuil“ von Helmuth Boeger erzählt die Vorgeschichte der Romanfigur „Mylady de Winter“ aus „Die drei Musketiere“ von Alexandre Dumas.

Viele Bücherliebhaber kennen „Die drei Musketiere“ und somit auch Mylady de Winter, aber wer war Mylady de Winter wirklich?
In diesem Roman lässt Helmuth Boeger die Romanfigur lebendig werden.

Die Hauptperson ist natürlich Anna de Breuil, die spätere Mylady de Winter.
Anna wächst als Novizin hinter Klostermauern auf. Sie ist hochbegabt, was auch die Nonnen recht schnell merken. Anna hat eine gute Beobachtungsgabe, was der Orden sich zu Nutze macht. So wird Anna im Dreißigjährigen Krieg als geheime Waffe eingesetzt.

Helmuth Boeger erzählt sie Geschichte unterhaltsam und spannend. Nach wenigen Seiten bin ich so tief in die Geschichte eingetaucht, dass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte.

Die Charaktere werden gut beschrieben. Besonders Anna de Breuil gefällt mir gut. Es ist sehr spannend ihre große Entwicklung, die sie in diesem Roman durchlebt mitzuerleben. Sie wird von der jungen Anna zu einer selbstbewussten Frau, die sich in einer Welt aus Intrigen und Macht behaupten muss.

Die Handlungsorte werden sehr anschaulich beschrieben. Egal ob Kloster oder der Königshof von Ludwig XIII, man hat schnell Bilder im Kopf.

Der Schreibstil von Helmuth Boeger ist flüssig und gut verständlich. Die Sprache passt sehr gut zu der Zeit der Handlung.

„Die Geschichte der Anna de Breuil“ ist ein spannender und interessanter Roman, den ich mit großer Freude gelesen habe.

Das Lavendelkloster

Alexander Oetker
Roman
282 Seiten
erschienen im Atlantik Verlag (Hoffman und Campe)
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

So schön kann Schweigen sein

Klappentext:
Julien, erfolgreicher Geschäftsführer und innerlich leer, zieht sich in ein abgelegenes Schweigekloster zurück. Hier in der Provence, wo nur der Sommerwind durch den Lavendel streicht, sucht er nach Versöhnung mit sich selbst und den Schatten der Vergangenheit. Inmitten der Stille begegnet er einer jungen Frau, schön, geheimnisvoll – und völlig ohne Worte entsteht zwischen den beiden etwas, das tiefer geht als Sprache: eine Liebe, geboren im Schweigen. Doch welche Chance hat diese Verbindung, wenn die Rückkehr in das alte Leben unvermeidlich ist?

„Das Lavendelkloster“ ist ein tiefgründiger Liebesroman von Alexander Oetker.
Der Autor ist eher von seinen Kriminalromanen bekannt, dieses Genre beherrscht er aber auch perfekt.

Im Mittelpunkt stehen Julien und Emma. Sie begegnen sich im Kloster, wo sie beide an einem Schweigeseminar teilnehmen. Während ihres Aufenthalts kommen sich Julien und Emma trotz Schweigen sehr nahe.

Jetzt könnt man denken, Schweigekloster, dass ist ein sehr ruhiges Buch. Weit gefehlt, man kommt den Charakteren sehr nahe. Man kann ihre Gefühle und Gedanken lesen.

Alexander beschreibt die Woche im Schweigekloster sehr intensiv. Die Sonne, der Duft des Lavendels und die Stille geben ein eindrucksvolles Bild.

Die Charaktere werden gut beschrieben. Mir waren Julien und Emma schnell sympathisch. Man konnte ihre Gefühle richtig spüren. Natürlich gab es auch andere Teilnehmer, die begegnen den Leser*innen aber nur bei den Mahlzeiten und auch mal abends am Kamin. Sie werden nur kurz umrissen.
Am Ende der Geschichte ist aber jedem Teilnehmer, jeder Teilnehmerin noch ein kurzes Kapitel gewidmet, in dem man sie und ihre Beweggründe ins Schweigekloster zu gehen kennenlernt. Das hat mir gut gefallen, schließlich hat man auch sie eine Woche begleitet.

Der Schreibstil von Alexander Oetker ist wie immer flüssig und gut verständlich.

„Das Lavendelkloster“ ist ein außergewöhnlicher Liebesroman, den ich mit Freude gelesen habe.

Die Geheinisse des Waldes

Lukas Waldner
Kinderbuch empfohlen ab 8 Jahre
96 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Die Natur auf anschauliche Art entdecken

„Geheimnisse des Waldes“ von Lukas Waldner ist ein Buch für Kinder von 8-12 Jahren.

Bäume, Pflanzen und Tiere, die im Wald zu finden sind, werden in diesem Buch altersgerecht erklärt.
Das Buch ist in 9 Kapitel aufgeteilt.
Kapitel 1 ist eine Einführung, die folgenden Kapitel sind dann den Säugetieren des Waldes, den Vögel, Bäumen und Sträuchern, Pflanzen und Pilzen, kleinen Waldbewohnern und den Jahreszeiten im Wald gewidmet.

Jedes Kapitel für sich vermittelt einiges an Wissen. So lernen Kinder auf leichte Weise das Ökosystem des Waldes kennen. Am Ende der Kapitel gibt es immer ein paar Wissensfragen.
Im letzte Kapitel findet man dann noch einen Quiz, bei dem Kinder bestimmt viel Spaß haben und ihr Wissen prüfen können.
Die Lösungen der Quizfragen findet man dann im Anschluss.

Lukas Waldner hat das Buch liebevoll gestaltet. Die Illustrationen sind sehr ansprechend.
Die Beschreibungen in dem einzelnen Kapitel sind kindgerecht und interessant.

Nachdem Kind sich mit diesem Buch beschäftigt haben, macht es großen Spaß in den Wald zu gehen und selbst einiges zu entdecken. Am Ende des Buchs befinden sich noch Seiten, in denen die Kinder ihre Entdeckungen festhalten können.

„Geheimnisse des Waldes“ ist das perfekte Buch für Kinder, um den Wald mit anderen Augen zu sehen.

Fünf Fremde

Romy Fölck
Thriller
380 Seiten
erschienen bei Bastei Lübbe
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Ein dunkles Geheimnis kommt ans Licht

Klappentext:
Die Wellen peitschen gegen die Fähre, als fünf Passagiere an einem stürmischen Oktobertag die Insel Neuwerk in der Nordsee erreichen. Für vier von ihnen ist es die Rückkehr an einen Ort, der dunkle Erinnerungen wachruft. An einen Sommer vor dreißig Jahren, in dem zwei Teenager spurlos aus dem Schullandheim verschwanden. Auch damals waren die vier auf Neuwerk und eine Frage hat sie seither nie mehr losgelassen: Was geschah in jenem verhängnisvollen Sommer wirklich? Als ein Orkan aufzieht und niemand die Insel verlassen kann, drängen lang gehütete Geheimnisse an die Oberfläche. Denn es gibt jemanden, der die Antwort kennt. Und der nicht eher ruht, bis eine alte Schuld endlich gesühnt wird.

„Fünf Fremde“ von Romy Fölck ist ein spannender Thriller über ein dunkles Geheimnis.

Die Autorin entführt ihre Leser*innen auf die Nordseeinsel Neuwerk. Ich muss zugeben, von der Insel noch nie gehört zu haben. Sie hat allerdings auch nur 20-30 Einwohner.

Für fünf Passagiere auf der Fähre nach Neuwerk, die sich offensichtlich fremd sind, werden dunkle Erinnerungen wieder hochkommen.

Im Mittelpunkt stehen die 5 Personen:
Annika Lundt ist Kriminalkommissarin. Sie ist auf der Insel geboren und kommt für einige Zeit zurück um sich um ihre demenzkranke Mutter zu kümmern.

Charlotte Hahnel ist Nonne. Sie kommt auf die Insel, um eine alte Freundin zu besuchen.

Sinje Bianchi ist Journalistin und kommt extra aus Rom auf die Insel. Sie will mehr über den 30 Jahre zurückliegenden Fall recherchieren, bei dem ein Junge verschwunden ist und bis heute nicht mehr aufgetaucht ist.

Mats Nielsson ist Meeresbiologe und Sturmjäger. Er kommt auf die Insel. Weil ein lebensbedrohlicher Sturm angekündigt wurde. Aber nicht nur das Wetter wird bedrohlich.

Michelle Welm wird in der nächsten Saison als Vogelwartin auf der Nachbarinsel Scharhörn arbeiten. Sie möchte die jetzige Vogelwartin treffen, um einiges über die Arbeit zu erfahren. Doch die taucht nicht auf.

Von den fünf Fremden, haben vier eine gemeinsame Vergangenheit, die langsam ans Licht kommt.

Romy Fölck baut schon gleich am Anfang Spannung auf, als ein Passagier auf der Fähre über Bord geht.

Die Leser*innen lernen die Charaktere nach und nach kennen. Sie bekommen ihre Beweggründe vermittelt, warum sie wirklich auf der Insel sind.

Romy Fölck erzählt die Geschichte aus wechselnden Perspektiven, das macht die Geschichte sehr interessant und spannend. Nach und nach werden Geheimnisse gelüftet, die die Personen mit sich herumtragen. Und die dunklen Erinnerungen.

Die Charaktere sind von der Autorin gut gezeichnet. Ich konnte mich schnell in jeden einzelnen einfühlen.

Das Leben auf der einsamen Insel Neuwerk wird gut beschrieben. Im Sommer kommen viele Touristen, aber nach der Saison muss das Leben dort sehr einsam sein.

Romy Fölck, von der ich schon viele Bücher gelesen habe, hat einen flüssigem und gut verständlichen Schreibstil. Den Handlungsort beschreibt die Autorin anschaulich. Eine Skizze im Buch zeigt auch genau auf, wo sich die Charaktere immer befinden.

„Fünf Fremde“ ist ein spannender Thriller, den ich mit großer Freude gelesen habe.

Die Stockholm Protokolle

Moa Berglöf und Joakim Zander
Thriller
440 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Übersetzt aus dem Schwedischen von Thomas Altefrohne
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Pageturner

Klappentext:
Die Stockholmer Investigativjournalistin Julia verfolgt eine heiße Spur: Alles deutet darauf hin, dass der charismatische, beliebte Ministerpräsident Schwedens auch dunkle Seiten hat. Der nach außen liebende Familienvater scheint einen Hang zu exzessiven Partys zu haben, die auf Missbrauch schließen lassen. Und er pflegt politische Netzwerke, die einen Rechtsruck bedeuten könnten. Als Julia von ihrem Chefredakteur kaltgestellt wird, ahnt sie, wie hochbrisant die Sache ist. Erst recht als ihr politisch unerfahrener Ehemann, Windkraft-Experte Alfred, plötzlich zum Pressesprecher des Ministerpräsidenten ernannt wird. Julia kann Alfred nicht sagen, was sie sofort vermutet: Dieser Job wurde ihm nur angeboten, um sie endgültig zum Schweigen zu bringen. Trotzdem beschließt sie, weiter zu ermitteln.
Währenddessen schlägt sich Alfred erstaunlich gut im Polit-Dschungel. Doch in den Korridoren der Macht stößt er auf Betrug und Geheimnisse. Er beginnt nachzuforschen und stellt fest, dass die schmutzigen Geschäfte weit über die Mauern des schwedischen Regierungssitzes Rosenbad hinausreichen.

„Die Stockholm Protokolle“ ist ein spannender Polit-Thriller von Moa Berglöf und Joakim Zander.

Die Investigativjournalistin Julia ist einem Skandal auf der Spur, der den Ministerpräsiden in sehr schlechtes Licht stellen würde. Kurzerhand wird sie von ihrem Chefredakteur ins Abseits gestellt. Dafür bekommt Julias Ehemann Alfred den Job des Pressesprechers des Ministerpräsidenten. Jetzt ist Julia erst recht zum Schweigen verurteilt. Aber auch Alfred bleiben die Geheimnisse und der Betrug nicht verborgen.

Moa Berglöf und Joakim Zander ist hier ein wahrer Pageturner gelungen.
Es wird ein Szenario dargestellt, dass voller Betrug und Missbrauch ist. Der Ministerpräsident ist ein Wolf im Schafspelz. Nach außen hin beliebt und fürsorglicher Familienvater.
Was hinter der Fassade steckt, erfahre die Leser*innen nach und nach.

Der Plot ist intelligent konzipiert. Mit Spannung habe ich die Machtspiele verfolgt.
Die Geschichte wird in einem ruhigen Ton erzählt, aber die Spannung lässt aber nicht lange auf sich warten.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig. Nicht alle sind sympathisch.

Der Schreibstil des Autoren Duos ist flüssig und gut verständlich, vor allem ist es aus einem Guss, die Leserinnen spüren nicht, dass zwei Autorinnen an der Geschichte gearbeitet haben.

„Die Stockholm Protokolle“ ist ein echter Pageturner, den ich gerne gelesen habe.

Der Fluch des Diamanten

Simon Elson
Historischer Kriminalroman
248 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Simon Elson für das Rezensionsexemplar

Spannung mit Historie gekonnt verknüpft

Klappentext:
Johanna und Leonhard Maier reisen 1875 inkognito nach Rom, um einen heiklen Auftrag für Preußen zu erfüllen. Doch sie stoßen auf grausame Verbrechen und auf ein Geheimnis, das seit Jahrzehnten verborgen liegt.
In den winkeligen Gassen der Ewigen Stadt regieren Lügner und Mörder. Als die Geschwister selbst ins Visier geraten, wird ihnen klar: Wen der Fluch des Monddiamanten trifft, der bezahlt mit seinem Leben.

„Der Fluch des Diamanten“ ist der 2. Band der Reihe „Geschwister Maier“ von Simon Elson.

Der Autor schickt seine Leser*innen zurück in das Jahr 1875.
Die Geschwister Johanna und Leonhard Maier haben eine Detektei in Berlin. Ein Fall schickt sie bis nach Italien. Hier soll der Sohn des reichen Kanonen-Barons ein Lotterleben führen. Er wurde mehrmals in Frauenkleidern gesehen. Die Detektive sollen dem Einhalt gebieten. Doch was wirklich dahintersteckt, entblößt sich erst ganz langsam.

Simon Elson verbindet gekonnt, klassische Kriminalelemente mit einer dichten historischen Atmosphäre.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und wirken lebendig.
Johanna Maier bricht mit den Konventionen ihrer Zeit. Als scharfzüngige und hochintelligente Beobachterin lässt sie sich nicht in das Korsett weiblicher Rollenbilder des 19. Jahrhunderts drängen. Sie besitzt die Gabe, Details wahrzunehmen, die anderen entgehen, dass macht sie zur treibenden Kraft der Ermittlungen.

Leonhard Maier: ist meist der besonnenere Gegenpart. Während Johanna impulsiv und intuitiv agiert, bringt Leonhard die nötige preußische Gründlichkeit und das taktische Geschick mit. Die geschwisterliche Vertrautheit, aber auch die gelegentlichen Reibereien zwischen den beiden, verleihen der Geschichte etwas Menschliches.

Simon Elson beweist hier sein Talent für „dunkle Geschichten.
Die Mischung aus Aberglauben und politischer Intrige ist interessant und spannend zugleich.
Die Zeit der Handlung wird authentisch wiedergegeben. Die Sprache passt gut in die Zeit.

„Der Fluch des Diamanten“ ein spannender historischer Krimi, ich habe das Buch gerne gelesen.

Wo die Kaffeekirschen leuchten

Nicola Denis
Roman
337 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an Friedenauer Presse für das Rezensionsexemplar

Ruhiger Roman über ein Auswandererpaar

Klappentext:
1953, im deutschen Wirtschaftswunderland: Eine junge Frau aus Ludwigshafen steht mit ihrem gerade angetrauten Ehemann an der Reling des Überseedampfers, der sie von Hamburg nach Kolumbien bringen wird. Ihn erwartet in der Andenstadt Tunja seine erste Anstellung als Geologe, sie sieht so freudig wie besorgt ihrer ungewissen Zukunft als »Auswanderer auf Zeit« entgegen – getrennt von der behütenden großen Familie im gläubigen Elternhaus, das Musikstudium geopfert und unvertraut mit der kolumbianischen Kultur und Geschichte. In Tunja sind sie konfrontiert mit den häufig kolonialen Attitüden der Auslandsdeutschen, die die Vergangenheit zumeist beschweigen. Während ihr Mann im Gelände forscht, ist die junge Deutsche mit der mühevollen Einrichtung ihres neuen Zuhauses beschäftigt und findet Anschluss als Kammermusikerin. Das »Band zur Heimat« pflegt sie in ihren Briefen auf Luftpostpapier, aus denen Sehnsucht und Selbstbehauptung sprechen: gesammelt in zwölf Ordnern. Mit diesen Dokumenten, Erzählungsfetzen und Fotoalben sowie auf einer Reise zusammen mit zweien ihrer Kinder nach Tunja folgt die Erzählerin gut siebzig Jahre später den Spuren der Eltern und Großeltern. Ein so akribisch wie aufrichtig gestalteter literarischer Dialog zwischen den Generationen.

„Wo die Kaffeekirschen leuchten“ von Nicola Denis ist ein Roman über ein Auswandererpärchen in den 1950er Jahren.

Ich hatte am Anfang etwas Schwierigkeiten in die Geschichte einzutauchen.
Die Perspektive, aus der die Geschichte erzählt wird, ist ungewöhnlich. Nicola Denis lässt die Tochter, die Geschichte ihrer Eltern erzählen. Man hat das Gefühl, die Tochter wäre in Kolumbien dabei gewesen, doch zu dieser Zeit war sie noch nicht geboren.

Der Ehemann hat in Kolumbien eine Stelle als Geologe bekommen. Zuerst reist er allein nach Tunja, nach ca. einem Jahr kehrt er zurück, um zu heiraten und reist dann zusammen mit seiner Frau wieder nach Tunja.
Die Ehefrau schreibt akribisch Briefe an die Eltern, Geschwister und an alle Verwandte in Deutschland. Sie möchte die Daheimgebliebenen am Leben in Kolumbien teilhaben lassen. Diese Briefe findet die Tochter dann nach dem Tod der Großeltern fein säuberlich abgeheftet in Leitzordnern.

Nicola Denis beschreibt das Leben in den Nachkriegsjahren gut. Auch das Leben in Kolumbien, dass so ganz anders ist als in Deutschland wird gut vermittelt.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig. Ich bin manchmal mit den vielen Menschen, die das Ehepaar kennenlernt, durcheinandergekommen.

Die Ehefrau, die in Deutschland ihr Musikstudium abgebrochen hat, widmet sich in Kolumbien wieder der Musik.

Nicola Denis erzählt die Geschichte in einem ruhigen Ton. Der Schreibstil ist flüssig und gut verständlich.

„Wo die Kaffeekirschen leuchten“ ist ein ruhiger Roman, erzählt aus ungewöhnlicher Perspektive.

Nordlicht – Das fremde Gesicht

Anette Hinrichs
Kriminalroman
477 Seiten
erschienen im Blanvalet Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an das Bloggerportal und an den Blanvalet Verlag für das Rezensionsexemplar

Grenzübergreifende Ermittlungen

Klappentext:
Eine schreckliche Mordserie zieht sich vom deutsch-dänischen Grenzland bis nach Kopenhagen: Ein Pferdezüchter im nordfriesischen Süderlügum wird aufgehängt im Stall entdeckt, ein Gastronom im dänischen Tøndern sitzt tot an einem gedeckten Tisch, in Kopenhagen treibt die Leiche eines Geschäftsmanns nackt im Hafenbecken. Alle Opfer sind qualvoll erstickt. In ihren zugeklebten Mündern findet sich ein Foto mit einem fremden Gesicht.
Was verbindet die Opfer und welches Motiv verfolgt der Mörder? Die Ermittler der Sondereinheit GZ Padborg stehen vor einem Rätsel. Der Druck wächst, als eine weitere Leiche auftaucht. Und ausgerechnet Rasmus Nyborg scheint nicht bei der Sache zu sein und bringt sich mit Nachforschungen zu einem ganz anderen Fall in Gefahr.

„Nordlicht – Das fremde Gesicht“ ist der 7. Band der spannenden Nordlicht-Reihe von Anette Hinrichs.
Das Ermittlerteam setzt sich aus deutschen und dänischen Ermittlern zusammen.
Die zwei leitenden Ermittler*innen gefallen mir sehr gut, ich mag Ermittler, die ihre Ecken und Kanten haben.
So haben auch die Beiden eine bewegte Vergangenheit, die sie mit sich herumtragen.
Vibeke Boisen, Teamleiterin bei der Mordkommission Flensburg auf der deutschen Seite. Sie ist äußerst sympathisch, kann aber auch knallhart sein und hält sich immer strikt an die Regeln. Sie leidet unter ihrer Vergangenheit. Ihre leibliche Mutter war psychisch krank und ist vor kurzem verstorben. Vibeke lebt immer mit der Angst die Krankheit geerbt zu haben.
Ihre Adoptiveltern liebt sie über alles. Ihr Adoptivvater war auch bei der Kripo in Flensburg und Vibeke ist in seine Fußstapfen getreten.

Rasmus Nyborg von der Kripo Esbjerg ist der dänische Ermittler.
Er liebt die legere, unkonventionelle Art und hält sich nicht immer an die Regeln. Es darf bei ihm schon einmal der „kleine Dienstweg“ sein.
Auch er schleppt so einigen Ballast aus seiner Vergangenheit mit sich herum. Vor allem den Tod seines Sohnes kann er nicht überwinden. Und das bringt ihn in diesem Band auch wieder in Gefahr.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten verstehen sich Vibeke und Rasmus mittlerweile gut, wie auch das restliche Team der Soko Padborg.

Der Fall ist äußerst kompliziere. Zuerst taucht in Deutschland, genauer gesagt im nordfriesischen Süderlügum eine Leiche auf. Ein Pferdewirt wird im Stall erhängt aufgefunden. Alles spricht gegen einen Suizid. In seinem Mund wird ein Bild, von einem fremden Jungen gefunden.
Es dauert eine Weile, bis der Zusammenhang an einem Mord auf der dänischen Seite gezogen wird. Auch hier gab es einen Toten, bei dem ein Bild im Mundraum gefunden wurde.
Schnell wird die Sondereinheit GZ Padborg zusammengerufen. Trotz eifriger Ermittlungen bleibt es nicht bei den zwei Opfern.

Anette Hinrichs hat auch mit ihrem 7. Band wieder geliefert.
Die Autorin versteht es gut, ihre Protagonisten in Szene zu setzten und zu führen. Die Charaktere sind richtig lebendig und das Ermittlerteam sympathisch.

Ohne viel Vorgeplänkel baut die Autorin schnell Spannung auf, die sie dann auch bis zum Ende aufrecht hält.
Dabei gibt es immer wieder neue Ansatzpunkte und Wendungen so, dass ich bis zum Ende keine Ahnung hatte, wer der wahre Täter sein könnte. Dazu kommen immer wieder Rückblenden, in denen von Jugendlichen erzählt wird.

Anette Hinrichs hat einen klaren, flüssigen und gut verständlichen Schreibstil.
Die Beschreibung der Handlungsorte ist sehr anschaulich, man hat schnell ein Bild vor Augen.

„Nordlicht – Das fremde Gesicht“ war wieder ein Lesegenuss mit viel Spannung.
Ich freue mich jetzt schon auf den 8. Band.

Pipeline

Lucas Fassnacht
Thriller
erschienen bei ARS Vivendi
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Lucas Fassnacht für das Rezensionsexemplar

Packender und brisanter Umwelt-Thriller

Klappentext:
Weil die Rhône von Jahr zu Jahr weniger Wasser führt, droht bei einer Reihe von südfranzösischen Atomkraftwerken die Kühlung zu versagen. Notgedrungen wird der deutsche Mittelständler Vogt beauftragt, eine Pipeline zu bauen, die das benötigte Kühlwasser vom Mittelmeer ins Landesinnere pumpen soll.
Die Widerstände sind enorm: Bauernverbände, Umweltorganisationen und die lokale Politik haben jeweils ihre eigenen Gründe, das Projekt verhindern zu wollen. Als eine Pumpstation in Flammen aufgeht, wird die Kommunikationsexpertin Cecilia Thoma von Hamburg nach Avignon beordert. Vorgeblich soll sie die brodelnde Öffentlichkeit beruhigen. Doch als Unbekannte sie mit dem Tode bedrohen, beginnt sie selbst zu recherchieren und findet heraus: Unter den zahlreichen Kräften, die die Pipeline verhindern wollen, haben die gefährlichsten ihre Wurzeln in der eigenen Firma.

„Pipeline“ von Lucas Fassnacht ist ein fiktiver Thriller, der leider gar nicht so realitätsfremd ist.

Die Klimakrise steht im Mittelpunkt des Thrillers. Durch die Erwärmung wird das Wasser knapp.
So auch hier in Südfrankreich, wo die Rhône zu wenig Wasser hat. Doch das Wasser wird dringend zur Kühlung der Atomkraftwerke gebraucht. Eine Pipeline soll gebaut werden, die das Wasser aus dem Meer ins Land pumpt. Doch hier gibt es viele Widerstände, eine Pumpstation wird Opfer der Flammen. Die Kommunikationsexpertin Cecilia Thoma, die, die Öffentlichkeit aufklären und beruhigen soll wird sogar mit dem Tod gedroht.

Lucas Fassnacht hat für seinen Thriller ein aktuelles Thema gewählt. Leider ist das ausgedachte Szenario gar nicht so unrealistisch.

Fakt ist die Klimakrise und auch die dadurch entstehende Wasserknappheit.
Gut vorstellbar ist auch, dass ein solches Projekt wie in dem Thriller beschrieben auf Widerspruch stoßen kann. Unter dem Deckmantel der Bauernverbände und Umweltorganisationen wird gegen das Vorhaben protestiert. Aber wer das Geld hat, dar hat auch die Macht.

„Pipeline“ ist kein Buch, dass man an einem Stück einfach so weg lesen kann. Es fordert schon die Aufmerksamkeit der Leser*innen, schließlich ist es ja auch ein komplexes Thema.

Lucas Fassnacht hat seine Charaktere gut gezeichnet und lässt sie lebendig wirken.

Das Thema wird vom Autor gut und auch für Laien verständlich vermittelt.
Der Schreibstil von Lucas Fassnacht ist flüssig und gut verständlich.

Mit seinem neuen Thriller „Pipeline“, konnte mich Lucas Fassnacht wieder einmal überzeugen.

Andere nennen es Urlaub

Franka Bloom
Roman
380 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Tiefgründig und humorvoll

Klappentext:
Annette, genannt Netti, (50) steckt privat und beruflich in einer Sackgasse: Die letzte Beziehung ist gescheitert, ihr Theatervertrag nicht verlängert, der Sohn auf dem Absprung. Und dann ist da noch ihr Vater Bruno, der seit dem Tod der Mutter nicht alleine klarkommt. Fast täglich schaut Netti bei ihm vorbei, obwohl sie und ihre erfolgreiche Schwester sich eigentlich gemeinsam kümmern wollten. Aber jetzt braucht Netti dringend eine Auszeit, um endlich mal durchzuatmen und ihr Leben neu zu ordnen. Und das am liebsten am Meer, irgendwo im Süden. Als sich ihr eine Mitfahrgelegenheit mit einem Italiener bietet, sagt sie sofort zu. Soll eben ihre Schwester nach dem Vater schauen. Doch als es losgeht, sitzt Bruno auf der Rückbank. Und Netti ahnt, dass es alles andere als ein entspannter Urlaub wird, denn ihr Vater hat eigene Pläne, und die Reisegruppe wird immer größer.

„Andere nennen es Urlaub“ ist ein humorvoller Familienroman von Franka Bloom.

Netti steht vor einem Wendepunkt in ihrem Leben. Ihr großer Durchbruch als Schauspielerin lässt schon lange auf sich warten. Jetzt wird sogar ihr Vertrag am Theater nicht verlängert. Der Sohn verlässt langsam das Nest. Nur ihr Vater Bruno, um den sie sich kümmert bleibt ihr erhalten. Ihre Schwester, mit der Netti sich abwechselnd um den Vater kümmern wollte, lässt sie kläglich im Stich.
Netti beschließt, sie braucht dringend Abstand von ihrem Alltag. Sie liebäugelt mit den Italienbildern in einem Reisebüro. Die Inhaberin macht ihr spontan das Angebot, mit ihrem Neffe Giorgio, der mit einem Kleinbus nach Triest fährt mitzufahren. Eine Woche Italien, ein Traum. Wohnen kann sie auch kostenlos im Apartment der Reisebürofrau, sie muss dafür nur das Apartment aufräumen. Kurzentschlossern sagt Netti zu. Um den Vater soll sich die Schwester kümmern. Doch am Tag der Abfahrt, sitzt Bruno schon auf dem Rücksitz und Netti wird in ihrem Urlaub zur 24-Stundernbetreuung.

Franka Bloom hat ihre Charaktere gut gezeichnet. Sie kommen richtig lebendig rüber. Mir gefallen Netti und auch ihr Vater Bruno sehr gut. Bruno kommt seit dem Tod seiner Frau nicht mehr allein klar, er braucht Hilfe. Im gemeinsamen Urlaub registriert Netti erst einmal, wie unselbstständig ihr Vater wirklich ist.

Franka Bloom erzählt die Geschichte tiefgründig und versieht sie immer wieder mit Humor.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich.
Das Thema Alleinsein und nicht loslassen können vermittelt die Autorin ihren Leser*innen gut.

„Andere nennen es Urlaub“ ist eine tiefgründige und humorvolle Familiengeschichte.