Zeit des Schweigens

Reiner Günter
Hörbuch
Sprecher Frank Schmalbach
erschienen bei Piet Henry Records
Link zum Hörbuch oder der Hörprobe: https://tinyurl.com/mvz2ky3u
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Interessant, schonungslos, authentisch

„Zeit der Zweifel“ ist der erste Band einer interessanten Trilogie von Reiner Günter.

Im Mittelpunkt steht David, ein junger Mann aus jüdischer Familie, der in seinem Heimatland plötzlich nicht mehr geduldet und nicht mehr sicher ist.
Die Familie beschließt nach Amerika auszuwandern. Zurück bleibt Davids große Liebe Charlotte.
Doch schon auf dem Schiff zieht ihn die interessante und mysteriöse Annemarie in ihren Bann.
Schon hier wird David hin und her gerissen. Auf der einen Seite Charlotte in Berlin und auf der anderen Seite Annemarie auf dem Schiff.
In Amerika wird es nicht besser. David muss feststellen, auch hier gibt es Rassismus und Antisemitismus.
Er beschließt in die Armee einzutreten und sein Land zu befreien.
Er kämpft sich mit seiner Einheit von der Normandie bis nach Deutschland vor.
Dann heißt es gegen seine eigenen Landsleute kämpfen.
Seine innere Zerrissenheit ist beim Lesen deutlich zu spüren.

Reiner Günter erzählt die Geschichte schonungslos ehrlich.
Der Autor und ich sind ungefähr im gleichen Alter.
Auch wenn wir den Krieg nicht miterlebt haben, hing er durch das Erzählen der Eltern irgendwie immer wie eine dunkle Wolke über uns.
Ich habe mich daher schon immer für die Jahr vor dem 2. Weltkrieg bis in die Nachkriegsjahre interessiert.
Ich habe unzählige Romane gelesen in denen diese Zeit als Grundlage gedient hat.
Reiner Günter erzählt seine Geschichte aus einer für mich neuen Perspektive.
Hier kommt ein Betroffener zu Wort der wegen der Judenverfolgung seine Heimat verlassen musste.
Der seine große Liebe ohne Abschied zurücklässt.
Der sich mit dem Unrecht in Deutschland nicht abfinden wollte und seine Heimat aus den Fängen der Nazis befreien wollte.
Der in Berlin ankommt und vor dem Trümmern steht.

Reiner Günter hat für seinen Roman erstklassige Recherchearbeit geleistet.
Der Autor vermittelt seinen Leser*innen das Geschehen auf eine sehr authentische Art und Weiße.
Der Schreibstil von Reiner Günter ist flüssig und gut verständlich.

Ich habe das Buch schon vor einigen Jahren gelesen.
Jetzt noch einmal das Hörbuch zu hören war ein richtig schönes Erlebnis.
Frank Schmalbach lässt mit seiner Stimme die Geschichte lebendig werden.
Eine hervorragende Lesung.

Finale an der Alster

Anja Marschall
Historischer Kriminalroman
251 Seiten
erschienen im Emons Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Emons Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannende Fortsetzung

Klappentext:
1907, Herbst. Kommissar Hauke Sötje ist auf der Flucht, als vermeintlicher Mörder geächtet, wird er getrieben von der Suche nach seiner entführten Tochter. Versteckt in der Hamburger Kanalisation stößt er auf eine Wahrheit, die bis in seine Vergangenheit als Kapitän und in die Welt der Spionage reicht. Eine hochbrisante Liste wird zum Schlüssel eines Komplotts, das ihn alles kosten kann: seine Freiheit, sein Leben und das seiner Tochter.

„Finale an der Alster“ ist ein spannender und interessanter historischer Kriminalroman von Anja Marschall. Es ist der 7. Band der Hauke Sötje Reihe und die Fortsetzung des letzten Bandes „Der Tote an der Alster“.

Kriminalinspektor Hauke Sötje befindet sich in einer scheinbar ausweglosen Lage. Als vermeintlicher Mörder seines Widersachers Graf von Lahn geächtet und von den eigenen Kollegen gejagt, muss er untertauchen.
Doch jetzt wurde seine Tochter entführt und er muss im Verborgenen auf eigene Faust ermitteln.

Hauke Sötje ist Kommissar in Hamburg. Sein Vorgesetzter hält viel von ihm, bei seinen Kollegen hat er eher einen schweren Stand. Das hat vielleicht mit seiner Vergangenheit als Kapitän zu tun.
Jetzt wird aus dem Jäger ein Gejagter.

Anja Marschall erzählt die Geschichte spannend. Die Charaktere sind zum größten Teil sympathisch. Vor allem Hauke Sötje gefällt mir gut und ich habe in diesem Band mit ihm gelitten.
Vor allem sticht die gute Recherche in diesem Kriminalroman hervor. Die Zeit der Handlung wird hier gekonnt widergespiegelt.
Auch die Sprache ist gut an die Zeit angepasst.
Vor jedem Kapitel gibt es unabhängig von der Geschichte einen kurzen Auszug aus einer örtlichen Zeitung. Damit kann man sich gut in die Zeit hineinversetzten.

„Finale an der Alster“ beendet die Krimireihe mit einem rasanten Showdown.

Freunde von früher

Micha Lewinsky
Roman
266 Seiten
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Empfehlenswerter Roman

Klappentext.
Béla erhält einen überraschenden Anruf: Das Haus an der Zederstraße steht zum Verkauf. Dreißig Jahre ist es her, dass er dort mit Simone, Serdar und Kim in einer WG gewohnt hat. Seither sind sie alle in unterschiedliche Richtungen gegangen. Ist es eine gute Idee, jetzt zu viert das Haus ihrer Aufbruchsjahre zu kaufen? So gesetzt wollte Béla eigentlich gar nie werden. Wenn er nicht in den Spiegel schaut, hält er sich immer noch für jung. Aber wirklich jung ist nur seine Freundin Kaja, die gerade festgestellt hat, dass sie schwanger ist.

„Freunde von früher“ von Micha Lewinsky, ist ein kluger und humorvoller Roman, der sich der Frage des Älterwerdens stellt.
Der Autor hat schon einige Drehbücher und ein Kinderbuch geschrieben und mich mit seinem Debütroman „Sobald wir angekommen sind“ begeistert.

Béla führt ein eher unaufgeregtes Leben. Doch die Information, dass das alte Haus in der Zederstraße verkauft werden soll, bringt ihn zum Nachdenken.
Genau dort hat er mit Simone, Serdar und Kim in einer WG gelebt. Der damalige Traum, immer zusammen in einem großen Haus zu leben, könnte sich jetzt erfüllen.
Doch die einst so rebellischen Jugendlichen müssten jetzt zu gediegenen Immobilienkäufern werden. Wäre die Clique von damals dazu bereit?

Micha Lewinsky erzählt die Geschichte sehr anschaulich und mit Humor. Wer fragt sich nicht, wo all die Jahre hin sind, und sieht sich (wohl als Einziger) immer noch so wie früher.
Man selbst ist ja kaum älter geworden, nur die anderen, die sind gealtert.

Die Charaktere sind glaubwürdig und lebendig.
Béla hat mir auf Anhieb gut gefallen. Er ist liebenswert und zweifelt manchmal an sich. Er weigert sich, zu erkennen, dass er gealtert ist. Er fühlt sich eigentlich immer noch wie der 20-jährige in der WG. Als sie sich wiedersehen, treffen doch verschiedene Charaktere aufeinander.
Die einstigen WG-Freunde haben sich unterschiedlich entwickelt.
Kaja ist Bélas junge Partnerin. Sie bildet den Kontrast zu den Junggebliebenen und den wirklich Jungen.

Der Schreibstil von Micha Lewinsky ist flüssig und gut verständlich, manchmal fast philosophisch. Der Autor spiegelt die Gegenwart wie auch die Vergangenheit, in der die Jugendlichen in der WG gewohnt haben, gut wider.
Dabei lockert Micha Lewinsky die Geschichte immer wieder mit Humor auf.

„Freunde von früher“ ist eine unterhaltsame Geschichte mit Humor an den richtigen Stellen. Ich habe das Buch mit Freude gelesen.

Meertotfrau

Christoph Kastenbauer
Kriminalroman
248 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Blutiges Paradies

Klappentext:
Richard Graber war einst einer der härtesten SEK-Beamten Berlins. Heute heißt er Costa Rico, ist Sicherheitschef eines Luxusresorts in Puerto Limón, hat einen deutlichen Bauchansatz, ein Faultier namens Fred Feuerstein als Haustier und ist bekannt für Nächte, die regelmäßig in peinlichen Katastrophen enden.
Doch das Paradies hat Zähne. Vor der Küste metzelt ein Syndikat Haie bei lebendigem Leib, schneidet ihnen die Flossen ab und lässt die Tiere verblutend im Meer treiben, alles für einen Milliarden-Umsatz im bestialischen Finning-Business. Als die Brandung am Hotelstrand die Leiche einer jungen Touristin anspült, Arme und Beine abgehackt, kann Rico das Ganze nicht länger ignorieren. Denn Rico kennt sie. Sehr gut sogar.

„Meertotfrau“ ist der 1. Band der neuen Krimireihe „Costa Rico“ von Christoph Kastenbauer.

Von der Handlung möchte ich nicht viel verraten, denn ohne Spoiler ist mehr als der Klappentext nicht möglich.

Ich habe etwas Zeit gebraucht, um in die Geschichte hineinzukommen. Der Schreibstil ist erst einmal gewöhnungsbedürftig.
Das soll nicht abschrecken, manche Geschichten brauchen einfach etwas Zeit.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet.
Die Hauptfigur ist Richard Graber alias „Costa Rico“. Er war früher SEK-Beamter und wollte in Costa Rica ein ruhigeres Leben führen. Davon zeugen auch sein Bauchansatz und sein oft lethargisches Verhalten. Auf den ersten Blick ein richtiger Antiheld, aber er kann auch anders.
Costa hat ein Haustier namens Fred Feuerstein. Das Faultier sorgt für manch skurrile Szenen.

Der Schreibstil ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig und etwas schwierig zu lesen. Das Erzähltempo schwankt zwischen eher in die Länge gezogenen Passagen und dann wieder zu temporeichen Abschnitten.
Das Setting ist mit Costa Rica gut gewählt. Die Postkartenidylle, das türkise Meer und die Sonne, dazu ein Luxusresort, werden gut vermittelt.

Dazu steht im krassen Gegensatz das Thema, das diesem Buch zugrunde liegt. Shark Finning! Haifischen werden oft noch lebend die Flossen abgeschnitten. Der Rest treibt im Meer, wo die Tiere qualvoll verenden.
So grausam dieses Haifischtöten auch zu lesen ist, so wichtig ist es, auf dieses Thema aufmerksam zu machen.

„Meertotfrau“ ist ein nicht ganz einfach zu lesender Kriminalroman, der mich aufgrund des heiklen Themas doch überzeugt hat.

Nächstes Mal für immer

Lucien Marant
Roman
315 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Wenn die Liebe eine zweite Chance bekommt

Klappentext:
Paris, 1999. Mona kommt als Studentin für ein Semester in die Stadt ihrer Träume. Noch ehe sie ihr WG-Zimmer beziehen kann, lernt sie Thibauld kennen. Eigentlich kann sie den arroganten Schönling nicht ausstehen. Doch etwas an seinem verträumten Wesen und seinem ganz eigenen Blick auf die Welt lässt Mona nicht los. Und so stürzt sie sich in einen Strudel der Gefühle, voller Kribbeln und Krampfen, Glücksmomente und Enttäuschungen.
Paris, 2019. Nach zwanzig Jahren kehrt Mona zurück in die Stadt, die einen Sommer lang ihr Zuhause war und blickt unversehens in ein Paar funkelnder Augen, die nichts von ihrer ansteckenden Freude und Wachheit verloren haben. Thibauld! Ausgerechnet dem Menschen, der für das größte Glück und die tiefste Verletzung in ihrem Leben verantwortlich war, läuft sie gleich nach ihrer Ankunft hier in die Arme. Hält das Schicksal eine zweite Chance für die beiden bereit?

„Nächstes Mal für immer“ ist ein schöner und tiefgründiger Roman von Lucien Marant.

Die Geschichte hat zwei Zeitebenen, zwischen denen 20 Jahre liegen.

Im Mittelpunkt steht Mona: Sie kommt als Studentin für ein Jahr nach Paris. Hier trifft sie Thibauld und verliebt sich in ihn. Doch es kommt zu einer Trennung.
20 Jahre später reist Mona wieder nach Paris und ausgerechnet läuft sie Thibauld über den Weg.

Lucien Marant hat großartige Charaktere erschaffen.
Mona war mir schnell sympathisch. Sie wirkt stark und doch hat sie etwas Verletzliches an sich.
Einst hatte sie sich in Paris verliebt, eine Liebe, die sie auch 20 Jahre später nicht vergessen hat.

Lucien Marant erzählt die Geschichte gefühlvoll. Man begleitet Mona und Thibauld in der Gegenwart. Ist dabei, wie die Frage der Schuld gestellt wird.
In der Vergangenheit erfährt man, wie es 1999 war. Wie Mona und Thibauld sich kennenlernen und wie es zur Trennung kommt.

Lucien Marant hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Der Autor erzählt nicht nur eine Liebesgeschichte, die zu Beginn gescheitert ist. Sie hinterfragt die Beziehung auch, fragt nach Schuld und Vergebung.

Der Handlungsort Paris gibt der Geschichte eine ganz besondere Atmosphäre.

Für mich ist „Nächstes Jahr für immer“ ein sehr schöner Roman, den ich mit Freude gelesen habe.

Alleinruhelage

Eva Menasse
Roman
209 Seiten
erschienen bei Kiepenheuer & Witsch
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar

Haus zu verkaufen

Klappentext:
Die nötige Hilfe ist quasi vom Himmel gefallen, Alla und Bolek aus Polen, zwei Kettenraucher, die alles können. Die Renovierungen und Rückschläge, die geplatzten Wasserleitungen und die Bosheiten der benachbarten Schrebergärtner lösen viele Erinnerungen und neue Erkenntnisse aus und so manche Fallstricke der deutsch-deutschen Geschichte nimmt die Erzählerin womöglich genauer wahr, als Wienerin in der doppelten Fremde. Dann beschließt sie, das geliebte Haus zu verkaufen, um noch einmal aus- und aufzubrechen aus ihrer „stabilen Alleinruhelage“.

„Alleinruhelage“ ist die Geschichte von einem Haus mit Garten von Eva Menasse.

Die Leserinnen begleiten in dieser Geschichte eine Frau, die keinen Namen bekommen hat. Die Frau ist Mitte 50, ist Schriftstellerin und kommt aus Österreich. So weit stimmt die Frau mit der Autorin überein. Der Rest bleibt der Fantasie der Leserinnen überlassen.

Das Haus, um das es in der Geschichte geht, hat die Frau mit ihrem Mann gekauft. Es steht in der ostdeutschen Provinz. Das Haus liegt in schöner „Alleinruhelage“ direkt am See.
Jetzt ist die Frau allein und möchte das Haus verkaufen. Um es in einen repräsentablen Zustand zu bringen, heuert die Frau Alla und Bolek aus Polen an. Die beiden, quasi Alleskönner, sollen das Haus wieder fit bekommen. Dabei passieren einige unerwartete Dinge.

Eva Menasse lässt das Haus zu einem Protagonisten werden.
Als Leser*in erfährt man über das Leben in diesem Haus. Von schönen und weniger schönen Zeiten.
So erfährt man auch von den anfänglichen Schwierigkeiten, die sich auftaten, als sie aus dem Westen kommend das Haus in Ostdeutschland erworben haben.
Die Autorin beleuchtet die Zeit nach der Wende ziemlich genau.

Die Charaktere sind lebensnah und authentisch.
Die Frau, die das Haus verkaufen möchte, hat viele Erinnerungen, die den Leser*innen offenbart werden.

Alla und Bolek aus Polen, die das Haus renovieren sollen, haben mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht.
Für mich ist der Hauptprotagonist das Haus, das schon viel gesehen und erlebt hat.

Der Schreibstil von Eva Menasse ist flüssig und gut verständlich. Immer wieder streut sie etwas Humor in die Geschichte ein, was das Ganze auflockert.

Die Atmosphäre wechselt so, wie die Erinnerungen. Von himmelhochjauchzend bis hin zur Melancholie.

„Alleinruhelage“ ist ein Roman, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat.

Silberküste

Alexander Oetker
Kriminalroman
323 Seiten
erschienen bei Hoffman und Campe
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

Ermittlungen im dicken Winter

Klappentext:
Auf einer entlegenen Waldstraße wird eine Frau angefahren und stirbt. Die Krankenschwester hatte einen gewalttätigen Ehemann, der sofort ins Visier von Commissaire Luc Verlain gerät. Doch schon bald wird klar: Die mutige Frau ermittelte im Fall einiger verdächtiger Todesfälle unter alten Menschen, die in den kleinen Strandorten entlang der Côte d’Argent, der Silberküste, ihren Lebensabend verbrachten. Lucs Team muss kurz vor Weihnachten alle Register ziehen – die Spur führt sie in ein Kloster im Landesinneren, in dem ein sehr charmanter Priester seine Fäden zieht. Ein rätselhafter und berührender Fall im schneereichsten Winter, den die Aquitaine seit Jahrzehnten erlebt hat.

„Silberküste“ ist mittlerweile schon der 11. Aquitaine Krimi von Alexander Oetker.

Luc Verlain der smarte Kommissar, ist mir schon seit dem ersten Band sympathisch.
Auf sein Töchterchen Aurélie ist er sehr stolz, sie ist ein wahrer Sonnenschein. Luc’s Partnerin Anouk ist mittlerweile Leiterin der Police nationale in Bordeaux und somit Luc’s Chefin. Die kleine Aurélie ist, während Anouk und Luc arbeiten, bei Luc’s Vater gut aufgehoben.

Die Leiche einer Frau wird gefunden. Eine Krankenschwester, die sich in den kleinen Dörfern um die alten und kranken Menschen kümmert. Jetzt wurde sie von einem Auto erfasst und einfach im Wald abgelegt. Für Luc Verlain ist schnell klar, das war kein Unfall, das war Mord.
Zusammen mit seiner neuen Partnerin Rose Schillinger übernimmt er die Ermittlungen.
Je tiefer die Ermittler in den Fall eindringen, umso tiefer wird der Graben, der sich vor ihnen auftut.

Alexander Oetker beschreibt wie immer die Handlungsorte sehr anschaulich. Der Winter und die Kälte, die selten für diese Gegend sind, sind fast auf der Haut zu spüren.
Im Gegensatz dazu die Stille und die kleinen Orte ganz ohne Touristen, sorgen für eine heimelige Atmosphäre.
Die Ermittlungen gestalten sich schwierig und nur mit nicht ganz regulären Mitteln lassen sie sich in die richtigen Bahnen leiten.

Yacine Zutouna, der im letzten Band einen tödlichen Schuss abgegeben hat, muss sich jetzt vor Gericht verantworten.
Anouk und auch Luc müssen als Zeugen aussagen.

Die Charaktere sind wieder gut gezeichnet und einige ja schon aus den vorherigen Bänden bekannt. So treffen die Leser*innen auch wieder auf Rose Schillinger, die jetzt fest zum Team gehört und die Krimireihe bereichert.

Alexander Oetker erzeugt recht schnell Spannung, die sich im Laufe der Geschichte immer weiter steigert. Der Schreibstil von Alexander Oetker ist flüssig, leicht verständlich und fesselnd.
Die kurzen Kapitel verleiden dazu, immer weiterzulesen.

Natürlich fehlt auch die Kulinarik nicht. Denn auch während der Ermittlungen muss Luc und sein Team essen und trinken.

„Silberküste“ ist wieder einmal ein richtig guter und spannender Krimi.
Ich freue mich jetzt schon auf den 12. Band, „Dünenfeuer“, der am 3. März 2027 erscheinen soll.

Herbstlichtzauber

Sophie Jomain
Roman
333 Seiten
Übersetzt aus dem Französischen von Annika Klapper und Anja Malich
erschienen bei Rowohlt Polaris
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein Wohlfühlroman

Zum Inhalt:
Im Mittelpunkt steht Phèdre. Sie erbt das alte Herrenhaus „Little Balmoral“ in einem französischen Dorf, von ihrer Tante.
Ihr Plan ist, das Haus zu besichtigen und zu verkaufen. Doch an das Erbe sind Bedingungen geknüpft. Das Haus muss erst vollständig saniert werden, bevor es zum Verkauf angeboten wird. Das Geld für die Sanierung hat die Tante auch hinterlassen.
In „Little Balmoral“ angekommen, kommen viele schöne Erinnerungen wieder hoch. Vor neun Jahren hat Phèdre hier ihre große Liebe zurückgelassen. Jetzt steht sie Adam wieder gegenüber. Heute ist Adam Journalist und recherchiert über „Spukhäuser“. Dazu gehört offenbar auch „Little Balmoral“.
Den Brief, den Phèdre Adam vor neun Jahren hinterlassen hatte, den hat Adam nie bekommen.
Dafür findet Phèdre jetzt überall im Haus verteilt kleine Stücke des Briefs, die sie zusammensetzt. Nur kann man auch eine alte Liebe wieder zusammensetzten?

„Herbstlichtzauber“ ist ein Roman zum Wohlfühlen von Sophie Jomain.
Die Aufmachung, das Cover des Buchs, ist ein Hingucker und hat mir schon vor dem Lesen herbstliche Gefühle vermittelt.

Sophie Jomain hat lebendige und authentische Charaktere erschaffen. Mich hat Phèdre schnell überzeugen können.
Genauso Adam, er ist ein wundervoller Charakter. Man spürt schnell, dass die Gefühle der beiden noch nicht gestorben sind.
Auch die Dorfgemeinschaft und ihre Herzlichkeit bereichern den Roman ungemein.

Schön gemacht sind die kleinen Stücke des Briefs, die überall im Haus versteckt sind. Die Leser*innen finden diese im Buch abgedruckt und können sich selbst ein Bild davon machen.

Der Schreibstil von Sophie Jomain ist flüssig und gut verständlich. Das alte Herrenhaus wird anschaulich beschrieben. Ich hatte direkt Bilder im Kopf.
Mit den Vorbereitungen zum großen Halloween-Ball bekommt das Ganze eine herbstliche Atmosphäre.

Man möchte sich nur noch in eine Wolldecke einkuscheln, eine Tasse Tee in der Hand und lesen.

Die Töchter vom Königssee – Schmetterlingstage

Martina Sahler
Roman
385 Seiten
erschienen im Bastei Lübbe Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Ein gelungener und emotionaler Auftakt der Trilogie

Klappentext:
Vor zwanzig Jahren waren sie ein starkes Gespann: Die junge Lehrerin Isabella Thomsen vom Königssee-Gymnasium und ihre drei liebsten Schülerinnen Mona, Valerie und Charlotte. Jetzt wird Isabella zur Schulleiterin ernannt, und die offizielle Feier ist ein wunderbarer Anlass für ein Wiedersehen der alten Schulfreundinnen. So kehrt Mona nach langer Zeit in Paris zurück an den Königssee. Schon die Anreise weckt in ihr gemischte Gefühle, denn sie wird gleich mit der dörflichen Enge konfrontiert. Aber auch mit der Schönheit der Landschaft. Es ist nie zu spät für Veränderungen, heißt es. Gilt dies auch für Monas heimliche Beziehung und die massive Ablehnung ihrer Tochter Pia?

„Die Töchter vom Königssee – Schmetterlingstage“ ist der 1. Band der geplanten Trilogie „Die Töchter vom Königssee“ von Martina Sahler.
Ich habe schon einige Bücher der Autorin gelesen und bin immer wieder von ihrem atmosphärischen Schreibstil begeistert.

Seit vielen Jahren verbindet die Lehrerin Isabella Thomsen eine Freundschaft mit Mona, Valerie und Charlotte, die einst ihre liebsten Schülerinnen waren.
Jetzt wird Mona zur Schulleiterin befördert und nutzt die Gelegenheit, bei der anstehenden Feier ihre Freundinnen wiederzusehen.

Die Autorin hat lebendige und authentische Charaktere erschaffen.
Mir waren die Frauen auf Anhieb sympathisch und ich wollte gleich mehr von ihnen erfahren.
Von den 3 Freundinnen steht im 1. Band Mona im Vordergrund. Ich gehe davon aus, dass bei den 3 Bänden immer eine der Frauen in den Vordergrund rückt.

Martina Sahler erzählt die Geschichte auf zwei Zeitebenen.
In der Gegenwart verfolgen die Leserinnen die junge Lehrerin Isabella Thomsen, die zur Schulleiterin befördert wird. In der Vergangenheit lernen die Leserinnen vor allem Mona besser kennen. Sie erfahren, warum sie einst die Heimat so plötzlich verlassen hat.
Mona ist auf ihrer Reise in die alte Heimat hin- und hergerissen. Zum einen hat sie vor langer Zeit die Heimat fluchtartig verlassen und die Erinnerungen kommen zurück. Zum anderen ist sie von der Schönheit ihrer Heimat überwältigt.

Martina Sahler hat einen flüssigen, gut verständlichen und emotionalen Schreibstil.
Die Handlungsorte werden sehr anschaulich beschrieben. Der Königssee wird den Leser*innen mit seiner Schönheit nahegebracht.

„Die Töchter vom Königssee – Schmetterlingstage“ ist eine schöne und emotionale Geschichte. Ich freue mich schon auf den 2. Band.
„Die Töchter vom Königssee – Libellensommer“ der am 1. 2. 2027 erscheinen soll. In diesem Band wird dann Valerie in den Vordergrund rücken.

Die Tote in den Salinen

Joachim Mertens
Kriminalroman
428 Seiten
erschienen bei BoD – Books on Demand
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Joachim Mertens für das Rezensionsexemplar

Bemerkenswertes Debüt

Klappentext.
Eigentlich will Stefan Wagner sich an der Algarve von seiner kräftezehrenden Arbeit als Kommissar erholen. Die Luftveränderung vom verregneten Wuppertal ins sonnige Tavira, die Stadt am Rio Gilão, soll seine leergefahrenen Akkus wieder aufladen. Ausgedehnte Wanderungen in den Salinen, die Gelassenheit der Menschen in dem kleinen Ort, und nicht zuletzt das gute portugiesische Essen: kleine Puzzleteile, um zu entspannen. Doch ein schockierender Leichenfund rüttelt ihn auf. Wer ist die Tote und warum wurde sie so seltsam versteckt? Gemeinsam mit seinem portugiesischen Kollegen Carlos Oliveira begibt er sich auf Spurensuche. Düstere Erinnerungen an ein lang zurückliegendes Ereignis hemmen jedoch Wagners Professionalität. Als eine weitere Leiche auftaucht, erkennt er, dass der Fall weitaus komplizierter ist als zunächst angenommen. Zeugen, die wenig gesehen haben, Polizeiarbeit ohne Fortune. Und Wagner fühlt sich plötzlich allein. Eine weit zurückliegende erschütternde Begebenheit im familiären Umfeld trübt vermehrt seine objektive Sicht. Ist die entscheidende Unterstützung näher, als er glaubt?

„Die Tote in den Salinen“ ist ein bemerkenswertes Debüt von Joachim Mertens.

Gleich zu Beginn kommt es inmitten der weißen Salzbecken der Salinen zu einem Leichenfund.
Kommissar Stefan Wagner ist eigentlich zur Erholung in die Agaven gereist. Jetzt steht er seinem portugiesischen Kollegen Carlos Oliveira bei den Ermittlungen zur Seite.
Schnell sehen die Ermittler sich einem Geflecht aus Korruption und Lügen gegenüber.

Joachim Mertens hat großartige Charaktere ins Leben gerufen. Das ungleiche Ermittlerpaar gefällt mir gut.
Da der deutsche Kommissar Stefan Wagner keine Berechtigung hat, um in Portugal zu ermitteln, steht er seinem Kollegen, der die Ermittlungen übernommen hat, zur Seite.

Der Handlungsort wird von Joachim Mertesn anschaulich beschrieben.
Die Salinen mit ihren schneeweißen Salzhügeln, das tiefblaue Meer und die flirrende Sommerhitze werden den Leser*innen gut vermittelt.

Der Schreibstil von Joachim Mertens ist flüssig und gut verständlich. Der Autor baut schnell Spannung auf und durch unerwartete Wendungen hält er sie auch bis zum Ende aufrecht.

„Die Tote in den Salinen“ ist ein spannender Krimi mit einem schönen Setting. Ich würde mir weitere Bände mit den Ermittlern wünschen.