Küstenstille

Anja Marschall
Kriminalroman
331 Seiten
erschienen im Emons Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Emons Verlag für das Rezensionsexemplar

Unterhaltsamer Kriminalroman mit schönem Setting

Klappentext:
Ein Kunstsammler stürzt kurz vor einer spektakulären Enthüllung in den Tod. War es ein Unfall oder Mord? Seine Schwestern wittern böse Absichten und beauftragen den Hobbydetektiv Johann Lupin mit Nachforschungen. Bei seinen Ermittlungen in der exzentrischen Kunstszene an der Ostsee stößt Lupin auf eine Spur, die bis zu dem berühmten Maler Ernst Ludwig Kirchner zurückführt. Hat vor über hundert Jahren etwas begonnen, das nun tödliche Kreise zieht?

„Küstenstille“ ist ein ruhiger und unterhaltsamer Kriminalroman von Petra Tessendorf.

Im Mittelpunkt steht der Tod eines Kunstsammlers. Der Hobbydetektiv Johann Lupin wird von der Schwester des Opfers beauftragt, Ermittlungen anzustellen. Diese führen Lupin in die Kunstszene, bis zu einem bekannten Maler.
Der Hobbydetektiv Johann Lupin steht einer Welt aus Intrigen gegenüber. Und ein Geheimnis aus früheren Zeiten will aufgedeckt werden.

Petra Tessendorf hat für ihre Geschichte skurrile Charaktere erschaffen. Besonders Lupin hat mir gut gefallen. Ich denke, er hat Potenzial für mehr Geschichten.

Besonders die Kunstszene wird gut und mit einem Augenzwinkern dargestellt.
Das Setting spielt an der Ostsee, was dem Krimi eine schöne Atmosphäre verleiht.

Petra Tessendorf erzählt die Geschichte in einem ruhigen Tempo und lässt den Leser*innen Zeit, sich mit den Charakteren und der schönen Umgebung vertraut zu machen.
Aber keine Angst, auf Spannung müssen die Krimifreunde nicht verzichten.

Petra Tessendorf hat einen flüssigen, gut verständlichen Schreibstil, den sie mit einer Prise Humor würzt.

„Küstenstille“ ist ein unterhaltsamer Kriminalroman mit schönem Setting. Ich habe das Buch gerne gelesen.

Das Gehöft

Leo Brandt
Thriller
394 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Abgeschnitten von der Außenwelt

Klappentext:
Ein kleines Team um die Biologin Lara hat ein Gehöft auf der menschenleeren Hallig Westeroog gekauft, um es ökologisch zu bewirtschaften. Doch bald nach der Ankunft geschehen seltsame Dinge. Laras Bruder Malte verschwindet spurlos, kurz darauf reißt die Funkverbindung ab. Die Gruppe ist von der Außenwelt abgeschnitten; ein Entkommen ist wegen der gefährlichen Strömung in einem Priel unmöglich. Lara ist sich sicher, dass sie nicht allein auf der Insel sind. Zugleich verdichten sich Hinweise, dass ihr Lebensgefährte Henry etwas mit dem Verschwinden von Malte zu tun hat. Werden sie von einem Unbekannten verfolgt oder besitzt Henry eine dunkle, gewalttätige Seite? Als eine weitere Person verschwindet, eskaliert die Situation.

„Das Gehöft“ ist das Thriller-Debüt von Leo Brandt.

Der Handlungsort, die unbewohnte Hallig Westeroog, gekauft von einem kleinen Team, rund um die Biologin Lara.
Im Mittelpunkt stehen fünf junge Menschen.
Die Biologin Lara, eine sympathische junge Frau, die sich von dem Versuch, die Hallig biologisch zu bewirtschaften, viel verspricht.
Laras Bruder Malte. Er ist Asperger-Autist und auf seine Schwester Lara angewiesen.
Laras Freund Henry, Softwareentwickler mit eigener IT-Firma, die er mit seinem Freund Kenan zusammen führt.
Kenan ebenfalls Softwareentwickler und Geschäftspartner von Henry. Er ist ein ausgeglichener Typ mit ökologischem Interesse.
Kenans Freundin Silke, Fachärztin für Chirurgie. Silke ist sehr ehrgeizig, was ihren Beruf sowie das Leistungsschwimmen, das sie betreibt, angeht.

Diese fünf begeben sich auf die abgelegene Hallig. Nach dieser Hallig gibt es nur noch das Meer.
Ein Unwetter mit heftiger Sturmflut bricht aus, die jungen Leute sind von der Außenwelt abgeschnitten. Plötzlich auf sich allein gestellt, ohne jeglichen Ausweg, kommt es zu Streitereien unter der Clique. Dann verschwindet plötzlich Malte, Laras Bruder.

Leo Brandt schildert eine Situation, die ich in letzter Zeit oft in Thrillern gelesen habe. Menschen sind plötzlich irgendwo von jeglicher Zivilisation abgeschnitten und es passiert ein Unglück.
Trotzdem gelingt es dem Autor mich mit seinem Thriller zu fesseln.
Leo Brandt baut schon im Prolog Spannung auf, die er im Laufe der Geschichte noch steigert.
Nach der Sturmflut ist die Clique auf sich allein gestellt. Die Situation verschärft sich als, Malte verschwindet und auch das einzige Boot weg ist. Die Internetverbindung ist zusammengebrochen. Wobei es mich wundert, dass auf einer unbewohnten Hallig überhaupt eine Internetverbindung besteht.

Leo Brandt erzählt die Situation auf der Hallig mit einigen Gänsehautmomenten.
Die Charaktere werden gut beschrieben. Nach einiger Zeit weiß man allerdings nicht mehr, wem man wirklich trauen kann.

Der Schreibstil von Leo Brandt ist flüssig und gut verständlich. Die Geschichte hat mich schnell gefesselt.

Auch wenn ich solche Szenarien in letzter Zeit häufig gelesen habe, ist „Das Gehöft“ ein spannender Thriller, den ich gerne gelesen habe.

Giftige Blüten

Luca Ventura
Roman
352 Seiten
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannender Capri-Krimi

Klappentext:
Die junge Lina Verde sucht an den rauen, steilen Hängen von Capri nach einer seltenen Orchidee. Kurz darauf findet Fischer Zeno ihren leblosen Körper. Er behauptet, Lina und er seien ein Paar gewesen, kennt aber nicht einmal ihre Adresse. Hat er sie getötet? Zeno ist ein notorischer Lügner, bei Touristinnen gibt er den Capri-Fischer zum Anfassen. Rizzi und Cirillo trauen ihm alles zu, doch ein Parfumeur bringt sie auf eine neue Spur. Hat Lina wirklich nur eine Blume gesucht?

„Giftige Blüten“ ist der 7. Capri-Krimi“ von Luca Ventura. Ich habe schon einige Bände der Reihe gelesen und war immer begeistert.

Lina ist als Praktikantin bei einer bekannten Parfümerie tätig. Im Parcours Astarita ist sie auf der Suche nach einer seltenen Orchidee. Hier wird sie auch von dem Fischer Zeno tot aufgefunden. Die Polizisten Rizzi und Cirillo übernehmen, die Ermittlungen. Die Behauptung von Zeno, dass er und Lina ein Paar waren glauben die Polizisten nicht. Denn Zeno ist als Lügner bekannt.

„Giftige Blüten“ ist ein spannender und anspruchsvoller Kriminalroman.
Luca Ventura führt seine Leser*innen in die Welt der Parfümeure. Man erfährt so einiges über die Herstellung eines Parfüms.
Wie immer beschreibt der Autor seine Handlungsorte sehr anschaulich. Egal ob die Hügel von Capri oder Neapel, wo die Geschichte auch hinführt.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und wirken lebendig. Die beiden Ermittler sind schon aus einigen Bänden bekannt und mir sehr sympathisch. Immer wieder erfahren die Leser*nnen ein bisschen aus dem Privatleben der Polizisten, was mir gut gefällt und sie menschlicher erscheinen lässt.

Luca Ventura baut schnell Spannung auf und hält sie auch über die gesamte Geschichte aufrecht. Der Autor baut etliche Wendungen ein und es gibt immer wieder Spuren, die im Sande verlaufen. Das Mitraten hat Spaß gemacht, der wahre Täter war eine Überraschung, ich habe ihn nicht enttarnen können.

„Giftige Blüten“ ist ein spannender Krimi mit schönem Setting. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen.

La Commissarina und die Toten von Verona

Anna Vigneto
Kriminalroman
441 Seiten
erschienen im Ullstein Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Anna Vigneto für das Rezensionsexemplar

Der ideale Urlaubskrimi

Klappentext:
Eine Woche im wunderschönen Verona und am Gardasee! Die Münchner Kunsthistorikerin Franka Köhler freut sich darauf, die Studentengruppe auf der Reise zu betreuen.
Doch dann entgeht der Professor, der die Gruppe leitet, nur knapp einem Giftanschlag.
Gibt es einen Zusammenhang mit dem mysteriösen Todesfall im berühmten »Haus der Julia« in Verona, in dem Kriminalkommissar Antonio Acero gleichzeitig ermittelt? Die Spur führt zum »Club di Giulietta«, der Liebesbriefe aus aller Welt beantwortet. Als eine weitere Person aus Frankas Gruppe erdolcht aufgefunden wird, spitzt sich die Lage zu und Franka selbst gerät ins Visier des Mörders.

„La Commissarina und die Toten von Verona“ ist der 2. Band der Reihe „La Commissarina von Anna Vigneto.

Die Autorin entführt ihre Leser*innen an den schönen Gardasee und nach Verona. Franka ist als Tourguide unterwegs und begleitet eine Schulklasse. Der Professor, der illustren Gruppe, entgeht nur knapp einem Giftanschlag.
Zur gleichen Zeit ermittelt Kriminalkommissar Antonio Acero in einem Todesfall, der sich im Haus der Julia zugetragen hat. Als auch noch eine Person aus Frankas Gruppe tot aufgefunden wird, kommt der Gedanke auf, dass die Todesfälle zusammenhängen könnten. Dann gerät Franka selbst in Gefahr.

Anna Vigneto baut in ihrem Krimi recht schnell Spannung auf und steigert sie bis zum Ende immer weiter. Die Charaktere sind gut beschrieben und Franka und der Commissario waren mir schon im 1. Band schnell sympathisch. Franka kommt eigentlich aus Deutschland und plant in Italien einen Neuanfang. Jetzt gerät sie wie schon im 1. Band in Mordermittlungen.
Auch der Handlungsort, die Stadt von Romeo und Julia, Verona wird schön beschrieben.
Trotz der Mordopfer und der Spannung schafft die Autorin es gut, dass das italienische Flair bei den Leser*innen ankommt. Da ich Italien liebe, hat sich bei mir schnell ein Urlaubsgefühl eingestellt.

Die Autorin hat einen flüssigen, gut verständlichen und fesselnden Schreibstil.

„La Commissarina und die Toten von Verona“ ist ein spannender Krimi, den ich mit Freude gelesen habe. Ich würde mir mehr davon wünschen.

Schwesternland

Katharina Fuchs
Roman
478 Seiten
erschienen im Droemer Knaur Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Droemer-Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Auftakt einer großen Familiensaga

„Schwesterland“ ist der 1. Band der Schwesternreihe von Katharina Fuchs.
Die Autorin hat mich schon mit einigen Romanen begeistert, auf diese Reihe, in der 4 Schwestern im Mittelpunkt stehen bin ich besonders gespannt.

Es geht um die vier Schwestern Antonia, Chiara, Elisa und Lucia. In jedem Band wird einen der Schwestern in den Vordergrund rücken.
Nach dem frühen Tod des Vaters, ist die Verbindung der Schwestern nicht mehr so wie sie war.

Zum 100. Geburtstag der Großmutter, treffen sich alle im Ferienhaus im Havelland. Das Schwesternland, wie die vier es gerne nennen. Hier haben die Geschwister viele schöne Sommer verbracht und so kommen auch wieder Erinnerungen auf.

Die Großmutter hat zum Geburtstag ein Ahnengutachten bekommen. Eine Person erregt besonders die Aufmerksamkeit von Antonia. Die junge Hugenottin Jeanne Beauvais, Tochter eines Seidenhändlers aus dem 17. Jahrhundert. Nach dem Jeanne alles verloren hatte, muss sie in Berlin-Brandenburg ganz von vorne anfangen. Antonia ist von Jeanne fasziniert und folgt ihren Spuren zurück ins 17. Jahrhundert.

Die Geschichte hat zwei Zeitebenen. Einmal die Gegenwart, der Geburtstag der Großmutter und das Havelland. Nach einiger Zeit, folgen die Leser*innen Antonia bei der Suche nach der Vergangenheit von Jeanne Beauvais.

Die zweite Zeitebenen führt zurück ins 17. Jahrhundert und die Leser*innen lernen Jeanne leibhaftig kennen. Die Geschichte erzählt, das Leben von Jeanne, wie sie alles verlor.

Katharina Fuchs erzählt in ihrem neuen Roman eine Familiengeschichte über mehrere Generationen.
Mich hat sowohl die Gegenwart als auch die Vergangenheit fasziniert.
Antonia ist eine tolle Protagonistin, die ich schnell ins Herz geschlossen habe. Mit großem Elan geht sie an die Nachforschung über ihre Ahnin.

Der Handlungsstrang in dem Jeanne Beauvais eine große Rolle spielt hat mich besonders gefesselt. Als König Ludwig XIV. auf brutale Weise gegen die Hugenotten vorgeht und diese gezwungen werden zum katholischen Glauben überzutreten, sieht die Familie Beauvais, Mutter, Vater und vier Kinder keinen anderen Ausweg als Frankreich zu verlassen. Ihr Weg führt sie nach Preußen, wo König Friedrich Wilhelm I. die Hugenotten mit vielen Versprechen anlockt.

Das 17. Jahrhundert wird gut und glaubwürdig widergespiegelt. Die Brutalität, mit der die Hugenotten gezwungen werden, den Glauben zu wechseln hat mich erschüttert. Aber sind die Kämpfe im Namen des Glaubens nicht immer die brutalsten?

Katharina Fuchs erzählt die Geschichte von Antonia und vor allem die Geschichte von Jeanne sehr eindringlich und fesselnd. Im Laufe der Geschichte verflechten sich die beiden Handlungsstränge immer mehr.

Die Autorin hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Ich bin nach wenigen Seiten wieder einmal tief eine Geschichte eingetaucht und habe das Buch an zwei Abenden gelesen.

„Schwesternland“ ist der Auftakt zu einer ganz großen Familiensaga. Ich bin jetzt schon sehr auf den 2. Band gespannt.

Eine andere Geschichte

Charles Lewinsky
Roman
413 Seiten
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine interessante Geschichte

Klappentext:
Los Angeles, 1959. Der betagte Filmproduzent Curtis Melnitz wird jede Nacht von Albträumen heimgesucht. Er braucht unbedingt Schlaftabletten, aber die bekommt er nur, wenn er regelmäßig zur Psychoanalyse geht. Auf der Couch des Psychiaters erzählt er wider Willen seine Geschichte, sein Leben zwischen Hollywood und Berlin, zwischen der noch schwarz-weißen, stummen Traumfabrik und der umso grelleren, schreienden deutschen Wirklichkeit des frühen 20. Jahrhunderts. Jede Sitzung ein Kapitel. Ein Leben wie ein Roman.

„Eine andere Geschichte“ ist der neue Roman von Charles Lewinsky.

Im Mittelpunkt steht der alternde Filmproduzent Curtis Melnitz. Kenner der Romane von Charles Lewinsky werden sagen: „Melnitz, den Roman kenne ich doch“. Ja, aber wie der Titel schon sagt, es ist eine andere Geschichte.

Curtis Melnitz wird von Albträumen geplagt, kaum eine Nacht kann er richtig schlafen. Um Schlaftabletten zu bekommen, die ihm einen geruhsamen Schlaf ermöglichen, muss er einem Psychiater seine Lebensgeschichte erzählen. Eine Geschichte zwischen zwei Welten. Zwischen der Traumfabrik des Films und dem realen Leben.

Wie von Charles Lewinsky gewohnt, hat er seine Charaktere gut gezeichnet. Ich konnte schnell eine Verbindung zu Curtis Melnitz aufbauen.
Auch der Psychiater Dr. Cowan ist ein Charakter, der die Geschichte bereichert.

Charles Lewinsky hat einen klaren und gut verständlichen Schreibstil. In seinen Geschichten ist er sehr wandelbar. Ich habe einige Bücher des Autors gelesen und war immer begeistert.

Für diese Geschichte hat sich Charles Lewinsky eine reale Person auserkoren. Curtis Melnitz hat wirklich gelebt und war unter anderem auch Filmproduzent in Hollywood.

Ich fand es sehr interessant, die Geschichte zu lesen. Besonders die Besuche bei Dr. Cowan. Die Gespräche waren gehaltvoll und oft mit Humor versehen. Melnitz hat viel aus seinem Leben in Hollywood und von der Filmwelt erzählt. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, direkt bei den Gesprächen als stiller Zuhörer dabei zu sein.

„Eine andere Geschichte“ unterscheidet sich wirklich von den Romanen, die Charles Lewinsky bisher veröffentlicht hat.
Ich habe das Buch mit Freuden gelesen.

Die Riesinnen

Ellen Sandberg
Roman
409 Seiten
erschienen im Penguin Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar

Absolutes Highlight

Klappentext:
»Mager ist sie, wie ein Kleiderhaken, zurechtgebogen zu Menschenform. Dünn und stark und langgestreckt: Keine ist größer als sie, im Dorf nicht, und auch nicht im nächsten. Dazu die Kupferwollehaare, die wütend nach dem Himmel greifen. Wer sie sieht, weiß, wer sie ist, man weiß es sofort, und sie hasst es, hasst es, hasst es. Vielleicht hätte sie es, an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit, auch lieben können, aber das geht nicht, nicht hier.«
Wittenmoos, ein kleines Dorf im Schwarzwald, ist die Heimat dreier Frauen. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Liese, die still und unerbittlich die Metzgerei führt. Cora, ihre Tochter, die Wütende, die ausbrechen wird und lernen muss, dass Heimkehr keine Niederlage ist. Und Eva, Coras Tochter, die den Wald so sehr liebt und sich dessen erst bewusst werden muss.

„Die Riesinnen“ von Hannah Häffner ist eins der schönsten Bücher, die ich je gelesen habe.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen drei Frauen aus drei Generationen, die unterschiedlich nicht sein könnten. Doch eins haben sie gemeinsam, sie sind sehr groß und dürr, sie sind die drei Riesinnen.

Es beginnt mit Lieselotte. Sie lebt im Schwarzwald, in dem kleinen Dorf Wittenmoos. Von weitem erkennt sie schon jeder, denn sie ist groß, größer als jeder andere und hat eine rote Mähne. In die Dorfgemeinschaft mag sie sich nicht einfügen.

Nach einiger Zeit wechselt die Perspektive zu Cora. Von Lieselotte wird nur noch als Mutter gesprochen. Cora führt die Dorfmetzgerei. Sie ist alles andere als still, möchte am liebsten aus der enge des Dorfs ausbrechen. Auch sie ist groß, größer als alle anderen.

Dann wechselt die Perspektive zur dritten Frau im Bund, zu Eva, der Tochter von Cora. Wie kann es anders sein, auch Eva ist sehr groß. Eva ist in ihrem Wesen wieder ganz anders. Sie sucht den Weg hinaus aus dem Dorf. Aber es zieht sie auch wieder zurück, zurück zu ihren Wurzeln.

Hannah Häffner beschreibt drei unterschiedliche Frauen, die doch viele Gemeinsamkeiten haben. Mir war jede von ihnen sympathisch.
Die Handlungsorte, das Dorf im Schwarzwald werden sehr anschaulich beschrieben. Ich hatte schnell Bilder im Kopf.
Auch die Zeit der Handlung, die mit den drei Generationen fortschreitet, wird gut eingefangen.

Hannah Häffner hat einen angenehmen und flüssigen Schreibstil. Die Sprache ändert sich mit jeder der drei Frauen. Zu Beginn, als Lieselotte im Mittelpunkt stand möchte ich die Sprache fast poetisch nennen. Die Autorin hat mit dem Wechsel der Frauen und somit der Generation auch den Ton in der Geschichte geändert. Das hat mir sehr gut gefallen.

Nach nur wenigen Seiten wurde ich wie durch einen Sog in die Geschichte katapultiert. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Ich habe mir in diesem Buch so viele schöne Sätze markiert, die ich einfach nicht vergessen möchte.

„Die Riesinnen“ ist eine absolute Leseempfehlung, bei mir wird das Buch sicher zu meinen Jahreshighlights zählen.

Upside down – Die Welt steht Kopf

N.R. Walker
Roman
350 Seiten
erschienen im Second Chances Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Nina Restemeier
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Second Chances Verlag für das Rezensionsexemplar

Absolut lesenswert

Klappentext:
Jordan O’Neill hat genug von Schubladen. Als schüchterner Bibliothekar fühlt er sich ohnehin schon oft fehl am Platz. Doch als ihm klar wird, dass das Label „asexuell“ vieles in seinem Leben erklärt, gerät seine sorgfältig sortierte Welt aus den Fugen.
Hennessy Lang weiß längst, wer er ist. Nach einer Trennung und einigen gescheiterten Beziehungen steht er offen zu seiner Asexualität und gründet in Surry Hills eine neue Selbsthilfegruppe. Dort begegnet er Jordan, der noch nach Antworten sucht und nicht weiß, wo er hingehört.
Zwischen vorsichtiger Nähe, leisen Gesprächen und großen Fragen versucht Hennessy, Jordan zu zeigen, dass sich sein Leben vielleicht nicht auf den Kopf gestellt hat, sondern endlich richtig herum steht.

„Upside down – Die Welt steht Kopf“ ist ein intelligenter und humorvoller Roman von N.R. Walker.

Im Mittelpunkt steh Jordan O’Neill, er ist Bibliothekar und sehr zurückhaltend, was seine Mitmenschen angeht. Erst als er Hennessy Lang trifft, scheint sein Leben in eine andere Bahn zu springen. Beide bezeichnen sich als asexuell und können plötzlich zusammen über das Thema reden.

N.R. Walker hat hier ein Thema aufgegriffen, über das ich in Büchern bisher noch nichts gelesen habe.
Die Geschichte ist so schön romantisch, ohne in Erotik abzudriften. Das hat mir besonders gut gefallen.
Mit viel Humor wird das Ganze immer wieder aufgelockert.

Die Charaktere werden gut beschrieben und sind lebendig. Ich mochte Jordan und auch Hennessy sehr gerne.
Es war schön ihnen zu folgen, bei den Gesprächen dabei zu sein und die Entwicklung zu erleben, die Jordan durchlebt. Denn sein Leben fühlt sich plötzlich an, wie auf den Kopf gestellt.

„Upside down – Die Welt steht Kopf“ ist ein schöner Roman über Liebe und Gefühle ohne jeglichen Spice.

Ein romantischer Tod

Andrea Bonetto
Kriminalroman
315 Seiten
erschienen im Droemer Knaur Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein Krimi mit Urlaubsflair


Klappentext:
Commissario Vito Grassi glaubt nicht an einen Unfall, als ein Wanderer nahe des Sentiero Azzurro tot aufgefunden wird. Erschlagen von den Steinen einer jahrhundertealten Mauer bei einem romantischen Picknick mit Meerblick? Ausgeschlossen, findet Grassi. Nur der Hartnäckigkeit Dottore Penzas ist es zu verdanken, dass man nach der Obduktion zweifelsfrei von einem Verbrechen ausgeht. Der Tote entpuppt sich als Ex-Polizist, der undercover den Machenschaften des skrupellosen Geschäftsmanns Nicola DiLorenzo auf der Spur war. Er soll sich in einer fragwürdigen Beziehung zu zwei Erbinnen und einem romantischen Poeten befunden haben. Doch die Ermittlungen stagnieren, nichts ergibt Sinn. Beim legendären Schwimmwettkampf Coppa Byron werden Grassi und seine Kollegin Marta Ricci schließlich Zeuge eines erneuten Mordanschlags, der ihren Fall plötzlich in neues Licht stellt.

„Ein romantischer Tod“ ist der 3.Band der Krimireihe „Ein Fall für Commissario Grassi“ von Andrea Bonetto.

Der Autor hat recht unterschiedliche Charaktere zum Leben erweckt.
Commissario Vito Grassi hatte man ja im 1. Band schon gut kennengelernt. Er hatte sich von Rom nach La Spezia versetzten lassen. Die Kinder sind erwachsen und von seiner Ehefrau, die weiterhin in Rom weilt, lebt Grassi weiterhin getrennt.
.Er lebt in einem kleinen Haus, das er von seinem Vater geerbt hat. Aber nicht nur das Haus hat er geerbt, sondern auch Toni, die Mitbewohnerin.
Ich finde Vito Grassi sehr sympathisch. Manchmal kommt er etwas grummelig rüber, aber das passt gut zu dieser Figur.

Seine Kollegin, die junge Marta Ricci ist eine engagierte Polizistin.
Vito und sie haben keinen guten Einstieg gehabt, haben sich aber gut zusammengerauft. Sie ergänzen sich und sind einfach ein gutes Team.

Dann haben wir noch Toni. Die hat Grassi praktisch mit dem Haus geerbt. Sie kümmert sich um das kleine Olivenhain das zum Haus gehört.
Am Anfang wollte Grassi Toni loswerden, jetzt haben die Beiden sich aneinander gewöhnt und mögen sich recht gerne.

In diesem Band ist Lucy, Grassis Tochter zu Besuch. Sie verbringt die Semesterferien bei ihrem Vater. Mit Toni versteht Lucy sich sehr gut um ihren Vater, der nach einem Schlag auf dem Kopf im Krankenhaus liegt, sorgt Lucy sich.

Das sind die Charaktere die, die Leser*innen durch die Krimireihe begleiten werden.

Andrea Bonetto beginnt die Geschichte in einem gemäßigten Tempo, man bekommt genug Zeit sich mit den Charakteren und der Umgebung verdaut zu machen.
Doch als der Tote auf einer Terrasse auf einem Wanderweg durch die Cinque Terre gefunden wird, legt die Geschichte an Tempo zu.

Bei der Begutachtung der Leiche bekommt Grassi einen Schlag auf den Kopf. War es ein Stein, der sich aus der maroden Trockenmauer gelöst hat, oder war es gar ein Anschlag auf den Commissario. Trotz Wunde am Kopf und Stimmungsschwankungen kann Grassi das Ermitteln nicht lassen.

Für mich lebt die Geschichte durch die Beschreibung der eindrucksvollen Landschaft. Vor einigen Jahren habe ich die Cinque Terre Dörfer besucht und hatte schnell alles wieder vor Augen. Man bekommt beim Lesen richtig Sehnsucht nach Urlaub.
Aber auch die Ermittlungen beschreibt der Autor spannend und sie nehmen ungeahnte Ausmaße an.

Andrea Bonetto erzählt die Geschichte spannend und mit einem feinen Humor.
„Ein romantischer Tod“ ist ein gelungener 3. Band der Commissario Grassi Reihe.
Ich freue mich auf viele weitere Bände.

The Mailman

Andrew Welsh-Huggins
Thriller
395 Seiten
erschienen bei Hoffmann & Campe
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Werner Löcher-Lawrence
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

Spannender Thriller mit vielen unerwarteten Wendungen

Klappentext:
Mercury Carter ist der Mailman. Er stellt Pakete zu, und er nimmt seine Arbeit ernst. Sendungen, die er ausliefert, werden grundsätzlich nur persönlich übergeben. Von dieser Regel gibt es keine Ausnahme. Auch dann nicht, wenn Carter am Zielort überraschend auf eine mörderische Bande stößt, die eine Frau als Geisel hält. Ein atemberaubender, wendungsreicher Thriller von radikaler Konsequenz, der mit jeder Seite an Tempo gewinnt und bis zum letzten Satz elektrisiert.

„The Mailman“ ist ein spannender Thriller von Andrew Welsh-Huggins.

Mercury Carter ist Zusteller für Pakete. Er nimmt seinen Job ernst und ist sehr korrekt, was die Zustellung angeht, denn Pakete, werden nur persönlich übergeben.
Jetzt geht es ein Paket an Rachel und Glenn zuzustellen. Doch das Haus von Rachel und Glenn wurde gerade von einer kriminellen Bande in Besitz genommen. Rachel wird als Geisel genommen.
Mercury Carter lässt seinen Einfallsreichtum spielen. Er muss schließlich ein Paket zustellen.

Andrew Welsh-Huggins hat mit „The Mailman“ einen außergewöhnlichen und sehr spannenden Thriller veröffentlicht.
Die Charaktere sind gut gezeichnet. Besonders sticht Mercury Carter heraus. Er hat leicht autistische Wesenszüge. Mercury ist nicht nur korrekt, sondern auch sehr einfallsreich.

Der Autor beschreibt das Szenario sehr anschaulich. Es gibt manchmal Rückblenden, in denen man Mercury besser kennenlernt.

Andrew Welsh-Huggins erzählt die Geschichte in einem rasanten Tempo, dass sich im Verlauf immer weiter steigert.
Immer wieder baut er Wendungen ein, die die Leser*innen überraschen. Auch die Spannung lässt der Autor immer weiter steigen. Ich konnte das Buch bald nicht mehr aus der Hand legen.

Der Schreibstil von Andrew Welsh-Huggins ist flüssig und gut verständlich.

„The Mailman“ ist ein Thriller, so wie ich mit Thriller wünsche.