Programmierte Lügen

Joss Keel
Thriller
406 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Joss Keel für das Rezensionsexemplar

Ein genialer Plan der außer Kontrolle gerät

Klappentext:
Der Roman erzählt die Geschichte zweier Menschen, die ein genialer Versicherungsbetrug verbindet: Stefan Kellner, IT-Sicherheitsingenieur in Düsseldorf, der nicht mehr lange zu leben hat. Statt zu kapitulieren, trifft er eine radikale Entscheidung zur Absicherung seiner Familie: Er kontaktiert die Hackerin Alena Novak mit der Aufgabe, die wesentlichen Spuren seines Lebens in der digitalen Welt neu zu schreiben.

Mit dem obskuren Notar Dr. Bürkli in Vaduz konstruiert Alena eine perfekte Operation. Doch ihr System wird zum Monster. Denn eine experimentelle Gentherapie kann Stefan retten ein Wendepunkt, der alles infrage stellt: Stefan muss sterben, damit der Betrug sich rechnet.

Über zehn Monate verschränken sich die Perspektiven der Beteiligten zu einem vielschichtigen Bild unserer Gegenwart: Versicherung, Medizin, Justiz. Dabei berührt der Roman die Frage, was Wahrheit noch bedeutet, wenn sich nahezu alles – Verträge, Daten, Erinnerungen – manipulieren lässt. Und wer dann noch zwischen Wirklichkeit und Inszenierung unterscheiden kann.

„Programmierte Lügen“ von Joss Keel ist ein Thriller, der sich das Thema KI vorgenommen hat.

In seiner Geschichte verknüpft Joss Keel auf raffinierte Weise ein zutiefst menschliches Schicksal mit den kühlen Mechanismen des Cyber-Betrugs.
Hochaktuell und spannend beschreibt der Autor das Szenario.

Die Charaktere, die Joss Keel ins Leben gerufen hat, bewegen sich in einer moralischen Grauzone.

Stefan Kellner ist IT-Sicherheitsingenieur in Düsseldorf und hat nur noch 3 Jahre zu leben. Stefan will seine Familie abgesichert wissen, was ihn zu einer kriminellen Tat treibt.

Alena Novák ist eine der besten Hackerinnen Europas. Offiziell lebt sie als unauffällige Lektorin. Sie wird mit den unkontrollierbaren Konsequenzen ihres eigenen Algorithmus konfrontiert.

Die Gegenspieler und Strippenzieher finden sich vom eiskalten Komplizen Alex über zwielichtige Notare bis hin zu mächtigen Tech-Konzernen.

Der Schreibstil von Joss Keel ist dynamisch und packend. Man merkt, dass der Autor tief in die Materie von KI-Systemen und Cyberkriminalität eingetaucht ist. Fachbegriffe werden verständlich in die Erzählung eingebunden, ohne den Lesefluss zu stören.
Durch den Wechsel der Perspektiven über einen baut der Autor eine immense psychologische und dramaturgische Spannung auf.

„Programmierte Lügen“ ist weit mehr als ein klassischer Wirtschaftskrimi oder Tech-Thriller. Es ist ein erschreckend realistisches Szenario.
Ich habe das Buch mit Spannung gelesen.

Aprikosenkind

Judith Merchant
Thriller
374 Seiten
erschienen bei Kiepenheuer & Witsch
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar

schmerzhaft süß

Klappentext:
Nathalie hat endlich, wonach sie sich immer gesehnt hat: Sie lebt in einem Haus auf dem Land, mit ihrem Mann und dem Wunschkind, auf das sie so lange warten musste. Doch etwas stimmt nicht mit ihrer Tochter Ruby. Nathalie kommt einer Wahrheit auf die Spur, für die sie nicht bereit ist…
Die fünfjährige Ruby ist ein besonderes Mädchen: in sich gekehrt, still, langsamer als andere Kinder. Nathalie widmet Ruby ihre ganze Aufmerksamkeit und hat viel für sie aufgegeben. In ihrem neuen Zuhause auf dem Land soll Ruby endlich aufblühen. Doch dort geschehen seltsame Dinge. Fenster und Türen stehen plötzlich offen, die anderen Eltern fangen an, sich komisch zu benehmen. Ihr Mann Gabriel versucht unerschütterlich, Nathalie zu beruhigen, doch sie fühlt sich zunehmend unsicher im eigenen Zuhause. Eines Tages malt Ruby ein Bild, das alles verändert. Und Nathalie muss sich fragen, welchen Preis sie für ihr Glück zu zahlen bereit ist.

„Aprikosenkind“ ist der neue Thriller von Judith Merchant.
Schon mit Atme!“ und Schweig!“ hat die Autorin mir spannende Lesestunden beschert. Auf das neue Buch war ich schon sehr gespannt.

„Aprikosenkind“ ist ein atmosphärisch dichtes und psychologisch tiefgründiges Buch.
Im Mittelpunkt steht das plötzliche Wiederauftauchen von Ereignissen, die das Leben der Protagonisten radikal auf den Kopf stellen.

Judith Merchant hat ihre Charaktere komplex und überzeugend ausgearbeitet.
Ruby ist anders als die anderen Kinder. Sie ist sehr still, findet schlecht Freundinnen und ist langsamer und zurückhaltender als andere Kinder.

Nathalie, die Mutter von Ruby, scheint sich wirklich für ihr Kind aufzuopfern.
Ruby ist das Wunschkind auf, das sie lange hat warten müssen.
Als sie merkt, dass Ruby anderen Kindern etwas hinterher ist, schenkt sie dem Kind ihre ganze Aufmerksamkeit.
Nathalies Welt gerät aus den Fugen, als im neuen Haus seltsame Dinge passieren und Ruby ein Bild malt, das den Tod der Mutter zeigt.

Gabriel ist der Vater. Er scheint der ruhigere Part in der Familie zu sein.
Wenn Nathalie in Panik gerät, versucht er immer, Erklärungen für alles Seltsame zu finden.
Er betrachtet alles viel nüchterner oder aber er verdrängt die Tatsachen.

Judith Merchant hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Die Autorin erzeugt auch ohne viel Action Spannung.
Der Wechsel der Perspektive und die gut eingesetzten Rückblenden haben eine Sogwirkung.
Man wird richtig in die Geschichte reingezogen und kann das Buch bald nicht mehr aus der Hand legen.

Die Autorin baut eine bedrohliche Atmosphäre auf. Man spürt immer, dass etwas unter der Oberfläche brodelt.

„Aprikosenkind“ ist wieder ein toller Psychothriller, den ich mit Spannung gelesen habe.

Stille

Ragnar Jónasson
Thriller
312 Seiten
erschienen im btb Verlag
Übersetzt aus dem Isländischen von Anika Wolff
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar

Wenn die Vergangenheit dich einholt

Klappentext:
Helgi Reykdal hat sich als Kommissar bei der Polizei in Reykjavík etabliert, nachdem er die Nachfolge von Hulda übernommen hat. Jetzt wird er mit einem ungewöhnlichen Fall betraut: Die 70jährige gefeierte isländische Krimiautorin Elín S. Jónsdóttir ist spurlos verschwunden. Ist sie freiwillig untergetaucht oder steckt ein Verbrechen dahinter? Während Helgi in Elíns Vergangenheit nachforscht und dabei erstaunliche Ungereimtheiten entdeckt, kämpft er zugleich mit familiären Spannungen. Um sich davon abzulenken, nimmt er immer wieder Krimis seiner Lieblingsautorin Agatha Christie zur Hand und lässt sich davon inspirieren. Jónasson verwebt meisterhaft nordische Atmosphäre und subtile Spannung zu einem vielschichtigen Krimi. Ein Muss für Fans nordischer Kriminalliteratur – vom isländischen Bestsellerautor Ragnar Jónasson.

„Stille“ ist der 2. Band der Thriller-Reihe „Kommissar Helgi Reykdal ermittelt“ von Ragnar Jónasson.
Ich habe bisher alle Bücher von Ragnar Jónasson gelesen. Auch dieser Band hat mir wieder gut gefallen.

Die Geschichte wird wieder in verschiedenen Zeitebenen erzählt.
Einmal die Gegenwart, was in dem Buch 2012 ist. Hier ermittelt Helgi im Fall der vermissten isländischen Krimiautorin Elín S. Jónsdóttir.

Die zweite Zeitebene ist das Jahr 2005, in dem die Krimiautorin einer Journalistin ein umfangreiches Interview gegeben hat. Hier erzählt Elín S. Jónsdóttir aus der Zeit ihres Autorinnenlebens und warum sie mit dem Schreiben aufgehört hat.

Die dritte Zeitebene ist das Jahr 1965. Hier sind die Leser*innen dabei, wie ein Banküberfall geplant wird.

Und schließlich noch die Jahre 1976/1977. Hier treffen die Leserinnen Hulda wieder, die treuen Leserinnen aus der Hulda-Reihe kennen.
Ihr Verschwinden beschäftigt Helgi heute noch und er möchte hinter die Hintergründe des Verschwindens kommen.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig.
Kommissar Helgi Reykdal habe ich im 1. Bad „Frost“ schon gut kennengelernt.
Er ist jung und engagiert. Privat hat er Probleme mit seiner Ex, die ihm und seiner neuen Partnerin das Leben schwer macht.

Elín S. Jónsdóttir ist zwar physisch abwesend, trotzdem atmet das Buch ihre Präsenz.
Durch die Rückblenden des Interviews und die Befragungen im Umfeld der Autorin bekommt man ein gutes Bild von Elín S. Jónsdóttir.

Ragnar Jónassons Schreibstil ist gewohnt ruhig, präzise und schnörkellos.
Der Autor kann auch ohne viel Blutvergießen und mit wenig Action viel Spannung erzeugen.
Gekonnt jongliert Ragnar Jónassons mit den verschiedenen Handlungssträngen, ohne einen Faden zu verlieren.

„Stille“ ist wieder ein gelungener Kriminalroman, den ich mit Begeisterung gelesen habe.

Totenfrau – Die Rückkehr

Bernhard Aichner
Thriller
350 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an de Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Die Totenfrau kehrt zurück

Klappentext:
Zehn Jahre sind vergangen, seitdem Blum das letzte Mal gemordet hat. Sie lebt, gemeinsam mit ihrem Partner Reza, auf einer Yacht in Kroatien. Um Geld zu verdienen, bieten sie Charterausflüge zu den umliegenden Inseln an, ansonsten leben sie unauffällig und zurückgezogen. Blum glaubt nicht mehr daran, entdeckt zu werden, bis sie durch einen unerwarteten Todesfall an Bord dazu gezwungen wird, erneut ihre Grenzen zu überschreiten. Nicht nur ihres und Rezas Leben stehen auf dem Spiel, sondern auch das ihrer Kinder.

„Totenfrau – Die Rückkehr“ ist der 4. Band der Totenfrau-Reihe von Bernhard Aichner und setzt somit die erfolgreiche Reihe fort.

Bernhard Aichner entführt seine Leser*innen nach Kroatien. Hier lebt Brünhilde Blum auf einer Yacht. Zehn Jahre liegt ihr letzter Mord zurück. Doch jetzt wird sie abermals gezwungen Grenzen zu überschreiten.

Bernhard Aichner hat einen unverwechselbaren Schreibstil. Seine kurzen und prägnanten Sätze sagen so viel aus.
Seine Charaktere werden sehr lebendig dargestellt.
Blum ist eine außergewöhnliche Protagonistin. Schon in den ersten drei Bänden hat sie mich richtig überwältigt. Sie ist zwar die Böse, bringt Menschen um, trotzdem mag ich die Protagonisten sehr.
Jetzt denkt man beim Lesen, Brünhilde Blum hätte ihre wohlverdiente Ruhe gefunden. Weit gefehlt, nach 10 Jahren holt sie die Bedrohung in Kroatien wieder ein.

Die Leser*innen treffen natürlich auch auf bekannte und liebgewonnene Protagonisten.
Aber auch die sind vor Bernhard Aichner nicht sicher. Er lässt nicht alle den 4. Band überleben.

Bernhard Aichner baut schnell Spannung auf. Der Autor lässt die Geschichte zwar ruhig anfangen aber als Leser*in weiß man, dass ist die Ruhe vor dem Sturm. Und der Sturm setzt schon bald ein.

Auch der 4. Band „Totenfrau – Die Rückkehr“ ist ein spannender Thriller, den ich wieder mit Freuden gelesen habe.

Die Lüge in ihrem Gesicht

Anne Keßel
Thriller
397 Seiten
erschienen im Ullstein Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar

Wenn dein Gesicht dich verrät

Zum Inhalt:
Die Geschichte handelt vom Tod eines Mannes durch die Hand einer Frau. War es Mord oder Notwehr?
Die Aussagen der Zeugen sagen ganz klar: Es war Notwehr.
Die Täterin schweigt. Die Polizei zieht die renommierte Verhaltenspsychologin Marlene Nielsen hinzu. Sie ist eine Koryphäe für Mikroexpressionen. Das heißt so viel wie, sie ist ein menschlicher Lügendetektor. Da die Polizei der Frau nichts nachweisen kann, wird sie freigelassen. Doch Marlene hat eine Regung in ihrem Gesicht wahrgenommen.
Sie fängt an auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen und findet sich bald in einem Lügenkonstrukt wieder.

„Die Lüge in ihrem Gesicht“ ist ein spannender Psychothriller von Anne Keßel.

Die Autorin hat interessante Protagonisten ins Leben gerufen.
Marlene Nielsen ist Spezialistin für Mikroexpressionen. Das heißt, sie nimmt extrem kurze Regungen im Gesicht eines Menschen wahr, die außerhalb dessen Einflussbereich liegen und die wahren Gefühle zeigen.

Die Frau, durch die der Mann ums Leben kam, hat keinen Namen. Sie ist der perfekte Gegenpart zu Marlene.
Durch ihr abtrainiertes Minenspiel und das geschickte Verstecken ihrer Emotionen bleibt sie lange Zeit ein undurchdringliches Rätsel.

Hauptkommissar Deniz Kurt ist der frühere Lebensgefährte von Marlene. Er hat Marlene zu diesem Fall hinzugezogen. Doch ist bei der Zusammenarbeit immer eine Spannung zu spüren.

Man spürt beim Lesen, dass Anne Keßels Drehbücher geschrieben hat. Ihr Schreibstil ist anschaulich und erzeugt schnell Bilder im Kopf.
Die Perspektiven wechseln zwischen Marlene, der namenlosen Frau und dem Ermittler Deniz Kurt. Wobei Marlene den größeren Teil einnimmt.
Die Autorin setzt statt auf Gewalt auf psychische Spannung.
Die Atmosphäre ist bedrückend und sorgt für Gänsehautmomente.
Die Rückblenden beantworten stückchenweise die Fragen, die in meinem Kopf schwirrten.

„Die Lüge in ihrem Gesicht“ ist ein spannender Psychothriller. Ich habe das Buch mit Freude und Spannung gelesen.

Prost, auf die Sportler

Friedrich Kalpenstein
Kriminalroman
365 Seiten
erschienen im Edition M Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Friedrich Kalpenstein für das Rezensionsexemplar

Sport ist Mord

Zum Inhalt:
Der erfolgreiche Biathlet Moritz Binder war der Ehrengast bei der Eröffnung eines riesigen neuen Sportgeschäfts. Am nächsten Tag wird er dort tot an der Kletterwand aufgefunden.
Hauptkommissar Tischler steht vor einem Rätsel. Der Kreis der Verdächtigen ist enorm. Der tote Sportler hat sich im Leben zwar Ruhm im Biathlon erkämpft, aber zwischenmenschlich hat er sich eher Feinde gemacht.
Parallel hierzu ermittelt Felix Fink in Sachen Frau Horák. Sie liegt bewusstlos im Chalet des Bürgermeisters, das sie mit Frau Krause gemietet hat, um dort gefälschte Taschen herzustellen. Ist Frau Horák nur dumm gestürzt oder wurde sie auf der Treppe gestoßen?

„Prost, auf die Sportler“ ist mittlerweile der 13. Band der erfolgreichen Kommissar Tischler Reihe von Friedrich Kalpenstein.

Wieder einmal darf ich in das beschauliche Brunngries reisen und den Ermittlungen von Kommissar Tischler und Polizeihauptmeister Fink beiwohnen.
Ich liebe diese Krimireihe von Friedrich Kalpenstein und fiebere jedem neuen Band entgegen. Die Protagonisten sind sehr sympathisch und mit ihrem bayrischen Humor sind sie mir richtig ans Herz gewachsen.
Hauptkommissar Tischler und Polizeihauptmeister Fink sind zu einem großartigen Team geworden. Mit ihrer bekannten T-U-F Methode haben sie schon so manchen brenzligen Fall gelöst.

Der Fall wird wieder spannend erzählt.
Es macht Freude, die Ermittler durch Brunngries und Umgebung zu begleiten. Hauptkommissar Tischler und Polizeihauptmeister Fink ermitteln im näheren Umfeld des Sportlers. Dabei decken sie ein Geheimnis auf, dass sie so nicht vermutet hätten.

Friedrich Kalpenstein lässt gleich zu Beginn, mit dem Fund der Leiche Spannung aufkommen. Diese Spannung hält sich auch über die ganze Geschichte, sie steigert sich sogar noch weiter bis zum Ende hin.

Friedrich Kalpensteins flüssiger und gut verständlicher Schreibstil sorgt dafür, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.
Spielend lässt der Autor den Bezug zur Region Oberbayern in die Handlung mit einfließen und bringt sie so seinen Leserinnen näher. Natürlich begegnen die Leserinnen auch wieder Resi, die dem Kommissar und auch mir schon sehr ans Herz gewachsen ist. Aufgelockert wird der Kriminalroman durch den intelligent eingesetzten Humor. Beim Lesen muss ich wie immer oft schmunzeln.

„Prost, auf die Sportler“ hat mir wieder schöne Lesestunden bereitet. Mir hat jeder einzelne Band gut gefallen. Mit Band 13 hat Friedrich Kalpenstein aber wirklich alle Register gezogen. Es ist mein persönlicher Liebelingsband.
Jetzt freue ich mich schon auf Band 14, wenn es wieder heißt: Prost, auf…

Totensee

Sophie Czerny
Thriller
442 Seiten
erschienen bei Droemer Knaur
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein fesselnder Höllenritt in die menschlichen Abgründe

Zum Inhalt:
Im Mittelpunkt steht Ada Sabel. Sie ist Kommissarin des LKA Wien, aber vom Dienst suspendiert.

Vor 5 Monaten verschwand ihre 14-jährige Tochter Mara. Ada ist sich sicher, Mara wurde entführt. Die Polizei geht allerdings davon aus, dass Mara von zuhause ausgerissen ist.

Am 145. Tag von Maras Verschwinden gibt es eine Wende. Am Ufer des Donaukanals wird eine kopflose Frauenleiche gefunden. Mit Blut wurde der Name ADA auf den Rücken geschrieben. Ada ist sich sicher, diese Nachricht gilt ihr. Ada nimmt auf eigene Faust die Ermittlungen auf.

„Totensee“ ist das Psychothriller-Debüt von Sophie Czerny.
Die Autorin konstruiert hier ein hochemotionales und düsteres Psychodrama, das Leser emotional fordert und bis zur letzten Seite fesselt.

Sophie Czerny erzählt die Geschichte schonungslos. Dafür hat sie vielschichtige Charaktere ins Leben gerufen.

Ada Sabel ist auf einem absoluten emotionalen Tiefpunkt angekommen. Getrieben von ihrer Verzweiflung kontrolliert sie ihren inneren Schmerz durch Selbstverletzung. Sie führt eine Strichliste, jeden Tag, an dem ihre Tochter vermisst wird, ein neuer Schnitt am Arm.
Ada ist recht unkonventionell und eigensinnig.

Heidi Bauer ist Adas Rechtsanwältin und Freundin. Sie bietet Ada ihre Unterstützung an.

Sophie Czerny hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil.
Sie hält sich nicht mit unnötigen Schnörkeln auf, sondern kommt schnell zum Punkt.
Die Kapitel sind kurz und verführen zum ständigen Weiterlesen.
Die Geschichte lebt unter anderem durch die schnellen Wechsel der Szenen und die eingeflochtenen Wendungen.

Sophie Czerny schafft durchgehend eine beklemmende Atmosphäre, was für so manchen Gänsehautmoment sorgt.

„Totensee“ ist ein spannender Thriller, der die Leser*innen an den Rand der menschlichen Abgründe führt.

Toter Schatten

Leo Born
Thriller
400 Seiten
erschienen bei Bastei Lübbe / beTHRILLED
Meine Bewertung:
5 von 5 Sterne

Vielen Dank an NetGalley Deutschland für das Rezensionsexemplar

Wieder ein echter Leo Born

Klappentext:
Dichter Nebel hält Frankfurt fest umschlossen, als Annabell ihre morgendliche Joggingrunde durch den Park dreht – und plötzlich von einer unbegreiflichen Angst ergriffen wird. Kurz darauf ist die junge Frau tot. Ihr Mörder hat auf dem Bein der Toten mit Lippenstift eine kleine Zeichnung hinterlassen: einen Schmetterling.
Kommissarin Mara Billinsky und ihr Kollege Jan Rosen nehmen die Ermittlungen in dem Fall auf und stellen schnell fest, dass Annabell als Prostituierte gearbeitet hat. Hat ihr Zuhälter sie ermordet? Oder einer ihrer Kunden?
Doch dann stößt Rosen bei seinen Recherchen auf eine rätselhafte Verbindung zu einem anderen Verbrechen. Vor acht Jahren wurde ein junges Mädchen getötet – auf ihrem Bein war ein Schmetterling tätowiert.
Während Mara und Jan fieberhaft nach dem Mörder suchen, ahnen sie nicht, dass in Frankfurts Unterwelt längst ein brutaler Bandenkrieg ausgebrochen ist – und ein alter Feind Mara nähersteht, als sie für möglich hält …
Klappentext:

„Toter Schatten“ ist schon der 11. Band der Mara Billinsky Reihe von Leo Born.
Auch dieser Band hat wieder alles, was ein guter und spannender Thriller braucht.
Es ist eben ein echter Leo Born.

Endlich ist Jan Rosen wieder an der Seite von Mara Billinsky.
Zusammen ermitteln sie im Mordfall der jungen Annabell. Sie wurde beim Joggen im Park ermordet. Der Täter hat mit Lippenstift einen Schmetterling auf ihr Bein gemalt.
Kommissarin Mara Billinsky, bekannt als „Die Krähe“, übernimmt zusammen mit ihrem Partner Jan Rosen den Fall. Schnell wird klar: Das ist erst der Anfang eines perfiden Spiels, das Mara tief in die Abgründe der Stadt führt.

Wie immer hat Leo Born seine Charaktere gut gezeichnet und lässt sie lebendig wirken. Der Star seiner erfolgreichen Krimireihe ist unbestritten Mara Billinsky.
Mara ist eine etwas eigensinnige Ermittlerin, die sich von der Masse an Ermittlern, die es in den zahlreichen Krimis und Thrillern gibt, deutlich abhebt. Sie hat Ecken und Kanten, ist stur, aber vor allem hat sie Biss. Bei ihren Ermittlungen geht sie bis an die Grenze des Erlaubten und manchmal auch darüber hinaus. Aber deswegen lieben wir sie ja auch.
Durch ihr Äußeres, schwarz gefärbtes Haar, mit Kajal schwarz umrandete Augen, schwarze Kleider und Tattoos stößt sie bei ihren Mitmenschen oft auf Ablehnung.
Mittlerweile hat sie sich bei der Polizei einen Namen gemacht. Aber nicht alle ihre Kollegen mögen Mara.

Jetzt ist Maras Kollege Jan Rosen wieder mit im Boot. Jan ist es aber deutlich anzumerken, dass ihm die Arbeit viel Überwindung kostet.
Auch muss er in diesem Band wieder einen persönlichen Schicksalsschlag hinnehmen.
Jan wird von Leo Born nicht geschont.

Mara und Jan können einfach sehr gut zusammenarbeiten. Jan ist das genaue Gegenteil von Mara, aber er ist auch ihr Ruhepol und meist zur Stelle, wenn er gebraucht wird.

Leo Born hat wieder einmal eine spannungsgeladene Atmosphäre geschaffen.
Die Spannung setzt sehr schnell ein und wird über das gesamte Buch aufrechterhalten.
Leo Born arbeitet mit schnellen Perspektivwechseln und kurzen Kapiteln, was einen enormen Sog erzeugt und immer wieder zum Weiterlesen verführt.
Wie oft habe ich gedacht, nur noch ein Kapitel und dann….
Aber Schlaf wird überbewertet. Ich habe es mir lieber mit „Toter Schatten“ und einem roten Sizilianer gemütlich gemacht.

Die Mara Billinsky Reihe ist für mich eine der zurzeit besten deutschen Thriller-Reihen.
„Toter Schatten“ wird somit auch wieder zu meinen Highlights des Jahres gehören.
Das Buch kann man auch lesen, wenn man die ersten Bände nicht kennt. Aber die Sucht wird irgendwann jeden befallen.

Jetzt heißt es wieder warten, bis der 12. Band der Reihe erscheint. Ich bin schon jetzt gespannt.

Rotwein im Blut

Georg Torres
Kriminalroman
306 Seiten
erschienen im ESCRI Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Tödliche Auslese

Zum Inhalt:
Die Spannung setzt schon im Prolog ein.
Der Winzer Nadal Díaz wird in seinem alten Weinkeller ermordet. Es ist kein einfacher Mord, sondern eine Aussage. Angeschlossen an zwei Schläuchen läuft durch einen Schlauch das Blut aus Nadal Díaz heraus. Ein zweiter Schlauch führt auf einer Seite zu einer Flasche Wein und auf der anderen Seite direkt in die Ader von Nadal Díaz.
So blutet der Winzer langsam aus.
Die Ermittlungen übernehmen Inspectora Ana Banderas und ihr Kollege Donis Nuñez.
Und ein 2. Opfer lässt nicht lange auf sich warten:

„Rotwein im Blut“ ist der 1. Band der neuen Mallorca-Krimi-Reihe von Georg Torres.

Georg Torres hat vielschichtige Charaktere zum Leben erweckt.
Die Ermittler Inspectora Ana Banderas und ihr Kollege Donis Nuñez arbeiten gut und professionell zusammen. Ihr Verhältnis ist freundschaftlich, nicht durch Missgunst und Streit getrübt wie bei vielen Kriminalromanen.
Ana ist eine moderne Frau mit klarem Verstand.
Ihr Freund Georg lebt auf einem Schiff. Er hat eine künstliche Intelligenz namens Sonia entwickelt. Die KI dient als geheimes Werkzeug, das nützliche Hinweise liefert, die die Ermittlungen voranbringen.
Der Ehemann des Opfers wird von Trauer und Schuldgefühlen geplagt. Er steht recht weit oben in der Liste der Verdächtigen.
Auch der Weinhändler Pablos Baron Rodriguez ist eine vielseitige Figur, die auch zu den Verdächtigen der Ermittler gehört.

Der Schreibstil von Georg Torres ist flüssig, bildhaft und leicht verständlich.
Der Autor versteht es, Spannung aufzubauen und seine Leser*innen zu fesseln.
Es werden immer wieder Begriffe und Redewendungen in spanischer Sprache eingestreut. Die Erklärung lässt sich leicht aus dem Kontext ableiten und verleiht der Geschichte eine gewisse Authentizität.
Georg Torres lässt auch ganz leicht und unterhaltsam einiges über die Weinherstellung und dessen Vermarktung in die Geschichte einfließen.

Die Morde und die schöne Kulisse Mallorcas stehen im harten Kontrast.
Der Autor lässt die Leser*innen abseits von Massentourismus durch kleine Städtchen und enge Gassen wandeln. Die alten Bodegas und die Weinberge geben eine idyllische Atmosphäre.

Auch der mallorquinische Wein kommt nicht zu kurz.

„Rotwein im Blut“ ist ein rundum gelungener Auftakt der Mallorca-Krimi-Reihe.
Am Ende, wenn schon alles aufgelöst ist, gibt es einen neuen Mordfall. Ein Greenkeeper hat auf dem Golfplatz einen Toten gefunden. Er liegt neben dem achtzehnten Grün.
Und der 2. Band heißt dann auch „Tödliches Handicap“ und erscheint am 5.11.2026.
Wie genial ist das denn.

Hildur – Das Tal der Schuld

Satu Rämö
Kriminalroman
426 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Übersetzt aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an das Bloggerportal und den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar

Hildur ermittelt wieder

Klappentext:
Kriminalbeamtin Hildur Rúnarsdóttir unterstützt die Bauern in den Westfjorden beim alljährlichen Schafabtrieb in den Bergen. Dabei stoßen sie in einem einsamen Tal auf eine tote Frau. Es handelt sich um eine Deutsche, die für eine Hotelkette aus Reykjavík arbeitete. Was zunächst nach einem Wanderunfall aussieht, entpuppt sich als Mord. Tante Tinna fällt eine Parallele zu Hildurs allererstem Mordfall vor 25 Jahren auf. Hat derselbe Täter nun erneut zugeschlagen? Während Hildur versucht, die Spuren aus der Vergangenheit mit denen aus der Gegenwart zu verbinden, sucht auch Tinna nach Antworten. Sie will wissen, was aus ihrer Schwester Hulda wurde, die Anfang der Siebziger aus Island verschwand.

„Hildur – Das Tal der Schuld“ ist der 5. Band der Hildur-Reihe von Satu Rämö.

Im Mittelpunkt steht die Kriminalbeamtin Hildur Rúnarsdóttir.
Hildur ist Kriminalbeamtin in den Westfjorden und leitet die Abteilung für vermisste Kinder in schwach besiedelten Gebieten. Da die Westfjorde recht dünn besiedelt sind und wenig Verbrechen geschehen, hilft Hildur auch bei allen anfallenden Polizeiarbeiten.
Hildur surft gerne, auch im Winter liebt sie es, in der kalten See die Wellen zu beherrschen.

Leiterin der Polizeistation in Isafjördur ist noch Elisabet Baldursdóttir, kurz Beta genannt. Beta, die aus privaten Gründen nach Reykjavik gezogen ist, hat sich bereit erklärt, die Stelle der Leiterin noch einmal für ein Jahr zu übernehmen. Bis dahin ist der finnische Polizist Jakob so weit um sich auf die Stelle zu bewerben, und Beta wird zurück nach Reykjavik gehen.

Jakob hat mit einem Auslandspraktikum bei der Polizei in Isafjördur angefangen und ist mittlerweile heimisch geworden. Bekannt ist Jakob dafür, dass er immer und überall sein Strickzeug auspackt und wunderschöne Islandpullover strickt. Mittlerweile ist er in einer festen Beziehung und auch sein Sohn lebt bei Jakob.

Mir sind die Charaktere seit dem 1. Band sympathisch und ich freue mich immer wieder, wenn ich sie begleiten darf.

Der Fall ist wieder spannend und Hildur stellt Parallelen zu einem alten Fall fest.
Auch damals ist eine junge Frau tot aufgefunden worden. Es wurde allerdings als Unfall eingestuft. Daran zweifelt Hildur heute.
So gibt es immer wieder einmal zurück in die Vergangenheit.
In der Gegenwart ermittelt Hildur im heutigen Fall. Eine junge Deutsche, die in Island lebt, wurde tot aufgefunden. Bei dem näheren Betrachten des Umfelds erfährt Hildur, dass die Frau vor kurzem ein Kind geboren und ausgesetzt hat. Was hat die Frau dazu bewogen?

Der Fall wird wieder sehr spannend erzählt. Als Leser*in wechselt man zwischen den Ermittlungen und der Vergangenheit.
Satu Rämö hat einen sehr fesselnden und flüssigen Schreibstil. Ihre Charaktere sind sympathisch und richtig lebendig.
Die Charaktere begleite ich jetzt schon im 5. Band und sie sind mir durchweg sympathisch.
Das Buch ist aber noch so viel mehr als ein Krimi.
Die Autorin beschreibt Island mit großer Hingabe. Die raue Natur, die Naturgewalten, die dünne Besiedlung der Westfjorde. All das kann man sich anhand der Beschreibung sehr gut vorstellen.

„Hildur – Das Tal der Schuld“ hat alles, was ein guter Krimi braucht. Einen spannenden Fall, tolle Charaktere und ein interessantes Setting.

Ich freue mich sehr, dass die Reihe weitergeht, und hoffe auf einen 6. Band.