Fadenscheinig

Vera Nentwich
Kriminalroman
289 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Vera Nentwich für das Rezensionsexemplar

Gelungener Auftakt einer neuen humorvollen Krimireihe

Klappentext:
Lutz Weber, 71, pensionierter Krawattendesigner, hat ein Auge für Details, das die Polizei nicht hat. Als sein Café-Bekannter Arthur Schmid tot aufgefunden wird und alle von natürlichem Tod sprechen, weiß Lutz: Die Druckstellen auf dem Bezugsstoff des Sessels erzählen eine andere Geschichte.

Sein unfreiwilliger Partner: Kasper Wozniak, 20, der den Fall am liebsten live ins Internet streamen würde.

Gemeinsam und oft genug gegeneinander– tauchen die beiden in die Vergangenheit eines Mannes ein, der mehr wusste, als er sagen durfte. Ein alter Arbeitsunfall, verschwundene Beweise, ein Spitzname in einer Tabelle. Und irgendwo in der Südstadt jemand, der sehr genau beobachtet, wie weit Lutz und Kasper gekommen sind.

„Fadenscheinig“ ist der 1. Band der neuen Krimireihe Weber & Wozniak von Vera Nentwich.
Die Autorin hat mich schon mit ihrer Frau Appeldorn-Reihe und der Biene Hagen-Reihe begeistert. Dementsprechend war ich schon auf die neue Krimireihe gespannt.

Im Mittelpunkt stehen Lutz Weber und Kasper Wozniak die sich hier zu einem guten Team zusammenraufen.

Lutz Weber ist 71 Jahre. Seit dem Tod seiner Frau weiß er nichts mehr so recht mit sich anzufangen. Sein Essen besteht aus Tiefkühlkost oder er geht im Josefshaus essen.
Ein festes Ritual bei Lutz ist „Das Café“. Hier kehrt er jeden Tag ein, trinkt seinen Kaffee und liest Zeitung.

Kasper Wozniak ist 20 Jahre und weiß nach der Schule nichts mit sich anzufangen. Eigentlich möchte er Influencer werden und damit Geld verdienen. Seine Mutter drängt ihn allerdings, eine Ausbildung zu machen.

Lutz und Kasper treffen beim Auffinden des toten Arthur Schmid aufeinander.
Die zwei Männer sind völlig unterschiedlich. Lutz hat kein Verständnis dafür, dass Kasper überall mit dem Smartphone Aufnahmen macht. Kasper macht sich oft lustig über das wenige technische Verständnis von Lutz.
Auch wenn Lutz und Kasper es erst nicht merken, tun sich die beiden gegenseitig gut.

Zusammen gehen Lutz und Kasper dem Tod von Arthur Schmid auf den Grund. Für die Polizei ist es ein natürlicher Tod. Aber Lutz ist sich sicher, Spuren für einen Mord entdeckt zu haben.

Vera Nentwich hat wieder großartige Charaktere ins Rennen geschickt. Lutz und Kasper gefallen mir beide gut. Auch die Mutter von Kasper ist eine sympathische Frau. Ich muss immer schmunzeln, wenn sie die deutschen Worte etwas verdreht.

Die Dialoge zwischen den Protagonisten sind, wie von Vera Nentwich gewohnt, oft mit Humor gewürzt.

Vera Nentwich hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Den Handlungsort Krefeld beschreibt die Autorin sehr anschaulich.

„Fadenscheinig“ ist ein spannender und zugleich humorvoller Krimi. Ich freue mich schon jetzt auf den 2. Band „Aufgetrennt“, der am 30.10. erscheinen soll.

Die Klippe – Ort ohne Wiederkehr

S. K. Tremayne
Thriller
412 Seiten
Übersetzt aus dem Englischen von Susanne Wallbaum
erschienen im Droemer Knaur Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Pageturner mit Gänsehautmomenten

Klappentext:
Chamäleon Otto hilft ihr bei Entscheidungen und ihre Oma ist ihr Tor zur Welt: Die forensische Psychologin Karenza Bray lebt zurückgezogen an der einsamen Küste Cornwalls, seit ihre kleine Tochter auf tragische Weise ums Leben kam.
Als ihr Ex-Mann, Staatsanwalt in Truro, sie um Unterstützung bei einem Fall bittet, will Karenza erst ablehnen. Doch es geht um traumatisierte Kinder, die ihre Hilfe brauchen. Die Mutter der beiden wurde tot an der Steilküste gefunden, jetzt beschuldigen sich der fünfjährige Solomon und die zehnjährige Grace gegenseitig des Mordes.
Bald zieht der rätselhafte Fall Karenza immer tiefer in seinen Bann. Im prächtigen Gutshaus der Familie haben die Schatten Geheimnisse, Solomon spricht mit Geistern und Grace führt eindeutig irgendetwas im Schilde. Karenza vertraut fest auf die Wissenschaft. Ein haunted house, nicht euer Ernst?! Doch dann sieht und hört sie Dinge, die nicht da sein können.

„Die Klippe – Ort ohne Wiederkehr“ ist der 1. Band der Psychothrillerreihe The Roseland von S. K. Tremayne.

Im Mittelpunkt steht die forensische Psychologin Karenza Bray. Seit dem Tod ihrer Tochter hat Karenza sich zurückgezogen. Auch als ihr Ex-Mann, ein Staatsanwalt, sie in einem Fall um Hilfe bittet, möchte sie erst ablehnen.
Doch es geht um zwei Kinder, deren Mutter tot aufgefunden wurde. Also entscheidet sich Karenza doch, in diesem Fall zu helfen. Das Kuriose ist, die beiden Kinder beschuldigen sich gegenseitig des Mordes an der Mutter. Karenza taucht tief in die Familiengeschichte ein und kann nicht glauben, auf was sie stößt.

S. K. Tremayne versteht es, schnell Spannung aufzubauen und diese auch bis zum Ende aufrechtzuerhalten. Auch für einige Gänsehautmomente sorgt der Autor.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und vielschichtig.
Karenza war mir gleich sympathisch. Sie ist selbst von der Vergangenheit gezeichnet. Dem Fall begegnet sie mit Logik und guten Schlussfolgerungen.

Die Geschwister Grace und Solomon haben mein Mitleid geweckt. Ihr Verhalten konnte ich zu Beginn nicht verstehen. Im Laufe der Geschichte und dem, was man alles erfahren hat, haben mir sehr leidgetan.

Der Schreibstil von S. K. Tremayne ist flüssig und gut verständlich.
Mich hat er mit seinem neuen Thriller schnell gefesselt.

„Die Klippe – Ort ohne Wiederkehr“ ist der ist ein gelungener Auftakt der neuen Thrillerreihe. Ich freue mich schon jetzt auf weitere Bände.

Jenseits des Scheins

Anna Johannsen
Kriminalroman
286 Seiten
erschienen im Edition M Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Spannender Plot, tolle Protagonisten

Klappentext:
Jakob Berger, der Ehemann der aufstrebenden Bundestagsabgeordneten Beate Meyerdirks, wird während eines Campingkurztrips in Goslar als vermisst gemeldet. Wegen der möglichen Brisanz des Falls werden die LKA-Ermittler Hanna Will und Jan de Bruyn zur Unterstützung des lokalen SoKo-Teams hinzugezogen.
Die Menschen in Bergers Umfeld beschreiben ihn einerseits als Feingeist und Kunstliebhaber, andererseits aber auch als Mann, der es mit der ehelichen Treue nicht immer so genau nimmt.
Während Hanna und Jan verschiedensten Spuren nachgehen, tritt eine Journalistin mit brisanten Informationen zur Abgeordneten Meyerdirks an das Ermittlerteam heran, allerdings nicht ohne Eigennutz: Sie verlangt im Gegenzug Details zum Vermisstenfall. Wurde Berger eine seiner Liebschaften zum Verhängnis oder steckt möglicherweise sogar seine Ehefrau hinter seinem mysteriösen Verschwinden?

„Jenseits des Scheins“ ist der 5. Fall der Krimireihe „Ein Fall für Hanna Will & Jan de Bruyn“ von Anna Johannsen. Je mehr Bände ich von dieser Reihe lese, desto spannender finde ich sie.
Die Autorin ist mir schon seit vielen Jahren gut bekannt. Ich liebe ihre Krimireihen „Die Inselkommissarin“, „Enna Andersen“ und „Ein Fall für Hanna Will & Jan de Bruyn“.

Vom LKA wurde ein kleines Special-Team zusammengestellt zur Unterstützung bei besonders kniffeligen Fällen.
Das Team besteht aus der Hauptkommissarin Hanna Will.
Sie setzt auf die unkonventionelle Art bei ihren Ermittlungen. Für sie heißt es, ans Ziel kommen, den Täter finden, egal auf welchem Weg.
Vor ihrer Polizeikarriere war sie bei der Bundeswehr und da im Auslandseinsatz.

Der Zweite im Bunde ist Jan de Bruyn.
Er ist Kriminalpsychologe und sehr engagiert in seinem Beruf.
Er kann sich gut in die Täter hineinversetzen. Bei diesem Fall fällt es ihm schwer, ein Täterprofil zu erstellen.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben sich Hanna und Jan aneinander gewöhnt, sind mittlerweile sogar eine Beziehung eingegangen.

In diesem Band werden die beiden Ermittler nach Goslar geschickt. Hier wird der Ehemann einer Bundestagsabgeordneten vermisst. Wegen der bekannten Ehefrau ist hier Fingerspitzengefühl gefragt.
Es gibt verschiedene Ermittlungsansätze, die, wie es scheint, alle ins Leere führen. Doch die Ermittler geben so schnell nicht auf und bohren immer tiefer.
Bis es dann auch verschiedene Szenarien gibt. Bei einer davon spielt auch die Ehefrau eine Rolle.

Anna Johannsen schafft es auch mit ihrem 5. Band der Krimireihe, mich beim Lesen in Atem zu halten.
Eins haben alle drei Krimireihen der Autorin gemeinsam, sie führen die Leser*innen immer zu verschiedenen schönen Orten.

Die Charaktere sind wieder sehr gut gezeichnet. Es macht Freude, sie bei den Ermittlungen zu begleiten.
Auch was das Privatleben der Charaktere betrifft, hat man schon einiges erfahren. Jetzt sind Hanna und Jan ein Paar und Hanna anscheinend auch schwanger. Jetzt weiß Hanna nicht recht, wie sie damit umgehen soll.

Das Setting ist Goslar, eine Stadt in Niedersachsen. Anna Johannsen bringt den Leser*innen auf schöne Art immer andere Orte näher.

Der Schreibstil der Autorin ist gut verständlich und fesselnd.
Mir gefällt immer wieder, dass sie schnell zur Sache kommt, nicht lange unnütze Worte um die Dinge macht.
Auch das Verhältnis zwischen den Ermittlungen und dem Privatleben der Ermittler ist immer gut ausgewogen.

„Jenseits des Scheins“ ist ein unterhaltsamer und spannender Krimi.
Ich freue mich schon auf den nächsten Fall mit Hanna Will und Jan de Bruyn.

Your Darkness-So finster der See

Mario Bekeschus und Michaela Metzner
Thriller
336 Seiten
erschienen im Gmeiner Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

ielen Dank an den Gmeiner Verlag für das Rezensionsexemplar.

Albtraum im Urlaubsparadies

Klappentext:
Die Sehnsucht nach Freiheit führt Louisa an den Gardasee, doch ihr Neuanfang samt eigener Boutique wird zum Albtraum. Anonyme Nachrichten, rätselhafte Vorfälle, das Gefühl, beobachtet zu werden. Schutz findet sie bei ihrem charismatischen Vermieter Pino, dem sie rasch näherkommt. Als die Bedrohung eskaliert, flieht Louisa nach Berchtesgaden. Dort begegnet sie dem smarten Jakob und glaubt, ihrem Stalker entkommen zu sein. Doch Zweifel bleiben. Wer meint es ehrlich und wer spielt mit ihr? Bald muss Louisa erkennen, dass Leidenschaft und Obsession gefährlich nah beieinanderliegen. Und dass die Dunkelheit sie noch immer bei jedem Schritt verfolgt.

„Your Darkness“ ist ein spannender Thriller von Mario Bekeschus und Michaela Metzner.
Der Autor und die Autorin haben beide ihre Stärken eingebracht und so ist ein spannender Romantic-Thriller entstanden.

Die Charaktere sind realistisch und glaubwürdig gezeichnet.
Louisa ist hin- und hergerissen zwischen dem Mut zu einem Neuanfang und ihrer Angst vor dem unsichtbaren Verfolger.

Pino und Jakob sind die zwei Männer, die Louisa Schutz bieten. Sie bleiben etwas unscharf, sodass mir nicht klar war, ob sie wirklich hilfsbereit sind, oder gehören sie zu der Bedrohung die über Louisa schwebt.

Dann ist da noch der Verfolger. Er bleibt lange im Nebel. Jeder könnte es sein.

Der Schreibstil des Autorenduos ist flüssig und gut verständlich.
Bemerkenswert ist, wie harmonisch die Stile der beiden Autoren verschmelzen. Man merkt dem Text nicht an, dass zwei unterschiedliche Federn am Werk waren.
Die wechselnden Perspektiven verleihen den Leser*innen einen tiefen Einblick von verschiedenen Seiten auf die Geschichte.
Die Kapitel sind recht kurz, so wird man schnell dazu verführt, immer weiterzulesen.

Auch das Setting wird gut beschrieben. Der schöne Gardasee und die Bergwelt von Berchtesgaden verleihen dem Thriller schon fast ein Urlaubsfeeling.

„Your Darkness ist ein Thriller, den ich mit großer Freude gelesen habe.

„Die Gejagte – sie weiß nicht, wer sie ist. Er schon.“

Rene Anour
Thriller
397 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar

Beklemmende Survival Tripp durch den Dschungel

Klappentext:
Ohne jede Erinnerung wacht Jess mitten im Dschungel auf, verletzt und in Handschellen. Ein schwerverletzter Mann, dem sie zur Hilfe eilt, hat sichtlich Angst vor ihr. Als endlich Hilfe eintrifft, tötet der vermeintliche Retter plötzlich den Verletzten und eröffnet die Jagd auf Jess. Hals über Kopf flüchtet sie tiefer in den dunklen Regenwald, weg vom Verfolger, weg vom Fundort. Allein im Dschungel muss Jess nicht nur um ihr Leben kämpfen, sondern auch um ihre Erinnerungen. Wie ist sie hierhergekommen? Wo genau ist sie überhaupt? Und wer jagt sie? Ihre Vergangenheit als Biologin in Berlin könnte der Schlüssel für ihre Situation sein. Und ihre einzige Chance die raue Natur zu überleben. Aber ihr Verfolger scheint ihr immer einen Schritt voraus.

„Die Gejagte – sie weiß nicht, wer sie ist. Er schon.“ Ist ein Survival-Thriller von René Anour.

René Anour hat in diesem Thriller seine Kenntnisse von Flora und Fauna einfließen lassen.
Die Atmosphäre ist beängstigend. Überall lauert Gefahr.
Der Dschungel scheint der größte Feind von Jess zu sein. Aber hier lässt sich auch gut ein Versteck vor den Verfolgern finden.
Der Dschungel ist hier nicht nur ein Hintergrund, sondern ein eigenständiger, pulsierender Charakter. Der Dschungel wirkt bedrohlich, feucht und unberechenbar.
Beim Lesen bekommt man genau wie Jess, Angst, dass hinter jedem Blatt der Jäger lauert, oder eine tödliche Gefahr, die von der Tier- und Pflanzenwelt ausgeht.

Die Charaktere sind richtig lebendig und voller Rätsel.
Jess ist eine sehr starke Protagonistin. Sie wacht gefesselt im Dschungel auf und kann sich an nichts erinnern.
Ihr messerscharfer Verstand hilft ihr, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Langsam blitzen auch immer Erinnerungsstücke auf.
Ihre Kenntnisse als Biologin werden zu ihrer mächtigsten Waffe, um in der rauen Natur zu überleben.
Der „Fuchs“, wie der Verfolger genannt wird, ist ein eiskalter Feind. Er mutet an wie ein Schatten, der immer wieder zu erahnen ist.
Das ist für Jess furchteinflößender, als wenn er ihr direkt gegenüberstehen würde.

Der Schreibstil von René Anour ist flüssig und gut verständlich. Die zwei Erzählebenen, die der Autor gewählt hat, machen die Geschichte spannend.
Die Leserinnen begleiten Jess bei ihrer Flucht durch den Dschungel. Die zweite Ebene sind die Erinnerungsblitze, die immer wieder aufkeimen, und so bekommen die Leserinnen langsam ein Gesamtbild.
Die eingestreuten biologischen Fakten fließen unterhaltsam in die Geschichte ein.

„Die Gejagte“ ist ein hochspannender Pageturner, der geschickt wissenschaftliche Details mit purem Nervenkitzel verbindet.

Keine Angst, Darling

Vera Buck
Thriller
448 Seiten
erschienen bei Bastei Lübbe
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Nichts ist wie es scheint

Klappentext:
In der Luxussiedlung Sancta Familia in Florida hat Lea endlich, wonach sie sich immer gesehnt hat: ein sicheres Zuhause, eine Tochter, die sie über alles liebt, und einen Mann, der sie auf Händen trägt. Für ihr schillerndes Leben wird sie online von Millionen gefeiert, nur ihre Schwester Paula misstraut der makellosen Inszenierung. Als Lea plötzlich verstummt, reist Paula besorgt von Deutschland nach Florida. Doch in der Sancta Familia ist ihre Schwester nicht. Ihr Mann behauptet, sie sei in einem Retreat. Aber warum gibt es kein Lebenszeichen? Je tiefer Paula in die scheinbar heile Welt der Siedlung eindringt, desto sichtbarer werden die Risse: Strenge Regeln erfordern bedingungslosen Gehorsam. Und Frauen, die sich widersetzen, verschwinden.

„Keine Angst, Darling“ ist ein packender Thriller von Vera Buck.

Im Mittelpunkt steht die Influencerin Lea Graves, die auf ihren Kanälen von Millionen Fans für ihr vermeintlich perfektes 50er-Jahre-Familienleben in der Luxussiedlung Sancta Familia in Florida gefeiert wird. Der Mann verdient das Geld, die Frau steht perfekt gestylt und gehorsam am Herd.

Vera Buck lässt Lea schon gleich zu Beginn verschwinden. Das sorgt schon gleich für Spannung und ich konnte ab diesem Zeitpunkt das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Vera Buck hat ihre Charaktere gut gezeichnet und lebendig werden lassen.

Die Geschwister Lea und Paula haben ein gutes Verhältnis. Daran ändert auch die große Entfernung ihres Lebensmittelpunktes nichts. Schon als Kind musste Paula immer auf Lea aufpassen und so etwas legt man nicht einfach ab.

Lea hegte schon immer den Wunsch nach Sicherheit und Geborgenheit. Das hat sie anfällig für Manipulationen gemacht. Sie wird ein echtes Tradwife und lässt Millionen daran teilhaben. Doch langsam ändert sich ihre Sicht. Ihre Begeisterung für dieses Leben kehrt sich um in Angst.

Ihre Schwester Paula ist genau das Gegenteil. Sie ist verheiratet und berufstätige Mutter.
Seit Kindheit fühlt sie eine Verantwortung für ihre Schwester. Das lässt sie auch nach Florida reisen, als es um ihre Schwester plötzlich still wurde.

Matt, der Ehemann von Lea, ist kontrollsüchtig. Er muss immer wissen, wo seine Frau ist und was sie tut. Dabei wechselt er die Rollen zwischen dem liebevollen und charmanten Ehemann und dem Mann, der alles manipulieren kann.

Vera Buck stellt eine beklemmende Atmosphäre her.
Die Autorin erzählt die Geschichte aus wechselnder Perspektive.
Die Leserinnen begleiten Paula bei der Suche nach Lea. Dabei ist Paula auf dem gleichen Wissensstand wie die Leserinnen.
Von einer anderen Perspektive her erleben die Leserinnen Leas Verwandlung. Als Leserin spürt man die aufkommende Angst von Lea und erwartet, bis das Unvermeidliche passiert.
Dazu kommen noch die Social-Media-Kommentare von Lea, in denen sie die perfekte Ehefrau spielt.
Ganz im Gegensatz dazu sind die Tagebucheinträge von Lea. Sie zeigen die wahren Gefühle auf.

Vera Buck vermittelt auf eine eindringliche Art, was psychische Gewalt mit einem Menschen machen kann. Zeigt auf, wie man einen Menschen manipulieren kann.

Der Schreibstil von Vera Buck ist flüssig, bildhaft und gut verständlich.
Die Autorin erzählt die Geschichte in einem ordentlichen Tempo.
Die Spannung setzt sehr früh ein und bleibt auch bis zum Ende bestehen.

„Keine Angst, Darling“ ist ein Psychothriller, den ich mit großer Spannung gelesen habe.

Teufelsring

Frida Skybäck
Kriminalroman
394 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Übersetzt aus dem Schwedischen von Julia Gschwilm
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannende Krimireihe aus Schweden

Zum Inhalt:
Die Geschichte beginnt mit einem tragischen Fund. In einem Naturreservat entdeckt eine Familie beim Camping die grausam zugerichtete Leiche des 21-jährigen Mattias Lindqvist. Für das Ermittler-Duo Fredrika Storm und Henry Calment rührt dieser brutale Mord sofort an eine alte, nie verheilte Wunde des kleinen Dorfs Vallkärra. Vor genau fünfzehn Jahren wurde nämlich Mattias‘ Mutter Lena auf exakt dieselbe Weise erschlagen, der Täter wurde nie gefasst und ihr damaliger Partner verschwand spurlos. Die Ermittlungen zwingen das Team zu einer Reise in die Vergangenheit und führen sie tief in ein dichtes Netz aus dörflichem Schweigen, alten Feindschaften und gut gehüteten Familiengeheimnissen.

„Teufelsring“ ist der 4. Band der Krimireihe Fredrika Storm von Frida Skybäck.

Die Autorin hat interessante und facettenreiche Charaktere erdacht.
Das Ermittlerduo besteht aus Fredrika Storm und Henry Calmen.
Fredrika ist noch jung und hochmotiviert, als sie von Kopenhagen zurück in ihre Heimat kommt und die Stelle bei der Mordkommission in Lund antritt. Sie ist in der Gegend aufgewachsen und kennt Land und Leute. Sie ist oft impulsiv und handelt emotional.
Henry Calmen ist der ideale Gegenpol zu Fredrika.
Er kommt aus der schwedischen Großstadt, bringt einen frischen, unvoreingenommenen Blick von außen mit und ist von feinerer, fast schon eleganter Erscheinung.
Schon im ersten Band sind die beiden Ermittler zu einem guten Team zusammengewachsen.

Frida Skybäcks Schreibstil ist flüssig, bildhaft und gut verständlich.
Die Autorin versteht es, das Tempo geschickt zu variieren. So gibt es ruhigere Szenen und dann zieht das Tempo wieder an und die Spannung steigt.
Der Wechsel der Perspektiven und die geschickt eingeflochtenen Wendungen sorgen zusätzlich für Spannung.

„Teufelsring“ ist ein spannender Kriminalroman. Es ist der 4. Band der Reihe, man braucht aber nicht unbedingt Vorkenntnisse, um das Buch zu lesen.

Fredrika Storm-Reihe:
1. Schwarzvogel
2. Eisenblume
3. Schattenmädchen
4. Teufelsring

Das Krähenzimmer

Carolin Frey
Thriller
429 Seiten
erschienen bei Rowohlt Polaris
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannendes Thriller-Debüt

Zum Inhalt:
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Lotta. Sie flüchtet sich nach der Trennung von ihrem Partner nach Geelekow, einem kleinen Ort an der Küste der Ostsee.
Hier hat sie in ihrer Kindheit schöne Sommer im Ferienhaus der Familie ihrer Stiefmutter verbracht. Doch im November sieht alles ganz anders aus. Der Ort ist leer und trostlos. Der Schlüssel liegt aber immer noch am selben Platz und so kann Lotta sich Zutritt zum Haus verschaffen.
Sie bleibt allerdings nicht unbemerkt, denn das Haus gehört zum größten Teil einer Gesellschaft, die es als Ferienhaus vermietet.
Lotta hat Glück und darf im Haus wohnen und für die Gesellschaft im November arbeiten.
Doch schon kurz nach ihrem Eintreffen beschleicht Lotta ein komisches Gefühl. Sie fühlt sich beobachtet und sie hört seltsame Geräusche. Ihre Nachbarin scheint sie zu beobachten.
Doch vieles, was in diesem Haus passiert ist, weiß Lotta noch gar nicht.

„Das Krähenzimmer“ ist das Thriller-Debüt von Carolin Frey.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig.
Lotta und auch die anderen Charaktere waren mir schnell sympathisch. Doch im Laufe der Geschichte wusste ich nicht mehr, wem ich trauen konnte und wem nicht.

Carolin Frey schafft es in ihrem Thriller, für eine ständig bedrohliche Atmosphäre zu sorgen.
Der Plot verspricht viel Spannung. Diese setzt auch gleich zu Beginn ein. Man ahnt schon, dass Lotta nichts Gutes erwartet.
Es geschehen auch immer wieder seltsame Dinge. Lotta hört Geräusche und hat das Gefühl, dass sich noch jemand im Haus befindet. So oft sie es durchsucht, kann sie nichts finden.
Zwischendurch gibt es Ausschnitte aus Tagebucheinträgen und man ahnt schnell, von wem sie sind.
Auch die Gedanken einer weiteren Person kann man zwischendrin lesen.
Wer diese Person ist, kommt aber erst am Ende der Geschichte zum Vorschein.

Der Mittelteil der Geschichte ist etwas langatmig, hier hätte man gut etwas kürzen können. Die Geräusche, die Lotta hört, wiederholen sich immer wieder. Die Bedrohung ist allgegenwärtig, aber es passiert nichts. Erst im letzten Drittel zieht das Tempo an und es wird wieder richtig spannend und das dann auch bis zum Ende.

Der Schreibstil von Carolin Frey ist flüssig und gut verständlich.

„Das Krähenzimmer“ ist ein spannender Psychothriller, der im Mittelteil einige Längen aufweist.

Signora Commissaria und die Insel der Träume

Alexander Oetker
Kriminalroman
272 Seiten
erschienen im Atlantik Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

Bravo, Bravisimo

Klappentext:
Mord in der Modewelt: Als die Polizei bei einer Verkehrskontrolle in Santa Croce eine Leiche im Kofferraum entdeckt, führt die Spur direkt in das glamouröse Imperium eines Florentiner Stardesigners. Das originellste Ermittlerteam der Toskana um Giulia Ferrari, den blinden Polizisten Enzo und Luigi, den Barista mit Kripo-Vergangenheit, stürzt sich in einen brisanten Fall voller Intrigen, Affären und Erpressung, während die Commissaria zugleich um ihre totgeglaubte Schwester kämpft, die nach zwanzig Jahren plötzlich wieder in ihr Leben tritt. Ein wendungsreicher, sinnlicher Krimi voll italienischer Sonne zwischen High Fashion, dem langen Arm der Mafia und köstlicher toskanischer Küche.

„Signora Commissaria und die Insel der Träume“ ist eigentlich der 4. Band der Reihe Giulia Ferrari ermittelt. Der 1. Band „Signora Commissaria und die dunklen Geister“ ist unter dem Pseudonym Pietro Bellini bei Droemer Knaur erschienen.

Von Alexander Oetker lese ich die Südfrankreich-Krimis sehr gerne. Mit dieser Reihe macht der Autor einen Abstecher in die Toskana. Auch hier kommen Spannung und das gute Essen nicht zu kurz.

Seine Charaktere sind wieder recht unterschiedlich und gefallen mir sehr gut.
Besonders die Gruppe der Ermittler.

Commissaria Giulia Ferrari hat ihr Elternhaus, das seit 20 Jahren leer stand, wieder bezogen. Sie hat das Haus hergerichtet und den Garten bepflanzt. Sie lebt nach langer Zeit wieder in dem Haus, in dem so viele Erinnerungen hängen, vor allem an ihre liebe Schwester.

Luigi Batista war einst der beste Commissario von Florenz. Heute betreibt er eine Cafébar und hilft nur noch im Notfall bei der Polizei aus. An seiner Seite ist immer sein Hund Tulipan.

Enzo Aleardi ist bei der Polizei meist für die Recherche verantwortlich. Er ist blind und es ist erstaunlich, wie sicher er sich an seinem Arbeitsplatz bewegt. Die Commissaria und Enzo sind mittlerweile liiert.

Der Fall ist recht kompliziert. Im Kofferraum von Signora Cavali wird bei einer Verkehrskontrolle eine Leiche gefunden. Bei dem Toten handelt es sich um David Giotti, den Sohn des reichen und bekannten Florentiner Stardesigners. Natürlich ist Singiora Cavali die Verdächtige Nummer 1, doch sie bestreitet, von der Leiche im Kofferraum gewusst zu haben.
Enzo Aleardi bittet Luigi Batista um Hilfe, da Commissaria Giulia Ferrari im Moment nicht im Dienst ist.

Die Commissaria weilt zur gleichen Zeit auf Sardinien, in der Hoffnung, ihre Schwester nach all den Jahren wiederzufinden.

Alexander Oetker baut gleich zu Beginn Spannung auf. Es macht Freude, dem Ermittlerteam bei seinen Ermittlungen über die Schulter zu schauen.
Dabei lockert der Autor seine Geschichte immer wieder durch Zwischenmenschliches auf, bei dem man die Charaktere besser kennenlernt.
Ich finde das Ermittlerteam einfach genial. Alle drei gefallen mir sehr gut. Manchmal musste ich schmunzeln, wenn Giulia und Luigi sich unterhalten.

Ein Highlight ist auch, wie Alexander Oetker Florenz beschreibt. Erst vor ein paar Jahren habe ich die Stadt besucht und hatte schnell wieder Bilder im Kopf.

Alexander Oetker lässt in der Geschichte den Tag immer mit der Heimkehr von Luigi enden. Seine Frau Carla erwartet ihn schon und es gibt ein leckeres Essen. Das Rezept ist immer zum Nachkochen abgedruckt.

„Signora Commissaria und die Insel der Träume“ ist ein genialer Toskana Krimi.
Ich würde mich freuen, wenn Alexander Oetker die Reihe mit dem großartigen Ermittlerteam noch lange weiterführt.

Die Bestatterin

Kalima Pine
Thriller
erschienen bei DP Digital Publishers
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Kalima Pine für das Rezensionsexemplar

Düstere Geheimnisse im Westerwald

Klappentext:
Sie arbeitet mit den Toten. Bald gehört sie selbst dazu. Maria Moretti führt das traditionsreiche Bestattungsinstitut ihrer verstorbenen Eltern im Westerwald. Der Tod gehört zu ihrem Alltag. Gefühle dagegen meidet sie seit Jahren. Als sie sich in den Kinderkardiologen Matteo Schönfeld verliebt, scheint ihr Leben endlich eine Wendung zum Guten zu nehmen. Doch dann wird eine grausam verstümmelte Leiche im Grab eines anderen Verstorbenen gefunden, ohne Organe, professionell operiert. Die Ermittlungen führen zu einer Serie rätselhafter Vermisstenfälle: junge, gesunde Menschen, die spurlos verschwanden. Und plötzlich zeigen alle Spuren ausgerechnet auf Marias Bestattungsinstitut. Als Maria das versteckte Notizbuch ihres vor zehn Jahren verstorbenen Vaters entdeckt, beginnt ein Albtraum. Ihr Vater war einem illegalen Organhandel-Ring auf der Spur, und bezahlte dafür mit seinem Leben. Ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel beginnt und Maria muss erkennen, dass sie dem Täter nie näher war als jetzt.

„Die Bestatterin“ ist das Thriller-Debüt von Kalim Pine.

Kalima Pine hat recht unterschiedliche Charaktere erschaffen und zum Leben erweckt.

Im Mittelpunkt steht Maria Moretti. Sie führt seit dem Tod ihrer Eltern das Bestattungsinstitut weiter. Sie begegnet den Verstorbenen mit großem Respekt.
Das verlangt sie auch von Toni, der ihr im Bestattungsinstitut hilft.
Eine weitere Angestellte ist Anna, sie sitzt am Empfang und nimmt auch die Telefonate entgegen.
Dani und Markus sind Freunde von Maria. Mit Dani ist Maria schon lange befreundet.
Durch sie hat sie auch Matteo kennengelernt, in den sie sich fast auf den ersten Blick verliebt hat.
Alle Charaktere sind sehr sympathisch bei mir angekommen.
Nur Toni gegenüber war ich skeptisch, ich habe ihm nicht ganz getraut.

Kalima Pine hat einen gut verständlichen, flüssigen und fesselnden Schreibstil.
Durch die kurzen Kapitel wird man zum ständigen Weiterlesen verleitet. Ich konnte das Buch bald nicht mehr zur Seite legen.
Die Autorin baut geschickt Wendungen in den Thriller ein und ich wusste nicht mehr, wer gut und wer böse ist.
Nur eins wurde bald klar: Maria schwebt in großer Gefahr.

Kalima Pine schafft eine recht düstere Atmosphäre. Man hat beim Lesen ständig das Gefühl, gleich passiert etwas Schreckliches.

„Die Bestatterin ist ein absolut gelungener Pageturner, den ich gerne gelesen habe.