Du kriegst mich nicht

Chris Carter
Thriller
458 Seiten
erschienen im Ullstein Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Sybille Uplegger
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar

Nichts ist wie es scheint

Zum Inhalt:
Die Geschichte beginnt im Gerichtssaal. Nelson Stewart wird dafür, dass er seiner Ehefrau Samantha Stewart Gewalt angetan hatte und sie an ein Rohr unter dem Waschbecken gekettet hatte, zu dreizehn Jahren Haft verurteilt. Nach der Urteilsverkündung spricht er im Gerichtssaal noch eine Drohung gegen seine Frau aus.

Der Staatsanwalt rät Samantha, sich nach der Scheidung eine neue Identität zuzulegen. Ihren Wohnort in ein anderes Bundesland zu verlegen und die ersten Monate mehrmals umzuziehen. Nach der Scheidung wird Samantha ein Großteil des Vermögens zugesprochen. Aus Samantha Stewart wird Mary Smith.
Mary wechselt öfter ihren Wohnort und 5 Monate nach der Scheidung ist sie in Nashville, Tennessee angekommen. Sie mietet eine kleine Wohnung und hat kaum Besitz. Da merkt Mary, dass sie verfolgt wird. Ihr gelingt es, den Verfolger abzuschütteln, indem sie Nashville verlässt.
Das scheint geglückt und Mary lässt sich nach weiteren 5 Monaten in San Francisco nieder.
Hier begegnet Mary einem Mann, in den sie sich verliebt. Endlich scheint Ruhe und Glück in Marys Leben einzukehren.

„Du kriegst mich nicht“ ist ein spannender Psychothriller von Chris Carter.
Dieses Buch gehört nicht zur bekannten und beliebten Hunter-und-Garcia-Reihe. Es ist so ganz anders und doch ein echter Chris Carter.

Chris Carter hat seine Charaktere gut gezeichnet.
Samantha/Mary war mir schnell sympathisch. Sie hat viel durchgemacht und endlich etwas Glück verdient.

Nelson Stewart erleben die Leser*innen nur vor Gericht. Er ist sehr beherrscht, versucht jede Regung zu vermeiden. Nur am Ende spricht er eine Drohung gegen seine Noch-Ehefrau aus.

Thomas oder Quaddra wie er mit richtigem Namen heißt, scheint endlich Glück in Marys Leben zu bringen. Mir war er schnell sympathisch.

Nachdem Mary sesshaft geworden ist, geht die Geschichte ziemlich ruhig weiter.
Es gibt Rückblicke in Samanthas/Marys Vergangenheit und da spürt man, es ist nicht alles so, wie es scheint.
Dann baut Christ Carter eine Wendung nach der anderen ein. Ich wusste nicht mehr, wo vorne und hinten ist, wem man noch trauen kann. Die Jagd beginnt.

„Du kriegst mich nicht“ ist ein spannender Psychothriller mit unerwarteten Wendungen.

Das Rätsel von St. Florence

Katharina Schendel
Kriminalroman
240 Seiten
erschienen im Gmeiner Verlag
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

ielen Dank an den Gmeiner Verlag für das Rezensionsexemplar.

Die Nachtschattenschwestern ermitteln

Klappentext:
Zwischen Kräutergarten und Klostermauern lauern dunkle Geheimnisse: In der Abtei St. Florence an der Küste Cornwalls bereiten die drei ungleichen Nonnen des Nachtschattenordens Marguerite, Angelica und Rosemary das jährliche Kräuterfest vor. Doch als eine Influencerin nach dem Genuss des legendären Melissengeists zusammenbricht, fällt der Verdacht ausgerechnet auf die Abtei. Inmitten von Giftpflanzen, alten Legenden und misstrauischen Dorfbewohnern beginnen die drei zu ermitteln, denn ihr Ruf und die Zukunft des Ordens stehen auf dem Spiel.

„Das Rätsel von St. Florence“ ist ein Cornwall-Krimi von Katharina Schendel.

Die Nachtschattenschwestern, Schwester Angelica und Schwester Rosemary, sind die letzten im Kloster St. Florence.
Das Geld ist knapp und im Kloster müssten dringend Instandhaltungsarbeiten gemacht werden.
Ihre Hoffnung liegt auf dem diesjährigen Kräuterfest. Die Schwestern haben extra frischen Melissengeist gebraut, um ihn auf dem Fest zu verkaufen.
Doch als die Influencerin, die den Schwestern bei der Vermarktung helfen will, von dem Melissengeist probiert, bricht sie zusammen.

Die Charaktere sind sympathisch. Ich habe die Schwestern gerne durch die Geschichte begleitet.

Schwester Marguerite ist 49 Jahre alt und die Äbtissin des Klosters. Vor dem Leben im Kloster war sie Botanikerin, und so kümmert sie sich auch hingebungsvoll um den Klostergarten mit all seinen Kräutern und Heilpflanzen.

Schwester Angelica ist 31 Jahre alt und kümmert sich um den Klosterladen und das Café. Einst war sie Journalistin, zieht jetzt aber die Ruhe des Klosters vor. Ihre Leidenschaft sind True-Crime-Podcasts.

Schwester Rosemary ist 63 Jahre alt und somit die älteste Klosterbewohnerin.
Früher war sie Krankenschwester. Sie stellt aus den Kräutern und Heil- und Giftpflanzen, die im Klostergarten wachsen, Tränke und Salben her. Auch sie liebt Kriminalgeschichten, dabei haben es ihr die französischen Krimis angetan.

Außerdem leben noch Pater Ambrosius, ein 5-jähriger Airedale Terrier, und Poppy die 4-jährige Graugans, im Kloster.

Hin und wieder kommt Reverend Blytheim im Kloster vorbei. Er ist den Schwestern nicht gut gesinnt und verbreitet im Dorf böse Gerüchte.

Ein illustrer Verein, den die Leser*innen begleiten dürfen.
Nachdem sich herausstellt, dass im Melissengeist, den die Influencerin getrunken hat, Gift war und als erstes die Schwestern verdächtigt werden, nehmen sie die Ermittlungen selbst in die Hand.

Katharina Schendel erzählt die Geschichte in einem ruhigen Ton. Es wechseln sich Spannung und Humor ab.
Der Schreibstil von Katharina Schendel ist flüssig und gut verständlich.
Der Handlungsort, vorwiegend das Kloster, wird anschaulich beschrieben.

„Das Rätsel von St. Florence“ ist ein spannender und zugleich humorvoller Cosy-Krimi, den ich gerne gelesen habe.

Er lügt

Rebecca Taylor McKay
Thriller
410 Seiten
Übersetzt aus dem Englischen von Silke Jellinghaus
erschienen bei Rowohlt Polaris
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Geheimnisse wollen ans Licht

Zum Inhalt:
Rebecca Taylor McKay schickt ihre Leser*innen zurück in das Jahr 1961.
Die 22-jährige Clara Carmichael verbringt mit ihrem reichen und charmanten Ehemann Spencer die Flitterwochen an der Amalfiküste. Alles ist perfekt. Der Palazzo Rosso, in dem das Paar wohnt, bietet einen großartigen Ausblick. Das Meer ist türkisblau und liegt direkt zu ihren Füßen.
Clara wundert sich, dass ihr Mann Italienisch spricht und sie nichts davon weiß.
Als Clara und Spencer auf Vivian und Fred treffen, die am gleichen Ort ihren Urlaub verbringen, reagiert Spencer ungewohnt feindselig. Eine angespannte Atmosphäre spinnt sich um die zwei Paare.
Als Clara dann einen anonymen Zettel bekommt, auf dem steht „Er lügt“, ist klar, hier gibt es einige Geheimnisse, die ans Licht wollen.

„Er lügt“ ist ein spannender Psychothriller von Rebecca Taylor McKay.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und man spürt schnell, dass sie einiges zu verbergen haben.

Clara wirkt zu Beginn der Geschichte noch etwas leichtgläubig. Das ändert sich aber schnell und sie wirkt selbstbewusst und entschlossen.

Spencer ist der perfekte Ehemann. Er ist fürsorglich und charmant. Doch sobald er sich nicht mehr ganz unter Kontrolle hat, fängt die Fassade an zu bröckeln.

Vivian und Fred, das zweite Ehepaar, das an der Amalfiküste den Urlaub verbringt, wirken auf den ersten Blick überaus sympathisch.
Doch zwischen Vivian und Spencer scheint etwas zu schwellen.

Die Autorin entführt die Leser*innen an die malerische Amalfiküste in Italien, genauer gesagt nach Positano und in das luxuriöse Hotel Palazzo Rosso.
Die Atmosphäre wechselt immer wieder zwischen Urlaubsfeeling, Sonne, Strand und Meer und einer beklemmenden Stimmung voller Misstrauen.

Rebecca Taylor McKay erzählt die Geschichte in einem ruhigen Tempo. Es bleibt genug Zeit, die schöne Landschaft zu bestaunen. Gekonnt spiegelt die Autorin die 1960er Jahre wider.
Der Schreibstil von Rebecca Taylor McKay ist flüssig und gut verständlich.
Durch die Perspektive aus Sicht von Clara kommt man ihr natürlich ganz nahe. Man kann ihre Gedanken lesen und stellt sich die gleiche Frage, die sich Clara stellt: „Wem kann man noch trauen?“

Rebecca Taylor McKay baut einige Wendungen in die Geschichte ein, was das Ganze noch spannender macht.

„Er lügt“ ist kein actiongeladener Hardcore-Thriller, sondern ein wunderbar atmosphärischer Psychothriller, der von leisen Tönen, psychologischer Tiefe und einem grandiosen Setting lebt.
Ich habe das Buch mit großer Freude gelesen.

Düstere Gedanken

Toby Winter
Sprecher: Mathias Grimm
Hörbuch – Thriller
Länge: 9 Stunden und 20 Minuten
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Toby Winter für das Rezensionsexemplar

Nichts für schwache Nerven

Klappentext:
Hallo, ich heiße Florian, meine Freunde nennen mich Flo.
Ich bin ein skrupelloser Serienkiller.
Das mag Sie schockieren, denn ich bin auch ein liebevoller Ehemann und Vater von drei Kindern.
In meinem bevorzugten Jagdrevier am Dortmunder Phoenix-See wird ein Mann brutal ermordet.
Der Mörder lässt die Leiche zurück und zieht damit die Aufmerksamkeit von Polizei und Presse auf sich.
Das macht mich wütend und ich beschließe, Jagd auf meinen Rivalen zu machen.
Doch schon bald bin ich der Gejagte und muss um das Leben meiner Liebsten fürchten.

„Düstere Gedanken“ von Toby Winter ist ein Psychothriller, der aus der Sicht eines Serienmörders erzählt wird.

Im Mittelpunkt steht Florian. Er ist eigentlich ein ganz normaler Mann. Er arbeitet bei einer Bank, ist liebender Vater und Ehemann. Ein sympathischer Mensch, den man mögen muss.
Florian hat aber auch noch eine andere, eine dunkle Seite. Er ist ein Serienmörder.
Wenn das Dunkle in ihm zum Vorschein kommt, entführt er Frauen, foltert und tötet sie.
Jetzt wird die Polizei aufmerksam, da ein anderer Mörder in Florians Revier gejagt hat. Florian macht Jagd auf seinen Rivalen und wird selbst gejagt. Ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt.

Toby Winter erzählt die Geschichte in einem ordentlichen Tempo und mit einer dunklen Atmosphäre.
Die Charaktere sind gut gezeichnet und interessant.
Da ist natürlich Florian. Er ist liebender Familienvater und gleichzeitig ein brutaler Mörder. Die dunkle Seite in Florian war allerdings nicht immer da. Erst nach einer Kopfoperation hat sich sein inneres Wesen verändert. Jetzt muss das Böse aus ihm heraus.

Im Gegensatz dazu steht Florians Familie, die ihren Vater und Ehemann nur als lieb und fürsorglich kennen.
Als Leser*in wartet man ständig auf die Aufdeckung von Florians Charaktereigenschaften.

Der Schreibstil von Toby Winter ist flüssig und gut verständlich.
Der Autor erzählt die Geschichte aus wechselnder Perspektive. Die Abschnitte, die aus Sicht von Florian erzählt werden, lassen die Leser*innen Florian ganz nahekommen.
Toby Winter beschreibt die Gewalt recht detailliert, hier musste ich schon manchmal schlucken. Hier werden gute Nerven vorausgesetzt.

Ich habe das Hörbuch gehört. Es wird von Mathias Grimm gelesen. Die Stimme von Mathias Grim ist wandelbar. Er kann mit seiner Stimme gekonnt zwischen Florian dem Familienvater und Florian dem Serienmörder differenzieren. Beim Hören bekommt man das Gefühl, es mit zwei verschiedenen Personen zu tun zu haben.
Mathias Grimm macht das Hörbuch zu einem spannenden Vergnügen.

„Düstere Gedanken“ ist ein wirklich düsterer und hochspannender Thriller.

Die Nachbarin

Nova Winter
Thriller
365 Seiten
erschienen im Ullstein Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar

Wem kann man noch vertrauen

Zum Inhalt:
Im Mittelpunkt steht Smilla. Beim Joggen kommt Smilla an einem See vorbei, in dem ein kleiner Junge ums Überleben kämpft. Beherzt springt Smilla ins Wasser, um den Jungen zu retten. Als die Mutter des Jungen erscheint, beschimpft sie Smilla.

In Smilla bleibt ein unerklärliches Gefühl zurück, sie kennt den Jungen, es ist ihr Sohn. Dabei hat Smilla den Jungen noch nie gesehen und war auch nie schwanger gewesen.

Als Smilla die Frau wieder sieht, muss sie feststellen, sie ist ihre Nachbarin. Quentin, der Vater des Jungen, bedankt sich überschwänglich bei Smilla und lädt sie und ihren Mann zum Essen ein. Und Quentin bietet Smilla auch noch einen Job als Patissière in seinem Hotel an.

Kurze Zeit später erfährt Smilla vom Verschwinden des ersten Kindes ihrer Nachbarn, vor sechs Jahren. Dann geschehen seltsame Dinge. Smilla traut sich selbst und auch keinem anderen mehr. Auch nicht ihrem eigenen Ehemann.

„Die Nachbarin“ ist ein spannender Psychothriller von Nova Winter.

Die Autorin hat die Charaktere gut gezeichnet und zum Leben erweckt.
Smilla war mir schnell sympathisch. Sie hat eine schwere Krankheit überstanden und will jetzt einen Neuanfang starten.
Auch Jonas, Smillas Ehemann, war mir schnell sympathisch. Doch im Laufe der Geschichte spürt man, dass er nicht immer ehrlich ist.
Die Nachbarn Quentin und Lou sind etwas seltsam. Lou scheint psychisch labil zu sein, was man versteht, wenn man ihre Geschichte kennt.

Nova Winter baut langsam, aber stetig Spannung auf. Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt. Das führt dazu, dass man die Charaktere sehr gut kennenlernt und schnell spürt, dass nicht alles so ist, wie es scheint.

In der 2. Hälfte der Geschichte baut Nova Winter einige Wendungen ein und man weiß wirklich nicht mehr, wem man trauen kann.

Am Ende gibt es einen richtigen Showdown, der die Spannung bis ins Endlose steigen lässt.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich. Nova Winter hat mich mit ihrem Thriller „Die Nachbarin“ begeistert.

Eine zu viel

Samantha Hayes
Thriller
411 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Anne Rudelt
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannender Psychothriller

Klappentext:
Nach dem Tod des Familienvaters Ray lädt Mutter Connie ihre drei Töchter samt Partnern und Kindern in eine abgelegene schottische Lodge ein. Zehn Tage sollen sie dort verbringen: nachtrauern, zusammenrücken, vielleicht neu beginnen. Doch Connie hütet ein brisantes Geheimnis: Rays Testament – und die Wahrheit, die es an die Oberfläche bringen wird. Während Connie den richtigen Moment für ihre Offenbarung sucht, kippt die Stimmung wie das Wetter in den Highlands. Wer steht zu wem? Und was geschieht, wenn die größte Gefahr nicht draußen lauert, sondern mit am Tisch sitzt?

„Eine zu viel“ ist ein Thriller mit Hochspannung von Samantha Hayes.

Ray ist gestorben. Connie lädt ihre Töchter mit Familie in eine schottische Lodge ein. Hier möchte die Familie zusammen trauern, den Tod des Vaters und Ehemanns verarbeiten. Connie will aber auch ein Geheimnis lüften, das mit der Testamentseröffnung eine Wahrheit ans Licht bringen wird.

Samantha Hayes lässt die Spannung gleich im Prolog aufblitzen.
Die Familie Hunter ist eine Familie voller Geheimnisse, Eifersucht und Verletzungen. Am Ende ist einer von ihnen tot.
Das Drama spielt sich in den schottischen Highlands, in einem abgelegenen Ferienhaus ab. Die Leser*innen folgen den einzelnen Familienmitgliedern. Es hat den Anschein eines normalen Familienurlaubs, doch wenn man den Prolog gelesen hat, wartet man auf jeder Seite darauf, dass das Unausweichliche passiert.

Die Autorin spielt mit der Psyche ihrer Leser*innen. Die unterschwellige Spannung ist allgegenwärtig.
Dazu wird die Geschichte noch aus wechselnden Perspektiven erzählt, was der Spannung zuträglich ist.

Die Charaktere sind recht unterschiedlich und sehr lebendig.
Ich habe ein bisschen gebraucht, um die einzelnen Familienmitglieder auseinanderhalten zu können. Nach einiger Zeit ist mir das aber gut gelungen.

Samantha Hayes hat einen flüssigen, gut verständlichen und vor allem fesselnden Schreibstil. Die eingebauten Wendungen sorgen dafür, dass es bis zum Ende spannend bleibt.

„Eine zu viel“ ist ein spannender Thriller, der mit der Psyche seiner Leser*innen spielt.

Das Hotel am Rande des Zusammenbruchs

Theresa und Joseph Prammer
Kriminalroman
302 Seiten
erschienen bei HaymonKrimi
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Haymon Krimi für das Rezensionsexemplar

Kriminalroman mit herrlich schrägem Humor

Die Fassade bröckelt und einer der Balkone hängt schief, da hilft auch die Toplage ein bisschen abseits von Reichenau an der Rax nichts mehr. Das Wellnesshotel „Perfekt“ hat seine besten Tage definitiv schon vorgestern hinter sich gelassen.
Die Rettung des maroden Hauses naht scheinbar in Gestalt eines wohlhabenden Investors, der sich zu einer Inkognito-Inspektion angekündigt hat. Das ohnehin gestresste Personal versucht verzweifelt herauszufinden, welcher der wenigen, kauzigen Hotelgäste der besagte Geldgeber ist. Doch das Timing für den großen Deal könnte nicht schlechter sein: Ausgerechnet jetzt stürzt der herrische, cholerische Hotelbesitzer Felix Perfekt aus dem Fenster und landet, im Garten auf einer übergroßen Buddhastatue. Da sich das verbliebene Team eine Schließung oder polizeiliche Ermittlungen mitten im Investorenbesuch nicht leisten kann, wird der Vorfall kurzerhand vertuscht. Als dann auch noch Felix’ eineiiger Zwillingsbruder Florian aufkreuzt, bricht das absolute Verwechslungschaos aus. Wer ist Gast, wer Angestellter, wer der Investor und wer der Mörder?

Das Autorenduo Theresa und Joseph Prammer legt mit „Das Hotel am Rande des Zusammenbruchs“ eine herrlich schräge Kriminalkomödie vor, die ursprünglich auf einem erfolgreichen Theaterstück der Komödienspiele Neulengbach, das von dem Ehepaar gegründet wurde, basiert. Schauplatz des herrlich absurden Geschehens ist das Wellnesshotel „Perfekt“ nahe dem traditionsreichen Sommerfrischort Reichenau an der Rax. Perfekt ist hier allerdings gar nichts mehr: Die Fassade bröckelt, ein Balkon hängt schief, die Sauna ist defekt und das Personal hat seit Monaten kein Gehalt gesehen.

Das Ehepaar Prammer hat lebendige, schrullige und exzentrische Charaktere ins Leben gerufen.
Die Charaktere sind das absolute Herzstück des Romans.
Sophie ist Mitte 30 und Physiotherapeutin. Sie fungiert unfreiwillige als Krisenmanagerin, die versucht, das sinkende Schiff und die absurden Geheimnisse irgendwie zusammenzuhalten.

Felix und Florian Perfekt: Der eine ist ein unausstehlicher, geiziger Hotelchef, der andere sein eineiiger Zwilling, der im perfekten Moment auftaucht, um für maximale Verwirrung zu sorgen.

Der Rest der Belegschaft ist ein eingeschworenes Team, das mit einer kräftigen Dosis Galgenhumor agiert.
Die Stammgäste, die nostalgisch über den K.-u.-K.-Schick hinwegsehen, machen das Ensemble perfekt.

Der Schreibstil von Theresa und Joseph Prammer ist flüssig und gut verständlich. Der Theaterhintergrund der beiden Autoren ist auf jeder einzelnen Seite spürbar. Die Geschichte verzichtet auf langatmige Ausführungen und setzt stattdessen auf ein extrem hohes Erzähltempo und Pointen, die perfekt sitzen.
Die Dialoge zwischen den Charakteren sind spritzig und treiben die Handlung rasant voran.
Der Krimi ist mit einer Prise schwarzem Humor, mit Absurdität und Wiener Schmäh gewürzt.

„Das Hotel am Rande des Zusammenbruchs“ ist weniger ein klassischer Krimi mit akribischer Ermittlungsarbeit, sondern vielmehr eine rasante, rabenschwarze Kriminalkomödie. Ein absolut unterhaltsames, kurzweiliges Buch für alle, die sich bei einem Beinahe-Mord im Hotel „Perfekt“ königlich amüsieren wollen!

Die Klippe

Ulf Kvensler
Thriller
377 Seiten
Übersetzt aus dem Schwedischen von Sabine Thiele
erschienen im Penguin Verlag
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar

Psychothriller

Zum Inhalt
Marcus passiert das, was wohl jeder Autor fürchtet. Nach einem Bestseller kommt nichts mehr. Er bringt einfach keine gute Geschichte mehr zu Stande.
Da wird er von Ernst, einem Bekannten aus einem Schreibseminar kontaktiert. Er hat einen Kriminalroman geschrieben und möchte den, unter einem Pseudonym veröffentlichen. Marcus bietet seine Hilfe an und reicht das Manuskript an seine Agentin weiter.
Die Agentin ist der Meinung, dass das Manuskript von Marcus ist. Sie ist überzeugt davon, dass es ein Bestseller werden wird. Auch der Verlag ist davon überzeugt. Das Buch soll allerdings unter dem Namen von Marcus erscheinen. Der eigentliche Autor ist angetan von der Idee, dass Marcus das Buch unter seinem Namen veröffentlicht.
Das Buch wird tatsächlich ein Bestseller. Doch dann kommt es zu Unstimmigkeiten zwischen Marcus und Ernst. Ernst stellt immer mehr Forderungen an Marcus. Und Marcus verstrickt sich in einem Gerüst aus Lügen. Bis das Unvermeidbare passiert.

„Die Klippe“ ist der neue Thriller von Ulf Kvensler.
Nachdem mich „Der Ausflug“ und „Die Insel“ mich gefesselt hatten, war ich auf das neue Werk gespannt.

Ulf Kvensler beginnt die Geschichte ruhig. Die Leser*innen ahnen zwar schnell, dass es zwischen Marcus und Ernst kein gutes Ende nehmen wird. Aber bis dahin dauert es eine Weile.
Als es dann zu den Unstimmigkeiten zwischen den beiden Charakteren kommt, baut der Autor eine düstere Atmosphäre auf.
Auch zwischen Marcus und seiner Frau wird die Stimmung immer schlechter und man ahnt, dass auch das kein gutes Ende nehmen kann.

Zwischendrin gibt es immer wieder Rückblenden in die Vergangenheit und die Leser*innen erfahren, wie sich Marcus und Ernst bei einem Schreibseminar kennengelernt haben.

Ulf Kvensler hat seine Protagonisten sehr gut gezeichnet, sie wirken richtig lebendig.

Der Schreibstil von Ulf Kvensler ist flüssig und gut verständlich. Bei diesem Buch dauert es allerdings etwas, bis die Spannung einsetzt. Auch zwischendrin gibt es immer wieder einmal Stellen, die etwas langatmiger sind.

„Die Klippe“ ist kein actiongeladener Thriller, eher ein ruhiger Psychothriller, wo man auch viel zwischen den Zeilen lesen kann.

So kalt die Nacht

Marika Neitz
Kriminalroman
400 Seiten
erschienen bei SAGA Egmont
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

spannend von Anfang bis Ende

Klappentext:
Eine grausame Mordserie erschüttert Köln. Scheinbar wahllos entführt ein Unbekannter ältere Menschen, fesselt sie und lässt sie dann unbarmherzig verhungern.
Kommissarin Anna Melcher wird auf den Fall angesetzt. Seit ihrer Scheidung leidet die Ermittlerin unter Panikattacken, die sie vor den Kollegen zu verheimlichen versucht. Und gerade jetzt kann Anna sich kein Zeichen der Schwäche erlauben, denn der gnadenlose Täter hat ein weiteres Opfer in seiner Gewalt. Ohne forensische Spuren bleibt Anna allerdings nichts übrig, als in der Vergangenheit der Opfer nach Verbindungen zu suchen. Und tatsächlich: Ein Hinweis führt sie zurück in die achtziger Jahre zu einem grausamen Fall von Kindesmisshandlung. Gemeinsam mit ihrem neuen Partner, dem pedantischen Frieder Tann, muss Anna jetzt schnell handeln. Doch das ist leichter gesagt als getan: Denn Frieder hält wenig von Annas unkonventionellen Ermittlungsmethoden und der Täter steht kurz davor, sein entsetzliches Werk zu vollenden.

„So kalt die Nacht“ ist der 1. Band der Reihe „Die Fahndung“ von Marika Neitz.

In Köln passieren grausame Morde. Menschen werden entführt und wie es scheint, lässt man sie einfach verdursten.
Kommissarin Anna Melcher übernimmt den Fall. Verstärkung bekommt sie von
Frieder Tann, ein Kollege, der eher als Schreibtischtäter überzeugt und nicht gerne in der Öffentlichkeit ermittelt.
Lange gibt es keine Zusammenhänge zwischen den Opfern. Doch dann weist alles auf einen Fall von Kindermisshandlung in den 1980er Jahren hin.

Marika Neitz hat interessante Charaktere zum Leben erweckt.
Die beiden Ermittler gefallen mir gut. Sie schwimmen nicht im üblichen Mainstream, sondern stechen heraus.
Kommissarin Anna Melcher ist zwar eine starke Frau, die sich im Dienst immer wieder beweisen muss. Dazu kommen noch Probleme mit ihrem pubertierenden Sohn. Doch gegen ihre Panikattacken kommt sie nicht an. Anna versucht, die Attacken zu verheimlichen, doch ihrem neuen Kollegen Frieder Tann kann sie nichts vormachen.

Frieder Tann ist sehr pedantisch. Er hat für fast alles Rituale. Mit Menschen tut er sich richtig schwer. Er zeigt eindeutige Züge des Asperger-Syndroms. Wenn man ihn näher kennenlernt, ist es aber ein sehr ehrlicher Mensch, der mir schnell sympathisch war.

Der Fall wird spannend erzählt. Lange gab es keine Zusammenhänge zwischen den Opfern. Doch als sich herausstellt, wie die einzelnen Opfer zusammenpassen, geht es Schlag auf Schlag.
Das Ende war dann trotz allem überraschend, aber stimmig.

Marika Neitz hat einen flüssigen und leicht verständlichen Schreibstil. Ich wurde schnell, wie durch einen Sog, in die Geschichte hineingezogen.

„So kalt die Nacht“ ist ein spannender Kriminalroman. Ich freue mich schon jetzt auf den 2. Band „So dunkel das Herz“, der im Januar 2027 erscheinen soll.

Ein unglücklicher Tod

Peter Grainger
Kriminalroman
283 Seiten
Übersetzt aus dem Englischen von Eva Regul
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Gelungener Auftakt einer neuen Krimireihe

Klappentext:
Nach einem internen Ermittlungsverfahren hätte man DC Smith bei der Polizei von Norfolk gern in Rente geschickt. Zu alt, zu eigensinnig, zu charakterstark befand man, doch Smith lebt für seinen Beruf und schert sich wenig darum, was seine Vorgesetzten gern hätten. Er bekommt einen Routinefall zugeteilt. der Unfalltod eines Siebzehnjährigen, doch was sich da vor Smith eröffnet, ist nichts weniger als die Frage nach Recht oder Gerechtigkeit.

„Ein unglücklicher Tod“ ist der 1. Band der Reihe „Ein Fall für DC Smith“ von Peter Grainger.

DC Smith arbeitet bei der Polizei in Norfolk. Nach einer unfreiwilligen Auszeit ist er wieder am Start. Seinen Vorgesetzten wäre es lieber, Smith würde sich für den angebotenen Ruhestand entscheiden. Davon will Smith aber nichts hören. So wird Smith ein Routinefall, ein Unfalltod zugeteilt.
Smith bekommt zur Unterstützung den jungen DC Chris Waters zugeteilt, den er allerdings erst mit der Polizeiarbeit vertraut machen muss. Noch ahnen sie nicht, welche Ausmaße der Fall annehmen wird.

Peter Grainger hat seine Charaktere gut gezeichnet und zum Leben erweckt.
DC Smith ist ein erfahrener Polizist und er arbeitet nicht immer nach Vorschrift. Seine unkonventionelle Art hat ihm schon manchen Ärger eingebracht.
DC Chris Waters ist ganz neu in diesem Job. Er hat ein schnelles Auffassungsvermögen und man kann schon ahnen, dass er einmal ein guter Polizist wird. Mit DC Smith zusammenzuarbeiten, war sein Wunsch. Von seinem Vater, der auch Polizist war, hat er schon viel von Smith gehört.

Peter Grainger erzählt den Fall mit all seinen Ausläufern spannend. Zu Beginn sieht alles nach einem Unfall aus, aber Smith ahnt, dass mehr dahintersteckt. Doch Smith fängt an, Dinge zu hinterfragen. Eine unerklärliche Kopfwunde und genauso wenig erklärbare Abdrücke auf der Brust genügen Smith, um an ein Verbrechen zu denken. Er fängt an. die letzten Stunden des Opfers zu rekonstruieren.

Peter Grainger beschreibt außer den Ermittlungen auch die Sparmaßnahmen bei der Polizei. Immer weniger Mitarbeiter stehen zur Verfügung. Trotz allem muss die Arbeit weitergehen und die Ermittlungen müssen zu schnellen Erfolgen führen.

Der Schreibstil von Peter Grainger ist flüssig, gut verständlich und fesselnd.
„Ein unglücklicher Tod“ ist ein gelungener Auftakt der Krimireihe. Da es im Original schon 17 Bände gibt, denke ich, dass es bald neue Fälle mit DC Smith geben wird.