Das schwimmende Café von Kopenhagen

Annabel French
Roman
351 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Anne Rudelt
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Roman mit traumhaftem Setting

Klappentext:
Mit einem gebrochenen Herzen flieht Milly nach Kopenhagen, um ihre beste Freundin dabei zu unterstützen, ein schwimmendes Café zu retten. Dabei trifft sie auf Theo, wortkarg, charmant und unverschämt attraktiv. Inmitten von duftenden Zimtschnecken, heißem Kaffee und dänischem Lebensgefühl knistert es gewaltig. Doch als das Ende des Sommers naht, müssen sich die beiden der Frage stellen, ob sie bereit sind, ihrer Liebe eine Chance zu geben.

„Das schwimmende Café von Kopenhagen“ ist der 3. Band der Trilogie „Love and the City“ von Annabel French.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Milly. Nach einer missglückten Beziehung braucht sie eine Auszeit. Da kommt die Einladung von Ada, ihrer Freundin seit Kindertagen, gerade recht. Ada ist Mitbesitzerin eines Cafés in Kopenhagen, das nicht so läuft wie erwartet. Außerdem muss Ada beruflich für einige Zeit Kopenhagen verlassen und Milly könnte sich in dieser Zeit etwas im Café einbringen.
In Kopenhagen trifft Milly auf Theo und es fängt gewaltig an zu knistern.

Annabel Frenchn hat sympathische Charaktere entworfen. Natürlich Milly, die eine Auszeit in Kopenhagen sucht. Milly ist durch und durch Geschäftsfrau. Mir war sie gleich sympathisch.
Der Gegenpol ist Theo, der kreative Bäcker. Zwischen den beiden entsteht eine schöne Liebesgeschichte.

Annabel French erzählt die Geschichte mit einer schönen Leichtigkeit und mit Gefühl.
Das Café beschreibt die Autorin sehr anschaulich. Ich hatte den Geruch von Kaffee und Zimtschnecken in der Nase.
Auch Kopenhagen wird anschaulich beschrieben. Eine Stadt, die ich mir schon lange ansehen möchte.

Annabel French hat einen erfrischenden, flüssigen und gut verständlichen Schreibstil.
Ich konnte das schon bald nicht mehr aus der Hand legen.

„Das schwimmende Café von Kopenhagen“ ist ein ganz bezaubernder Roman.
Ich habe alle 3 Bände mit großer Freude gelesen.

Love and the City:
Band 1 Der schwimmende Blumenladen von Amsterdam
Band 2 Die schwimmende Buchhandlung von Venedig
Band 3 Das schwimmende Café von Kopenhagen

Keine Angst, Darling

Vera Buck
Thriller
448 Seiten
erschienen bei Bastei Lübbe
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Nichts ist wie es scheint

Klappentext:
In der Luxussiedlung Sancta Familia in Florida hat Lea endlich, wonach sie sich immer gesehnt hat: ein sicheres Zuhause, eine Tochter, die sie über alles liebt, und einen Mann, der sie auf Händen trägt. Für ihr schillerndes Leben wird sie online von Millionen gefeiert, nur ihre Schwester Paula misstraut der makellosen Inszenierung. Als Lea plötzlich verstummt, reist Paula besorgt von Deutschland nach Florida. Doch in der Sancta Familia ist ihre Schwester nicht. Ihr Mann behauptet, sie sei in einem Retreat. Aber warum gibt es kein Lebenszeichen? Je tiefer Paula in die scheinbar heile Welt der Siedlung eindringt, desto sichtbarer werden die Risse: Strenge Regeln erfordern bedingungslosen Gehorsam. Und Frauen, die sich widersetzen, verschwinden.

„Keine Angst, Darling“ ist ein packender Thriller von Vera Buck.

Im Mittelpunkt steht die Influencerin Lea Graves, die auf ihren Kanälen von Millionen Fans für ihr vermeintlich perfektes 50er-Jahre-Familienleben in der Luxussiedlung Sancta Familia in Florida gefeiert wird. Der Mann verdient das Geld, die Frau steht perfekt gestylt und gehorsam am Herd.

Vera Buck lässt Lea schon gleich zu Beginn verschwinden. Das sorgt schon gleich für Spannung und ich konnte ab diesem Zeitpunkt das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Vera Buck hat ihre Charaktere gut gezeichnet und lebendig werden lassen.

Die Geschwister Lea und Paula haben ein gutes Verhältnis. Daran ändert auch die große Entfernung ihres Lebensmittelpunktes nichts. Schon als Kind musste Paula immer auf Lea aufpassen und so etwas legt man nicht einfach ab.

Lea hegte schon immer den Wunsch nach Sicherheit und Geborgenheit. Das hat sie anfällig für Manipulationen gemacht. Sie wird ein echtes Tradwife und lässt Millionen daran teilhaben. Doch langsam ändert sich ihre Sicht. Ihre Begeisterung für dieses Leben kehrt sich um in Angst.

Ihre Schwester Paula ist genau das Gegenteil. Sie ist verheiratet und berufstätige Mutter.
Seit Kindheit fühlt sie eine Verantwortung für ihre Schwester. Das lässt sie auch nach Florida reisen, als es um ihre Schwester plötzlich still wurde.

Matt, der Ehemann von Lea, ist kontrollsüchtig. Er muss immer wissen, wo seine Frau ist und was sie tut. Dabei wechselt er die Rollen zwischen dem liebevollen und charmanten Ehemann und dem Mann, der alles manipulieren kann.

Vera Buck stellt eine beklemmende Atmosphäre her.
Die Autorin erzählt die Geschichte aus wechselnder Perspektive.
Die Leserinnen begleiten Paula bei der Suche nach Lea. Dabei ist Paula auf dem gleichen Wissensstand wie die Leserinnen.
Von einer anderen Perspektive her erleben die Leserinnen Leas Verwandlung. Als Leserin spürt man die aufkommende Angst von Lea und erwartet, bis das Unvermeidliche passiert.
Dazu kommen noch die Social-Media-Kommentare von Lea, in denen sie die perfekte Ehefrau spielt.
Ganz im Gegensatz dazu sind die Tagebucheinträge von Lea. Sie zeigen die wahren Gefühle auf.

Vera Buck vermittelt auf eine eindringliche Art, was psychische Gewalt mit einem Menschen machen kann. Zeigt auf, wie man einen Menschen manipulieren kann.

Der Schreibstil von Vera Buck ist flüssig, bildhaft und gut verständlich.
Die Autorin erzählt die Geschichte in einem ordentlichen Tempo.
Die Spannung setzt sehr früh ein und bleibt auch bis zum Ende bestehen.

„Keine Angst, Darling“ ist ein Psychothriller, den ich mit großer Spannung gelesen habe.

Teufelsring

Frida Skybäck
Kriminalroman
394 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Übersetzt aus dem Schwedischen von Julia Gschwilm
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannende Krimireihe aus Schweden

Zum Inhalt:
Die Geschichte beginnt mit einem tragischen Fund. In einem Naturreservat entdeckt eine Familie beim Camping die grausam zugerichtete Leiche des 21-jährigen Mattias Lindqvist. Für das Ermittler-Duo Fredrika Storm und Henry Calment rührt dieser brutale Mord sofort an eine alte, nie verheilte Wunde des kleinen Dorfs Vallkärra. Vor genau fünfzehn Jahren wurde nämlich Mattias‘ Mutter Lena auf exakt dieselbe Weise erschlagen, der Täter wurde nie gefasst und ihr damaliger Partner verschwand spurlos. Die Ermittlungen zwingen das Team zu einer Reise in die Vergangenheit und führen sie tief in ein dichtes Netz aus dörflichem Schweigen, alten Feindschaften und gut gehüteten Familiengeheimnissen.

„Teufelsring“ ist der 4. Band der Krimireihe Fredrika Storm von Frida Skybäck.

Die Autorin hat interessante und facettenreiche Charaktere erdacht.
Das Ermittlerduo besteht aus Fredrika Storm und Henry Calmen.
Fredrika ist noch jung und hochmotiviert, als sie von Kopenhagen zurück in ihre Heimat kommt und die Stelle bei der Mordkommission in Lund antritt. Sie ist in der Gegend aufgewachsen und kennt Land und Leute. Sie ist oft impulsiv und handelt emotional.
Henry Calmen ist der ideale Gegenpol zu Fredrika.
Er kommt aus der schwedischen Großstadt, bringt einen frischen, unvoreingenommenen Blick von außen mit und ist von feinerer, fast schon eleganter Erscheinung.
Schon im ersten Band sind die beiden Ermittler zu einem guten Team zusammengewachsen.

Frida Skybäcks Schreibstil ist flüssig, bildhaft und gut verständlich.
Die Autorin versteht es, das Tempo geschickt zu variieren. So gibt es ruhigere Szenen und dann zieht das Tempo wieder an und die Spannung steigt.
Der Wechsel der Perspektiven und die geschickt eingeflochtenen Wendungen sorgen zusätzlich für Spannung.

„Teufelsring“ ist ein spannender Kriminalroman. Es ist der 4. Band der Reihe, man braucht aber nicht unbedingt Vorkenntnisse, um das Buch zu lesen.

Fredrika Storm-Reihe:
1. Schwarzvogel
2. Eisenblume
3. Schattenmädchen
4. Teufelsring

Geteiltes Haus

Alice Horáčková
Roman
880 Seiten
Übersetzt aus dem Tschechischen von Sophia Marzolff
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Meisterhaftes Porträt über Identität, Familie und das fragile Zusammenleben im Sudetenland

Zum Inhalt:
Die Geschichte spielt in Benetzko, einem malerischen, aber von geopolitischen Verwerfungen zerrissenen Bergdorf im Sudetenland. Über mehrere Generationen hinweg werden den Leser*innen die Auswirkungen des Ersten und Zweiten Weltkriegs vermittelt. In Benetzko leben sowohl Menschen deutscher Herkunft als auch Menschen tschechischer Herkunft.
Das Zusammenleben ist freundlich und nachbarschaftlich. Doch mit dem aufkeimenden Nationalismus bekommt das Zusammenleben Risse, die mit der Zeit immer tiefer werden.

Alice Horáčková erzählt mit ihrem Roman „Geteiltes Haus“ ein Stück ihrer eigenen Familiengeschichte. Durch die Recherche in alten Briefen, Memoiren, Archivfunden und vergilbten Zeitungen rekonstruierte sie das Schicksal ihrer eigenen Vorfahren.

Die Protagonisten zeichnen sich durch eine bemerkenswerte psychologische Tiefe aus.
Die Charaktere sind keine Helden, sondern Menschen mit Widersprüchlichkeiten, Fehlern, Zweifeln und Geheimnissen.

Im Mittelpunkt stehen die beiden Frauen Zdenka und Anežka.
Zdenka ist tschechischer Herkunft und Anežka ist deutscher Herkunft.
Es sind zwei stolze Frauen, die trotz der Kriegswirren ihre Freundschaft nicht aufgeben.
Die männlichen Charaktere sind getrieben von patriarchalen Mustern.
Auch die Nebenfiguren, von Fabrikanten bis zu Deserteuren, werden stark in die Geschichte eingebunden.

Alice Horáčková beschreibt das raue, neblige Riesengebirge so plastisch, dass die Landschaft selbst wie ein eigener Charakter wirkt.
Zu Beginn der Geschichte verfolgen die Leser*innen ein lebendiges, ländliches Treiben.
Die Atmosphäre wird, je mehr man in die Geschichte eintaucht, bedrückender.
Misstrauen und Angst greifen um sich und sind fast körperlich zu spüren.

Alice Horáčková erzählt die Geschichte in einem ruhigen Ton. Sie verzichtet bewusst auf Effekthascherei, bei ihr sind es die leisen Töne, die die Leser*innen aber mitten ins Herz treffen.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich. Die Beschreibungen von Alice Horáčková sind sehr detailreich und man bekommt schnell Bilder in den Kopf. Der Autorin gelingt es, die komplexen historischen Konflikte zwischen Deutschen und Tschechen greifbar zu machen, ohne eine Partei zu ergreifen.

„Geteiltes Haus“ ist ein opulenter, schmerzhafter und zugleich wunderschöner Familienroman. Ein Roman, der noch lange nachwirken wird.

Was wir von ihr wissen

Rebecca Fallon
Roman
363 Seiten
erschienen im Mare Verlag
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Juliane Zaubitzer
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Mare Verlag für das Rezensionsexemplar

Erinnerungen an die Mutter

Klappentext:
Als ihre Mutter Susan viel zu früh stirbt, sind die Zwillinge Viola und Sebastian noch zu jung, um ihre eigenen Erinnerungen an sie zu bewahren. Das gibt ihrem Vater Al eine unerwartete Möglichkeit: Susans Karriere als Star einer gefeierten TV-Serie in Los Angeles war ihm schon lange ein Dorn im Auge. Viel lieber als nur die Wochenenden mit ihr zu teilen, hätte er sie ganz in ihrer Mutterrolle im gemeinsamen Zuhause an der Ostküste aufgehen sehen. Überwältigt von ihrem Verlust, lässt Al alle Hinweise auf ihren Beruf aus dem Alltag der Zwillinge verschwinden. Doch die Welt hat Susan nicht vergessen, und als Viola und Sebastian an der Schwelle zum Erwachsenwerden auf die Spuren ihrer Berühmtheit stoßen, scheint nichts mehr gewiss: War Susan die Karriere wichtiger als ihre Kinder? Und was bedeutet es für Violas und Sebastians Träume, dass Susan die ihren bis zum Schluss verfolgt hat?

„Was wir von ihr wissen“ ist eine Familiengeschichte von Rebecca Fallon.

Susan und Al heiraten und bekommen Zwillinge. Al ist eher der ruhige Part in der Ehe, Susan dagegen ist lebhaft und auf dem Wege, ein TV-Star zu werden.
Leider stirbt Susan viel zu früh und Al ist mit den Zwillingen Viola und Sebastian alleine.
Den Kindern gegenüber verschweigt er den richtigen Beruf und die Bekanntheit der Mutter. Doch als die Kinder älter werden, entdecken sie die wahre Berufung ihrer Mutter und wollen herausfinden, wer sie wirklich war.

Rebecca Fallon hat großartige Charaktere ins Leben gerufen.
Susan und Al haben mir gut gefallen, obwohl sie so unterschiedlich sind. Ich konnte mich auch in beide gut hineinversetzen.
Susan wollte nach der Geburt der Zwillinge, wieder in ihren Beruf einsteigen. Das heißt allerdings kein ruhiges Familienleben, keinen Feierabend und kein Wochenende.
Al dagegen wollte ein ruhiges Familienleben, wollte Frau und Kinder um sich haben.
Nach Susans Tod, hat Al das Problem verdrängt und Susan vor den Kindern in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen.
Auch Viola und Sebastian sind tolle Charaktere.
Auch in sie konnte ich mich gut hineinversetzen. Plötzlich entdecken sie, dass die Mutter eigentlich eine ganz andere Frau war, wie sie sie aus den Erzählungen des Vaters kennen.

Rebecca Fallon spiegelt die Konflikte, in denen die Protagonisten stehen, gut wider.
Die Autorin erzählt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven, was den Leser*innen einen guten Einblick in das Leben der Charaktere gibt.
Die Geschichte springt auch in den Jahren nach vorne und nach hinten. So erlebt man beim Lesen die Zeit, als Susan Schauspielerin war, die Zeit der Krankheit und die Zeit nach ihrem Tod bis in die Gegenwart.

Rebecca Fallons Schreibstil ist flüssig und gut verständlich. Im Mittelteil weist die Geschichte allerdings ein paar Längen auf.

„Was wir von ihr wissen“ ist eine Familiengeschichte, die ich gerne gelesen habe.

Das Krähenzimmer

Carolin Frey
Thriller
429 Seiten
erschienen bei Rowohlt Polaris
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannendes Thriller-Debüt

Zum Inhalt:
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Lotta. Sie flüchtet sich nach der Trennung von ihrem Partner nach Geelekow, einem kleinen Ort an der Küste der Ostsee.
Hier hat sie in ihrer Kindheit schöne Sommer im Ferienhaus der Familie ihrer Stiefmutter verbracht. Doch im November sieht alles ganz anders aus. Der Ort ist leer und trostlos. Der Schlüssel liegt aber immer noch am selben Platz und so kann Lotta sich Zutritt zum Haus verschaffen.
Sie bleibt allerdings nicht unbemerkt, denn das Haus gehört zum größten Teil einer Gesellschaft, die es als Ferienhaus vermietet.
Lotta hat Glück und darf im Haus wohnen und für die Gesellschaft im November arbeiten.
Doch schon kurz nach ihrem Eintreffen beschleicht Lotta ein komisches Gefühl. Sie fühlt sich beobachtet und sie hört seltsame Geräusche. Ihre Nachbarin scheint sie zu beobachten.
Doch vieles, was in diesem Haus passiert ist, weiß Lotta noch gar nicht.

„Das Krähenzimmer“ ist das Thriller-Debüt von Carolin Frey.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig.
Lotta und auch die anderen Charaktere waren mir schnell sympathisch. Doch im Laufe der Geschichte wusste ich nicht mehr, wem ich trauen konnte und wem nicht.

Carolin Frey schafft es in ihrem Thriller, für eine ständig bedrohliche Atmosphäre zu sorgen.
Der Plot verspricht viel Spannung. Diese setzt auch gleich zu Beginn ein. Man ahnt schon, dass Lotta nichts Gutes erwartet.
Es geschehen auch immer wieder seltsame Dinge. Lotta hört Geräusche und hat das Gefühl, dass sich noch jemand im Haus befindet. So oft sie es durchsucht, kann sie nichts finden.
Zwischendurch gibt es Ausschnitte aus Tagebucheinträgen und man ahnt schnell, von wem sie sind.
Auch die Gedanken einer weiteren Person kann man zwischendrin lesen.
Wer diese Person ist, kommt aber erst am Ende der Geschichte zum Vorschein.

Der Mittelteil der Geschichte ist etwas langatmig, hier hätte man gut etwas kürzen können. Die Geräusche, die Lotta hört, wiederholen sich immer wieder. Die Bedrohung ist allgegenwärtig, aber es passiert nichts. Erst im letzten Drittel zieht das Tempo an und es wird wieder richtig spannend und das dann auch bis zum Ende.

Der Schreibstil von Carolin Frey ist flüssig und gut verständlich.

„Das Krähenzimmer“ ist ein spannender Psychothriller, der im Mittelteil einige Längen aufweist.

Schlosshotel Fuschl

Caren Benedikt
Historischer Roman
393 Seiten
erschienen im Blanvalet Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Blanvalet Verlag für das Rezensionsexemplar

Atmosphärischer Roman

Klappentext:
Salzburger Land, Sommer 1955: Theresa von Reuschenberg, Hotelière mit Herz und Vision, steht vor dem Chaos. Die Festspiele laufen, »Sissi« wird gedreht, die High Society geht bei ihr ein und aus und plötzlich taucht ihr tot geglaubter Bruder Benedikt auf. Gezeichnet von der Kriegsgefangenschaft, fordert er seinen Anteil am Familienerbe. Während Theresa von finanziellen Schwierigkeiten geplagt um ihre Hotels kämpft, droht Benedikt, alles zu zerstören. Doch Theresa lässt sich ihre Liebe und Leidenschaft nicht nehmen und tut alles, um ihre Hotels, vor allem aber ihre Familie, beisammenzuhalten.

„Schlosshotel Fuschl“ ist ein atmosphärischer Roman von Caren Benedikt.
Die Autorin hat mir schon viele schöne Lesestunden geschenkt, auf das neue Werk war ich schon sehr gespannt.

Caren Benedikt entführt ihre Leser*innen ins Salzburger Land, in das Jahr 1955.
In diesem Roman erzählt die Autorin die Geschichte des Schlosshotels Fuschl und die der Familie von Theresa von Reuschenberg.

Die Charaktere sind das Herzstück des Romans.

Theresa von Reuschenberg leitet die Hotels Goldener Hirsch und das Schlosshotel Fuschl.
Die Festspiele verlangen Theresa einiges ab, denn die Menschen kommen von überall her.

Sophie, die Tochter von Theresa, muss kräftig mit anpacken. Geplant ist, dass Sophie eines Tages das Hotel weiterführen wird.
Doch Sophies Plan ist es, mit dem in Salzburg stationierten US-Soldaten James in die USA zu gehen.

Die 2. Tochter Marie hilft nur in den Semesterferien im Hotel. Sie studiert am Mozarteum und liebt es, den Gästen abends etwas vorzusingen.

Benedikt ist der Bruder von Theresa. Keiner rechnet mehr damit, dass Benedikt noch am Leben ist. Ist der Krieg doch schon länger beendet und von Benedikt gibt es keine Spur.
Doch als er plötzlich wieder auftaucht, fordert er seinen Teil des Erbes ein. Das stellt Theresa vor große Probleme.

Die Charaktere werden gut beschrieben und sind mir schnell sympathisch gewesen.
Die Autorin vermittelt gut das Leben in den 1950er Jahren. Die Menschen wollen wieder ausgehen, sich etwas gönnen. Das sieht man am Zulauf, den die Salzburger Festspiele haben.
Auch die jüngere Generation möchte sich nicht mehr in ein Leben pressen lassen. So hat Theresas Tochter Sophie ihre eigenen Pläne.
An Benedikt kann man spüren, welche Spuren der Krieg und eine lange Kriegsgefangenschaft hinterlassen haben.

Caren Benedikt beschreibt das Hotel und den Handlungsort sehr anschaulich. Man kann sich die schöne Landschaft und den Fuschlsee gut vorstellen.
Das Hotel und auch die Festspiele verleihen der Geschichte eine besondere Atmosphäre.

Der Schreibstil von Caren Benedikt ist wie immer flüssig und gut verständlich.
Die Autorin verwebt einige reale Hintergrundinformationen in die fiktive Geschichte.
Dazu gibt es wie meist von Caren Benedikt im Anhang noch reichlich Informationsmaterial.

Inspiriert zu diesem Roman wurde die Autorin von Harriet Walderdorff, die in Salzburg das Hotel Goldener Hirsch führte und am Fuschlsee das Schlosshotel.

„Schlosshotel Fuschl“ hat mir wieder einmal die schönsten Lesestunden bereitet. Ich würde am liebsten noch weiterlesen.
Vielleicht entschließt sich Caren Benedikt ja zu einer Fortsetzung.

Milla Gorilla

Lotte Schweizer
Illustriert von Anke Verena Klug
Kinderbuch empfohlen ab 3 Jahren
64 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein schönes Kinderbuch mit wunderschönen Illustrationen

Klappentext:
Milla ist ein kleines Gorillamädchen. Sie ist neugierig, stark, unerschrocken und sehr niedlich. Sie lebt mit ihrem Papa und ihrer Mama in einer Wohnung direkt unterm Dach. Wie in einem Baumhaus fühlt sich das an. Jeden Tag erlebt sie etwas Neues und nimmt uns dabei mit: Aufregend wird es, als Benjamin, der kleine Tiger, ins Haus zieht. Magisch wird es, als Benjamin und sie ein bisschen zaubern und Hausmeister Caruso, das liebenswerte Nilpferd, vielleicht in einen Frosch verwandeln. Und lecker (und sehr lustig) wird es, als sie mit ihren Eltern ins Freibad radelt, Schwimmbadpommes isst und ihr Papa beim Rutschen stecken bleibt!

„Milla Gorilla“ ist ein wunderschönes Buch zum Vorlesen von Lotte Schweizer, mit liebevollen Illustrationen von Anke Verena Klug.

Das Buch wird für Kinder ab 3 Jahren empfohlen.
Die Geschichten sind kurz, so dass sie auch kleinere Kinder nicht überfordern.
Das Buch ist kindgerecht aufbereitet und erzählt aus dem Alltag des Gorillamädchens Milla.

„Milla Gorilla“ ist ein schönes Buch zum Vorlesen. Kinder haben große Freude an den Geschichten. Milla muss man einfach mögen. Zusammen mit Benjamin, dem kleinen Tiger, erlebt Milla einiges und die beiden haben zusammen viel Spaß.

Ich habe das Kinderbuch zusammen mit meiner Enkelin angesehen und ihr vorgelesen. Wir hatten beide große Freude an diesem Buch.

Das stille Vermächtnis

Roswitha Böhm
Roman
240 Seiten
erschienen bei BoD – Books on Demand
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Roswitha Böhm für das Rezensionsexemplar

Schatten der Vergangenheit

Klappentext:
„Merle ist blind und sieht doch mehr als alle anderen. Ein uraltes Buch, ein nebeliger Morgen und ein Geheimnis, das die Zeit überdauert.“ Für Merle, die ihr Augenlicht schon früh verloren hat, ist die Welt der Bücher ein Ort der Zuflucht. Doch als sie gemeinsam mit Lennart, der selbst von seiner Vergangenheit gezeichnet ist, in ein uraltes Rätsel hineingezogen wird, verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Legende. Was als harmlose Recherche beginnt, führt die beiden auf die Spuren einer Frau, deren Wissen so mächtig und gefährlich war, dass es vor Jahrhunderten versiegelt wurde. Während Merle und Lennart versuchen, die Puzzleteile zusammenzusetzen, werden sie selbst Teil eines Geheimnisses, das bis in die Gegenwart reicht.

„Das stille Vermächtnis“ ist eine tiefgründige und emotionale Geschichte von Roswitha Böhm.

Merle und Lennart werden auf ein lange gehütetes Familiengeheimnis aufmerksam.
Zusammen beginnen sie, dem nachzugehen, und stoßen dabei auf Elise, eine Frau aus der Vergangenheit. Sie besaß ein mächtiges, fast magisch anmutendes Wissen, das vor Jahrhunderten zum Schutz oder aus Furcht verborgen werden musste.

Die Charaktere werden alle gut beschrieben und sind die Stärke in diesem Roman.

Merle hat ihr Augenlicht schon in jungen Jahren verloren. Sie nutzt die Welt der Bücher und ein altes Antiquariat als ihren persönlichen Zufluchtsort.
Merle ist recht feinfühlig und hat ein besonderes Gespür für Stimmungen und Zwischentöne.

Lennart ist ein Mann, der von seinen eigenen Erlebnissen und einer schweren emotionalen Last aus der Vergangenheit geprägt ist. Er sucht Ruhe und Abgeschiedenheit. Auch er flüchtet sich gerne in das Antiquariat.

Elise, die Frau der Vergangenheit, ist eine wichtige Figur. Sie ist Trägerin von gefährlichem, fast magischem Wissen.

Roswitha Böhm erzählt die Geschichte in einem ruhigen Ton und in einem langsamen Tempo.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und bildhaft. Sie findet genau die richtige Balance zwischen atmosphärischen Beschreibungen und vorantreibenden Dialogen.

„Das stille Vermächtnis“ ist ein Roman, der auf leisen Sohlen daherkommt. Ich wurde genauso schnell in die Geschichte hineingezogen wie Merle und Lennart in die Suche nach der Vergangenheit.

Seizouh – Das Urteil der Rune

Fabiano Docimo
Fantasy
296 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Ein packender Auftakt einer High-Fantasy-Reihe

Zum Inhalt:
Die Geschichte beginnt ruhig, fast meditativ. Der 16-jährige Seizouh wächst bei seinem Großvater Pelbar im Schutz eines alten, abgeschiedenen Tempels auf. Seine Tage sind streng geregelt und bestehen aus hartem Training, Disziplin und magischen Lehren.
Doch die Zeit, in der alle in Sicherheit leben konnten, scheint vorbei.
Ein schreckliches Ereignis, dass vor 300 Jahren geschehen ist, scheint die Bewohner des Tempels einzuholen.
Seizouh und auch sein Großvater Pelbar werden von Träumen geplagt, die sich viel zu real anfühlen. Am Waldrand wird eine beschädigte Schutzrune entdeckt.
Eine unnatürliche, bedrohliche Stille breitet sich aus.
Seizouh und Pelbar machen sich mit einer Gruppe auf eine gefährliche Reise, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen und das Land vor dem Untergang zu bewahren.

„Seizouh – Das Urteil der Rune“ ist der 1. Band der neuen High-Fantasy-Reihe von Fabiano Docimo. Es ist das Romandebüt des Autors, seine Kreativität hat er allerdings schon oft unter Beweis gestellt. Als Famoe hat er als Musiker und Songwriter schon einen Namen.

Fabiano Docimo hat eine Welt mit einem asiatischen Flair und mystischen Elementen erschaffen.
Das magische System basiert auf uralten, heiligen Runen, die seit Generationen die Grenze zwischen dem sicheren Licht des Tempels und einer lauernden, bösartigen Dunkelheit aufrechterhalten.
Im ersten Band bleibt der Fokus stark auf die Tempelanlage und das direkte Umland beschränkt. Die Welt außerhalb wird bisher nur schemenhaft angedeutet.

Die Charaktere sind das Herzstück des Romans.
Seizouh wird geplagt von innerer Unsicherheit und der ständigen Angst, die Erwartungen seines Großvaters nicht zu erfüllen. Aber genau diese Verletzlichkeit macht ihn zu einem greifbaren und sympathischen Protagonisten.

Großvater Pelbar ist ein charismatischer, weiser und Respekt ausstrahlender Lehrmeister. Bei ihm laufen viele Geheimnisse der Vergangenheit zusammen.

Zayumi ist eine Heilerin und sehr wichtig im Verlauf des Romans. Ihre Rolle ist eng mit den Geheimnissen des Tempels verwoben.

Seikan ist ein Mitschüler, der anfangs großkotzig und von sich selbst überzeugt auftritt. Im Laufe der Geschichte durchlebt Seikan eine Entwicklung und wird zu einem sympathischen Protagonisten.

Kaelira ist Seizouhs treue Freundin und einer meiner liebsten Charaktere.
Sie ist voller Zuversicht und Tatendrang.

Die Gruppe steht sich am Anfang etwas misstrauisch gegenüber. Erst durch das gemeinsame Erlebte wachsen sie zusammen.

Den Schreibstil von Fabiano Docimo kann man fast schon poetisch nennen.
Der Autor beschreibt die Charaktere, ihre Ängste und Zweifel sehr anschaulich.
Gekonnt wechselt der Autor zwischen ruhigen und actiongeladenen Szenen ab.

„Seizouh – Das Urteil der Rune“ ist ein gelungener Auftakt, ich freue mich schon auf den 2. Band „Seizouh – Der Kelch des Ursprungs“ der im Dezember erscheinen soll.