Die drei Farben der Liebe

Sophie Haydock
Historischer Roman
408 Seiten
erschienen bei Hoffmann & Campe
Übersetzt aus dem Englischen von Cornelia Röser
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

ielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

Henri Matisse und seine Frauen

Drei Frauen und der weltberühmte Maler Henri Matisse: Amélie ist die Ehefrau des Künstlers, die seit vierzig Jahren an dessen Seite lebt. Lydia ist seine Muse: eine junge russische Geflüchtete, die eines Sommers im Atelier des Malers eine Anstellung erhält und in der Folge zu seiner Geliebten wird. Und schließlich Marguerite, die Tochter, die ihren Vater zunehmend mit anderen Augen sieht …


Mit ihrem Roman „Die drei Farben der Liebe“ entführt Sophie Haydock ihre Leser*innen in die Welt der Kunst.
Die Autorin erzählt die Geschichte aus der Sicht der 3 Frauen, die eine große Rolle im Leben von Henri Matisse einnahmen.

Amélie ist die Ehefrau von Matisse. Amélie hat nie den Glauben an Matisse verloren. Immer stand sie wie ein Fels in der Brandung hinter ihm. Als der Maler erfolgreich zu werden scheint, verliert er das Interesse an seiner Ehefrau.

In den 1930er Jahren trifft der Künstler auf die junge russische Emigrantin Lydia. Sie ist eine verletzliche junge Frau, die Schutz in der Anstellung bei Matisse sucht.
Er macht sie zu seiner Muse und zu seiner Geliebten.

Marguerite ist Matisses uneheliche Tochter. Seine Frau nimmt das Mädchen auf und erzieht sie zusammen mit ihren Söhnen. Mit der Zeit verliert das Ansehen von Matisse bei seiner Tochter und sie steht ihm immer kritischer gegenüber.

Sophie Haydock hat die Charaktere richtig lebendig werden lassen. Jeder der drei Frauen widmet die Autorin ein eigenes Kapitel. So kommen die Leser*innen jeder der Frauen nahe und man kann die Zerrissenheit der Charaktere spüren.

Der Schreibstil von Sophie Haydock ist flüssig und gut verständlich. Ich wurde schnell wie durch einen Sog in die Geschichte hineingezogen und habe das Buch an zwei Abenden gelesen.
Die Autorin fängt den Zeitgeist perfekt ein.
Die Einblicke in die Welt der Kunst und der Bezug auf reale Gemälde machen die Geschichte authentisch.
Auch die Handlungsorte werden von der Autorin anschaulich beschrieben.
Das pulsierende, oft graue Paris steht im direkten Gegensatz zur flirrenden, glamourösen Hitze der Côte d’Azur.

In „Die drei Farben der Liebe“ bekommen die wichtigen Frauen im Leben von Henri Matisse endlich eine hörbare Stimme. Ich habe das Buch mit Begeisterung gelesen.

Die Bernsteinfischerin

Lisa Quentin
Roman
391 Seiten
erschienen bei  Rütten & Loening
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein berührende Generationenroman

Zum Inhalt:
Die Geschichte entfaltet sich auf zwei geschickt miteinander verknüpften Zeitebenen.
In der Gegenwart begleiten die Leserinnen die 26-jährige Doktorandin Julika. Tagsüber ist sie an der Frankfurter Universität, um fossile Urzeitwelten in Einschlüssen zu erforschen. Abends steht ihr eigenes Leben komplett still: Nach dem Unfalltod ihrer jüngeren Schwester ist ihre Mutter psychisch schwer erkrankt; Julika ist in einer aufopfernden, erdrückenden Pflegerolle gefangen. Ein sensationeller Fund, eine urzeitliche Wespe in einem unvollständigen Bernstein, führt sie schließlich auf Forschungsreise an die Ostsee, um die zweite Hälfte des Steins und dessen ursprüngliche Finderin zu suchen. Die zweite Zeitebene bringt die Leserinnen in die Vergangenheit.
Es beginnt 1943. Im ostpreußischen Samland wächst Ebba als Tochter eines Bernsteinfischers auf. Als Kind findet sie einen großen und geheimnisvoll anmutenden Bernstein. Ebba steht ein Leben lang Konventionen und Pflichten gegenüber. Ihre Leidenschaft gehört der Kunst und einer großen, jahrzehnteüberdauernden Liebe.
In der Gegenwart treffen die beiden Frauen aufeinander.

„Die Bernsteinfischerin“ von Lisa Quentin ist ein tiefgründiges Familiendrama, das die Schicksale zweier ungleicher Frauen über Generationen hinweg miteinander verwebt.
Nach einer traumatischen Flucht sucht die Familie an der Ostseeküste in Niendorf einen Neuanfang.

Lisa Quentin hat authentische und facettenreiche Charaktere ins Leben gerufen.

Julika ist eine bemerkenswerte und pflichtbewusste junge Frau, die eigene Träume hintenanstellt. Ihre spürbare, oft unterdrückte Wut über die eigene Ohnmacht macht sie zu einem nahbaren Charakter.

Ebba ist ungestüm und sehr naturverbunden. Sie weigert sich, die traditionelle Frauenrolle ihrer Zeit klaglos zu akzeptieren, und blickt auf ein langes Leben voller rauer Kanten und schmerzhafter Kompromisse zurück.

Nur langsam nähern sich die zwei Frauen an und werden zusammen zum Herzstück der Geschichte.

Lisa Quentin hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil.
Sie erzählt die Geschichte auf eine teilweise melancholische Art, die mich sehr berührt hat.

Der Handlungsort wird anschaulich beschrieben. Man kann sich das Tosen der Ostsee gut vorstellen und hat den Salzgeruch in der Nase.

„Die Bernsteinfischerin“ ist ein Generationenroman, der die Gegenwart und die Vergangenheit kunstvoll miteinander verknüpft.

Programmierte Lügen

Joss Keel
Thriller
406 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Joss Keel für das Rezensionsexemplar

Ein genialer Plan der außer Kontrolle gerät

Klappentext:
Der Roman erzählt die Geschichte zweier Menschen, die ein genialer Versicherungsbetrug verbindet: Stefan Kellner, IT-Sicherheitsingenieur in Düsseldorf, der nicht mehr lange zu leben hat. Statt zu kapitulieren, trifft er eine radikale Entscheidung zur Absicherung seiner Familie: Er kontaktiert die Hackerin Alena Novak mit der Aufgabe, die wesentlichen Spuren seines Lebens in der digitalen Welt neu zu schreiben.

Mit dem obskuren Notar Dr. Bürkli in Vaduz konstruiert Alena eine perfekte Operation. Doch ihr System wird zum Monster. Denn eine experimentelle Gentherapie kann Stefan retten ein Wendepunkt, der alles infrage stellt: Stefan muss sterben, damit der Betrug sich rechnet.

Über zehn Monate verschränken sich die Perspektiven der Beteiligten zu einem vielschichtigen Bild unserer Gegenwart: Versicherung, Medizin, Justiz. Dabei berührt der Roman die Frage, was Wahrheit noch bedeutet, wenn sich nahezu alles – Verträge, Daten, Erinnerungen – manipulieren lässt. Und wer dann noch zwischen Wirklichkeit und Inszenierung unterscheiden kann.

„Programmierte Lügen“ von Joss Keel ist ein Thriller, der sich das Thema KI vorgenommen hat.

In seiner Geschichte verknüpft Joss Keel auf raffinierte Weise ein zutiefst menschliches Schicksal mit den kühlen Mechanismen des Cyber-Betrugs.
Hochaktuell und spannend beschreibt der Autor das Szenario.

Die Charaktere, die Joss Keel ins Leben gerufen hat, bewegen sich in einer moralischen Grauzone.

Stefan Kellner ist IT-Sicherheitsingenieur in Düsseldorf und hat nur noch 3 Jahre zu leben. Stefan will seine Familie abgesichert wissen, was ihn zu einer kriminellen Tat treibt.

Alena Novák ist eine der besten Hackerinnen Europas. Offiziell lebt sie als unauffällige Lektorin. Sie wird mit den unkontrollierbaren Konsequenzen ihres eigenen Algorithmus konfrontiert.

Die Gegenspieler und Strippenzieher finden sich vom eiskalten Komplizen Alex über zwielichtige Notare bis hin zu mächtigen Tech-Konzernen.

Der Schreibstil von Joss Keel ist dynamisch und packend. Man merkt, dass der Autor tief in die Materie von KI-Systemen und Cyberkriminalität eingetaucht ist. Fachbegriffe werden verständlich in die Erzählung eingebunden, ohne den Lesefluss zu stören.
Durch den Wechsel der Perspektiven über einen baut der Autor eine immense psychologische und dramaturgische Spannung auf.

„Programmierte Lügen“ ist weit mehr als ein klassischer Wirtschaftskrimi oder Tech-Thriller. Es ist ein erschreckend realistisches Szenario.
Ich habe das Buch mit Spannung gelesen.

Die Flussfrau

Tanja Weber
Roman
301 Seiten
erschienen im Ullstein Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar

Der Strom der Freiheit

Klappentext:
Der Fluss kennt keine Gnade und genau deshalb liebt Lis ihn. Als ihr Mann bei einem Schiffsunglück ertrinkt, trifft die junge Anneliese in den späten 1950ern eine Entscheidung, die alle für unmöglich halten: Sie wird Kapitänin. In einer von Männern dominierten Welt kämpft sie sich auf ihrem Lastenkahn durch Widerstände und Vorurteile, bis sie auf dem Wasser endlich die Freiheit findet, die ihr an Land versagt blieb. Dann tritt der griechische Schiffsmechaniker Vassili in ihr Leben und weckt in ihr eine Liebe, die alles verändert.

„Die Flussfrau“ von Tanja Weber schildert das außergewöhnliche Leben einer Frau, die sich den gesellschaftlichen Zwängen ihrer Zeit widersetzt, um auf dem Wasser die Freiheit zu finden, die ihr an Land verwehrt bleibt.

Im Mittelpunkt steht Lis. Die Leser*innen begleiten sie von 1937 bis 2020.
Lis ist mit ihren Eltern und ihren Brüdern auf einem Bauernhof aufgewachsen. Das Leben war geprägt von Armut und Lis musste schon früh auf dem Hof mithelfen. Ihre Freundin Edith war ihr oft eine hilfreiche Stütze.
Als sie den Binnenschiffer Horst heiratet, hofft sie, dass ihr Traum nach Freiheit in Erfüllung geht. Familiare und wirtschaftliche Schwierigkeiten versucht Horst mit Alkohol zu vergessen, was dazu führt, dass er zu Gewalt neigt. Als Horst bei einem Unglück ums Leben kommt, übernimmt Lis das Boot.
Lis lernt den griechischen Fischer Vassili kennen und die Liebe hält noch einmal Einzug in ihr Leben.

Tanja Weber hat vielschichtige Charaktere ins Leben gerufen.
Das Zentrum des Romans liegt bei Lis.
Lis hat einen starken Willen, ist ansonsten aber nüchtern und realistisch. Sie ist freiheitsliebend und der Natur sehr verbunden.

Horst nimmt in Lis’ Lebensgeschichte eine Schlüsselrolle ein, obwohl seine direkte Präsenz im Buch nur eine Epoche umfasst. Er ist die Brücke, die es Lis ermöglicht, der Enge ihres Elternhauses zu entkommen und ihr Leben auf dem Wasser überhaupt erst zu beginnen.

Vassili bringt Wärme und eine neue Facette von Liebe in Lis’ ansonsten raues Leben auf dem Schiff.

Tanja Weber hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil.
Mit feinen, präzisen Strichen zeichnet sie die harte Realität der Nachkriegsjahre nach.
Die Handlungsorte werden bildhaft beschrieben. Der Wechselt von der Enge des elterlichen Hofs zur grenzenlosen Weite des Flusses.

„Die Flussfrau“ ist ein tiefgründiger Roman über die Suche nach Freiheit und Emanzipation.

Lego – Die Welt ist voller Träume

Katharina von der Lane
Historischer Roman
487 Seiten
erschienen im Goldmann Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine bewegende Familien-Saga

Zum Inhalt:
Die Geschichte beginnt im dänischen Billund im Jahr 1924. Der Tischler Ole Kirk Christiansen steht nach einem schweren Schicksalsschlag und inmitten wirtschaftlicher Not vor den Trümmern seiner Existenz. Er muss seine vier Söhne allein durchbringen. Seine Zimmerei steht kurz vor dem Ruin. In dieser schweren Lage wagt er das Unmögliche: Er stellt seine Produktion vollständig auf Holzspielzeug um.
Parallel dazu entfaltet sich der Erzählstrang um Sofie Jørgensen, die anfangs in einem Kinderheim in Aarhus arbeitet. Der Roman nutzt geschickt zwei unterschiedliche Perspektiven, die im Laufe der Erzählung kunstvoll miteinander verschmelzen. Zusammen mit Sofie und Oles jungem Sohn Godtfred beginnt der beschwerliche Aufstieg einer Werkstatt, die mit bunten Holzautos, Tieren und schlichten Bauklötzen den Grundstein für die heutige Weltmarke LEGO legt.

„Lego – Die Welt ist voller Träume“ ist der 1. Band der Lego-Saga von Katharina von der Lane.
Hinter dem Pseudonym verbergen sich die beiden Autorinnen Christiane Omasreiter und Kathrin Polz.

Die Protagonisten sind eine Stärke der Geschichte.
Ole Kirk Christiansen ist ein Familienmensch, der sich nach einem Schicksalsschlag und dem Ruin seiner Tischlerei neu erfinden muss.
Von Trauer und Selbstzweifeln geplagt wagt Ole Kirk Christiansen einen Neuanfang.

Sofie Jørgensen arbeitet in einem Kinderheim in Aarhus und später in einem Mutter – und Kind – Heim. Als Haushälterin bei der Familie Christiansen bildet sie eine starke Frauenfigur und eine Stütze in dem Männerhaushalt.

Der erst zwölfjährige Godtfred hat einen unermüdlichen Fleiß.
Durch die Sichtweise des Jungen können die Leser*innen den Aufbau der Firma für die nächste Generation hautnah miterleben.

Katharina von der Lane hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil.
Man spürt beim Lesen nicht, dass zwei Autorinnen an der Geschichte geschrieben haben. Sie liest sich wie aus einem Guss.
Gekonnt verwebt sie Autorinnen die historischen Anfänge eines weltbekannten Spielzeugimperiums mit einer fiktionalisierten, berührenden Familiengeschichte.
Man spürt, dass die Autorinnen gute Recherchearbeit geleistet haben. Sie lassen sich aber genug Platz für die künstlerische Freiheit, was die Familiengeschichte angeht.

Die Geschichte endet mit einem Cliffhanger, der mich jetzt schon ungeduldig auf den zweiten Band „Lego – Das Leben ist bunt“, der am 17.02.2027 erscheint, warten lässt.

Aprikosenkind

Judith Merchant
Thriller
374 Seiten
erschienen bei Kiepenheuer & Witsch
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar

schmerzhaft süß

Klappentext:
Nathalie hat endlich, wonach sie sich immer gesehnt hat: Sie lebt in einem Haus auf dem Land, mit ihrem Mann und dem Wunschkind, auf das sie so lange warten musste. Doch etwas stimmt nicht mit ihrer Tochter Ruby. Nathalie kommt einer Wahrheit auf die Spur, für die sie nicht bereit ist…
Die fünfjährige Ruby ist ein besonderes Mädchen: in sich gekehrt, still, langsamer als andere Kinder. Nathalie widmet Ruby ihre ganze Aufmerksamkeit und hat viel für sie aufgegeben. In ihrem neuen Zuhause auf dem Land soll Ruby endlich aufblühen. Doch dort geschehen seltsame Dinge. Fenster und Türen stehen plötzlich offen, die anderen Eltern fangen an, sich komisch zu benehmen. Ihr Mann Gabriel versucht unerschütterlich, Nathalie zu beruhigen, doch sie fühlt sich zunehmend unsicher im eigenen Zuhause. Eines Tages malt Ruby ein Bild, das alles verändert. Und Nathalie muss sich fragen, welchen Preis sie für ihr Glück zu zahlen bereit ist.

„Aprikosenkind“ ist der neue Thriller von Judith Merchant.
Schon mit Atme!“ und Schweig!“ hat die Autorin mir spannende Lesestunden beschert. Auf das neue Buch war ich schon sehr gespannt.

„Aprikosenkind“ ist ein atmosphärisch dichtes und psychologisch tiefgründiges Buch.
Im Mittelpunkt steht das plötzliche Wiederauftauchen von Ereignissen, die das Leben der Protagonisten radikal auf den Kopf stellen.

Judith Merchant hat ihre Charaktere komplex und überzeugend ausgearbeitet.
Ruby ist anders als die anderen Kinder. Sie ist sehr still, findet schlecht Freundinnen und ist langsamer und zurückhaltender als andere Kinder.

Nathalie, die Mutter von Ruby, scheint sich wirklich für ihr Kind aufzuopfern.
Ruby ist das Wunschkind auf, das sie lange hat warten müssen.
Als sie merkt, dass Ruby anderen Kindern etwas hinterher ist, schenkt sie dem Kind ihre ganze Aufmerksamkeit.
Nathalies Welt gerät aus den Fugen, als im neuen Haus seltsame Dinge passieren und Ruby ein Bild malt, das den Tod der Mutter zeigt.

Gabriel ist der Vater. Er scheint der ruhigere Part in der Familie zu sein.
Wenn Nathalie in Panik gerät, versucht er immer, Erklärungen für alles Seltsame zu finden.
Er betrachtet alles viel nüchterner oder aber er verdrängt die Tatsachen.

Judith Merchant hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Die Autorin erzeugt auch ohne viel Action Spannung.
Der Wechsel der Perspektive und die gut eingesetzten Rückblenden haben eine Sogwirkung.
Man wird richtig in die Geschichte reingezogen und kann das Buch bald nicht mehr aus der Hand legen.

Die Autorin baut eine bedrohliche Atmosphäre auf. Man spürt immer, dass etwas unter der Oberfläche brodelt.

„Aprikosenkind“ ist wieder ein toller Psychothriller, den ich mit Spannung gelesen habe.

Wachs

Christine Wunnicke
Roman
223 Seiten
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Zwei außergewöhnliche Frauen

Klappentext:
Zwei Frauen in Paris, wie sie verschiedener nicht sein könnten: Marie Biheron, die schon im Mädchenalter nach Leichen sucht, um das Innenleben menschlicher Körper zu studieren und zu verstehen; und Madeleine Basseporte, die sich ganz der Anatomie von Blumen verschrieben hat, weil Menschen einen nur von der Arbeit abhalten und meist keine Ahnung haben, was vermehrt auf Männer zutrifft. Auch sie kommen vor, in teils erheiternden Nebenrollen, ein nervöser Bestseller-Autor, ein junger Nichtsnutz und Diderot, der Kaffee trinkt und viel redet.

„Wachs“ ist ein Roman über zwei historische Frauen von Christine Wunnicke.
Die Autorin wurde 2026 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.

Ich habe etwas gebraucht, um mich an den Schreibstil von Christine Wunnicke zu gewöhnen. Die Geschichte hat etliche Zeitsprünge, mit denen man sich erst einmal zurechtfinden muss.
Aber Geduld wird mit einer ungewöhnlichen Geschichte belohnt.

Im Mittelpunkt stehen Marie Biheron und Madeleine Basseporte. Zwei ungewöhnliche Frauen, die wirklich gelebt haben.
Marie Biheron interessiert sich für die Anatomie des Menschen. Dafür betrachtet sie das Innenleben von Leichen und fertigt mit Wachs Modelle an.
Auch Madeleine Basseporte hat sich der Wissenschaft verschrieben. Auch sie interessiert sich für die Anatomie. Allerdings die von Pflanzen.
Die Leserinnen begleiten die beiden so verschiedenen Frauen, die das Leben zusammenführt.

Christine Wunnicke erzählt nicht einfach nur eine Geschichte über zwei Frauen.
Es geht auch um Emanzipation und es ist auch eine leise Liebesgeschichte.

Der Schreibstil von Christine Wunnicke ist nicht einfach zu lesen. Aber die Autorin kann ganz wunderbar mit der Sprache umgehen. Dazu streut Christine Wunnicke noch einen feinen Humor in die Geschichte ein.

Auch lässt Christine Wunnicke Paris des 18. Jahrhunderts lebendig werden.

„Wachs“ ist eine außergewöhnliche Geschichte. Ich habe das Buch gerne gelesen und freue mich auf weitere Lektüre von Christine Wunnicke.

Stille

Ragnar Jónasson
Thriller
312 Seiten
erschienen im btb Verlag
Übersetzt aus dem Isländischen von Anika Wolff
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar

Wenn die Vergangenheit dich einholt

Klappentext:
Helgi Reykdal hat sich als Kommissar bei der Polizei in Reykjavík etabliert, nachdem er die Nachfolge von Hulda übernommen hat. Jetzt wird er mit einem ungewöhnlichen Fall betraut: Die 70jährige gefeierte isländische Krimiautorin Elín S. Jónsdóttir ist spurlos verschwunden. Ist sie freiwillig untergetaucht oder steckt ein Verbrechen dahinter? Während Helgi in Elíns Vergangenheit nachforscht und dabei erstaunliche Ungereimtheiten entdeckt, kämpft er zugleich mit familiären Spannungen. Um sich davon abzulenken, nimmt er immer wieder Krimis seiner Lieblingsautorin Agatha Christie zur Hand und lässt sich davon inspirieren. Jónasson verwebt meisterhaft nordische Atmosphäre und subtile Spannung zu einem vielschichtigen Krimi. Ein Muss für Fans nordischer Kriminalliteratur – vom isländischen Bestsellerautor Ragnar Jónasson.

„Stille“ ist der 2. Band der Thriller-Reihe „Kommissar Helgi Reykdal ermittelt“ von Ragnar Jónasson.
Ich habe bisher alle Bücher von Ragnar Jónasson gelesen. Auch dieser Band hat mir wieder gut gefallen.

Die Geschichte wird wieder in verschiedenen Zeitebenen erzählt.
Einmal die Gegenwart, was in dem Buch 2012 ist. Hier ermittelt Helgi im Fall der vermissten isländischen Krimiautorin Elín S. Jónsdóttir.

Die zweite Zeitebene ist das Jahr 2005, in dem die Krimiautorin einer Journalistin ein umfangreiches Interview gegeben hat. Hier erzählt Elín S. Jónsdóttir aus der Zeit ihres Autorinnenlebens und warum sie mit dem Schreiben aufgehört hat.

Die dritte Zeitebene ist das Jahr 1965. Hier sind die Leser*innen dabei, wie ein Banküberfall geplant wird.

Und schließlich noch die Jahre 1976/1977. Hier treffen die Leserinnen Hulda wieder, die treuen Leserinnen aus der Hulda-Reihe kennen.
Ihr Verschwinden beschäftigt Helgi heute noch und er möchte hinter die Hintergründe des Verschwindens kommen.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig.
Kommissar Helgi Reykdal habe ich im 1. Bad „Frost“ schon gut kennengelernt.
Er ist jung und engagiert. Privat hat er Probleme mit seiner Ex, die ihm und seiner neuen Partnerin das Leben schwer macht.

Elín S. Jónsdóttir ist zwar physisch abwesend, trotzdem atmet das Buch ihre Präsenz.
Durch die Rückblenden des Interviews und die Befragungen im Umfeld der Autorin bekommt man ein gutes Bild von Elín S. Jónsdóttir.

Ragnar Jónassons Schreibstil ist gewohnt ruhig, präzise und schnörkellos.
Der Autor kann auch ohne viel Blutvergießen und mit wenig Action viel Spannung erzeugen.
Gekonnt jongliert Ragnar Jónassons mit den verschiedenen Handlungssträngen, ohne einen Faden zu verlieren.

„Stille“ ist wieder ein gelungener Kriminalroman, den ich mit Begeisterung gelesen habe.

Totenfrau – Die Rückkehr

Bernhard Aichner
Thriller
350 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an de Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Die Totenfrau kehrt zurück

Klappentext:
Zehn Jahre sind vergangen, seitdem Blum das letzte Mal gemordet hat. Sie lebt, gemeinsam mit ihrem Partner Reza, auf einer Yacht in Kroatien. Um Geld zu verdienen, bieten sie Charterausflüge zu den umliegenden Inseln an, ansonsten leben sie unauffällig und zurückgezogen. Blum glaubt nicht mehr daran, entdeckt zu werden, bis sie durch einen unerwarteten Todesfall an Bord dazu gezwungen wird, erneut ihre Grenzen zu überschreiten. Nicht nur ihres und Rezas Leben stehen auf dem Spiel, sondern auch das ihrer Kinder.

„Totenfrau – Die Rückkehr“ ist der 4. Band der Totenfrau-Reihe von Bernhard Aichner und setzt somit die erfolgreiche Reihe fort.

Bernhard Aichner entführt seine Leser*innen nach Kroatien. Hier lebt Brünhilde Blum auf einer Yacht. Zehn Jahre liegt ihr letzter Mord zurück. Doch jetzt wird sie abermals gezwungen Grenzen zu überschreiten.

Bernhard Aichner hat einen unverwechselbaren Schreibstil. Seine kurzen und prägnanten Sätze sagen so viel aus.
Seine Charaktere werden sehr lebendig dargestellt.
Blum ist eine außergewöhnliche Protagonistin. Schon in den ersten drei Bänden hat sie mich richtig überwältigt. Sie ist zwar die Böse, bringt Menschen um, trotzdem mag ich die Protagonisten sehr.
Jetzt denkt man beim Lesen, Brünhilde Blum hätte ihre wohlverdiente Ruhe gefunden. Weit gefehlt, nach 10 Jahren holt sie die Bedrohung in Kroatien wieder ein.

Die Leser*innen treffen natürlich auch auf bekannte und liebgewonnene Protagonisten.
Aber auch die sind vor Bernhard Aichner nicht sicher. Er lässt nicht alle den 4. Band überleben.

Bernhard Aichner baut schnell Spannung auf. Der Autor lässt die Geschichte zwar ruhig anfangen aber als Leser*in weiß man, dass ist die Ruhe vor dem Sturm. Und der Sturm setzt schon bald ein.

Auch der 4. Band „Totenfrau – Die Rückkehr“ ist ein spannender Thriller, den ich wieder mit Freuden gelesen habe.

Die Lüge in ihrem Gesicht

Anne Keßel
Thriller
397 Seiten
erschienen im Ullstein Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar

Wenn dein Gesicht dich verrät

Zum Inhalt:
Die Geschichte handelt vom Tod eines Mannes durch die Hand einer Frau. War es Mord oder Notwehr?
Die Aussagen der Zeugen sagen ganz klar: Es war Notwehr.
Die Täterin schweigt. Die Polizei zieht die renommierte Verhaltenspsychologin Marlene Nielsen hinzu. Sie ist eine Koryphäe für Mikroexpressionen. Das heißt so viel wie, sie ist ein menschlicher Lügendetektor. Da die Polizei der Frau nichts nachweisen kann, wird sie freigelassen. Doch Marlene hat eine Regung in ihrem Gesicht wahrgenommen.
Sie fängt an auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen und findet sich bald in einem Lügenkonstrukt wieder.

„Die Lüge in ihrem Gesicht“ ist ein spannender Psychothriller von Anne Keßel.

Die Autorin hat interessante Protagonisten ins Leben gerufen.
Marlene Nielsen ist Spezialistin für Mikroexpressionen. Das heißt, sie nimmt extrem kurze Regungen im Gesicht eines Menschen wahr, die außerhalb dessen Einflussbereich liegen und die wahren Gefühle zeigen.

Die Frau, durch die der Mann ums Leben kam, hat keinen Namen. Sie ist der perfekte Gegenpart zu Marlene.
Durch ihr abtrainiertes Minenspiel und das geschickte Verstecken ihrer Emotionen bleibt sie lange Zeit ein undurchdringliches Rätsel.

Hauptkommissar Deniz Kurt ist der frühere Lebensgefährte von Marlene. Er hat Marlene zu diesem Fall hinzugezogen. Doch ist bei der Zusammenarbeit immer eine Spannung zu spüren.

Man spürt beim Lesen, dass Anne Keßels Drehbücher geschrieben hat. Ihr Schreibstil ist anschaulich und erzeugt schnell Bilder im Kopf.
Die Perspektiven wechseln zwischen Marlene, der namenlosen Frau und dem Ermittler Deniz Kurt. Wobei Marlene den größeren Teil einnimmt.
Die Autorin setzt statt auf Gewalt auf psychische Spannung.
Die Atmosphäre ist bedrückend und sorgt für Gänsehautmomente.
Die Rückblenden beantworten stückchenweise die Fragen, die in meinem Kopf schwirrten.

„Die Lüge in ihrem Gesicht“ ist ein spannender Psychothriller. Ich habe das Buch mit Freude und Spannung gelesen.