Die Lockvögel

Anna Nicholas
Kriminalroman
395 Seiten
Übersetzt aus dem britischen Englisch von Eva Regul und Alexandra Berlina
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannende Ermittlungen auf Mallorca

Klappentext:
Isabel Flores wundert sich. Wer bitte stiehlt in Sant Martí den Nachbarn die Haustiere? Als sie gerade die Neugier packt, ruft Tolo Cabot an, ihr Freund und ehemaliger Kollege bei der Polizei. Er bittet sie erneut um Hilfe in einem Entführungsfall, doch keine Hunde und Papageien, sondern die junge Floristin Paloma Crespí ist spurlos verschwunden. Wieder einmal ist Isabels ganzes Können gefragt und die Unterstützung des halben Dorfes.

„Die Lockvögel“ ist der 2. Band der Mallorca-Krimireihe von Anna Nicholas.

Anna Nicholas entführt ihre Leser*innen nach Mallorca.
Der Herbst hält Einzug und langsam kehrt Ruhe auf der beliebten Urlaubsinsel ein.
Isabel Flores möchte die ruhige Zeit nutzen und sich um ihre Ferienwohnungen kümmern.
Da erfährt Isabel, dass Haustiere plötzlich verschwinden. Wer bitte schön stiehlt Haustiere?
Tolo Cabot, ehemaliger Polizeikollege und Freund von Isabel, braucht ihre Hilfe. Er steckt in einem Entführungsfall. Die junge Floristin Paloma Crespí ist verschwunden.
Und schon steckt Isabel wieder mitten in einem Fall.

Wer schon einmal die Insel besucht hat, wird viele bekannte Orte wiederentdecken. Die Autorin beschreibt die Insel sehr detailliert. Ich habe die schöne Landschaft und die Orangenplantagen förmlich vor mir gesehen.
Auch die Protagonisten werden gut in Szene gesetzt.
Isabel hat mir schon im ersten Band gut gefallen. Sie ist selbstbewusst und hat eine schnelle Auffassungsgabe. Sie arbeitet sie als externe Polizistin und wird immer zu schwierigen Fällen hinzugezogen. Ansonsten vermietet Isabel Ferienwohnungen.

Der Fall der entführten Floristin beschäftigen Isabel und Tolo Cabot, aber auch die verschwundenen Haustiere lassen Isabel nicht zur Ruhe kommen. Im Fall der verschwundenen Haustiere gibt es Spuren, die in ein Versuchslabor führen. Der Fall scheint auch unabhängig von der Entführung der Floristin zu sein. Hier gibt es gleich mehrere Verdächtige. Nur wer schließlich dafür verantwortlich ist, bleibt lange offen.

Anna Nicholas erzählt den Fall spannend. Immer wieder gibt es Wendungen, die einen Verdacht plötzlich unbrauchbar machen.
Die Landschaft, Menschen und das gute Essen Mallorcas werden ausführlich beschrieben.
Ein bisschen Fernweh bekommt man beim Lesen schon.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, gut verständlich und fesselnd.

„Die Lockvögel“ ist ein spannender Kriminalroman mit schönem Setting. Ich freue mich schon auf den 3. Band.

Ein Wiedersehen im Sommer

Julie Caplin
Roman
412 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Christiane Steen
Meine Bewertung:
von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein Wohlfühlroman

Klappentext:
Im beschaulichen Wilsgrave verlassen sich alle immer auf Bets, die selbstlose Tierarzthelferin mit dem großen Herzen. Doch dieses Herz wurde gebrochen. Von Jack, mit dem sie seit Jugendtagen zusammen war und der jetzt in Bristol Karriere machen will. Das ganze Dorf fühlt mit ihr. Manche reagieren empört und möchten Jack nie wieder sehen, andere versuchen Bets abzulenken oder, noch schlimmer, sie zu verkuppeln. Aber anstatt in ihrer Trauer zu versinken, besinnt sich Bets auf die Dinge, die sie immer schon tun wollte, und entdeckt dabei vollkommen neue Seiten an sich. Sie ahnt nicht, welche Überraschungen dieser Sommer noch für sie bereit hält. Besonders als Jack zurückkehrt.
„Ein Wiedersehen im Sommer“ ist der 2. Band der Country Escapes Reihe von Julie Caplin.

Im Mittelpunkt des 2. Band steht Bets. Sie ist Tierarzthelferin und in Jack, den Sohn des Tierarztes verliebt. Bets und Jack kennen sich schon seit Jugendtagen. Jetzt möchte Jack der Karriere wegen nach Bristol.
Das bricht Bets das Herz. Denkt sie doch, sie hat die Stelle beim Tierarzt nur wegen Jack bekommen. Und was ist mit dem Häuschen, in dem sie mit Jack gewohnt hat? Muss sie das jetzt verlassen?
Das ganze Dorf leidet mit Bets und versucht, sie aufzumuntern.
Doch Beth zweifelt an sich selbst. Schon als Kind wurde sie von ihrem Vater verlassen.

Die Autorin hat wieder großartige Charaktere ins Leben gerufen. Einige davon sind aus dem 1. Band bekannt. Auch Beth mit ihrem großen Herz, sie hat sich im 1. Band rührend um Ella gekümmert. Jetzt braucht Beth Aufmunterung und das Dorf ist bemüht, sie auf andere Gedanken zu bringen.

Julie Caplin erzählt die Geschichte mit viel Gefühl. Ihr Schreibstil ist flüssig und gut verständlich. Ich bin schnell tief in die Geschichte versunken.

„Ein Wiedersehen im Sommer“ ist für mich ein echter Wohlfühlroman. Ich freue mich jetzt schon auf den 3. Band.

Die Tür

Dorothea Hoefth
Psychothriller (FSK 18)
435 Seiten
erschienen im Selfpublishing
4 von 5 Sternen

Harter und düsterer Psychothriller

Klappentext:
Er hat sie gerettet, als sie zwölf war. Jetzt ist sie achtzehn und die Einzige die Ihn retten kann.
Marcus ist kein Mensch. Er ist ein Werkzeug. Ein ehemaliger Spezialist für das Grobe, der unter dem Decknamen „Der Geist“ Probleme löst, die andere nicht einmal benennen können. Sein Herz ist so kalt wie der Stahl seiner Waffen, bis er sich entschließt, nach Jahren der Brieffreundschaft, zu ihr zu fahren.
Sonya, die Frau, die er als Kind aus der Hölle eines bulgarischen Menschenhandelsrings befreite, ist nun erwachsen. Sie ist das Licht in seinem sorgfältig konstruierten Schattenreich. Doch gerade als Marcus lernt, was es bedeutet, zu fühlen, schlägt die Vergangenheit zu: Die zwölfjährige Nachbarstochter Kaithlyn wird entführt.
Um sie zu finden, muss Marcus den „Geist“ wiedererwecken, die emotionslose Killermaschine in ihm. Er infiltriert ein globales Netzwerk der Elite, das vor nichts zurückschreckt. Während Marcus eine Spur aus Blut und Daten hinterlässt, erkennt Sonya, dass sie ihren Beschützer nicht nur begleiten, sondern ihn vor der vollständigen Dunkelheit bewahren muss.

„Die Tür“ ist ein Dark-Suspense-Thriller (FSK 18) ist das Debüt von Dorothea Hoefth.
Ein Psychothriller, der die Leser*innen tief in die Abgründe der menschlichen Psyche zieht.

Im Mittelpunkt steht Marcus. Ein Mann, der jahrelang wie eine emotionslose Maschine funktionierte und die Tür zu seiner Gefühlswelt strikt verschlossen hielt. Er hat eine Vergangenheit als professioneller Auftragskiller, versucht nun aber mühsam, ein „normales“ Leben aufzubauen und echte Emotionen zuzulassen.
Gerade als dieser fragile Prozess der Menschwerdung beginnt, schlägt die Realität grausam zu. Die zwölfjährige Nachbarstochter Kaithlyn wird entführt.
Um das Mädchen zu retten, muss Marcus die mühsam verschlossene Tür wieder aufstoßen. Er muss den „Geist“, die eiskalte Killermaschine in seinem Inneren, reaktivieren. Die Suche führt ihn tief in ein globales, skrupelloses Netzwerk einer mächtigen Elite.

Dorothea Hoefth hat ihre Charaktere gut gezeichnet und lebendig werden lassen.

Marcus ist das Herzstück des Romans. Seine Darstellung fasziniert durch die Zweiteilung seines Wesens. Auf der einen Seite steht die erlernte, fast roboterartige Kälte. Auf der anderen Seite die unendliche Zerbrechlichkeit seines Traumas.
Sonya bildet sie das moralische und emotionale Gegengewicht im Buch. Sie fungiert nicht nur als bloße Nebenfigur, sondern als Marcus Anker zur Realität. Während er eine blutige Spur zieht, kämpft Sonya verzweifelt darum, ihn vor dem endgültigen Abdriften in die absolute Finsternis zu bewahren.

Dorothea Hoefth erzählt die Geschichte mit viel Spannung und einer düsteren Atmosphäre.
Ein großer Teil der Geschichte wird in der Ich-Form von Marcus erzählt, was die Leser*innen recht nahe an Marcus herankommen lässt.

Dorothea Hoefths Schreibstil ist analytisch und scharf. Doch dieser Hang zur absoluten Präzision führt manchmal zu ausufernden Erklärungen, die den Lesefluss einschränken.
Kleine Abstriche gibt es für die Wiederholungen der Gedanken und des Handelns, die immer wieder erwähnt werden.

„Die Tür“ ist ein Psychothriller der harten Art und nicht für schwache Nerven gedacht.

Die Mitternachtsreise

Matt Haig
Roman
329 Seiten
Übersetzt aus dem Englischen von Sabine Hübner
erschienen im Droemer Knaur Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Wenn das Leben an einem vorbeizieht

Klappentext:
Stell dir vor, dein Leben zieht im Zeitraffer an dir vorbei. Was würdest du noch einmal erleben wollen? Welche Momente – und welche Menschen – zählen wirklich?
Wilbur hätte nicht gedacht, dass er Agnes Bagdale noch einmal begegnen würde. Als Kind war der Buchladen der alten Dame in Sheffield sein Zufluchtsort, nicht nur wegen seiner geliebten Bücher. Bei Bagdale’s Bookshop konnte er die Probleme zu Hause einen Moment vergessen. Und dort begann seine eigene Laufbahn als Buchhändler.
Jetzt, Jahrzehnte später, ist Wilbur erfolgreich, einsam und am Ende seines Lebens angekommen. Doch statt dem Tod wartet ein rätselhafter Zug auf ihn. Und Agnes. Sie nimmt ihn mit, zurück durch die Zeit, auf eine Reise, die ihn seine bedeutsamsten Momente noch einmal durchleben lässt. Die glücklichsten Momente, wie damals in den Flitterwochen in Venedig mit seiner großen Liebe Maggie. Aber auch die schlimmsten, in denen er alles verlor.
Schon bald begreift er, wie viel er hätte anders machen wollen.

„Die Mitternachtsreise“ von Marr Haig ist ein Buch, das alle Buchliebhaber lieben werden.
Innen auf der ersten Seite ist die Fahrkarte für die Mitternachtsreise abgedruckt. Also einsteigen und los geht’s.

Im Mittelpunkt steht Wilbur. Er ist erfolgreich, aber einsam.
Auf den Tod wartend, kommt ein Zug vorbei und nimmt ihn mit auf eine Reise.
Bei der Mitternachtsreise, zieht sein Leben noch einmal an Wilbur vorbei.
So sieht er noch einmal Agnes Bagdale und den Bagdale’s Bookshop, den er als Kind geliebt hat. Auch seine große Liebe Maggie sieht Wilbur wieder. Allerdings sieht Wilbur auch die schlechten Momente in seinem Leben, Momente, in denen er eine andere Entscheidung hätte treffen sollen.

Matt Haig erzählt die Geschichte wieder mit viel Gefühl. Seine Charaktere sind wie immer sehr lebendig.
Mir hat es Freude gemacht, Wilbur auf dieser Reise zu begleiten und seine Entwicklung mitzuerleben.
Auch Maggie ist ein Charakter, der die Geschichte bereichert.

Der Schreibstil von Matt Haig ist flüssig, gut verständlich und fesselnd. Ich bin nach wenigen Seiten tief in die Geschichte eingetaucht.
„Die Mitternachtsreise“ ist eine Geschichte über die Liebe und über die Kraft der Bücher. Ich habe auch dieses Buch von Matt Haig gerne gelesen.

Der Club der Unbeugsamen

Kathryn Stockett
Historischer Roman
840 Seiten
erschienen im btb Verlag
Übersetzt aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein atmosphärischer und berührender Roman

Klappentext:
Oxford, Mississippi, 1933. Während die Wirtschaftskrise die Welt in Atem hält, kreuzen sich in einer kleinen Stadt die Wege dreier ungewöhnlicher Frauen. Sie erkennen, dass sie gemeinsam etwas bewegen können, vielleicht sogar die Regeln ihrer Zeit verändern. Um ihre Ziele zu erreichen, gehen erstaunliche Risiken ein. Denn sie haben eines gemeinsam: Sie haben wenig zu verlieren.
Die elfjährige Meg, deren Mutter einst an Weihnachten verschwand, hat auf die harte Tour gelernt, sich auf niemanden zu verlassen. Nun zählt sie zu den »großen Mädchen« im Waisenhaus und kämpft jeden Tag um ihre Würde. Birdie Calhoun, unverheiratet und unverblümt, ist nach Oxford gekommen, um ihre wohlhabende Schwester um etwas Geld zu bitten. Doch sie merkt schnell: Das High-Society-Leben ist nichts als ein Geflecht aus Lügen. Dann begegnet Birdie Charlie, einer Frau, die mit dem Rücken zur Wand steht. Als sich die Schicksale der drei kreuzen, schmieden sie einen kühnen Plan, um einzufordern, was ihnen zusteht. Doch in einer heuchlerischen Zeit, in der die Freiheit von Frauen zerbrechlich ist, kann selbst der kleinste Akt des Widerstands gefährliche Folgen haben.

„Der Club der Unbeugsamen“ von Kathryn Stockett erzählt die Geschichte von 3 Frauen, die etwas verändern wollen.
15 Jahre nach ihrem großen Erfolg „Gute Geister“ ist nun endlich ein neues Buch von Kathryn Stockett erschienen.
„Gute Geister“ ist bis heute eins meiner Lieblingsbücher. Das neue Werk von Kathryn Stockett ist also ein MUSS für mich.

Drei ungewöhnliche Frauen treffen an einem Wendepunkt ihres Lebens aufeinander und spüren schnell, dass sie etwas bewegen, etwas verändern können.

Da ist Margot, genannt Mag. Sie lebt im Waisenhaus, wo sie von der Leiterin gerne schikaniert wird.
Birdie Calhoun ist 24 Jahre. Sie lebt bei ihrer Großmutter und ihrer Mutter. Durch die Wirtschaftskrise und ihre Folgen geht es ihnen finanziell schlecht. Sie soll zu ihrer Schwester Frances nach Oxford, um sie zu bitten, die Familie zu unterstützen.
Aber auch die wohlhabende Frances bekommt im Laufe der Geschichte die Wirtschaftskrise zu spüren.
Später taucht Charlie auf, die Mutter von Meg, die einst verschwunden ist und ihre Tochter zurückgelassen hat.

Kathryn Stockett zeichnet ein Bild quer durch die Gesellschaftsschichten. Es ist die Zeit, der Wirtschaftskrise, die bei allen Gesellschaftsgruppen zu spüren ist.
Die Autorin verarbeitet in ihrer Geschichte Themen wie Rassenunterschiede, Adoption und Armut.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und wirken lebendig. Ich habe die Frauen gerne begleitet und ihre Entwicklung miterlebt. Mir waren die Frauen schnell sympathisch. Die Geschichte ist in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts angesiedelt. Eine Zeit in der die Frauen noch ziemlich unterdrückt wurden. Es gab aber auch immer wieder Frauen, wie hier in der Geschichte, die über sich hinauswuchsen und etwas zu verändern versuchten.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Meg und Birdie erzählt. Die Sicht der zwei unterschiedlichen Frauen macht die Geschichte recht kurzweilig.
Man bekommt beim Lesen schnell das Gefühl, die Frauen schon lange zu kennen.

Auch die verschiedenen Handlungsorte werden sehr anschaulich beschrieben.

Der Schreibstil von Kathryn Stockett ist flüssig, gut verständlich und fesselnd. Die Geschichte wird von der Autorin immer wieder mit Humor aufgelockert.
Man braucht also keine Angst vor dem Buch mit 840 Seiten zu haben. Die Seiten fliegen nur so dahin und plötzlich ist man am Ende der Geschichte angelangt.

„Der Club der Unbeugsamen“ ist für mich wieder ein echtes Highlight von Kathryn Stockett und wird sich bei meinen Lieblingsbüchern einreihen, wie schon „Gute Geister“.

Eisinsel

Hanno Rinke
Roman
412 Seiten
erschienen bei Mitteldeutscher Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Mainwunder für das Rezensionsexemplar

Roman mit psychologischer Tiefe

Klappentext:
Victor, einst Krankenpfleger, heute Suchender zwischen Moral und Macht, Körper und Geist, lebt in einer Welt aus Routinen, Beobachtungen und verdrängten Begierden. Was als sachliche Rückschau auf ein geordnetes Leben beginnt, wird zur schonungslosen Selbstanalyse eines Mannes, der hinter der Fassade von Fürsorge und Normalität eine zerstörerische Sehnsucht verbirgt. Zwischen Krankenhausfluren, Kaufhäusern und Hotelzimmern tastet sich Victor durch die Einsamkeit der Großstadt, immer auf der Suche nach einem Rest von Sinn, Nähe und Kontrolle.

„Eisinsel“ ist ein Roman über Selbstreflexion von Hanno Renke.

Im Mittelpunkt steht der ehemalige Krankenpfleger Victor. Er blickt auf sein Leben zurück, macht eine Selbstanalyse. Victor bewegt sich einsam durch die Großstadt, getrieben von einer unstillbaren Sehnsucht nach Nähe, Sinn und totaler Kontrolle. Seine Tragik liegt in der Transformation: Er verwandelt sich von einem ursprünglich empfindsamen Menschen, in einen Menschen, der fast völlig abstumpft und nichts mehr fühlt.

Hanno Rinke hat mit Victor einen interessanten Charakter geschaffen. Passend zu Victors Gedanken, ist die Atmosphäre in diesem Buch düster.
Der Autor beschreibt die innere Kälte und das Verstummen von Empathie mit einer fast klinischen Präzision. Jede psychologische Regung wird exakt seziert.
Die Geschichte ist sprachlich dicht, detailreich und atmosphärisch stark ausformuliert. Gelegentlich führt dies zu Passagen, die eine gewisse Geduld erfordern, erzeugen aber eine enorme Tiefe.
Obwohl das Tempo ruhig ist, versteht es der Autor, Kapitel mit geschickten Cliffhangern enden zu lassen. Das Buch entwickelt dadurch einen Sog, dem man sich schwer entziehen kann.

„Eisinsel“ ist ein Roman, der sich wie ein Psychothriller liest.

Die geheime Grotte von Garda

Bernhard Aichner
Kriminalroman
320 Seiten
erschienen bei HaymonKrimi
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an Haymon Krimi für das Rezensionsexemplar

Krimi mit Urlaubsfeeling

Klappentext:
Nach der erfolgreichen Aufklärung eines Mordfalles in Sirmione möchte Edwina Teufel, Chefinspektorin aus Wien, nun endlich die Seele am Gardasee baumeln lassen, sogar in das Wutbuch, das ihr die Psychologin ob ihrer Zornausbrüche aufgedrängt hatte, schreibt sie nun regelmäßig(er). Sirmione kennt sie bereits. Ein Bootsausflug nach Garda könnte der Entspannung zuträglich sein. Ein wohlverdientes Eis und ein Einkaufsbummel, anschließend eine Verabredung mit Freunden, die das naheliegende Weingut Cà della Ginevra besuchen. Klingt herrlich, oder?
Bevor Edwina jedoch in diesen Genuss kommt, läuft ihr ein Hund über den Weg und gleich darauf wird sie Zeugin einer seltsamen Szene: Ein Junge, so etwa acht Jahre alt, wird von einer großen Gestalt bedroht, die Edwina im Dunkeln eines Durchgangs nicht genau erkennen kann. Aber sie kann helfen. Der Junge weigert sich allerdings, mit ihr zu sprechen, nur seinen Namen verrät er ihr: Peppe Rocco.
„Die geheime Grotte von Garda“ ist der 1. Band der Edwina Teufel Reihe von Isabella Archan.

Im Mittelpunkt steht Edwina Teufel. Sie ist Chefinspektorin aus Wien und nimmt sich eine Auszeit, die ihr von einer Psychologin wegen ihrer Wutausbrüche auferlegt wurde. Doch in Ruhe die Seele baumeln zu lassen, ist Edwina nicht vergönnt. Erst hat sie einen Mordfall in Sirmione mit aufgeklärt (1. Band „Die Schlange von Sirmione“). Jetzt bei einem Ausflug nach Garda, läuft ihr Peppe Rocco, ein 8-jähriger Junge, über den Weg. Der Junge wurde von einer großen Gestalt bedroht und braucht zweifelsohne Hilfe. Nach der Frage nach seiner Mutter tischt er Edwina Lügen auf. Edwina wendet sich an Commissario Adriano Alceste, der im Moment den Mordanschlag auf Noemi Loma untersucht. Natürlich kann Edwina nicht widerstehen, ihre Nase auch in diesen Fall zu stecken.

Isabella Archan hat großartige Charaktere ins Leben gerufen. Edwina war mir schnell sympathisch. Sie ist wissbegierig und kann gut Schlüsse ziehen. Sie ist sich auch der Wichtigkeit ihrer Auszeit bewusst und führt mehr schlecht als recht auch ihr Wutbuch, das sie von der Psychologin bekommen hat. Aber Edwina ist nun einmal Chefinspektorin, und wenn sie einen Fall wittert, ist sie nun mal dabei.

Commissario Adriano Alceste ist auch gut getroffen. Ich denke, ihm ist Edwinas Anwesenheit gar nicht so unrecht.

Peppe Rocco ist ein cleverer Junge und ich habe ihn schnell ins Herz geschlossen. Seine Mutter hat ihn weggeschickt, weil er sonst mit in Gefahr geraten könnte. Von Edwina lässt er sich gerne Eis und Pasta spendieren.

Isabella Archan erzählt die Geschichte in einem ruhigen Tempo. Die Handlungsorte am Gardasee werden anschaulich beschrieben und es kommt ein richtiges Urlaubsfeeling auf.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich.
Die Dialoge sind manchmal zum Niederknien. Ich mag den Humor, den Isabella Archan immer wieder einstreut.

„Die geheime Grotte von Garda“ ist ein richtiger Urlaubskrimi, den ich gerne gelesen habe.

Wer blind vertraut

Kriminalroman
480 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Tessa Duncan Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannend und intelligent aufgebauter Kriminalroman

Klappentext:
Ein neuer Fall aus ihrer therapeutischen Praxis bringt Lily Brown an ihre Grenzen und sogar in höchste Lebensgefahr. Was ist der Tochter ihrer schwer depressiven Patientin Mary-Ann zugestoßen, die seit fast drei Jahren vermisst wird? Lebt die inzwischen 13-jährige Laura noch? Und wie kann sie dem Heiratsschwindler Paul das Handwerk legen, der ihre Patientin Caroline um viel Geld betrogen hat? Aber nicht nur das: Ist dieser Mann womöglich ein Mörder?

„Wer blind vertraut“ ist der 3. Band der Reihe „Die Canterbury-Fälle“ von Tessa Duncan.

Die Autorin ist mir schon lange unter ihrem Klarnamen Marita Spang und dem Pseudonym Marie Lacrosse bekannt. Mit zahlreichen historischen Romanen hat die Autorin mich erfreut. Die Reihe „Die Canterbury-Fälle“ hat mir vom ersten Band an sehr gut gefallen.

Ihre Charaktere sind sehr interessant und lebendig.
Die Psychologin Lily Brown hat ihren Job bei der MET aufgegeben und unterhält zusammen mit Matt Rider eine psychologische Praxis. Mittlerweile ist sie schwanger und sollte ihre Arbeit etwas reduzieren. Doch manche Patienten lassen Lily nicht los und sie versucht alles, um ihnen zu helfen, auch wenn sie dabei in Gefahr gerät.

In diesem Band sind es gleich zwei Patientinnen, die Lilys Aufmerksamkeit besonders fordern.
Mary-Anns Tochter wird seit 3 Jahren vermisst. Mittlerweile besteht wenig Hoffnung, das Mädchen noch lebend wiederzufinden. Nach einem Selbstmordversuch muss sie in Therapie, sonst droht das Jugendamt, die jüngere Tochter in Obhut zu nehmen.
Lily muss feststellen, dass Mary-Ann sehr verschlossen ist, nichts preisgibt und auch ihre Aufgaben, die sie von Lily bekommt, nicht erfüllt und schließlich gar nicht mehr erscheint. Lily vermutet, dass Mary-Ann von ihrer Mutter, bei der sie mit ihrer Tochter lebt, und von ihrem Bruder stark unter Druck gesetzt wird. Die wirklichen Ausmaße ahnt Lily da noch nicht.

Caroline, eine weitere Patientin, hat an einem Heiratsschwindler Geld verloren. Erst hat sie ihren Mann verloren und dann ist sie auf Paul hereingefallen. Sie wird ihre Probleme bei Lily los und fühlt sich nach kurzer Zeit schon wieder bereit, ihr Leben zu meistern. Doch möchte sie zusammen mit Sally, einer Frau, die auch auf Paul hereingefallen ist, weiterhin zu Lily und den Gesprächen kommen. Kurz darauf begeht Sally Selbstmord. Einen Selbstmord, an den Lily und Caroline nicht glauben.

Lily versucht, trotz der fortschreitenden Schwangerschaft zu ermitteln, was hinter den Fällen steckt.
Auch privat geht es bei Lily turbulent zu. Ihr geliebter Kater erkrankt. Ihr Partner Dan lebt kurzzeitig wieder bei seiner Frau, um sich um seine neugeborene Tochter zu kümmern. Nach der Geburt von Lilys Kind hat er versprochen, die Scheidung einzureichen.
Dan hat aber auch beruflich alle Hände voll zu tun. Immer wieder werden junge Frauen vermisst und es gibt so gut wie keine Spuren von ihnen.

Man spürt, dass Tessa Duncan weiß, wovon sie schreibt, schließlich ist sie promovierte Psychologin. Ihre Kenntnisse in der Psychologie setzt die Autorin auch sehr gekonnt in der Geschichte ein.

Tessa Duncan baut nach und nach Spannung auf, die sie bis zum Ende aufrechterhält.
Ihr Schreibstil ist flüssig, gut verständlich und fesselnd.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und werden sehr lebendig und realistisch durch die Geschichte geführt.
Dabei bekommen die Leser*innen einige interessante Einblicke in das Verhalten von Menschen mit einem Messie-Syndrom. Es ging weit über meine Vorstellungen hinaus und wurde sehr glaubhaft widergespiegelt.

Mit „Wer blind vertraut“ hat die Autorin einen psychologisch intelligent aufgebauten Krimi veröffentlicht. Nach nur wenigen Seiten wurde ich wie durch einen Sog in die Geschichte hineingezogen. So habe ich die fast 500 Seiten ganz schnell gelesen.
Ich freue mich schon jetzt, wenn der 4. Band erscheint.

Was wir einander schuldig sind

Roman
255 Seiten
erschienen bei BoD – Books on Demand
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Wilma Borghoff für das Rezensionsexemplar

Eine emotionale Familiengeschichte

Klappentext:
Ein Anruf. Eine Forderung. Und ein Leben, das aus den Fugen gerät.
Als Jarik, ein lebensfroher Endfünfziger, nach Jahren von seiner Tochter Jessica hört, trifft ihn ihre Nachricht wie ein Schlag: Sie ist todkrank. Und ihre zwölfjährige Tochter Talea, seine einzige Enkelin, soll zu ihm ziehen; zu einem Großvater, den sie noch nie gesehen hat.
Für Jarik und seine zweite Frau Elvira beginnt eine Zeit voller Spannungen, Überforderung und unausgesprochenen Ängsten. Talea begegnet ihnen mit Schweigen, Wut und Misstrauen. Das Paar merkt, dass guter Wille und Liebe manchmal nicht ausreichen, um einem verletzten Kind Halt zu geben.
Aus ihrer nordischen Heimat Friesland hat Talea kaum etwas mitgebracht. Und doch ist da etwas, das sie begleitet: ein scheuer Grünspecht, der immer wieder in ihrer Nähe auftaucht, als würde er über sie wachen.

„Was wir einander schuldig sind“ von Wilma Borghoff ist ein Buch, das mich sehr berührt hat.

Im Mittelpunkt stehen Jarik, seine Frau Elvira und Talea, die Tochter von Jariks Tochter aus erster Ehe.
Jarik hat keine Verbindung zu seiner Tochter Jessica, seine Enkelin Talea, die mittlerweile 12 Jahre ist, kennt er nicht. Da kommt ein Anruf von seiner Tochter, dass sie sterben wird und er sich um ihre Tochter kümmern soll. Es scheint so, dass Jessica sonst keinen Menschen hat, dem sie ihr Kind anvertrauen kann.

Wilma Borghoff hat einen angenehmen und gut verständlichen Schreibstil. Mich hat die Geschichte schon nach wenigen Seiten gefesselt, sodass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Die Charaktere in der Geschichte sind gut gezeichnet und lebendig.
Jarik und seine Frau Elvira habe ich gleich gemocht. Obwohl ich Jarik manchmal gerne etwas geschüttelt habe. Wie gut, dass Elvira an seiner Seite ist und alles in die Hand genommen hat. Sie ist willens, Talea ein Zuhause zu geben. Auch wenn das nicht einfach ist und es immer wieder, gerade wenn sie denkt, sie sei einen Schritt weitergekommen Rückschläge gibt.
Talea hat mir leidgetan. Ihre Mutter konnte ihr aus Geldnöten nicht viel bieten und dann ist sie krank geworden. Dann ist plötzlich ihre Mutter tot und sie muss in eine andere Stadt zu den Großeltern ziehen, die sie nicht kennt. Es sind praktisch Fremde für sie.
Ich bewundere Wilma Borghoff dafür, wie sie sich in Talea hineinversetzen konnte. Wie sie die seelischen Nöte des Mädchens in ihre Geschichte einfließen lässt. Man konnte die Ängste und Nöte von Talea richtig spüren.

Die Idee mit dem Grünspecht, der immer wieder auftaucht, ist sehr gut gelungen.
Taleas gibt er immer ein kleines bisschen Zuversicht. Es ist ihr Grünspecht, der immer dann auftaucht, wenn sie besonders verzweifelt ist.

Mit „Was wir einander schuldig sind“ erzählt Wilma Borghoff eine Geschichte über Trauer und Loslassen. Aber auch eine Geschichte über Liebe, Familie und Zuversicht.
Mich hat das Buch sehr berührt und ich empfehle es gerne weiter.

Der Totengräber und der Orden des Teufels

Oliver Pötzsch
Historischer Kriminalroman
535 Seiten
erschienen im Ullstein Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar

Historik und Spannung kunstvoll miteinander verflochten

Klappentext:
Ein blutiges Ritual erschüttert das vornehme Wien des Jahres 1896: Bei einer vermeintlich satanistischen Messe wurde eine junge Frau bestialisch ermordet, ihre Kehle durchgeschnitten, Zunge und Herz fehlen. Als Inspektor Leopold von Herzfeldt mit den Ermittlungen beauftragt wird, stößt er auf eine Freimaurer-Loge. Aber hat er es wirklich mit Teufelsanbetung zu tun? Der Totengräber Augustin Rothmayer, empört über eine Grabschändung auf dem Zentralfriedhof, bietet ihm seine Hilfe an. Gemeinsam mit Herzfeldts Verlobter, der scharfsinnigen Reporterin Julia Wolf, und dem aufstrebenden Nervenarzt Dr. Sigmund Freud folgen sie einer Spur, die sie in die Abgründe der Wiener Gesellschaft führt, wo hinter okkulten Ritualen und antisemitischen Geheimbünden eine Ideologie heranwächst, die Jahrzehnte später die Welt ins Verderben stürzen wird.

„Der Totengräber und der Orden des Teufels“ ist der 5. Band der Totengräber-Reihe von Oliver Pötzsch.

Der Autor hat ein Händchen für interessante Protagonisten.
So hat er auch für diese Reihe wieder großartige Charaktere geschaffen.
Der Totengräber, ein kauziger Wiener, gefällt mir besonders gut. Seine Gehilfin und Adoptivtochter Anna, die ihm zurzeit viele Sorgen bereitet, ist auch sehr gut getroffen. Anna ist intelligent und wissbegierig. Ihr Wunsch ist, Ärztin zu werden, doch in Österreich dürfen Frauen noch nicht studieren.
Und natürlich waren mir der Ermittler Leopold von Herzfeldt und die Reporterin Julia Wolf schnell sympathisch. Ich verfolge die Charaktere schon seit dem 1. Band und immer wieder entdeckt man neue Seiten an ihnen.

In diesem Band wird eine junge Frau bei einer Teufelsbeschwörung getötet. Ihr wurden die Zunge und das Herz herausgeschnitten. Dazu wurden noch merkwürdige Zeichen auf der Leiche gefunden, die allen Anschein nach auf die Freimaurer hindeuten. Hier bekommt Leopold von Herzfeldt wichtige Hinweise von Augustin Rothmayer.
Der Hauptverdächtige in diesem Mordfall ist Ferdinand von Tatten, der Freund der jungen Frau. Doch Ferdinand von Tatten scheint verrückt geworden zu sein und ist in einem Sanatorium.
Des Weiteren ist ein großer Anschlag in Wien geplant, den es zu verhindern gilt.
Die Journalistin Julia Wolf plant einen Artikel über Dr. Sigmund Freud.

Privat sind Leopold von Herzfeldt und Julia Wolf mit der Wohnungssuche beschäftigt, die allerdings bei all dem Trubel in den Hintergrund rückt.

Oliver Pötzsch erzählt die Geschichte unterhaltsam und sehr interessant. Als Leserin wird man in das Jahr 1896 versetzt. Die Beschreibung von Wien im späten 19. Jahrhundert ist sehr gelungen. Auch der Einblick, den man von den Freimaurern bekommt, ist interessant. Der Schreibstil von Oliver Pötzsch gefällt mir schon immer sehr gut. Er ist flüssig, gut verständlich und fesselnd. Der Autor versteht es, Spannung aufzubauen und auch seine Leserinnen immer wieder in die Irre zu führen.
Oliver Pötzsch vermittelt viel interessantes Wissen auf eine unterhaltsame Art und es macht immer wieder Spaß, seine Bücher zu lesen.
Besonders seine historischen Romane wie die Faustus-Reihe haben mich gefesselt.
In der Totengräber-Reihe verknüpft Oliver Pötzsch gekonnt Historie und Krimi miteinander.
Ich habe auch den 5. Band genauso wie die vorherigen verschlungen.
Jetzt hoffe ich, dass die Reihe weitergeht.