Die unsichtbare Farbspur

Toni Moldabegga
Fantasy
385 Seiten
erschienen im Pankolin Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Wenn die Welt Risse bekommt

Klappentext:
Milo wächst auf einer einsamen Bergspitze auf. Zusammen mit seinen Eltern, zwei begabten Luftsyntagiern, die das Wetter beeinflussen können. Das kann Milo zwar noch nicht, aber dafür duftet der strahlend blaue Himmel für ihn nach frischgebackenem Brot. Diesen Sommer soll er also herausfinden, wer und was er in Zukunft sein möchte. Zwölf Wochen Orientierungsreise, gemeinsam mit den anderen Jugendlichen seines Jahrgangs. Kann nicht so schwer sein. Das denkt Milo jedenfalls, bevor er auf Dylan und Elani trifft. Bevor er merkt, dass die beiden nicht nur Spass und gute Laune, sondern auch Ärger bedeuten. Zu dritt stoßen sie auf etwas, das es auf Panelima eigentlich nicht geben dürfte: Warnungen, die niemand erklärt. Pflanzen, die verrückt spielen. Jugendliche mit schier unmöglichen Kräften. Und auf ein ungewöhnlich lautes Schweigen, das eigentlich gar nicht zu ihrer gläsernen Welt passt. So werden plötzlich nicht nur Milo und seine Freunde auf die Probe gestellt. Sondern mit ihnen ihre ganze Welt. Denn es gibt Geheimnisse auf Panelima. Und manche werden besser bewacht als andere.

„Die unsichtbare Farbspur“ ist der Debütroman von Toni Moldabegga. Es ist ein feinfühliger Fantasy-Roman, der auch in das Genre Coming-of-Age passt.

Toni Moldabegga hat facettenreiche Charaktere ins Leben gerufen. Die Dynamik der Protagonisten ist die Stärke der Geschichte.
Die drei wichtigsten Charaktere sind Milo, Dylan und Elani.
Milo ist ein sanfter und umgänglicher Jugendlicher. Er nimmt Farben über Gerüche wahr. Für ihn duftet ein strahlend blauer Himmel beispielsweise nach frisch gebackenem Brot.
Dylan ist die Wagemutige der drei. Sie bringt Schwung und Humor in die Gruppe.
Elani hat einen scharfen Verstand. Sie ist sehr wissbegierig und handelt rational.
Die drei bilden zusammen eine starke Gemeinschaft. Sie ergänzen sich gut, sind aber nicht immer einer Meinung.

Der Schreibstil von Toni Moldabegga ist flüssig und gut verständlich. Seine bildhaften Beschreibungen lassen Bilder im Kopf entstehen.
Mit feinem Humor lockert Toni Moldabegga die geheimnisvolle Dynamik immer wieder auf.

Der Schauplatz der Geschichte ist Panelima, eine gläserne, tief naturverbundene Welt.
Die Welt wird durch die Syntagie bestimmt. So gibt es zum Beispiel Luftsyntagier, wie Milos Eltern. Sie können das Wetter und die Bedingungen der Atmosphäre bestimmen.
Die Erdsyntagier sind für das Wachstum zuständig, egal ob Pflanzen oder Architektur.
Die Jugendlichen müssen während einer Orientierungsreise ihre spezielle syntagische Begabung finden, um ihren Platz in der Gemeinschaft aufzunehmen.

„Die unsichtbare Farbspur“ ist ein ungewöhnlicher Fantasyroman, der die Leser*innen in eine sinnliche Welt entführt.

Das Nullarchiv

C. Trojan
Thriller
278 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an C. Trojan für das Rezensionsexemplar

Sehr spannend und gut verständlich geschrieben

Zum Inhalt:
Die Geschichte wird in zwei perfekt aufeinander abgestimmte Zeitebenen erzählt.
Berlin 2026: Die Bauingenieurin Liv Voss findet ihren Mentor, den Leiter des Archivs der ehemaligen Reichspostversuchsstelle, tot im Treppenhaus auf. Alles sieht nach einem Unfall aus, es war aber Mord.
Er hinterlässt Liv Geokoordinaten und ein Bauteil einer historischen Lorenz-Chiffriermaschine. Kurz danach folgt ein digitaler Ausfall, der alles lahmzulegen droht. Der Ursprung führt in die Vergangenheit.
Ostgrönland 1943: Die Ingenieurin Astrid Voss vergräbt das Nullarchiv in das Fundament einer Wetterstation der Wehrmacht. Dabei handelt es sich um einen gewachsten Lochstreifen. Ein kleiner fehlerhafter Code wird Jahrzehnte später zu einer Waffe im Krieg der digitalen Welt.

„Das Nullarchiv“ ist ein Cyberkrimi mit Hochspannung von C. Trojan.
Der Autor verwebt hier gekonnt historische Kryptografie aus dem 2. Weltkrieg mit aktueller und komplexer IT-Sicherheit.

C. Trojan hat interessante und nahbare Charaktere ins Leben gerufen.
Liv Voss ist eine scharfsinnige Frau, die einen guten Blick fürs Detail hat.
Astrid Voss ist das Gegenstück in den 1940er Jahren. Als Frau in einem technischen und militärischen Bereich arbeitet sie mit wilder Entschlossenheit.
Die Dynamik zwischen der analogen Vergangenheit und der hochdigitalisierten Gegenwart spiegelt sich im Denken der beiden Frauen wider.

C. Trojan hat für seinen Thriller gute Recherchearbeit geleistet.
Der Schreibstil des Autors ist flüssig, präzise und gut verständlich.
Die technischen Aspekte werden deutlich, auch für den Laien verständlich erklärt.
Die Grenzen zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart sind deutlich gesetzt.
Die Handlungsorte sind gegensätzlich.
Da ist einmal das urbane Berlin, dass durch einen digitalen Kollaps im Chaos zu versinken droht.
Zum anderen das eisige Grönland im Jahre 1943.

„Das Nullarchiv“ ist ein intelligenter und meisterhaft konstruierter Thriller aus der digitalen Welt.
Hier verbinden sich historische Geheimnisse mit modernster Technologie.

Scorpio Rising – Niemand überlebt allein

Jonathan Held
Thriller
413 Seiten
erschienen im Emons Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Emons Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein Virus bedroht die Menschheit

Klappentext:
Ein tödlicher Erreger breitet sich in Europa aus. Die Gesellschaft kollabiert, Hunderttausende sterben. Nur wenige Menschen scheinen immun zu sein, keine Auserwählten, nur Zufallsüberlebende einer Katastrophe, die alles verändert. Während sie verzweifelt nach einer Erklärung suchen, wächst der Verdacht, dass »Scorpio« nicht natürlichen Ursprungs ist. Und mit jedem weiteren Tag wird klarer: Sie könnten der Schlüssel zur Rettung sein. Oder die Letzten, die zwischen der Menschheit und ihrem Untergang stehen.

„Scorpio Rising – Niemand überlebt allein“ ist ein fesselnder Thriller von Jonathan Held.

Die Geschichte deckt nur wenige Tage ab. Die Schauplätze sind in Deutschland und Europa verteilt.
Ein Virus namens „Scorpio“ überrollt Europa in Windeseile. Das Virus fordert Hunderttausende Todesopfer. Niemand weiß, wie es entstanden ist.
Die Welt steht vor einer Katastrophe, den Menschen droht der Untergang.
Eine Gruppe junger Leute sucht Schutz in der Abgeschiedenheit einer Almhütte.
Eine Ärztin der US-Luftwaffe in Deutschland versucht, den biochemischen Ursprung des Virus zu entschlüsseln.
Schnell kommt der Verdacht auf, dass Scorpio kein Produkt der Natur ist, sondern künstlich freigesetzt wurde.
Einige Menschen sind immun gegen das Virus, sie tragen eine gutartige Variante in sich.
Sie geraten ins Visier der Mächtigen.

Die Charaktere sind gut gezeichnet. Man kann sie nicht als Helden bezeichnen, sondern als zufällig Überlebende.
Diese Überlebenden, die immun gegen den Virus sind, haben nicht nur viel verloren, sie werden auch als Schlüssel für die Rettung der Menschheit angesehen.

Jonathan Held erzählt die Geschichte in einem rasanten Tempo. Schließlich steht das Leben vieler auf dem Spiel. Die Zeit drängt.
Der Schreibstil des Autors ist flüssig und gut verständlich.
Die Kapitel sind kurz und mit präzisen Zeit- und Ortsangaben versehen.
Die immer wieder wechselnden Perspektiven erzeugen eine extreme Spannung.
Am Ende werden nicht alle meine Fragen beantwortet.
Vielleicht plant Jonathan Held ja eine Fortsetzung.

Goodbye, Honeysuckle

Tayari Jones
Historischer Roman
448 Seiten
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Britt Somann-Jung
erschienen im Arche Literatur Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley Deutschland für das Rezensionsexemplar

Ein Roman über Freundschaft und Entbehrung

Klappentext:
Tür an Tür im ländlichen Louisiana aufgewachsen, verbindet Niecy und Annie mehr als nur Freundschaft: Beide haben sie ihre Mütter nie kennengelernt, und beide sind sie fest entschlossen, diese klaffende Lücke in ihrem Leben zu füllen. Niecy geht nach Atlanta, um am berühmten Spelman College zu studieren. Dort schließt sie sich einem Kreis von selbstbewussten Schwarzen Frauen an und erlebt ihre erste Liebe, muss sich aber auch in einer gnadenlosen Welt des Reichtums behaupten. Annie verschlägt es nach Memphis und mitten hinein in Armut, Sex und Jazz. Abend für Abend mixt sie Cocktails in einem Nachtclub und hofft, dass ihre verschollene Mutter am Tresen auftaucht. Während all der Zeit schreiben Annie und Niecy einander wunderschöne Briefe, bis eine Tragödie ihre Leben wieder zusammenführt und das Band zwischen ihnen auf die Probe stellt.

„Goodbye, Honeysuckle“ von Tayari Jones ist ein Roman über Freundschaft und über den Rassismus der 1950er Jahre.
Das Buch ist die Nr. 1 auf der Leseliste Sommer 2026 von Barack Obama.
Ein Buch, das mich neugierig gemacht hat.

Im Mittelpunkt stehen die beiden Frauen Niecy und Annie. Sie sind in direkter Nachbarschaft aufgewachsen und sie verbindet eine tiefe Freundschaft.
Auch wenn sich die Wege der Freundinnen trennen, eins verbindet sie, beiden fehlt die Mutter.

Tayari Jones hat mit Niecy und Annie zwei komplexe Charaktere gezeichnet.
Die beiden doch unterschiedlichen Frauen verbindet eine tiefe Freundschaft.
Niecy hat den Wunsch nach Bildung. Sie geht nach Atlanta an das berühmte Spelman College zum Studieren. Hier steht sie vor einem mächtigen Erwartungsdruck. Als farbige Frau muss sie sich der elitären und oft gnadenlosen Welt des akademischen Reichtums stellen.
Annie geht nach Memphis, wo sie in einer Bar Cocktails mixt. Sie ist getrieben von einer inneren Ruhelosigkeit. Ihre Verwundbarkeit macht sie abhängig von Männern, die ihr nicht guttun.

Tayari Jones hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Ich möchte ihn fast poetisch nennen.
Die Perspektive der Geschichte wechselt zwischen Niecy und Annie. Das lässt die Leser*innen ganz nahe an die Charaktere herankommen.
Die Handlungsorte zeichnen ein Bild vom Süden der USA.
Genauso spiegeln die Orte die Zerrissenheit der Charaktere wider.
Da ist die fiktive Kleinstadt Honeysuckle in Louisiana. Hier herrscht eine beklemmende Atmosphäre, der die Jugend zu entfliehen versucht.
Im Gegensatz hierzu steht Memphis. Hier pulsiert der Jazz. Genauso wie das politisch aufgeheizte Atlanta.
Die Atmosphäre der Geschichte wechselt zwischen Wärme und weiblicher Solidarität und kaltem Rassismus.

„Goodbye, Honeysuckle“ ist ein Roman, den man nach dem Lesen so schnell nicht vergisst.

Jetzt beginnt das Leben

Alex Schulman
Roman
346 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Übersetzt aus dem Schwedischen von Hanna Granz
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Telefonat mit der Vergangenheit

Zum Inhalt:
Die Geschichte beginnt mit einer persönlichen Krise. Vidar ist Lehrer und wird nach einem Vorfall vom Schuldienst suspendiert.
In einem alten Notizbuch seiner Eltern stößt Vidar auf die Festnetznummer des längst aufgegebenen Sommerhauses der Familie. Kurzentschlossen wählt er die Nummer und hat plötzlich seinen verstorbenen Vater am Telefon.
Schnell wird Vidar klar, er ist mit dem 17. Juni 1986 verbunden. Ein Tag, der Auswirkungen Vidar muss wissen, was genau an diesem Tag passiert ist. Immer wieder wählt er die Telefonnummer und wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert.

„Jetzt beginnt das Leben“ von Alex Schulmann ist ein Roman, der zurück in die Kindheit führt.

Alex Schulman zeichnet psychologisch scharfe und komplexe Charaktere.
Vidar ist ein Mann, der von innerer Wut und Verdrängung aufgezehrt wird.
Seine Besessenheit von den Telefonaten spiegelt die verzweifelte Suche nach dem Moment wider, in dem sein Leben die falsche Abbiegung genommen hat.
Vidar als Kind wird verletzlich und feinfühlig dargestellt.
Die Mutter wechselt zwischen mütterlicher Zärtlichkeit und emotionaler Härte.

Der Schreibstil von Alex Schulman ist klar und schnörkellos. Die Sätze sind präzise und treffen manchmal direkt ins Herz.
Das Wechselspiel der Gegenwart und dem minutiösen Rekonstruieren des 17. Juni 1986 per Telefon ist ein Geniestreich.

Die Handlungsorte spiegeln den seelischen Zustand von Vidar wider.
In der Gegenwart ist es das graue Stockholm. In der Vergangenheit das schwedische Sommerhaus an einem idyllischen Ort.

Alex Schulman erzeugt in seinem Roman eine melancholische Stimmung.
Die Telefonate erzeugen Spannung. Beim Lesen wartet man schon auf das nächste Gespräch, auf das Tuten in der Leitung, das Knarzen eines Stuhls auf dem Holzboden.

„Jetzt beginnt das Leben“ ist ein tief berührender Roman, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat.

Der geheime Apfelgarten – Getrennte Weiten

Rebekka Eder
Historischer Roman
425 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Im Schatten der Cholera

Zum Inhalt:
Im Mittelpunkt steht die junge Kea Loop.
Nach dem schmerzhaften Verlust ihrer Mutter findet Kea Zuflucht im verwilderten Apfelgarten der Familie, wo sie versucht, eine ganz besondere Apfelsorte zu züchten.
Doch die Grenzen erschweren das Vorhaben. Finkenwerder ist geteilt, in Hamburg und Preußen. Der ersehnte und vielversprechende Keimling wächst ausgerechnet hinter der Landesgrenze.
Schlimmer noch, der Keimling befindet sich auf dem Land des verfeindeten Nachbarn Rentfeld.
Heimlich überschreitet Kea die Grenze und wird vom Knecht der Familie Rentfeld bemerkt.
Doch Kristen Focke verrät Kea nicht, er unterstützt sie und zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebesgeschichte. Doch der Ausbruch der Cholera trennt die beiden.

„Der geheime Apfelgarten – Getrennte Welten“ ist der erste Band der zweiteiligen Elbinsel-Saga von Rebekka Eder.
Die Autorin hat mich schon mit ihrem Roman „Hyazinthenschwestern“ begeistert. Jetzt war ich auf ihr neues Werk gespannt.

Rebekka Eder hat wieder großartige und tiefgründige Charaktere entworfen.
Kea Loop ist eine willensstarke und unerschrockene junge Frau. Ihre Leidenschaft ist die Natur. Ihr Vorhaben ist es, den perfekten Apfel zu züchten.
Kristen Focke ist ein loyaler Knecht, der trotz aller Empathie und Tatkraft beweist.
Seine Verbindung zu Kea überwindet gesellschaftliche Grenzen.
Die Familie Rentfeld dient als Antagonist in dieser Geschichte.
Auch die Nebenfiguren bereichern die Geschichte ungemein.

Rebekka Eder schreibt angenehm flüssig, bildhaft und gut verständlich. Ihre detailreiche Beschreibung sorgt dafür, dass ich schnell Bilder vor Augen hatte.
Die historischen Fakten fließen unterhaltsam und interessant in die Geschichte ein. Mir war nicht bekannt, dass Finkenwerder einst geteilt war.
Der Schrecken der Cholera-Epidemie wird gut widergespiegelt.
Der Wechsel der Erzählperspektive hält die Spannungskurve hoch.
Der Handlungsort Finkenwerder mit seiner Zerrissenheit wird gut vermittelt.

Rebekka Eder schafft es zum einen eine idyllische Atmosphäre mit dem Duft des Apfelgartens zu erzeugen, der sich mit der bedrückenden Atmosphäre der Cholera-Epidemie abwechselt.

„Der geheime Apfelgarten – getrennte Welten“ hat mich begeistert. Ich freue mich schon auf den 2. Band „Der geheime Apfelgarten – Geteilte Träume“, der im April 2027 erscheinen soll.

Als der Himmel nach Hund roch

Verena Glass
Erzählung
509 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Verena Glass für das Rezensionsexemplar

Eine Liebeserklärung an die Vierbeiner

Der Roman „Als der Himmel nach Hund roch“ von Verena Glass ist eine tief berührende Liebeserklärung an die Vierbeiner.

Die Geschichte beginnt mit dem Tod von Camiro.
Dann erzählt Camiro sein Leben vom alten und pflegebedürftigen Tier bis hin zum kleinen Welpen.
Er hat die Familie viele Jahre begleitet und es gibt so viele schöne Erinnerungen.
Es gab chaotische Tage und schöne Urlaube.
Erinnerungen an seine kleine und wilde Schwester Loretta.
An Nachbars Garten. An immer gefüllte Näpfe. Und an viel Unsinn, den er angestellt hat.

Das Buch lebt durch seine Protagonisten.
Da ist Camiro, aus dessen Sicht die Geschichte zum großen Teil erzählt wird.
Camiro hat die Würde, die einem König gleichkommt. Er ist sehr liebenswürdig, aber auch ein kleiner Dieb.
Loretta, seine Schwester, ist die quirlige von den beiden Hunden.
Für Loretta sind Regeln, die Menschen aufstellen, immer eine Verhandlungssache.
Das Zusammenleben der zwei vom Wesen her verschiedenen Vierbeiner ist ein lebendiges Treiben.
Das Zusammenleben mit der Familie ist eine eingeschworene Gemeinschaft. Das Leben mit den Vierbeinern ist lebendig und macht allen Spaß.

Verena Glass hat eine originelle Erzählperspektive gewählt. Hier erzählen die Hunde zum Teil den Blick der Regenbogenbrücke zugewendet.
Die Geschichte ist emotional aufgeladen, wird aber mit viel Humor immer wieder aufgelockert.
Da hier die Hunde erzählen, schauen sie auf die Menschen und ihre Marotten werden mit einem Augenzwinkern erzählt.

Die Handlungsorte werden auch aus Sicht der Tiere beschrieben. Sie wechseln zwischen dem liebevollen Zuhause und den Urlaubsorten wie der Ostsee.

Der Schreibstil von Verena Glass ist flüssig und gut verständlich. Ich habe das Klappern der Näpfe, auf das die Tiere immer schon gewartet haben, beim Lesen hören können.

Auch wenn die Geschichte durch Trauer um einen langen Wegbegleiter geprägt ist, ist es kein trauriges Buch.
Es ist eine Geschichte voller liebenswerter Erinnerungen an ein geliebtes Haustier.
Eine Geschichte, die allen Gleichgesinnten Mut macht, ihre Trauer zu überwinden.

Brightsand Bay – Zeit für Liebe

Jo Weiler
Roman
456 Seiten
erschienen im Maximum Verlag
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Maximum Verlag für das Rezensionsexemplar

Es geht aufregend weiter

Im Mittelpunkt stehen Emily „Mimi“ Green und ihr Bruder Finn. Seit dem frühen Tod der Eltern ist Finn für seine Schwester da. Die Beiden sind unzertrennlich und führen gemeinsam den elterlichen Fährbetrieb weiter.
Dank des Kredits von Aidan, ist der Fährbetrieb erst einmal gerettet. Auch gibt es neue Ideen, wie man die Fähre rentabler machen kann.
Die Liebe zwischen Emily und Aidan wurde abrupt beendet, denn es hat sich rausgestellt das sie Geschwister sind.
Mittlerweile haben beide eine neue Beziehung.
Doch im arbeitet Felicity daran, ein Geheimnis aufzudecken.

„Brightsand Bay – Zeit für Liebe“ ist der 2. Band der Brightsand-Reihe von Jo Weil und eine gelungene Fortsetzung.

Die Geschichte lebt durch ihre wunderbaren Charaktere und durch das schöne Setting. Der Autor beschreibt die Küste von Cornwall auf eine sehr anschauliche Art. Man hat schnell Bilder vor Augen. Das schöne Cottage, den Fähranleger, den Leuchtturm. Eine traumhafte Landschaft. Man bekommt beim Lesen Fernweh.

Die Charaktere sind sympathisch. Emily ist manchmal etwas impulsiv und etwas naiv. Sie gefällt mir aber so wie sie ist. Ihr Bruder Finn gefällt mir auch gut. Er verzichtet auf eine Beziehung, nur damit Emily nicht mit noch mehr Problemen konfrontiert wird.
Wieder droht ein Geheimnis ans Licht zu kommen.
Doch wird die Enthüllung abrupt verhindert und der 2. Band endet mit einem Cliffhanger.

Jo Weil erzählt die Geschichte auf einen schöne und ruhige Art. Ich bin schnell tief in die Geschichte eingesunken.
Doch eine Kritik habe ich leider. Die Ausschnitte aus dem Historischen Liebesroman, der fast schon einem Pornoheftchen ähnelt, den Emily so gerne liest, hätte ich nicht gebraucht. Auch die Unterhaltung zwischen Emily und den Protagonisten aus dem Roman hat die Geschichte etwas ins Lächerliche gezogen. Ich habe diese Passagen im 2. Band überlesen.
Dafür ziehe ich einen Stern ab, sonst hätte der Roman dicke 5 Sterne verdient.

Davon abgesehen ist „Brightsand Bay – Zeit für Liebe“ ein Roman mit Drama und Liebe, den ich gerne gelesen habe.
Ich freue mich schon auf den 3. Band „Brightsand Bay – Zeit für Leidenschaft“ und bin schon gespannt, wie Jo Weil die Geschichte enden lässt.

Sylt Rache

Jona Jensen
Kriminalroman
236 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Jona Jensen für das Rezensionsexemplar

Mord im Maleratelier

Klappentext:
In Munkmarsch wird der berühmte Sylter Maler Johann Weber tot in seinem Atelier aufgefunden. Ein zerkratztes und mit Farbe übergossenes Gemälde gibt der Polizei Rätsel auf. Warum wurde das Bild zerstört? Und warum passiert das kurz vor einer Ausstellung, die Webers Karriere endgültig krönen sollte?

Schnell wird Hauptkommissarin Mona Fedder und ihrem jungen Kollegen Dominik Kirschbaum klar, dass Johann Weber nicht der Mann war, für den ihn alle hielten. Nicht nur, weil er eine heimliche Geliebte hatte. In seinen düsteren Gemälden verbirgt sich auch eine Schuld, die Jahrzehnte zurückreicht. Eine Schuld, die nie vergessen wurde. Und für die nun vielleicht jemand Rache geübt hat.


„Sylt Rache“ ist der 2. Band der Reihe „Fedder und Kirschbaum ermitteln“ von Jona Jensen.

Der Maler Johann Weber steht kurz vor einer großen Ausstellung, die viele Interessenten der Kunstwelt nach Sylt bringen wird. Jetzt wird er tot in seinem Atelier aufgefunden. Ein Bild des Malers wurde völlig zerstört.
Hauptkommissarin Mona Fedder und ihr junger Kollegen Dominik Kirschbaum ermitteln in diesem Fall.
Als sie sich im näheren Umfeld des Malers umhören, erfahren sie, dass er eine Geliebte hatte. Aber auch sonst war Johann Weber nicht der, für den ihn die meisten hielten.

Das Ermittlerduo ist grandios.
Hauptkommissarin Mona Fedder ist eine erfahrene Ermittlerin. Ihr wurde im 1. Band ein neuer Kollege zur Seite gestellt. Dominik Kirschbaum ist jung und unerfahren. Doch nachdem sie ihren ersten Fall erfolgreich gelöst haben, sind sie schon fast ein eingespieltes Team.

Jona Jensen erzählt die Geschichte von Beginn an spannend und hält die Spannung auch bis zum Ende aufrecht.
Der Schreibstil von Jona Jensen ist flüssig und gut verständlich.
Jona Jensen baut unvorhersehbare Wendungen in die Geschichte ein.
Das Ende war überraschend, aber stimmig.
Auch der Inselflair wird von der Autorin gut vermittelt.

„Sylt Rache“ ist eine gelungene Fortsetzung der Krimireihe.
Ich bin schon auf den 3. Band gespannt.

Ist doch schön hier

Miriam Burdelski
Roman
376 Seiten
erschienen im Blessing Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Blessing Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein Roadtrip gegen das Vergessen

Klappentext:
Als Liesel ihre Großmutter Emmi auf eine Reise in die ehemalige Provinz Ostpreußen begleitet, sucht sie mehr als nur einen Ort, sie sucht Antworten. Antworten auf die Fragen, die zwischen den Generationen stehen, auf die Geheimnisse, die sich in vergilbten Kalendern und in Emmis Schweigen verstecken. Zwischen Birkenalleen, alten Gutshäusern und dem Rauschen der Ostsee entfaltet sich eine Geschichte von Verlust und Hoffnung, von Schuld und Liebe. Doch je näher Liesel der Vergangenheit kommt, desto deutlicher spürt sie: Heimat ist kein Ort, den man auf der Landkarte findet. Heimat sind die Menschen, die bleiben, wenn alles andere verschwindet.

„Ist doch schön hier“ ist der neue Bestsellerroman von Mirjam Burdelski.

Liesel nimmt ihre geliebte Großmutter Emmi mit auf einen Roadtrip in Emmis Vergangenheit. Begleitet werden sie von Jascha, der im Seniorenheim arbeitet, wo Liesels Großmutter lebt.
Großmutter Emmi driftet mit ihrer Demenz immer mehr in die Vergangenheit ab.
Jascha schlägt vor, mit Emmi nach Polen, in die Region des früheren Ostpreußens zu fahren, um ihrer Vergangenheit näher zu sein.
Auf dem Weg dorthin wird Liesel immer wieder mit der Demenz ihrer Großmutter konfrontiert. Kommt aber auch ihrer Familiengeschichte ein Stück näher.

Mirjam Burdelski lässt ihre Charaktere richtig lebendig werden. Es sind richtige Herzensmenschen.
Liesel ist eine beeindruckend starke, junge Protagonistin. Ihre Hartnäckigkeit und der Mut, sich der Familiengeschichte zu stellen, tragen die Geschichte.
Großmutter Emmi mit ihrer Demenz wird authentisch beschrieben. Die Autorin zeigt die Tragik der Krankheit mit ihrer Verwirrung und Angst sehr genau auf.
Jascha ist eine polnische Pflegekraft. Er ist eine gute Stütze und so etwas wie ein Ruhepol. Er ist sehr geduldig und einfühlsam. Genau das, was Liesel zur Unterstützung auf der Reise braucht.
Melanie, Liesels Mutter bleibt zu Hause zurück. Sie leidet unter Depressionen.
Doch in Liesels Gedanken ist Melanie immer dabei. Auch für Melanie wird die Familiengeschichte aufbereitet.

Miriam Burdelski spannt einen großen Bogen zwischen der Trostlosigkeit der Wohnung in Deutschland, dem Pflegeheim und Kudern im ehemaligen Ostpreußen.
Die Landschaft in Polen wird anschaulich beschrieben. Die weiten Birkenalleen und die maroden Gutshäuser konnte man sich gut vorstellen.
In Emmi erwachen Erinnerungen an ihr früheres zu Hause und an die Flucht.

Miriam Burdelski überzeugt mit ihrer Sprache. Die Autorin kann gut mit Worten jonglieren.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, gut verständlich und klar. Sie verzichtet auf zu viele Schnörkel.
Die Themen Flucht, Schuld und auch das Altwerden, sind gut in die Geschichte integriert.

Auf mich hatte die Geschichte eine Sogwirkung, ich konnte kaum aufhören zu lesen.

„Ist doch schön hier“ ist ein tief berührender und nachhaltig beeindruckender Generationenroman.