Ich dachte schon, du fragst mich nie

Gabriella Engelmann
Roman
erschienen im Knaur Verlag
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an www.vorablesen.de für das Rezensionsexemplar.

Unterhaltsame Geschichte mit Urlaubsfeeling

Seit dem Tod ihres Mannes, sind die Töchter Liv und Pauli für Sophie zum Lebensmittelpunkt geworden.
Sophie unterstützt die Mädchen wo immer sie kann.
So auch Liv bei ihrem Traum von einem eigenen Restaurant.
Doch am Tag der Eröffnung stürzt Liv und bricht sich Oberschenkelhals und Arm.
Die Gäste sind wahrscheinlich schon im Anmarsch, in der Küche ist alles für das Menü vorbereitet, doch ohne Liv läuft nicht. Sophie ist in der Küche nicht zu gebrauchen.
Da kommt ein rettender Engel in Form eines attraktiven Mannes, den Sophie vor ein paar Wochen schon einmal auf Mallorca gesehen hat.
Sophie nimmt gerne seine Hilfe an und stürzt in ein wahres Gefühlschaos.

„Ich dachte schon du fragst mich nie“ ist ein locker, leichter Roman von Gabriella Engelmann mit ganz viel Urlaubsfeeling.
Die Protagonisten gefallen mir alle sehr gut.
Besonders natürlich Sophie und Marc.
Sophie ist eine starke Frau die sich mit ihren Töchtern nach dem Tod ihres Mannes alleine durchschlagen muss.
Marc ist Unternehmensberater auf Mallorca und seines Zeichens Hobbykoch.
Auch ihre 2 Töchter Liv und Pauli sind tolle Charaktere.
Pauli hat ihren ersten Liebeskummer.
Liv hat sich in einem Cook-up Restaurant eingemietet.
Dummerweise passiert ein Unfall und Liv ist außer Gefecht gesetzt.
Da kommt der rettende Engel Marc.
Er übernimmt fürs erste die Küche.
Und nun nimmt das Gefühlschaos seinen Lauf.

Die Handlungsorte sind Hamburg und Mallorca.
Besonders gut haben mir die Ortsbeschreibungen auf Mallorca gefallen. Es ist fast so als wäre man selber vor Ort.
Auch hier trifft der Leser auf tolle Charaktere und auf die Eselsdame Antena die kein Rot sehen kann ohne wild zu werden.

Der Schreibstil von Gabriella Engelmann ist unkompliziert und flüssig.
Die Geschichte macht gute Laune und das Lesen jede Menge Freude.
Genau das was man in der momentanen Zeit brauchen kann.

Deadly Rendezvous – Süßer Kuss der Gefahr

Sabine Strick
Roman
erschienen bei eBooks von beHEARTBEAT
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an die Bloggerjury für das Rezensionsexemplar.

Ein bisschen Romance, ein bisschen Crime

Lara hat ein Bild von dem berühmten französischen Filmstar Brice Montaigneux gemalt und ein Foto auf Instagram veröffentlicht.
Dieses Foto erregt Brice’s Aufmerksamkeit und er stellt Lara in Aussicht das Bild zu kaufen.
Hierzu lädt er Lara auf seinen Landsitz bei Bordeaux ein.
Aus einer geplanten Übernachtung wird schnell eine Woche. Beide finden sich sympathisch.
Brice, der vor hat seine Memoiren zu schreiben macht Lara das Angebot für ihn als Privatsekretärin zu arbeiten.
Lara nimmt den Job an. Doch je mehr sich Lara mit den Memoiren von Brice beschäftigt, desto öfter stellt sich ihr die Frage ob an dem Mordverdacht unter dem Brice vor einigen Jahren stand etwas dran ist.

„Deadly Rendezvous – Süßer Kuss der Gefahr“ von Sabine Strick ist eine Mischung aus Romance und Crime.
Wie schon die Dominique Demesy Reihe besticht auch dieses Buch durch die wunderschöne Beschreibung von Orten und Landschaften.
Die Gegend um Bordeaux, die Region Aquitaine und Biarritz müssen wunderschöne Orte sein zu denen ich mich in diesem Buch hinträumen konnte.
Beim lesen bekommt man wirklich das Gefühl direkt vor Ort zu sein.

Die Protagonisten waren mir auch schnell sympathisch.
Lara, die zurzeit keinen Job hat nimmt eine Stelle bei dem berühmten Filmstar und Unternehmer Brice Montaigneux an.
Brice der sich mittlerweile aus dem Filmgeschäft zurückgezogen hat, widmet sich seinen anderen Unternehmen, seinem Weingut und seinem Gestüt.
Mir hat auch gefallen wie freundschaftlich er mit seinen Hausangestellten und seinem Chauffeur umgegangen ist.

Natürlich entwickeln die 2 Charaktere schnell Gefühle füreinander.
Dazwischen steht aber immer die Frage, die sich Lara stellt. Was war wirklich an dem Mordverdacht gegen Brice dran?

Lange habe ich hin und her gerätselt ob Brice wirklich fähig ist einen Menschen zu ermorden. Auch wenn er das wohl in seinen Filmen zu genüge getan hat aber würde er das auch im echten Leben tun?

Am Ende wird es richtig spannend. Die Auflösung war für mich schon überraschend aber auch stimmig.
Das Buch hat mich gut unterhalten. Es hat natürlich eine Liebesgeschichte zur Grundlage aber es enthält auch viel Spannung.

Ich muss ehrlich sagen, der Titel und das Cover hätten mich nicht dazu animiert das Buch zu lesen.
Der Grund, dass ich mich für dieses Buch entschieden habe war alleine die Autorin Sabine Strick, die mich schon mit „Der Himmel über Havanna“ und die Dominique Demesy Reihe begeistern konnte.

Kindheit

Tove Ditlevsen
Roman
erschienen im Aufbau Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an www.wasliestdu.de für die Leserunde.

Einfühlsame und prosaische Erzählung

„Kindheit“ ist der 1. Teil einer Trilogie der Schriftstellerin Tove Ditlevsen.
In diesem kleinen Büchlein erzählt die bereits 1976 verstorbenen Autorin ihre Kindheit.
Die Geschichte besticht durch ihren prosaischen Schreibstil.
Das Buch vermittelt den Eindruck einer sehr einsamen und ungeliebten Kindheit.
Aufgewachsen ist Tove in einem Arbeiterviertel, die Familie war eher ärmlich, der Vater oft arbeitslos. Das Verhältnis zwischen Eltern und Tove war eher distanziert.
In einem erstaunlichen, ja prosaischen Schreibstil erzählt die Autorin von diesen Jahren, von ihrer „Straße der Kindheit“.
Zwischendrin sind immer wieder Gedichte veröffentlicht die Tove als Kind geschrieben hat.
Gedichte die durch ihre Schönheit bestechen und die vergessen lassen, dass sie von einem Kind geschrieben wurden.

Im Anschluss an die Geschichte findet der Leser noch ein Nachwort von der Übersetzerin Ursel Allenstein. Dies gibt einen Aufschluss über das Leben und die Sucht der Autorin.
Eine bemerkenswerte Geschichte die mich auch auf die Bände „Jugend“ und „Abhängigkeit“ neugierig gemacht hat.

Das letzte Licht des Tages

Kristin Harmel
Roman
erschienen im Knaur Verlag
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an www.lovelybooks.de für das Leseexemplar.

Ein lang gehütetes Familiengeheimnis

Die Amerikanerin Liv ist gerade frisch geschieden, als ihre Großmutter Edith kommt und sie mit nach Frankreich nimmt.
Edith möchte Liv ihre Geschichte erzählen, findet aber den Mut nicht dazu.
Sie macht Liv mit ihrem Anwalt Julien Cohn bekannt und zeigt ihr das große Weingut und Champagnerhaus Chauveau.
Von beidem ist Liv sehr angetan.
Die Geschichte der Großmutter geht weit zurück in den 2. Weltkrieg, der Besatzung der Deutschen und der Résistance.
Es geht um Liebe und eine große Schuld die immer noch nach Vergebung sucht.

„Das letzte Licht des Tages“ ist ein einfühlsamer Roman über ein lang gehütetes Familiengeheimnis von Kristin Harmel.
Das Buch führt zurück in die Jahre 1940-1945 und erzählt die Geschichte von Edith Tierry aber auch die Geschichte von Céline, Inés und ihrem Mann Michel.
Die Kapitel wechseln sich zwischen Gegenwart und Vergangenheit ab.
In der Gegenwart begleitet Liv ihre Großmutter Edith nach Reims.
Liv hängt sehr an ihrer Großmutter, wenn diese auch sehr exzentrisch ist.
Edith, mittlerweile 99 Jahre alt möchte ihrer Enkelin ihr Geheimnis erzählen, findet aber den Mut nicht dazu.
Edith, die beste Freundin von Inés ist gleichzeitig die Brücke zwischen Gegenwart und Vergangenheit.
Die Kapitel der Vergangenheit sind mit Céline und Inés betitelt und erzählen von ihrer gemeinsamen Zeit auf dem Weingut Chauveau
Hier wird das Leben im Krieg und unter deutscher Bestatzung erzählt.
Der Leser erfährt aber auch einiges über die Résistance, über mutige Frauen und Männer die für die Freiheit Frankreichs gekämpft haben.

Aus den Teilen der Vergangenheit erschließen sich dem Leser langsam die Zusammenhänge und das Familiengeheimnis wird aufgeblättert.
Am Ende gibt es dann noch eine überraschende Wende die mich sehr berührt hat.

Kristin Harmel erzählt die Geschichte einfühlsam und leicht verständlich.
Die Handlungsorte wie auch die Protagonisten sind gut in Szene gesetzt.
Mir hat das Lesen großen Spaß gemacht.

Wo wir Kinder waren

Kati Naumann
Roman
erschienen bei HarberCollins
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an www.vorablesen.de für das Rezensionsexemplar.

Ein Streifzug durch die (ost-)deutsche Geschichte

Die Cousinen Eva und Iris und ihr Cousin Jan sind die Nachkommen der Puppenfabrik Langbein.
Die Puppenfabrik hat viele Höhen und Tiefen überstanden. Die Weimarer Republik, den 1. und 2. Weltkrieg, die Teilung Deutschlands und die Verstaatlichung in der DDR. Nur die Wiedervereinigung nicht.
Eva, Iris und Jan räumen das Haus aus, indem die Familie seit ihrem Urgroßvater gelebt hat.
Viele Erinnerungen stecken in den Räumen.
Auch als bei einer Internetauktion eine der seltenen Langbein-Puppen versteigert wird und Eva diese ersteigert kommen viel Erinnerungen an die Kindheit und die Fabrik zurück.
Auch ein Funken Hoffnung fängt an zu sprießen. Hat die Fabrik noch einmal eine 2. Chance?

„Wo wir Kinder waren“ ist ein wunderschöner und tiefgründiger Roman von Kati Naumann der dem Leser einen guten Einblick in die (ost-) deutsche Geschichte gewährt.
Das Buch hat 2 Zeitebenen. Die Kapitel der Gegenwart wechseln sich mit denen der Vergangenheit ab.
In der Gegenwart räumen Eva, Iris und Jan das Stammhaus der Familie Langbein. Hier kommen viele Erinnerungen aus der Kindheit und von Erzählungen der Großeltern zurück.
Die Urgroßeltern haben das Haus und die Fabrik errichtet und seither hat die Familie hier gelebt und Puppen und Spielwaren hergestellt.

In der Vergangenheit geht es bis ins Jahr 1910 zurück. Damals wurden die Puppen noch in Heimarbeit hergestellt bis Albert Langbein seine Fabrik gegründet hat.
Hier erfährt der Leser viel über das Leben der Familie Langbein, die Entwicklung, die Höhen und Tiefen der Fabrik. Auch über die Bedeutung der Stadt Sonneberg als „Weltspielzeugstadt“ erfährt man so einiges.
Mir war Sonneberg bisher nur als Stadt der Glaswaren aus Lauscha bekannt.
Für mich, die in Westdeutschland aufgewachsen ist, ist es interessant zu lesen wie das Leben und die Strukturen in der DDR sich entwickelt haben.
Plötzlich ist es nicht mehr Recht sein eigener Herr zu sein.
Eine Generation die ihr Werk aufgebaut hat, für ihre Angestellten gesorgt hat und alles Geld wieder in das Werk gesteckt hat wurde enteignet.
Was das für die Fabrikbesitzer bedeutet haben muss, plötzlich nur noch ein Angestellter in deinem eigenen Werk zu sein ist in dieser Geschichte deutlich zu spüren.

Kati Naumann erzählt die Geschichte seht bildhaft, es entsteht beim Lesen ein richtiges Kopfkino.
Die Protagonisten sind durchweg sympathisch. Besonders lieb habe ich Otto und Flora Langbein gewonnen.

Auch Eva, Iris und Jan wurden mir im Laufe der Geschichte immer sympathischer.
War am Anfang noch eine Distanz zwischen ihnen, der von einem Familienzwist herrührt, nähern sie sich im Laufe des Buches immer mehr an.

„Wo wir Kinder waren“ wird ohne Zweifel zu den Highlights 2021 gehören.

Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid

Alena Schröder
Roman
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an www.vorablesen.de für das Rezensionsexemplar.

Eine Familiengeschichte authentisch und tiefgründig erzählt

Hannah besucht ihre Großmutter Evelyn, die in einer Berliner Seniorenresidenz lebt einmal die Woche.
Evelyn ist fast 100 Jahre und hat mit dem Leben abgeschlossen. Hannah hingegen sucht noch nach ihrem Weg, nach einem Platz wo sie hingehört.
Bei einem Besuch bei ihrer Großmutter findet Hannah einen Brief aus Israel.
In diesem Brief wir Evelyn als Erbin mehrerer Kunstwerke genannt, die der Familie im Nationalsozialismus gestohlen wurden und bisher verschollen sind.
Hannah ist nichts von jüdischen Vorfahren bekannt.
Ihre Großmutter weigert sich über ihre Vergangenheit und vor allem über ihre Mutter zu sprechen.
Hannah versucht das Familiengeheimnis zu lüften. Das führt zurück bis in die 1920er Jahre.

„Junge Frau am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ ist das Romandebüt von Alena Schröder.
Schon der außergewöhnliche Titel hat mich aufhören lassen, ich musste einen Blick in das Buch werfen.

Es ist die Familiengeschichte von 4 Frauen aus 4 Generationen.
Senta, Evelyn, Silvia und Hannah.
Wobei Senta und Silvia nicht mehr leben.
Die Geschichte wird in 2 Zeitebenen erzählt.

In der Gegenwart begleitet der Leser vor allem Hannah.
Hannah ist eine junge Frau von 27 Jahren die ihren Weg sucht. Ihre Mutter Silvia ist viel zu früh verstorben. Ihre Großmutter Evelyn ist die einzig lebende Verwandte die sie noch hat.
Neben einem verkorksten Liebesleben und einer Dissertation mit der sie nicht so recht vorankommt beschäftigt sie die Vergangenheit ihrer Großmutter.
Hannah stellt sich die Frage, wer sind die jüdischen Vorfahren die eine Kunstsammlung besessen haben?
Evelyn ist die Brücke zwischen Gegenwart und Vergangenheit.
Zu ihrer Mutter Senta hatte sie zeitlebens nur wenig Kontakt.
Sie weigert sich über ihre Mutter zu sprechen.
Mutterliebe kennt sie nicht. Vielleicht war das Verhältnis zu ihrer Tochter Silvia deshalb eher kühl.

In der Vergangenheit lernt der Leser Senta kennen. Bei ihr sind die Wurzeln der Geschichte zu finden:
Nach und nach erfährt man warum das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter so kühl und gezwungen ist.
Man liest von den Schrecken der Judenverfolgung und den Enteignungen. Die Protagonisten sind gut in Szene gesetzt und waren mir auch schnell sympathisch.
Der Schreibstil ist unkompliziert und flüssig.
Die Sprache ist vielschichtig, je nach Charakter, Situation und Zeit wandelt sie sich von flippig bis situiert.
„Junge Frau am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ ist ein Debütroman der besonderen Art.
Eine Familiengeschichte so authentisch, tiefgründig und unterhaltsam erzählt kann man nur gut finden.
Ich wünsche mir noch viele so gut erzählte Geschichten aus der Feder von Alena Schröder.

Marlenes Erbe

Ina Raki
Roman
erschienen im Tredition Verlag
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an Ina Raki für die Leserunde auf Lovelybooks.

Mut zum Neuanfang

Susa hat schon lange den Traum ihre eigenen Kleider zu entwerfen.
Der Mut den sicheren Job aufzugeben und auf eigen Beine zu stehen hatte sie allerdings bisher noch nicht gefunden.
Dann stirbt ihre Freundin Marlene durch einen Unfall und hinterlässt Susa ihr Haus mit Änderungsschneiderein in Seelhausen, einem kleinen Ort in der Eifel.
Nach kurzer Überlegung ergreift Susa diese Chance und zieht von der Großstadt München in das kleine Ort in der Eifel.
Hier führt Susa erste einmal die Änderungsschneiderei von Marlene weiter. Beim Durchstöbern des Hauses entdeckt Susa, dass auch Marlene ihre Geheimnisse hatte und versucht ihnen auf die Spur zu kommen.

„Marlenes Erbe“ ist ein erfrischender und lockerer Roman von Ina Raki.
Susa ist eine junge Frau die mir schnell ans Herz gewachsen ist.
Sie hat einen Traum aber es fehlt ihr der Mut ihn zu verwirklichen.
Ihre Ängste, ihre Zweifel und auch ihre Euphorie werden in dieser Geschichte sehr lebensnah beschrieben.
Ich konnte mich richtig in Susa hineinfühlen.
Der Brief, den die verstorbene Marlene Susa überlassen hat gibt ihr Mut für einen Neuanfang.

Das Buch lebt durch seinen Charaktere die Ina Raki mit sehr viel Liebe zum Leben erweckt hat.
Susa findet schnell Kontakt zu den Bewohnern, findet neue Freunde.
Ich kann nicht sagen, wen ich von den Charakteren am liebsten mag. Sie haben alle ihre liebenswerten Seiten.

Es macht Spaß Susa auf ihrem Weg zu begleiten, mit ihr neue Menschen kennenzulernen, das eine oder andere Glas Wein mit ihr zutrinken ja, und auch mit ihr zu leiden, wenn das Leben eine andere Richtung nimmt als gewollt.
Es macht Spaß zu erleben wie neue Kleider entstehen, wie Susa ihre Gedanken auf ein Blatt Papier bringt.
Und für alle Katzenliebhaber gibt es Eddi, ein wirklich süßer Kater den ich sofort adoptieren würde.

„Marlenes Erbe“ ist ein Buch über einen Neuanfang, über Mut dem Leben eine neue Richtung zu geben. Es macht einfach nur Freude es zu lesen.

Der Wahnsinn, den man Liebe nennt

Brigitte Riebe
Roman
erschienen bei dot.books
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Ein Ende kann auch ein Neubeginn sein

Susa Bergmann muss feststellen, dass ihr Mann Wolf ein Doppelleben führt.
Seit Jahren schon hat er eine Geliebte und sogar eine 5-jährige Tochter.
Für Susa bricht eine Welt zusammen, sie verlässt die gemeinsame Wohnung.
Susa kommt bei ihrer Mutter unter und erfährt von ihr ein langgehütetes Familiengeheimnis.
Auch ihr Vater hat eine außereheliche Tochter.
Als Susa klar ist, dass sie eine Halbschwester hat lässt sie der Gedanke sie kennenzulernen nicht mehr los.

„Der Wahnsinn, den man Liebe nennt“ ist ein sehr emotionaler Roman von Brigitte Riebe und so ganz anders als alles was ich bisher von der Autorin gelesen habe.
Im Mittelpunkt steht Susa Bergmann, eine sympathische junge Frau der das Schicksal böse mitspielt.
Als sie erfährt, dass ihr Mann sie seit vielen Jahren betrügt und das er sogar eine Tochter hat zieht es ihr den Boden unter den Füßen weg.
Die Autorin beschreibt die Situation in der sich Susa befindet sehr ehrlich und emotional, ohne ins kitschige abzudriften.
Für Susa bricht eine Welt zusammen. Manchmal ist sie kaum in der Lage ihrer Arbeit nachzugehen. Sie sinkt einfach zu Boden und lässt die Tränen fließen. Dann gibt es wieder Momente in denen Susa noch Vorne sieht, dank ihrer besten Freundin Bille die ihr immer wieder Mut zuspricht. Sie ist es auch der Susa dazu ermutigt nach ihrer Halbschwester zu suchen.
Zwischendurch gibt es immer wieder Rückblenden so, dass der Leser nicht nur das Ende der Beziehung zwischen Susa und Wolf mitbekommt, sondern auch das Kennenlernen, die Heirat und das Zusammenleben.
Hier ahnt man als Leser schon, dass Wolf Susa irgendwie immer seinen Willen aufgedrängt hat, dass er immer seine Vorteile gesucht hat. Dem Leser wird der wahre Charakter von Wolf schnell klar.

Brigitte Riebe erzählt mit „Der Wahnsinn, den man Liebe nennt“ eine Geschichte die das Leben leider gar nicht so selten schreibt. Das Buch hat mich sehr berührt und ich habe mehrere Male zum Taschentuch greifen müssen.
„Der Wahnsinn, den man Liebe nennt“ ist ein Buch das Mut macht, dass einem sagt, „nicht aufgeben, ein Ende kann auch immer ein neuer Anfang sein“.

Die Schweigende

Ellen Sandberg
Roman
erschienen im Penguin Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Eine fesselnde und gleichzeitig erschreckende Geschichte

„Die Schweigende“ ist der neue Roman von Ellen Sandberg.
Wie schon in den vorherigen Büchern der Autorin gibt es auch hier wieder zwei Zeitebenen.
Einmal die Gegenwart, wo Karin um ihren verstorbenen Mann trauert, sich in dem großen Haus einsam fühlt.
Die Töchter Imke, Geli und Anne sind erwachsen und führen ihr eigenes Leben, haben ihre eigene Familie.
Die Kinder haben sich immer mehr zu ihrem Vater hingezogen gefühlt. Er war es der die Familie zusammengehalten hatte, der den Kindern die nötige Wärme gegeben hat.
Karin war eher eine gefühlskalte Mutter. Die Mädchen können sich nicht erinnern, dass sie von ihrer Mutter einmal in den Arm genommen wurden.
Imke hat ihrem Vater auf dem Sterbebett versprochen eine ihr unbekannte Person zu finden, die mit der Vergangenheit ihrer Mutter in Verbindung steht.
So fühlt Imke sich verantwortlich für ihre Mutter, bietet ihre Hilfe an, was auf Unverständnis bei den Schwestern und auf Ablehnung bei der Mutter stößt.

Die 2. Zeitebene führt den Leser zurück in die Jahre 1956 – 1958.
Karin, ihr Bruder Peter und ihre Mutter führen eigentlich ein normales Leben.
Nur, dass die Mutter für den Familienunterhalt sorgen muss da der Vater im Krieg gefallen ist.
Die Kinder gehen aufs Gymnasium, haben gute Noten. Karin möchte einmal Medizin Studieren und Peter aufs Konservatorium.
Dann schließt Karin sich einer Clique an, hört gerne Rock n Roll und trägt Jeans.
Das ruft 2 Nachbarinnen auf den Plan die Karin mit skeptischer Miene mustern und beobachten.
Als eines Tages das Jugendamt vor der Tür steht beginnt das Blatt sich zu wenden.

In der Gegenwart wechseln sich die Kapitel zwischen Karin, Imke, Geli und Anne ab.
Man erfährt mehr über die Frauen und über ihr Leben.
Zwischendurch gibt es immer wieder Kapitel die in Karins Vergangenheit zurückführen.

Am Anfang liest sich das Buch wie eine schöne Familiengeschichte.
Doch dann wird aus der Geschichte eine schreckliche Erinnerung aus Karins Leben.

Ellen Sandberg beschreibt die Zustände in dem Erziehungsheim schonungslos und ungeschönt.
Mir hat es nicht nur einmal den Atem verschlagen welche Zustände damals geherrscht haben müssen.
Man hat ja schon viel über die Misshandlung der Schutzbefohlenen in Kinderheimen gelesen.
In diesem Buch erlebt der Leser das geschehen hautnah mit.
Langsam beginnt man Karin zu verstehen. Begreift warum sie keine Gefühle zulassen kann.
Bekommt mit, welche Auswirkungen das auch noch auf die nachfolgende Generation hat.

Ellen Sandberg hat diesem Buch ein wichtiges Thema zugrunde gelegt.
Ein Thema über das nicht geschwiegen werden darf, auf das die Öffentlichkeit aufmerksam gemacht werden muss.
Ich kann nicht abschätzen wie viele Menschen es da draußen gibt die ähnliches erlebt haben.
Man kann das Erlebte nicht mit einer Wiedergutmachung vergessen machen. Aber man soll die Menschen hören, ihnen das Gefühl geben, dass sie gehört werden. Dass sie geliebt werden. Dass sie vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft sind.

Hinter dem Namen Ellen Sandberg verbirgt sich keine geringerer als die Bestsellerautorin Inge Löhnig die ich für ihre spannenden Krimis schätze.
Der Name Ellen Sandberg ist mittlerweile genauso bekannt und steht für grandiose Romane und menschliche Schicksale.

Marigolds Töchter

Julia Woolf
Roman
erschienen im List Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an www.vorablesen.de für das Rezensionsexemplar.

Wenn im Kopf Nebel aufzieht

Marigold ist gerne für die Familie da. Sie ist glücklich, wenn sie gebraucht wird, versorgt liebevoll ihren Mann, ihre 2 Töchter und ihre Mutter.
Dazu führt sie noch einen kleine Laden in dem die Dorfbewohner die Dinge des täglichen Bedarfs kaufen können und ist in einigen Komitees tätig.
Sie ist einfach immer für alle da.
Doch dann fängt sie an Dinge zu vergessen, fühlt sich müde und antriebslos.
Marigold schiebt es aufs Alter und überspielt die Gedächtnislücken geschickt.
Es dauert lange bis ihr Umfeld merkt, dass es Marigold immer schlechter geht.

In ihrem Roman „Marigolds Töchter“ behandelt Julia Woolf ein Thema mit dem immer mehr Menschen konfrontiert werden. Die Demenz.

Julia Woolf zeigt das Empfinden der Demenz aus verschiedenen Perspektiven auf.
Einmal aus der Sicht der Betroffenen, also Marigold. Sie erklärt sich ihre Vergesslichkeit mit dem Alter. Sie fängt an sich alles zu notieren, doch oft vergisst sie dann in ihr Notizheft zu schauen.
Sie ist sehr darum bemüht, dass ihr Umfeld nichts bemerkt.
Auch der Arzt tut es bei ihrem ersten Besuch mit dem Alter ab. Also weitermachen und das Ganze nicht so ernst nehmen.
Doch im Inneren merkt sie, dass etwas nicht stimmt. Man liest über ihre Ängste vor dem was kommt, vor dem Unbekannten.

Ihre Töchter Daisy und Suze merken schon, dass die Mutter vergesslich wird und immer mehr Notizen macht. Auch sie schieben es aufs Alter.
Suze ist ein etwas egoistischer Charakter, mehr mit sich beschäftigt als das sie bemerkt wie schlecht es ihrer Mutter manchmal geht.
Daisy schiebt es darauf, dass sie 6 Jahre in Mailand gelebt hat und ihre Mutter nicht oft gesehen hat. Dass es ihr deswegen so vorkommt als baue ihr Mutter rapide ab.

Nan die Mutter von Marigold will es gar nicht wahrhaben. Schließlich ist sie ja schon über 90 und steht mit einem Fuß schon im Grab.

Dennis, ihr Mann liebt und vergöttert sie. Er nennt sie immer liebevoll Goldie.
Er bekommt am wenigsten davon mit. Mir schien es als verschließe er aus Angst seine Frau zu verlieren die Augen.

Trotz dem ernsten Thema ist „Marigolds Töchter“ eine schöne Familiengeschichte mit wunderbaren Charakteren.
Julia Woolf beschreibt die schöne Umgebung des kleinen Küstenorts in England recht bildhaft.
Sie lässt den Leser am Familienleben und der Dorfgemeinschaft teilhaben.
Ja und auch der Humor fehlt nicht, es gibt durchaus das eine oder andere mal etwas zum Schmunzeln.