Blüten für eine neue Welt

Thea Lehmann
Historischer Roman
411 Seiten
erschienen bei Tinte & Feder
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Gelungener Auftakt der Seidenblumen-Saga

Klappentext:
Dresden 1865: Während in Sachsen immer mehr Schornsteine die Luft mit Ruß füllen, entwickelt sich in einer kleinen Grenzstadt ein völlig anderes Gewerbe. Hunderte von böhmischen Blumenmädchen fertigen in Sebnitz Seidenblumen. Die junge Carla ist eine von ihnen, doch sie träumt zwischen Stoffblumen und Kleister von mehr als dem bescheidenen Los einer einfachen Blumenarbeiterin. Mit dem Geschick ihrer Mutter und kühnen Ideen wagt sie es, die Grenzen ihrer Zeit zu überwinden.

Doch der Erfolg hat seinen Preis: Die Gesellschaft verurteilt eine Frau, die nach Selbstständigkeit strebt. Der einzige Mann, der sie auf ihrem Weg unterstützt, ihr Jugendfreund Raimund, bittet sie, mit ihm fortzugehen, denn sein Vater, der evangelische Pastor der Stadt, billigt keine Ehe mit einer katholischen Einwanderin. Carla will ihre Mutter nicht alleine zurücklassen und Raimund verspricht, wiederzukommen. Jahrelang hört Carla nichts von ihm, bis sie sich nach New York aufmacht, um neue Kunden zu gewinnen, und Raimund zu suchen.

„Blüten für eine neue Welt“ ist der 1. Band der Seidenblumen-Saga von Thea Lehmann.

Die Autorin entführt ihre Leser*innen nach Sachsen in das Jahr 1865.
Die Frauen haben zu dieser Zeit wenig Rechte. Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung sind so gut wie unmöglich.
Das Blumenmädchen Carla träumt von alledem. Nur Raimund, ihr Jugendfreund, steht an ihrer Seite. Da sein Vater, ein evangelischer Pastor, einer Heirat mit einer katholischen Einwanderin nie zustimmen würde, möchte er mit ihr fortgehen. Doch Carla muss bei ihrer Mutter bleiben und so zieht Raimund allein in die Welt.
Dann führt ihr Weg sie nach New York, um neue Kunden für die Stoffblumen zu
akquirieren. Führt der Weg sie auch zu Raimund?

Thea Lehmann erzählt die Geschichte auf eine ruhige und fesselnde Art. Nach wenigen Seiten bin ich tief in die Geschichte eingetaucht.

Die Charaktere sind recht unterschiedlich, sympathisch und lebendig.
Natürlich war meine liebste Protagonistin Carla. Sie lässt Raimund ziehen, da sie ihre Mutter nicht alleine lassen kann. Die Kunst der Seidenblumen wird gut beschrieben. Carla liebt diese Arbeit und man konnte sich gut in sie hineinfühlen.

Die Zeit der Handlung wird realistisch widergespiegelt.

„Blüten für eine neue Welt“ ist ein toller Auftakt der Seidenblumen-Saga und macht Lust auf mehr.
Der 2. Band „Blüten des Lebens“ erscheint im Januar 2027.

Okada-sans wundersame Reise mit dem Taxi der geheimen Wünsche

Yasushi Kitagawa
Roman
206 Seiten
Übersetzt aus dem japanischen von Bernd Sambale
erschienen bei Harper Collins
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Harper Collins Verlag für das Rezensionsexemplar

Die Suche nach dem Glück

Klappentext:
Auf einen Schlag zwanzig Kunden verloren, eine Tochter, die nicht zur Schule gehen will, das schlechte Gewissen, weil er sich um seine Mutter kümmern sollte, Shûichi Okada hält sich für den unglücklichsten Mann Japans. Und ausgerechnet er bekommt die Chance, sein Glück zu wenden, als ein mysteriöser Taxifahrer auftaucht und ihm anbietet, ihn immer genau dort abzusetzen, wo er den Weg zu einem glücklicheren Leben einschlagen kann. Shûichi steigt ein. Und Schritt für Schritt lernt er, dass Glück nichts ist, mit dem man geboren wird,
es ist das Ergebnis der Entscheidungen, die man trifft, und der positiven Energie, die man in die Welt bringt.

„Okada-sans wundersame Reise mit dem Taxi der geheimen Wünsche“ von Yasushi Kitagawa ist ein Buch über das Leben und dem Glück.

Im Mittelpunkt steht der Shûichi Okada. Er ist davon überzeugt, der unglücklichste Mensch Japans zu sein.
Shûichi verkauft Versicherungen und als verschiedene Kunden ihre Versicherung kündigen, muss er seine Prämie zurückzahlen. Dazu kommt noch, dass seine Tochter sich weigert, zur Schule zu gehen.
Ein mysteriöses Taxi hält vor Shûichi Okada. Der Fahrer prophezeit ihm, dass er so lange mitfahren kann, bis der Taxameter auf null steht. Der Fahrer wird Shûichi Okada an Orte fahren, wo er das Glück finden kann und sein Leben eine andere Richtung einschlägt.

Yasushi Kitagawa erzählt die Geschichte auf eine Art, die ich philosophisch nennen möchte. Ein schöner Gedanke, dass man, um Glück zu haben, Punkte sammeln muss, die man dann einlösen kann. Die gesammelten Punkte können auch von einer Generation davor aufgespart werden und an die nächste Generation weitergegeben werden. Das bedeutet, man soll nicht nur an sich denken, sondern auch die nächste Generation im Auge haben.
Damit das Glück einen findet, muss man guter Dinge sein, ein Lächeln auf den Lippen haben.

Shûichi Okada durchlebt in der Geschichte eine Wandlung. Zu Beginn ist er pessimistisch und ein echter Griesgram. Langsam hebt sich seine Laune und immer öfter erscheint ein Lächeln. Er fängt an, über Dinge nachzudenken, und überlegt, was er tun kann, um sein Leben in eine andere Richtung zu bringen.

Der Schreibstil von Yasushi Kitagawa ist flüssig und gut verständlich. Er findet viele schöne Worte und beschreibt das Glück und den Weg dahin auf eine philosophische Art und Weise.

„Okada-sans wundersame Reise mit dem Taxi der geheimen Wünsche „ st eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt.

Die unmögliche Rückkehr

Amélie Nothomb
Roman
132 Seiten
Übersetzt aus dem Französischen von Brigitte Große
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

len Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Die Reise nach Japan

Klappentext:
An Orte der Vergangenheit zurückkehren, an das anschließen, was einmal war, für Amélie Nothomb ist das unmöglich. Seit 12 Jahren war sie nicht mehr in Japan, dem Land ihrer Kindheit, das sie so liebt und zu dem sie eine so zwiespältige Beziehung hat. Doch als eine Freundin eine Reise gewinnt und Amélie kurzerhand als Fremdenführerin verpflichtet, kann sie nicht anders als sich mitreißen lassen. Sie entdeckt das Land aufs Neue und damit auch ihre Faszination. Denn die Rückkehr ist unmöglich, zum Glück.

In „Die unmögliche Rückkehr“ erzählt Amélie Nothomb wieder ein Stückchen aus ihrem Leben.

Als Tochter eines Diplomaten musste die Autorin in ihrer Kindheit und Jugend zusammen mit ihren Eltern oft den Wohnort wechseln. Dabei ist sie nicht nur in eine andere Stadt gezogen, sondern gleich in ein anderes Land.

Geboren wurde Amélie Nothomb in Japan, dem Land, das ihr von allen am meisten bedeutet hat. Als junge Erwachsene reist die Autorin zusammen mit ihrer Freundin wieder nach Japan. Doch das Land ist Amélie fremd geworden und sie muss es auf eine neue Art für sich entdecken.

Die Geschichte liest sich wie ein Reiseführer. Die Leser*innen lernen zusammen mit der Autorin das Land kennen.
Aber auch alte Erinnerungen der Autorin finden ihren Platz in diesem Buch.
So vermischen sich alte und neue Eindrücke.

Amélie Nothomb zeichnet ein deutliches Bild von sich, die in vielen Ländern aufgewachsen ist. Von Japan heute und den Erinnerungen des früheren Japans.

So wie Amélie Nothomb ihrer Freundin das Land und dessen Kultur zeigt, so zeigt sie es auch ihren Leser*innen.
Dabei hat Amélie Nothomb einen so schönen und poetischen Schreibstil. Die Geschichte hat viele schöne Sätze, die ich mir angestrichen hab. Die Autorin versteht es, mit der Sprache zu spielen.

„Die unmögliche Rückkehr“ hat mir, wie schon einige Geschichten von Amélie Nothomb wieder sehr gut gefallen.

Rosen im Asphalt

Felicitas Fuchs
Historischer Roman
410 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Zwei Leben – eine Freundschaft

Klappentext:
Linda kommt 1956 in einem Hamburger Krankenhaus zur Welt. Ihre Mutter lässt sie dort schon kurz nach der Geburt zurück. Das Mädchen wächst bei den Großeltern und in Heimen auf, in Armut und ohne Sicherheit, bis sie ein Zuhause findet, in dem sie gefördert wird. Im selben Jahr wird Irmi in Köln in geboren. Ihre Familie ist wohlhabend, aber ihre Mutter ist krank und überfordert. Daher kommt sie zunächst zu Verwandten ins Ausland. Als der Vater sie sechs Jahre später zurückholt, spricht Irmi kein Deutsch und fühlt sich in der eigenen Familie fremd. Zwei Mädchen aus Welten, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Doch als Irmi Linda in einem dramatischen Moment das Leben rettet, werden sie unzertrennlich. Ihre Freundschaft trägt sie durch fünf Jahrzehnte bundesdeutscher Geschichte, geprägt von Verlusten, Hoffnungen und Neubeginnen.

„Rosen im Asphalt“ ist ein sehr bewegender Roman von Felicitas Fuchs.
Von Felicitas Fuchs habe ich schon einige Bücher gelesen und wurde nie enttäuscht. Auf das neue Buch war ich schon gespannt.

Die Geschichte erzählt von zwei ganz unterschiedlichen Frauen, die eine Freundschaft verbindet, die über viele Jahrzehnte hält.

Die Geschichte beginnt 1956. Hier wird Linda in Hamburg geboren. Da die alkoholkranke Mutter das Mädchen im Krankenhaus zurücklässt, wächst Linda bei ihren Großeltern, in Heimen und Pflegefamilien auf, was immer auch einen Ortswechsel bedeutete.
Überall herrscht Armut und Linda erfährt wenig Zuneigung. Doch ihr ist noch ein sicheres Zuhause gegönnt. Linda kommt zu einer Pflegefamilie, bei der sie behütet und gefördert wird.

Im gleichen Jahr wird Irmi in Köln geboren. Ihre Familie ist wohlhabend, aber die Mutter ist krank und kann sich nicht um das Kind kümmern. So wächst Irmi in Amsterdam bei Verwandten auf. Der Vater holt Irmi erst mit sechs Jahren nach Hause. Das Kind fühlt sich in ihrem Zuhause fremd, kennt die Eltern ja nicht mehr und die deutsche Sprache kann Irmi auch nicht.

Die beiden so unterschiedlichen Mädchen treffen im Gymnasium aufeinander. Trotz ihrer so unterschiedlichen Geschichte und sozialen Verhältnisse freunden sich die Mädchen an. Es wird eine Freundschaft, die Jahrzehnte überdauert.

Felicitas Fuchs schickt ihre Leserinnen auf eine Reise durch sechs Jahrzehnte. Die Geschichte teilt sich in zwei Handlungsstränge auf. Einmal verfolgen die Leserinnen das Leben von Linda und einmal das von Irmi.
Die Mädchen wachsen auf verschiedene Weise auf. Irmi ist privilegiert, kommt aus einer wohlhabenden Familie. Aber auch ihr fehlt die Mutter und deren Zuneigung.

Felicitas Fuchs erzählt die Geschichte sehr realistisch. Man ahnt, wie prägend die Kinderjahre sind und wie sie später noch Einfluss auf das Erwachsenenleben haben.
Auch wird die Zeit der Handlung sehr realistisch widergespiegelt.

Die Charaktere sind sehr lebendig und man hat schnell den Eindruck, sie persönlich zu kennen.
Es ist schön, die Entwicklung von Linda und Irmi mitzuerleben. Man lernt sie praktisch bei der Geburt kennen und begleitet sie 60 Jahre.
Man erlebt eine Freundschaft, wie es sie selten gibt. Die Mädchen und später Frauen halten fest zusammen. Dabei kommt es immer wieder zu einem Stillstand in der Freundschaft. Beruf und Partner nehmen das Leben der Frauen ein. Doch wenn sie sich dann nach längerer Zeit wiedersehen, ist die alte Vertrautheit sofort wieder spürbar. Das bedeutet Freundschaft.

Felicitas Fuchs erzählt die Geschichte sehr fesselnd. Ich bin schnell tief in die Geschichte versunken und konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Dabei ist der Schreibstil der Autorin flüssig, gut verständlich und wortgewandt.

„Rosen im Asphalt“ ist ein Buch, das mich sehr beeindruckt hat.

The Sea Sisters

Lucy Clarke
Roman
3451 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Astrid Mania
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

emotional und fesselnd

Klappentext:
Katies geordnetes Leben in London bricht zusammen, als ihre eigenwillige jüngere Schwester Mia auf Bali tot aufgefunden wird: Sie stürzte von einer Klippe. Die Polizei behauptet, es sei Selbstmord gewesen. Nur mit Mias Reisetagebuch als Leitfaden geht Katie den letzten Monaten im Leben ihrer Schwester nach und beginnt Seite für Seite, das Geheimnis um ihren Tod zu lüften. Was sie herausfindet, verändert alles. Aber was, wenn die Wahrheit die Liebe zu ihrer Schwester und sie selbst, an den Rand des Abgrunds bringt?

„The Sea Sisters“ ist ein geheimnisvoller und spannender Roman von Lucy Clarke.

Im Mittelpunkt stehen die zwei unterschiedlichen Schwestern Katie und Mia.
Katie lebt in London, sie ist ruhig und verantwortungsbewusst.
Mia hingegen ist freiheitsliebend und unternimmt hier eine Weltreise.

Als Katie vom Tod ihrer Schwester auf Bali erfährt, ist sie am Boden zerstört. Die Polizei geht von einem Selbstmord aus, daran glaubt Katie nicht.
Katie nimmt das Reisetagebuch von Mia zur Hand und geht ihrer Reise nach. Stück für Stück kommt sie dem Geheimnis von Mias Tod auf die Spur.

Lucy Clarke erzählt die Geschichte sehr atmosphärisch und emotional.
Die Geschichte hat zwei Zeitebenen. In der Gegenwart begleiten die Leser*innen Katie auf der Suche nach einer Antwort auf den Tod ihrer Schwester. Katie versucht, den Verlust und ihre Trauer damit zu verarbeiten, in dem sie die Reise ihrer Schwester nachverfolgt.

Auf der zweiten Zeitebene lernen die Leser*innen die unternehmenslustige Mia besser kennen. Wir begleiten Mia auf ihrer Reise, lesen ihre Gedanken und Gefühle.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig. Sie haben Tiefe und die Leserinnen lernen sie von verschiedenen Seiten kennen.

Lucy Clarke erzählt die Geschichte atmosphärisch und emotional. Auch wenn es dieses Mal kein Thriller ist, so ist die Geschichte trotzdem fesselnd.

Die verschiedenen Handlungsorte werden anschaulich beschrieben.
Der Schreibstil von Lucy Clarke ist leicht, locker und unterhaltsam.
Die Atmosphäre passt sich der Geschichte an. Vom Urlaubsfeeling wechselt sie ins Geheimnisvolle und ins Spannende.

„The Sea Sisters“ ist ein unterhaltsamer wie auch spannender Roman.

Die Geheimnisse von Rosewell Castle

Corina Bomann
Roman
574 Seiten
erschienen im Penguin Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar

Fesselnd und atmosphärisch

Klappentext:
Als Isabel die beeindruckenden Hallen des schottischen Rosewell Castle betritt, spürt sie, dass hier ihre Chance auf ein neues Leben wartet. Absolviert sie die Ausbildung zur Butleresse erfolgreich, wird ihr Einlass gewährt in die glamouröse Welt der Lords und Ladys, sogar das Königshaus stünde ihr offen. Der Weg an die Spitze ist steinig, doch schon bald bietet ihr Garrett Hayes, der Musterschüler, seine Hilfe an. Dankend nimmt sie an, ohne zu ahnen, dass Garrett einen unmoralischen Plan verfolgt.
Eines Tages findet Isabel in der Bibliothek das Foto einer Frau, die ihrer verstorbenen Großmutter Bonnie erstaunlich ähnlich sieht, hatte ihre Großmutter etwa eine Schwester? Und was hatte diese mit Rosewell Castle zu tun? Isabel beginnt, Nachforschungen anzustellen, und stößt auf eine höchst dramatische Liebesgeschichte aus dem Jahr 1969, die enger mit ihrem eigenen Leben verwoben ist, als sie erahnt.

„Die Geheimnisse von Rosewell Castle“ ist der 1. Band einer Dilogie von Corinna Bomann.
Ich habe bisher alle Bücher von Corinna Bomann gelesen und mich schon auf den neuen Roman gefreut.

Diesmal entführt die Autorin ihre Leser*innen in die Welt der Butler und Butleressen. Rosewell Castle ist die Schule für angehende Rosewell Castle. Wenn man hier seinen Abschluss macht, steht einem die Welt des Adels offen.

Isabel hat ihre Arbeitsstelle verloren, auch ihr Freund hat sich von ihr getrennt. Jetzt braucht Isabel einen Neuanfang, und so bewirbt sie sich an der berühmten Schule, um eine Ausbildung als Butleresse zu machen.
Wenn man auf Rosewell Castle seinen Abschluss als Butler oder Butleresse schafft, steht einem die Welt der Häuser des Adels offen.
Der Weg dorthin ist steinig. Unterstützung findet Isabell durch den attraktiven Garrett Hayes.
Im Archiv der Bibliothek entdeckt Isabel ein Foto von einer Frau. Einer Frau, die ihrer verstorbenen Großmutter sehr ähnlich sieht.
Isabel fragt sich, ob ihre Großmutter eine Schwester hatte, die sie nicht kennt. Der Gedanke lässt Isabel nicht mehr los und sie stellt Nachforschungen an,

Die Geschichte hat zwei Handlungsstränge.
In der Gegenwart begleiten die Leser*innen Isabel in Roswell Castle und bei ihren Nachforschungen nach der Frau auf dem Foto.

Der zweite Handlungsstrang führt die Leser*innen in die Vergangenheit. Hier lernen wir Giselle kennen.
Die junge Frau bekommt eine Stelle als Hausdame auf Hallingham Hall.

Corinna Bomann erzählt die Geschichte wieder sehr unterhaltsam und fesselnd. Mir gefallen beide Handlungsstränge sehr gut. Wobei die Gegenwart im Vordergrund steht.
Die Leser*innen erfahren so einiges über die Ausbildung zum Butler oder zur Butleresse. Ich habe mir das nicht so schwierig vorgestellt. Aber klar, wenn man in einem hohen Hause arbeiten möchte, muss jeder Handgriff sitzen. Auch das Verhalten gegenüber den Arbeitgebern muss standesgemäß sein.

Auch die Vergangenheit um Giselle ist interessant. Auch sie hat es als Hausdame auf Hallingham Hall nicht einfach. Ich würde gerne noch mehr über Giselle erfahren.

Corinna Boman hat wieder großartigen Charakteren das Leben geschenkt.
Sie erzählt den Weg zweier Frauen unabhängig voneinander. Als Leser*in ahnt man natürlich, dass die Wege am Ende zusammenführen. Bis dahin ist allerdings noch ein weiter Weg.

Die Handlungsorte werden von Corinna Bomann anschaulich beschrieben. Ich konnte mir das ehrwürdige Rosewell Castle gut vorstellen.

Der Schreibstil von Corinna Bomann ist flüssig, gut verständlich und fesselnd.
Ich bin schnell, tief in die Geschichte eingetaucht und konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

Jetzt bin ich auf die Fortsetzung gespannt.
„Die Schatten über Hallingham Hall“ wird im November erscheinen.

Die unbekannte Sally Hemings

Barbara Chase-Riboud
Roman
610 Seiten
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Werner Peterlich
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Interessanter Roman, nicht ganz einfach zu lesen

Klappentext:
Über 200 Jahre wurde unter Verschluss gehalten, dass die wichtigste Frau an der Seite des dritten US-Präsidenten Thomas Jefferson seine Sklavin Sally Hemings war. Erst die international bekannte Künstlerin Barbara Chase-Riboud gab ihr mit diesem Roman eine Identität und ihre eigene Geschichte zurück. In ›Sally Hemings‹ zeichnet sie das Bild einer stolzen, eigenwilligen Frau, die statt Freiheit die Liebe wählte und zeitlebens um ihren Platz in Jeffersons Leben kämpfte.

„Die unbekannte Sally Hemings“ von Barbara Chase-Riboud, erzählt die Geschichte der Frau, die hinter dem US-Präsidenten Thomas Jefferson stand.

Im Mittelpunkt steht Sally Hemings, die wir zu Beginn als ältere Frau kennenlernen. Sie erzählt hier ihre Geschichte.
Sally kam schon als Kind mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern auf die Plantage Monticello von Thomas Jefferson.
Als Sally Hemings 15 Jahre alt war, begann ihre Liebesbeziehung mit Thomas Jefferson. Im Laufe der Jahre bekam sie 7 Kinder von Jefferson. Die Beziehung zwischen Sally und Jefferson blieb unentdeckt. Auch ahnte niemand, dass Jefferson der Vater von Sallys Kindern ist.
Erst im Jahre 1998 bestätigte eine DNA-Analyse, was einige vermuteten.

Barbara Chase-Riboud erzählt die Geschichte recht umfangreich, mit einigen Zeitsprüngen.
Ich habe etwas gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen. Man sollte diesem Buch auch die nötige Zeit geben.
Die ganzen familiären Verbindungen und Zugehörigkeiten sind auch nicht einfach zu verfolgen. Zum Glück ist dem Buch ein Stammbaum vorangestellt, der „die weisse Familie“ und einmal „die Sklavenfamilie“ aufzeigt. Ja, diese Unterschiede werden hier gemacht, denn Sally ist eine Sklavin und die Beziehung zwischen ihr und Jefferson bleibt geheim.

Barbara Chase-Riboud führt die Leserinnen in ein historisches Amerika, das diese hautnah erleben können. Als Leserin erfährt man viel über das Amerika der 1770er bis zu den 1830er Jahren. Die Zeit wird detailliert und interessant beschrieben.

Barbara Chase-Riboud lässt das Thema Sklaverei auferstehen und gibt auch hier detaillierte Beschreibungen.
Stellenweise ist das Buch eine lange Geschichtskunde, in der man viel Interessantes erfährt.

Der Schreibstil von Barbara Chase-Riboud ist nicht einfach zu lesen. Manchmal sind die Dialoge etwas sperrig. Doch mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Bei mir war das Interesse, mehr über Sally zu erfahren, so groß, dass ich immer weiterlesen musste.

Sally Hemings ist ein sehr interessanter Charakter. Sie hat von Barbara Chase-Riboud die Aufmerksamkeit bekommen, die ihr als Frau an der Seite des US-Präsidenten Thomas Jefferson eigentlich auch zusteht.

Gretas Männer

Judith Reusch
Roman
erschienen bei List (Ullstein Verlag)
268 Seiten
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Judith Reusch für das Rezensionsexemplar

große Leseempfehlung

Klappentext:
Greta war fünfmal verheiratet, und alle Ehemänner bis auf einen sind kurz nach der Hochzeit gestorben. »Die Bienenkönigin« nennt man sie in der Familie. Als ihre Enkelin Lola ihre kleine Tochter nach der unbekannten Großmutter benennt, bricht ein jahrzehntealter Familienkonflikt wieder auf. Warum hat Lolas Mutter Marie den Kontakt zu Greta abgebrochen? Neugierig besucht Lola die 87-Jährige und entdeckt hinter den Gerüchten eine Frau mit einer außergewöhnlichen Lebensgeschichte. Von den 1950er Jahren bis heute entfaltet sich ein bewegendes Panorama weiblicher Selbstbestimmung, tragischer Verluste und unerwarteten Glücks.

„Gretas Männer“ ist ein wundervoller Roman von Judith Reusch.

Im Mittelpunkt steht Greta. Sie war fünfmal verheiratet und vier ihrer Männer sind kurz nach der Hochzeit gestorben. Gerüchte haben sich um Greta gesponnen. Die Familie nahm Abstand von ihr. Jetzt hat Gretas Enkelin ihre Tochter nach ihrer Großmutter benannt und eine alte Geschichte wird aufgerollt.

Als Greta die Geburtsanzeige der kleinen Greta in der Zeitung liest, schreibt sie einen Brief an ihre gleichnamige Urenkelin. Dann nimmt die Geschichte ihren Lauf und lässt auch mich nicht mehr los.
Schon nach wenigen Seiten konnte ich dieses wunderbare Buch nicht mehr zur Seite legen.

Greta ist ein sympathischer Charakter, eine starke Frau, die so viel erlebt hat. Mir hat Greta sehr gut gefallen. Auch Lola, Gretas Enkelin, ist mir schnell ans Herz gewachsen. Sie teilt die Meinungen nicht, die sich die Familie über Greta gebildet hat. Besonders Marie. Lolas Mutter hat früh mit Greta gebrochen.
Lola hält nichts von Vorurteilen und möchte gerne die wahre Geschichte hören.
Und so lernen auch die Leser*innen Gretas Geschichte kennen.

Es geht um vier verstorbene Ehemänner. Um ein Leben mit vielen Schicksalsschlägen und um einen Mutter-Tochter. Konflikt, der seit Jahren brandet.

Judith Reusch erzählt Gretas Geschichte mit viel Gefühl. Es gibt Abschnitte die Greta erzählt, es gibt Rückblicke, Aufzeichnungen und Briefe.

Die Atmosphäre wechselt von unbeschwert und glücklich hin zu Trauer und Hilflosigkeit.

Judith Reusch hat einen angenehmen, klaren und fesselnden Schreibstil.
Mit „Gretas Männer“ hat die Autorin mich begeistert. Auch wenn es noch früh im Jahr ist, weiß ich jetzt schon, das Buch wird zu meinen Highlights 2026 zählen.

Ein Café voller Licht und Farben – Frühling auf Juist

Cara Lindon
Roman
231 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Cara Lindon für das Rezensionsexemplar

Ein Wohlfühlroman

Klappentext:
Nela liebt ihr Leben auf Juist, es ist so überschaubar wie die Insel selbst. Im Café „Strandgut und Zimt“ duftet es nach Rhabarberkuchen, draußen ziehen die Möwen ihre Kreise, und für ihre Tochter Lotti hat sie einen sicheren Alltag geschaffen. Mehr erwartet sie nicht vom Glück. Bis eines Tages ein Mann im Türrahmen steht, der aussieht, als hätte ihn der Wind vom Strand hereingeweht.
Levin ist Künstler, vergisst beim Malen Zeit und Hunger und trägt ein Geheimnis mit sich, das er lieber verschweigt. Er sieht Dinge, die andere übersehen, besonders Nelas Strandgutkunst und das Leuchten in Lottis Blick. Zwischen Aquarellfarben, gesammeltem Strandgut und den ersten warmen Frühlingstagen wächst eine Nähe, die Nelas sorgfältig geordnetes Leben durcheinanderbringt.
Doch wo Licht ist, sind auch Schatten: Ein Anruf, ein Name aus der Vergangenheit, und Nela merkt, wie brüchig ihr neues Glück ist. Als ihr Ex-Mann auf der Insel auftaucht, muss sie sich entscheiden, ob sie dem Frühling traut – und der Liebe, die leise anklopft.

„Ein Café voller Licht und Farben – ein Frühling auf Juist“ ist der 2. Band der Reihe „Jahreszeiten auf Juist“ von Cara Lindon. Die Autorin hat mich schon mit vielen Büchern begeistert, und mit dieser neuen Reihe ist es ihr wieder gelungen.

Der Frühling kehrt langsam auf Just ein, die Tage werden länger und das Licht leuchtender.

In diesem Band stehen Nela und ihre Tochter Lotti im Mittelpunkt. Nela ist alleinerziehende Mutter, der Mann und Vater von Lotti hat die Familie verlassen. Er kam nicht damit zurecht, dass Lotti „anders“ ist. Dabei ist Lotti so ein liebes und lebensfrohes Kind. Sie mag keine Berührungen, da muss man Rücksicht darauf nehmen.
Nela hat sich vorgenommen, allein für Lotti zu sorgen.
Sie backt Kuchen für das Café „Strandgut und Zimt“ und hilft auch im Café.

Als Nela den Künstler Levin trifft, schlägt ihr Herz schneller. Auch Lotti findet schnell Zugang zu Levin.

Cara Lindon hat wieder einmal liebenswerte Charaktere das Leben geschenkt.
Mir sind Nela und Lotti ganz schnell ans Herz gewachsen.
Auch Levin ist ein liebenswerter Charakter.
Und natürlich treffen die Leser*innen auch wieder den Kater Kiesel aus dem Café und auch die Siamkatze Mopsi hat mein Herz erobert.

Die beiden Kater begrüßen die Leser*innen zu jedem neuen Kapitel.

Mit der Geschichte bekommt man einen guten Einblick, wie es auf Just aussieht, wenn der Frühling langsam auf die Insel kommt. Die Tage werden länger und die Luft ist milder.

Das Café ist ein warmer Ort, wo man gerne verweilt. Ich habe beim Lesen, den Geruch von frischgebackenem Rhabarberkuchen in der Nase gehabt.

Cara Lindon erzählt die Geschichte in einem warmen Ton. Man muss sich beim Lesen einfach wohlfühlen. Die kleine Liebesgeschichte ist einfach schön mitzuerleben.

„Ein Café voller Licht und Farbe – ein Frühling auf Juist“ ist genau das richtige Buch, um es sich mit einem Tee und vielleicht mit einem Stück Rhabarberkuchen gemütlich zu machen.

Jetzt freue ich mich schon darauf, wenn der Sommer auf Juist Einzug hält.

Die Bibliothek der verlorenen Seelen

Alexander Pechmann
Illustriert von Paloma Tarrió Alves
278 Seiten
erschienen im Steidl Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Steidl Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine Reise durch die Welt der Spukgestalten

Klappentext:
Ob man nun an Geister glaubt oder nicht, sie begleiten uns unter zahllosen Namen und in vielerlei Gestalt, seit der erste Mensch sich seiner Sterblichkeit bewusst wurde. Aus der Hoffnung, dass ein Jenseits und neben der sichtbaren Welt eine unsichtbare existieren möge, wuchsen Religionen, Mythen, Märchen und Geschichten, die einander in ihren Grundzügen bemerkenswert ähnlich sind, selbst wenn sie aus unterschiedlichen Kulturkreisen stammen. Alexander Pechmann begibt sich in seinem von Paloma Tarrío Alves wunderschön illustrierten Band auf die Spuren der Schriftsteller, die sich dem Reiz des Unheimlichen nicht entziehen konnten.

„Die Bibliothek der verlorenen Seelen“ von Alexander Pechmann, trägt den Untertitel „eine Reise durch die Weltliteratur der Geister, Dämonen und Spukgestalten“.
Dieser Untertitel beschreibt das Buch genau und hat mich neugierig gemacht.

Das Buch ist in 5 Kapitel aufgeteilt und wird begleitet von schönen Illustrationen von Paloma Tarrió Alves. Zu Beginn werden den Leserinnen die unterschiedlichen Spukgestalten erklärt. Dann geht es auf eine Reise in die Weltliteratur. Denn genau wie viele Menschen haben sich auch Autorinnen schon mit Geistern und Dämonen beschäftigt.

Alexander Pechmann schreibt hier weniger einen herkömmlichen Roman als vielmehr eine Liebeserklärung an das Medium Buch. Wer Freude an literarischer Spurensuche hat und eine Vorliebe für die dunkle Romantik pflegt, findet hier eine meisterhafte Symbiose aus Fachwissen und Erzählkunst.

Berühmte Persönlichkeiten wie Mary Shelley, Edgar Allan Poe, Charles Dickens, Henry James und Shirley Jackson werden von Pechmann aus ihren Schreibstuben geholt. Sie werden als feinfühlige, oft verletzliche Menschen gezeichnet, für die der Spuk eine Notwendigkeit war, um die Welt zu begreifen.

Der Schreibstil von Alexander Pechmanns ist das Herzstück des Buches. Es gelingt ihm, akademische Präzision mit der fesselnden Atmosphäre einer klassischen Novelle zu verbinden. Der Ton ist anspruchsvoll, aber niemals trocken. Alexander Pechmann schreibt mit einer spürbaren Begeisterung für das Abstruse und Kuriose. Seine Sätze fließen elegant und fangen den nostalgischen Charme des 19. Jahrhunderts perfekt ein.

„Die Bibliothek der verlorenen Seelen“ ist eine ganz andere Art von Buch, die ich sehr interessant finde.