Das Geheimnis der Strandvilla

Corinna Kastner
Roman
549 Seiten
erschienen im Emons Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Emons Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine atmosphärische Spurensuche an der Ostsee

Zum Inhalt:
Mit ihrem Roman „Das Geheimnis der Strandvilla“ entführt Corinna Kastner ihre Leser*innen an die malerische Ostseeküste.
Im Mittelpunkt steht die Schriftstellerin Viktoria Brand. Bei ihren Lesungen, die meist von Frauen besucht werden, fällt ihr ein älterer Mann auf. Er bittet sie am Ende auch noch um ein Autogramm. Zu einem Gespräch hat es leider nicht gereicht, der Mann war zu schnell verschwunden.
Etwas später bekommt Viktoria die Nachricht, dass sie die Hälfte einer Strandvilla in Wustrow geerbt hat. Das kommt für Viktoria sehr überraschend, denn den Verstorbenen kannte sie nicht.
Neugierig geworden, schaut Viktoria sich die Strandvilla an. Hier erfährt Viktoria auch die Bedingungen, die an das Erbe geknüpft sind.
Die andere Hälfte der Strandvilla hat Roman Marendorff geerbt. Beide sollen 2 Monate zusammen in der Villa verbringen, um das Erbe zu bekommen.
Beim Durchstöbern des Hauses stößt Viktoria auf Ungereimtheiten, alte Briefe und Spuren, die auf ein Geheimnis hindeuten.

„Das Geheimnis der Strandvilla“ ist ein atmosphärischer Roman über Liebe und Geheimnisse von Corinna Kastner.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig.
Viktoria Brand ist Schriftstellerin. Sie besitzt viel Kreativität, die sie für ihren Beruf auch braucht, und ist neugierig. Aber sie ist auch verletzbar und hat ihre inneren Ängste.

Roman Marendorff hat die 2. Hälfte der Strandvilla geerbt. Er ist eher ein Pragmatiker und geht die Sache mit weniger Emotionen an.

Beide nehmen die Bedingung des Erbes an. Doch das Zusammenleben stellt sich als schwieriger raus als gedacht. Es kommt immer wieder zu Reibereien zwischen Viktoria und Roman.

Auch die Nebendarsteller sollen Erwähnung finden. Besonders die Dorfbewohner mit ihrer norddeutschen Distanziertheit bereichern die Geschichte.

Die Geschichte hat 2 Zeitebenen. Einmal die Gegenwart, in der das Geheimnis rund um die Strandvilla und die Familie gelüftet wird.
Dann gehen die Leser*innen in die Vergangenheit.
Im Mittelpunkt stehen die Zwillinge Doro und Marie, die ihre Ferien an der Ostsee verbringen. Als die Zwillinge in Seenot geraten, werden sie von Johann gerettet. Eine Liebesgeschichte entspinnt sich. Doch Johann ist nicht standesgemäß für eine der beiden Hotelerbinnen aus Stralsund. Hier nimmt das Drama aus Liebe und Gefühlen, die nicht sein dürfen, seinen Lauf.

Der Handlungsort wird von Corinna Kastner anschaulich beschrieben. Das Rauschen der Wellen, der salzige Wind, das wechselhafte Wetter und die einsame Melancholie der Strandvilla im Nebel erzeugen eine dichte, fast greifbare Atmosphäre.

Der Schreibstil von Corinna Kastner ist flüssig, gut verständlich und sehr bildhaft. Die Autorin bevorzugt leise Töne und eine präzise Sprache, die die Emotionen der Figuren perfekt vermittelt. Die Wechsel zwischen den Zeitebenen und den unterschiedlichen Perspektiven sind übersichtlich gestaltet, sodass man als Leser*in nie den Faden verliert, sondern immer tiefer in den Sog der Geschichte hineingezogen wird.

„Das Geheimnis der Strandvilla“ ist weit mehr als ein unterhaltsamer Roman. Es ist ein tiefgründiges, atmosphärisches Familiendrama über Schuld, das Schweigen von Generationen und die Suche nach der eigenen Identität.
Ich habe das Buch mit Freude gelesen und möchte es uneingeschränkt weiterempfehlen.

Signora Commissaria und die Insel der Träume

Alexander Oetker
Kriminalroman
272 Seiten
erschienen im Atlantik Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

Bravo, Bravisimo

Klappentext:
Mord in der Modewelt: Als die Polizei bei einer Verkehrskontrolle in Santa Croce eine Leiche im Kofferraum entdeckt, führt die Spur direkt in das glamouröse Imperium eines Florentiner Stardesigners. Das originellste Ermittlerteam der Toskana um Giulia Ferrari, den blinden Polizisten Enzo und Luigi, den Barista mit Kripo-Vergangenheit, stürzt sich in einen brisanten Fall voller Intrigen, Affären und Erpressung, während die Commissaria zugleich um ihre totgeglaubte Schwester kämpft, die nach zwanzig Jahren plötzlich wieder in ihr Leben tritt. Ein wendungsreicher, sinnlicher Krimi voll italienischer Sonne zwischen High Fashion, dem langen Arm der Mafia und köstlicher toskanischer Küche.

„Signora Commissaria und die Insel der Träume“ ist eigentlich der 4. Band der Reihe Giulia Ferrari ermittelt. Der 1. Band „Signora Commissaria und die dunklen Geister“ ist unter dem Pseudonym Pietro Bellini bei Droemer Knaur erschienen.

Von Alexander Oetker lese ich die Südfrankreich-Krimis sehr gerne. Mit dieser Reihe macht der Autor einen Abstecher in die Toskana. Auch hier kommen Spannung und das gute Essen nicht zu kurz.

Seine Charaktere sind wieder recht unterschiedlich und gefallen mir sehr gut.
Besonders die Gruppe der Ermittler.

Commissaria Giulia Ferrari hat ihr Elternhaus, das seit 20 Jahren leer stand, wieder bezogen. Sie hat das Haus hergerichtet und den Garten bepflanzt. Sie lebt nach langer Zeit wieder in dem Haus, in dem so viele Erinnerungen hängen, vor allem an ihre liebe Schwester.

Luigi Batista war einst der beste Commissario von Florenz. Heute betreibt er eine Cafébar und hilft nur noch im Notfall bei der Polizei aus. An seiner Seite ist immer sein Hund Tulipan.

Enzo Aleardi ist bei der Polizei meist für die Recherche verantwortlich. Er ist blind und es ist erstaunlich, wie sicher er sich an seinem Arbeitsplatz bewegt. Die Commissaria und Enzo sind mittlerweile liiert.

Der Fall ist recht kompliziert. Im Kofferraum von Signora Cavali wird bei einer Verkehrskontrolle eine Leiche gefunden. Bei dem Toten handelt es sich um David Giotti, den Sohn des reichen und bekannten Florentiner Stardesigners. Natürlich ist Singiora Cavali die Verdächtige Nummer 1, doch sie bestreitet, von der Leiche im Kofferraum gewusst zu haben.
Enzo Aleardi bittet Luigi Batista um Hilfe, da Commissaria Giulia Ferrari im Moment nicht im Dienst ist.

Die Commissaria weilt zur gleichen Zeit auf Sardinien, in der Hoffnung, ihre Schwester nach all den Jahren wiederzufinden.

Alexander Oetker baut gleich zu Beginn Spannung auf. Es macht Freude, dem Ermittlerteam bei seinen Ermittlungen über die Schulter zu schauen.
Dabei lockert der Autor seine Geschichte immer wieder durch Zwischenmenschliches auf, bei dem man die Charaktere besser kennenlernt.
Ich finde das Ermittlerteam einfach genial. Alle drei gefallen mir sehr gut. Manchmal musste ich schmunzeln, wenn Giulia und Luigi sich unterhalten.

Ein Highlight ist auch, wie Alexander Oetker Florenz beschreibt. Erst vor ein paar Jahren habe ich die Stadt besucht und hatte schnell wieder Bilder im Kopf.

Alexander Oetker lässt in der Geschichte den Tag immer mit der Heimkehr von Luigi enden. Seine Frau Carla erwartet ihn schon und es gibt ein leckeres Essen. Das Rezept ist immer zum Nachkochen abgedruckt.

„Signora Commissaria und die Insel der Träume“ ist ein genialer Toskana Krimi.
Ich würde mich freuen, wenn Alexander Oetker die Reihe mit dem großartigen Ermittlerteam noch lange weiterführt.

Ms Atkins und die Bibliothek der Träume

Vanessa Göcking
Roman
320 Seiten
erschienen im VANI Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Eine Reise zu den eigenen Wünschen

Zum Inhalt:
Im Mittelpunkt steht Amanda Eleonore Atkins. Als Finanzbeamtin lebt Ms Atkins nach strengen Regeln und einer selbstaufgelegten Ordnung.
So geht sie auch schon seit mehreren Jahrzehnten jeden Freitag in die öffentliche Bibliothek in London, um Bücher auszuleihen. Ms Atkins leiht sich immer nur Sachbücher aus, fiktive Geschichten lehnt sie ab.
Eines Freitags führt ein junger Bibliothekar Ms Atkins in einen verborgenen Leseraum und bringt damit Ms Atkins geordnetes Leben ins Wanken. Hier begegnet Ms Atkins Robert Joy und der eigenwilligen Xiao Mei Smith. Zusammen tauchen sie in die magischen Geschichten ein.

„Ms Atkins und die Bibliothek der Träume“ von Vanessa Göcking entfaltet eine zarte, lebensphilosophische Wohlfühlgeschichte inmitten von London.

Die Geschichte lebt von ihren ungleichen, aber liebevoll ausgearbeiteten Charakteren, die alle ein persönliches Schicksal zu verarbeiten haben.

Amanda Eleonore Atkins führt ein streng geordnetes Leben. Sie durchlebt in der Geschichte eine Verwandlung. Die etwas schrullige, streng nach ihren Regeln lebende Frau öffnet sich und wird zugängiger.

Robert Joy ist der gute Geist der Geschichte. Er strahlt eine innere Ruhe aus und besucht regelmäßig den Leseraum.

Xiao Mei Smith ist eine etwas eigenwillige junge Frau. Sie ist auf der Suche nach ihren Wurzeln.

Mir waren die Protagonisten schnell ans Herz gewachsen und es war eine Freude, sie durch die Geschichte zu begleiten.

Vanessa Göcking hat einen flüssigen, gut verständlichen und vor allem atmosphärischen Schreibstil.
Die wechselnden Perspektiven, in der die Geschichte erzählt wird, lassen die Leser*innen ganz nahe an die Charaktere herankommen.
Besonders haben mir die leisen Dialoge der Protagonisten untereinander gefallen.
Die Fantasyelemente wie zum Beispiel die Traumtüren, werden sehr gut in die Geschichte eingefügt.

Vanessa Göcking spiegelt in ihrer Geschichte die Kraft wider, die Geschichten ausüben können.

„Ms Atkins und die Bibliothek der Träume“ ist eine berührende Liebeserklärung an das Leben und an die Kraft von Geschichten. Ich habe das Buch mit großer Freude gelesen.

Die Bestatterin

Kalima Pine
Thriller
erschienen bei DP Digital Publishers
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Kalima Pine für das Rezensionsexemplar

Düstere Geheimnisse im Westerwald

Klappentext:
Sie arbeitet mit den Toten. Bald gehört sie selbst dazu. Maria Moretti führt das traditionsreiche Bestattungsinstitut ihrer verstorbenen Eltern im Westerwald. Der Tod gehört zu ihrem Alltag. Gefühle dagegen meidet sie seit Jahren. Als sie sich in den Kinderkardiologen Matteo Schönfeld verliebt, scheint ihr Leben endlich eine Wendung zum Guten zu nehmen. Doch dann wird eine grausam verstümmelte Leiche im Grab eines anderen Verstorbenen gefunden, ohne Organe, professionell operiert. Die Ermittlungen führen zu einer Serie rätselhafter Vermisstenfälle: junge, gesunde Menschen, die spurlos verschwanden. Und plötzlich zeigen alle Spuren ausgerechnet auf Marias Bestattungsinstitut. Als Maria das versteckte Notizbuch ihres vor zehn Jahren verstorbenen Vaters entdeckt, beginnt ein Albtraum. Ihr Vater war einem illegalen Organhandel-Ring auf der Spur, und bezahlte dafür mit seinem Leben. Ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel beginnt und Maria muss erkennen, dass sie dem Täter nie näher war als jetzt.

„Die Bestatterin“ ist das Thriller-Debüt von Kalim Pine.

Kalima Pine hat recht unterschiedliche Charaktere erschaffen und zum Leben erweckt.

Im Mittelpunkt steht Maria Moretti. Sie führt seit dem Tod ihrer Eltern das Bestattungsinstitut weiter. Sie begegnet den Verstorbenen mit großem Respekt.
Das verlangt sie auch von Toni, der ihr im Bestattungsinstitut hilft.
Eine weitere Angestellte ist Anna, sie sitzt am Empfang und nimmt auch die Telefonate entgegen.
Dani und Markus sind Freunde von Maria. Mit Dani ist Maria schon lange befreundet.
Durch sie hat sie auch Matteo kennengelernt, in den sie sich fast auf den ersten Blick verliebt hat.
Alle Charaktere sind sehr sympathisch bei mir angekommen.
Nur Toni gegenüber war ich skeptisch, ich habe ihm nicht ganz getraut.

Kalima Pine hat einen gut verständlichen, flüssigen und fesselnden Schreibstil.
Durch die kurzen Kapitel wird man zum ständigen Weiterlesen verleitet. Ich konnte das Buch bald nicht mehr zur Seite legen.
Die Autorin baut geschickt Wendungen in den Thriller ein und ich wusste nicht mehr, wer gut und wer böse ist.
Nur eins wurde bald klar: Maria schwebt in großer Gefahr.

Kalima Pine schafft eine recht düstere Atmosphäre. Man hat beim Lesen ständig das Gefühl, gleich passiert etwas Schreckliches.

„Die Bestatterin ist ein absolut gelungener Pageturner, den ich gerne gelesen habe.

Über der Brandung

Franziska Jebens
Roman
352 Seiten
erschienen im S. Fischer Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Wie eine warme Meeresbrise: Ein Roman wie eine Umarmung

Klappentext:
Alles hinter sich lassen und ans Ende der Welt flüchten, danach sehnen wir uns doch manchmal alle. Besonders dann, wenn wir mit unseren Kräften am Ende sind und uns fragen, wie es weitergehen soll. Die Erzählerin der Geschichte träumt nicht nur davon, sondern folgt dieser Sehnsucht. Auf der Suche nach sich selbst landet sie auf einer wilden Insel in der türkisblauen Ägäis, wo die Zeit anderen Gesetzen folgt. Dort trifft sie auf die naturverbundene Hera, die ihr zeigt, was es heißt, wirklich frei und ganz bei sich zu sein.

„Über der Brandung“ von Franziska Jebens ist eine Geschichte über einen Neuanfang.

Nea ist eigentlich eine geschätzte Schriftstellerin. Nur ihr aktueller Roman wird hart kritisiert.
Mit dem Leitsatz „Ich will kein gutes Ende, sondern einen neuen Anfang“ flüchtet sie sich auf eine Insel in der Ägäis. Dort angekommen verabschiedet Nea sich von den digitalen Medien.
Die Begegnung mit den Inselbewohnern gibt Nea neue Kraft. Auch aus der Natur schöpft Nea neue Kraft. Sie nimmt Flora und Fauna in sich auf.

Franziska Jebens hat großartige Charaktere zum Leben erweckt.
Nea, deren Namen die Leser*innen erst spät erfahren, durchläuft Stück für Stück eine beeindruckende Entwicklung.
Hera, eine sehr naturverbundene Frau, führt Nea langsam an die Kräuterheilkunde heran und unterstützt sie bei ihrem Neuanfang.
Auch Meltemi, die anhängliche Ziege, soll erwähnt werden. Sie weicht Nea kaum von der Seite.

Franziska Jebens hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil.
Die Autorin verwebt in ihrem Roman tiefgründige Themen, die weit über einen klassischen Urlaubsroman hinausgehen.

Die Geschichte greift das Gefühl der totalen Erschöpfung und Reizüberflutung unserer Leistungsgesellschaft auf. Das Digital-Detox dient hier als notwendige Medizin für die Seele.
Ein weiteres Thema ist die gegenseitige Unterstützung unter Frauen. Der Roman zelebriert weibliche Bindungen, gemeinsame Rituale (wie Vollmond-Rituale) und das gemeinsame Wachsen frei von Konkurrenzdenken.
Die Natur Griechenlands ist nicht nur Hintergrund, sondern Heilerin. Die Kräuterkunde und das Leben im Rhythmus der Gezeiten und Mondphasen zeigen einen Weg zurück zur eigenen Ursprünglichkeit.

Die bildhafte Erzählung von dem glitzernden Meer, dem Duft der Wildkräuter oder dem Prickeln des Salzwassers lässt schnell ein Kopfkino entstehen.

„Über der Brandung“ ist eine Geschichte über einen Neuanfang. Ich habe das Buch mit großer Freude gelesen.

Du kriegst mich nicht

Chris Carter
Thriller
458 Seiten
erschienen im Ullstein Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Sybille Uplegger
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar

Nichts ist wie es scheint

Zum Inhalt:
Die Geschichte beginnt im Gerichtssaal. Nelson Stewart wird dafür, dass er seiner Ehefrau Samantha Stewart Gewalt angetan hatte und sie an ein Rohr unter dem Waschbecken gekettet hatte, zu dreizehn Jahren Haft verurteilt. Nach der Urteilsverkündung spricht er im Gerichtssaal noch eine Drohung gegen seine Frau aus.

Der Staatsanwalt rät Samantha, sich nach der Scheidung eine neue Identität zuzulegen. Ihren Wohnort in ein anderes Bundesland zu verlegen und die ersten Monate mehrmals umzuziehen. Nach der Scheidung wird Samantha ein Großteil des Vermögens zugesprochen. Aus Samantha Stewart wird Mary Smith.
Mary wechselt öfter ihren Wohnort und 5 Monate nach der Scheidung ist sie in Nashville, Tennessee angekommen. Sie mietet eine kleine Wohnung und hat kaum Besitz. Da merkt Mary, dass sie verfolgt wird. Ihr gelingt es, den Verfolger abzuschütteln, indem sie Nashville verlässt.
Das scheint geglückt und Mary lässt sich nach weiteren 5 Monaten in San Francisco nieder.
Hier begegnet Mary einem Mann, in den sie sich verliebt. Endlich scheint Ruhe und Glück in Marys Leben einzukehren.

„Du kriegst mich nicht“ ist ein spannender Psychothriller von Chris Carter.
Dieses Buch gehört nicht zur bekannten und beliebten Hunter-und-Garcia-Reihe. Es ist so ganz anders und doch ein echter Chris Carter.

Chris Carter hat seine Charaktere gut gezeichnet.
Samantha/Mary war mir schnell sympathisch. Sie hat viel durchgemacht und endlich etwas Glück verdient.

Nelson Stewart erleben die Leser*innen nur vor Gericht. Er ist sehr beherrscht, versucht jede Regung zu vermeiden. Nur am Ende spricht er eine Drohung gegen seine Noch-Ehefrau aus.

Thomas oder Quaddra wie er mit richtigem Namen heißt, scheint endlich Glück in Marys Leben zu bringen. Mir war er schnell sympathisch.

Nachdem Mary sesshaft geworden ist, geht die Geschichte ziemlich ruhig weiter.
Es gibt Rückblicke in Samanthas/Marys Vergangenheit und da spürt man, es ist nicht alles so, wie es scheint.
Dann baut Christ Carter eine Wendung nach der anderen ein. Ich wusste nicht mehr, wo vorne und hinten ist, wem man noch trauen kann. Die Jagd beginnt.

„Du kriegst mich nicht“ ist ein spannender Psychothriller mit unerwarteten Wendungen.

Das Rätsel von St. Florence

Katharina Schendel
Kriminalroman
240 Seiten
erschienen im Gmeiner Verlag
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

ielen Dank an den Gmeiner Verlag für das Rezensionsexemplar.

Die Nachtschattenschwestern ermitteln

Klappentext:
Zwischen Kräutergarten und Klostermauern lauern dunkle Geheimnisse: In der Abtei St. Florence an der Küste Cornwalls bereiten die drei ungleichen Nonnen des Nachtschattenordens Marguerite, Angelica und Rosemary das jährliche Kräuterfest vor. Doch als eine Influencerin nach dem Genuss des legendären Melissengeists zusammenbricht, fällt der Verdacht ausgerechnet auf die Abtei. Inmitten von Giftpflanzen, alten Legenden und misstrauischen Dorfbewohnern beginnen die drei zu ermitteln, denn ihr Ruf und die Zukunft des Ordens stehen auf dem Spiel.

„Das Rätsel von St. Florence“ ist ein Cornwall-Krimi von Katharina Schendel.

Die Nachtschattenschwestern, Schwester Angelica und Schwester Rosemary, sind die letzten im Kloster St. Florence.
Das Geld ist knapp und im Kloster müssten dringend Instandhaltungsarbeiten gemacht werden.
Ihre Hoffnung liegt auf dem diesjährigen Kräuterfest. Die Schwestern haben extra frischen Melissengeist gebraut, um ihn auf dem Fest zu verkaufen.
Doch als die Influencerin, die den Schwestern bei der Vermarktung helfen will, von dem Melissengeist probiert, bricht sie zusammen.

Die Charaktere sind sympathisch. Ich habe die Schwestern gerne durch die Geschichte begleitet.

Schwester Marguerite ist 49 Jahre alt und die Äbtissin des Klosters. Vor dem Leben im Kloster war sie Botanikerin, und so kümmert sie sich auch hingebungsvoll um den Klostergarten mit all seinen Kräutern und Heilpflanzen.

Schwester Angelica ist 31 Jahre alt und kümmert sich um den Klosterladen und das Café. Einst war sie Journalistin, zieht jetzt aber die Ruhe des Klosters vor. Ihre Leidenschaft sind True-Crime-Podcasts.

Schwester Rosemary ist 63 Jahre alt und somit die älteste Klosterbewohnerin.
Früher war sie Krankenschwester. Sie stellt aus den Kräutern und Heil- und Giftpflanzen, die im Klostergarten wachsen, Tränke und Salben her. Auch sie liebt Kriminalgeschichten, dabei haben es ihr die französischen Krimis angetan.

Außerdem leben noch Pater Ambrosius, ein 5-jähriger Airedale Terrier, und Poppy die 4-jährige Graugans, im Kloster.

Hin und wieder kommt Reverend Blytheim im Kloster vorbei. Er ist den Schwestern nicht gut gesinnt und verbreitet im Dorf böse Gerüchte.

Ein illustrer Verein, den die Leser*innen begleiten dürfen.
Nachdem sich herausstellt, dass im Melissengeist, den die Influencerin getrunken hat, Gift war und als erstes die Schwestern verdächtigt werden, nehmen sie die Ermittlungen selbst in die Hand.

Katharina Schendel erzählt die Geschichte in einem ruhigen Ton. Es wechseln sich Spannung und Humor ab.
Der Schreibstil von Katharina Schendel ist flüssig und gut verständlich.
Der Handlungsort, vorwiegend das Kloster, wird anschaulich beschrieben.

„Das Rätsel von St. Florence“ ist ein spannender und zugleich humorvoller Cosy-Krimi, den ich gerne gelesen habe.

Er lügt

Rebecca Taylor McKay
Thriller
410 Seiten
Übersetzt aus dem Englischen von Silke Jellinghaus
erschienen bei Rowohlt Polaris
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Geheimnisse wollen ans Licht

Zum Inhalt:
Rebecca Taylor McKay schickt ihre Leser*innen zurück in das Jahr 1961.
Die 22-jährige Clara Carmichael verbringt mit ihrem reichen und charmanten Ehemann Spencer die Flitterwochen an der Amalfiküste. Alles ist perfekt. Der Palazzo Rosso, in dem das Paar wohnt, bietet einen großartigen Ausblick. Das Meer ist türkisblau und liegt direkt zu ihren Füßen.
Clara wundert sich, dass ihr Mann Italienisch spricht und sie nichts davon weiß.
Als Clara und Spencer auf Vivian und Fred treffen, die am gleichen Ort ihren Urlaub verbringen, reagiert Spencer ungewohnt feindselig. Eine angespannte Atmosphäre spinnt sich um die zwei Paare.
Als Clara dann einen anonymen Zettel bekommt, auf dem steht „Er lügt“, ist klar, hier gibt es einige Geheimnisse, die ans Licht wollen.

„Er lügt“ ist ein spannender Psychothriller von Rebecca Taylor McKay.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und man spürt schnell, dass sie einiges zu verbergen haben.

Clara wirkt zu Beginn der Geschichte noch etwas leichtgläubig. Das ändert sich aber schnell und sie wirkt selbstbewusst und entschlossen.

Spencer ist der perfekte Ehemann. Er ist fürsorglich und charmant. Doch sobald er sich nicht mehr ganz unter Kontrolle hat, fängt die Fassade an zu bröckeln.

Vivian und Fred, das zweite Ehepaar, das an der Amalfiküste den Urlaub verbringt, wirken auf den ersten Blick überaus sympathisch.
Doch zwischen Vivian und Spencer scheint etwas zu schwellen.

Die Autorin entführt die Leser*innen an die malerische Amalfiküste in Italien, genauer gesagt nach Positano und in das luxuriöse Hotel Palazzo Rosso.
Die Atmosphäre wechselt immer wieder zwischen Urlaubsfeeling, Sonne, Strand und Meer und einer beklemmenden Stimmung voller Misstrauen.

Rebecca Taylor McKay erzählt die Geschichte in einem ruhigen Tempo. Es bleibt genug Zeit, die schöne Landschaft zu bestaunen. Gekonnt spiegelt die Autorin die 1960er Jahre wider.
Der Schreibstil von Rebecca Taylor McKay ist flüssig und gut verständlich.
Durch die Perspektive aus Sicht von Clara kommt man ihr natürlich ganz nahe. Man kann ihre Gedanken lesen und stellt sich die gleiche Frage, die sich Clara stellt: „Wem kann man noch trauen?“

Rebecca Taylor McKay baut einige Wendungen in die Geschichte ein, was das Ganze noch spannender macht.

„Er lügt“ ist kein actiongeladener Hardcore-Thriller, sondern ein wunderbar atmosphärischer Psychothriller, der von leisen Tönen, psychologischer Tiefe und einem grandiosen Setting lebt.
Ich habe das Buch mit großer Freude gelesen.

Sommerrauschen

Christiane Adlung
Roman
282 Seiten
erschienen im DuMont Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den DuMont Verlag für das Rezensionsexemplar

Der perfekte Sommerroman

Zum Inhalt:
Judith ist mit ihren Eltern jedes Jahr in das Sommerhaus im Médoc gereist. Hier hat sie wunderschöne Sommer mit ihrer Schwester verbracht. Auch Natascha, Judiths Freundin aus dem Nachbarhaus, war oft mit dabei. Doch irgendwann trennten sich ihre Wege.
Jetzt ist Judith erfolgreiche Bildhauerin, verheiratet und hat zwei Töchter. Mit ihrer Familie bewohnt sie das einstige Sommerhaus.
Das Nachbarhaus, in dem ihre Freundin Natascha gewohnt hat, steht leer. Robert trägt sich mit dem Gedanken, das leerstehende Haus zu kaufen, um mehr Platz für die Familie zu schaffen. Als Natascha mit ihrem Mann im Médoc ankommt, werden bei Judith viele Erinnerungen wach. Erinnerungen, die sie lieber vergessen möchte.

„Sommerrauschen“ von Christiane Adlung ist der perfekte Sommerroman.

Christiane Adlung erzählt die Geschichte sehr bildhaft. Man hat beim Lesen förmlich das Meer vor Augen. Man hört das Rauschen der Wellen und schmeckt das Salz auf den Lippen.

Die Charaktere werden liebevoll beschrieben und sind lebendig.
Im Mittelpunkt steht Judith. Sie ist Bildhauerin und hat als Kind schon das Haus im Médoc, in dem sie jetzt mit ihrer Familie lebt, geliebt. Im Inneren ist sie zerrissen, es gibt etwas in ihrer Vergangenheit, das sie nicht an die Oberfläche kommen lassen will.

Natascha ist Judiths Freundin aus Jugendtagen. Sie bringt die Vergangenheit ins Spiel. Ein dunkles Geheimnis, das gelüftet werden möchte.

Die Geschichte hat zwei Zeitebenen. Einmal die Gegenwart, in der die Leserinnen die Protagonisten durch die Geschichte begleiten. Dann gibt es Rückblenden in die 1980er Jahre. Hier erleben die Leserinnen Judith und Natascha als Jugendliche. Hier wird auch das jahrelang verschwiegene Geheimnis gelüftet.

Christiane Adlung beschreibt den Handlungsort sehr eindrücklich. Die Natur, die Küste und das Meeresrauschen und die Sommerhitze werden gut vermittelt.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich. Die Geschichte wechselt zwischen ruhigen und temporeichen Szenen ab.
Die Geschichte hat mich schnell gefesselt und ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen.

„Sommerrauschen“ ist ein ruhiger, aber kraftvoller Sommerroman.

Sonnenberg

Brigitte Glaser
Roman
448 Seiten
erschienen im List Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Interessanter und unterhaltsamer Roman

Klappentext:
Mitte der Siebzigerjahre ist Johanna die erste in ihrer Familie, die an die Uni geht. Mit ihrer Freundin Luzie zieht sie in eine WG nach Freiburg und genießt neue Freiheiten. Als wenig später ihr Vater stirbt, muss sie jedoch zurück nach Hause und den Winzerbetrieb der Eltern übernehmen. Gemeinsam mit ihrer Mutter und Großmutter bewirtschaftet sie den Hof am Kaiserstuhl. In einer Welt, in der weibliche Arbeitskräfte nur die Hälfte zählen, müssen die Frauen sich behaupten. Erst recht, als Johanna ein Kind bekommt und sich entschließt, es ohne Vater großzuziehen. Erst recht, als sie sich dem Widerstand der Winzer und Bauern, der Bürger aus Freiburg und der Region gegen ein in der Nähe geplantes Kernkraftwerk anschließt. Auch Luzie, die gerade von einer langen Marokkoreise zurück ist, ist an ihrer Seite. Und plötzlich sieht es so aus, als könne man zusammen etwas erreichen.

„Sonnenberg“ von Brigitte Glaser entführt seine Leser*innen in die 1970er Jahre.

Die Freundinnen Johanna und Luzie studieren beide in Freiburg und wohnen zusammen in einer WG. Doch nach einem Streit trennen sich ihre Wege.
Johanna muss nach dem Tod ihres Vaters zurück in den Schwarzwald, um den Winzerbetrieb zu übernehmen. Luzie zieht es für Forschungsarbeiten nach Marokko.
Mit Mutter und Großmutter arbeitet Johanna zusammen auf dem Hof der Familie. Als Johanna schwanger wird, entscheidet sie sich, das Kind ohne Vater großzuziehen.
Als in Wyhl ein Atomkernkraftwerk gebaut werden soll, regt sich Widerstand. Dem schließen sich auch Johanna und Luzie an.

Brigitte Glaser versetzt ihre Leser*innen in eine Zeit, in der die Frauen noch wenig Rechte hatten. Zum Glück gab es Frauen wie Johanna und Luzie, die ihre Rechte einforderten.

Brigitte Glaser hat hervorragende Recherchearbeit geleistet. Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als überall die Plakate „Atomkraft, nein danke“ hingen. Die Autorin spiegelt die Zeit des Widerstandes realistisch wider. Die Autorin lässt ihre Leser*innen an der Planung und Entwicklung des Kernkraftwerkes teilhaben.
Auch die politische Entwicklung wird interessant dokumentiert.

Die Charaktere sind lebendig und sympathisch.
Johanna und Luzie sind recht unterschiedlich und ergänzen sich gut.
Johann ist eher die Skeptikerin und Luzie hingegen die Planerin, die an die Zukunft glaubt.

Der Schreibstil von Brigitte Glaser ist wie gewohnt flüssig und gut verständlich.
Die Autorin verknüpft reale Hintergründe in eine fiktive Geschichte.
Wer wie ich, die 1970er Jahre erlebt hat, findet bekannte und interessante Hintergründe zu der Planung und Umsetzung des Kernkraftwerks Wyhl.
Die eingestreuten Worte im Dialekt des Schwarzwalds machen die Geschichte noch authentischer.

„Sonnenberg“ ist wieder ein interessanter und unterhaltsamer Roman von Brigitte Glaser.