Die Stimme der Gewalt

Ellin Carsta
Historischer Roman
287 Seiten
erschienen bei Tinte & Feder
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Familiensaga mit Suchtpotenzial

Klappentext:
Bernried am Starnberger See, 1944: Die Landung der Alliierten in der Normandie steht kurz bevor, doch die Familie von Falkenbach muss ihre eigenen Kämpfe ausfechten.
Paul-Friedrich von Falkenbach orchestriert eine waghalsige Rettungsaktion, um den Bruder von Viktor Sander vor dem skrupellosen Hauptsturmführer Alfred Breuer in Sicherheit zu bringen. An der italienischen Front erlebt Gustav von Falkenbach das sinnlose Sterben junger Soldaten und möchte nur eines, seine Familie wiedersehen.
Johannes Lehmann verhilft in Innsbruck gemeinsam mit Wilhelmine unter falschem Namen jüdischen Familien zur Flucht. Sie begeben sich dabei in immer größere Gefahr, mit dem Wissen, dass eine Gefangennahme ihr Todesurteil sein könnte. Werden ihre geheimen Aktivitäten unbemerkt bleiben?

„Die Stimme der Gewalt“ ist der 14. Band der Falkenbach Saga von Ellin Carsta.
Die Falkenbach Saga ist für viele Bände angelegt und ich freue mich immer wieder auf den nächsten Band.
Jedes Kapitel ist mit einem Gedanken eines Familienmitglieds der Familien Falkenbach oder Lehmann überschrieben. Diese Person steht dann im Mittelpunkt des Kapitels.
Durch die immerwährenden Perspektivwechsel ist die Geschichte so facettenreich und interessant.

Der Krieg schreitet fort und wir sind mittlerweile im Jahr 1944 angekommen.
Leopold Lehmann ist das erste Kriegsopfer, das nicht mehr nach Hause zurückkommt.

Auch auf Gut Falkenbach spürt man den Krieg immer mehr. Auch wenn die Familien nicht hungern müssen, fordert der Krieg doch seine Opfer.
Paul-Friedrich von Falkenbach und Wilhelm Lehmann überlegen weiterhin, wie man dem Nazi-Regime ein Ende setzen kann.
Ferdinand Lehmann führt weiterhin die Fabrik, in der Waffen hergestellt werden und das Arbeitslager. Jetzt soll auch noch die Panzerfaust in der Fabrik hergestellt werden. Eine Waffe als letzte Hoffnung, den Krieg doch noch zu gewinnen?

Ferdinands Frau Elisabeth ist wieder in die Villa eingezogen, doch das Verhältnis zwischen den Eheleuten bleibt kühl.

Paul-Friedrich von Falkenbach will versuchen, Viktor Sanders Bruder in Sicherheit zu bringen, bevor der Hauptsturmführer Alfred Breuer seine Drohungen noch zur Wahrheit werden lässt. Ein riskantes Unterfangen.

Auch auf Johannes Lehmann und Wilhelmine von Falkenbach treffen die Leser*innen wieder. Die beiden verhelfen jüdischen Menschen zur Flucht und begeben sich dabei in Gefahr.

Ellin Carsta erzählt die Geschichte in einem flüssigen und spannenden Schreibstil, sie vermittelt die Atmosphäre, die zu dieser Zeit in Deutschland herrscht, sehr gut. Außer der Familie und den Freunden trauen auch die von Falkenbachs und die Lehmanns niemandem mehr.
Das Land ist mitten im Krieg und man spürt deutlich die Auswirkungen, auch wenn es den Familien an nichts mangelt.
Nach außen lassen die Familien von Falkenbach und Lehmann sich nicht anmerken, was sie wirklich vom Krieg und ihren Verursachern halten. Gerade Paul-Friedrich ist immer darauf aus, dass man seine Treue gegenüber Hitler nicht anzweifelt. In der Geschichte bekommt man die Denkweise der Charaktere natürlich mit. Die Geschichte ist an einem Zeitpunkt angekommen, an dem ich mir immer mehr Sorgen um die Familien mache. Paul-Friedrich scheint zwar immer bestens informiert zu sein und immer das Ziel zu verfolgen, Unheil von den Familien fernzuhalten. Aber es gibt Gegner, die den Familien schaden wollen.

Auch der 14. Band war wieder sehr spannend erzählt.
Ich hoffe, Ellin Carsta lässt ihre Leser*innen die Familien noch einige Zeit begleiten.
Jetzt fiebere ich schon wieder ganz aufgeregt dem 15. Band entgegen.

Fünf, Sechs, Sieben, Acht

Ewald Arenz
Roman
237 Seiten
erschienen im DuMont Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den DuMont Verlag für das Rezensionsexemplar

Vom Älterwerden und Loslassen

Klappentext:
Anton, 60 Jahre alt, ist Stepptänzer. Ja, er ist nicht mehr so schnell wie früher, aber mit seiner Erfahrung und Ausdruckskraft tanzt er, noch allen davon. Wer sollte ihm also die Stelle als Choreograf an einer Theaterbühne streitig machen? Doch die neue Intendantin sieht das anders und engagiert ausgerechnet Emma, Antons Tochter. Anton ist verletzt, wütend, traurig und zugleich stolz auf seine Tochter. Zeigen kann er ihr das nicht.
Die Absage spült etwas in ihm hoch, das er nicht länger verdrängen kann: das Gefühl des Älterwerdens. Plötzlich spürt er die eigene Endlichkeit und fragt sich, ob er sein Leben richtig gelebt hat. Eine Frage, die ihn wieder an eine alte große Liebe denken lässt. Jo war damals einfach spurlos verschwunden. Hätte er mit ihr ein besseres Leben gelebt?
Es ist Emma, die auf Jos Spur stößt. Mit ihr reist er nach Irland. Alte Konflikte zwischen Vater und Tochter brechen wieder auf. Für Anton wird es eine Reise zu sich selbst und er begreift: Zu Ende ist es erst, wenn es zu Ende ist. Bis dahin will das Leben gelebt werden.

„Fünf, Sechs, Sieben, Acht“ ist ein Buch über das Leben und das Älterwerden von Ewald Arenz.

Im Mittelpunkt steht Anton. Er ist 60 Jahre alt und immer noch ein begnadeter Stepptänzer und Choreograf.
Eine neue Intendantin kommt an das Theater, an dem Anton arbeitet. Die neue Intendantin möchte alles jünger und moderner gestalten. Dem fällt dann auch Anton zum Opfer. Seine Stelle wird ausgerechnet mit seiner Tochter Emma besetzt, was Anton einige Zeit schmollen lässt.
Seit der Scheidung von seiner Ehefrau steht es mit der Beziehung zu seiner Tochter nicht zum Besten. Gerade in letzter Zeit haben sie sich etwas angenähert.

Ewald Arenz hat für seine Geschichte großartige Charaktere ins Leben gerufen.
In diesem Buch stecken eigentlich zwei kleine Geschichten, in denen Anton immer im Mittelpunkt steht.
Es geht einmal um Anton als Tänzer, der aufgrund seines Alters aussortiert wird. Damit kann er nicht umgehen, denn er fühlt sich noch lange nicht alt.
Anton ist geschieden, hat aber mittlerweile ein freundschaftliches Verhältnis zu seiner Ex-Frau. Die Tochter kann ihm nicht recht verzeihen, dass er sie als Kind verlassen hat.
Eine Entschuldigung oder auch eine Erklärung kamen nie über Antons Lippen.
Dann geht es um Anton, der in jungen Jahren von seiner großen Liebe verlassen wurde. Plötzlich war sie verschwunden, ohne Abschied, ohne Nachricht. Anton glaubte schon nicht mehr, dass sie noch lebt. Doch da findet sich eine Spur, die nach Irland führt.

Mir hat das Lesen große Freude gemacht. Ich habe Anton gerne auf seinem Weg begleitet und seine Entwicklung miterlebt.

Ewald Arenz erzählt die Geschichte in einer feinen Sprache, die ich fast poetisch nennen möchte. Wenn Anton über sein Leben nachdenkt, hat es manchmal auch etwas Philosophisches.

Ich bin schnell tief in der Geschichte versunken. Die Seiten sind nur so dahingeflogen.

Fünf, Sechs, Sieben, Acht ist eine Geschichte über das Leben und das Loslassen, die mir gut gefallen hat.

Hotel Sardona

Martin Oesch und Ralph Weibel
Roman
295 Seiten
erschienen im Gmeiner Verlag
Meine Bewertung:
3 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Gmeiner Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hotel in den Schweizer Alpen

Klappentext:
Wo einst prominente Gäste logierten, liegt nun der Staub vergangener Tage: Das Hotel Sardona in den Schweizer Alpen hat seinen Glanz verloren. Drei entfremdete Geschwister, gezeichnet von sehr unterschiedlichen Brüchen in ihrem Leben, erben das Haus, unter der Bedingung, es wiederzueröffnen. Während sie gemeinsam um die Zukunft des Hotels ringen, brechen alte Konflikte auf und lange verdrängte Wahrheiten kommen ans Licht. Kann aus den Trümmern der Vergangenheit eine gemeinsame Zukunft entstehen?

„Hotel Sardona“ von Martin Oesch und Ralph Weibel ist die Geschichte eines Hotels und dessen 3 neuen Besitzern.

Die Autoren haben recht unterschiedliche Charaktere ins Leben gerufen.
Benedikt Walser weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Er schickt seinen einzigen Verwandten einen Brief, indem er sie in sein Hotel Sardona in den Schweizer Alpen einlädt. Dort bekommen die 3 eine Schenkungsurkunde. Benedikt vermacht ihnen sein Hotel, mit der Auflage, es wieder neu zu eröffnen. Doch wenn die Geschwister das Hotel annehmen, müssen sie für die Renovierung viel Geld in die Hand nehmen. Geld, das sie nicht besitzen.

Walter sitzt seit einem Unfall auf einer Baustelle im Rollstuhl. Mit seiner Ehe steht es nicht zum Besten. Finanziell kommt er mehr schlecht als recht über die Runden.

Robert ist der Erfolgreiche der Geschwister. Nach außen hin sieht er auch wohlhabend aus. Fährt ein großes Auto und macht auch sonst einen auf dicke Hose. Nur in Wirklichkeit sieht es ganz anders aus.

Franziska ist gleich von dem Hotel begeistert. Sie lebt in Frankreich, hat einen Sohn, der beim Vater lebt und den sie nur selten sehen darf.

In dem Hotel leben außer Benedikt noch zwei Flüchtlinge, ein Mädchen und ein Bernhardiner.

Die Geschwister treffen sich nach langer Zeit wieder. Dass sie zerstritten sind, ist deutlich zu spüren. Die Leser*innen lernen jeden gut kennen. Ich habe zu keinem einen richtigen Zugang gefunden. Keiner konnte mir so richtig sympathisch werden.

Nach dem Abend, an dem Benedikt den Geschwistern das Hotel anbietet, ist er auch verschwunden.
Nach einiger Zeit einigen sich die Geschwister darauf, das Hotel anzunehmen. Jetzt beginnt die Planung, die eher etwas konstruktiv ist. Ob die Geschwister je das Geld zusammenbekommen, um das Hotel zu renovieren, ist fraglich.
Ich konnte die Handlungen, was die drei Geschwister angeht, nicht immer nachvollziehen.

Die beiden Autoren haben ein schönes Setting für die Geschichte gewählt. Ich konnte es mir gut vorstellen. Das verlassene Hotel, mit seinem prächtigen Entrée.

Die Geschichte wird auch recht kurzweilig erzählt. Die einzigen Bewohner sind zwei Flüchtlinge, was man als Leser*in von ihnen erfahren hat, das fand ich interessant.
Hier hätten die Autoren gerne etwas tiefer ins Detail gehen können.

„Hotel Sardona“ ist ein leichter Roman, den man zwischendurch einmal lesen kann.

Club der magischen Nebel: Nora und der wilde Wind

Sophie Lund
Kinderbuch empfohlen ab 6 Jahren
135 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Sophie Lund für das Rezensionsexemplar

Magische Geschichte

Klappentext:
Die neunjährige Nora liebt die Stille des Waldes, doch ihre beste Freundin Lexi will immer nur bestimmen, wo es langgeht. Nora fühlt sich oft wie eine Mitläuferin und wünscht sich, sie wäre mutiger.
Als der geheimnisvolle Junge Enea neu in ihre Klasse kommt, ändert sich alles. Er behauptet steif und fest, dass Nora magische Fähigkeiten besitzt. Nora glaubt ihm kein Wort, bis sie eines Tages so richtig wütend wird und ein Funkenzauber aus ihr hervorbricht. Plötzlich kann sie den magischen Nebel sehen, der sie und andere im Dorf umgibt, und sie merkt: Enea hatte recht.
Doch mit der Magie beginnen auch die Probleme. Ihre Freundin Lexi wird eifersüchtig und Nora muss ihr großes Geheimnis vor allen verbergen. Wem kann sie vertrauen? Und was passiert, wenn sie ihre Kräfte nicht kontrollieren kann?

„Club der magischen Nebel: Nora und der wilde Wind“ ist der Auftakt der
Reihe „Club der magischen Nebel“ von Sophie Lund.
Die Geschichte wird für Kinder ab 6 Jahren empfohlen.
Ich habe das Buch zusammen mit meiner Enkelin gelesen und die war begeistert von der Geschichte.

Sophie Lund hat sympathische Charaktere gezeichnet, die auch Kinder mögen.
Die ruhige Nora, die den stillen Wald liebt, ist ein großartiger Charakter. Ihre Freundin Lexi ist auch liebenswert, hat aber gerne das Sagen.
Als Enea in die Klasse kommt und behauptet, Nora habe magische Fähigkeiten, glaubt ihm niemand so recht, noch nicht einmal Nora selbst.
Doch dann wird sie vom Gegenteil überrascht.

Sophie Lund hat die Geschichte in einer für Kinder gut verständlichen Sprache verfasst. Die Atmosphäre hat von Beginn an etwas Magisches, was Kinder neugierig macht.
Kinder können sich in die Figuren hineinversetzten und ihre eigene Fantasie spielen lassen.

„Club der magischen Nebel: Nora und der wilde Wind“ ist eine wunderschöne Geschichte für Kinder, die auch Erwachsene gerne lesen oder vorlesen.

Klein aber tot

Joe Fischler
Kriminalroman
298 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an de Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Mord in Knuffingen

Klappentext:
Willkommen in Knuffingen, der malerischen Miniaturwelt zwischen Harz und Alpen, ein Ort, der vor allem eines ist: überschaubar. Und friedlich. Zumal die Knuffinger gar nicht ahnen, dass sie Teil eines berühmten Miniaturuniversums sind. Doch die Idylle trügt, denn plötzlich steht Kommissar Jojo Wunder vor einem Riesenproblem. Friedrich Frank, Journalist und berüchtigter Schmähkritiker, wird ermordet aufgefunden. Der Tote hatte mehr Feinde als Freunde, was den Fall nicht leichter macht. Und ausgerechnet die Menschen, die Jojo am nächsten stehen, geraten unter Verdacht: seine heimliche Liebe, die undurchschaubare Blumenhändlerin Liora Märklin und seine eigene Mutti, deren Restaurant Frank zuvor vernichtend verrissen hat. Als Jojo sie verhaften soll, ist für ihn endgültig Schluss mit lustig.

„Klein aber tot“ ist der erste Band der Knuffingen-Krimis von Jo Fischler.
Von Jo Fischler habe ich schon die humorvolle Arno Bussi-Reihe gelesen und natürlich die Thriller, die er unter dem Namen Jan Beck veröffentlicht.

Für die Knuffingen-Reihe hat Jo Fischler wieder einmal recht skurrile Charaktere erschaffen.
Jojo Wunder ist der einzige Kommissar in Knuffingen. Eigentlich geht es dort auch eher gemütlich zu. Doch als der Journalist Friedrich Frank ermordet aufgefunden wird, gehören alle die zum Kreis der Verdächtigen, über die der Journalist böse Kritiken geschrieben hat. Dazu gehören auch Jojos Mutter und die Blumenhändlerin Liora Märklin, auf die Jojo ein Auge geworfen hat.
Eine verzwickte Situation, die Jojo einiges abverlangt.

Jo Fischler. Besticht hier wieder mit seinem unverwechselbaren Humor. Schon die Idee, die Miniaturwelt Knuffigen als Handlungsort zu wählen, ist genial.
So sind dann auch die Charaktere. Facettenreich, skurril und sympathisch.

Der Schreibstil von Jo Fischler ist flüssig, gut verständlich und fesselnd.
Neben dem Humor kommt natürlich auch die Spannung nicht zu kurz. Es ist ein Mord aufzuklären und gleichzeitig ist ein Brandstifter unterwegs, der es auf das Schloss abgesehen hat.

„Klein aber tot“ ist ein humorvoller Krimi, der mir wunderbare Lesestunden geschenkt hat.

Hotel Sacher: Das Geheimnis von Zimmer 313

Thomas Brezina
Kriminalroman
256 Seiten
erschienen bei edition a
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an edition a für das Rezensionsexemplar

Vergangenheit und Gegenwart gekonnt miteinander verknüpft

Klappentext:
1900 macht Anna Sacher das Hotel über die Grenzen des Landes hinaus bekannt. Die Geschäftsfrau, ständig begleitet von ihren zwei Bulldoggen, widersetzt sich allen Konventionen. Was nur die wenigsten wissen: In einem besonderen Zimmer zieht sie sich stets zurück, um ihre Zigarren zu rauchen. Mehr als hundert Jahre später steigen im Sacher die Reichen und Schönen ab. Doch in einem Zimmer geschehen merkwürdige Dinge. Es ist das alte Zimmer von Anna Sacher. Was steckt dahinter?

„Hotel Sacher: Das Geheimnis von Zimmer 313“ von Thomas Brezina ist ein Kriminalroman, der die Geheimnisse der Vergangenheit mit in die Gegenwart bringt.
Von Thomas Brezina liebe ich die historische Krimireihe „Kaiserin Elisabeth ermittelt“. Auf sein „Hotel Sacher“ war ich gespannt.

Wer kennt es nicht, das weltberühmte Hotel Sacher und die gleichnamige Torte?
Die Geschichte hat zwei Zeitebenen.
Einmal die Vergangenheit, hier lernen die Leser*innen Anna Sacher kennen, die das Hotel berühmt gemacht hatte.
Anna Sacher hatte 1926 eine Schatulle, von der niemand was wusste, in ihrem Zimmer, in dem sie gerne ihre Zigarren geraucht hatte, hinterlegt. Die Schatulle darf erst in 100 Jahren geöffnet werden.

Die 2. Zeitebene ist dann die Gegenwart. Die Journalistin Allegria Boran soll über das hundertjährige Geheimnis berichten.
Hier ändert sich die bisher lockere und leichte Atmosphäre und wird düster und geheimnisvoll. Man ahnt, dass hier etwas zutage kommt, was besser im Verborgenen geblieben wäre.

Thomas Brezina erzählt die Geschichte unterhaltsam und fesselnd. Beide Zeitebenen haben so ihre Stärken. Es war spannend und interessant, 100 Jahre zurückzuschauen. Aber auch die Gegenwart hatte einiges zu bieten, und zwar ein 100 Jahre altes Geheimnis.

Thomas Brezina verwebt gekonnt die Vergangenheit mit der Gegenwart. Dabei ist sein Schreibstil locker, unterhaltsam und fesselnd.
Die Seiten sind nur so davongeflogen.

„Hotel Sacher: Das Geheimnis von Zimmer 313“ ist ein spannender und unterhaltsamer Kriminalroman, den ich mit Freude gelesen habe.

Die Briefträgerin

Francesca Giannone
Historischer Roman
504 Seiten
erschienen im btb Verlag
Übersetzt aus dem Italienischen von Ingrid Ickler
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine beeindruckende Familiengeschichte

Klappentext:
Lizzanello, ein beschauliches Dorf, in dem sich alle kennen: Als Anna und Carlo hier 1934 frisch vermählt mit dem Bus aus dem Norden eintreffen, freut sich Carlo, endlich zurück in seiner Heimat zu sein. Doch Anna denkt darüber nach, was für ein Leben sie als Norditalienerin in dem kleinen Ort erwartet, in dem ganz eigene Gesetze herrschen. Allen Widerständen zum Trotz geht Anna mutig und entschlossen ihren eigenen Weg – und bringt als erste Briefträgerin frischen Wind nach Lizzanello. Über zwanzig Jahre lang, erst zu Fuß, dann mit dem Fahrrad, trägt sie die Post aus: Ansichtskarten von Emigranten, Briefe von Soldaten an der Front, Mitteilungen von heimlichen Liebhabern. Und irgendwann muss sie sich fragen, wie lange sie eigentlich noch ihre eigenen
Gefühle verbergen kann, die sie seit Jahren für den Bruder ihres Ehemanns empfindet.

„Die Briefträgerin“ ist der große Erfolgsroman von Francesca Giannone.
Inspiriert wurde die Autorin vom Leben ihrer Urgroßmutter.
Wie man es sonst nur in Romanen liest, hat Francesca Giannone in ihrem Elternhaus eine 100 Jahre alte Visitenkarte, Briefe, Fotos und Dokumente ihrer Urgroßmutter gefunden. Damit war ihre Neugierde geweckt und sie begann zu recherchieren.

Die Geschichte beginnt mit dem Tod der Briefträgerin und dann wird ihre Geschichte erzählt.
Anna und Carlo sind frisch verheiratet, als sie 1934 von Norditalien zurück in die Heimat von Carlo, Süditalien, gekommen sind.
Anna ist eine selbstbewusste junge Frau und fragt sich, was sie hier in diesem kleinen Ort erwartet.
Sie nimmt sich vor, ihren eigenen Weg zu gehen, und wird Briefträgerin. Über Jahrzehnte bringt sie den Einwohnern von Lizzanello täglich die Post.
Dabei lernt sie die Bewohner des kleinen Orts und auch so manches Geheimnis immer besser kennen.
Auch Anna verbirgt ein Geheimnis: seit ihrer Ankunft in Lizzanello hegt sie Gefühle für Antonio, den Bruder ihres Ehemanns.

Francesca Giannone hat eine ganz wunderbare Art, die Geschichte zu erzählen. Die Autorin erzählt hier nicht vorwiegend die Geschichte von Anna, der Briefträgerin, sondern eine Familiengeschichte.
Ich wurde ganz schnell von der Geschichte und den Charakteren gefangengenommen.

Die Charaktere wirken lebendig. Anna ist mir schnell sympathisch gewesen. Je mehr ich gelesen habe, umso mehr hatte ich das Gefühl, Anna persönlich zu kennen.
Auch die anderen Charaktere Carlo und sein Bruder Antonio gefallen mir gut.
Die Bewohner des kleinen Orts lernt man durch Anna langsam kennen. Zu Beginn waren sie nicht begeistert, dass Anna die Stelle als Briefträgerin angetreten ist.

Der Schreibstil von Francesca Giannone ist flüssig, gut verständlich und fesselnd.
Der Handlungsort Süditalien wird sehr anschaulich beschrieben. Das süditalienische Flair wird gut vermittelt.

„Die Briefträgerin“ wird ohne Zweifel zu meinen Jahreshighlights gehören.

Totenfrau – Der Rausch

Bernhard Aichner
Thriller
334 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an de Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Keine Ruhe für die Totenfrau

Klappentext:
Brünhilde Blum. International gesuchte Mörderin. Liebevolle Mutter zweier Töchter. Seit Monaten auf der Flucht. In Hamburg will sie zur Ruhe kommen, einen Neuanfang wagen, und fast, so scheint es, gelingt es ihr auch. Ausgestattet mit einer neuen Identität und etwas Geld wohnt sie mit ihren Töchtern in einem wunderschönen Fischerhäuschen an der Elbe und arbeitet als Aushilfe in einem Bestattungsinstitut. Alles ist gut. Bis zu dem Tag, an dem sie für ihr neues Leben bezahlen muss, denn der Mann, dem sie das neue Glück zu verdanken hat, fordert ein, was sie ihm versprochen hat. Sie soll für ihn jemanden töten. Das Problem dabei ist nur, dass es sich um einen Menschen handelt, der ihr sehr ans Herz gewachsen ist.

„Totenfrau – Der Rausch“ ist der 3. Band der Totenfrau-Reihe von Bernhard Aichner.
Zum TV-Start im Free-TV hat der Rowohlt Verlag die Reihe noch einmal neu aufgelegt.
Ich habe schon einige Bücher von Bernhard Aichner gelesen. Jetzt habe ich mir die Totenfrau-Reihe vorgenommen. Nachdem der 1. Und 2. Band ein richtige Pageturner waren, musste ich auch den 3. Band unbedingt lesen.

Brünhilde Blum wird immer noch als Mörderin gesucht. Doch inzwischen hat sie eine neue Identität und lebt mit ihren Kindern in Hamburg, wo sie Ruhe finden möchte.
Brünhilde arbeitet als Aushilfe in einem Bestattungsunternehmen, was bei ihr ja naheliegt.
Doch schon wieder wird sie aufgefordert jemanden zu töten.

Bernhard Aichner hat einen unverwechselbaren Schreibstil. Seine kurzen und prägnanten Sätze sagen so viel aus.
Seine Charaktere werden sehr lebendig dargestellt.
Blum ist eine außergewöhnliche Protagonistin. Schon im 1. Und 2. Band hat sie mich richtig überwältigt. Sie ist zwar die Böse, bringt Menschen um, trotzdem mag ich die Protagonisten.
Jetzt hätte ich ihr einmal Ruhe gegönnt, Bernhard Aichner allerdings nicht.

Bernhard Aichner baut von der 1. Seite an Spannung auf. Der Autor lässt die Geschichte zwar ruhig anfangen aber als Leser*in weiß man, dass ist die Ruhe vor dem Sturm. Und der Sturm setzt schon bald ein.

Auch der 3. Band „Totenfrau – Der Rausch“ ist ein spannender Thriller, den ich wieder mit Freuden gelesen habe.
Jetzt warte ich sehnsüchtig auf den 4. Band, „Totenfrau – Die Rückkehr“, der am 18.09.erscheinen soll.

Die Therapeutin und ihre Mörder: Dr. Pat Philipps und der tote Klient

Philippa Perry
Kriminalroman
349 Seiten
erschienen im Ullstein Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Elke Link
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein Krimi der ruhigeren Art

Klappentext:
Mit Toten ist man in Westlinke vertraut; die Seven Sisters, weiße, ziemlich hohe Kalksteinklippen, ein Hotspot für traurige Seelen, die ihrem Leben ein Ende setzen wollen. Ermordete hingegen, die gibt es so gut wie nie in diesem verschlafenen Landstrich an der südenglischen Küste. Für die Polizei ist der Fall Henry Clayton deshalb klar: Selbstmord. Eine Theorie, mit der Pat Philipps so gar nichts anfangen kann. Und sie muss es schließlich wissen. Immerhin war sie Henrys Therapeutin. Und für sie kann er nur auf einem Weg die Klippen hinabgestürzt sein kann: Er wurde gestoßen. Aber bei DS Stevens beißt sie mit ihrem Ansatz auf Granit. Also muss sie wohl selbst ermitteln: mit scharfem Blick für die menschlichen Schattenseiten, einem kratzbürstigen Kater und einem Nachbarn mit fatalen Likör-Ideen. Im Gegensatz zur Polizei stellt Pat die richtigen Fragen und findet Antworten, die sie selbst gefährlich nahe an den Abgrund bringen.

„Die Therapeutin und ihre Mörder: Dr. Pat Philipps und der tote Klient“ ist das Krimidebüt und gleichzeitig der 1. Fall für die Psychotherapeutin Pat Philipps von Philippa Perry.

Die Psychotherapeutin Dr. Pat Philipps muss erfahren, dass ihr Patient Henry Clayton Selbstmord begangen hat. Er hat sich von den Seven Sisters gestürzt. Pat, die ihren Patienten besser zu kennen glaubt, zweifelt die Theorie des Selbstmordes an. Doch DS Stevens, für den der Fall klar und schnell abgeschlossen ist, lässt sich von den Zweifeln der Therapeutin nicht beeindrucken.
Also bleibt der Psychotherapeutin nichts anderes übrig, als auf eigene Faust zu ermitteln. Hilfe bekommt sie von ihrem besten Freund Pritchard.

Philippa Perry ist selbst Psychotherapeutin, so liegt es nahe, den Krimi auch von der psychologischen Seite anzugehen.
Ihre Protagonistin Dr. Pat Philipps ermittelt so auch nicht im klassischen Sinn. Sie überzeugt durch Beobachtungsgabe und zieht auf psychologische Art ihre Schlüsse. Bald hat sie einen Verdächtigen, damit ist der Fall aber noch lange nicht gelöst.

Philippa Perry erzählt den Fall in einem ruhigen Ton. Die Charaktere sind gut gezeichnet. Mir gefallen Pat Philipps und auch ihr Freund Pritchard gut.
Die Geschichte lebt von den Dialogen und dem Humor, der immer wieder eingestreut wird.

Der Handlungsort, die englische Küste, wird anschaulich beschrieben.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich.

„Die Therapeutin und ihre Mörder: Dr. Pat Philipps und der tote Klient“ ist ein Cosy-Krimi der mich gut unterhalten hat.

Solange ein Streichholz brennt

Christian Huber
Roman
339 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine Achterbahnfahrt der Gefühle

Klappentext:
Bohm lebt seit fünf Jahren auf der Straße. Wie er aus seinem früheren Leben gerutscht ist, darüber schweigt er. Er besitzt so gut wie nichts. Einen alten Rucksack. Geschnitzte Holzmäuse. Einen Brief, den er nicht öffnen will. Mit seinem Hund Fox kämpft er sich durch die Tage und Nächte.
Hat jemand eine Chance auf die Liebe, der keine Chance im Leben hat?
Die junge, einst aufstrebende Fernsehjournalistin Alina steckt fest. Im Job und in der Angst zu scheitern. Ihre letzte Chance auf eine TV-Karriere scheint eine Reportage über das Leben auf der Straße zu sein.
Alina findet Bohm.

„Solange ein Streichholz brennt“ von Christian Huber ist ein sehr emotionaler Roman.

Im Mittelpunkt stehen Bohm und Alina, zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch sie finden sich.

Bohm ist obdachlos, lebt auf der Straße. Warum und wie es dazu gekommen ist, dazu schweigt Bohm.

Alina ist Fernsehjournalistin, aber in ihrem Beruf wie in ihrem Leben festgefahren. Jetzt bekommt sie den Auftrag, einen Obdachlosen zu begleiten und eine Reportage darüber zu drehen.
Da stößt sie auf Bohm, der aber alles andere als begeistert von der Idee ist.
Doch als Bohm Hilfe braucht, ist Alina da und er stimmt der Reportage zu.
Die Verbindung zwischen Alina und Bohm ändert sich. Da ist bald nicht mehr nur der Job, da wachsen Gefühle.

Die Geschichte ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich war lange nicht mehr so berührt von einer Geschichte.
Mit der Reportage, die Alina drehen will, erfahren die Leser*innen die Geschichte von Bohm. Und die wird schonungslos und ehrlich erzählt.
Die Charaktere werden sehr realistisch beschrieben. Nach wenigen Seiten hat man das Gefühl, die Protagonisten persönlich zu kennen. Ich habe mit ihnen gelitten, geweint und gelacht.

Der Schreibstil von Christian Huber ist flüssig und gut verständlich. Ich wurde schnell in die Geschichte hineingezogen und konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
„Solange ein Streichholz brennt“ ist eine Geschichte über Freundschaft und Verlust, die mich sehr berührt hat.