1999 Meter über dem Meer

Caroline Wahl
Roman
368 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Eine emotionale Achterbahnfahrt

Klappentext:
Samara weiß, was sie alles nicht mehr will. Aber was sie will, das weiß Samara nicht, und sie weiß noch nicht einmal, ob das schlecht ist. Jetzt hat sie knallorange gefärbte Haare, einen schönen alten Wagen und an jedem Ort, an dem sie ankommt, einen neuen Namen. Und aufwärts soll es gehen, also richtig nach oben, nach St. Moritz in den Schweizer Hochalpen. Da kommt ein schöner Mann her, den Samara mal kennengelernt hat. Überhaupt gibt es viele schöne und reiche Menschen in St. Moritz, sehr reiche Menschen, mittendrin Samara, die jetzt nicht mehr Samara heißt. Und keine Hochstaplerin ist, sondern erfolgreiche Künstlerin.

„1999 Meter über dem Meer“ ist der neue Roman der Bestsellerautorin Caroline Wahl.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Samara. Sie will den Geistern ihrer Vergangenheit entfliehen. Wohin, das ist ihr nicht so ganz klar.
So findet sie sich in 1999 Metern über dem Meeresspiegel. In St. Moritz soll es gutaussehende und wohlhabende Männer geben. Also, warum nicht St. Moritz.

Caroline Wahl entfaltet die Geschichte langsam. Man hat genug Zeit, sich mit dem Umfeld vertraut zu machen. Dann entsteht aber auch eine Dynamik, die mich wie ein Sog in die Geschichte reingezogen hat.

Die Charaktere von Caroline Wahl haben immer eine besondere psychische Tiefe.
Bei Samara ist eine innere Zerrissenheit spürbar.

Der Schreibstil ist typisch für Caroline Wahl. Er ist jung und spritzig. Gut zu lesen und gut verständlich.
Caroline Wahl schreibt ohne viel Schnörkel, sie kommt schnell zum Punkt. Etwas, was ich an ihr sehr schätze.

Der Handlungsort wird gut beschrieben. Die Berghütte, das kalte, klare Morgenlicht, der Geruch von Holz und Stein werden anschaulich beschrieben.

„1999 Meter über dem Meer“ ist ein tief berührender, atmosphärisch dichter Roman.
Ich habe auch den neuen Roman von Caroline Wahl gerne gelesen.

Prost, auf die Sportler

Friedrich Kalpenstein
Kriminalroman
365 Seiten
erschienen im Edition M Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Friedrich Kalpenstein für das Rezensionsexemplar

Sport ist Mord

Zum Inhalt:
Der erfolgreiche Biathlet Moritz Binder war der Ehrengast bei der Eröffnung eines riesigen neuen Sportgeschäfts. Am nächsten Tag wird er dort tot an der Kletterwand aufgefunden.
Hauptkommissar Tischler steht vor einem Rätsel. Der Kreis der Verdächtigen ist enorm. Der tote Sportler hat sich im Leben zwar Ruhm im Biathlon erkämpft, aber zwischenmenschlich hat er sich eher Feinde gemacht.
Parallel hierzu ermittelt Felix Fink in Sachen Frau Horák. Sie liegt bewusstlos im Chalet des Bürgermeisters, das sie mit Frau Krause gemietet hat, um dort gefälschte Taschen herzustellen. Ist Frau Horák nur dumm gestürzt oder wurde sie auf der Treppe gestoßen?

„Prost, auf die Sportler“ ist mittlerweile der 13. Band der erfolgreichen Kommissar Tischler Reihe von Friedrich Kalpenstein.

Wieder einmal darf ich in das beschauliche Brunngries reisen und den Ermittlungen von Kommissar Tischler und Polizeihauptmeister Fink beiwohnen.
Ich liebe diese Krimireihe von Friedrich Kalpenstein und fiebere jedem neuen Band entgegen. Die Protagonisten sind sehr sympathisch und mit ihrem bayrischen Humor sind sie mir richtig ans Herz gewachsen.
Hauptkommissar Tischler und Polizeihauptmeister Fink sind zu einem großartigen Team geworden. Mit ihrer bekannten T-U-F Methode haben sie schon so manchen brenzligen Fall gelöst.

Der Fall wird wieder spannend erzählt.
Es macht Freude, die Ermittler durch Brunngries und Umgebung zu begleiten. Hauptkommissar Tischler und Polizeihauptmeister Fink ermitteln im näheren Umfeld des Sportlers. Dabei decken sie ein Geheimnis auf, dass sie so nicht vermutet hätten.

Friedrich Kalpenstein lässt gleich zu Beginn, mit dem Fund der Leiche Spannung aufkommen. Diese Spannung hält sich auch über die ganze Geschichte, sie steigert sich sogar noch weiter bis zum Ende hin.

Friedrich Kalpensteins flüssiger und gut verständlicher Schreibstil sorgt dafür, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.
Spielend lässt der Autor den Bezug zur Region Oberbayern in die Handlung mit einfließen und bringt sie so seinen Leserinnen näher. Natürlich begegnen die Leserinnen auch wieder Resi, die dem Kommissar und auch mir schon sehr ans Herz gewachsen ist. Aufgelockert wird der Kriminalroman durch den intelligent eingesetzten Humor. Beim Lesen muss ich wie immer oft schmunzeln.

„Prost, auf die Sportler“ hat mir wieder schöne Lesestunden bereitet. Mir hat jeder einzelne Band gut gefallen. Mit Band 13 hat Friedrich Kalpenstein aber wirklich alle Register gezogen. Es ist mein persönlicher Liebelingsband.
Jetzt freue ich mich schon auf Band 14, wenn es wieder heißt: Prost, auf…

Totensee

Sophie Czerny
Thriller
442 Seiten
erschienen bei Droemer Knaur
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein fesselnder Höllenritt in die menschlichen Abgründe

Zum Inhalt:
Im Mittelpunkt steht Ada Sabel. Sie ist Kommissarin des LKA Wien, aber vom Dienst suspendiert.

Vor 5 Monaten verschwand ihre 14-jährige Tochter Mara. Ada ist sich sicher, Mara wurde entführt. Die Polizei geht allerdings davon aus, dass Mara von zuhause ausgerissen ist.

Am 145. Tag von Maras Verschwinden gibt es eine Wende. Am Ufer des Donaukanals wird eine kopflose Frauenleiche gefunden. Mit Blut wurde der Name ADA auf den Rücken geschrieben. Ada ist sich sicher, diese Nachricht gilt ihr. Ada nimmt auf eigene Faust die Ermittlungen auf.

„Totensee“ ist das Psychothriller-Debüt von Sophie Czerny.
Die Autorin konstruiert hier ein hochemotionales und düsteres Psychodrama, das Leser emotional fordert und bis zur letzten Seite fesselt.

Sophie Czerny erzählt die Geschichte schonungslos. Dafür hat sie vielschichtige Charaktere ins Leben gerufen.

Ada Sabel ist auf einem absoluten emotionalen Tiefpunkt angekommen. Getrieben von ihrer Verzweiflung kontrolliert sie ihren inneren Schmerz durch Selbstverletzung. Sie führt eine Strichliste, jeden Tag, an dem ihre Tochter vermisst wird, ein neuer Schnitt am Arm.
Ada ist recht unkonventionell und eigensinnig.

Heidi Bauer ist Adas Rechtsanwältin und Freundin. Sie bietet Ada ihre Unterstützung an.

Sophie Czerny hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil.
Sie hält sich nicht mit unnötigen Schnörkeln auf, sondern kommt schnell zum Punkt.
Die Kapitel sind kurz und verführen zum ständigen Weiterlesen.
Die Geschichte lebt unter anderem durch die schnellen Wechsel der Szenen und die eingeflochtenen Wendungen.

Sophie Czerny schafft durchgehend eine beklemmende Atmosphäre, was für so manchen Gänsehautmoment sorgt.

„Totensee“ ist ein spannender Thriller, der die Leser*innen an den Rand der menschlichen Abgründe führt.

Toter Schatten

Leo Born
Thriller
400 Seiten
erschienen bei Bastei Lübbe / beTHRILLED
Meine Bewertung:
5 von 5 Sterne

Vielen Dank an NetGalley Deutschland für das Rezensionsexemplar

Wieder ein echter Leo Born

Klappentext:
Dichter Nebel hält Frankfurt fest umschlossen, als Annabell ihre morgendliche Joggingrunde durch den Park dreht – und plötzlich von einer unbegreiflichen Angst ergriffen wird. Kurz darauf ist die junge Frau tot. Ihr Mörder hat auf dem Bein der Toten mit Lippenstift eine kleine Zeichnung hinterlassen: einen Schmetterling.
Kommissarin Mara Billinsky und ihr Kollege Jan Rosen nehmen die Ermittlungen in dem Fall auf und stellen schnell fest, dass Annabell als Prostituierte gearbeitet hat. Hat ihr Zuhälter sie ermordet? Oder einer ihrer Kunden?
Doch dann stößt Rosen bei seinen Recherchen auf eine rätselhafte Verbindung zu einem anderen Verbrechen. Vor acht Jahren wurde ein junges Mädchen getötet – auf ihrem Bein war ein Schmetterling tätowiert.
Während Mara und Jan fieberhaft nach dem Mörder suchen, ahnen sie nicht, dass in Frankfurts Unterwelt längst ein brutaler Bandenkrieg ausgebrochen ist – und ein alter Feind Mara nähersteht, als sie für möglich hält …
Klappentext:

„Toter Schatten“ ist schon der 11. Band der Mara Billinsky Reihe von Leo Born.
Auch dieser Band hat wieder alles, was ein guter und spannender Thriller braucht.
Es ist eben ein echter Leo Born.

Endlich ist Jan Rosen wieder an der Seite von Mara Billinsky.
Zusammen ermitteln sie im Mordfall der jungen Annabell. Sie wurde beim Joggen im Park ermordet. Der Täter hat mit Lippenstift einen Schmetterling auf ihr Bein gemalt.
Kommissarin Mara Billinsky, bekannt als „Die Krähe“, übernimmt zusammen mit ihrem Partner Jan Rosen den Fall. Schnell wird klar: Das ist erst der Anfang eines perfiden Spiels, das Mara tief in die Abgründe der Stadt führt.

Wie immer hat Leo Born seine Charaktere gut gezeichnet und lässt sie lebendig wirken. Der Star seiner erfolgreichen Krimireihe ist unbestritten Mara Billinsky.
Mara ist eine etwas eigensinnige Ermittlerin, die sich von der Masse an Ermittlern, die es in den zahlreichen Krimis und Thrillern gibt, deutlich abhebt. Sie hat Ecken und Kanten, ist stur, aber vor allem hat sie Biss. Bei ihren Ermittlungen geht sie bis an die Grenze des Erlaubten und manchmal auch darüber hinaus. Aber deswegen lieben wir sie ja auch.
Durch ihr Äußeres, schwarz gefärbtes Haar, mit Kajal schwarz umrandete Augen, schwarze Kleider und Tattoos stößt sie bei ihren Mitmenschen oft auf Ablehnung.
Mittlerweile hat sie sich bei der Polizei einen Namen gemacht. Aber nicht alle ihre Kollegen mögen Mara.

Jetzt ist Maras Kollege Jan Rosen wieder mit im Boot. Jan ist es aber deutlich anzumerken, dass ihm die Arbeit viel Überwindung kostet.
Auch muss er in diesem Band wieder einen persönlichen Schicksalsschlag hinnehmen.
Jan wird von Leo Born nicht geschont.

Mara und Jan können einfach sehr gut zusammenarbeiten. Jan ist das genaue Gegenteil von Mara, aber er ist auch ihr Ruhepol und meist zur Stelle, wenn er gebraucht wird.

Leo Born hat wieder einmal eine spannungsgeladene Atmosphäre geschaffen.
Die Spannung setzt sehr schnell ein und wird über das gesamte Buch aufrechterhalten.
Leo Born arbeitet mit schnellen Perspektivwechseln und kurzen Kapiteln, was einen enormen Sog erzeugt und immer wieder zum Weiterlesen verführt.
Wie oft habe ich gedacht, nur noch ein Kapitel und dann….
Aber Schlaf wird überbewertet. Ich habe es mir lieber mit „Toter Schatten“ und einem roten Sizilianer gemütlich gemacht.

Die Mara Billinsky Reihe ist für mich eine der zurzeit besten deutschen Thriller-Reihen.
„Toter Schatten“ wird somit auch wieder zu meinen Highlights des Jahres gehören.
Das Buch kann man auch lesen, wenn man die ersten Bände nicht kennt. Aber die Sucht wird irgendwann jeden befallen.

Jetzt heißt es wieder warten, bis der 12. Band der Reihe erscheint. Ich bin schon jetzt gespannt.

Rotwein im Blut

Georg Torres
Kriminalroman
306 Seiten
erschienen im ESCRI Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Tödliche Auslese

Zum Inhalt:
Die Spannung setzt schon im Prolog ein.
Der Winzer Nadal Díaz wird in seinem alten Weinkeller ermordet. Es ist kein einfacher Mord, sondern eine Aussage. Angeschlossen an zwei Schläuchen läuft durch einen Schlauch das Blut aus Nadal Díaz heraus. Ein zweiter Schlauch führt auf einer Seite zu einer Flasche Wein und auf der anderen Seite direkt in die Ader von Nadal Díaz.
So blutet der Winzer langsam aus.
Die Ermittlungen übernehmen Inspectora Ana Banderas und ihr Kollege Donis Nuñez.
Und ein 2. Opfer lässt nicht lange auf sich warten:

„Rotwein im Blut“ ist der 1. Band der neuen Mallorca-Krimi-Reihe von Georg Torres.

Georg Torres hat vielschichtige Charaktere zum Leben erweckt.
Die Ermittler Inspectora Ana Banderas und ihr Kollege Donis Nuñez arbeiten gut und professionell zusammen. Ihr Verhältnis ist freundschaftlich, nicht durch Missgunst und Streit getrübt wie bei vielen Kriminalromanen.
Ana ist eine moderne Frau mit klarem Verstand.
Ihr Freund Georg lebt auf einem Schiff. Er hat eine künstliche Intelligenz namens Sonia entwickelt. Die KI dient als geheimes Werkzeug, das nützliche Hinweise liefert, die die Ermittlungen voranbringen.
Der Ehemann des Opfers wird von Trauer und Schuldgefühlen geplagt. Er steht recht weit oben in der Liste der Verdächtigen.
Auch der Weinhändler Pablos Baron Rodriguez ist eine vielseitige Figur, die auch zu den Verdächtigen der Ermittler gehört.

Der Schreibstil von Georg Torres ist flüssig, bildhaft und leicht verständlich.
Der Autor versteht es, Spannung aufzubauen und seine Leser*innen zu fesseln.
Es werden immer wieder Begriffe und Redewendungen in spanischer Sprache eingestreut. Die Erklärung lässt sich leicht aus dem Kontext ableiten und verleiht der Geschichte eine gewisse Authentizität.
Georg Torres lässt auch ganz leicht und unterhaltsam einiges über die Weinherstellung und dessen Vermarktung in die Geschichte einfließen.

Die Morde und die schöne Kulisse Mallorcas stehen im harten Kontrast.
Der Autor lässt die Leser*innen abseits von Massentourismus durch kleine Städtchen und enge Gassen wandeln. Die alten Bodegas und die Weinberge geben eine idyllische Atmosphäre.

Auch der mallorquinische Wein kommt nicht zu kurz.

„Rotwein im Blut“ ist ein rundum gelungener Auftakt der Mallorca-Krimi-Reihe.
Am Ende, wenn schon alles aufgelöst ist, gibt es einen neuen Mordfall. Ein Greenkeeper hat auf dem Golfplatz einen Toten gefunden. Er liegt neben dem achtzehnten Grün.
Und der 2. Band heißt dann auch „Tödliches Handicap“ und erscheint am 5.11.2026.
Wie genial ist das denn.

TELCHRON – In einem Land nach unserer Zeit

Markos Themelidis
Science-Fiction
311 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Ein packender Endzeitroman -Auftakt

Klappentext:
Nach einer globalen Katastrophe liegt die Welt in Trümmern. Die Zivilisation ist zusammengebrochen, die Menschheit beinahe ausgelöscht. Verstreut und unorganisiert fristen die verbliebenen Menschen vielerorts ein kärgliches Dasein, unfähig, neue Strukturen aufzubauen.
Eine Ausnahme findet sich in einem Landstrich in Hessen, rund um den Taunus. In einer Handvoll Siedlungen betreiben die Bewohner Ackerbau und Viehzucht und leben in einfachen Verhältnissen, auf dem Stand des vorindustriellen Zeitalters. Eine militaristische Clique kontrolliert das Territorium. Sie nennen sich die Katharzisten und das Gebiet die Schutzzone. Hier gelten ihre Regeln. Wer gegen sie verstößt, muß mit gnadenloser Bestrafung rechnen.
So ergeht es dem jungen Landwirt Chris aus Altenhof, einem Dorf am Fuße des Feldbergs. Bei der Jagd in einem verbotenen Waldgebiet gerät er in einen Hinterhalt. Auf der Flucht stößt er auf den verborgenen Einstieg in einen schmalen Tunnel. Als letzte Zuflucht kriecht er hinein und macht eine Entdeckung, die das Schicksal der Schutzzone für immer verändern könnte.

„TELCHRON – In einem Land nach unserer Zeit“ ist der 1. von 13 Bänden einer Endzeit-Roman-Serie von Markos Themelidis.
Der 2. Band erscheint schon am 23.11. danach wird alle 2 Monate ein weiterer Band erscheinen.

Ich habe etwas Zeit gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen. Man muss sich erst mit dieser Ausnahmesituation und den verschiedenen Charakteren vertraut machen. Aber einer so umfangreichen Reihe sollte man die Zeit geben, die sie braucht, um die Lesenden voll und ganz zu erreichen.

Nach einer globalen Katastrophe sind nur noch einzelne Orte dünn besiedelt. Die Regeln werden neu geschrieben. Ein bescheidenes Fleckchen Zivilisation gedeiht jedoch in einem Landstrich in Hessen, rund um den Taunus. Eine Clique, die sich Katharzisten nennt, will das Gebiet kontrollieren.

Markos Themelidis hat vielschichtige Charaktere zum Leben erweckt.
Chris ist eigentlich Landwirt. Jetzt wird er zum Bindeglied, das die Leser*innen praktisch an die Hand nimmt und durch die verbleibende Welt führt.
Er handelt aus einer Not heraus und sticht dabei in ein Wespennest. So wird der Landwirt zum Gejagten.
Die Katharzisten bringen eine bedrohliche Dynamik in die Geschichte.
Sie wollen die Ordnung, die verloren gegangen ist, um jeden Preis aufrechterhalten.

Der Schreibstil von Markos Themelidis ist flüssig und bildhaft.
Die Beschreibungen der Natur und der klaustrophobischen Tunnelanlagen sind bildhaft umgesetzt.

Ich habe bis vor kurzer Zeit in Frankfurt gelebt und so ist mir das Setting gut bekannt. Die bekannte Landmarken wie der Feldberg, das dichte Unterholz des Taunus und kleine, rekonstruierte Dörfer erzeugen bei mir ein Gefühl der Vertrautheit.
Die Atmosphäre, die Markos Themelidis schafft, lässt die Leser*innen das raue und entbehrungsreiche Leben vom Rest der Menschheit spüren.
Die permanente Bedrohung durch die Patrouillen der Katharzisten sorgt für Spannung.

Auch wenn der Anfang für mich etwas holprig war, ist „TELCHRON – In einem Land nach unserer Zeit“ ein vielversprechender Start der Endzeitreihe und macht Lust auf mehr.

Die Rosentochter

Tessa Collins
Roman
505 Seiten
erschienen im Ullstein Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar

Der Abschlussband der Blumentöchter-Saga

Klappentext:
Ein altes Stück Stoff, der Duft von Blumen und eine Handvoll Erinnerungen: Mehr bleibt ihr nicht von einem Leben, das vor ihrem eigenen begann. Auf der Suche nach Antworten entdeckt sie, wie eng Verlust, Hoffnung und Liebe miteinander verwoben sind.
Nara hat alles, was sie sich wünschen könnte: eine zauberhafte Tochter, eine florierende Gärtnerei und mit ihren vier Nichten Dalia, Soley, Lali und Magnolia Familie und Freundinnen in einem. Doch der Tod ihrer Adoptiveltern wirft sie aus der Bahn. Und als sie ein altes Handtuch mit der Stickerei eines namibischen Kinderheims findet, steht ihre Welt auf dem Kopf.
Entschlossen, ihre Wurzeln zu finden, reist Nara nach Namibia. Dort erfährt sie nicht nur vom Schicksal ihrer leiblichen Eltern, sondern auch von der bewegenden Vergangenheit ihrer Adoptivmutter Rose. Zwischen den Weiten der Wüste und den Wellen des Atlantiks begegnet Nara ihrer eigenen Geschichte – und einer zweiten Chance auf die Liebe.

„Die Rosentochter“ ist der 5. Band der Blumentöchter-Saga von Tessa Collins.
Tessa Collins ist das Pseudonym von Silke Ziegler, die mich schon mit ihren Krimis und der Purpurküsten-Reihe begeistert hat.

Nachdem mir die ersten vier Bände so gut gefallen haben, wartete ich schon sehnsüchtig auf Band 5.

Tessa Collins entführt ihre Leser*innen nach Namibia.
Im Mittelpunkt steht Nara, auch sie begibt sich auf eine Spurensuche. Nach dem Tod ihrer Adoptivmutter findet Nara ein altes Handtuch, darauf eine Stickerei aus einem Kinderheim in Namibia.
Nara begibt sich auf die Suche nach ihren Wurzeln.
Diese Suche führt Nara nach Namibia. Hier findet sie nicht nur Antworten auf die Frage ihrer Herkunft, sie deckt auch alte Tragödien auf.

Tessa Collins versteht es, Charaktere zu zeichnen und durch die Geschichte zu führen. Vor allem hat mir in diesem Band Nara gefallen. Sie ist eine nahbare, vielschichtige Frau.
Ihre anfängliche Skepsis wandelt sich im Laufe der Handlung in eine feste Entschlossenheit.

Die Figuren der Vergangenheit erwachen durch Tagebücher, Briefe und Rückblenden zum Leben. Ihre Entscheidungen und Opfer wirken bis in die Gegenwart nach und sind psychologisch feinfühlig ausgearbeitet.

Tessa Collins hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Die Handlungsorte werden anschaulich beschrieben. Der Duft der Rosen ist mir richtig um die Nase geweht.

„Die Rosentochter“ ist nun der Abschluss der Blumentöchter-Saga, mit der mir Tessa Collins viel Freude bereitet hat.

Blumentöchter-Saga:
Band 1 Die Blumentöchter
Band 2 Die Wildblütentochter
Band 3 Die Nelkentochter
Band 4 Die Magnolientochter
Band 5 Die Rosentochter

Niederegger – Der Traum von edlem Genuss

Lena Johannson
Historischer Roman
393 Seiten
erschienen bei Droemer Knaur
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Der Geschmack von Ehrgeiz und süßen Mandeln

Klappentext:
Lübeck 1800. In der Konditorei Maret gibt es exquisites Gebäck und eine Auslage voller Köstlichkeiten. Doch der Geselle Johann träumt noch von viel mehr. Er möchte Marzipan herstellen, das an kalten Wintertagen das Herz wärmt. Schnell macht er sich mit seinem Geschick über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen. Doch gerade als er und seine große Liebe Anna ihren Zielen zum Greifen nah kommen, wird die Wirtschaftsblockade verhängt, und der Handel mit den wertvollen Mandeln kommt zum Erliegen. Die beiden stehen davor, alles zu verlieren, als Johann ein weiteres Wagnis eingeht … mit folgenschweren Konsequenzen.

„Niederegger – Der Traum von edlem Genuss“ von Lena Johannson erzählt die Geschichte der Familie Niederegger.

Wer kennt Niederegger nicht? Ich liebe Marzipan über alles und so wollte ich auch dieses Buch genießen.

Die Autorin entführt ihre Leser*innen in die Anfänge des 19. Jahrhunderts nach Lübeck.
Im Mittelpunkt steht Johann Georg Niederegger, ein ambitionierter Geselle in der traditionsreichen Lübecker Konditorei Maret.
Hier stellt er erlesene Köstlichkeiten her. Doch Johann hat noch andere Visionen, er möchte eine ganz besondere Leckerei herstellen. Das perfekte Marzipan.
Bald hat er es geschafft, sein Marzipan erfreut sich großer Beliebtheit.
Doch da wird eine Wirtschaftsblockade verhängt und der Handel mit den Mandeln kommt zum Erliegen.
Jetzt heißt es alles zu wagen, oder die Existenz zu verlieren.

Lena Johannson lässt ihre Charaktere richtig lebendig werden.
Johann ist ehrgeizig, fleißig und entwickelt für das, was er macht, eine große Leidenschaft.
Anna steht stets an seiner Seite. Sie ist eine starke und eigenständige Frau.
Sie bestärkt und unterstützt Johann.
Auch die Nebenfiguren, wie die Inhaber der Konditorei Maret oder auch die Händler, fügen sich gut ins Bild.
Alle Protagonisten sind lebensnah und sympathisch.

Der Schreibstil von Lena Johannson ist flüssig und gut verständlich.
Das frühe 19. Jahrhundert beschreibt die Autorin glaubhaft.
Die Beschreibung der Herstellung des Marzipans, die Röstung der Mandeln und das Verkneten der Masse haben mir das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.
Auch der Handlungsort Lübeck wird anschaulich beschrieben. Die engen Gassen, die Kaufmannshäuser und der Trubel rund um das Holstentor werden gut vermittelt.
Man kann das Flair der alten Hansestadt spüren.

„Niederegger – Der Traum von edlem Genuss“ ist der perfekte Roman für die nun kälter werdende Jahreszeit.

Der Soundtrack meiner Träume

Katja Ollech
Roman
erschienen im Selfpublishing
212 Seiten
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Katja Ollech für das Rezensionsexemplar

Wenn das Leben eine zweite Chance bekommt

Klappentext:
Pia hätte nie gedacht, dass ihr Leben so leer sein würde, wenn die Kinder einmal aus dem Haus sind. Alles ist anders gekommen, als sie es sich mit siebzehn erträumt hatte.

Heute, dreißig Jahre später, begegnet sie auf einem Klassentreffen ihrer besten Freundin Paula wieder. In der Schule waren die beiden unzertrennlich, doch dann gingen sie getrennte Wege. Paula wurde eine erfolgreiche Fotografin, Pia Hausfrau und Mutter.

Mit den geheimnisvollen Worten „Melde dich, wenn du wieder zurück bist“ drückt Paula ihr ein altes Notizbuch in die Hand. Darin entdeckt Pia ihre früheren Träume wieder: Mit ihrem Schwarm Marco zusammenzukommen, Journalistin zu werden und die Welt zu bereisen. Nichts davon hat sie erreicht.

Doch plötzlich wacht sie als Jugendliche in den Neunzigern auf und kann ihre damaligen Entscheidungen noch einmal treffen. Schon bald begreift sie, dass die Änderungen einen Preis haben.

In ihrem Roman „Der Soundtrack meiner Träume“ entführt Katja Ollech ihre Leser*innen auf eine emotionale und auch humorvolle Reise in die 1990er Jahre.

Im Mittelpunkt steht Pia. Nachdem die Kinder aus dem Haus sind, ist Pias Leben leer geworden. Als sie bei einem Klassentreffen ihre einst beste Freundin wiedertrifft, bekommt sie zum Abschied ein altes Notizbuch in die Hand gedrückt. Beim Lesen des Büchleins spürt Pia fast schmerzhaft, welche Träume sie einst gehabt hat.
Sie wollte als Journalistin Karriere machen und da war auch noch Marco, ihr einstiger Schwarm.
Plötzlich wacht Pia im Jahr 1995 und steckt im Körper ihres 17-jährigen Ichs.
Sie hat das Wissen und die Lebenserfahrung von heute und bekommt eine 2. Chance, ihr Leben zu leben.

Katja Ollech hat ganz besondere Charaktere ins Leben gerufen.
Pia war mir schnell sympathisch. Sie ist eine Frau, die mitten im Leben steht.
Der Kontrast zwischen der reifen Frau und dem Teenager haben mich oft zum Schmunzeln gebracht.

Der Schreibstil von Katja Ollech ist flüssig und leicht verständlich.
Die Autorin erzählt die Geschichte aus der Perspektive von Pia.
Auch die Sprache ist sehr gut an die Zeit angepasst. So verfällt sie gerne in die Jugendsprache der 190er Jahre.
Wie man dem Titel schon entnehmen kann, kommen in der Geschichte auch viele Musiktitel der 1990er Jahre vor. Ein Stückchen Nostalgie das ich genossen habe.

„Der Soundtrack meiner Träume“ ist eine emotionale und humorvolle Geschichte, über die 2. Chance, die das Leben verdient.

Hildur – Das Tal der Schuld

Satu Rämö
Kriminalroman
426 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Übersetzt aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an das Bloggerportal und den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar

Hildur ermittelt wieder

Klappentext:
Kriminalbeamtin Hildur Rúnarsdóttir unterstützt die Bauern in den Westfjorden beim alljährlichen Schafabtrieb in den Bergen. Dabei stoßen sie in einem einsamen Tal auf eine tote Frau. Es handelt sich um eine Deutsche, die für eine Hotelkette aus Reykjavík arbeitete. Was zunächst nach einem Wanderunfall aussieht, entpuppt sich als Mord. Tante Tinna fällt eine Parallele zu Hildurs allererstem Mordfall vor 25 Jahren auf. Hat derselbe Täter nun erneut zugeschlagen? Während Hildur versucht, die Spuren aus der Vergangenheit mit denen aus der Gegenwart zu verbinden, sucht auch Tinna nach Antworten. Sie will wissen, was aus ihrer Schwester Hulda wurde, die Anfang der Siebziger aus Island verschwand.

„Hildur – Das Tal der Schuld“ ist der 5. Band der Hildur-Reihe von Satu Rämö.

Im Mittelpunkt steht die Kriminalbeamtin Hildur Rúnarsdóttir.
Hildur ist Kriminalbeamtin in den Westfjorden und leitet die Abteilung für vermisste Kinder in schwach besiedelten Gebieten. Da die Westfjorde recht dünn besiedelt sind und wenig Verbrechen geschehen, hilft Hildur auch bei allen anfallenden Polizeiarbeiten.
Hildur surft gerne, auch im Winter liebt sie es, in der kalten See die Wellen zu beherrschen.

Leiterin der Polizeistation in Isafjördur ist noch Elisabet Baldursdóttir, kurz Beta genannt. Beta, die aus privaten Gründen nach Reykjavik gezogen ist, hat sich bereit erklärt, die Stelle der Leiterin noch einmal für ein Jahr zu übernehmen. Bis dahin ist der finnische Polizist Jakob so weit um sich auf die Stelle zu bewerben, und Beta wird zurück nach Reykjavik gehen.

Jakob hat mit einem Auslandspraktikum bei der Polizei in Isafjördur angefangen und ist mittlerweile heimisch geworden. Bekannt ist Jakob dafür, dass er immer und überall sein Strickzeug auspackt und wunderschöne Islandpullover strickt. Mittlerweile ist er in einer festen Beziehung und auch sein Sohn lebt bei Jakob.

Mir sind die Charaktere seit dem 1. Band sympathisch und ich freue mich immer wieder, wenn ich sie begleiten darf.

Der Fall ist wieder spannend und Hildur stellt Parallelen zu einem alten Fall fest.
Auch damals ist eine junge Frau tot aufgefunden worden. Es wurde allerdings als Unfall eingestuft. Daran zweifelt Hildur heute.
So gibt es immer wieder einmal zurück in die Vergangenheit.
In der Gegenwart ermittelt Hildur im heutigen Fall. Eine junge Deutsche, die in Island lebt, wurde tot aufgefunden. Bei dem näheren Betrachten des Umfelds erfährt Hildur, dass die Frau vor kurzem ein Kind geboren und ausgesetzt hat. Was hat die Frau dazu bewogen?

Der Fall wird wieder sehr spannend erzählt. Als Leser*in wechselt man zwischen den Ermittlungen und der Vergangenheit.
Satu Rämö hat einen sehr fesselnden und flüssigen Schreibstil. Ihre Charaktere sind sympathisch und richtig lebendig.
Die Charaktere begleite ich jetzt schon im 5. Band und sie sind mir durchweg sympathisch.
Das Buch ist aber noch so viel mehr als ein Krimi.
Die Autorin beschreibt Island mit großer Hingabe. Die raue Natur, die Naturgewalten, die dünne Besiedlung der Westfjorde. All das kann man sich anhand der Beschreibung sehr gut vorstellen.

„Hildur – Das Tal der Schuld“ hat alles, was ein guter Krimi braucht. Einen spannenden Fall, tolle Charaktere und ein interessantes Setting.

Ich freue mich sehr, dass die Reihe weitergeht, und hoffe auf einen 6. Band.