Das Versprechen der weißen Wolke

Christiane Lind
Historischer Roman
520 Seiten
erschienen bei Independently published
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Christiane Lind für das Rezensionsexemplar

Historischer Roman mit realem Hintergrund

Klappentext:
Hamburg, 1842: Als der große Brand ihr Zuhause vernichtet, bleibt Julie Seeghers und ihrer Familie nur ein Ausweg, die Auswanderung nach Neuseeland. Die Überfahrt auf der St. Pauli wird zur Prüfung, und in der rauen Siedlung Nelson warten weder Wohlstand noch Sicherheit auf die Auswanderer.
Während Julies Familie unter dem Druck der Fremde zu zerbrechen droht, verstrickt sich ihre Schwester Karoline in eine hoffnungslose Affäre. Auch Julie muss erkennen, dass in einer Welt voller Pflicht und Erwartungen nicht das Herz über das eigene Schicksal entscheidet.

Mit ihrem Roman „Das Versprechen der weißen Wolke“ veröffentlicht Christiane Lind eine fesselnde und tiefgründige Familiensaga.

1842 wütete ein großer Brand in Hamburg, bei dem viele Menschen ihr Hab und Gut verloren haben.
So auch die Familie Seeghers. Die Familie beschließt, mit ihren beiden Töchtern Julie und Karoline nach Neuseeland auszuwandern.
Sie besteigen das Schiff St. Pauli, um sich am anderen Ende der Welt ein neues Leben aufzubauen. Die Überfahrt dauert mehrere Monate, die Familie muss sich auf engstem Raum zusammenfinden.
Aber das ist nur ein Vorgeschmack. Noch ahnen sie nicht, welche Entbehrungen sie in der Siedlung Nelson in Neuseeland erwarten.

Wie von Christiane Lind gewohnt, beschreibt sie die Handlungsorte sehr anschaulich.
Den Beginn nimmt die Geschichte im rußgeschwärzten Hamburg.
Darauf folgt die klaustrophobische Enge auf dem Auswandererschiff. Der schärfste Kontrast entfaltet sich jedoch mit der Ankunft in Neuseeland.
Nelson, Neuseeland, empfängt Julie und Karoline und die Familie nicht mit dem erträumten Wohlstand, sondern mit Regen, Schlamm und provisorischen Unterkünften. Nahrung, Arbeit und ein Heim müssen mühsam errungen werden. Doch inmitten aller Unsicherheit entstehen erste Freundschaften und die Hoffnung, ein Zuhause finden zu können.
Christiane Lind zeichnet die historische Siedlung Nelson nicht als idyllisches Paradies, sondern als eine raue, improvisierte Pioniersiedlung.
Die wilde Natur des Landes wird dabei selbst zu einer Art Protagonist. Sie ist atemberaubend schön, fordert den Siedlern jedoch gleichzeitig alles ab.

Im Mittelpunkt stehen die recht unterschiedlichen Schwestern Julie und Karoline.
Julie ist mit ihrer ruhigen Art so etwas wie der Anker der Familie. Sie denkt rational, nimmt die Gegebenheiten hin, die nicht zu ändern sind. Julie wächst aber auch über sich hinaus, wenn es um das Überleben der Familie geht.
Karoline hingegen ist emotional und impulsiv. Sie sorgt für einige dramatische Wendungen in der Geschichte.

Christiane Lind versteht es hervorragend, eine dichte, beinahe greifbare Atmosphäre herzustellen.
Ihr Schreibstil ist flüssig und gut verständlich.
Die Erzählung ist so intensiv, dass man bei der Überfahrt das Meer spürt und das Salz riechen kann.

Man spürt beim Lesen, wie viel Herzblut Christiane Lind in die Recherche für die Geschichte gesteckt hat.
Die fiktive Geschichte ist in einen historisch überlieferten Rahmen gebettet.
Der Hamburger Brand so wie die Überfahrt der St. Pauli sind historisch überliefert.

Auch die Einbindung der indigenen Kultur Neuseelands möchte ich erwähnen.
Christiane Lind beschreibt das tiefe Naturverständnis der Maori mit großem Respekt und Verstand, ohne dabei in Klischees zu verfallen.

„Das Versprechen der weißen Wolke“ ist ein rundum gelungener historischer Roman, der weit über eine Auswanderergeschichte hinausgeht.

Die Leuchtturmschwester

Lori Kilian
Roman
374 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine bewegende Reise zu den Äußeren Hebriden

Klappentext:
1923, Schottland: Nach Jahren fern der Heimat kehrt Eliza als Krankenschwester auf die windgepeitschten Äußeren Hebriden Schottlands zurück. Dort soll sie die abgelegen wohnenden Leuchtturmwärterfamilien versorgen – und sie hofft, ihrer Schwester Màiri wieder nahe zu sein. Doch die raue Inselwelt, das Misstrauen der Bewohner und die Erinnerungen an eine Nacht, die ihr Leben für immer veränderte, stellen sie auf die Probe. Dann begegnet sie Aidan, einem Arzt, der sich nach einem Kriegstrauma als Leuchtturmwärter in die Einsamkeit geflüchtet hat. Zwischen Stürmen, gefährlichen Einsätzen und stillen Stunden am Meer muss Eliza lernen, Schuld loszulassen – und entscheiden, ob sie den Mut hat, ihrem Herzen ein zweites Mal zu vertrauen.

In ihrem historischen Roman „Die Leuchtturmschwester“ entführt die Autorin Lori Kilian ihre Leser*innen nach Schottland in das Jahr 1923.
Inspiriert von den historischen Überlieferungen der mutigen „District Nurses“ zeichnet die Autorin ein tiefgründiges Bild von Schuld, Heilung und der ungezähmten Kraft des Meeres.

Lori Kilian hat starke Charaktere gezeichnet und lebendig werden lassen.

Eliza ist eine pflichtbewusste, innerlich zerrissene Protagonistin. Eine Frau, die trotz eigener seelischer Wunden unermüdlich für das Wohl anderer kämpft.

Màiri ist Elizas jüngere Schwester. Die Leser*innen lernen sie auf ihrer Hochzeit kennen. Und hier begegnen sich Eliza und Màiri auch nach längerer Zeit wieder. Ihr Verhältnis zueinander ist angespannt.

Aidan ist ein Leuchtturmwärter mit einem tiefen Trauma. In seinem Leben vor dem Krieg war er Arzt. Eliza fühlt sich zu ihm hingezogen und möchte erfahren, warum Aidan die Einsamkeit des Leuchtturms gewählt hat und nicht mehr als Arzt tätig ist.

Mir gefallen die Charaktere sehr gut und ich habe sie allesamt schnell ins Herz geschlossen.

Lori Kilian beschreibt den Handlungsort, die Äußeren Hebriden, sehr anschaulich. Ich konnte mir die raue Landschaft und das gewaltige Meer gut vorstellen. Im Gegensatz dazu sind die weiten weißen Strände ein toller Gegensatz.

Die Atmosphäre der Geschichte wechselt zwischen Melancholie und Hoffnung.
Der Leitsatz des Buches „Solange das Licht nicht erlischt, ist alles gut“ gefällt mir so gut, dass ich ihn hier erwähnen möchte.

Der Schreibstil von Lori Kilian ist flüssig und gut verständlich. Das schwere Leben auf den Äußeren Hebriden wird gut vermittelt.

„Die Leuchtturmschwester“ ist ein ergreifender und atmosphärischer Historischer Roman, den ich mit Freude gelesen habe.

Schlosshotel Fuschl

Caren Benedikt
Historischer Roman
393 Seiten
erschienen im Blanvalet Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Blanvalet Verlag für das Rezensionsexemplar

Atmosphärischer Roman

Klappentext:
Salzburger Land, Sommer 1955: Theresa von Reuschenberg, Hotelière mit Herz und Vision, steht vor dem Chaos. Die Festspiele laufen, »Sissi« wird gedreht, die High Society geht bei ihr ein und aus und plötzlich taucht ihr tot geglaubter Bruder Benedikt auf. Gezeichnet von der Kriegsgefangenschaft, fordert er seinen Anteil am Familienerbe. Während Theresa von finanziellen Schwierigkeiten geplagt um ihre Hotels kämpft, droht Benedikt, alles zu zerstören. Doch Theresa lässt sich ihre Liebe und Leidenschaft nicht nehmen und tut alles, um ihre Hotels, vor allem aber ihre Familie, beisammenzuhalten.

„Schlosshotel Fuschl“ ist ein atmosphärischer Roman von Caren Benedikt.
Die Autorin hat mir schon viele schöne Lesestunden geschenkt, auf das neue Werk war ich schon sehr gespannt.

Caren Benedikt entführt ihre Leser*innen ins Salzburger Land, in das Jahr 1955.
In diesem Roman erzählt die Autorin die Geschichte des Schlosshotels Fuschl und die der Familie von Theresa von Reuschenberg.

Die Charaktere sind das Herzstück des Romans.

Theresa von Reuschenberg leitet die Hotels Goldener Hirsch und das Schlosshotel Fuschl.
Die Festspiele verlangen Theresa einiges ab, denn die Menschen kommen von überall her.

Sophie, die Tochter von Theresa, muss kräftig mit anpacken. Geplant ist, dass Sophie eines Tages das Hotel weiterführen wird.
Doch Sophies Plan ist es, mit dem in Salzburg stationierten US-Soldaten James in die USA zu gehen.

Die 2. Tochter Marie hilft nur in den Semesterferien im Hotel. Sie studiert am Mozarteum und liebt es, den Gästen abends etwas vorzusingen.

Benedikt ist der Bruder von Theresa. Keiner rechnet mehr damit, dass Benedikt noch am Leben ist. Ist der Krieg doch schon länger beendet und von Benedikt gibt es keine Spur.
Doch als er plötzlich wieder auftaucht, fordert er seinen Teil des Erbes ein. Das stellt Theresa vor große Probleme.

Die Charaktere werden gut beschrieben und sind mir schnell sympathisch gewesen.
Die Autorin vermittelt gut das Leben in den 1950er Jahren. Die Menschen wollen wieder ausgehen, sich etwas gönnen. Das sieht man am Zulauf, den die Salzburger Festspiele haben.
Auch die jüngere Generation möchte sich nicht mehr in ein Leben pressen lassen. So hat Theresas Tochter Sophie ihre eigenen Pläne.
An Benedikt kann man spüren, welche Spuren der Krieg und eine lange Kriegsgefangenschaft hinterlassen haben.

Caren Benedikt beschreibt das Hotel und den Handlungsort sehr anschaulich. Man kann sich die schöne Landschaft und den Fuschlsee gut vorstellen.
Das Hotel und auch die Festspiele verleihen der Geschichte eine besondere Atmosphäre.

Der Schreibstil von Caren Benedikt ist wie immer flüssig und gut verständlich.
Die Autorin verwebt einige reale Hintergrundinformationen in die fiktive Geschichte.
Dazu gibt es wie meist von Caren Benedikt im Anhang noch reichlich Informationsmaterial.

Inspiriert zu diesem Roman wurde die Autorin von Harriet Walderdorff, die in Salzburg das Hotel Goldener Hirsch führte und am Fuschlsee das Schlosshotel.

„Schlosshotel Fuschl“ hat mir wieder einmal die schönsten Lesestunden bereitet. Ich würde am liebsten noch weiterlesen.
Vielleicht entschließt sich Caren Benedikt ja zu einer Fortsetzung.

Die geheime Mission

Titus Müller
Historischer Roman
339 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an das Bloggerportal und den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar

Zerrissen zwischen Ost und West

Klappentext:
Nela wächst als Tochter einer Kommunistin auf und hilft beim Aufbau in der Sowjetischen Zone. Vom Vater redet die Mutter nur verächtlich, er ist in ihren Augen ein Kollaborateur der Nazis. Nela trifft sich heimlich in Westberlin mit ihm. Je näher sie den Vater kennenlernt, desto mehr erfährt sie über ihn und die tragische Vergangenheit der Familie. Und desto mehr muss sie ihre Ideologie hinterfragen. Als die Lage in den westlichen Sektoren Berlins sich weiter zuspitzt, gesteht ihr der Vater, für die CIA zu arbeiten, und macht sie zur Kurierin zwischen Ost und West. Bald steht Nela zwischen allen Fronten und muss entscheiden, wen sie künftig unterstützen will. Auch Erik, den sie in der Redaktion der »Jungen Welt« kennenlernt, wirft Fragen auf. Wochenlang bleibt er verschwunden und offenbart ihr nicht, wo er war. Wem kann Nela noch vertrauen?

„Die geheime Mission“ ist der 1. Band der Kurierin-Reihe von Titus Müller.

Titus Müller schickt seine Leser*innen zurück in das Jahr 1948.
Der Handlungsort ist das geteilte Berlin.
Im Mittelpunkt steht Nela. Sie lebt im sowjetischen Sektor bei ihrer Mutter.
Die Mutter ist eine Anhängerin des Kommunismus. Über den Vater, der im Westen Berlins lebt, redet sie nur schlecht. Nela sucht nach dem Vater und möchte seine Seite der Wahrheit hören. Noch ahnt sie nicht, wie gefährlich das Treffen werden kann. Der Vater arbeitet als Spion bei der CIA und macht seine Tochter zur Kurierin zwischen Ost und West.

Titus Müller hat seine Charaktere gut gezeichnet und führt sie gekonnt durch die Geschichte.
Die 18-jährige Nela kam mir zu Beginn etwas naiv vor, hat sich aber schnell zu einer selbstbewussten Frau entwickelt. Ihre Zerrissenheit zwischen Mutter und Vater spiegelt die Zerrissenheit des Landes wider.

Ingwelde und Gerhard, die Eltern von Nela, sind so verschieden wie der Westen und der Osten Deutschlands. Jeder glaubt an die Zukunft und daran, dass seine Einstellung die bessere ist. So ist Ingwelde vom sozialistischen System überzeugt, während Gerhard sich beim Geheimnis dagegen auflehnt.

Und Erik, den Nela in der Redaktion der „Jungen Welt“ kennenlernt, sorgt für etwas Romantik in der Geschichte.

Der Schreibstil von Titus Müller ist sehr atmosphärisch, flüssig und fesselnd.
Das zerstörte und hungernde Nachkriegsberlin wird den Leser*innen gekonnt vermittelt.
Die wechselnden Perspektiven machen die Geschichte besonders interessant. Man erfährt nicht nur eine Haltung, sondern kann sich ein gutes Gesamtbild machen.
Die Arbeit des Geheimdienstes wird genauso angesprochen wie die Luftbrücke zwischen West und Ost.

Besonders interessant macht das Buch die realen Hintergründe. Hier setzt der Autor etwas Wissen über die deutsche Vergangenheit voraus. Im Anhang gibt es allerdings auch noch eine detaillierte Aufstellung der historischen Hintergründe.

„Die geheime Mission“ ist ein spannender Spionageroman, der mir Lust auf mehr gemacht hat.

Sturmland

Miriam Georg
Historischer Roman
599 Seiten
erschienen Rowohlt Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein wunderbarer Start der Sturmland-Saga

Klappentext:
Niemand darf erfahren, wer Cora wirklich ist! Die Reedertochter muss aus ihrem alten Leben in Hamburg fliehen und nimmt unter falschem Namen eine Stelle als Hauslehrerin im Seebad Norderney an. Doch die Nordsee ist unberechenbar. Schon kurz nach ihrer Ankunft bringt Cora sich und ihre Schülerin Emmi in Lebensgefahr …

Der Tagelöhner Onnen beobachtet das Unglück. Kein Wunder, dass die unwissenden Badegäste ständig in Seenot geraten. Ausgerechnet mit dieser Gouvernante soll er nun zusammenarbeiten. Weil er dringend Geld braucht, nimmt er den Job an.

Von Tag zu Tag kommen Cora und Onnen sich näher. Doch Onnen hat eine Vergangenheit auf seiner Heimatinsel Borkum, die er fest in sich verschlossen hält. Und Cora hat Menschen in Hamburg, die sie verzweifelt zurückholen wollen.

Aber das darf nicht passieren. Niemand darf erfahren, wer Cora ist und was sie getan hat …

„Sturmland“ ist der erste Band der Sturmland-Saga von Miriam Georg.
Die Autorin hat mich schon mit einigen Romanen begeistert, und immer, wenn ein neuer Roman erscheint, bin ich schon ganz aufgeregt, dieses Buch zu lesen.

Cora ist die Tochter eines Reeders aus Hamburg. Nach dem Tod ihrer Mutter verlässt Cora Hamburg, um eine Stelle als Gouvernante für die 10-jährige Tochter Emmi, die Tochter des Architekten Alexander Klaasen, anzutreten. Emmi soll sich auf Norderney erholen, die Seeluft ist gut gegen die Symptome der Tuberkuloseerkrankung.
Doch kurz nach dem Eintreffen auf Norderney, geraten Cora und Emmi in Gefahr.
Inselbewohner und der Tagelöhner Onnen sorgen für ihre Rettung. Onnen wird von Alexander Klaasen beschäftigt, um auf Emmi und Cora aufzupassen.
Onnen nimmt die Stelle nur an, weil er dringend Geld braucht. Die Gouvernante ist ihm unsympathisch. Und trotzdem nähern sich beide nach einiger Zeit an.

Miriam Georg hat interessante Charaktere entworfen und lebendig werden lassen.
Cora war mir vom ersten Augenblick an sympathisch. Sie ist eine wissbegierige und intelligente Frau. Das war in dieser Zeit und in den Kreisen, in denen Cora verkehrt ist, nicht üblich. Sie hat Hamburg verlassen und ein Geheimnis, von dem niemand erfahren darf, mitgenommen.

Auch Onnen ist ein wichtiger Charakter. Zu Beginn konnte ich ihn nicht einschätzen. Je länger ich ihm gefolgt bin, umso sympathischer wurde er mir. Auch Onnen hat ein Geheimnis. Von seinem Leben auf Borkum darf niemand erfahren.

Miriam Georg erzählt die Geschichte sehr interessant. Es ist nicht nur eine Liebesgeschichte auf Norderney. Die Autorin vermittelt ihren Leser*innen die Anfänge der Seenotrettung auf eine unterhaltsame und auch auf eine interessante Art.

Die beiden Charaktere Cora und Onnen stehen für die verschiedenen Gesellschaftsschichten. Cora kommt aus gutem Haus und hatte nie Geldsorgen. Onnen ist Tagelöhner und lebt quasi von der Hand in den Mund.

Die Zeit, die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, spiegelt die Autorin realistisch wider.
Der Schreibstil von Miriam Georg ist flüssig und gut verständlich. Gekonnt lässt sie die Spannung in der Geschichte stetig ansteigen.

„Sturmland“ ist ein Roman mit romantischen wie auch dramatischen Szenen. Ich freue mich schon auf den 2. Band „Salzwind“, der schon am 6. 10. erscheinen soll.

Prada – Sie träumte von Mode und fand die Liebe

Susanne von Berg
Historischer Roman
383 Seiten
erschienen im Aufbau Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar

Mode und Liebe

Klappentext:
Italien 1913: Schneiderin Sofia reist aus einem Bergdorf nach Mailand. Ihr Traum: Mode kreieren. Sie findet Arbeit in dem unscheinbaren Lederwarengeschäft »Fratelli Prada«, betrieben von den Brüdern Mario und Martino. Dank Sofias außergewöhnlichen Entwürfen macht sich der Betrieb bald einen Namen in ganz Italien. Und Sofia und Mario kommen sich näher. Die junge Frau könnte nicht glücklicher sein. Doch dann wird klar, dass Mario nicht ehrlich zu ihr war. Und Sofias Traum von Mode und Liebe rückt in weite Ferne.

„Prada – Sie träumte von Mode und fand die Liebe“ ist der neue historische Roman von Susanne von Berg.
Die Autorin entführt ihre Leser*innen ins frühe 20. Jahrhundert und in die schillernde Welt der Mode.
In der Geschichte verwebt Susanne von Berg historische Zeitgeschichte, das Aufblühen der modernen Modeindustrie und die Stärke einer Frau zu einem fesselnden Leseerlebnis.
Im Mittelpunkt steht die Schneiderin Sofia. Ihr großer Traum ist es, in der Welt der Mode Fuß zu fassen. Das Modehaus Prada dient hierbei nicht nur als Kulisse, sondern als Symbol für Innovation, Luxus und den harten Kampf um Anerkennung.

Die Liebesgeschichte zwischen Sofia und Mario wird von Susanne von Berg geschickt in die Haupthandlung integriert. Sie dient als emotionaler Anker für die Protagonistin, während sie versucht, sich in einer von Männern dominierten Branche durchzusetzen.

Sofia ist das Herzstück des Romans. Susanne von Berg zeichnet eine moderne, willensstarke Frau, die zwar von Romantik träumt, ihre Identität und ihre Ziele aber niemals für einen Mann aufgibt. Ihre Verletzlichkeit macht sie nahbar, ihr Ehrgeiz bewundernswert.

Die Modewelt wird durch ein Ensemble aus exzentrischen Designern, strengen Mentorinnen und missgünstigen Konkurrenten lebendig. Jede Figur erfüllt einen klaren Zweck und treibt die Handlung sowie die persönliche Entwicklung der Hauptfigur voran.

Die Handlungsorte, vor allem das elegante Mailand sowie die internationalen Modemetropolen, werden von der Autorin bildhaft beschrieben.

Susanne von Berg überzeugt durch einen sehr eleganten und flüssigen Schreibstil, der
perfekt zum Thema des Buches passt. Sie findet genau die richtige Balance zwischen detailreichen Beschreibungen der Kleidungsstücke und dem Vorantreiben der Handlung. Das Tempo ist gut austariert; dramatische Wendungen wechseln sich mit emotionalen, ruhigen Momenten ab.

Mit „Prada – Sie träumte von Mode und fand die Liebe“ konnte mich Susanne von Berg wieder einmal voll überzeugen.

Das Restaurant der Träume

Julia Kröhn
Historischer Roman
437 Seiten
erschienen bei Bastei Lübbe
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Julia Kröhn und an Bastei Lübbe für das Rezensionsexemplar

Die Entstehung der Gastronomie

Klappentext:
Paris, 1765: Anne träumt von einem selbstbestimmten Leben, ihre kleine Schwester Aurore von Bildung und Freiheit. Der junge Benoît kennt den Hunger, aber auch den Duft von Rosmarin, Trüffel und Vanille wie kein Zweiter. Gemeinsam wagen sie das Ungeheuerliche: Sie wollen das erste Restaurant der Weltgeschichte eröffnen. Während in Frankreich alle Zeichen auf Revolution stehen, geraten ihre Lebenswege in den Strudel gesellschaftlicher Umwälzungen. Ein sinnlicher, packend erzählter Roman über die Geburt der Gastronomie, über Träume, Leidenschaft und den Mut, seinen Platz in der Welt zu behaupten.

„Das Restaurant der Träume“ von Julia Kröhn ist ein opulenter und atmosphärisch dichter historischer Roman. Das Buch widmet sich der revolutionären Geburtsstunde der modernen Gastronomie.

Im Mittelpunkt steht eine für das 18. Jahrhundert revolutionäre Idee: die Gründung des allerersten Restaurants der Weltgeschichte. Zu dieser Zeit speiste man entweder zu Hause oder musste in zwielichtigen Wirtshäusern essen, was als Tagesgericht angeboten wurde.
Das Restaurant, wie wir es kennen, mit gemütlichen Tischen und einer Speisekarte, auf der der Gast sich Gerichte auswählen konnte, gab es zu dieser Zeit nicht.
Das wollen Anne, Aurore und Benoît ändern. Drei junge Menschen, die von Selbstbestimmung und Freiheit träumen.
Während die drei jungen Menschen dabei sind, sich ihren Traum zu erfüllen, bricht das alte Frankreich zusammen.

Julia Kröhn spiegelt die Zeit der Französischen Revolution gekonnt wider.
Sie zeigt den harten Kontrast zwischen aristokratischer Dekadenz und dem Elend der Straße. Die Revolution bringt Terror und Hinrichtungen mit sich. Das prägt das Schicksal der Figuren.

Das Buch lebt von seinen drei starken, unterschiedlichen Protagonisten.
Anne: Eine junge Frau, die sich nicht in die gesellschaftlichen Zwänge drängen lassen will. Sie kämpft für ein selbstbestimmtes Leben. Sie bringt den unternehmerischen Mut in das Projekt ein.

Aurore: Annes jüngere Schwester. Sie brennt für Bildung, Philosophie und die Ideen der Aufklärung. Sie verkörpert den intellektuellen Geist der kommenden Revolution.

Benoît: Ein junger Mann, der die bittere Armut und den Hunger der Pariser Gassen am eigenen Leib erfahren hat. Er besitzt jedoch einen außergewöhnlichen Geschmackssinn. Er kennt Düfte wie Rosmarin, Trüffel und Vanille wie kein Zweiter. Er ist das kulinarische Herz des Restaurants.

Julia Kröhn glänzt mit einem bildhaften und fundierten Schreibstil.
Sie beschreibt die kulinarischen Kreationen so detailreich, dass man die Aromen von Kräutern und Brühen beim Lesen förmlich riechen kann.
Gleichzeitig webt die Autorin gekonnt all die Schrecken der Französischen Revolution in ihre Geschichte ein.
Der Schreibstil von Julia Kröhn ist flüssig, gut verständlich und mitreißend.
Besonders das letzte Drittel entwickelt durch die historischen Ereignisse eine immense Spannung.

Mit „Das Restaurant der Träume“ hat Julia Kröhn mir wieder einmal schöne Lesestunden geschenkt.

Die Reise der Pilgerin

Christiane Lind
Historischer Roman
368 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Christiane Lind für das Rezensionsexemplar

Gelungener Auftakt der Pilgerinnen-Saga

Zum Inhalt:
Die Geschichte beginnt im mittelalterlichen Braunschweig. Die junge Leonore von Calven begibt sich scheinbar aus reinem Glauben auf eine beschwerliche Wallfahrt nach Jerusalem. Ihr Pilgergewand dient jedoch nur als Tarnung. Der wahre, hochbrisante Grund ihrer Reise muss unter allen Umständen im Verborgenen bleiben.
Auf dem gefährlichen Weg in die Heilige Stadt schließt sie sich einer Reisegruppe an. Fast jeder ihrer Begleiter hütet dabei eigene, dunkle Geheimnisse. Als die Lage eskaliert und Leonore in Lebensgefahr gerät, wird sie von dem muslimischen Karawanenführer Nadim gerettet. Diese schicksalhafte Begegnung wirft nicht nur ihre Mission, sondern auch ihr gesamtes christliches Weltbild über den Haufen. Es entspinnt sich eine hochemotionale, verbotene Liebesgeschichte zwischen den Fronten der Religionen.

„Die Reise der Pilgerin“ von Christiane Lind ist ein fesselnder historischer Roman, der seine Leser*innen direkt in die Epoche der Kreuzzüge entführt.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und richtig lebendig.
Leonore von Calven: Eine starke und mutige Frau, die sich nicht in die typische passive Frauenrolle ihrer Zeit drängen lässt. Ihre Entwicklung von der pflichtbewussten Tochter zur eigenständigen Denkerin ist glaubhaft dargestellt.

Nadim: Der sarazenische Karawanenführer bricht mit den typischen westlichen Vorurteilen der damaligen Epoche. Er ist gebildet, tolerant und zeigt Leonore die reiche Kultur des Orients.

Auch die Nebencharaktere sind farbenfroh und vielschichtig gezeichnet.

Die Handlungsorte werden von Christiane Lind anschaulich beschrieben.
Das mittelalterliche Braunschweig ist düster, von starren christlichen Konventionen und den Vorbereitungen auf den Kreuzzug geprägt.
Das Heilige Land und Jerusalem sind farbgewaltig, lebendig und voller Exotik. Die Autorin beschreibt die Gerüche, Märkte, die Gelehrsamkeit und die Hitze des Orients so bildhaft, dass man als Leser*in das Gefühl hat, selbst durch die Wüste zu reiten.

Der Schreibstil von Christiane Lind ist von der ersten Seite an fesselnd.
Die Autorin vermittelt ihren Leser*innen viel von ihrem historischen Wissen.

„Die Reise der Pilgerin“ ist ein interessanter historischer Roman, genauso, wie ich es gerne lese.

Schokoladenblut

Radka Denemarková
Historischer Roman
568 Seiten
erschienen bei Hoffmann & Campe
Übersetzt aus dem amerikanischen Tschechischen von Eva Profousová
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

ielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

Eine Zeitreise durch das 19. Jahrhundert

Klappentext:
Mitte des 19. Jahrhunderts sitzt die Schriftstellerin Božena Němcová in ihrer kleinen Schreibstube und verfasst mit schwerer Hand ein patriotisches Märchen, an dessen Botschaft sie selbst nicht glaubt. George Sand, ihre französische Zeitgenossin, konnte sich den Zwängen der Konventionen widersetzen und schreibt mit leichter Feder Romane. Auf der anderen Seite des Atlantiks gründet J.D. Rockefeller, der erste Milliardär der Weltgeschichte, sein Imperium auf einem dickflüssig-braunen Rohstoff. In ihrem neuen Meisterwerk erzählt Radka Denemarková auf fulminante Weise die Geschichte des 19. Jahrhunderts und seiner Protagonisten: weltumspannend, hochaktuell, brillant.

„Schokoladenblut“ ist eine interessante Zeitreise durch das 19. Jahrhundert von Radka Denemarková.
Im Mittelpunkt stehen die französische Schriftstellerin George Sand, die durch Männerkleidung und ein freies Leben die patriarchalen Normen ihrer Zeit herausfordert.
Die Schriftstellerin Božena Němcová, deren Werke heute noch zu den vielgelesenen Klassikern gehören.
Und J. D. Rockefeller als männliches Gegenstück.
Im Laufe der Geschichte tauchen immer weitere Namen bekannter Persönlichkeiten auf, wie z. B. Karolina Svetlá und George Eliot.

Die Handlung des Romans entfaltet sich als ein dichtes Bild, das das 19. Jahrhundert mit der Gegenwart verknüpft.

Die Frauen in diesem Roman stehen für das Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau. J. D. Rockefeller steht für Macht, Geld und Kapitalismus, der sich auf dem Rücken der Frauen, Armen und der Kolonien aufbaut.

Radka Denemarková hat ein gewaltiges Werk (568 Seiten) in einer gewaltigen Sprache veröffentlicht.
Die Charaktere werden gut beschrieben. Einige der Protagonisten sind historisch überlieferte Persönlichkeiten, andere sind fiktive Figuren. Der Roman hat sehr viele Protagonisten, die im Laufe der Geschichte ihren Auftritt haben. Manche bleiben länger, manche geben nur ein kurzes Gastspiel. Hier wäre ein Personenverzeichnis mit kurzen Angaben zu den Personen hilfreich gewesen.

Der Schreibstil der Autorin ist gut verständlich, allerdings manchmal etwas sperrig. Ich habe Zeit zum Lesen gebraucht, die man dem Werk auch unbedingt zugestehen sollte. Die vielen Themen, die das Buch umfasst, und seine Komplexität fordern die volle Aufmerksamkeit der Leser*innen.

„Schokoladenblut“ ist kein leichter Roman, aber ich bin froh, mich auf dieses Werk eingelassen zu haben.

Der Club der Unbeugsamen

Kathryn Stockett
Historischer Roman
840 Seiten
erschienen im btb Verlag
Übersetzt aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein atmosphärischer und berührender Roman

Klappentext:
Oxford, Mississippi, 1933. Während die Wirtschaftskrise die Welt in Atem hält, kreuzen sich in einer kleinen Stadt die Wege dreier ungewöhnlicher Frauen. Sie erkennen, dass sie gemeinsam etwas bewegen können, vielleicht sogar die Regeln ihrer Zeit verändern. Um ihre Ziele zu erreichen, gehen erstaunliche Risiken ein. Denn sie haben eines gemeinsam: Sie haben wenig zu verlieren.
Die elfjährige Meg, deren Mutter einst an Weihnachten verschwand, hat auf die harte Tour gelernt, sich auf niemanden zu verlassen. Nun zählt sie zu den »großen Mädchen« im Waisenhaus und kämpft jeden Tag um ihre Würde. Birdie Calhoun, unverheiratet und unverblümt, ist nach Oxford gekommen, um ihre wohlhabende Schwester um etwas Geld zu bitten. Doch sie merkt schnell: Das High-Society-Leben ist nichts als ein Geflecht aus Lügen. Dann begegnet Birdie Charlie, einer Frau, die mit dem Rücken zur Wand steht. Als sich die Schicksale der drei kreuzen, schmieden sie einen kühnen Plan, um einzufordern, was ihnen zusteht. Doch in einer heuchlerischen Zeit, in der die Freiheit von Frauen zerbrechlich ist, kann selbst der kleinste Akt des Widerstands gefährliche Folgen haben.

„Der Club der Unbeugsamen“ von Kathryn Stockett erzählt die Geschichte von 3 Frauen, die etwas verändern wollen.
15 Jahre nach ihrem großen Erfolg „Gute Geister“ ist nun endlich ein neues Buch von Kathryn Stockett erschienen.
„Gute Geister“ ist bis heute eins meiner Lieblingsbücher. Das neue Werk von Kathryn Stockett ist also ein MUSS für mich.

Drei ungewöhnliche Frauen treffen an einem Wendepunkt ihres Lebens aufeinander und spüren schnell, dass sie etwas bewegen, etwas verändern können.

Da ist Margot, genannt Mag. Sie lebt im Waisenhaus, wo sie von der Leiterin gerne schikaniert wird.
Birdie Calhoun ist 24 Jahre. Sie lebt bei ihrer Großmutter und ihrer Mutter. Durch die Wirtschaftskrise und ihre Folgen geht es ihnen finanziell schlecht. Sie soll zu ihrer Schwester Frances nach Oxford, um sie zu bitten, die Familie zu unterstützen.
Aber auch die wohlhabende Frances bekommt im Laufe der Geschichte die Wirtschaftskrise zu spüren.
Später taucht Charlie auf, die Mutter von Meg, die einst verschwunden ist und ihre Tochter zurückgelassen hat.

Kathryn Stockett zeichnet ein Bild quer durch die Gesellschaftsschichten. Es ist die Zeit, der Wirtschaftskrise, die bei allen Gesellschaftsgruppen zu spüren ist.
Die Autorin verarbeitet in ihrer Geschichte Themen wie Rassenunterschiede, Adoption und Armut.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und wirken lebendig. Ich habe die Frauen gerne begleitet und ihre Entwicklung miterlebt. Mir waren die Frauen schnell sympathisch. Die Geschichte ist in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts angesiedelt. Eine Zeit in der die Frauen noch ziemlich unterdrückt wurden. Es gab aber auch immer wieder Frauen, wie hier in der Geschichte, die über sich hinauswuchsen und etwas zu verändern versuchten.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Meg und Birdie erzählt. Die Sicht der zwei unterschiedlichen Frauen macht die Geschichte recht kurzweilig.
Man bekommt beim Lesen schnell das Gefühl, die Frauen schon lange zu kennen.

Auch die verschiedenen Handlungsorte werden sehr anschaulich beschrieben.

Der Schreibstil von Kathryn Stockett ist flüssig, gut verständlich und fesselnd. Die Geschichte wird von der Autorin immer wieder mit Humor aufgelockert.
Man braucht also keine Angst vor dem Buch mit 840 Seiten zu haben. Die Seiten fliegen nur so dahin und plötzlich ist man am Ende der Geschichte angelangt.

„Der Club der Unbeugsamen“ ist für mich wieder ein echtes Highlight von Kathryn Stockett und wird sich bei meinen Lieblingsbüchern einreihen, wie schon „Gute Geister“.