Lindt & Sprüngli: Zwei Dynastien, ein Vermächtnis

Lisa Graf
Historischer Roman
437 Seiten
erschienen im Penguin Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein Genuss wie Schokolade

Klappentext:
Zürich 1883: Auf der Landesausstellung begegnen sich zum allerersten Mal die beiden Männer, die das Geschäft mit der Schokolade verstehen wie niemand sonst. Doch den Unternehmer Sprüngli und den Schöngeist Lindt trennt mehr, als sie verbindet, und das Aufeinandertreffen wird zum Desaster. Binia, Lindts kluge Vertraute und Geschäftspartnerin, versucht zu vermitteln, gemeinsam könnten sie das größte Schokoladenimperium der Welt gründen! Aber die Männer gehen getrennte Wege und legen damit den Grundstein für den größten Konkurrenzkampf zweier Familien

„Lindt & Sprüngli: Zwei Dynastien, ein Vermächtnis“ ist der 3. und letzte Band der Lindt & Sprüngli – Saga von Lisa Graf. Schon das Buchcover verführt einen, es in der Buchhandlung einfach in die Hand zu nehmen.
Die Autorin hat mich schon mit ihrer Dallmayr – Saga begeistert und auch die Lindt & Sprüngli – Saga hat mich schon mit den ersten beiden Bänden begeistert.

Die Autorin entführt ihre Leser*innen nach Zürich in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts und in die süße Welt der Schokolade.

Im Jahr 1883 treffen bei der Schweizer Landesausstellung in Zürich die Herren Sprüngli und Lindt das erste Mal aufeinander. Doch anstatt sich zusammenzuschließen und ein großes Schokoladenimperium zu gründen, werden sie zu bitteren Konkurrenten.

Lisa Graf hat auch für ihre Saga zu Lindt & Sprüngli wieder akribisch recherchiert. Sie lässt ihre Leser*innen in die süße Welt der Schokolade eintauchen.

Lisa Graf erzählt die Geschichte in einem ruhigen, aber auch spannenden Ton.
Die Autorin versteht es, historische Persönlichkeiten mit psychologischer Tiefe auszustatten.
Der Kontrast zwischen den beiden Firmen Lindt und Sprüngli treibt die Dynamik des Romans voran. Auf der einen Seite der geschäftstüchtige Stratege und auf der anderen der detailverliebte Erfinder. Rodolphe Lindt hat das Conchieren erfunden.
Besonders stark glänzt in diesem Band jedoch die Frauenfigur Binia. Als kluge Vermittlerin zwischen den verhärteten Fronten der beiden Patriarchen bringt sie eine moderne, emanzipierte Note in das historische Gefüge und fungiert als emotionaler Anker der Geschichte.

Lisa Graf hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil.
Die Autorin verwebt gekonnt historisch Überliefertes mit fiktiven Elementen.
Auch über die Schokolade und deren Vermarktung kann man wieder einiges lesen.

„Lindt & Sprüngli: Zwei Dynastien, ein Vermächtnis“ ist ein großartiges Finale der Familiensaga
Beim Lesen hatte ich wieder die ganze Zeit den süßen Duft von Schokolade in der Nase.

Die drei Farben der Liebe

Sophie Haydock
Historischer Roman
408 Seiten
erschienen bei Hoffmann & Campe
Übersetzt aus dem Englischen von Cornelia Röser
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

ielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

Henri Matisse und seine Frauen

Drei Frauen und der weltberühmte Maler Henri Matisse: Amélie ist die Ehefrau des Künstlers, die seit vierzig Jahren an dessen Seite lebt. Lydia ist seine Muse: eine junge russische Geflüchtete, die eines Sommers im Atelier des Malers eine Anstellung erhält und in der Folge zu seiner Geliebten wird. Und schließlich Marguerite, die Tochter, die ihren Vater zunehmend mit anderen Augen sieht …


Mit ihrem Roman „Die drei Farben der Liebe“ entführt Sophie Haydock ihre Leser*innen in die Welt der Kunst.
Die Autorin erzählt die Geschichte aus der Sicht der 3 Frauen, die eine große Rolle im Leben von Henri Matisse einnahmen.

Amélie ist die Ehefrau von Matisse. Amélie hat nie den Glauben an Matisse verloren. Immer stand sie wie ein Fels in der Brandung hinter ihm. Als der Maler erfolgreich zu werden scheint, verliert er das Interesse an seiner Ehefrau.

In den 1930er Jahren trifft der Künstler auf die junge russische Emigrantin Lydia. Sie ist eine verletzliche junge Frau, die Schutz in der Anstellung bei Matisse sucht.
Er macht sie zu seiner Muse und zu seiner Geliebten.

Marguerite ist Matisses uneheliche Tochter. Seine Frau nimmt das Mädchen auf und erzieht sie zusammen mit ihren Söhnen. Mit der Zeit verliert das Ansehen von Matisse bei seiner Tochter und sie steht ihm immer kritischer gegenüber.

Sophie Haydock hat die Charaktere richtig lebendig werden lassen. Jeder der drei Frauen widmet die Autorin ein eigenes Kapitel. So kommen die Leser*innen jeder der Frauen nahe und man kann die Zerrissenheit der Charaktere spüren.

Der Schreibstil von Sophie Haydock ist flüssig und gut verständlich. Ich wurde schnell wie durch einen Sog in die Geschichte hineingezogen und habe das Buch an zwei Abenden gelesen.
Die Autorin fängt den Zeitgeist perfekt ein.
Die Einblicke in die Welt der Kunst und der Bezug auf reale Gemälde machen die Geschichte authentisch.
Auch die Handlungsorte werden von der Autorin anschaulich beschrieben.
Das pulsierende, oft graue Paris steht im direkten Gegensatz zur flirrenden, glamourösen Hitze der Côte d’Azur.

In „Die drei Farben der Liebe“ bekommen die wichtigen Frauen im Leben von Henri Matisse endlich eine hörbare Stimme. Ich habe das Buch mit Begeisterung gelesen.

Lego – Die Welt ist voller Träume

Katharina von der Lane
Historischer Roman
487 Seiten
erschienen im Goldmann Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine bewegende Familien-Saga

Zum Inhalt:
Die Geschichte beginnt im dänischen Billund im Jahr 1924. Der Tischler Ole Kirk Christiansen steht nach einem schweren Schicksalsschlag und inmitten wirtschaftlicher Not vor den Trümmern seiner Existenz. Er muss seine vier Söhne allein durchbringen. Seine Zimmerei steht kurz vor dem Ruin. In dieser schweren Lage wagt er das Unmögliche: Er stellt seine Produktion vollständig auf Holzspielzeug um.
Parallel dazu entfaltet sich der Erzählstrang um Sofie Jørgensen, die anfangs in einem Kinderheim in Aarhus arbeitet. Der Roman nutzt geschickt zwei unterschiedliche Perspektiven, die im Laufe der Erzählung kunstvoll miteinander verschmelzen. Zusammen mit Sofie und Oles jungem Sohn Godtfred beginnt der beschwerliche Aufstieg einer Werkstatt, die mit bunten Holzautos, Tieren und schlichten Bauklötzen den Grundstein für die heutige Weltmarke LEGO legt.

„Lego – Die Welt ist voller Träume“ ist der 1. Band der Lego-Saga von Katharina von der Lane.
Hinter dem Pseudonym verbergen sich die beiden Autorinnen Christiane Omasreiter und Kathrin Polz.

Die Protagonisten sind eine Stärke der Geschichte.
Ole Kirk Christiansen ist ein Familienmensch, der sich nach einem Schicksalsschlag und dem Ruin seiner Tischlerei neu erfinden muss.
Von Trauer und Selbstzweifeln geplagt wagt Ole Kirk Christiansen einen Neuanfang.

Sofie Jørgensen arbeitet in einem Kinderheim in Aarhus und später in einem Mutter – und Kind – Heim. Als Haushälterin bei der Familie Christiansen bildet sie eine starke Frauenfigur und eine Stütze in dem Männerhaushalt.

Der erst zwölfjährige Godtfred hat einen unermüdlichen Fleiß.
Durch die Sichtweise des Jungen können die Leser*innen den Aufbau der Firma für die nächste Generation hautnah miterleben.

Katharina von der Lane hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil.
Man spürt beim Lesen nicht, dass zwei Autorinnen an der Geschichte geschrieben haben. Sie liest sich wie aus einem Guss.
Gekonnt verwebt sie Autorinnen die historischen Anfänge eines weltbekannten Spielzeugimperiums mit einer fiktionalisierten, berührenden Familiengeschichte.
Man spürt, dass die Autorinnen gute Recherchearbeit geleistet haben. Sie lassen sich aber genug Platz für die künstlerische Freiheit, was die Familiengeschichte angeht.

Die Geschichte endet mit einem Cliffhanger, der mich jetzt schon ungeduldig auf den zweiten Band „Lego – Das Leben ist bunt“, der am 17.02.2027 erscheint, warten lässt.

Niederegger – Der Traum von edlem Genuss

Lena Johannson
Historischer Roman
393 Seiten
erschienen bei Droemer Knaur
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Der Geschmack von Ehrgeiz und süßen Mandeln

Klappentext:
Lübeck 1800. In der Konditorei Maret gibt es exquisites Gebäck und eine Auslage voller Köstlichkeiten. Doch der Geselle Johann träumt noch von viel mehr. Er möchte Marzipan herstellen, das an kalten Wintertagen das Herz wärmt. Schnell macht er sich mit seinem Geschick über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen. Doch gerade als er und seine große Liebe Anna ihren Zielen zum Greifen nah kommen, wird die Wirtschaftsblockade verhängt, und der Handel mit den wertvollen Mandeln kommt zum Erliegen. Die beiden stehen davor, alles zu verlieren, als Johann ein weiteres Wagnis eingeht … mit folgenschweren Konsequenzen.

„Niederegger – Der Traum von edlem Genuss“ von Lena Johannson erzählt die Geschichte der Familie Niederegger.

Wer kennt Niederegger nicht? Ich liebe Marzipan über alles und so wollte ich auch dieses Buch genießen.

Die Autorin entführt ihre Leser*innen in die Anfänge des 19. Jahrhunderts nach Lübeck.
Im Mittelpunkt steht Johann Georg Niederegger, ein ambitionierter Geselle in der traditionsreichen Lübecker Konditorei Maret.
Hier stellt er erlesene Köstlichkeiten her. Doch Johann hat noch andere Visionen, er möchte eine ganz besondere Leckerei herstellen. Das perfekte Marzipan.
Bald hat er es geschafft, sein Marzipan erfreut sich großer Beliebtheit.
Doch da wird eine Wirtschaftsblockade verhängt und der Handel mit den Mandeln kommt zum Erliegen.
Jetzt heißt es alles zu wagen, oder die Existenz zu verlieren.

Lena Johannson lässt ihre Charaktere richtig lebendig werden.
Johann ist ehrgeizig, fleißig und entwickelt für das, was er macht, eine große Leidenschaft.
Anna steht stets an seiner Seite. Sie ist eine starke und eigenständige Frau.
Sie bestärkt und unterstützt Johann.
Auch die Nebenfiguren, wie die Inhaber der Konditorei Maret oder auch die Händler, fügen sich gut ins Bild.
Alle Protagonisten sind lebensnah und sympathisch.

Der Schreibstil von Lena Johannson ist flüssig und gut verständlich.
Das frühe 19. Jahrhundert beschreibt die Autorin glaubhaft.
Die Beschreibung der Herstellung des Marzipans, die Röstung der Mandeln und das Verkneten der Masse haben mir das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.
Auch der Handlungsort Lübeck wird anschaulich beschrieben. Die engen Gassen, die Kaufmannshäuser und der Trubel rund um das Holstentor werden gut vermittelt.
Man kann das Flair der alten Hansestadt spüren.

„Niederegger – Der Traum von edlem Genuss“ ist der perfekte Roman für die nun kälter werdende Jahreszeit.

Goodbye, Honeysuckle

Tayari Jones
Historischer Roman
448 Seiten
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Britt Somann-Jung
erschienen im Arche Literatur Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley Deutschland für das Rezensionsexemplar

Ein Roman über Freundschaft und Entbehrung

Klappentext:
Tür an Tür im ländlichen Louisiana aufgewachsen, verbindet Niecy und Annie mehr als nur Freundschaft: Beide haben sie ihre Mütter nie kennengelernt, und beide sind sie fest entschlossen, diese klaffende Lücke in ihrem Leben zu füllen. Niecy geht nach Atlanta, um am berühmten Spelman College zu studieren. Dort schließt sie sich einem Kreis von selbstbewussten Schwarzen Frauen an und erlebt ihre erste Liebe, muss sich aber auch in einer gnadenlosen Welt des Reichtums behaupten. Annie verschlägt es nach Memphis und mitten hinein in Armut, Sex und Jazz. Abend für Abend mixt sie Cocktails in einem Nachtclub und hofft, dass ihre verschollene Mutter am Tresen auftaucht. Während all der Zeit schreiben Annie und Niecy einander wunderschöne Briefe, bis eine Tragödie ihre Leben wieder zusammenführt und das Band zwischen ihnen auf die Probe stellt.

„Goodbye, Honeysuckle“ von Tayari Jones ist ein Roman über Freundschaft und über den Rassismus der 1950er Jahre.
Das Buch ist die Nr. 1 auf der Leseliste Sommer 2026 von Barack Obama.
Ein Buch, das mich neugierig gemacht hat.

Im Mittelpunkt stehen die beiden Frauen Niecy und Annie. Sie sind in direkter Nachbarschaft aufgewachsen und sie verbindet eine tiefe Freundschaft.
Auch wenn sich die Wege der Freundinnen trennen, eins verbindet sie, beiden fehlt die Mutter.

Tayari Jones hat mit Niecy und Annie zwei komplexe Charaktere gezeichnet.
Die beiden doch unterschiedlichen Frauen verbindet eine tiefe Freundschaft.
Niecy hat den Wunsch nach Bildung. Sie geht nach Atlanta an das berühmte Spelman College zum Studieren. Hier steht sie vor einem mächtigen Erwartungsdruck. Als farbige Frau muss sie sich der elitären und oft gnadenlosen Welt des akademischen Reichtums stellen.
Annie geht nach Memphis, wo sie in einer Bar Cocktails mixt. Sie ist getrieben von einer inneren Ruhelosigkeit. Ihre Verwundbarkeit macht sie abhängig von Männern, die ihr nicht guttun.

Tayari Jones hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Ich möchte ihn fast poetisch nennen.
Die Perspektive der Geschichte wechselt zwischen Niecy und Annie. Das lässt die Leser*innen ganz nahe an die Charaktere herankommen.
Die Handlungsorte zeichnen ein Bild vom Süden der USA.
Genauso spiegeln die Orte die Zerrissenheit der Charaktere wider.
Da ist die fiktive Kleinstadt Honeysuckle in Louisiana. Hier herrscht eine beklemmende Atmosphäre, der die Jugend zu entfliehen versucht.
Im Gegensatz hierzu steht Memphis. Hier pulsiert der Jazz. Genauso wie das politisch aufgeheizte Atlanta.
Die Atmosphäre der Geschichte wechselt zwischen Wärme und weiblicher Solidarität und kaltem Rassismus.

„Goodbye, Honeysuckle“ ist ein Roman, den man nach dem Lesen so schnell nicht vergisst.

Der geheime Apfelgarten – Getrennte Weiten

Rebekka Eder
Historischer Roman
425 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Im Schatten der Cholera

Zum Inhalt:
Im Mittelpunkt steht die junge Kea Loop.
Nach dem schmerzhaften Verlust ihrer Mutter findet Kea Zuflucht im verwilderten Apfelgarten der Familie, wo sie versucht, eine ganz besondere Apfelsorte zu züchten.
Doch die Grenzen erschweren das Vorhaben. Finkenwerder ist geteilt, in Hamburg und Preußen. Der ersehnte und vielversprechende Keimling wächst ausgerechnet hinter der Landesgrenze.
Schlimmer noch, der Keimling befindet sich auf dem Land des verfeindeten Nachbarn Rentfeld.
Heimlich überschreitet Kea die Grenze und wird vom Knecht der Familie Rentfeld bemerkt.
Doch Kristen Focke verrät Kea nicht, er unterstützt sie und zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebesgeschichte. Doch der Ausbruch der Cholera trennt die beiden.

„Der geheime Apfelgarten – Getrennte Welten“ ist der erste Band der zweiteiligen Elbinsel-Saga von Rebekka Eder.
Die Autorin hat mich schon mit ihrem Roman „Hyazinthenschwestern“ begeistert. Jetzt war ich auf ihr neues Werk gespannt.

Rebekka Eder hat wieder großartige und tiefgründige Charaktere entworfen.
Kea Loop ist eine willensstarke und unerschrockene junge Frau. Ihre Leidenschaft ist die Natur. Ihr Vorhaben ist es, den perfekten Apfel zu züchten.
Kristen Focke ist ein loyaler Knecht, der trotz aller Empathie und Tatkraft beweist.
Seine Verbindung zu Kea überwindet gesellschaftliche Grenzen.
Die Familie Rentfeld dient als Antagonist in dieser Geschichte.
Auch die Nebenfiguren bereichern die Geschichte ungemein.

Rebekka Eder schreibt angenehm flüssig, bildhaft und gut verständlich. Ihre detailreiche Beschreibung sorgt dafür, dass ich schnell Bilder vor Augen hatte.
Die historischen Fakten fließen unterhaltsam und interessant in die Geschichte ein. Mir war nicht bekannt, dass Finkenwerder einst geteilt war.
Der Schrecken der Cholera-Epidemie wird gut widergespiegelt.
Der Wechsel der Erzählperspektive hält die Spannungskurve hoch.
Der Handlungsort Finkenwerder mit seiner Zerrissenheit wird gut vermittelt.

Rebekka Eder schafft es zum einen eine idyllische Atmosphäre mit dem Duft des Apfelgartens zu erzeugen, der sich mit der bedrückenden Atmosphäre der Cholera-Epidemie abwechselt.

„Der geheime Apfelgarten – getrennte Welten“ hat mich begeistert. Ich freue mich schon auf den 2. Band „Der geheime Apfelgarten – Geteilte Träume“, der im April 2027 erscheinen soll.

Finale an der Alster

Anja Marschall
Historischer Kriminalroman
251 Seiten
erschienen im Emons Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Emons Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannende Fortsetzung

Klappentext:
1907, Herbst. Kommissar Hauke Sötje ist auf der Flucht, als vermeintlicher Mörder geächtet, wird er getrieben von der Suche nach seiner entführten Tochter. Versteckt in der Hamburger Kanalisation stößt er auf eine Wahrheit, die bis in seine Vergangenheit als Kapitän und in die Welt der Spionage reicht. Eine hochbrisante Liste wird zum Schlüssel eines Komplotts, das ihn alles kosten kann: seine Freiheit, sein Leben und das seiner Tochter.

„Finale an der Alster“ ist ein spannender und interessanter historischer Kriminalroman von Anja Marschall. Es ist der 7. Band der Hauke Sötje Reihe und die Fortsetzung des letzten Bandes „Der Tote an der Alster“.

Kriminalinspektor Hauke Sötje befindet sich in einer scheinbar ausweglosen Lage. Als vermeintlicher Mörder seines Widersachers Graf von Lahn geächtet und von den eigenen Kollegen gejagt, muss er untertauchen.
Doch jetzt wurde seine Tochter entführt und er muss im Verborgenen auf eigene Faust ermitteln.

Hauke Sötje ist Kommissar in Hamburg. Sein Vorgesetzter hält viel von ihm, bei seinen Kollegen hat er eher einen schweren Stand. Das hat vielleicht mit seiner Vergangenheit als Kapitän zu tun.
Jetzt wird aus dem Jäger ein Gejagter.

Anja Marschall erzählt die Geschichte spannend. Die Charaktere sind zum größten Teil sympathisch. Vor allem Hauke Sötje gefällt mir gut und ich habe in diesem Band mit ihm gelitten.
Vor allem sticht die gute Recherche in diesem Kriminalroman hervor. Die Zeit der Handlung wird hier gekonnt widergespiegelt.
Auch die Sprache ist gut an die Zeit angepasst.
Vor jedem Kapitel gibt es unabhängig von der Geschichte einen kurzen Auszug aus einer örtlichen Zeitung. Damit kann man sich gut in die Zeit hineinversetzten.

„Finale an der Alster“ beendet die Krimireihe mit einem rasanten Showdown.

Entdeckung der Wahrheit

Ellin Carsta
Historischer Roman
318 Seiten
erschienen bei Tinte & Feder
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Die Kinder der Hansens geht spannend weiter

Klappentext:
Hamburg/Wien 1929: Ein brutaler Mord erschüttert die Familie Hansen. Schnell gibt es einen klaren Verdächtigen, doch die Mühlen der Polizei mahlen langsam und der Mangel an Beweisen gibt der Familie wenig Hoffnung, dass der Täter verurteilt wird. Eduard, der sich inzwischen immer tiefer in illegale Geschäfte vertieft hat, sinnt auf Rache und will auf eigene Faust für Gerechtigkeit sorgen.

„Entdeckung der Wahrheit“ ist jetzt bereits der 9. Band der Familiensaga „Die Kinder der Hansens“ von Ellin Carsta. Ich hibbele immer noch jedem neuen Band entgegen.

In den vorherigen Bänden hat man die verschiedenen Charaktere schon gut kennen und lieben gelernt.
Die Familie lebt weit verzweigt in Hamburg, im Schwarzwald, in München, in Wien und in den USA.
Das sind auch die Schauplätze der Geschichte.
In jedem Kapitel steht eine Person im Mittelpunkt, die wir ein Stück durch die Geschichte begleiten dürfen.
Diese Perspektivwechsel machen die Geschichte besonders interessant und facettenreich.

Wir sind im Jahre 1929 angekommen. Zwischen dem 8. und 9. Band ist nicht viel Zeit vergangen.
Amala ist hinter Eduards Geheimnis gekommen und es gibt Zwietracht zwischen den Besitzern des Hansens.
Außerdem hat die Familie wieder mit einem schmerzlichen Verlust zu kämpfen. Und Eduard und Florentinus begehen eine Tat, zu der ich sie niemals für fähig gehalten hätte.

Ellin Carsta hat mich wie schon mit vielen anderen Büchern wieder begeistert.
„Die Kinder der Hansens“ ist aufgrund der vielen Schauplätze und Familienzweige sehr abwechslungsreich und wird immer spannender.
Jeden Familienzweig begleitet man ein kurzes Stück des Weges.

Der Schreibstil von Ellin Carsta ist unterhaltsam und gleichzeitig fesselnd.
Die Autorin spricht in der Geschichte viele spannende Themen an.
Was mich immer wieder bei dieser Reihe begeistert, ist die Herzlichkeit und der Zusammenhalt aller Familienmitglieder untereinander, obwohl es in diesem Band zu Unstimmigkeiten zwischen Eduard, Amala und Auguste kommt.

Egal, unter welchem Pseudonym die Autorin ihre Bücher veröffentlicht, ich weiß immer: Das Buch wird mich nicht enttäuschen.
Ellin Carsta ist einfach eine begnadete Geschichtenerzählerin.

Jetzt freue ich mich schon auf Band 10, „Ende einer Ära“, der dann aber auch das Ende der Saga sein soll.

Das Versprechen der weißen Wolke

Christiane Lind
Historischer Roman
520 Seiten
erschienen bei Independently published
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Christiane Lind für das Rezensionsexemplar

Historischer Roman mit realem Hintergrund

Klappentext:
Hamburg, 1842: Als der große Brand ihr Zuhause vernichtet, bleibt Julie Seeghers und ihrer Familie nur ein Ausweg, die Auswanderung nach Neuseeland. Die Überfahrt auf der St. Pauli wird zur Prüfung, und in der rauen Siedlung Nelson warten weder Wohlstand noch Sicherheit auf die Auswanderer.
Während Julies Familie unter dem Druck der Fremde zu zerbrechen droht, verstrickt sich ihre Schwester Karoline in eine hoffnungslose Affäre. Auch Julie muss erkennen, dass in einer Welt voller Pflicht und Erwartungen nicht das Herz über das eigene Schicksal entscheidet.

Mit ihrem Roman „Das Versprechen der weißen Wolke“ veröffentlicht Christiane Lind eine fesselnde und tiefgründige Familiensaga.

1842 wütete ein großer Brand in Hamburg, bei dem viele Menschen ihr Hab und Gut verloren haben.
So auch die Familie Seeghers. Die Familie beschließt, mit ihren beiden Töchtern Julie und Karoline nach Neuseeland auszuwandern.
Sie besteigen das Schiff St. Pauli, um sich am anderen Ende der Welt ein neues Leben aufzubauen. Die Überfahrt dauert mehrere Monate, die Familie muss sich auf engstem Raum zusammenfinden.
Aber das ist nur ein Vorgeschmack. Noch ahnen sie nicht, welche Entbehrungen sie in der Siedlung Nelson in Neuseeland erwarten.

Wie von Christiane Lind gewohnt, beschreibt sie die Handlungsorte sehr anschaulich.
Den Beginn nimmt die Geschichte im rußgeschwärzten Hamburg.
Darauf folgt die klaustrophobische Enge auf dem Auswandererschiff. Der schärfste Kontrast entfaltet sich jedoch mit der Ankunft in Neuseeland.
Nelson, Neuseeland, empfängt Julie und Karoline und die Familie nicht mit dem erträumten Wohlstand, sondern mit Regen, Schlamm und provisorischen Unterkünften. Nahrung, Arbeit und ein Heim müssen mühsam errungen werden. Doch inmitten aller Unsicherheit entstehen erste Freundschaften und die Hoffnung, ein Zuhause finden zu können.
Christiane Lind zeichnet die historische Siedlung Nelson nicht als idyllisches Paradies, sondern als eine raue, improvisierte Pioniersiedlung.
Die wilde Natur des Landes wird dabei selbst zu einer Art Protagonist. Sie ist atemberaubend schön, fordert den Siedlern jedoch gleichzeitig alles ab.

Im Mittelpunkt stehen die recht unterschiedlichen Schwestern Julie und Karoline.
Julie ist mit ihrer ruhigen Art so etwas wie der Anker der Familie. Sie denkt rational, nimmt die Gegebenheiten hin, die nicht zu ändern sind. Julie wächst aber auch über sich hinaus, wenn es um das Überleben der Familie geht.
Karoline hingegen ist emotional und impulsiv. Sie sorgt für einige dramatische Wendungen in der Geschichte.

Christiane Lind versteht es hervorragend, eine dichte, beinahe greifbare Atmosphäre herzustellen.
Ihr Schreibstil ist flüssig und gut verständlich.
Die Erzählung ist so intensiv, dass man bei der Überfahrt das Meer spürt und das Salz riechen kann.

Man spürt beim Lesen, wie viel Herzblut Christiane Lind in die Recherche für die Geschichte gesteckt hat.
Die fiktive Geschichte ist in einen historisch überlieferten Rahmen gebettet.
Der Hamburger Brand so wie die Überfahrt der St. Pauli sind historisch überliefert.

Auch die Einbindung der indigenen Kultur Neuseelands möchte ich erwähnen.
Christiane Lind beschreibt das tiefe Naturverständnis der Maori mit großem Respekt und Verstand, ohne dabei in Klischees zu verfallen.

„Das Versprechen der weißen Wolke“ ist ein rundum gelungener historischer Roman, der weit über eine Auswanderergeschichte hinausgeht.

Die Leuchtturmschwester

Lori Kilian
Roman
374 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine bewegende Reise zu den Äußeren Hebriden

Klappentext:
1923, Schottland: Nach Jahren fern der Heimat kehrt Eliza als Krankenschwester auf die windgepeitschten Äußeren Hebriden Schottlands zurück. Dort soll sie die abgelegen wohnenden Leuchtturmwärterfamilien versorgen – und sie hofft, ihrer Schwester Màiri wieder nahe zu sein. Doch die raue Inselwelt, das Misstrauen der Bewohner und die Erinnerungen an eine Nacht, die ihr Leben für immer veränderte, stellen sie auf die Probe. Dann begegnet sie Aidan, einem Arzt, der sich nach einem Kriegstrauma als Leuchtturmwärter in die Einsamkeit geflüchtet hat. Zwischen Stürmen, gefährlichen Einsätzen und stillen Stunden am Meer muss Eliza lernen, Schuld loszulassen – und entscheiden, ob sie den Mut hat, ihrem Herzen ein zweites Mal zu vertrauen.

In ihrem historischen Roman „Die Leuchtturmschwester“ entführt die Autorin Lori Kilian ihre Leser*innen nach Schottland in das Jahr 1923.
Inspiriert von den historischen Überlieferungen der mutigen „District Nurses“ zeichnet die Autorin ein tiefgründiges Bild von Schuld, Heilung und der ungezähmten Kraft des Meeres.

Lori Kilian hat starke Charaktere gezeichnet und lebendig werden lassen.

Eliza ist eine pflichtbewusste, innerlich zerrissene Protagonistin. Eine Frau, die trotz eigener seelischer Wunden unermüdlich für das Wohl anderer kämpft.

Màiri ist Elizas jüngere Schwester. Die Leser*innen lernen sie auf ihrer Hochzeit kennen. Und hier begegnen sich Eliza und Màiri auch nach längerer Zeit wieder. Ihr Verhältnis zueinander ist angespannt.

Aidan ist ein Leuchtturmwärter mit einem tiefen Trauma. In seinem Leben vor dem Krieg war er Arzt. Eliza fühlt sich zu ihm hingezogen und möchte erfahren, warum Aidan die Einsamkeit des Leuchtturms gewählt hat und nicht mehr als Arzt tätig ist.

Mir gefallen die Charaktere sehr gut und ich habe sie allesamt schnell ins Herz geschlossen.

Lori Kilian beschreibt den Handlungsort, die Äußeren Hebriden, sehr anschaulich. Ich konnte mir die raue Landschaft und das gewaltige Meer gut vorstellen. Im Gegensatz dazu sind die weiten weißen Strände ein toller Gegensatz.

Die Atmosphäre der Geschichte wechselt zwischen Melancholie und Hoffnung.
Der Leitsatz des Buches „Solange das Licht nicht erlischt, ist alles gut“ gefällt mir so gut, dass ich ihn hier erwähnen möchte.

Der Schreibstil von Lori Kilian ist flüssig und gut verständlich. Das schwere Leben auf den Äußeren Hebriden wird gut vermittelt.

„Die Leuchtturmschwester“ ist ein ergreifender und atmosphärischer Historischer Roman, den ich mit Freude gelesen habe.