Die Bücher, der Junge und die Nacht

Kai Meyer
Historischer Roman
496 Seiten
erschienen im Droemer Knaur Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Droemer-Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Die Magie der Bücher

Klappentext:
Dichter Nebel wogt durch die Gassen der Bücherstadt Leipzig, 1933, als das Böse die Macht ergreift. Hier entspinnt sich die tragische Liebe des Buchbinders Jakob Steinfeld zu einer rätselhaften jungen Frau. Juli hat ein Buch geschrieben, das sie einzig ihm anvertrauen will. Doch bald darauf verschwindet sie spurlos.

Fast vierzig Jahre später ist auch Jakobs Sohn Robert den Büchern verfallen und reist auf der Suche nach seltenen Ausgaben durch ganz Europa. Er liebt seine Arbeit und die Bücher – von Menschen hält er sich meist eher fern. Doch als die Bibliothekarin Marie ihn bittet, ihr bei einem Auftrag der geheimnisumwitterten Verlegerfamilie Pallandt zu helfen, stoßen sie auf das Mysterium eines Buches, dessen Geschichte eng mit Roberts eigener verknüpft ist – es ist der Schlüssel zum Schicksal seiner Eltern.

„Die Bücher, der Junge und die Nacht“ von Kai Meyer ist eine Familiengeschichte und eine Geschichte über die Magie der Bücher.

Kai Meyer erzählt die Geschichte der Familien Steinfeld und der Familie Pallandt.
Eins verbindet alle, die Liebe zu Büchern.
Die Familie Steinfeld ist hauptsächlich durch Jakob und Robert vertreten. Robert, der nicht viel von seiner Herkunft weiß und die ersten 10 Jahre seines Lebens eingesperrt in einem Raum ohne Fenster war, ist den Büchern verfallen. Er wurde erst im 2. Weltkrieg befreit und bekam die Aufgabe in den Trümmern nach Büchern zu suchen. Das hat Robert geprägt, er sucht heute noch überall nach alten und seltenen Stücken.
Sein Vater Jakob, der Buchbinder ist es ähnlich ergangen. Auch er hatte eine große Liebe zu Büchern. Er bekam 1933 von Juli ein Buch anvertraut, dass sie geschrieben hat. Jakob verliebt sich in Juli Pallandt, doch das Naziregime macht ihm das Leben schwer.

Die Leser*innen verfolgen die Familien in der Geschichte auf drei Zeitebenen.
1933, 1943 und 1971 und erhalten so eine ausführliche und anrührende und gleichzeitig magische Familiengeschichte. Eins begleitet alle Familienmitglieder, die Liebe zu Büchern.

Der Autor kann sehr atmosphärisch erzählen. Man fühlt sich beim Lesen Zusehens in die Geschichte hineingezogen.
Die Handlungsorte, die Gassen in Leipzig sind so beschrieben, dass man das Gefühl bekommt man wäre selber vor Ort.

Die Geschichte geht manchmal mit schnellen Schritten voran und manchmal tritt sie auch auf der Stelle. Dadurch ist sie aber nie langatmig. Ich war von Anfang bis Ende von der Geschichte fasziniert.

Kai Meyer hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Seine Sprache möchte ich fast schon poetisch nennen. Der Autor verwendet gerne Metapher, was ich in der Geschichte so passend gefunden habe.

„Die Bücher, der Junge und die Nacht“ ist eine facettenreiche Geschichte. Zum einen eine große Familiengeschichte, aber auch eine Geschichte über die Magie der Bücher und natürlich der Liebe.

Für mich gehört „Die Bücher, der Junge und die Nacht“ jetzt schon zu meinen Highlights des Jahres.

Bis die Sonne scheint

Christian Schünemann
Roman
247 Seiten
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Mehr Schein als Sein

Klappentext:
Es ist das Jahr 1983. Daniel steht kurz vor seiner Konfirmation und träumt von blauem Samtsakko und grauer Flanellhose. Doch seit er die Eltern belauscht hat, schwant ihm, dass daraus nichts wird. Hormanns sind pleite und wissen nicht mehr, wie sie die sechsköpfige Familie über die Runden bringen sollen. So erfinderisch die Eltern auch sind, eines können sie nicht: mit Geld umgehen. Was sie dagegen beherrschen: den Schein wahren, selbst als der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht.

„Bis die Sonne scheint“ von Christian Schünemann ist die Geschichte eines Sommers im Jahr 1983.

Im Mittelpunkt steht Daniel Hormann. Sein Austauschschüler, mit dem er sich gut verstanden hat, ist abgereist. Jetzt steht seine Konfirmation kurz bevor. Daniel freut sich darauf und hofft auf ein schönes Samtsakko, das er tragen darf.
Doch es kommt alles ganz anders. Seine Familie ist pleite. Daniels Eltern versuchen es zwar zu ignorieren und nach außen hin sich nichts anmerken zu lassen. Aber eins ist Fakt, es ist kein Geld mehr da.

Christian Schünemann erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Daniel.
Ich mochte Daniel recht schnell, er ist ein intelligenter Junge, den das Schicksal seiner Eltern hart trifft. Daniel erzählt aus seinem Leben, wo das Hauptaugenmerk auf den Sommer 1983 gerichtet ist. Dabei wird die Zeit gut eingefangen, die Kleidung, die Wohnungseinrichtung wird alles deutlich beschrieben.
Es gibt aber Rückblenden in das Leben von Daniels Eltern und Großeltern. Das macht die Geschichte zwar abwechslungsreich und interessant. Diese Rückblenden sind aber sehr kurz und oberflächlich gehalten. Da hätte ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht.
Auch hätte ich mit noch etwas mehr über die finanzielle Notlage der Eltern und wie es dazu gekommen ist gewünscht.

Der Sommer und das Leben von Daniel werden gut geschildert. Ich konnte mich gut in den Jungen hineinversetzten. Der Schreibstil von Christian Schünemann ist flüssig und gut verständlich.

„Bis die Sonne scheint“ ist trotz kleiner Anmerkungen ein lesenswerter Roman.

Für Polina

Takis Würger
Roman
291 Seiten
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Absolute Leseempfehlung

Klappentext:
Als er vierzehn ist, verliebt sich Hannes Prager in das Mädchen Polina. Um ihr seine Liebe zu zeigen, komponiert der wundersam begabte Junge eine Melodie, die Polinas ganzes Sehnen und Wünschen umfasst. Doch sein Leben nimmt eine unvorhergesehene Wendung, Hannes hört auf, Klavier zu spielen und seine und Polinas Wege trennen sich. Nach Jahren, in denen er nichts als Leere fühlt, erkennt Hannes: Er muss Polina wiederfinden. Und das Einzige, womit er sie erreichen kann, ist ihre Melodie.

„Für Polina“ von Takis Würger erzählt die Geschichte von Hannes Prager.
Die Takis Würger Leser*innen lernen Hannes bei seiner Geburt kennen und begleiten ihn bis zu seinem 30. Lebensjahr. Es ist schön mitzuerleben wie Hannes sich entwickelt. Wie aus dem Kleinkind ein junger Mann wird. Sein Leben nimmt immer wieder neue Wege ein, was die Lektüre interessant macht.
Hannes ist sehr musikalisch. Mit 14 Jahren verliebt er sich in Polina uns komponiert eine Melodie für sie.
Aus einem Grund, auf den ich hier nicht näher eingehen möchte, hört Hannes mit dem Klavierspielen auf. Auch Polina verliert er aus den Augen.
Nach Jahren, die bei Hannes eine große Leere hinterlassen haben, sehnt er sich nach Polina. Wie kann er sie wiedersehen? Er weiß nicht, wo Polina heute lebt, aber eins weiß er genau, mit seiner Melodie kann er Polina erreichen.

Takis Würger erzählt die Geschichte sehr einfühlsam. Dabei ist es keine klassische Liebesgeschichte, vielmehr ist es ein tiefgründiger Roman über das Leben von Hannes Prager, mit all seinen Wendungen, die so ein Leben nun mal einnimmt. Die Charaktere sind gut gezeichnet und richtig lebendig. Mir hat es Freude gemacht, sie durch die Geschichte zu begleiten.
Der Schreibstil von Takis Würger ist flüssig und gut verständlich. Er ist einer der Autoren, die gut mit der Sprachen spielen können. Es gibt viele schöne Sätze in diesem Buch, die ich mir anstreichen musste.

„Für Polina“ ist ein schöner und lesenswerter Roman über das Leben und dessen Umstände und einer Liebe zur Musik und zu Polina. Mir hat das lesen große Freude bereitet.

Wenn Ende gut dann alles

Volker Klüpfel
Kriminalroman
409 Seiten
erschienen im Penguin Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Vorablesen für das Rezensionsexemplar

Humor trifft auf Spannung

Klappentext:
Halt an, Tommi! Kind ist ganz nass bei diese scheußliche Wetter, muss sich doch kümmern jemand.« Svetlana deutete energisch auf eine Stelle am Waldrand …

Die erstaunliche Svetlana liebt russische Literatur und Detektivgeschichten. Ihre Lebensweisheiten sind so legendär wie ihre Grammatik. Tommi, liebenswerter Chaot Anfang 30, arbeitet konsequent an seinem Durchbruch als Bestsellerautor. Meistens jedenfalls. Wegen vorübergehender Finanzflaute haust er im alten Wohnmobil seines Vaters. Die Hymer B550 hat der ihm zusammen mit seiner ukrainischen Putzfrau Svetlana überlassen. Als Tommi und Svetlana eines Abends ein kleines Mädchen am Waldrand auflesen, ahnen sie nicht, dass ihre unkonventionelle und bisweilen tollkühne Suche nach der Mutter sie auf die Spur eines schrecklichen Verbrechens bringt. Und sie selbst in große Gefahr.

„Wenn Ende gut, dann alles“ ist der Auftakt einer humorvollen Krimireihe von Volker Klüpfel.
Der Autor ist wohl den meisten bekannt durch die kultige Krimireihe mit Kommissar Kluftinger, die er mit Michael Kobr schreibt. Hier jetzt sein erster solo Roman.

Dazu hat Volker Klüpfel die unterschiedlichsten Charaktere ins Rennen geschickt. Die ukrainische Putzfrau Svetlana ist einfach toll. Sie liebt russische Literatur und Sprichwörter. Ihr verdrehtes Deutsch wird so einmalig wiedergegebene, dass man immer wieder schmunzeln muss. Ich habe Svetlana gleich ins Herz geschlossen. Sie weiß auf alles eine Antwort und hat ein großes Herz.

Tommi ist ein möchtegern Schriftsteller. Er hat für seinen Thriller die haarsträubendsten Ideen, bringt aber nichts richtig zu Papier. Oft wenn es ans Schreiben geht, erfindet er 1000 Ausreden, was er erledigen muss. Wegen einer Finanzflaute lebt er im Wohnwagen, den er von seinem Vater samt Putzfrau geerbt hat. Sein Vater ist in ein Altenheim gezogen und mischt da den Laden auf.
Tommi trauert immer noch seiner Freundin nach, die ihn verlassen hat. Auch sonst steht er oft auf dem Schlauch und es dauert etwas bis er versteht.

Zusammen mit Svetlana entdeckt er ein Mädchen ganz alleine am Waldrand. Svetlana, mit ihrem großen Herz fordert Tommi auf anzuhalten. Ihre Worte: „Jemand muss sich doch kümmern“. Das Mädchen wird in einem Heim untergebracht, Svetlana und Tommi versuchen die Mutter ausfindig zu machen. Schon bald finden sich die Beiden mitten in einer Mordermittlung.

Bei seinem Krimi stellt Volker Klüpfel eindeutig den Humor in den Vordergrund. Man hat zu Beginn Zeit sich mit den Charakteren vertraut zu machen und die sind Volker Klüpfel auf einzigartige Weise gelungen. Das miteinander zwischen Tommi und Svetlana ist freundschaftlich. Svetlana ist zwar Tommis Putzfrau aber ich würde sie eine Freundin nennen. Ohne sie wäre er doch aufgeschmissen.
Nach einigen Kapiteln zieht der Autor das Tempo an und die Leser*innen sind genau wie die Charaktere mitten in einer Mordermittlung.
Die wird auch mit kuriosen Ideen der Charaktere geschildert, die aber gar nicht so abwegig sind.

Der Schreibstil von Volker Klüpfel ist flüssig und gut verständlich. Die Ermittlungen werden spannend geschildert.

„Wenn Ende gut, dann alles“ ist ein humorvoller Krimi, der Lust auf mehr macht.

Enna Andersen und die dunklen Tage

Anna Johannsen
Kriminalroman
319 Seiten
erschienen im Edition M Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Anna Johannsen für das Rezensionsexemplar

Wieder ein sehr spannender Fall

Klappentext:
Eine neue Cold-Case-Ermittlung führt Hauptkommissarin Enna Andersen auf die ostfriesische Insel Spiekeroog. Vor einigen Jahren verschwand dort eine junge Frau spurlos von einem idyllischen Campingplatz, später wurde ihre Leiche am nahen Strand aufgefunden. Die Todesursache ist mehr als mysteriös: ein Schlangengift, das dem Opfer gespritzt wurde.
Bei der Wiederaufnahme der Ermittlungen stößt Andersens Team auf eine neue Spur. Die Verstorbene hatte offenbar mit psychischen Problemen zu kämpfen, die sie mit viel Mühe vor ihrem Umfeld verborgen hielt. Gleichzeitig entdecken die Ermittler weitere Fälle, die dem der jungen Frau ähneln. Sind sie einem Serienmörder auf der Spur?

„Enna Andersen und die dunklen Tage“ ist der 7. Band der Enna Andersen Reihe von Anna Johannsen.
Enna und ihr Team sind mir im Laufe der Bände sehr ans Herz gewachsen.
Enna, Paul und Pia und mittlerweile auch Jens sind zu einem starken Team zusammengewachsen. Jetzt findet ein neuer Kollege in das Team. Zinar Kawli, er ist der Sohn kurdischer Einwanderer und wegen seines Migrationshintergrundes wurden ihm immer wieder Steine in den Weg gelegt. In Ennas Team erhofft er sich einen gute und problemlose Zusammenarbeit.
Auch Zinar war mir schnell sympathisch. Ich finde auch, er passt gut in das Team.
Besonders gut gefällt mir der zwischenmenschliche Umgang der Kollegen. Wenn es einmal einem nicht gut geht, ist ein anderer zur Stelle und bietet Hilfe oder einen Platz zum Aussprechen an.

Die Ermittlung ist wie immer sehr spannend.
Es ist erstaunlich, was das Team nach so langer Zeit noch alles zutage bringt.
Sie finden auch Zusammenhänge zu anderen Fällen, wo zwar das Schlangengift nicht diagnostiziert wurde aber die psychischen Probleme der Opfer ähnlich waren. Es ist schwer die zuständigen Dienststellen zu überzeugen, dass es hier Parallelen zu ihrem Fall gibt. Besonders der Staatsanwalt stellt sich gerne quer. Das Team kommt fast an seine grenzen. Enna überlegt schon, ob ihr Beruf sich noch mit ihrem Privatleben verbinden lässt.

Anna Johannsen hat wieder einen genialen Fall konstruiert. Vergangenheit und Gegenwart vermischen sich und es ist nicht einfach in dem neu aufgerollten Fall weiter zukommen.
Es gibt zwar eine Theorie, wie das ganze geschehen ist, aber beweise lassen sich nur schwer finden. Hier müssen Enna und ihr Team eine List anwenden.

Anna Johannsen erzählt den Fall wieder recht spannend. Auch Land und Leute werden immer sehr schön beschrieben.
Natürlich spiet auch das Privatleben des Teams eine Rolle und zieht sich wie ein roter Faden durch alle Bände. Enna plant ihre baldige Hochzeit mit Aaron und hat ein schlechtes Gewissen, dass er so viel auf sich nimmt und sogar seine Arbeitsstelle gewechselt hat. Immer wieder überlegt Enna ob sie beruflich nicht kürzertreten soll.

Der Schreibstil von Anna Johannsen ist wie gewohnt flüssig und leicht verständlich.
Die Autorin versteht es den Spannungsbogen von Anfang bis zum Ende über die gesamte Geschichte zu spannen.

Immer wieder baut die Autorin Wendungen ein und hat so manche Überraschung parat.

Jetzt ist auch der 7. Band ausgelesen und ich hoffe sehr Enna nach einer kleinen Auszeit wiederzutreffen.

Das Kaufhaus – Zeit der Hoffnung

Susanne von Berg
Historischer Roman
351 Seiten
erschienen im Aufbau Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar

Das größte Kaufhaus Europas eröffnet in Köln

Klappentext:
Es ist ein ganz besonderer Tag für Leonhard und Flora Tietz: Sie eröffnen in Köln das größte und modernste Kaufhaus Europas. Doch die Freude über die Krönung ihres Lebenswerks wird dadurch getrübt, dass Leonhard schwer erkrankt ist. Für Flora bricht eine Welt zusammen, unterkriegen aber lässt sie sich nicht. Dann stellt der Ausbruch des Ersten Weltkriegs die Familie Tietz vor ungeahnte Herausforderungen. Gelingt es ihr, die Warenhäuser durch die schwere Zeit zu bringen?

„Das Kaufhaus – Zeit der Hoffnung“ ist der überraschende 4. Band der großen Kaufhaus-Saga von Susanne von Berg.
Hinter dem Namen verbirgt sich der bekannte Krimiautor Andreas Schmidt.

Mit dem 4. Band beglückt Susanne von Berg ihre Leser*innen mit einer Zugabe.

Das Kaufhausimperium ist gewachsen. Die Eröffnung des größten Kaufhauses in Europa in Köln steht kurz bevor. Die Leitung des Kaufhauses soll Alfred übernehmen. Mit seiner Frau Margarete hat er eine wertvolle Stütze an seiner Seite.
Sein Bruder Gerhard übernimmt die Leitung des Kaufhauses in Düsseldorf.
Aus dem kleinen Laden mit dem in Stralsund alles anfing, ist ein mächtiger Konzern geworden. Doch Leonhard Tietz ist krank, er hofft, dass ihm noch so viel Zeit bleibt, um mitzuerleben, wie das neue Kaufhaus zu einem Erfolg wird.
Als der 1. Weltkrieg ausbricht muss die Familie Tietz um ihr Imperium bangen.

In einem 2. Erzählstrang lernen die Leser*innen Emilia kennen. Sie lebt im Severinsviertel und arbeitet als Stollwerckmädchen. Am Tag der Eröffnung des großen Kaufhauses geht Emilia nicht zur Arbeit. Sie zieht ihre Feiertagskleidung an und macht sich auf, um die Eröffnung des neuen Kaufhauses mitzuerleben. Ihr Traum ist es als Ladenmädchen dort zu arbeiten.

Auch der 4. Band lebt wieder durch seine starken Charaktere.
Es ist schön, die Familie Tietz doch noch einmal wiederzutreffen.
Man liest, wie erfolgreich sie in den vergangenen Jahren gewesen sind. Die Söhne Alfred und Gerhard sind mittlerweile erwachsen und in den Konzern eingestiegen.
Mit dem 1. Weltkrieg kommen schwere Zeiten auf die Familie Tietz zu.

Susanne von Berg erzählt die Geschichte in einem leichten, lockern und interessanten Schreibstil.
Man kann schnell in die Geschichte versinken.
Auch die Zeit der Handlung wird sehr gut widergespiegelt.
Mir haben schon die ersten drei Bände der Kaufhaus-Sage sehr gut gefallen und ich war auf den 4. Band sehr gespannt.
Und auch bei diesem Band fiel es mir wieder schwer das Buch aus der Hand zu legen.

Jetzt habe ich auch den 4. Band beendet. Mit dieser Saga wurde mir ein tiefer Einblick in die Entstehung der Kaufhausdynastie gewährt.
Und ich habe eine bewegende Familiengeschichte lesen dürfen.

Haus der Geister

Frank Goldammer
Historischer Kriminalroman
366 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Gibt es wirklich Geister

Klappentext:
Im heißen August 1881 werden Kriminalrat Gustav Heller und sein Assistent Schrumm in die alte Villa von Adele Blumfeld gerufen, um den plötzlichen Tod eines Teilnehmers der gerade stattgefundenen Séance aufzuklären. Im Gegensatz zu Schrumm glaubt Heller keine Sekunde an Geister oder die übersinnlichen Kräfte der exzentrischen Gastgeberin. Doch das morbide Haus und vor allem Hermina, das stumme und seit einem Unfall schwer entstellte Dienstmädchen, scheinen ein Geheimnis zu hüten, dem Heller auf den Grund gehen will. Und was hat es mit dem »Roten Verlies« auf sich, von dem immer die Rede ist? Als es zu weiteren mysteriösen Todesfällen in der Villa kommt, nimmt Heller selbst an einer Séance teil und tappt beinahe in eine tödliche Falle …

„Haus der Geister“ ist der 2. Band der Kriminalrat Gustav Heller Reihe von Frank Goldammer.

Der Autor entführt seine Leser*innen nach Dresden in das Jahr 1881.
Im Mittelpunkt steht Gustav Heller, der Großvater von Max Heller aus der Bestseller-Reihe Max Heller.
Gustav Heller ist ein sehr starker Mann mit einem großen Gerechtigkeitsgefühl. Er kann aber auch manchmal ganz schön aufbrausend sein.
Nur sein Assistent Adelbert Schrumm und seine Frau Helene wissen ihn zu nehmen.
Mit seinem Sohn Albert ist er sehr streng. Natürlich möchte er nur das Beste für Albert, aber das erkennt man nicht immer. Seine Tochter Johanna hingegen vergöttert er, was daran liegt, dass Johanna eine angeborene Herzschwäche hat und ihr Zimmer nur selten verlassen kann.

Es fängt damit an, dass Gustav Heller spätabends auf seinem Ritt nach Hause eine Gestalt in weiß sieht. Die weiße Frau, wie sie genannt wird ist eine Geistererscheinung. Doch Gustav Heller glaubt nicht an Geistern. Gerade jetzt bekommt er es mit mehreren Todesfällen, meist Selbstmorde zu tun die alle in Verbindung mit Adele Blumfeld stehen, die in ihrer Villa Séancen abhält. Regelmäßig erscheinen wohl Geister, die Anwesende in den Tod treiben. Gustav Heller versucht hinter das Geheimnis von Adele Blumfeld zu kommen und sie zu überführen. Rätselhaft ist auch die Magd Hermina, die bei Adele Blumfeld lebt. Durch einen Unfall ist ihr Gesicht total entstellt und das Mädchen spricht kein Wort.

Gekonnt hat der Autor die Zeitenwende geschafft und geht jetzt schon mit dem 2. Band seiner neuen Krimireihe zurück zu Gustav Heller.
Auch wenn Gustav Heller etwas schwierig ist, finde ich ihn als Protagonist sehr interessant.
Er hat sehr innovative Gedanken darüber, was die Ermittlungen erleichtern könnte.
Die Polizei und die Spurensicherung waren zu dieser Zeit lange nicht so ausgerüstet wie heute.
Interessant ist auch die Beschreibung von Dresden im Jahr 1881. Die Fortbewegung war, wenn nicht zu Fuß, dann mit Pferd oder Kutsche. Genau wie heute trieb es die Menschen in die Stadt. Dresden wurde immer größer und es gab nicht genug Arbeit für alle. Daher war auch die Armut groß.

Frank Goldammer hat mich wieder einmal mit seiner Geschichte begeistert.
Er beschreibt die Handlungsorte sowie die Zeit der Handlung sehr eingängig. Man kann sich schnell ein Bild davon machen.
Sein Schreibstil ist flüssig und leicht verständlich. Die Seiten fliegen beim Lesen nur so dahin.
Als treue Leserin der Max-Heller-Reihe hat mich die Gustav Heller Reihe gleich mit ihrem 1. Band in ihren Bann gezogen.
Ich bin auch bei „Haus der Geister“ wieder schnell tief in die Geschichte eingetaucht.

Jetzt freue ich mich, wenn es einen neuen Fall für den Kriminalrat Gustav Heller geben wird.

Konklave

Robert Harris
Roman
349 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Wolfgang Müller
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an das Bloggerportal und den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar

Interessanter Roman mit unerwartetem Ende

Klappentext:
Der Papst ist tot. Die um den Heiligen Stuhl buhlenden Gegner formieren sich: Traditionalisten, Modernisten, Schwarzafrikaner, Südamerikaner. Kardinal Lomeli, den eine Glaubenskrise plagt, leitet das schwierige Konklave. Als sich die Pforten hinter den 117 Kardinälen schließen, trifft ein allen unbekannter Nachzügler ein. Der verstorbene Papst hatte den Bischof von Bagdad im Geheimen zum Kardinal ernannt. Ist der aufrechte Kirchenmann der neue Hoffnungsträger in Zeiten von Krieg und Terror oder ein unerbittlicher Rivale mit ganz eigenen Plänen? Die Welt wartet, dass weißer Rauch aufsteigt.

„Konklave“ ist ein interessanter und spannender Roman von Robert Harris.
Da die Verfilmung für mehrere Oscars nominiert ist, wollte ich gerne das Buch lesen.
Robert Harris, der für Spannung bekannt ist, hat hier einen sehr interessanten Roman veröffentlicht.

Der Papst ist tot. Jetzt heißt es einen neuen Papst zu wählen, das Konklave beginnt unter der Leitung von Kardinal Lomeli. Alle Kardinäle haben sich im Vatikan eingefunden. Kurz bevor die Pforten geschlossen werden und die Kardinäle von der Außenwelt abgeschnitten sind, kommt der Bischof von Bagdad, der vom Papst unter Geheimhaltung zum Kardinal ernannt wurde.
Die Wahl kann beginnen. Obwohl Lomeli der Meinung ist, dass niemand freiwillig auf den Papstthron möchte, gibt es drei Kandidaten, die alles daransetzten die Wahl zu gewinnen. Es beginnt ein Hauen und Stechen. Im geheimen deckt Lomeli Ungereimtheiten über diese drei Kardinäle auf und gerät in einen Gewissenskonflikt

Robert Harris erzählt die Geschichte sehr authentisch. Man erfährt viel über die Rituale bei der Papstwahl. Es beginnt schon beim Anlegen der Kleidung. Zu jedem Kleidungsstück gibt es ein Gebet. Dann der Vorgang der Wahl, auch der Läuft nach festen Ritualen ab. Ich fand es sehr interessant da einen Einblick zu bekommen.

Die Charaktere werden sehr gut beschrieben. Gerade Lomeli, den Zweifel und Gewissensbiss quälen ist ein starker Charakter. Durch Intrigen verschiedener Kardinäle, die den Papstthron anstreben, bringt Robert Harris reichlich Spannung in die Geschichte. Zwischen den einzelnen Wahlgängen wird beim Essen im Gästehaus diskutiert und es werden Stimmen gesammelt.

Robert Harris hat einen flüssigen, gut verständlichen und angenehm zu lesenden Schreibstil.
Das Ende ist überraschend und genial zugleich.

„Konklave“ ist ein interessanter Roman, der tiefe Einblicke in die geheime Papstwahl gestattet. Ich habe die Geschichte mit Spannung gelesen.

Tizianas Rosen

Stefan Györke
Kriminalroman
179 Seiten
erschienen im Arisverlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Stefan Györke und den Arisverlag für das Rezensionsexemplar

Ungewöhnlicher Kriminalroman mit einer feinen Sprache

Klappentext:

Endlich ist es geschafft: Tiziana Mara löst sich von ihren Eltern, um sich ein eigenes Leben aufzubauen. Dieses beginnt in einer Zürcher Anwaltskanzlei, wo sie eine Affäre mit dem Anwalt Ulrich Vanderhoff eingeht. Er hält sie mit einem horrenden Arbeitspensum in Atem und lässt sie Grusskarten an seine Liebhaberinnen schreiben, sie erduldet seine Erniedrigungen. Knapp ein Jahr später wird er ermordet aufgefunden. tief in seinem Hals steckt ein Strauss Rosen. Ein typischer Ritualmord im Mafiamilieu, schnell hat man Tizianas sizilianischen Eltern auf dem polizeilichen Radar. Umso überraschender kommt Tizianas Geständnis.

„Tizianas Rosen“ ist ein ungewöhnlicher Kriminalroman von Stefan Györke. Von dem Autor habe ich bereits den Roman „Die Mütter“ gelesen der bei Steidl erschienen ist. Hier war ich begeistert von der feinen Sprache und deshalb sehr gespannt auf diesen Kriminalroman.

Im Mittelpunkt steht Tiziana Mara. Sie wird, ohne ihr Zutun zu einem Vorstellungsgespräch in einer Anwaltskanzlei gebeten. Der Arbeitsplatz ist vielversprechend, die Kollegen sind nett, also nimmt sie den Job an. Über Langeweile kann Tiziana sich nicht beklagen, Überstunden stehen auf der Tagesordnung. Ihr neuer Chef, der Anwalt Ulrich Vanderhoff ist recht charmant und macht Tiziana Avancen. Tiziana ist nicht abgeneigt, wird dann aber einem anderen Anwalt zugeteilt. Sie hat sich schon damit abgefunden, dass es keine Beziehung zu Ulrich Vanderhoff geben wird. Doch auf einmal kommen Rosen von Vanderhoff. Kurz danach ist Vanderhoff tot.
Schon gleich zu Beginn gesteht Tiziana den Mord an Vanderhoff. Doch ist wirklich alles so gewesen, wie Tiziana erzählt?

Stefan Györke erzählt die Geschichte in einer feinen Sprache und mit einem intelligenten Humor. Die Geschichte hat zwar nur 179 Seiten, es steckt aber so viel drin. Eine Liebesgeschichte, die Knall auf Fall endet, ein Mord und eine Abnabelung und Annäherung von Tiziana an ihre sizilianischen Eltern.
Die Charaktere sind gut gezeichnet. Man weiß nicht immer woran man bei Tiziana ist aber das macht die Spannung aus.

Einen Kriminalroman, mit einem Geständnis zu beginnen und dann so viel Spannung zu verbreiten ist eine Kunst, die Stefan Györke, wie es scheint ganz einfach gelungen ist.

„Tizianas Rosen“ ist ein ungewöhnlicher und spannender Kriminalroman, den ich mit großer Freude gelesen habe.

Deepfake-Das Ende der Wahrheit

Darius Quinn
Thriller
503 Seiten
erschienen bei Darius Quinn
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Darius Quinn für das Rezensionsexemplar

Spannend und beängstigend

Klappentext:
Als FBI-Special Agent Tom Anson zur Leiche eines milliardenschweren Tech-CEOs gerufen wird, scheint zunächst alles auf einen Selbstmord hinzudeuten. Doch schon bald stößt er auf ein brisantes Geheimnis: Ein Video, das den Toten in einem menschenverachtenden Licht zeigt, verbreitet sich viral im Netz und stellt sich als raffinierter Deepfake heraus. Das Unternehmen stürzt ins Chaos, bevor es Konkurs anmelden muss.

Doch das ist erst der Anfang. Eine Reihe weiterer Deepfakes sorgt für Panik und destabilisiert die amerikanische Wirtschaft. Wer steckt hinter diesen digitalen Täuschungen, die die USA an den Rand des Kollapses bringen? Anson und sein Team kämpfen nicht nur gegen die Zeit, sondern auch gegen übermächtige Gegner, die keinen Halt vor Mord und Intrigen machen.

„Deepfake: Das Ende der Wahrheit“ ist ein interessanter und spannender Techno-Thriller von Darius Quinn.
Ich finde KI ein interessantes Instrument, was da alles mit möglich sein wird, kann ich mir noch gar nicht voll und ganz vorstellen. Doch, wenn die KI von falschen Menschen mit bösen Absichten genutzt wird kann sie zu einer Waffe werden. Ich frage mich, woran erkennt man, ob ein Foto oder ein Video echt ist oder ein Deepfake? Gerade deshalb hat mich der Thriller von Darius Quinn interessiert.

FBI-Special Agent Tom Anson ermittelt im Fall des Toten Tech-CEOs. Es deutet alles auf einen Selbstmord hin. Doch dann tauchen Videos über den CEO auf, die das Unternehmen ins Bodenlose stürzen lassen. Special Agent Tom Anson fragt sich, ob das Video den CEO in den Tod getrieben hat. Doch dann tauchen weitere Videos auf und stürzen weitere Firmen in den Ruin. Allesamt Tochterfirmen von Leonydoo. Die Wirtschaft in der USA steht kurz vor dem Kollaps. Tom Anson vermutet, dass die Videos nicht echt sind, doch wie kann er das Beweisen? Tom Anson ermittelt auf Hochtouren, doch auch beim FBI wurde die IT manipuliert und sie müssen in ein Safehouse ausweichen. Tom Anson weiß, dass ihm nicht viel Zeit bleibt den Fall zu lösen.

Darius Quinn zeigt ein Bild auf, was passieren kann, wenn die neue Technologie der KI mit bösen Absichten benutzt wird. Es kann eine neue Waffe zur Kriegsführung werden.
Der Autor baut schnell Spannung auf, die er auch über die gesamte Geschichte aufrechterhält. Darius Quinn vermittelt seinen Leser*innen auf eine gut verständliche Weise, wie schwer es sein kann einen Deepfake zu erkennen. Die Charaktere werden gut beschrieben und es macht Freude FBI-Special Agent Tom Anson bei seiner Arbeit über die Schulter zu schauen.
Der Schreibstil des Autors ist flüssig und fesselnd. Die vielen technischen Details vermittelt er gut verständlich.
Das aktuelle Thema KI wird hier in einen rasanten und spannenden Thriller verpackt. Mir hat das Lesen großen Spaß gemacht.