Was wir einander schuldig sind

Roman
255 Seiten
erschienen bei BoD – Books on Demand
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Wilma Borghoff für das Rezensionsexemplar

Eine emotionale Familiengeschichte

Klappentext:
Ein Anruf. Eine Forderung. Und ein Leben, das aus den Fugen gerät.
Als Jarik, ein lebensfroher Endfünfziger, nach Jahren von seiner Tochter Jessica hört, trifft ihn ihre Nachricht wie ein Schlag: Sie ist todkrank. Und ihre zwölfjährige Tochter Talea, seine einzige Enkelin, soll zu ihm ziehen; zu einem Großvater, den sie noch nie gesehen hat.
Für Jarik und seine zweite Frau Elvira beginnt eine Zeit voller Spannungen, Überforderung und unausgesprochenen Ängsten. Talea begegnet ihnen mit Schweigen, Wut und Misstrauen. Das Paar merkt, dass guter Wille und Liebe manchmal nicht ausreichen, um einem verletzten Kind Halt zu geben.
Aus ihrer nordischen Heimat Friesland hat Talea kaum etwas mitgebracht. Und doch ist da etwas, das sie begleitet: ein scheuer Grünspecht, der immer wieder in ihrer Nähe auftaucht, als würde er über sie wachen.

„Was wir einander schuldig sind“ von Wilma Borghoff ist ein Buch, das mich sehr berührt hat.

Im Mittelpunkt stehen Jarik, seine Frau Elvira und Talea, die Tochter von Jariks Tochter aus erster Ehe.
Jarik hat keine Verbindung zu seiner Tochter Jessica, seine Enkelin Talea, die mittlerweile 12 Jahre ist, kennt er nicht. Da kommt ein Anruf von seiner Tochter, dass sie sterben wird und er sich um ihre Tochter kümmern soll. Es scheint so, dass Jessica sonst keinen Menschen hat, dem sie ihr Kind anvertrauen kann.

Wilma Borghoff hat einen angenehmen und gut verständlichen Schreibstil. Mich hat die Geschichte schon nach wenigen Seiten gefesselt, sodass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Die Charaktere in der Geschichte sind gut gezeichnet und lebendig.
Jarik und seine Frau Elvira habe ich gleich gemocht. Obwohl ich Jarik manchmal gerne etwas geschüttelt habe. Wie gut, dass Elvira an seiner Seite ist und alles in die Hand genommen hat. Sie ist willens, Talea ein Zuhause zu geben. Auch wenn das nicht einfach ist und es immer wieder, gerade wenn sie denkt, sie sei einen Schritt weitergekommen Rückschläge gibt.
Talea hat mir leidgetan. Ihre Mutter konnte ihr aus Geldnöten nicht viel bieten und dann ist sie krank geworden. Dann ist plötzlich ihre Mutter tot und sie muss in eine andere Stadt zu den Großeltern ziehen, die sie nicht kennt. Es sind praktisch Fremde für sie.
Ich bewundere Wilma Borghoff dafür, wie sie sich in Talea hineinversetzen konnte. Wie sie die seelischen Nöte des Mädchens in ihre Geschichte einfließen lässt. Man konnte die Ängste und Nöte von Talea richtig spüren.

Die Idee mit dem Grünspecht, der immer wieder auftaucht, ist sehr gut gelungen.
Taleas gibt er immer ein kleines bisschen Zuversicht. Es ist ihr Grünspecht, der immer dann auftaucht, wenn sie besonders verzweifelt ist.

Mit „Was wir einander schuldig sind“ erzählt Wilma Borghoff eine Geschichte über Trauer und Loslassen. Aber auch eine Geschichte über Liebe, Familie und Zuversicht.
Mich hat das Buch sehr berührt und ich empfehle es gerne weiter.

Fünf, Sechs, Sieben, Acht

Ewald Arenz
Roman
237 Seiten
erschienen im DuMont Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den DuMont Verlag für das Rezensionsexemplar

Vom Älterwerden und Loslassen

Klappentext:
Anton, 60 Jahre alt, ist Stepptänzer. Ja, er ist nicht mehr so schnell wie früher, aber mit seiner Erfahrung und Ausdruckskraft tanzt er, noch allen davon. Wer sollte ihm also die Stelle als Choreograf an einer Theaterbühne streitig machen? Doch die neue Intendantin sieht das anders und engagiert ausgerechnet Emma, Antons Tochter. Anton ist verletzt, wütend, traurig und zugleich stolz auf seine Tochter. Zeigen kann er ihr das nicht.
Die Absage spült etwas in ihm hoch, das er nicht länger verdrängen kann: das Gefühl des Älterwerdens. Plötzlich spürt er die eigene Endlichkeit und fragt sich, ob er sein Leben richtig gelebt hat. Eine Frage, die ihn wieder an eine alte große Liebe denken lässt. Jo war damals einfach spurlos verschwunden. Hätte er mit ihr ein besseres Leben gelebt?
Es ist Emma, die auf Jos Spur stößt. Mit ihr reist er nach Irland. Alte Konflikte zwischen Vater und Tochter brechen wieder auf. Für Anton wird es eine Reise zu sich selbst und er begreift: Zu Ende ist es erst, wenn es zu Ende ist. Bis dahin will das Leben gelebt werden.

„Fünf, Sechs, Sieben, Acht“ ist ein Buch über das Leben und das Älterwerden von Ewald Arenz.

Im Mittelpunkt steht Anton. Er ist 60 Jahre alt und immer noch ein begnadeter Stepptänzer und Choreograf.
Eine neue Intendantin kommt an das Theater, an dem Anton arbeitet. Die neue Intendantin möchte alles jünger und moderner gestalten. Dem fällt dann auch Anton zum Opfer. Seine Stelle wird ausgerechnet mit seiner Tochter Emma besetzt, was Anton einige Zeit schmollen lässt.
Seit der Scheidung von seiner Ehefrau steht es mit der Beziehung zu seiner Tochter nicht zum Besten. Gerade in letzter Zeit haben sie sich etwas angenähert.

Ewald Arenz hat für seine Geschichte großartige Charaktere ins Leben gerufen.
In diesem Buch stecken eigentlich zwei kleine Geschichten, in denen Anton immer im Mittelpunkt steht.
Es geht einmal um Anton als Tänzer, der aufgrund seines Alters aussortiert wird. Damit kann er nicht umgehen, denn er fühlt sich noch lange nicht alt.
Anton ist geschieden, hat aber mittlerweile ein freundschaftliches Verhältnis zu seiner Ex-Frau. Die Tochter kann ihm nicht recht verzeihen, dass er sie als Kind verlassen hat.
Eine Entschuldigung oder auch eine Erklärung kamen nie über Antons Lippen.
Dann geht es um Anton, der in jungen Jahren von seiner großen Liebe verlassen wurde. Plötzlich war sie verschwunden, ohne Abschied, ohne Nachricht. Anton glaubte schon nicht mehr, dass sie noch lebt. Doch da findet sich eine Spur, die nach Irland führt.

Mir hat das Lesen große Freude gemacht. Ich habe Anton gerne auf seinem Weg begleitet und seine Entwicklung miterlebt.

Ewald Arenz erzählt die Geschichte in einer feinen Sprache, die ich fast poetisch nennen möchte. Wenn Anton über sein Leben nachdenkt, hat es manchmal auch etwas Philosophisches.

Ich bin schnell tief in der Geschichte versunken. Die Seiten sind nur so dahingeflogen.

Fünf, Sechs, Sieben, Acht ist eine Geschichte über das Leben und das Loslassen, die mir gut gefallen hat.

Hotel Sardona

Martin Oesch und Ralph Weibel
Roman
295 Seiten
erschienen im Gmeiner Verlag
Meine Bewertung:
3 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Gmeiner Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hotel in den Schweizer Alpen

Klappentext:
Wo einst prominente Gäste logierten, liegt nun der Staub vergangener Tage: Das Hotel Sardona in den Schweizer Alpen hat seinen Glanz verloren. Drei entfremdete Geschwister, gezeichnet von sehr unterschiedlichen Brüchen in ihrem Leben, erben das Haus, unter der Bedingung, es wiederzueröffnen. Während sie gemeinsam um die Zukunft des Hotels ringen, brechen alte Konflikte auf und lange verdrängte Wahrheiten kommen ans Licht. Kann aus den Trümmern der Vergangenheit eine gemeinsame Zukunft entstehen?

„Hotel Sardona“ von Martin Oesch und Ralph Weibel ist die Geschichte eines Hotels und dessen 3 neuen Besitzern.

Die Autoren haben recht unterschiedliche Charaktere ins Leben gerufen.
Benedikt Walser weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Er schickt seinen einzigen Verwandten einen Brief, indem er sie in sein Hotel Sardona in den Schweizer Alpen einlädt. Dort bekommen die 3 eine Schenkungsurkunde. Benedikt vermacht ihnen sein Hotel, mit der Auflage, es wieder neu zu eröffnen. Doch wenn die Geschwister das Hotel annehmen, müssen sie für die Renovierung viel Geld in die Hand nehmen. Geld, das sie nicht besitzen.

Walter sitzt seit einem Unfall auf einer Baustelle im Rollstuhl. Mit seiner Ehe steht es nicht zum Besten. Finanziell kommt er mehr schlecht als recht über die Runden.

Robert ist der Erfolgreiche der Geschwister. Nach außen hin sieht er auch wohlhabend aus. Fährt ein großes Auto und macht auch sonst einen auf dicke Hose. Nur in Wirklichkeit sieht es ganz anders aus.

Franziska ist gleich von dem Hotel begeistert. Sie lebt in Frankreich, hat einen Sohn, der beim Vater lebt und den sie nur selten sehen darf.

In dem Hotel leben außer Benedikt noch zwei Flüchtlinge, ein Mädchen und ein Bernhardiner.

Die Geschwister treffen sich nach langer Zeit wieder. Dass sie zerstritten sind, ist deutlich zu spüren. Die Leser*innen lernen jeden gut kennen. Ich habe zu keinem einen richtigen Zugang gefunden. Keiner konnte mir so richtig sympathisch werden.

Nach dem Abend, an dem Benedikt den Geschwistern das Hotel anbietet, ist er auch verschwunden.
Nach einiger Zeit einigen sich die Geschwister darauf, das Hotel anzunehmen. Jetzt beginnt die Planung, die eher etwas konstruktiv ist. Ob die Geschwister je das Geld zusammenbekommen, um das Hotel zu renovieren, ist fraglich.
Ich konnte die Handlungen, was die drei Geschwister angeht, nicht immer nachvollziehen.

Die beiden Autoren haben ein schönes Setting für die Geschichte gewählt. Ich konnte es mir gut vorstellen. Das verlassene Hotel, mit seinem prächtigen Entrée.

Die Geschichte wird auch recht kurzweilig erzählt. Die einzigen Bewohner sind zwei Flüchtlinge, was man als Leser*in von ihnen erfahren hat, das fand ich interessant.
Hier hätten die Autoren gerne etwas tiefer ins Detail gehen können.

„Hotel Sardona“ ist ein leichter Roman, den man zwischendurch einmal lesen kann.

Solange ein Streichholz brennt

Christian Huber
Roman
339 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine Achterbahnfahrt der Gefühle

Klappentext:
Bohm lebt seit fünf Jahren auf der Straße. Wie er aus seinem früheren Leben gerutscht ist, darüber schweigt er. Er besitzt so gut wie nichts. Einen alten Rucksack. Geschnitzte Holzmäuse. Einen Brief, den er nicht öffnen will. Mit seinem Hund Fox kämpft er sich durch die Tage und Nächte.
Hat jemand eine Chance auf die Liebe, der keine Chance im Leben hat?
Die junge, einst aufstrebende Fernsehjournalistin Alina steckt fest. Im Job und in der Angst zu scheitern. Ihre letzte Chance auf eine TV-Karriere scheint eine Reportage über das Leben auf der Straße zu sein.
Alina findet Bohm.

„Solange ein Streichholz brennt“ von Christian Huber ist ein sehr emotionaler Roman.

Im Mittelpunkt stehen Bohm und Alina, zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch sie finden sich.

Bohm ist obdachlos, lebt auf der Straße. Warum und wie es dazu gekommen ist, dazu schweigt Bohm.

Alina ist Fernsehjournalistin, aber in ihrem Beruf wie in ihrem Leben festgefahren. Jetzt bekommt sie den Auftrag, einen Obdachlosen zu begleiten und eine Reportage darüber zu drehen.
Da stößt sie auf Bohm, der aber alles andere als begeistert von der Idee ist.
Doch als Bohm Hilfe braucht, ist Alina da und er stimmt der Reportage zu.
Die Verbindung zwischen Alina und Bohm ändert sich. Da ist bald nicht mehr nur der Job, da wachsen Gefühle.

Die Geschichte ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich war lange nicht mehr so berührt von einer Geschichte.
Mit der Reportage, die Alina drehen will, erfahren die Leser*innen die Geschichte von Bohm. Und die wird schonungslos und ehrlich erzählt.
Die Charaktere werden sehr realistisch beschrieben. Nach wenigen Seiten hat man das Gefühl, die Protagonisten persönlich zu kennen. Ich habe mit ihnen gelitten, geweint und gelacht.

Der Schreibstil von Christian Huber ist flüssig und gut verständlich. Ich wurde schnell in die Geschichte hineingezogen und konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
„Solange ein Streichholz brennt“ ist eine Geschichte über Freundschaft und Verlust, die mich sehr berührt hat.

Au revoir und tschüss

Gudrun Lochte
Roman
320 Seiten
erschienen im VANI Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Eine Reise zum eigenen Ich

Klappentext:
Caro spürt, dass sie etwas ändern muss. Ihre Ehe ist erstarrt, der Alltag vorhersehbar und sie hat sich selbst aus den Augen verloren. Kurz entschlossen reist sie allein nach Südfrankreich und trifft damit eine Entscheidung, die alles ins Wanken bringt.
Zwischen warmem Licht, neuen Begegnungen und einer unerwarteten Verbindung beginnt für sie eine Reise zu sich selbst. Doch zwischen Sehnsucht, Schuld und dem Wunsch nach Veränderung steht sie vor der Frage, wie viel Mut es braucht, um wirklich glücklich zu sein.

„Au revoir und tschüss“ ist ein Roman über die Selbstfindung und Neuanfänge von Gudrun Lochte.

Im Mittelpunkt steht Caro. Sie ist Mitte 40, hat Mann und zwei Söhne, doch ihr Leben scheint festgefahren zu sein. Ihr Mann scheint sie nicht mehr zu bemerken. Ihr Gesagtes registriert er entweder nicht oder versucht, ihr seinen eigenen Willen aufzudrücken.

Caro muss raus, und so meldet sie sich zu einem Sprachkurs in Südfrankreich an. Schon länger hegt sie den Wunsch, ihre Französischkenntnisse zu verbessern.
Nach einem Zwischenstopp in Paris kommt Caro im südfranzösischen Uzès an. Neue Eindrücke und neue Bekanntschaften helfen Caro, auf andere Gedanken zu kommen, ihr Leben zu reflektieren und zu sich selbst zu kommen.

Gudrun Lochte erzählt die Geschichte ruhig und doch fesselnd.
Die Charaktere sind gut gezeichnet. Mir ist Caro schnell sympathisch gewesen. Sie ist in einem Alter, in dem man schon einmal hinterfragt, ob es so weitergehen soll oder ob da noch mehr auf einen wartet.
Man erlebt beim Lesen eine Veränderung bei Caro. Es ist, als ob sie sich langsam aufrichtet, was mir gut gefallen hat.
Ihr Mann Holger hingegen ist mir nicht sonderlich sympathisch. Er machte auf mich einen egoistischen Eindruck und ist selbstverliebt.

Die Autorin beschreibt die Handlungsorte sehr anschaulich.
Uzès mit seinen schönen Plätzen und dem Markt hätte ich auch gerne besucht.

Der Schreibstil von Gudrun Lochte ist flüssig und gut verständlich. Ich wurde schnell in die Geschichte hineingezogen.

„Au revoir und tschüss“ ist ein wunderbarer Sommerroman über das Leben, Selbstfindung und Neuanfang.


Okada-sans wundersame Reise mit dem Taxi der geheimen Wünsche

Yasushi Kitagawa
Roman
206 Seiten
Übersetzt aus dem japanischen von Bernd Sambale
erschienen bei Harper Collins
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Harper Collins Verlag für das Rezensionsexemplar

Die Suche nach dem Glück

Klappentext:
Auf einen Schlag zwanzig Kunden verloren, eine Tochter, die nicht zur Schule gehen will, das schlechte Gewissen, weil er sich um seine Mutter kümmern sollte, Shûichi Okada hält sich für den unglücklichsten Mann Japans. Und ausgerechnet er bekommt die Chance, sein Glück zu wenden, als ein mysteriöser Taxifahrer auftaucht und ihm anbietet, ihn immer genau dort abzusetzen, wo er den Weg zu einem glücklicheren Leben einschlagen kann. Shûichi steigt ein. Und Schritt für Schritt lernt er, dass Glück nichts ist, mit dem man geboren wird,
es ist das Ergebnis der Entscheidungen, die man trifft, und der positiven Energie, die man in die Welt bringt.

„Okada-sans wundersame Reise mit dem Taxi der geheimen Wünsche“ von Yasushi Kitagawa ist ein Buch über das Leben und dem Glück.

Im Mittelpunkt steht der Shûichi Okada. Er ist davon überzeugt, der unglücklichste Mensch Japans zu sein.
Shûichi verkauft Versicherungen und als verschiedene Kunden ihre Versicherung kündigen, muss er seine Prämie zurückzahlen. Dazu kommt noch, dass seine Tochter sich weigert, zur Schule zu gehen.
Ein mysteriöses Taxi hält vor Shûichi Okada. Der Fahrer prophezeit ihm, dass er so lange mitfahren kann, bis der Taxameter auf null steht. Der Fahrer wird Shûichi Okada an Orte fahren, wo er das Glück finden kann und sein Leben eine andere Richtung einschlägt.

Yasushi Kitagawa erzählt die Geschichte auf eine Art, die ich philosophisch nennen möchte. Ein schöner Gedanke, dass man, um Glück zu haben, Punkte sammeln muss, die man dann einlösen kann. Die gesammelten Punkte können auch von einer Generation davor aufgespart werden und an die nächste Generation weitergegeben werden. Das bedeutet, man soll nicht nur an sich denken, sondern auch die nächste Generation im Auge haben.
Damit das Glück einen findet, muss man guter Dinge sein, ein Lächeln auf den Lippen haben.

Shûichi Okada durchlebt in der Geschichte eine Wandlung. Zu Beginn ist er pessimistisch und ein echter Griesgram. Langsam hebt sich seine Laune und immer öfter erscheint ein Lächeln. Er fängt an, über Dinge nachzudenken, und überlegt, was er tun kann, um sein Leben in eine andere Richtung zu bringen.

Der Schreibstil von Yasushi Kitagawa ist flüssig und gut verständlich. Er findet viele schöne Worte und beschreibt das Glück und den Weg dahin auf eine philosophische Art und Weise.

„Okada-sans wundersame Reise mit dem Taxi der geheimen Wünsche „ st eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt.

Die unmögliche Rückkehr

Amélie Nothomb
Roman
132 Seiten
Übersetzt aus dem Französischen von Brigitte Große
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

len Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Die Reise nach Japan

Klappentext:
An Orte der Vergangenheit zurückkehren, an das anschließen, was einmal war, für Amélie Nothomb ist das unmöglich. Seit 12 Jahren war sie nicht mehr in Japan, dem Land ihrer Kindheit, das sie so liebt und zu dem sie eine so zwiespältige Beziehung hat. Doch als eine Freundin eine Reise gewinnt und Amélie kurzerhand als Fremdenführerin verpflichtet, kann sie nicht anders als sich mitreißen lassen. Sie entdeckt das Land aufs Neue und damit auch ihre Faszination. Denn die Rückkehr ist unmöglich, zum Glück.

In „Die unmögliche Rückkehr“ erzählt Amélie Nothomb wieder ein Stückchen aus ihrem Leben.

Als Tochter eines Diplomaten musste die Autorin in ihrer Kindheit und Jugend zusammen mit ihren Eltern oft den Wohnort wechseln. Dabei ist sie nicht nur in eine andere Stadt gezogen, sondern gleich in ein anderes Land.

Geboren wurde Amélie Nothomb in Japan, dem Land, das ihr von allen am meisten bedeutet hat. Als junge Erwachsene reist die Autorin zusammen mit ihrer Freundin wieder nach Japan. Doch das Land ist Amélie fremd geworden und sie muss es auf eine neue Art für sich entdecken.

Die Geschichte liest sich wie ein Reiseführer. Die Leser*innen lernen zusammen mit der Autorin das Land kennen.
Aber auch alte Erinnerungen der Autorin finden ihren Platz in diesem Buch.
So vermischen sich alte und neue Eindrücke.

Amélie Nothomb zeichnet ein deutliches Bild von sich, die in vielen Ländern aufgewachsen ist. Von Japan heute und den Erinnerungen des früheren Japans.

So wie Amélie Nothomb ihrer Freundin das Land und dessen Kultur zeigt, so zeigt sie es auch ihren Leser*innen.
Dabei hat Amélie Nothomb einen so schönen und poetischen Schreibstil. Die Geschichte hat viele schöne Sätze, die ich mir angestrichen hab. Die Autorin versteht es, mit der Sprache zu spielen.

„Die unmögliche Rückkehr“ hat mir, wie schon einige Geschichten von Amélie Nothomb wieder sehr gut gefallen.

Rosen im Asphalt

Felicitas Fuchs
Historischer Roman
410 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Zwei Leben – eine Freundschaft

Klappentext:
Linda kommt 1956 in einem Hamburger Krankenhaus zur Welt. Ihre Mutter lässt sie dort schon kurz nach der Geburt zurück. Das Mädchen wächst bei den Großeltern und in Heimen auf, in Armut und ohne Sicherheit, bis sie ein Zuhause findet, in dem sie gefördert wird. Im selben Jahr wird Irmi in Köln in geboren. Ihre Familie ist wohlhabend, aber ihre Mutter ist krank und überfordert. Daher kommt sie zunächst zu Verwandten ins Ausland. Als der Vater sie sechs Jahre später zurückholt, spricht Irmi kein Deutsch und fühlt sich in der eigenen Familie fremd. Zwei Mädchen aus Welten, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Doch als Irmi Linda in einem dramatischen Moment das Leben rettet, werden sie unzertrennlich. Ihre Freundschaft trägt sie durch fünf Jahrzehnte bundesdeutscher Geschichte, geprägt von Verlusten, Hoffnungen und Neubeginnen.

„Rosen im Asphalt“ ist ein sehr bewegender Roman von Felicitas Fuchs.
Von Felicitas Fuchs habe ich schon einige Bücher gelesen und wurde nie enttäuscht. Auf das neue Buch war ich schon gespannt.

Die Geschichte erzählt von zwei ganz unterschiedlichen Frauen, die eine Freundschaft verbindet, die über viele Jahrzehnte hält.

Die Geschichte beginnt 1956. Hier wird Linda in Hamburg geboren. Da die alkoholkranke Mutter das Mädchen im Krankenhaus zurücklässt, wächst Linda bei ihren Großeltern, in Heimen und Pflegefamilien auf, was immer auch einen Ortswechsel bedeutete.
Überall herrscht Armut und Linda erfährt wenig Zuneigung. Doch ihr ist noch ein sicheres Zuhause gegönnt. Linda kommt zu einer Pflegefamilie, bei der sie behütet und gefördert wird.

Im gleichen Jahr wird Irmi in Köln geboren. Ihre Familie ist wohlhabend, aber die Mutter ist krank und kann sich nicht um das Kind kümmern. So wächst Irmi in Amsterdam bei Verwandten auf. Der Vater holt Irmi erst mit sechs Jahren nach Hause. Das Kind fühlt sich in ihrem Zuhause fremd, kennt die Eltern ja nicht mehr und die deutsche Sprache kann Irmi auch nicht.

Die beiden so unterschiedlichen Mädchen treffen im Gymnasium aufeinander. Trotz ihrer so unterschiedlichen Geschichte und sozialen Verhältnisse freunden sich die Mädchen an. Es wird eine Freundschaft, die Jahrzehnte überdauert.

Felicitas Fuchs schickt ihre Leserinnen auf eine Reise durch sechs Jahrzehnte. Die Geschichte teilt sich in zwei Handlungsstränge auf. Einmal verfolgen die Leserinnen das Leben von Linda und einmal das von Irmi.
Die Mädchen wachsen auf verschiedene Weise auf. Irmi ist privilegiert, kommt aus einer wohlhabenden Familie. Aber auch ihr fehlt die Mutter und deren Zuneigung.

Felicitas Fuchs erzählt die Geschichte sehr realistisch. Man ahnt, wie prägend die Kinderjahre sind und wie sie später noch Einfluss auf das Erwachsenenleben haben.
Auch wird die Zeit der Handlung sehr realistisch widergespiegelt.

Die Charaktere sind sehr lebendig und man hat schnell den Eindruck, sie persönlich zu kennen.
Es ist schön, die Entwicklung von Linda und Irmi mitzuerleben. Man lernt sie praktisch bei der Geburt kennen und begleitet sie 60 Jahre.
Man erlebt eine Freundschaft, wie es sie selten gibt. Die Mädchen und später Frauen halten fest zusammen. Dabei kommt es immer wieder zu einem Stillstand in der Freundschaft. Beruf und Partner nehmen das Leben der Frauen ein. Doch wenn sie sich dann nach längerer Zeit wiedersehen, ist die alte Vertrautheit sofort wieder spürbar. Das bedeutet Freundschaft.

Felicitas Fuchs erzählt die Geschichte sehr fesselnd. Ich bin schnell tief in die Geschichte versunken und konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Dabei ist der Schreibstil der Autorin flüssig, gut verständlich und wortgewandt.

„Rosen im Asphalt“ ist ein Buch, das mich sehr beeindruckt hat.

The Sea Sisters

Lucy Clarke
Roman
3451 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Astrid Mania
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

emotional und fesselnd

Klappentext:
Katies geordnetes Leben in London bricht zusammen, als ihre eigenwillige jüngere Schwester Mia auf Bali tot aufgefunden wird: Sie stürzte von einer Klippe. Die Polizei behauptet, es sei Selbstmord gewesen. Nur mit Mias Reisetagebuch als Leitfaden geht Katie den letzten Monaten im Leben ihrer Schwester nach und beginnt Seite für Seite, das Geheimnis um ihren Tod zu lüften. Was sie herausfindet, verändert alles. Aber was, wenn die Wahrheit die Liebe zu ihrer Schwester und sie selbst, an den Rand des Abgrunds bringt?

„The Sea Sisters“ ist ein geheimnisvoller und spannender Roman von Lucy Clarke.

Im Mittelpunkt stehen die zwei unterschiedlichen Schwestern Katie und Mia.
Katie lebt in London, sie ist ruhig und verantwortungsbewusst.
Mia hingegen ist freiheitsliebend und unternimmt hier eine Weltreise.

Als Katie vom Tod ihrer Schwester auf Bali erfährt, ist sie am Boden zerstört. Die Polizei geht von einem Selbstmord aus, daran glaubt Katie nicht.
Katie nimmt das Reisetagebuch von Mia zur Hand und geht ihrer Reise nach. Stück für Stück kommt sie dem Geheimnis von Mias Tod auf die Spur.

Lucy Clarke erzählt die Geschichte sehr atmosphärisch und emotional.
Die Geschichte hat zwei Zeitebenen. In der Gegenwart begleiten die Leser*innen Katie auf der Suche nach einer Antwort auf den Tod ihrer Schwester. Katie versucht, den Verlust und ihre Trauer damit zu verarbeiten, in dem sie die Reise ihrer Schwester nachverfolgt.

Auf der zweiten Zeitebene lernen die Leser*innen die unternehmenslustige Mia besser kennen. Wir begleiten Mia auf ihrer Reise, lesen ihre Gedanken und Gefühle.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig. Sie haben Tiefe und die Leserinnen lernen sie von verschiedenen Seiten kennen.

Lucy Clarke erzählt die Geschichte atmosphärisch und emotional. Auch wenn es dieses Mal kein Thriller ist, so ist die Geschichte trotzdem fesselnd.

Die verschiedenen Handlungsorte werden anschaulich beschrieben.
Der Schreibstil von Lucy Clarke ist leicht, locker und unterhaltsam.
Die Atmosphäre passt sich der Geschichte an. Vom Urlaubsfeeling wechselt sie ins Geheimnisvolle und ins Spannende.

„The Sea Sisters“ ist ein unterhaltsamer wie auch spannender Roman.

Die Geheimnisse von Rosewell Castle

Corina Bomann
Roman
574 Seiten
erschienen im Penguin Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar

Fesselnd und atmosphärisch

Klappentext:
Als Isabel die beeindruckenden Hallen des schottischen Rosewell Castle betritt, spürt sie, dass hier ihre Chance auf ein neues Leben wartet. Absolviert sie die Ausbildung zur Butleresse erfolgreich, wird ihr Einlass gewährt in die glamouröse Welt der Lords und Ladys, sogar das Königshaus stünde ihr offen. Der Weg an die Spitze ist steinig, doch schon bald bietet ihr Garrett Hayes, der Musterschüler, seine Hilfe an. Dankend nimmt sie an, ohne zu ahnen, dass Garrett einen unmoralischen Plan verfolgt.
Eines Tages findet Isabel in der Bibliothek das Foto einer Frau, die ihrer verstorbenen Großmutter Bonnie erstaunlich ähnlich sieht, hatte ihre Großmutter etwa eine Schwester? Und was hatte diese mit Rosewell Castle zu tun? Isabel beginnt, Nachforschungen anzustellen, und stößt auf eine höchst dramatische Liebesgeschichte aus dem Jahr 1969, die enger mit ihrem eigenen Leben verwoben ist, als sie erahnt.

„Die Geheimnisse von Rosewell Castle“ ist der 1. Band einer Dilogie von Corinna Bomann.
Ich habe bisher alle Bücher von Corinna Bomann gelesen und mich schon auf den neuen Roman gefreut.

Diesmal entführt die Autorin ihre Leser*innen in die Welt der Butler und Butleressen. Rosewell Castle ist die Schule für angehende Rosewell Castle. Wenn man hier seinen Abschluss macht, steht einem die Welt des Adels offen.

Isabel hat ihre Arbeitsstelle verloren, auch ihr Freund hat sich von ihr getrennt. Jetzt braucht Isabel einen Neuanfang, und so bewirbt sie sich an der berühmten Schule, um eine Ausbildung als Butleresse zu machen.
Wenn man auf Rosewell Castle seinen Abschluss als Butler oder Butleresse schafft, steht einem die Welt der Häuser des Adels offen.
Der Weg dorthin ist steinig. Unterstützung findet Isabell durch den attraktiven Garrett Hayes.
Im Archiv der Bibliothek entdeckt Isabel ein Foto von einer Frau. Einer Frau, die ihrer verstorbenen Großmutter sehr ähnlich sieht.
Isabel fragt sich, ob ihre Großmutter eine Schwester hatte, die sie nicht kennt. Der Gedanke lässt Isabel nicht mehr los und sie stellt Nachforschungen an,

Die Geschichte hat zwei Handlungsstränge.
In der Gegenwart begleiten die Leser*innen Isabel in Roswell Castle und bei ihren Nachforschungen nach der Frau auf dem Foto.

Der zweite Handlungsstrang führt die Leser*innen in die Vergangenheit. Hier lernen wir Giselle kennen.
Die junge Frau bekommt eine Stelle als Hausdame auf Hallingham Hall.

Corinna Bomann erzählt die Geschichte wieder sehr unterhaltsam und fesselnd. Mir gefallen beide Handlungsstränge sehr gut. Wobei die Gegenwart im Vordergrund steht.
Die Leser*innen erfahren so einiges über die Ausbildung zum Butler oder zur Butleresse. Ich habe mir das nicht so schwierig vorgestellt. Aber klar, wenn man in einem hohen Hause arbeiten möchte, muss jeder Handgriff sitzen. Auch das Verhalten gegenüber den Arbeitgebern muss standesgemäß sein.

Auch die Vergangenheit um Giselle ist interessant. Auch sie hat es als Hausdame auf Hallingham Hall nicht einfach. Ich würde gerne noch mehr über Giselle erfahren.

Corinna Boman hat wieder großartigen Charakteren das Leben geschenkt.
Sie erzählt den Weg zweier Frauen unabhängig voneinander. Als Leser*in ahnt man natürlich, dass die Wege am Ende zusammenführen. Bis dahin ist allerdings noch ein weiter Weg.

Die Handlungsorte werden von Corinna Bomann anschaulich beschrieben. Ich konnte mir das ehrwürdige Rosewell Castle gut vorstellen.

Der Schreibstil von Corinna Bomann ist flüssig, gut verständlich und fesselnd.
Ich bin schnell, tief in die Geschichte eingetaucht und konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

Jetzt bin ich auf die Fortsetzung gespannt.
„Die Schatten über Hallingham Hall“ wird im November erscheinen.