Geteiltes Haus

Alice Horáčková
Roman
880 Seiten
Übersetzt aus dem Tschechischen von Sophia Marzolff
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Meisterhaftes Porträt über Identität, Familie und das fragile Zusammenleben im Sudetenland

Zum Inhalt:
Die Geschichte spielt in Benetzko, einem malerischen, aber von geopolitischen Verwerfungen zerrissenen Bergdorf im Sudetenland. Über mehrere Generationen hinweg werden den Leser*innen die Auswirkungen des Ersten und Zweiten Weltkriegs vermittelt. In Benetzko leben sowohl Menschen deutscher Herkunft als auch Menschen tschechischer Herkunft.
Das Zusammenleben ist freundlich und nachbarschaftlich. Doch mit dem aufkeimenden Nationalismus bekommt das Zusammenleben Risse, die mit der Zeit immer tiefer werden.

Alice Horáčková erzählt mit ihrem Roman „Geteiltes Haus“ ein Stück ihrer eigenen Familiengeschichte. Durch die Recherche in alten Briefen, Memoiren, Archivfunden und vergilbten Zeitungen rekonstruierte sie das Schicksal ihrer eigenen Vorfahren.

Die Protagonisten zeichnen sich durch eine bemerkenswerte psychologische Tiefe aus.
Die Charaktere sind keine Helden, sondern Menschen mit Widersprüchlichkeiten, Fehlern, Zweifeln und Geheimnissen.

Im Mittelpunkt stehen die beiden Frauen Zdenka und Anežka.
Zdenka ist tschechischer Herkunft und Anežka ist deutscher Herkunft.
Es sind zwei stolze Frauen, die trotz der Kriegswirren ihre Freundschaft nicht aufgeben.
Die männlichen Charaktere sind getrieben von patriarchalen Mustern.
Auch die Nebenfiguren, von Fabrikanten bis zu Deserteuren, werden stark in die Geschichte eingebunden.

Alice Horáčková beschreibt das raue, neblige Riesengebirge so plastisch, dass die Landschaft selbst wie ein eigener Charakter wirkt.
Zu Beginn der Geschichte verfolgen die Leser*innen ein lebendiges, ländliches Treiben.
Die Atmosphäre wird, je mehr man in die Geschichte eintaucht, bedrückender.
Misstrauen und Angst greifen um sich und sind fast körperlich zu spüren.

Alice Horáčková erzählt die Geschichte in einem ruhigen Ton. Sie verzichtet bewusst auf Effekthascherei, bei ihr sind es die leisen Töne, die die Leser*innen aber mitten ins Herz treffen.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich. Die Beschreibungen von Alice Horáčková sind sehr detailreich und man bekommt schnell Bilder in den Kopf. Der Autorin gelingt es, die komplexen historischen Konflikte zwischen Deutschen und Tschechen greifbar zu machen, ohne eine Partei zu ergreifen.

„Geteiltes Haus“ ist ein opulenter, schmerzhafter und zugleich wunderschöner Familienroman. Ein Roman, der noch lange nachwirken wird.

Was wir von ihr wissen

Rebecca Fallon
Roman
363 Seiten
erschienen im Mare Verlag
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Juliane Zaubitzer
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Mare Verlag für das Rezensionsexemplar

Erinnerungen an die Mutter

Klappentext:
Als ihre Mutter Susan viel zu früh stirbt, sind die Zwillinge Viola und Sebastian noch zu jung, um ihre eigenen Erinnerungen an sie zu bewahren. Das gibt ihrem Vater Al eine unerwartete Möglichkeit: Susans Karriere als Star einer gefeierten TV-Serie in Los Angeles war ihm schon lange ein Dorn im Auge. Viel lieber als nur die Wochenenden mit ihr zu teilen, hätte er sie ganz in ihrer Mutterrolle im gemeinsamen Zuhause an der Ostküste aufgehen sehen. Überwältigt von ihrem Verlust, lässt Al alle Hinweise auf ihren Beruf aus dem Alltag der Zwillinge verschwinden. Doch die Welt hat Susan nicht vergessen, und als Viola und Sebastian an der Schwelle zum Erwachsenwerden auf die Spuren ihrer Berühmtheit stoßen, scheint nichts mehr gewiss: War Susan die Karriere wichtiger als ihre Kinder? Und was bedeutet es für Violas und Sebastians Träume, dass Susan die ihren bis zum Schluss verfolgt hat?

„Was wir von ihr wissen“ ist eine Familiengeschichte von Rebecca Fallon.

Susan und Al heiraten und bekommen Zwillinge. Al ist eher der ruhige Part in der Ehe, Susan dagegen ist lebhaft und auf dem Wege, ein TV-Star zu werden.
Leider stirbt Susan viel zu früh und Al ist mit den Zwillingen Viola und Sebastian alleine.
Den Kindern gegenüber verschweigt er den richtigen Beruf und die Bekanntheit der Mutter. Doch als die Kinder älter werden, entdecken sie die wahre Berufung ihrer Mutter und wollen herausfinden, wer sie wirklich war.

Rebecca Fallon hat großartige Charaktere ins Leben gerufen.
Susan und Al haben mir gut gefallen, obwohl sie so unterschiedlich sind. Ich konnte mich auch in beide gut hineinversetzen.
Susan wollte nach der Geburt der Zwillinge, wieder in ihren Beruf einsteigen. Das heißt allerdings kein ruhiges Familienleben, keinen Feierabend und kein Wochenende.
Al dagegen wollte ein ruhiges Familienleben, wollte Frau und Kinder um sich haben.
Nach Susans Tod, hat Al das Problem verdrängt und Susan vor den Kindern in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen.
Auch Viola und Sebastian sind tolle Charaktere.
Auch in sie konnte ich mich gut hineinversetzen. Plötzlich entdecken sie, dass die Mutter eigentlich eine ganz andere Frau war, wie sie sie aus den Erzählungen des Vaters kennen.

Rebecca Fallon spiegelt die Konflikte, in denen die Protagonisten stehen, gut wider.
Die Autorin erzählt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven, was den Leser*innen einen guten Einblick in das Leben der Charaktere gibt.
Die Geschichte springt auch in den Jahren nach vorne und nach hinten. So erlebt man beim Lesen die Zeit, als Susan Schauspielerin war, die Zeit der Krankheit und die Zeit nach ihrem Tod bis in die Gegenwart.

Rebecca Fallons Schreibstil ist flüssig und gut verständlich. Im Mittelteil weist die Geschichte allerdings ein paar Längen auf.

„Was wir von ihr wissen“ ist eine Familiengeschichte, die ich gerne gelesen habe.

Das stille Vermächtnis

Roswitha Böhm
Roman
240 Seiten
erschienen bei BoD – Books on Demand
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Roswitha Böhm für das Rezensionsexemplar

Schatten der Vergangenheit

Klappentext:
„Merle ist blind und sieht doch mehr als alle anderen. Ein uraltes Buch, ein nebeliger Morgen und ein Geheimnis, das die Zeit überdauert.“ Für Merle, die ihr Augenlicht schon früh verloren hat, ist die Welt der Bücher ein Ort der Zuflucht. Doch als sie gemeinsam mit Lennart, der selbst von seiner Vergangenheit gezeichnet ist, in ein uraltes Rätsel hineingezogen wird, verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Legende. Was als harmlose Recherche beginnt, führt die beiden auf die Spuren einer Frau, deren Wissen so mächtig und gefährlich war, dass es vor Jahrhunderten versiegelt wurde. Während Merle und Lennart versuchen, die Puzzleteile zusammenzusetzen, werden sie selbst Teil eines Geheimnisses, das bis in die Gegenwart reicht.

„Das stille Vermächtnis“ ist eine tiefgründige und emotionale Geschichte von Roswitha Böhm.

Merle und Lennart werden auf ein lange gehütetes Familiengeheimnis aufmerksam.
Zusammen beginnen sie, dem nachzugehen, und stoßen dabei auf Elise, eine Frau aus der Vergangenheit. Sie besaß ein mächtiges, fast magisch anmutendes Wissen, das vor Jahrhunderten zum Schutz oder aus Furcht verborgen werden musste.

Die Charaktere werden alle gut beschrieben und sind die Stärke in diesem Roman.

Merle hat ihr Augenlicht schon in jungen Jahren verloren. Sie nutzt die Welt der Bücher und ein altes Antiquariat als ihren persönlichen Zufluchtsort.
Merle ist recht feinfühlig und hat ein besonderes Gespür für Stimmungen und Zwischentöne.

Lennart ist ein Mann, der von seinen eigenen Erlebnissen und einer schweren emotionalen Last aus der Vergangenheit geprägt ist. Er sucht Ruhe und Abgeschiedenheit. Auch er flüchtet sich gerne in das Antiquariat.

Elise, die Frau der Vergangenheit, ist eine wichtige Figur. Sie ist Trägerin von gefährlichem, fast magischem Wissen.

Roswitha Böhm erzählt die Geschichte in einem ruhigen Ton und in einem langsamen Tempo.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und bildhaft. Sie findet genau die richtige Balance zwischen atmosphärischen Beschreibungen und vorantreibenden Dialogen.

„Das stille Vermächtnis“ ist ein Roman, der auf leisen Sohlen daherkommt. Ich wurde genauso schnell in die Geschichte hineingezogen wie Merle und Lennart in die Suche nach der Vergangenheit.

Das Geheimnis der Strandvilla

Corinna Kastner
Roman
549 Seiten
erschienen im Emons Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Emons Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine atmosphärische Spurensuche an der Ostsee

Zum Inhalt:
Mit ihrem Roman „Das Geheimnis der Strandvilla“ entführt Corinna Kastner ihre Leser*innen an die malerische Ostseeküste.
Im Mittelpunkt steht die Schriftstellerin Viktoria Brand. Bei ihren Lesungen, die meist von Frauen besucht werden, fällt ihr ein älterer Mann auf. Er bittet sie am Ende auch noch um ein Autogramm. Zu einem Gespräch hat es leider nicht gereicht, der Mann war zu schnell verschwunden.
Etwas später bekommt Viktoria die Nachricht, dass sie die Hälfte einer Strandvilla in Wustrow geerbt hat. Das kommt für Viktoria sehr überraschend, denn den Verstorbenen kannte sie nicht.
Neugierig geworden, schaut Viktoria sich die Strandvilla an. Hier erfährt Viktoria auch die Bedingungen, die an das Erbe geknüpft sind.
Die andere Hälfte der Strandvilla hat Roman Marendorff geerbt. Beide sollen 2 Monate zusammen in der Villa verbringen, um das Erbe zu bekommen.
Beim Durchstöbern des Hauses stößt Viktoria auf Ungereimtheiten, alte Briefe und Spuren, die auf ein Geheimnis hindeuten.

„Das Geheimnis der Strandvilla“ ist ein atmosphärischer Roman über Liebe und Geheimnisse von Corinna Kastner.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig.
Viktoria Brand ist Schriftstellerin. Sie besitzt viel Kreativität, die sie für ihren Beruf auch braucht, und ist neugierig. Aber sie ist auch verletzbar und hat ihre inneren Ängste.

Roman Marendorff hat die 2. Hälfte der Strandvilla geerbt. Er ist eher ein Pragmatiker und geht die Sache mit weniger Emotionen an.

Beide nehmen die Bedingung des Erbes an. Doch das Zusammenleben stellt sich als schwieriger raus als gedacht. Es kommt immer wieder zu Reibereien zwischen Viktoria und Roman.

Auch die Nebendarsteller sollen Erwähnung finden. Besonders die Dorfbewohner mit ihrer norddeutschen Distanziertheit bereichern die Geschichte.

Die Geschichte hat 2 Zeitebenen. Einmal die Gegenwart, in der das Geheimnis rund um die Strandvilla und die Familie gelüftet wird.
Dann gehen die Leser*innen in die Vergangenheit.
Im Mittelpunkt stehen die Zwillinge Doro und Marie, die ihre Ferien an der Ostsee verbringen. Als die Zwillinge in Seenot geraten, werden sie von Johann gerettet. Eine Liebesgeschichte entspinnt sich. Doch Johann ist nicht standesgemäß für eine der beiden Hotelerbinnen aus Stralsund. Hier nimmt das Drama aus Liebe und Gefühlen, die nicht sein dürfen, seinen Lauf.

Der Handlungsort wird von Corinna Kastner anschaulich beschrieben. Das Rauschen der Wellen, der salzige Wind, das wechselhafte Wetter und die einsame Melancholie der Strandvilla im Nebel erzeugen eine dichte, fast greifbare Atmosphäre.

Der Schreibstil von Corinna Kastner ist flüssig, gut verständlich und sehr bildhaft. Die Autorin bevorzugt leise Töne und eine präzise Sprache, die die Emotionen der Figuren perfekt vermittelt. Die Wechsel zwischen den Zeitebenen und den unterschiedlichen Perspektiven sind übersichtlich gestaltet, sodass man als Leser*in nie den Faden verliert, sondern immer tiefer in den Sog der Geschichte hineingezogen wird.

„Das Geheimnis der Strandvilla“ ist weit mehr als ein unterhaltsamer Roman. Es ist ein tiefgründiges, atmosphärisches Familiendrama über Schuld, das Schweigen von Generationen und die Suche nach der eigenen Identität.
Ich habe das Buch mit Freude gelesen und möchte es uneingeschränkt weiterempfehlen.

Ms Atkins und die Bibliothek der Träume

Vanessa Göcking
Roman
320 Seiten
erschienen im VANI Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Eine Reise zu den eigenen Wünschen

Zum Inhalt:
Im Mittelpunkt steht Amanda Eleonore Atkins. Als Finanzbeamtin lebt Ms Atkins nach strengen Regeln und einer selbstaufgelegten Ordnung.
So geht sie auch schon seit mehreren Jahrzehnten jeden Freitag in die öffentliche Bibliothek in London, um Bücher auszuleihen. Ms Atkins leiht sich immer nur Sachbücher aus, fiktive Geschichten lehnt sie ab.
Eines Freitags führt ein junger Bibliothekar Ms Atkins in einen verborgenen Leseraum und bringt damit Ms Atkins geordnetes Leben ins Wanken. Hier begegnet Ms Atkins Robert Joy und der eigenwilligen Xiao Mei Smith. Zusammen tauchen sie in die magischen Geschichten ein.

„Ms Atkins und die Bibliothek der Träume“ von Vanessa Göcking entfaltet eine zarte, lebensphilosophische Wohlfühlgeschichte inmitten von London.

Die Geschichte lebt von ihren ungleichen, aber liebevoll ausgearbeiteten Charakteren, die alle ein persönliches Schicksal zu verarbeiten haben.

Amanda Eleonore Atkins führt ein streng geordnetes Leben. Sie durchlebt in der Geschichte eine Verwandlung. Die etwas schrullige, streng nach ihren Regeln lebende Frau öffnet sich und wird zugängiger.

Robert Joy ist der gute Geist der Geschichte. Er strahlt eine innere Ruhe aus und besucht regelmäßig den Leseraum.

Xiao Mei Smith ist eine etwas eigenwillige junge Frau. Sie ist auf der Suche nach ihren Wurzeln.

Mir waren die Protagonisten schnell ans Herz gewachsen und es war eine Freude, sie durch die Geschichte zu begleiten.

Vanessa Göcking hat einen flüssigen, gut verständlichen und vor allem atmosphärischen Schreibstil.
Die wechselnden Perspektiven, in der die Geschichte erzählt wird, lassen die Leser*innen ganz nahe an die Charaktere herankommen.
Besonders haben mir die leisen Dialoge der Protagonisten untereinander gefallen.
Die Fantasyelemente wie zum Beispiel die Traumtüren, werden sehr gut in die Geschichte eingefügt.

Vanessa Göcking spiegelt in ihrer Geschichte die Kraft wider, die Geschichten ausüben können.

„Ms Atkins und die Bibliothek der Träume“ ist eine berührende Liebeserklärung an das Leben und an die Kraft von Geschichten. Ich habe das Buch mit großer Freude gelesen.

Über der Brandung

Franziska Jebens
Roman
352 Seiten
erschienen im S. Fischer Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Wie eine warme Meeresbrise: Ein Roman wie eine Umarmung

Klappentext:
Alles hinter sich lassen und ans Ende der Welt flüchten, danach sehnen wir uns doch manchmal alle. Besonders dann, wenn wir mit unseren Kräften am Ende sind und uns fragen, wie es weitergehen soll. Die Erzählerin der Geschichte träumt nicht nur davon, sondern folgt dieser Sehnsucht. Auf der Suche nach sich selbst landet sie auf einer wilden Insel in der türkisblauen Ägäis, wo die Zeit anderen Gesetzen folgt. Dort trifft sie auf die naturverbundene Hera, die ihr zeigt, was es heißt, wirklich frei und ganz bei sich zu sein.

„Über der Brandung“ von Franziska Jebens ist eine Geschichte über einen Neuanfang.

Nea ist eigentlich eine geschätzte Schriftstellerin. Nur ihr aktueller Roman wird hart kritisiert.
Mit dem Leitsatz „Ich will kein gutes Ende, sondern einen neuen Anfang“ flüchtet sie sich auf eine Insel in der Ägäis. Dort angekommen verabschiedet Nea sich von den digitalen Medien.
Die Begegnung mit den Inselbewohnern gibt Nea neue Kraft. Auch aus der Natur schöpft Nea neue Kraft. Sie nimmt Flora und Fauna in sich auf.

Franziska Jebens hat großartige Charaktere zum Leben erweckt.
Nea, deren Namen die Leser*innen erst spät erfahren, durchläuft Stück für Stück eine beeindruckende Entwicklung.
Hera, eine sehr naturverbundene Frau, führt Nea langsam an die Kräuterheilkunde heran und unterstützt sie bei ihrem Neuanfang.
Auch Meltemi, die anhängliche Ziege, soll erwähnt werden. Sie weicht Nea kaum von der Seite.

Franziska Jebens hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil.
Die Autorin verwebt in ihrem Roman tiefgründige Themen, die weit über einen klassischen Urlaubsroman hinausgehen.

Die Geschichte greift das Gefühl der totalen Erschöpfung und Reizüberflutung unserer Leistungsgesellschaft auf. Das Digital-Detox dient hier als notwendige Medizin für die Seele.
Ein weiteres Thema ist die gegenseitige Unterstützung unter Frauen. Der Roman zelebriert weibliche Bindungen, gemeinsame Rituale (wie Vollmond-Rituale) und das gemeinsame Wachsen frei von Konkurrenzdenken.
Die Natur Griechenlands ist nicht nur Hintergrund, sondern Heilerin. Die Kräuterkunde und das Leben im Rhythmus der Gezeiten und Mondphasen zeigen einen Weg zurück zur eigenen Ursprünglichkeit.

Die bildhafte Erzählung von dem glitzernden Meer, dem Duft der Wildkräuter oder dem Prickeln des Salzwassers lässt schnell ein Kopfkino entstehen.

„Über der Brandung“ ist eine Geschichte über einen Neuanfang. Ich habe das Buch mit großer Freude gelesen.

Sommerrauschen

Christiane Adlung
Roman
282 Seiten
erschienen im DuMont Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den DuMont Verlag für das Rezensionsexemplar

Der perfekte Sommerroman

Zum Inhalt:
Judith ist mit ihren Eltern jedes Jahr in das Sommerhaus im Médoc gereist. Hier hat sie wunderschöne Sommer mit ihrer Schwester verbracht. Auch Natascha, Judiths Freundin aus dem Nachbarhaus, war oft mit dabei. Doch irgendwann trennten sich ihre Wege.
Jetzt ist Judith erfolgreiche Bildhauerin, verheiratet und hat zwei Töchter. Mit ihrer Familie bewohnt sie das einstige Sommerhaus.
Das Nachbarhaus, in dem ihre Freundin Natascha gewohnt hat, steht leer. Robert trägt sich mit dem Gedanken, das leerstehende Haus zu kaufen, um mehr Platz für die Familie zu schaffen. Als Natascha mit ihrem Mann im Médoc ankommt, werden bei Judith viele Erinnerungen wach. Erinnerungen, die sie lieber vergessen möchte.

„Sommerrauschen“ von Christiane Adlung ist der perfekte Sommerroman.

Christiane Adlung erzählt die Geschichte sehr bildhaft. Man hat beim Lesen förmlich das Meer vor Augen. Man hört das Rauschen der Wellen und schmeckt das Salz auf den Lippen.

Die Charaktere werden liebevoll beschrieben und sind lebendig.
Im Mittelpunkt steht Judith. Sie ist Bildhauerin und hat als Kind schon das Haus im Médoc, in dem sie jetzt mit ihrer Familie lebt, geliebt. Im Inneren ist sie zerrissen, es gibt etwas in ihrer Vergangenheit, das sie nicht an die Oberfläche kommen lassen will.

Natascha ist Judiths Freundin aus Jugendtagen. Sie bringt die Vergangenheit ins Spiel. Ein dunkles Geheimnis, das gelüftet werden möchte.

Die Geschichte hat zwei Zeitebenen. Einmal die Gegenwart, in der die Leserinnen die Protagonisten durch die Geschichte begleiten. Dann gibt es Rückblenden in die 1980er Jahre. Hier erleben die Leserinnen Judith und Natascha als Jugendliche. Hier wird auch das jahrelang verschwiegene Geheimnis gelüftet.

Christiane Adlung beschreibt den Handlungsort sehr eindrücklich. Die Natur, die Küste und das Meeresrauschen und die Sommerhitze werden gut vermittelt.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich. Die Geschichte wechselt zwischen ruhigen und temporeichen Szenen ab.
Die Geschichte hat mich schnell gefesselt und ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen.

„Sommerrauschen“ ist ein ruhiger, aber kraftvoller Sommerroman.

Sonnenberg

Brigitte Glaser
Roman
448 Seiten
erschienen im List Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Interessanter und unterhaltsamer Roman

Klappentext:
Mitte der Siebzigerjahre ist Johanna die erste in ihrer Familie, die an die Uni geht. Mit ihrer Freundin Luzie zieht sie in eine WG nach Freiburg und genießt neue Freiheiten. Als wenig später ihr Vater stirbt, muss sie jedoch zurück nach Hause und den Winzerbetrieb der Eltern übernehmen. Gemeinsam mit ihrer Mutter und Großmutter bewirtschaftet sie den Hof am Kaiserstuhl. In einer Welt, in der weibliche Arbeitskräfte nur die Hälfte zählen, müssen die Frauen sich behaupten. Erst recht, als Johanna ein Kind bekommt und sich entschließt, es ohne Vater großzuziehen. Erst recht, als sie sich dem Widerstand der Winzer und Bauern, der Bürger aus Freiburg und der Region gegen ein in der Nähe geplantes Kernkraftwerk anschließt. Auch Luzie, die gerade von einer langen Marokkoreise zurück ist, ist an ihrer Seite. Und plötzlich sieht es so aus, als könne man zusammen etwas erreichen.

„Sonnenberg“ von Brigitte Glaser entführt seine Leser*innen in die 1970er Jahre.

Die Freundinnen Johanna und Luzie studieren beide in Freiburg und wohnen zusammen in einer WG. Doch nach einem Streit trennen sich ihre Wege.
Johanna muss nach dem Tod ihres Vaters zurück in den Schwarzwald, um den Winzerbetrieb zu übernehmen. Luzie zieht es für Forschungsarbeiten nach Marokko.
Mit Mutter und Großmutter arbeitet Johanna zusammen auf dem Hof der Familie. Als Johanna schwanger wird, entscheidet sie sich, das Kind ohne Vater großzuziehen.
Als in Wyhl ein Atomkernkraftwerk gebaut werden soll, regt sich Widerstand. Dem schließen sich auch Johanna und Luzie an.

Brigitte Glaser versetzt ihre Leser*innen in eine Zeit, in der die Frauen noch wenig Rechte hatten. Zum Glück gab es Frauen wie Johanna und Luzie, die ihre Rechte einforderten.

Brigitte Glaser hat hervorragende Recherchearbeit geleistet. Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als überall die Plakate „Atomkraft, nein danke“ hingen. Die Autorin spiegelt die Zeit des Widerstandes realistisch wider. Die Autorin lässt ihre Leser*innen an der Planung und Entwicklung des Kernkraftwerkes teilhaben.
Auch die politische Entwicklung wird interessant dokumentiert.

Die Charaktere sind lebendig und sympathisch.
Johanna und Luzie sind recht unterschiedlich und ergänzen sich gut.
Johann ist eher die Skeptikerin und Luzie hingegen die Planerin, die an die Zukunft glaubt.

Der Schreibstil von Brigitte Glaser ist wie gewohnt flüssig und gut verständlich.
Die Autorin verknüpft reale Hintergründe in eine fiktive Geschichte.
Wer wie ich, die 1970er Jahre erlebt hat, findet bekannte und interessante Hintergründe zu der Planung und Umsetzung des Kernkraftwerks Wyhl.
Die eingestreuten Worte im Dialekt des Schwarzwalds machen die Geschichte noch authentischer.

„Sonnenberg“ ist wieder ein interessanter und unterhaltsamer Roman von Brigitte Glaser.

The Monet Family – Shine Bright Like a Diamond

Weronika Anna Marczak
Roman
713 Seiten
erschienen im Ullstein Verlag
Übersetzt aus dem Polnischen von Marlena Breuer
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein grandioses Reihenende

Klappentext:
Hailie schwebt auf Wolke sieben – mit Adrien fühlt sich alles richtig an. Es könnte so perfekt sein, wenn nur ihre nicht Brüder wären. Denn die dürfen nichts von ihrer Beziehung wissen. Sie haben klare Vorstellungen davon, wen Hailie daten darf, und Adrien steht ganz bestimmt nicht auf ihrer Liste. Hailie weiß keinen anderen Ausweg, als ihre Liebe zu verheimlichen. Doch wie lange kann sie so weitermachen, ohne alles zu verlieren?

„The Monet Family – Shine Bright Like a Diamond“ ist der 7. Band der Family of Secrets Reihe von Weronika Anna Marczak.

Die „Family of Secrets“-Reihe dreht sich rund um die Monet-Geschwister.

Die Geschichte knüpft direkt an den 6. Band an.
Im Mittelpunkt steht Hailie Monet. Ihre Gefühle für Adrian sind stärker denn je.
Doch sie muss sich gegen ihre älteren Brüder behaupten, denn die wären gegen diese Verbindung.
Die Familie muss nach außen hin glänzen und Zusammenhalt signalisieren, doch im Inneren sieht es ganz anders aus.
Die Machtverhältnisse innerhalb der Familie verlagern sich und der Familie droht eine Gefahr.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und haben seit dem 1. Band eine große Entwicklung durchlebt.
Hailie Monet, einst schüchternes und zurückhaltendes Mädchen, hat sich zu einer reifen jungen Frau entwickelt. So fordert sie jetzt auch ihren Platz in der Familie ein.
Hailie war mir von Anfang an die sympathischste aus der Familie.

Die Brüder Vincent, Will, Dylan, Shane und Tony sind sich untereinander nicht einig. Das Oberhaupt der Familie ist zweifellos Vincent. Aber auch der kühle Vincent hat seine schwachen Seiten.

Der Schreibstil von Weronika Anna Marczak ist flüssig, bildhaft und emotional.
Die Autorin stellt einen Kontrast zwischen dem glamourösen Luxusleben und der düsteren, bedrohlichen Realität dar.
Die Perspektive aus Sicht von Hailie sorgt dafür, dass die Leser*innen Hailie ganz nahekommen und sogar ihre Gedanken lesen können.
Das Erzähltempo wechselt zwischen ruhigen Momenten und rasender Geschwindigkeit.

Mich hat das Ende der Reihe beeindruckt. Es war ein grandioser Abschluss der Reihe.
Allen Neulesern würde ich empfehlen, zum besseren Verständnis bei Band 1 anzufangen.

Zitronenblüten und Meereszauber

Nelly Berlin
Roman
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Nelly Berlin für das Rezensionsexemplar

Ein Sommerroman

Klappentext:
Eigentlich denkt Leonie, ihr Leben läuft gut. Doch dann passiert eine Katastrophe und plötzlich steht sie ohne Job da und ohne Plan, wie es für sie weitergehen könnte.

Jason ist Bassist in einer super erfolgreichen Rockband. Doch dann wird er in einen Skandal verwickelt und muss eilig untertauchen. Wo geht das besser als am wunderschönen Meer von San Michelle?

Allerdings braucht Jason jemanden, der sich um sein Leben kümmert, und Leonie braucht dringend einen Job. Als die beiden aufeinandertreffen, haben sie sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie das gehen soll.

Während die Zitronenblüten duften und das Meeresrauschen alles verzaubert, stellt Leonie fest, dass Jason ganz anders ist als gedacht und dass das Glück oft nur einen Songtext weit entfernt liegt.

„Zitronenblüten und Meereszauber“ von Nelly Berlin ist ein idealer Sommerroman.

Nelly Berlin hat liebenswerte Charaktere ins Leben gerufen.
Da ist Leonie, die keinen Job mehr hat. Für einen Neustart will sie Kraft im verträumten Örtchen San Michelle sammeln.
Auch der Bassist Jason, der mit seiner Rockband Erfolge feiern konnte, braucht nach einem Skandal einen Neustart.
Ausgerechnet landen beide im selben Hotelzimmer.
Da Jason jemanden braucht, der sein Leben managt, bietet er Leonie den Job an.
Die beiden sind so unterschiedlich, dass man denkt, das kann nicht lange gutgehen.
Doch Sonne und Meer können alles und jeden verzaubern.

Da sind auch noch Vivian und Noah.
Vivien beschäftigt sich mit Kunst und recherchiert zu einem bestimmten Gemälde. Sie ist auf dem Weg, einen Kunstskandal aufzudecken. Da begegnet ihr Noah, der seine Hilfe anbietet. Nur meint es Noah ehrlich?

Nelly Berlin hat hier gleich zwei herzerwärmende Geschichten in einem Roman verpackt.
Die Geschichte von Leonie und Jason ist romantisch und passt zum beeindruckenden Setting von Sonne, Strand und Meer. 
Mit der Geschichte von Vivian und Noah bekommt der Roman so etwas wie Krimi-Vibes.

Der Handlungsort San Michelle wird anschaulich beschrieben.

Der Schreibstil von Nelly Berlin ist wie immer flüssig, gut verständlich und fesselnd. Ich bin tief in die Geschichte versunken und habe das Buch nur schwer zur Seite legen können.

„Zitronenblüten und Meereszauber“ ist wieder einmal ein richtiges Wohlfühlbuch, ideal für den Sommer und den Urlaub.