Ein Wiedersehen im Sommer

Julie Caplin
Roman
412 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Christiane Steen
Meine Bewertung:
von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein Wohlfühlroman

Klappentext:
Im beschaulichen Wilsgrave verlassen sich alle immer auf Bets, die selbstlose Tierarzthelferin mit dem großen Herzen. Doch dieses Herz wurde gebrochen. Von Jack, mit dem sie seit Jugendtagen zusammen war und der jetzt in Bristol Karriere machen will. Das ganze Dorf fühlt mit ihr. Manche reagieren empört und möchten Jack nie wieder sehen, andere versuchen Bets abzulenken oder, noch schlimmer, sie zu verkuppeln. Aber anstatt in ihrer Trauer zu versinken, besinnt sich Bets auf die Dinge, die sie immer schon tun wollte, und entdeckt dabei vollkommen neue Seiten an sich. Sie ahnt nicht, welche Überraschungen dieser Sommer noch für sie bereit hält. Besonders als Jack zurückkehrt.
„Ein Wiedersehen im Sommer“ ist der 2. Band der Country Escapes Reihe von Julie Caplin.

Im Mittelpunkt des 2. Band steht Bets. Sie ist Tierarzthelferin und in Jack, den Sohn des Tierarztes verliebt. Bets und Jack kennen sich schon seit Jugendtagen. Jetzt möchte Jack der Karriere wegen nach Bristol.
Das bricht Bets das Herz. Denkt sie doch, sie hat die Stelle beim Tierarzt nur wegen Jack bekommen. Und was ist mit dem Häuschen, in dem sie mit Jack gewohnt hat? Muss sie das jetzt verlassen?
Das ganze Dorf leidet mit Bets und versucht, sie aufzumuntern.
Doch Beth zweifelt an sich selbst. Schon als Kind wurde sie von ihrem Vater verlassen.

Die Autorin hat wieder großartige Charaktere ins Leben gerufen. Einige davon sind aus dem 1. Band bekannt. Auch Beth mit ihrem großen Herz, sie hat sich im 1. Band rührend um Ella gekümmert. Jetzt braucht Beth Aufmunterung und das Dorf ist bemüht, sie auf andere Gedanken zu bringen.

Julie Caplin erzählt die Geschichte mit viel Gefühl. Ihr Schreibstil ist flüssig und gut verständlich. Ich bin schnell tief in die Geschichte versunken.

„Ein Wiedersehen im Sommer“ ist für mich ein echter Wohlfühlroman. Ich freue mich jetzt schon auf den 3. Band.

Die Mitternachtsreise

Matt Haig
Roman
329 Seiten
Übersetzt aus dem Englischen von Sabine Hübner
erschienen im Droemer Knaur Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Wenn das Leben an einem vorbeizieht

Klappentext:
Stell dir vor, dein Leben zieht im Zeitraffer an dir vorbei. Was würdest du noch einmal erleben wollen? Welche Momente – und welche Menschen – zählen wirklich?
Wilbur hätte nicht gedacht, dass er Agnes Bagdale noch einmal begegnen würde. Als Kind war der Buchladen der alten Dame in Sheffield sein Zufluchtsort, nicht nur wegen seiner geliebten Bücher. Bei Bagdale’s Bookshop konnte er die Probleme zu Hause einen Moment vergessen. Und dort begann seine eigene Laufbahn als Buchhändler.
Jetzt, Jahrzehnte später, ist Wilbur erfolgreich, einsam und am Ende seines Lebens angekommen. Doch statt dem Tod wartet ein rätselhafter Zug auf ihn. Und Agnes. Sie nimmt ihn mit, zurück durch die Zeit, auf eine Reise, die ihn seine bedeutsamsten Momente noch einmal durchleben lässt. Die glücklichsten Momente, wie damals in den Flitterwochen in Venedig mit seiner großen Liebe Maggie. Aber auch die schlimmsten, in denen er alles verlor.
Schon bald begreift er, wie viel er hätte anders machen wollen.

„Die Mitternachtsreise“ von Marr Haig ist ein Buch, das alle Buchliebhaber lieben werden.
Innen auf der ersten Seite ist die Fahrkarte für die Mitternachtsreise abgedruckt. Also einsteigen und los geht’s.

Im Mittelpunkt steht Wilbur. Er ist erfolgreich, aber einsam.
Auf den Tod wartend, kommt ein Zug vorbei und nimmt ihn mit auf eine Reise.
Bei der Mitternachtsreise, zieht sein Leben noch einmal an Wilbur vorbei.
So sieht er noch einmal Agnes Bagdale und den Bagdale’s Bookshop, den er als Kind geliebt hat. Auch seine große Liebe Maggie sieht Wilbur wieder. Allerdings sieht Wilbur auch die schlechten Momente in seinem Leben, Momente, in denen er eine andere Entscheidung hätte treffen sollen.

Matt Haig erzählt die Geschichte wieder mit viel Gefühl. Seine Charaktere sind wie immer sehr lebendig.
Mir hat es Freude gemacht, Wilbur auf dieser Reise zu begleiten und seine Entwicklung mitzuerleben.
Auch Maggie ist ein Charakter, der die Geschichte bereichert.

Der Schreibstil von Matt Haig ist flüssig, gut verständlich und fesselnd. Ich bin nach wenigen Seiten tief in die Geschichte eingetaucht.
„Die Mitternachtsreise“ ist eine Geschichte über die Liebe und über die Kraft der Bücher. Ich habe auch dieses Buch von Matt Haig gerne gelesen.

Eisinsel

Hanno Rinke
Roman
412 Seiten
erschienen bei Mitteldeutscher Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Mainwunder für das Rezensionsexemplar

Roman mit psychologischer Tiefe

Klappentext:
Victor, einst Krankenpfleger, heute Suchender zwischen Moral und Macht, Körper und Geist, lebt in einer Welt aus Routinen, Beobachtungen und verdrängten Begierden. Was als sachliche Rückschau auf ein geordnetes Leben beginnt, wird zur schonungslosen Selbstanalyse eines Mannes, der hinter der Fassade von Fürsorge und Normalität eine zerstörerische Sehnsucht verbirgt. Zwischen Krankenhausfluren, Kaufhäusern und Hotelzimmern tastet sich Victor durch die Einsamkeit der Großstadt, immer auf der Suche nach einem Rest von Sinn, Nähe und Kontrolle.

„Eisinsel“ ist ein Roman über Selbstreflexion von Hanno Renke.

Im Mittelpunkt steht der ehemalige Krankenpfleger Victor. Er blickt auf sein Leben zurück, macht eine Selbstanalyse. Victor bewegt sich einsam durch die Großstadt, getrieben von einer unstillbaren Sehnsucht nach Nähe, Sinn und totaler Kontrolle. Seine Tragik liegt in der Transformation: Er verwandelt sich von einem ursprünglich empfindsamen Menschen, in einen Menschen, der fast völlig abstumpft und nichts mehr fühlt.

Hanno Rinke hat mit Victor einen interessanten Charakter geschaffen. Passend zu Victors Gedanken, ist die Atmosphäre in diesem Buch düster.
Der Autor beschreibt die innere Kälte und das Verstummen von Empathie mit einer fast klinischen Präzision. Jede psychologische Regung wird exakt seziert.
Die Geschichte ist sprachlich dicht, detailreich und atmosphärisch stark ausformuliert. Gelegentlich führt dies zu Passagen, die eine gewisse Geduld erfordern, erzeugen aber eine enorme Tiefe.
Obwohl das Tempo ruhig ist, versteht es der Autor, Kapitel mit geschickten Cliffhangern enden zu lassen. Das Buch entwickelt dadurch einen Sog, dem man sich schwer entziehen kann.

„Eisinsel“ ist ein Roman, der sich wie ein Psychothriller liest.

Was wir einander schuldig sind

Roman
255 Seiten
erschienen bei BoD – Books on Demand
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Wilma Borghoff für das Rezensionsexemplar

Eine emotionale Familiengeschichte

Klappentext:
Ein Anruf. Eine Forderung. Und ein Leben, das aus den Fugen gerät.
Als Jarik, ein lebensfroher Endfünfziger, nach Jahren von seiner Tochter Jessica hört, trifft ihn ihre Nachricht wie ein Schlag: Sie ist todkrank. Und ihre zwölfjährige Tochter Talea, seine einzige Enkelin, soll zu ihm ziehen; zu einem Großvater, den sie noch nie gesehen hat.
Für Jarik und seine zweite Frau Elvira beginnt eine Zeit voller Spannungen, Überforderung und unausgesprochenen Ängsten. Talea begegnet ihnen mit Schweigen, Wut und Misstrauen. Das Paar merkt, dass guter Wille und Liebe manchmal nicht ausreichen, um einem verletzten Kind Halt zu geben.
Aus ihrer nordischen Heimat Friesland hat Talea kaum etwas mitgebracht. Und doch ist da etwas, das sie begleitet: ein scheuer Grünspecht, der immer wieder in ihrer Nähe auftaucht, als würde er über sie wachen.

„Was wir einander schuldig sind“ von Wilma Borghoff ist ein Buch, das mich sehr berührt hat.

Im Mittelpunkt stehen Jarik, seine Frau Elvira und Talea, die Tochter von Jariks Tochter aus erster Ehe.
Jarik hat keine Verbindung zu seiner Tochter Jessica, seine Enkelin Talea, die mittlerweile 12 Jahre ist, kennt er nicht. Da kommt ein Anruf von seiner Tochter, dass sie sterben wird und er sich um ihre Tochter kümmern soll. Es scheint so, dass Jessica sonst keinen Menschen hat, dem sie ihr Kind anvertrauen kann.

Wilma Borghoff hat einen angenehmen und gut verständlichen Schreibstil. Mich hat die Geschichte schon nach wenigen Seiten gefesselt, sodass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Die Charaktere in der Geschichte sind gut gezeichnet und lebendig.
Jarik und seine Frau Elvira habe ich gleich gemocht. Obwohl ich Jarik manchmal gerne etwas geschüttelt habe. Wie gut, dass Elvira an seiner Seite ist und alles in die Hand genommen hat. Sie ist willens, Talea ein Zuhause zu geben. Auch wenn das nicht einfach ist und es immer wieder, gerade wenn sie denkt, sie sei einen Schritt weitergekommen Rückschläge gibt.
Talea hat mir leidgetan. Ihre Mutter konnte ihr aus Geldnöten nicht viel bieten und dann ist sie krank geworden. Dann ist plötzlich ihre Mutter tot und sie muss in eine andere Stadt zu den Großeltern ziehen, die sie nicht kennt. Es sind praktisch Fremde für sie.
Ich bewundere Wilma Borghoff dafür, wie sie sich in Talea hineinversetzen konnte. Wie sie die seelischen Nöte des Mädchens in ihre Geschichte einfließen lässt. Man konnte die Ängste und Nöte von Talea richtig spüren.

Die Idee mit dem Grünspecht, der immer wieder auftaucht, ist sehr gut gelungen.
Taleas gibt er immer ein kleines bisschen Zuversicht. Es ist ihr Grünspecht, der immer dann auftaucht, wenn sie besonders verzweifelt ist.

Mit „Was wir einander schuldig sind“ erzählt Wilma Borghoff eine Geschichte über Trauer und Loslassen. Aber auch eine Geschichte über Liebe, Familie und Zuversicht.
Mich hat das Buch sehr berührt und ich empfehle es gerne weiter.

Fünf, Sechs, Sieben, Acht

Ewald Arenz
Roman
237 Seiten
erschienen im DuMont Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den DuMont Verlag für das Rezensionsexemplar

Vom Älterwerden und Loslassen

Klappentext:
Anton, 60 Jahre alt, ist Stepptänzer. Ja, er ist nicht mehr so schnell wie früher, aber mit seiner Erfahrung und Ausdruckskraft tanzt er, noch allen davon. Wer sollte ihm also die Stelle als Choreograf an einer Theaterbühne streitig machen? Doch die neue Intendantin sieht das anders und engagiert ausgerechnet Emma, Antons Tochter. Anton ist verletzt, wütend, traurig und zugleich stolz auf seine Tochter. Zeigen kann er ihr das nicht.
Die Absage spült etwas in ihm hoch, das er nicht länger verdrängen kann: das Gefühl des Älterwerdens. Plötzlich spürt er die eigene Endlichkeit und fragt sich, ob er sein Leben richtig gelebt hat. Eine Frage, die ihn wieder an eine alte große Liebe denken lässt. Jo war damals einfach spurlos verschwunden. Hätte er mit ihr ein besseres Leben gelebt?
Es ist Emma, die auf Jos Spur stößt. Mit ihr reist er nach Irland. Alte Konflikte zwischen Vater und Tochter brechen wieder auf. Für Anton wird es eine Reise zu sich selbst und er begreift: Zu Ende ist es erst, wenn es zu Ende ist. Bis dahin will das Leben gelebt werden.

„Fünf, Sechs, Sieben, Acht“ ist ein Buch über das Leben und das Älterwerden von Ewald Arenz.

Im Mittelpunkt steht Anton. Er ist 60 Jahre alt und immer noch ein begnadeter Stepptänzer und Choreograf.
Eine neue Intendantin kommt an das Theater, an dem Anton arbeitet. Die neue Intendantin möchte alles jünger und moderner gestalten. Dem fällt dann auch Anton zum Opfer. Seine Stelle wird ausgerechnet mit seiner Tochter Emma besetzt, was Anton einige Zeit schmollen lässt.
Seit der Scheidung von seiner Ehefrau steht es mit der Beziehung zu seiner Tochter nicht zum Besten. Gerade in letzter Zeit haben sie sich etwas angenähert.

Ewald Arenz hat für seine Geschichte großartige Charaktere ins Leben gerufen.
In diesem Buch stecken eigentlich zwei kleine Geschichten, in denen Anton immer im Mittelpunkt steht.
Es geht einmal um Anton als Tänzer, der aufgrund seines Alters aussortiert wird. Damit kann er nicht umgehen, denn er fühlt sich noch lange nicht alt.
Anton ist geschieden, hat aber mittlerweile ein freundschaftliches Verhältnis zu seiner Ex-Frau. Die Tochter kann ihm nicht recht verzeihen, dass er sie als Kind verlassen hat.
Eine Entschuldigung oder auch eine Erklärung kamen nie über Antons Lippen.
Dann geht es um Anton, der in jungen Jahren von seiner großen Liebe verlassen wurde. Plötzlich war sie verschwunden, ohne Abschied, ohne Nachricht. Anton glaubte schon nicht mehr, dass sie noch lebt. Doch da findet sich eine Spur, die nach Irland führt.

Mir hat das Lesen große Freude gemacht. Ich habe Anton gerne auf seinem Weg begleitet und seine Entwicklung miterlebt.

Ewald Arenz erzählt die Geschichte in einer feinen Sprache, die ich fast poetisch nennen möchte. Wenn Anton über sein Leben nachdenkt, hat es manchmal auch etwas Philosophisches.

Ich bin schnell tief in der Geschichte versunken. Die Seiten sind nur so dahingeflogen.

Fünf, Sechs, Sieben, Acht ist eine Geschichte über das Leben und das Loslassen, die mir gut gefallen hat.

Hotel Sardona

Martin Oesch und Ralph Weibel
Roman
295 Seiten
erschienen im Gmeiner Verlag
Meine Bewertung:
3 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Gmeiner Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hotel in den Schweizer Alpen

Klappentext:
Wo einst prominente Gäste logierten, liegt nun der Staub vergangener Tage: Das Hotel Sardona in den Schweizer Alpen hat seinen Glanz verloren. Drei entfremdete Geschwister, gezeichnet von sehr unterschiedlichen Brüchen in ihrem Leben, erben das Haus, unter der Bedingung, es wiederzueröffnen. Während sie gemeinsam um die Zukunft des Hotels ringen, brechen alte Konflikte auf und lange verdrängte Wahrheiten kommen ans Licht. Kann aus den Trümmern der Vergangenheit eine gemeinsame Zukunft entstehen?

„Hotel Sardona“ von Martin Oesch und Ralph Weibel ist die Geschichte eines Hotels und dessen 3 neuen Besitzern.

Die Autoren haben recht unterschiedliche Charaktere ins Leben gerufen.
Benedikt Walser weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Er schickt seinen einzigen Verwandten einen Brief, indem er sie in sein Hotel Sardona in den Schweizer Alpen einlädt. Dort bekommen die 3 eine Schenkungsurkunde. Benedikt vermacht ihnen sein Hotel, mit der Auflage, es wieder neu zu eröffnen. Doch wenn die Geschwister das Hotel annehmen, müssen sie für die Renovierung viel Geld in die Hand nehmen. Geld, das sie nicht besitzen.

Walter sitzt seit einem Unfall auf einer Baustelle im Rollstuhl. Mit seiner Ehe steht es nicht zum Besten. Finanziell kommt er mehr schlecht als recht über die Runden.

Robert ist der Erfolgreiche der Geschwister. Nach außen hin sieht er auch wohlhabend aus. Fährt ein großes Auto und macht auch sonst einen auf dicke Hose. Nur in Wirklichkeit sieht es ganz anders aus.

Franziska ist gleich von dem Hotel begeistert. Sie lebt in Frankreich, hat einen Sohn, der beim Vater lebt und den sie nur selten sehen darf.

In dem Hotel leben außer Benedikt noch zwei Flüchtlinge, ein Mädchen und ein Bernhardiner.

Die Geschwister treffen sich nach langer Zeit wieder. Dass sie zerstritten sind, ist deutlich zu spüren. Die Leser*innen lernen jeden gut kennen. Ich habe zu keinem einen richtigen Zugang gefunden. Keiner konnte mir so richtig sympathisch werden.

Nach dem Abend, an dem Benedikt den Geschwistern das Hotel anbietet, ist er auch verschwunden.
Nach einiger Zeit einigen sich die Geschwister darauf, das Hotel anzunehmen. Jetzt beginnt die Planung, die eher etwas konstruktiv ist. Ob die Geschwister je das Geld zusammenbekommen, um das Hotel zu renovieren, ist fraglich.
Ich konnte die Handlungen, was die drei Geschwister angeht, nicht immer nachvollziehen.

Die beiden Autoren haben ein schönes Setting für die Geschichte gewählt. Ich konnte es mir gut vorstellen. Das verlassene Hotel, mit seinem prächtigen Entrée.

Die Geschichte wird auch recht kurzweilig erzählt. Die einzigen Bewohner sind zwei Flüchtlinge, was man als Leser*in von ihnen erfahren hat, das fand ich interessant.
Hier hätten die Autoren gerne etwas tiefer ins Detail gehen können.

„Hotel Sardona“ ist ein leichter Roman, den man zwischendurch einmal lesen kann.

Solange ein Streichholz brennt

Christian Huber
Roman
339 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine Achterbahnfahrt der Gefühle

Klappentext:
Bohm lebt seit fünf Jahren auf der Straße. Wie er aus seinem früheren Leben gerutscht ist, darüber schweigt er. Er besitzt so gut wie nichts. Einen alten Rucksack. Geschnitzte Holzmäuse. Einen Brief, den er nicht öffnen will. Mit seinem Hund Fox kämpft er sich durch die Tage und Nächte.
Hat jemand eine Chance auf die Liebe, der keine Chance im Leben hat?
Die junge, einst aufstrebende Fernsehjournalistin Alina steckt fest. Im Job und in der Angst zu scheitern. Ihre letzte Chance auf eine TV-Karriere scheint eine Reportage über das Leben auf der Straße zu sein.
Alina findet Bohm.

„Solange ein Streichholz brennt“ von Christian Huber ist ein sehr emotionaler Roman.

Im Mittelpunkt stehen Bohm und Alina, zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch sie finden sich.

Bohm ist obdachlos, lebt auf der Straße. Warum und wie es dazu gekommen ist, dazu schweigt Bohm.

Alina ist Fernsehjournalistin, aber in ihrem Beruf wie in ihrem Leben festgefahren. Jetzt bekommt sie den Auftrag, einen Obdachlosen zu begleiten und eine Reportage darüber zu drehen.
Da stößt sie auf Bohm, der aber alles andere als begeistert von der Idee ist.
Doch als Bohm Hilfe braucht, ist Alina da und er stimmt der Reportage zu.
Die Verbindung zwischen Alina und Bohm ändert sich. Da ist bald nicht mehr nur der Job, da wachsen Gefühle.

Die Geschichte ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich war lange nicht mehr so berührt von einer Geschichte.
Mit der Reportage, die Alina drehen will, erfahren die Leser*innen die Geschichte von Bohm. Und die wird schonungslos und ehrlich erzählt.
Die Charaktere werden sehr realistisch beschrieben. Nach wenigen Seiten hat man das Gefühl, die Protagonisten persönlich zu kennen. Ich habe mit ihnen gelitten, geweint und gelacht.

Der Schreibstil von Christian Huber ist flüssig und gut verständlich. Ich wurde schnell in die Geschichte hineingezogen und konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
„Solange ein Streichholz brennt“ ist eine Geschichte über Freundschaft und Verlust, die mich sehr berührt hat.

Au revoir und tschüss

Gudrun Lochte
Roman
320 Seiten
erschienen im VANI Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Eine Reise zum eigenen Ich

Klappentext:
Caro spürt, dass sie etwas ändern muss. Ihre Ehe ist erstarrt, der Alltag vorhersehbar und sie hat sich selbst aus den Augen verloren. Kurz entschlossen reist sie allein nach Südfrankreich und trifft damit eine Entscheidung, die alles ins Wanken bringt.
Zwischen warmem Licht, neuen Begegnungen und einer unerwarteten Verbindung beginnt für sie eine Reise zu sich selbst. Doch zwischen Sehnsucht, Schuld und dem Wunsch nach Veränderung steht sie vor der Frage, wie viel Mut es braucht, um wirklich glücklich zu sein.

„Au revoir und tschüss“ ist ein Roman über die Selbstfindung und Neuanfänge von Gudrun Lochte.

Im Mittelpunkt steht Caro. Sie ist Mitte 40, hat Mann und zwei Söhne, doch ihr Leben scheint festgefahren zu sein. Ihr Mann scheint sie nicht mehr zu bemerken. Ihr Gesagtes registriert er entweder nicht oder versucht, ihr seinen eigenen Willen aufzudrücken.

Caro muss raus, und so meldet sie sich zu einem Sprachkurs in Südfrankreich an. Schon länger hegt sie den Wunsch, ihre Französischkenntnisse zu verbessern.
Nach einem Zwischenstopp in Paris kommt Caro im südfranzösischen Uzès an. Neue Eindrücke und neue Bekanntschaften helfen Caro, auf andere Gedanken zu kommen, ihr Leben zu reflektieren und zu sich selbst zu kommen.

Gudrun Lochte erzählt die Geschichte ruhig und doch fesselnd.
Die Charaktere sind gut gezeichnet. Mir ist Caro schnell sympathisch gewesen. Sie ist in einem Alter, in dem man schon einmal hinterfragt, ob es so weitergehen soll oder ob da noch mehr auf einen wartet.
Man erlebt beim Lesen eine Veränderung bei Caro. Es ist, als ob sie sich langsam aufrichtet, was mir gut gefallen hat.
Ihr Mann Holger hingegen ist mir nicht sonderlich sympathisch. Er machte auf mich einen egoistischen Eindruck und ist selbstverliebt.

Die Autorin beschreibt die Handlungsorte sehr anschaulich.
Uzès mit seinen schönen Plätzen und dem Markt hätte ich auch gerne besucht.

Der Schreibstil von Gudrun Lochte ist flüssig und gut verständlich. Ich wurde schnell in die Geschichte hineingezogen.

„Au revoir und tschüss“ ist ein wunderbarer Sommerroman über das Leben, Selbstfindung und Neuanfang.


Okada-sans wundersame Reise mit dem Taxi der geheimen Wünsche

Yasushi Kitagawa
Roman
206 Seiten
Übersetzt aus dem japanischen von Bernd Sambale
erschienen bei Harper Collins
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Harper Collins Verlag für das Rezensionsexemplar

Die Suche nach dem Glück

Klappentext:
Auf einen Schlag zwanzig Kunden verloren, eine Tochter, die nicht zur Schule gehen will, das schlechte Gewissen, weil er sich um seine Mutter kümmern sollte, Shûichi Okada hält sich für den unglücklichsten Mann Japans. Und ausgerechnet er bekommt die Chance, sein Glück zu wenden, als ein mysteriöser Taxifahrer auftaucht und ihm anbietet, ihn immer genau dort abzusetzen, wo er den Weg zu einem glücklicheren Leben einschlagen kann. Shûichi steigt ein. Und Schritt für Schritt lernt er, dass Glück nichts ist, mit dem man geboren wird,
es ist das Ergebnis der Entscheidungen, die man trifft, und der positiven Energie, die man in die Welt bringt.

„Okada-sans wundersame Reise mit dem Taxi der geheimen Wünsche“ von Yasushi Kitagawa ist ein Buch über das Leben und dem Glück.

Im Mittelpunkt steht der Shûichi Okada. Er ist davon überzeugt, der unglücklichste Mensch Japans zu sein.
Shûichi verkauft Versicherungen und als verschiedene Kunden ihre Versicherung kündigen, muss er seine Prämie zurückzahlen. Dazu kommt noch, dass seine Tochter sich weigert, zur Schule zu gehen.
Ein mysteriöses Taxi hält vor Shûichi Okada. Der Fahrer prophezeit ihm, dass er so lange mitfahren kann, bis der Taxameter auf null steht. Der Fahrer wird Shûichi Okada an Orte fahren, wo er das Glück finden kann und sein Leben eine andere Richtung einschlägt.

Yasushi Kitagawa erzählt die Geschichte auf eine Art, die ich philosophisch nennen möchte. Ein schöner Gedanke, dass man, um Glück zu haben, Punkte sammeln muss, die man dann einlösen kann. Die gesammelten Punkte können auch von einer Generation davor aufgespart werden und an die nächste Generation weitergegeben werden. Das bedeutet, man soll nicht nur an sich denken, sondern auch die nächste Generation im Auge haben.
Damit das Glück einen findet, muss man guter Dinge sein, ein Lächeln auf den Lippen haben.

Shûichi Okada durchlebt in der Geschichte eine Wandlung. Zu Beginn ist er pessimistisch und ein echter Griesgram. Langsam hebt sich seine Laune und immer öfter erscheint ein Lächeln. Er fängt an, über Dinge nachzudenken, und überlegt, was er tun kann, um sein Leben in eine andere Richtung zu bringen.

Der Schreibstil von Yasushi Kitagawa ist flüssig und gut verständlich. Er findet viele schöne Worte und beschreibt das Glück und den Weg dahin auf eine philosophische Art und Weise.

„Okada-sans wundersame Reise mit dem Taxi der geheimen Wünsche „ st eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt.

Die unmögliche Rückkehr

Amélie Nothomb
Roman
132 Seiten
Übersetzt aus dem Französischen von Brigitte Große
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

len Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Die Reise nach Japan

Klappentext:
An Orte der Vergangenheit zurückkehren, an das anschließen, was einmal war, für Amélie Nothomb ist das unmöglich. Seit 12 Jahren war sie nicht mehr in Japan, dem Land ihrer Kindheit, das sie so liebt und zu dem sie eine so zwiespältige Beziehung hat. Doch als eine Freundin eine Reise gewinnt und Amélie kurzerhand als Fremdenführerin verpflichtet, kann sie nicht anders als sich mitreißen lassen. Sie entdeckt das Land aufs Neue und damit auch ihre Faszination. Denn die Rückkehr ist unmöglich, zum Glück.

In „Die unmögliche Rückkehr“ erzählt Amélie Nothomb wieder ein Stückchen aus ihrem Leben.

Als Tochter eines Diplomaten musste die Autorin in ihrer Kindheit und Jugend zusammen mit ihren Eltern oft den Wohnort wechseln. Dabei ist sie nicht nur in eine andere Stadt gezogen, sondern gleich in ein anderes Land.

Geboren wurde Amélie Nothomb in Japan, dem Land, das ihr von allen am meisten bedeutet hat. Als junge Erwachsene reist die Autorin zusammen mit ihrer Freundin wieder nach Japan. Doch das Land ist Amélie fremd geworden und sie muss es auf eine neue Art für sich entdecken.

Die Geschichte liest sich wie ein Reiseführer. Die Leser*innen lernen zusammen mit der Autorin das Land kennen.
Aber auch alte Erinnerungen der Autorin finden ihren Platz in diesem Buch.
So vermischen sich alte und neue Eindrücke.

Amélie Nothomb zeichnet ein deutliches Bild von sich, die in vielen Ländern aufgewachsen ist. Von Japan heute und den Erinnerungen des früheren Japans.

So wie Amélie Nothomb ihrer Freundin das Land und dessen Kultur zeigt, so zeigt sie es auch ihren Leser*innen.
Dabei hat Amélie Nothomb einen so schönen und poetischen Schreibstil. Die Geschichte hat viele schöne Sätze, die ich mir angestrichen hab. Die Autorin versteht es, mit der Sprache zu spielen.

„Die unmögliche Rückkehr“ hat mir, wie schon einige Geschichten von Amélie Nothomb wieder sehr gut gefallen.