Denk ich an Kiew

Erin Litteken
Roman
erschienen bei Bastei Lübbe
Übersetzt von Dietmar Schmidt und Rainer Schuhmacher
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an die Bloggerjury und den Bastei Lübbe Verlag für das Rezensionsexemplar.

Ein Buch das jeder lesen sollte

Covertext:

1929. Behütet und geliebt wächst Katja in einem Dorf bei Kiew auf. Ihre Familie ist nicht reich, kann sich aber von ihrer eigenen Hände Arbeit ernähren. Bis Stalins Handlanger die Dorfbewohner zwingen, dem Kollektiv beizutreten. Wer sich weigert, wird mitgenommen und nie wieder gesehen. Anfangs gibt es für Katja dennoch auch glückliche Stunden. Sie ist in den Nachbarssohn verliebt und ihre Schwester in dessen Bruder. Doch schon bald muss Katja sich jeden Tag Mut zusprechen, um weiterzumachen angesichts des Schreckens um sie herum.

Jahrzehnte später entdeckt Cassie im Haus ihrer Großmutter in Illinois ein Tagebuch. Nie hat diese über ihre ukrainische Herkunft gesprochen. Seit einiger Zeit aber verhält sie sich merkwürdig. Sie versteckt Lebensmittel und murmelt immer wieder einen Namen, den keiner aus ihrer Familie je gehört hat: Alina …

„Denk ich an Kiew“ von Erin Litteken ist ein Buch das mich so berührt hat wie selten ein Buch zuvor.

Die Geschichte hat zwei Zeitebenen.
2004 flüchtet Cassie ins Haus ihrer Großmutter um dort über den frühen Tod ihres Mannes hinwegzukommen.
Ihre kleine Tochter spricht kaum noch so tief steckt sie in der Trauer.
Die Großmutter hingegen verhält sich immer seltsamer.
Sie fängt an ukrainisch zu sprechen und Namen zu nennen die Cassie noch nie gehört hat.
Auch Lebensmittel versteckt die Großmutter, als ob sie einen Vorrat anlegen wollte.
Von der ukrainischen Vergangenheit der Großmutter weiß Cassie bis dahin nichts. Die Großmutter hat nie davon erzählt.
Da fällt Cassie ein Tagebuch der Großmutter in die Hände.

Die zweite Zeitebene erzählt aus dem Leben der Großmutter in den frühen 1930er Jahren in der Ukraine.
Man lernt Katja und ihre Familie kennen.
Sie leben zwar in einfachen Verhältnissen sind aber eine glückliche Familie.
Bis Stalins Handlanger in das Dorf eingefallen sind.
Diese wollen den radikalen Kommunismus in der Ukraine mit aller Gewalt durchsetzen.
Wer sich weigert dem Kollektiv beizutreten verschwindet auf Nimmerwiedersehen.
Man kann sich die Grausamkeit kaum vorstellen die hier beschrieben wird.
Gewalt und Hunger sind an der Tagesordnung.
Die Schreckenstaten die an diesem Volk verübt werden sind kaum zu ertragen.

Man kann gut verstehen, dass der Hass auf Russland bis heute Bestand hat.

„In ihrem Roman „Denk ich an Kiew“ erzählt Erin Litteken eine Geschichte aus der Vergangenheit die zur Zeit aber wieder sehr aktuell ist.
In einem Nachwort erzählt die Autorin, dass die Geschichte ihrer Urgroßmutter sie zu diesem Buch inspiriert hat.

Ich muss sagen, ich habe bisher noch kein Buch mit Handlungsort Ukraine gelesen. Auch war mir vor dem Krieg nicht klar wie wichtig dieses Land für die Welternährung ist. Eine wahre Kornkammer.

Erin Litteken beschreibt die Grausamkeiten die am ukrainischen Volk verübt wurden sehr eindringlich.
Dabei ist die Geschichte gut verständlich und flüssig zu lesen.
Man sollte allerdings ein Taschentuch in der Nähe haben.

Ich finde das Thema ist heute so aktuell, dass das Buch eigentlich jeder lesen sollte.

Ein Fremder hier zu Lande

Ralph Knobelsdorf
Historischer Kriminalroman
erschienen im Bastei Lübbe Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an die Bloggerjury und den Bastei Lübbe Verlag für das Rezensionsexemplar.

Spannender Krimi mit Einblicken ins historische Berlin

Covertext:
März 1856. An der Königsmauer, der berüchtigten Bordellgasse Berlins, wird die Leiche einer jungen Frau aus gutem Haus gefunden. Auf den ersten Blick ist klar: Sie wurde stranguliert. Der Leichenbeschauer entdeckt jedoch seltsame Kerben am Schienbein, die er bereits bei drei anderen Opfern nachgewiesen hat. Sie alle waren Prostituierte, keiner der Morde wurde aufgeklärt. Haben es der junge Kriminalkommissar Wilhelm von der Heyden und sein Kollege Vorweg mit dem ersten Serienmörder der Stadt zu tun? Der Druck auf sie wächst von Tag zu Tag: Sollte die Presse von den Fällen erfahren, wird Angst die Stadt erfassen

„Ein Fremder hier zu Lande“ ist der zweite Band der Krimi-Reihe Ein Fall für Wilhelm von der Heyden von Ralph Knobelsdorf.

Der Autor entführt seine LeserInnen nach Berlin ins Jahr 1856.
Die preußische Kriminalpolizei hat sich gerade erst aufgebaut. Trotzdem stehen nach einem Vorfall Umstrukturierungen an.
Der junge Kriminalkommissar Wilhelm von der Heyden hat noch nicht lange sein Studium in Kriminalistik absolviert.

Wilhelm von der Heyden und sein Kollege Vorweg arbeiten jeder für sich an einem Fall.
Da wird eine junge Frau aus gutem Haus tot aufgefunden.
Das besondere Merkmal an der Leiche sind seltsame Kerben an den Beinen.
Die Polizei tappt noch im Dunkeln.

Hier sind die LeserInnen den Kriminalbeamten etwas im Vorteil.
Sie wissen bereits, da auch aus Sicht des Täters erzählt wird, dass ein Serienmörder sein Unwesen treibt.

Als LeserIn bekommt man einen guten und authentischen Einblick in die Ermittlungsarbeit der 1850er Jahre. Wenn man, wie ich viele Kriminalromane liest ist es interessant zu erfahren welche profanen Mittel der Polizei damals zur Verfügung standen um einen Täter zu überführen.

Der Fall wird sehr spannend erzählt.
Auch das Wissen, dass es sich bei dem Täter um einen Serienmörder handelt der seien Spielchen mit der Polizei spielt ist gut eingearbeitet und erzeugt Spannung.

Außer dem Kriminalfall sind auch die historischen Gegebenheit sehr interessant.
Die 1850er Jahre werden authentisch widergespiegelt und die LeserInnen erhalten viele Informationen aus dieser Zeit.
Auch begegnet man einigen historischen Persönlichkeiten die im Anhang noch einmal beschrien werden.

Der Schreibstil von Ralph Knobesldorf ist flüssig und leicht verständlich. Der Autor vermittelt neben Spannung auch einiges an Geschichte was das Buch für mich, als Liebhaber von Kriminalromanen und historischen Romanen um so lesenswerter macht.

Dies war nun der zweite Fall für Wilhelm von der Heyden und ich freue mich schon auf seinen nächsten Fall.

Düsteres Watt

Sabine Weiss
Kriminalroman
erschienen im Bastei Lübbe Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Spannender Sylt-Krimi

In den Sylter Dünen wird eine männliche Leiche gefunden.
Der Fundort und die Todesursache passen so gar nicht zusammen.
Bei dem Opfer handelt es sich um Karl von Raboisen, Sohn einer reichen Adelfamilie.
Die Ehefrau Charlotte von Raboisen ist Politikerin.
Die Familie besitzt eine Villa auf Sylt und lebt zeitweise auf der Insel.
Da die Familie im Fokus der Öffentlichkeit steht heißt es möglichst diskret zu ermitteln.
Liv Lammers die eigentlich gerade Urlaub auf Sylt macht wird zum Tatort gerufen.
Während die Ermittlungen in vollem Gange sein wird eine weitere Leiche gefunden. Auch hier passen Fundort und Todesursache nicht zusammen.

„Düsteres Watt“ ist der 6. Fall der Liv Lammers Reihe von Sabine Weiss.
Bisher habe ich nur historische Romane von der Autorin gelesen aber auch mit diesem Krimi konnte Sabine Weiss mich begeistern.
.Auch wenn ich die vorherigen Bände nicht kennen konnte ich gut in die Geschichte eintauchen.

Liv war mir schnell sympathisch. Sie stammt ursprünglich aus Sylt hat aber mit ihrer Familie gebrochen.

Der Fall wird sehr spannen erzählt.
Mit dem Opfer Karl von Raboisen habe ich irgendwie wenig Mitleid. Er war ein Mensch der seine Familie beherrscht und ausspioniere hat.
Seine Frau und auch seine Töchter tun mir hingegen sehr leid.
Da stellt sich auch die Frage ob der Täter in der Familie zu suche ist.

Es gibt verschiedene Verdächtige und einige Motive.
Einen echten Täter hatte ich genauso wenig in petto wie die Ermittler.
So blieb es spannend bis zum Ende, dass dann auch noch einmal recht turbulent wurde.

Sabine Weiss versteht es ihre LeserInnen zu fesseln, egal ob mit Historischen Romanen oder mit Kriminalromanen.
„Düsteres Watt“ hat alles was ein guter Kriminalroman braucht einen spannenden Fall, eine sympathische und engagierte Ermittlerin und ein schöner Handlungsort. Den bringt die Autorin uns auch mit ihrer schönen Beschreibung näher.

Jetzt bin ich schon sehr auf den nächsten Band gespannt, denn eine Frage ist noch offen.

Team Helsinki – Die Tote im Container

A. M. Ollikainen
Kriminalroman
erschienen im Bastei Lübbe Verlag
Meine Bewertung:
3 von 5 Sternen

Vielen Dank an die Bloggerjury für das Rezensionsexemplar.

Spannender Fall der leider auch einige Längen hat

in einem Container wird die Leiche einer dunkelhäutigen Frau gefunden.
In den Container wurde Meerwasser eingefüllt und eine Frau ist qualvoll ertrunken.
Die Identität der Frau ist nicht bekannt.
Kommissarin Paula Pihjala und ihr Team nehmen die Ermittlungen auf.
Im Fokus steht die Unternehmerfamilie vor deren Gutshof der Container abgestellt wurde.
Als die Identität des Opfers geklärt wurde stellt sich heraus, dass es sich um eine Universitätslehrerin handelt, die erst wenige Stunden vor ihrem Tod aus Namibia eingeflogen ist.
Als das Team ihr Hotelzimmer durchsucht machen sie eine Entdeckung.
Sie finden ein Dokument mit der Unterschrift des ehemaligen Unternehmerchefs.

„Team Helsinki – Die Tote im Container“ ist der erste Band einer neuen finnischen Krimireihe von A.M. Ollikainen.
Hinter A.M. Ollikainen verbergen sich das Autorenehepaar Aki und Milla Ollikainen die jeder für sich schon einige Bücher veröffentlicht haben.

Das Team Helsinki besteht aus Paula Pihjala, Karhu, Renko und Hartikainen.
Wie der Titel schon sagt sind sie ein Team auch wenn Paula dem Team vorsteht.
Die Ermittler sind individuell in ihrem Charakter.
Jeder ist eine eigene Persönlichkeit und man lernt sie zu Beginn gut kennen.

Der Fall beginnt spannend.
Die Identität des Opfers muss geklärt werden. Dem Verdacht, dass die Unternehmerfamilie im Zusammenhang mit dem Mord steht muss nachgegangen werden.
Es gibt viele offene Fragen.
Und es werden auch immer wieder falsche Fährten von den Autoren gelegt.

Im 2. Teil gibt es dann Rückblenden über das Opfer und das Leben in Namibia.
Dieser Teil ist dann doch etwas langatmig und nimmt die Spannung wie auch den Lesefluss.

Erst als es schon zum Ende zuging wurde die Spannung wieder erhöht.
Durch den Zeitdruck unter dem das Team steht wird das Tempo rasant.
Das Ende hat mich dann überrascht war aber stimmig.
Was den Fall angeht sind die Fragen geklärt. Im Privatleben sind einige lose Fäden die als Verbindung zum nächsten Band dienen sollen.

Das Goldblütenhaus – Der Ruf einer neuen Zeit

Gabriela Gross
Roman
erschienen im Bastei Lübbe Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an die Bloggerjury für das Rezensionsexemplar.

Auftakt einer gelungenen Familiensaga

Die Goldblütencreme hat dem Kosmetikunternehmen Glanz zu Bekanntheit und Erfolg verholfen.
Die Frauen hatten immer schon einen hohen Stellenwert in dem Unternehmen und so leitet mittlerweile auch Leonie Glanz, die Enkelin des Firmengründers das Unternehmen.
Jetzt steht ein Firmenjubiläum an und Leonie möchte zu diesem Anlass eine Firmenchronik herausbringen.
Dabei deckt sie Dinge auf, die ihre Großmutter lieber vergessen möchte.
Dann taucht auch noch Michael, die Jugendliebe von Leonie auf.
Die Beziehung ging unter dramatischen Umständen zu Bruch.
Michael hat ein gut gehütetes Geheimnis was viel in Leonies Leben verändern kann.
Leonie kämpft an allen Fronten, für die Firma und für ihr Glück.

„Das Goldblütenhaus – der Ruf einer neuen Zeit“ ist der erste Band einer grandiosen Familiensaga von Gabriela Gross.

Die Charaktere sind absolut liebenswert.
Die Mitglieder der Familie Glanz werden sehr lebensnah und in vielen Facetten beschrieben, man muss sie einfach mögen.
Die Familie besticht durch ihre Zuneigung zueinander und ihren Zusammenhalt.
Nach dem Tod von Alexander Glanz müssen die Schwestern Leonie und Ella das Geschick des Unternehmens in die Hand nehmen.
Das Kosmetikunternehmen wurde von ihren Großeltern Hedi und Alfons gegründet.
Heute ist es bekannt für seine Naturprodukte und seine Nachhaltigkeit.
So bewegen wir und in der Geschichte in der Genwegart und in der Vergangenheit.
Dabei hatte ich zwei Lieblings-Charaktere, Leonie und Hedi.
Die zwei Frauen sind mir so ans Herz gewachsen.

Hedi ist trotz ihrem Alter dem Modernen sehr aufschlossen.
Sie hat das Unternehmen zusammen mit ihrem Mann gegründet.
Hedi hat aber auch ein Geheimnis, dass im Laufe der Geschichte aufgeblättert wird. So gibt es immer wieder Rückblenden in die Vergangenheit.
In diesem Band erfahren die Lesenden aber noch nicht das ganze Geheimnis. Hier bleibt es spannend.

Auch in Leonies Vergangenheit gibt es unschöne Erinnerungen.
Ihre Beziehung mit Michael ging unschön zu Ende.
Ihre Schwester Ella scheint da eine Mitschuld zutragen.
Hier heißt es einiges was immer verschwiegen wurde aufzuarbeiten.
Auch mit ihrer Ehe ist es nicht gut bestellt.
Mit Leonie habe ich oft mitgelitten.
Sie ist eine recht starke Frau und kämpft dafür glücklich zu sein.

Gabriela Gross hat einen wunderbaren Schreibstil. Ich war nach ein paar Seiten so gefangen von der Geschichte.
Das Buch ist voller Gefühle und Emotionen, trieftet aber nie ins kitschige ab.
Die Charaktere tragen einen förmlich durch die Geschichte. Ja, man glaubt jede einzelne Gefühlsregung der Protagonisten zu spüren.
Jeder einzelne ist eine Persönlichkeit doch zusammen sind sie ein wahres Ganzes.
Ich freue mich jetzt schon wenn ich sie im 2. Band wieder treffen darf.
Der 2.Band „Das Goldblütenhaus – Im Licht der Hoffnung“ erscheint im August 2022.

Nebelopfer

Romy Fölck
Kriminalroman
erschienen bei Bastei Lübbe
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an die Bloggerjury und den Bastei Lübbe Verlag für das Rezensionsexemplar.

Spannung von Anfang bis Ende

An einem Morgen im Februar wird ein erhängter Mann gefunden.
Um den Hals hat er ein Pappschild auf dem steht, dass der Tote bei einer Zeugenaussage zum Prozess von Cord Johannsen gelogen hatte.
Haverkorn war damals in die Ermittlungen involviert und hatte ebenfalls als Zeuge ausgesagt.
Cord Johannsen wurde verurteilt seine Frau und zwei Söhne erschossen zu haben.
Johannsen sitzt seither im Gefängnis. Die Tat hat er immer geleugnet.
Als dann auch der Zweiter der drei Zeugen erhängt aufgefunden wird bekommen die Ermittler erste Zweifel ob Cord Johannsen damals zu Recht verurteilt wurde.
Dabei ahnt niemand wie nahe der Täter Bjarne Haverkorn kommen wird.

„Nebelopfer“ ist der 5. Fall mit Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn, einer Krimireihe die in der Elbmarsch spielt aus der Feder von Romy Fölck.
Ich freue mich Frida und Bjarne wieder zutreffen, sie sind mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen.
Es ist wie mit guten Freunden, wenn man sie längere Zeit nicht gesehen hat merkt man erst wie sehr man sie vermisst hat.

Die Protagonisten sind einfach liebenswert.
Bjarne Haverkorn, der ein Jahr vor der Pensionierung steht ist fester Bestandteil der Mordkommission in Itzehoe und für mich nicht wegzudenken. Doch in diesem Band macht Bjarne auch Bekanntschaft mit der Cold Case Unit in Kiel.

Frida ist im Dienst die Partnerin von Bjarne. Beide wissen, dass sie sich uneingeschränkt aufeinander verlassen können. Haben sie sich doch gegenseitig schon aus einigen brenzligen Lagen geholfen.

Zwei neue Charaktere bereichern die Geschichte ab diesem Band.
In der Mordkommission fängt ein neuer Kollege an. Leonard Bootz soll den in Pension gehenden Henning Kuhns ersetzen.
Um Bootz und seine frühere Tätigkeit beim SEK ranken sich Rätsel.
Frida sieht den neuen Kollegen erst einmal mit kritischen Augen.

Sonja Berger ist an die Abteilung für Cold Case in Kiel ausgeliehen.
Dort treffen Haverkorn und Sonja aufeinander. Eine Frau die dem in Scheidung lebenden Bjarne gefährlich werden kann.

In diesem Band arbeitet das ganze Team eng zusammen.
Nachdem ein Toter erhängt an einem Baum gefunden wurde und feststeht, dass es kein Suizid war ermittelt die Mordkommission auf Hochtouren.
Nach dem zweiten Toten kommen einem Teil des Teams erste Zweifel, ob der Verurteilte Cord Johannsen damals wirklich der Mörder seiner Familie war.
Wer beseitigt die damaligen Zeugen und bezichtigt sie der Falschaussage?
Der Leiter der Mordkommission und auch die Staatsanwaltschaft möchten nicht, dass der alte Fall noch einmal aufrollt wird.

Der Fall ist sehr spannend und nimmt immer wieder neue Wendungen an.
Den LeserInnen ist schnell klar, dass der alte und er neue Fall eng zusammenhängen.
Nur wer ist der wahre Täter? Und wer beseitigt die Zeugen von damals?
Ich hatte immer wieder Verdächtige was sich aber immer sehr schnell wieder zerschlagen hat.
Am Ende nimmt alles noch einmal eine recht überraschende Wendung.
Es wird aber alles stimmig und logisch aufgeklärt.
Ich fragte mich, warum ich da nicht drauf gekommen bin. Die Antwort ist ganz einfach. Romy Fölck hat mich und ihre LeserInnen wieder einmal ganz gekonnt in die Irre geführt.

Romy Fölck versteht es einfach Spannung aufzubauen und bis zum Ende aufrecht zu halten.
Ihr unterhaltsamer und gut verständlicher Schreibstil machen das Lesen zu einem Vergnügen.
Einmal angefangen kann man das Buch kaum aus der Hand legen.

Die Fälle der Krimireihe sind in sich abgeschlossen und können ohne weiteres einzeln gelesen werden.
Da die Personen aber auch ein ereignisreiches Privatleben haben das fortlaufend erzählt wird finde ich es schöner, wenn man die Bücher in der Reihenfolge des Erscheinens liest.
Die Mischung aus Kriminalfall, Ermittlungen und Privatleben ist recht ausgeglichen, interessant und unterhaltsam.

Jetzt heißt es warten und sich auf den 6. Fall von Romy Fölck freuen.


Flüchtiges Glück

Ulla Mothes
Roman
erschienen bei Bastei Lübbe
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an www.lesejury.de für die Leserunde.

Emotional erzählte Familiengeschichte

Milla ist in Berlin bei ihrer Mutter aufgewachsen. Ihr Vater ist ihr unbekannt.
Jetzt ist Milla schwanger und möchte mit ihrem Freund Navid eine eigene Familie gründen.
Navid, der aus Kundus geflüchtet ist und seine ganze Familie verloren hat stellt die Behauptung auf, dass eine Familie ein festes Fundament braucht um glücklich leben zu können.
Er drängt Milla dazu nach ihren Wurzeln zu suchen.
Doch Millas Mutter möchte nicht über ihre Vergangenheit in der DDR reden. Auch die Großeltern Millas Großmutter Agnes hat so ihre Geheimnisse, sie hat für die Stasi gearbeitet.
So stößt Milla mit ihren Fragen nicht gerade auf fruchtbaren Boden.

“Flüchtiges Glück“ ist, wie schon „Geteilte Träume“ wieder ein sehr emotionaler Roman von Ulla Mothes.
Man spürt, dass die Autorin genau weiß wovon sie schreibt.
Sie ist selbst in der DDR aufgewachsen, hat einen Ausreiseantrag gestellt und konnte 1986 aus der DDR ausreisen.

Die Erzählung und auch die Protagonisten sind sehr authentisch.
Der Leser bekommt einen guten Eindruck vom Leben in der DDR.
Von den guten Seiten wie auch von den schlechten Seiten.
Von den Menschen die frei entscheiden wollen, die sagen wollen was sie denken.
Und auch von den Menschen die sich eins mit dem Staat fühlen.

Die Protagonisten sind sympathisch und interessant.
Milla sucht nach ihren Wurzeln.
Dabei stößt sie unbewusst in ein Wespennest.
Ihre Großmutter Agnes hat in der DDR für die Stasi gearbeitet.
Hier gibt es viel aufzuarbeiten.
Lange weiß man als LeserInn nicht was sich Agnes alles hat zu Schulden kommen lassen.
Man lässt seine Gedanken spielen und stellt Vermutungen an.
Agnes und ihr Mann Franz sind mir aber auch durchaus sympathisch.
Man erfährt einiges über ihr Leben zu DDR Zeiten.

Auch Millas Mutter Jola ist sympathisch, auch wenn ich lange nicht verstanden habe warum sie um Millas Vater so ein Geheimnis gemacht hat.

Nur mit Navid habe ich zeitweise gehadert. Er hat Milla oft sehr unter Druck gesetzt, damit sie der Vergangenheit nachgeht.
Auf der einen Seite konnte ich ihn verstehen. Er hat seine ganze Familie in Afghanistan verloren.
Jetzt wo er Vater wird möchte er sich eine eigenen Familie aufbauen und da soll es keine Geheimnisse geben.
Manchmal dachte ich aber auch er sollte etwas mehr Feingefühl Milla gegenüber haben. Schließlich ist es ihre Familie.
Dann hätten wir aber diese ergreifende Geschichte nie lesen können.

Ulla Mothes Schreibstil ist flüssig, sehr emotional und leicht verständlich.
Die Protagonisten sind gut gezeichnet.
Man konnte sich in die einzelnen Figuren sehr gut hineinversetzen.
Die Geschichte ist ergreifend und authentisch erzählt.

Beim Lesen ist mir wieder einmal bewusst geworden wie wichtig Familie ist.


Lilienopfer – Dein Tod gehört mir

Leo Born
Thriller
erschienen bei Bastei Lübbe
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an die Bloggerjury und den Bastei Lübbe Verlag für das Rezensionsexemplar.

Auftakt einer neuen und spannenden Thriller-Reihe

In Frankfurt fallen mehrere Frauen einem Serienmörder zum Opfer.
Die Leichen werden immer an verlassenen Orten aufgefunden.
Sie wurden aufs brutalste misshandelt und vergewaltigt.
Die nackten Leichen wurden im Nachhinein mit weißen und blutigen Lilienblättern geschmückt.
Alles erinnert an den „Lilienmörder“, der vor 5 Jahren genau nach dieser Art gemordet hat.
Doch der Täter sitzt hinter Gitter.
Das LKA Hessen übernimmt den Fall.
Kommissar Jack Diehl verdankt dem Fall „Lilienmörder“ seine steile Karriere.
Bei der aktuellen Mordserie verzweifelt Jack und der Leiter der Dienststelle Robert Kornfeld .
Alle Spuren laufen ins Leere.
Es kommt sogar der Verdacht auf, dass vor 5 Jahren der falsche Täter gefasst wurde.
Der Profilerin Viola Hendrick fallen Ungereimtheiten auf denen sie nachgeht. Dadurch gerät sie selbst in große Gefahr.

„Lilienopfer – Dein Tod gehört mir“ ist der erste Fall für Jakob Diehl und somit der Start einer neuen Thriller-Reihe von Leo Born.

Schon mit seiner Mara Billinky Reihe hat der Autor große Erfolge gefeiert.
Die neue Reihe mit Jakob Diehl wird dem mit Sicherheit in nichts nachstehen.
Leo Born hat ein Händchen dafür Protagonisten ins Leben zu rufen die ihre Ecken und Kanten haben und nicht mit dem Mainstream schwimmen.

Kommissar Jakob Diehl wird nur Jack genannt.
Er ist der Cowboy im Kommissariat.
Sein Markenzeichen sind seine geliebten Cowboystiefel und sein Handyklingelton „Ring of Fire“.
Auch sonst liebt er Musik von Johnny Cash und sein Kuhflecken-Sofa.

Robert Kornfeld ist der Kommissariatsleiter. Er ist eher der Kumpeltyp, lässt den Chef nicht raus hängen.
Mit Jack verbindet ihn eine Freundschaft.
Robert versucht Jack immer etwas zu bremsen wenn das Temperament mit ihm durchgehen will.

Viola Hendrick ist Profilerin und dazu noch die Ex von Jack.
Viola macht so etwas den Eindruck als wäre sie immer auf Krawall gebürstet.
Als Profilerin hat sie es aber auch nicht einfach so in die Ermittlungen mit eingreifen zu können wie sie gerne möchte.

Berenice Silva Benevides, kurz die Brasilianerin genannt ist Tatortfotografin.
Sie ist neu im LKA und die Mordfälle ihr erster schwieriger Einsatz.
Jack ist nicht nur von ihren Fotos begeistert.

Dass sind die 4 Charaktere die, die LeserInnen in der neuen Thriller-Reihe begleiten werden.
Jeder der Charaktere ist auf seine Weise liebenswert.

Das LKA Hessen ist in Wiesbaden beheimatet.
Die Mordfälle passieren in Frankfurt.
Die Opfer stammen auch alle aus dem Großraum Frankfurt.
Wenn die Ermittler an einem Leichenfundort in Frankfurt ankommen, warte ich immer darauf, dass Mara Billinsky um die Ecke kommt.
Schließlich jagen die Ermittler vom LKA ja in ihrem Revier.
Ich denke, nach dem ersten harten Aufeinandertreffen von Mara und Jack würden die Beiden sich gut verstehen. Vielleicht begeben die die Zwei ja einmal.

Die Mordfälle sind grausam, die Ermittlungen laufen lange ins Leere.
Leo Born spannt seinen Spannungsbogen durch das gesamte Buch.
Zwischendurch lässt der Autor seine LeserInnen in die Gedanken des Täters schauen.
Dabei weiß man weder wer es ist noch ob es die Gedanken des alten oder des neuen Täter sind.
Oder ist es sogar ein und die selbe Person?
Leo Born hat auch mich, mit seinen immer neuen Wendungen, immer wieder auf den Holzweg geschickt.

Das Ende war lange nicht absehbar. Das Buch spannend bis zum Schluss.
Der Thriller hat mich zwei schlaflose Nächte gekostet.

Eine Frage ist noch offen geblieben und so bin ich gespannt wie es mit Jack weitergeht.

Palais Heiligendamm – Tage der Entscheidung

Michaela Grünig
Historischer Roman
erschienen im Bastei Lübbe Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an www.lesejury.de für die Leserunde.

Der aufregendste Band und hoffentlich nicht das Ende

Mittlerweile arbeitet Julia als dritte Generation im Hotel Palais Heiligendamm mit.
Die politischen Verhältnisse in Deutschland ändern sich spürbar.
Auch im Palais steigen Parteigrößen ab.
Dabei lernt Julia Hugo und Fabian kennen, zwei Männer die ihr Herz höher schlagen lassen. Für welchen wird Julia sich entscheiden?
Paul ist hin und her gerissen zwischen der Leitung des Hotels und dem Wunsch Carls wieder nach Berlin zurückzukommen.
Er fechtet einen Kampf zwischen Liebe und Moral aus.

„Palais Heiligendamm – Tage der Entscheidung“ ist der dritte Band der Heiligendamm Saga von Michaela Grünig.
Lange habe ich gewartet und jetzt ist es endlich soweit.
Ich darf Elisabeth, Julia, Julius, Paul und all die Lieben wieder treffen.

Mittlerweile schreiben wir das Jahr 1935.
Paul leitet das Hotel Palais Heiligendamm, wird aber von Carl gedrängt wieder nach Berlin zu kommen und eine Stelle im Ministerium anzunehmen. Eine Entscheidung die ihm nicht leicht fällt.
Paul hat sich zu einem tollen und verlässlichen Menschen entwickelt.
In diesem Buch musste ich oft um sein Wohl zittern, den er hat sich für andere immer wieder in Gefahr gebracht.

Auch Julia hat sich sehr gut entwickelt.
Sie arbeitet jetzt in der dritte Generation im Hotel mit und zeigt das gleiche glückliche Händchen wie ihre Mutter Elisabeth.

Die Aufrechterhaltung des Hotels ist in dieser Zeit nicht leicht.
Immer wieder steigen Parteigrößen ab, die von den Falkenhayns nicht so gerne gesehen werden.
Auch die Beschaffung der Lebensmittel um die exklusive Küche des Hotels aufrecht zu erhalten wird immer schwieriger.

Anhand Julias bester Freundin Ava, die Jüdin ist erleben die
LeserInnen die sich ändernde Zeit sehr authentisch mit.

Luise möchte ich auch gerne noch erwähnen. Auch sie hat, wenn ich an den ersten Band zurückdenke eine große Entwicklung durchlebt.
Sie ist in einer sehr unglücklichen Scheinehe mit Carl gefangen.
So gerne möchte ich ihr etwas Glück wünschen. Ob mein Wunsch in diesem Band in Erfüllung geht muss jeder selber lesen.

Auch in diesem Band lässt die Autorin ihre Protagonisten manchen Umweg gehen, immer wieder wirft sie ihnen Steine in den Weg und man leidet beim Lesen mit den einzelnen Charakteren.

Michaela Grünig lässt viel Zeitkolorit in ihre Geschichte einfließen und vermittelt somit ein Stück deutsche Geschichte auf sehr unterhaltsame Art.
Ihr Schreibstil ist so fesselnd, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Einmal mit der Geschichte angefangen wird man wie durch einen Sog hineingezogen.

Die Geschichte um das Hotel Palais Heiligendamm wurde als Trilogie geplant.
Es gibt aber noch so einige offene Fragen die ich noch gerne beantwortet hätte.
Ich kann die Charaktere in der jetzt anbrechenden schwierigen Zeit einfach noch nicht alleine lassen. So hoffe ich, dass sich der Verlag und Michaela Grünig dazu entschließen können einen vierten Band zu veröffentlichen.
Ich denke diesen Wunsch werde viele LeserInnen mit mir teilen.

Der Friese – Auf neuen Wegen

Fenja Lüders
Historischer Roman
erschienen im Bastei Lübbe Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Bastei Lübbe für das Rezensionsexemplar

Starke Frauen

Seit dem Tod des Vaters steht es um den Hof der Familie de Fries schlecht.
Zudem erhebt Günther, der Ehemann der 3. Tochter der Familie de Fries Anspruch auf den Hof, da dieser nur von einem männlichen Erbe weitergeführt werden darf.
Zumindest möchte er seinen Anteil am Hof.
Gesa, die ihrer Schwester Hanna und ihrer Mutter das Zuhause sichern möchte arbeitet als Packerin in einem Teehandel.
Bald ist Gesa so fasziniert von den Gerüchen und den verschiedenen Sorten Tee, dass sie sich bis zur rechten Hand des Juniorchefs hocharbeitet.
Die enge Zusammenarbeit mit dem Juniorchef weckt aber auch Gefühle in Gesa, Gefühle die nicht sein dürfen.
Den ihr Chef Keno Kruse ist verheiratet und auch Gesa ist verlobt. Allerdings gilt ihr Verlobter in Russland als vermisst.

„Der Friesenhof – Auf neuen Wegen“ ist der erste Band der Teehändler-Saga von Fenja Lüders.
Schon mit ihrer Kaffeehändler-Saga hat die Autorin mich begeistert. Jetzt also vom Kaffee zum Tee.

Die Geschichte beginnt 1949 in Ostfriesland.
Gesa steht im Teehandel ihren Mann und Hanna auf dem Bauernhof der Familie.
Doch die Gefahr droht aus den eigenen Reihen. Günther, der Mann der älteren Schwester Helga erhebt Anspruch auf den Hof. Er stolziert schon wie ein Gockel daher. Helga hingegen möchte gerne ihr Erbe ausgezahlt haben.
Gesa und Hanna wollen ihren Hof nicht verlieren.
So macht sich Gesa auf den Weg nach Emden wo sie eine Stelle als Packerin in einem Teehandel annimmt.
Schnell arbeitet Gesa sich hoch bis zur rechten Hand von Keno Kruse, dem Sohn des Chefs.
Hanna, die schon immer gerne mit den Tieren gearbeitet hat versorgt den Hof.
Dabei steht ihr der polnische Arbeiter Tonnek zur Seite.

Natürlich darf auch ein bisschen Liebe nicht fehlen. Gesa hegt Gefühle für Keno und Hanna für Tonnek.
Doch beide Beziehungen sind kompliziert.
Keno ist verheiratet und Gesa ist verlobt, auch wenn ihr Verlobter als vermisst gemeldet ist.
Und bei Hanna und Tonnek stehen die Vorurteile der Menschen im Weg.

Wieder hat Fenja Lüders starken Frauen das Leben geschenkt.
Gesa und Hanna gefallen mir sehr gut. Zwei starke Frauen die sich in einer Männerwelt behaupten. Ich lese gerne Familiensagas mit starken weiblichen Persönlichkeiten. Nur solchen Frauen ist es zu verdanken, dass die Emanzipation ihre Anfänge genommen hat.

Wenn Fenja Lüders Geschichten erzählt habe ich schnell Bilder im Kopf. Man kann sich alles so gut vorstellen.
Ich liebe ihre Charaktere und die Sprache die sie verwendet.
Immer wieder fließen Wörter im Dialekt ein, was alles noch authentischer werden lässt.
Auch vermittelt die Autorin die Nachkriegszeit, in der die Geschichte spielt mit all ihrer Not und mit den Vorurteilen der Menschen sehr realistisch.

„Der Friesenhof – Auf neuen Wegen“ hat mir wieder einmal schöne Lesestunden geschenkt und ich freue mich jetzt schon auf den 2. Band
„Der Friesenhof – Schicksalstage“