Die geheime Mission

Titus Müller
Historischer Roman
339 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an das Bloggerportal und den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar

Zerrissen zwischen Ost und West

Klappentext:
Nela wächst als Tochter einer Kommunistin auf und hilft beim Aufbau in der Sowjetischen Zone. Vom Vater redet die Mutter nur verächtlich, er ist in ihren Augen ein Kollaborateur der Nazis. Nela trifft sich heimlich in Westberlin mit ihm. Je näher sie den Vater kennenlernt, desto mehr erfährt sie über ihn und die tragische Vergangenheit der Familie. Und desto mehr muss sie ihre Ideologie hinterfragen. Als die Lage in den westlichen Sektoren Berlins sich weiter zuspitzt, gesteht ihr der Vater, für die CIA zu arbeiten, und macht sie zur Kurierin zwischen Ost und West. Bald steht Nela zwischen allen Fronten und muss entscheiden, wen sie künftig unterstützen will. Auch Erik, den sie in der Redaktion der »Jungen Welt« kennenlernt, wirft Fragen auf. Wochenlang bleibt er verschwunden und offenbart ihr nicht, wo er war. Wem kann Nela noch vertrauen?

„Die geheime Mission“ ist der 1. Band der Kurierin-Reihe von Titus Müller.

Titus Müller schickt seine Leser*innen zurück in das Jahr 1948.
Der Handlungsort ist das geteilte Berlin.
Im Mittelpunkt steht Nela. Sie lebt im sowjetischen Sektor bei ihrer Mutter.
Die Mutter ist eine Anhängerin des Kommunismus. Über den Vater, der im Westen Berlins lebt, redet sie nur schlecht. Nela sucht nach dem Vater und möchte seine Seite der Wahrheit hören. Noch ahnt sie nicht, wie gefährlich das Treffen werden kann. Der Vater arbeitet als Spion bei der CIA und macht seine Tochter zur Kurierin zwischen Ost und West.

Titus Müller hat seine Charaktere gut gezeichnet und führt sie gekonnt durch die Geschichte.
Die 18-jährige Nela kam mir zu Beginn etwas naiv vor, hat sich aber schnell zu einer selbstbewussten Frau entwickelt. Ihre Zerrissenheit zwischen Mutter und Vater spiegelt die Zerrissenheit des Landes wider.

Ingwelde und Gerhard, die Eltern von Nela, sind so verschieden wie der Westen und der Osten Deutschlands. Jeder glaubt an die Zukunft und daran, dass seine Einstellung die bessere ist. So ist Ingwelde vom sozialistischen System überzeugt, während Gerhard sich beim Geheimnis dagegen auflehnt.

Und Erik, den Nela in der Redaktion der „Jungen Welt“ kennenlernt, sorgt für etwas Romantik in der Geschichte.

Der Schreibstil von Titus Müller ist sehr atmosphärisch, flüssig und fesselnd.
Das zerstörte und hungernde Nachkriegsberlin wird den Leser*innen gekonnt vermittelt.
Die wechselnden Perspektiven machen die Geschichte besonders interessant. Man erfährt nicht nur eine Haltung, sondern kann sich ein gutes Gesamtbild machen.
Die Arbeit des Geheimdienstes wird genauso angesprochen wie die Luftbrücke zwischen West und Ost.

Besonders interessant macht das Buch die realen Hintergründe. Hier setzt der Autor etwas Wissen über die deutsche Vergangenheit voraus. Im Anhang gibt es allerdings auch noch eine detaillierte Aufstellung der historischen Hintergründe.

„Die geheime Mission“ ist ein spannender Spionageroman, der mir Lust auf mehr gemacht hat.

Die Dolmetscherin

Titus Müller
Historischer Roman
404 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an das Bloggerportal und den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar

Die Nürnberger Prozesse

Klappentext:
Asta arbeitet als Dolmetscherin im Kurhotel »Palace« in Mondorf-les-Bains, wo die US-Armee gefangengenommene Nazi-Größen interniert. Am 20. Mai 1945 reist ein neuer Gast an. Er bringt 16 Koffer, eine rote Hutschachtel und seinen Kammerdiener mit. Es ist Hermann Göring, Oberbefehlshaber der Luftwaffe und Hitlers designierter Nachfolger. Asta übersetzt bei den Verhören, reist dann mit nach Nürnberg zu den Prozessen und wird jeden Tag im Gerichtssaal anwesend sein, die abscheulichsten Dinge zu hören bekommen und sie zudem ins Englische übertragen müssen. Umso empfänglicher ist sie für Leonhard, ein junger, sensibler Mann, der ihr sanft den Hof macht. Doch seine Vergangenheit ist undurchsichtig und er stellt verdächtig viele Fragen zu den Prozessen.

„Die Dolmetscherin“ ist ein Roman mit realem Hintergrund von Titus Müller.

Die US-Armee inhaftiert die Kriegsverbrecher im Kurhotel »Palace« in Mondorf-les-Asta ist Dolmetscherin und muss die Verhöre und auch die Gespräche, während der Prozesse übersetzten. Unter den Inhaftierten ist auch Herman Göhring.

Mit Asta ist Titus Müller eine interessante Protagonistin gelingen. Asta hat schon für verschiedene Geheimdienste gearbeitet. Göhring hatte Asta schon als Kind kennengelernt. Eine nahestehende Verwandte von Asta, die wie eine Mutter zu ihr war, wurde von den deutschen gefoltert. Jetzt möchte sie die Schuldigen verurteilt sehen. Bei den Nürnberger Prozesse sitzt Asta mit im Gerichtssaal. Ihre Wut über die Ansichten und das Beschönigen der Schuldigen lässt Asta wütend werden.

Titus Müller schildert die Prozesse sehr interessant. Als Leser*in ist man im Gerichtssaal dabei. Manchmal ging es mir sehr an die Nieren. Es ist kaum vorstellbar, was Menschen anderen Menschen antun können.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Es kommen verschiedene Ansichten ans Licht. Aber die Gräueltaten sind nicht zu beschönigen. Auch wenn Herman Göhring, der ein guter Redner ist versucht die Menschen im Gerichtssaal auf seine Seite zu ziehen.

E gibt auch ruhigere Passagen in dem Buch bei denen man als Leser*in etwas durchatmen kann. Asta lernt Leo kennen und zwischen den beiden entsteht eine gewisse Anziehung.

Titus Müller erzählt die Geschichte schonungslos. Man spürt auf jeder Seite wie akribisch der Autor recherchiert hat. Er hat in dieser Geschichte Realität mit Fiktion so fein verknüpft, dass man es nicht mehr zu rennen vermag.

„Die Dolmetscherin“ ist ein sehr interessanter historischer Roman, den ich mit großem Interesse gelesen habe.