Freunde von früher

Micha Lewinsky
Roman
266 Seiten
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Empfehlenswerter Roman

Klappentext.
Béla erhält einen überraschenden Anruf: Das Haus an der Zederstraße steht zum Verkauf. Dreißig Jahre ist es her, dass er dort mit Simone, Serdar und Kim in einer WG gewohnt hat. Seither sind sie alle in unterschiedliche Richtungen gegangen. Ist es eine gute Idee, jetzt zu viert das Haus ihrer Aufbruchsjahre zu kaufen? So gesetzt wollte Béla eigentlich gar nie werden. Wenn er nicht in den Spiegel schaut, hält er sich immer noch für jung. Aber wirklich jung ist nur seine Freundin Kaja, die gerade festgestellt hat, dass sie schwanger ist.

„Freunde von früher“ von Micha Lewinsky, ist ein kluger und humorvoller Roman, der sich der Frage des Älterwerdens stellt.
Der Autor hat schon einige Drehbücher und ein Kinderbuch geschrieben und mich mit seinem Debütroman „Sobald wir angekommen sind“ begeistert.

Béla führt ein eher unaufgeregtes Leben. Doch die Information, dass das alte Haus in der Zederstraße verkauft werden soll, bringt ihn zum Nachdenken.
Genau dort hat er mit Simone, Serdar und Kim in einer WG gelebt. Der damalige Traum, immer zusammen in einem großen Haus zu leben, könnte sich jetzt erfüllen.
Doch die einst so rebellischen Jugendlichen müssten jetzt zu gediegenen Immobilienkäufern werden. Wäre die Clique von damals dazu bereit?

Micha Lewinsky erzählt die Geschichte sehr anschaulich und mit Humor. Wer fragt sich nicht, wo all die Jahre hin sind, und sieht sich (wohl als Einziger) immer noch so wie früher.
Man selbst ist ja kaum älter geworden, nur die anderen, die sind gealtert.

Die Charaktere sind glaubwürdig und lebendig.
Béla hat mir auf Anhieb gut gefallen. Er ist liebenswert und zweifelt manchmal an sich. Er weigert sich, zu erkennen, dass er gealtert ist. Er fühlt sich eigentlich immer noch wie der 20-jährige in der WG. Als sie sich wiedersehen, treffen doch verschiedene Charaktere aufeinander.
Die einstigen WG-Freunde haben sich unterschiedlich entwickelt.
Kaja ist Bélas junge Partnerin. Sie bildet den Kontrast zu den Junggebliebenen und den wirklich Jungen.

Der Schreibstil von Micha Lewinsky ist flüssig und gut verständlich, manchmal fast philosophisch. Der Autor spiegelt die Gegenwart wie auch die Vergangenheit, in der die Jugendlichen in der WG gewohnt haben, gut wider.
Dabei lockert Micha Lewinsky die Geschichte immer wieder mit Humor auf.

„Freunde von früher“ ist eine unterhaltsame Geschichte mit Humor an den richtigen Stellen. Ich habe das Buch mit Freude gelesen.

Sobald wir angekommen sind

Micha Lewinsky
Roman
277 Seiten
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein Roman der zum Nachdenken anregt

Klappentext.
Ben Oppenheim balanciert zwischen Ex-Frau, zwei Kindern und seiner Liebe zu Julia. Er hat Rückenschmerzen und Geldsorgen, aber was ihn wirklich ängstigt, ist der Krieg in Osteuropa. Getrieben vom jüdischen Fluchtinstinkt steigt er eines Morgens kurzerhand in ein Flugzeug nach Brasilien. Mitsamt Ex-Frau und Kindern, aber ohne Julia. Im Krisenmodus läuft Ben zur Hochform auf. Nur der Atomkrieg lässt auf sich warten. Ben dämmert, dass er sich ändern muss, wenn sich etwas ändern soll.

„Sobald wir angekommen sind“ ist der Debütroman von Micha Lewinsky.
Der Autor hat schon einige Drehbücher und ein Kinderbuch geschrieben.

Ben Oppenheim ist ein bemerkenswerter Charakter der im Laufe der Geschichte eine große Entwicklung durchlebt.
Im Berufsleben wie auch im Privatleben läuft es zurzeit nicht gut. Von seiner Frau lebt er getrennt. Da es finanziell nicht gut um das Paar bestellt ist, können sie sich keine 2. Wohnung leisten. So ist Ben Montag und Dienstag bei den Kindern und schläft in der gemeinsamen Wohnung, Marina, seine Ex-Frau ist Mittwoch und Donnerstag dran. Die Wochenenden wechseln sie sich ab. Marina hat ein WG Zimmer und Ben hat sein Atelier.
Die Weltsituation und der Krieg in Osteuropa bedrücken Ben sehr. Mit seiner Ex-Frau beschließt, wenn es ernst wird nach Brasilien zu flüchten. Brasilien ist das Land in das Stefan Zweig, sein liebster Autor und sein Vorbild einst geflüchtet ist.
Als der Krieg im Osten eskaliert reisen Ben, Marina und die 2 Kinder nach Brasilien. Seine Freundin lässt Ben in der Schweiz zurück.
In Brasilien erlebt die Familie unbeschwerte Tage. Ben der erst von einem drohenden Atomkrieg überzeugt ist, zweifelt immer mehr, ob die Flucht so sinnvoll war.

Micha Lewinsky erzählt die Geschichte sehr anschaulich. Ich hatte schnell Bilder im Kopf.
Auch die Charaktere sind gut gezeichnet. Ben ist Jude, seine Vorfahren haben einst flüchten müssen. In diesem Roman kann man spüren wie die Angst auch noch in der nachfolgenden Generation steckt. Ein Trauma der Eltern und Großeltern manifestiert sich meist auch in der nächsten Generation. Ben hat die Flucht zwar nicht miterlebt aber immer gespürt was die Ängste aus den Eltern und Großeltern gemacht haben. So ist seine Flucht nach Brasilien vielleicht etwas überstürzt und unüberlegt aber für seine Kinder nimmt er jede Strapaze in Kauf.

Der Schreibstil von Micha Lewinsky ist flüssig und gut verständlich, manchmal fast philosophisch. Mit Humor lockert er die Geschichte immer wieder auf.
Das Thema das, das Buch begleitet ist sehr aktuell. Über Flucht und Migration hört man fast täglich.

„Sobald wir angekommen sind“ ist eine interessante Geschichte mit Humor an den richtigen Stellen. Ich habe das Buch mit Freude gelesen.