Das Versprechen der weißen Wolke

Christiane Lind
Historischer Roman
520 Seiten
erschienen bei Independently published
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Christiane Lind für das Rezensionsexemplar

Historischer Roman mit realem Hintergrund

Klappentext:
Hamburg, 1842: Als der große Brand ihr Zuhause vernichtet, bleibt Julie Seeghers und ihrer Familie nur ein Ausweg, die Auswanderung nach Neuseeland. Die Überfahrt auf der St. Pauli wird zur Prüfung, und in der rauen Siedlung Nelson warten weder Wohlstand noch Sicherheit auf die Auswanderer.
Während Julies Familie unter dem Druck der Fremde zu zerbrechen droht, verstrickt sich ihre Schwester Karoline in eine hoffnungslose Affäre. Auch Julie muss erkennen, dass in einer Welt voller Pflicht und Erwartungen nicht das Herz über das eigene Schicksal entscheidet.

Mit ihrem Roman „Das Versprechen der weißen Wolke“ veröffentlicht Christiane Lind eine fesselnde und tiefgründige Familiensaga.

1842 wütete ein großer Brand in Hamburg, bei dem viele Menschen ihr Hab und Gut verloren haben.
So auch die Familie Seeghers. Die Familie beschließt, mit ihren beiden Töchtern Julie und Karoline nach Neuseeland auszuwandern.
Sie besteigen das Schiff St. Pauli, um sich am anderen Ende der Welt ein neues Leben aufzubauen. Die Überfahrt dauert mehrere Monate, die Familie muss sich auf engstem Raum zusammenfinden.
Aber das ist nur ein Vorgeschmack. Noch ahnen sie nicht, welche Entbehrungen sie in der Siedlung Nelson in Neuseeland erwarten.

Wie von Christiane Lind gewohnt, beschreibt sie die Handlungsorte sehr anschaulich.
Den Beginn nimmt die Geschichte im rußgeschwärzten Hamburg.
Darauf folgt die klaustrophobische Enge auf dem Auswandererschiff. Der schärfste Kontrast entfaltet sich jedoch mit der Ankunft in Neuseeland.
Nelson, Neuseeland, empfängt Julie und Karoline und die Familie nicht mit dem erträumten Wohlstand, sondern mit Regen, Schlamm und provisorischen Unterkünften. Nahrung, Arbeit und ein Heim müssen mühsam errungen werden. Doch inmitten aller Unsicherheit entstehen erste Freundschaften und die Hoffnung, ein Zuhause finden zu können.
Christiane Lind zeichnet die historische Siedlung Nelson nicht als idyllisches Paradies, sondern als eine raue, improvisierte Pioniersiedlung.
Die wilde Natur des Landes wird dabei selbst zu einer Art Protagonist. Sie ist atemberaubend schön, fordert den Siedlern jedoch gleichzeitig alles ab.

Im Mittelpunkt stehen die recht unterschiedlichen Schwestern Julie und Karoline.
Julie ist mit ihrer ruhigen Art so etwas wie der Anker der Familie. Sie denkt rational, nimmt die Gegebenheiten hin, die nicht zu ändern sind. Julie wächst aber auch über sich hinaus, wenn es um das Überleben der Familie geht.
Karoline hingegen ist emotional und impulsiv. Sie sorgt für einige dramatische Wendungen in der Geschichte.

Christiane Lind versteht es hervorragend, eine dichte, beinahe greifbare Atmosphäre herzustellen.
Ihr Schreibstil ist flüssig und gut verständlich.
Die Erzählung ist so intensiv, dass man bei der Überfahrt das Meer spürt und das Salz riechen kann.

Man spürt beim Lesen, wie viel Herzblut Christiane Lind in die Recherche für die Geschichte gesteckt hat.
Die fiktive Geschichte ist in einen historisch überlieferten Rahmen gebettet.
Der Hamburger Brand so wie die Überfahrt der St. Pauli sind historisch überliefert.

Auch die Einbindung der indigenen Kultur Neuseelands möchte ich erwähnen.
Christiane Lind beschreibt das tiefe Naturverständnis der Maori mit großem Respekt und Verstand, ohne dabei in Klischees zu verfallen.

„Das Versprechen der weißen Wolke“ ist ein rundum gelungener historischer Roman, der weit über eine Auswanderergeschichte hinausgeht.