Und der Wind steht still

Astrid Lehmann
Roman
279 Seiten
erschienen im Gmeiner Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

ielen Dank an den Gmeiner Verlag für das Rezensionsexemplar.

Ein ergreifendes Schicksal zwischen Schwarzwald und Bretagne

Klappentext:
Bretagne, Gegenwart. Die achtzigjährige Alice ist so rau wie die bretonische Küste und am liebsten allein mit ihrer Hündin Marguerite. Doch in ihr tobt ein Sturm. Lange schon hütet sie ein dunkles Geheimnis. Als die Schatten ihrer Geschichte sie einholen, beginnt eine Reise zurück in den Schwarzwald, und vielleicht auch zu sich selbst.
Schwarzwald, 1942. Elsa, eine tüchtige Magd, lernt beim Tanz den älteren Soldaten Heinrich kennen. Bereits beim nächsten Heimaturlaub läuten die Hochzeitsglocken, dann verliert sich von Heinrich jede Spur im Krieg. Beim französischen Soldaten Antoine findet Elsa Trost. Doch hat ihre Liebe Zukunft?

Mit ihrem Roman „Und der Wind steht still“ ist Astrid Lehmann ein tief berührender Roman gelungen. Hier zeigt die Autorin ein oft vergessenes Kapitel der deutsch-französischen Nachkriegsgeschichte auf.
Die Geschichte verwebt gekonnt das Schicksal zweier Frauen über Jahrzehnte hinweg und entfaltet dabei eine emotionale Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann.

Die Geschichte hat zwei Zeitebenen, die miteinander verknüpft werden.

In der Gegenwart begleiten die Leser*innen Alice. Sie lebt sehr zurückgezogen an der bretonischen Küste.
Alice wird von der Vergangenheit eingeholt und begibt sich mit ihrer Tochter auf eine Reise in den Schwarzwald. Hier hofft Alice, auf die Vergangenheit ihrer Familie zu stoßen.

Die 2. Zeitebene führt die Leser*innen zurück in die 1940er Jahre.
Hier lebt die Magd Elsa. Sie lernt den Soldaten Heinrich kennen. Beim nächsten Heimaturlaub wird schon geheiratet. Doch danach verliert sich die Spur von Heinrich. Er gilt als vermisst. Trost findet Alice bei dem französischen Soldaten Antoine. Doch darf Alice eine neue Liebe finden?

Astrid Lehmann erzählt die Geschichte mit viel Emotion.
Die Charaktere sind vielschichtig und plastisch dargestellt.
Ich bin Alice in der Gegenwart und auch Magda in der Vergangenheit gerne gefolgt.
Die Autorin vermittelt die Zerrissenheit ihrer Charaktere sehr gut.

Auch die Handlungsorte werden sehr anschaulich beschrieben. Die raue Küste der Bretagne ähnelt der rauen Alice.
Im Schwarzwald ist der Hunger und die Ohnmacht der Menschen nach dem Krieg zu spüren.

Der Schreibstil von Astrid Lehmann ist flüssig und gut verständlich. Die Autorin spiegelt die Nachkriegszeit und die Zeit der Besatzung realistisch wider.

„Und der Wind steht still“ ist ein gut recherchierter Roman, den ich mit Freude gelesen habe.

Bretonischer Ruhm

Jean-Luc Bannalec
Kriminalroman
326 Seiten
erschienen bei Kiepenheuer & Witsch
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar

Ein Krimi für Genießer

Covertext:

Kommissar Dupin und Claire verbringen ihre Flitterwochen an der Loire, im traumhaften Pays de Retz. Von Weingut zu Weingut, von einem kulinarischen Hochgenuss zum nächsten soll die Reise gehen. So zumindest der Plan. Doch dann wird ein bekannter Winzer ermordet, der Ex-Mann einer Freundin von Claire. Sie zählt auf Dupins Unterstützung. Oder ist sie am Ende in die Sache verwickelt?

„Bretonischer Ruhm“ ist bereits der 12. Band der erfolgreichen Krimireihe mit Kommissar Dupin von Jean-Luc Bannalec.
Für mich ist die Reihe die Mutter aller französischen Krimis. Mit Kommissar Dupin hat meine Leidenschaft für die mittlerweile vielen Krimis die ihren Handlungsort in französischen Regionen beheimatet haben angefangen.

Der 12. Band ist etwas anders angelegt aber nicht minder interessant.
Kommissar Dupin hat seine Claire endlich geheiratet und befindet sich auf Hochzeitsreise.
Nicht ohne Claire vorher das Versprechen gegeben zu haben alles kriminalistische links liegen zu lassen.
Auf ihrer Reise wollen Dupin und Claire einige Weingüter besuchen und sich ganz dem Genuss hingeben.
Als sie sich gerade auf dem Weingut von Claires Freundin Cécile befinden wird deren Ex-Mann ermordet.
Jetzt ist es Claire die Dupin dazu drängt im Verborgenen zu Ermitteln.

Kommissar Dupin ist mir vom 1. Band an sympathisch.
Er liebt gutes Essen und gute Getränke.
Er braucht seinen Kaffee wie die Luft zum atmen.
Wenn er an einem Fall arbeitet ist er wie besessen.
Er muss den Täter finden und zwar schnell.

In diesem 12. Band steht erst einmal der Wein und das Essen im Vordergrund.
Man begleitet Dupin und Claire bei einer Weinprobe.
Es wird so viel über Weine und im Besonderen über den Muscadet erzählt, dass ich mir eine Flasche davon bei meinem Weinhändler besorgen musste.
Jetzt konnte ich das Buch mit dem passenden Wein besonders genießen.
Erst im letzten Drittel des Buches nimmt der Fall dann Fahrt auf und Dupin beißt sich wieder einmal fest.
Eine kleine Nebengeschichte um einen Specht hat mich immer wieder schmunzeln lassen.

Jean-Luc Bannalec überzeugt mich immer wieder mit seinem lockeren Schreibstil.
Land und Leute beschreibt er ausführlich, seine liebe zur Bretagne kann man auf jeder Seite spüren.
Die Genüsse der Bretagne bringt er seinen Leser*innen immer wieder gekonnt näher.
Auch der 12. Band der Dupin Reihe hat mich wieder einmal begeistert und ich hoffe, dass es noch viele weitere Bände mit dem sympathischen Kommissar geben wird.