Hörst du den Schrei?

Jørn Lier Horst und Jan-Erik Fjell
Kriminalroman
367 Seiten
erschienen im Blanvalet Verlag
Übersetzt aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Blanvalet Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannender Start einer neuen Krimireihe

Klappentext:
Fagernes, Norwegen: Krimi-Podcaster Markus Heger plant eine Serie über die vor fünfzehn Jahren verschwundene Leah. Obwohl ihre Leiche nie gefunden wurde, kam Leahs Vater Tobias für den Mord an ihr damals ins Gefängnis. Als nun eine Journalistin, die sich für den Fall interessierte, verschwindet, nimmt Markus die Ermittlung selbst auf. Und je tiefer er in die Abgründe der Vergangenheit eintaucht, desto überzeugter ist er, dass der wahre Täter noch frei herumläuft. Und dass dies noch lange nicht sein letztes Verbrechen gewesen ist.

„Hörst du den Schrei?“ ist der erste Band der norwegischen Krimireihe „Ein Fall für Podcaster Markus Hegerørn“ von Jørn Lier Horst und Jan-Erik Fjell.
Von Jan-Erik Fjell habe ich schon die „Anton-Brekke-Reihe“ gelesen. Auf die neue Reihe war ich schon gespannt.

Der Podcaster Markus Heger beschäftigt sich mit dem Fall der vor 15-Jahren verschwundenen Leah. Obwohl die Leiche nie gefunden wurde, geht die Polizei davon aus, dass, das Mädchen ermordet wurde. Dafür wurde ihr Vater verurteilt und sitzt im Gefängnis. Jetzt ist eine Journalistin, die sich auch mit dem Fall beschäftigt hatte, verschwunden. Markus Heger geht davon aus, dass der Vater unschuldig im Gefängnis sitzt und der wahre Mörder noch frei herumläuft. Jetzt nimmt er den Fall in die Hand.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig. Markus Heger gefällt mir gut, er ist clever und kann schnell gute Schlüsse ziehen. Er hat sich für seinen Podcast mit dem Fall Leah beschäftigt.
Die Journalistin Mathilde Wold gehört zu den Zuhörenden des Podcast und will mit Markus über den Fall sprechen. Doch dazu kommt es nicht. Nach der ersten kurzen Kontaktaufnahme wird die Journalistin vermisst.

Jorn Lier Horst und Jan-Erik Fjell erzählen den Fall, der ja eigentlich abgeschlossen ist recht spannend. Die Autoren bauen die Spannung schon früh auf und halten sie auch bis zum Ende aufrecht. Markus Heger ermittelt in dem von der Polizei erfolgreich abgeschlossenen Fall. Es tauchen immer neue Personen auf, die in den Fall involviert sein können. Immer wenn ich dachte, dem wahren Täter auf der Spur zu sein haben die Autoren wieder eine Wendung eingebaut und ich war so schlau wie vorher.
Die Lösung des Falls hat mich dann doch überrascht, aber wenn man 1+1 zusammenzählt, so ging es doch geplant in diese Richtung, nur das die Autoren ihren Leser*innen so einige Fallen gebaut haben, in die ich gerne getreten bin.
„Hörst du den Schrei?“ ist ein gelungener Auftakt für die neue Krimireihe. Ich bin schon jetzt auf den 2. Band gespannt.

Pleiten, Pech & Papa

Kristina Hortenbach
Roman
394 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Tolle Geschichte mit viel Humor

Klappentext:
Was tun, wenn der 83-jährige Vater bei einem einzieht, mitsamt seinen Excel-Dateien, Bofrost-Katalogen und jeder Menge skurriler Angewohnheiten? Genau das fragt sich Apothekerin Carmen, als ihr Vater Heinz nach einer Hochwasserkatastrophe bei ihr und ihrem Partner Frank vor der Tür steht. Prompt wirbelt Heinz ihren Alltag durcheinander und findet per Zufall seine erste Liebe wieder. Hilde, ihr Zwergpudel Sherry und Heinz vertreiben nicht nur Frank, sie haben auch ganz genaue Pläne für die Zukunft. Während Heinz sich für einen Marathon anmeldet, versucht Carmen herauszufinden, was sie eigentlich vom Leben will. Bis ein Klassentreffen ungeahnte Überraschungen bringt, auch in Sachen Liebe.

„Pleiten, Pech & Papa“ ist ein humorvoller Roman von Kristina Hortenbach.
Schon der Titel und das Cover, lassen darauf schließen, dass es sich um eine humorvolle Geschichte handelt. Beim Lesen habe ich auch oft Schmunzeln und manchmal auch laut Lachen müssen.

Heinz ist 83 Jahre und wegen einem Hochwasser muss er sein Heim verlassen. Er packt das Wichtigste zusammen und steht bei seiner Tochter Carmen und ihrem Partner vor der Tür.
Für Carmen ist die Beherbergung ihres Vaters keine leichte Aufgabe. Heinz kann nicht verstehen, wie Carmen ohne Gefrierschrank überleben kann. Gehört doch zu seinem wichtigsten Gepäck auch der Bofrost Katalog.
Diese und viele weitere skurrile und lustige Szenen finden sich im Roman.

Kristina Hortenbach hat großartige Charaktere ins Leben gerufen. Der etwas verschrobenen Heinz ist einfach köstlich. Zu seinen wichtigsten Habseligkeiten zählen außer seinen Medikamenten noch diverse Exceltabellen und er Bofrost Katalog. Jeder hat andere Prioritäten. Seine Tochter Carmen und ihr Partner sind auch gut getroffen. Carmen hat auch ihre Probleme. Hitzewallungen, Unzufriedenheit bei der Arbeit und jetzt wird sie noch mit den Ideen ihres Vaters konfrontiert.
Bei allem Humor, kann man doch spüren, wie sie sich fühlt und was für eine Aufgabe es ist ihren Vater bei sich wohnen zu haben.

Kristina Hortenbach erzählt die Geschichte mit viel Humor, aber auch mit einem wachsamen Auge auf die ältere Generation. Die Autorin setzt den Humor großartig ein, ich musste oft Schmunzeln.

Der Schreibstil von Kristina Hortenbach ist herrlich erfrischend, flüssig und gut verständlich.

„Pleiten, Pech & Papa“ ist ein toller Roman der bei den Leser*innen, die Lachmuskeln strapaziert.

Jetzt sind Sie gefragt

Rolf Dobelli
Ratgeber
320 Seiten
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Fragen die ehrlichen Antworten verlangen

Klappentext:
Ist Ihr Leben gerade sehr bewegt oder schon verdächtig ruhig? Manchmal braucht es nur die richtige Frage zur rechten Zeit, um vom Weg abzukommen, oder ihn erst zu finden. Solche Fragen stellt uns Rolf Dobelli. Wenn wir uns auf sie einlassen, wissen wir schnell, wie es um unser Glück bestellt ist. Und erkennen, wonach wir uns sehnen.

„Jetzt sind Sie gefragt“ ist ein Lebensratgeber von Rolf Dobelli.

„Jetzt sind Sie gefragt“, ist kein Buch, dass man in einem Zug einfach so weg liest. Es ist ein Buch, dass man sich immer wieder vornehmen kann und eins zwei Fragen lesen und überdenken kann.
Ja, das Buch enthält viele Fragen, die man erst einmal auf sich wirken lassen sollte und dann versuchen sollte eine ehrliche Antwort zu finden. Allein das Beschäftigen mit der Frage, die man sich wahrscheinlich nie gestellt hätte, macht etwas mit einem. Man denkt plötzlich viel mehr über sein Leben nach, wie es im Moment ist.
Man wird sein Leben nicht nach dem Lesen des Buches ändern, aber die Fragen bleiben im Gedächtnis und man hinterfragt das eine oder andere schon.

„Jetzt sind Sie gefragt“ ist kein aufregendes Buch, es ist eher leise und doch macht es etwas mit einem. Ich werde das Buch bestimmt immer wieder einmal zur Hand nehmen.

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel

Alena Schröder
Roman
328 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Eine Familiengeschichte authentisch und tiefgründig erzählt

Klappentext:
Güstrow, Mai 1945: Die 14-jährige Marlen liegt zusammengekauert in der Schublade einer Bauernkommode in einem verlassenen Forsthaus. Als sie sich endlich befreit, entdeckt sie dort eine alte, etwas unscheinbare Leinwand. Wilma, die Marlen geholfen hat sich rechtzeitig vor den russischen Soldaten zu verstecken, nimmt die junge Waise bei sich auf. Denn Wilma hat ein Geheimnis, das sie zu zerstören droht.
Berlin, 2023: Hannah Borowski ist 34 Jahre alt und alles wäre gut, wenn nicht ihre beste Freundin Rubi plötzlich ausziehen würde. Und wenn nicht plötzlich Hannahs Vater wieder aufgetaucht wäre. Und was wurde aus der wertvollen Leinwand, die einst Hannahs Großmutter gehörte und die sich wie ein roter Faden durch ihr bisheriges Leben zieht?

„Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ Alena Schröder, ist der 3. Roman, der sich mehr oder weniger mit der Familie Borowski beschäftigt.
Im 1. Band „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ hat man Hannah und ihre Großmutter Evelyn kennengelernt. Hier bekommt Evelyn einen Brief aus Israel, in dem sie als Erbin eines im Krieg geraubten Gemäldes genannt wird. Hannah macht sich daran, Nachforschungen anzustellen.
Im 2. Band „Bei euch ist es immer so unheimlich still“ lernt man Silvia, die Tochter von Evelyn kennen, die im 1. Und 3. Band schon verstorben ist. Hier wird das Leben von Dr. Evelyn Borowski erzählt und von Silvia, die sich immer ungeliebt fühlte.
Im 3. Band „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ ist nun auch Evelyn verstorben und Hannah bekommt plötzlich Besuch von ihrem Vater, den sie nicht kennt. Des Weiteren geht es zurück in die Vergangenheit und es wird die Geschichte von Marlene erzählt, die als 14-järiges Mädchen von einer Malerin adoptiert wird.

Auch dieses Buch hat wieder einen außergewöhnlichen Titel, ich musste das Buch einfach wieder in die Hand nehmen. Dazu kommt nach, dass mir die beiden anderen Bände von Alena Schröder sehr gut gefallen haben.

Es ist wieder eine Familiengeschichte, eigentlich sind es zwei Familiengeschichten, die in zwei Handlungssträngen erzählt werden. Ich weiß nicht welcher Handlungsstrang mir besser gefallen hat. In der Gegenwart habe ich mich gefreut mehr über Hannah zu erfahren und mitzuerleben, wie sie damit umgeht, plötzlich ihrem Vater gegenüberzustehen.
In der Vergangenheit hat mich die Geschichte von Marlen gefesselt. Wie sie auf Wilma trifft die sie adoptiert hat und im Malen ausgebildet hat.

Alena Schröder hat mit dieser Geschichte eine sehr schöne Fortsetzung ihrer Romanreihe veröffentlicht. Eigentlich steht jeder Roman für sich und kann auch unabhängig gelesen werden. Ich habe es aber genossen, die drei Roman nacheinander zu lesen.

Die Protagonisten sind gut in Szene gesetzt, wirkten sehr lebendig und waren mir auch schnell sympathisch.
Der Schreibstil von Alena Schröder ist unkompliziert und flüssig.
Die Sprache ist vielschichtig, je nach Charakter, Situation und Zeit wandelt sie sich von flippig bis situiert.
„Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel““ ist wieder ein ganz besonderer Roman von Alena Schröder. Eine Familiengeschichte so authentisch, tiefgründig und unterhaltsam erzählt.
On man in einem weiteren Roman noch einmal auf Hannah trifft? Ich lasse mich überraschen.

Das Unwetter

Brit Bildøen
Roman
234 Seiten
erschienen im btb Verlag
Übersetzt aus dem Norwegischen von Frank Zuber
3 von 5 Sternen

Vielen Dank an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar

Hat mich nicht richtig überzeugt

Klappentext:
Ein abgelegenes Hotel in den norwegischen Bergen: Die Goldene Hochzeit der Eltern ist für Dorte und ihre zwei Geschwister Anlass für eine mehrtägige Familienfeier Ende Oktober. Doch ein dramatischer Dauerregen drückt auf die Stimmung, ein Bergrutsch hat zudem die Straße für die Rückfahrt blockiert. Als zwei Jäger im Hotel stranden, wird die Atmosphäre immer angespannter. Was hatten die beiden Männer bei diesem Unwetter vor, womöglich eine illegale Wolfsjagd? Und warum verhält sich der gutmütige Familienhund so merkwürdig, seit er die Jäger beschnüffelt hat? Im Laufe eines einzigen Abends spitzt sich die Lage zwischen allen Beteiligten dramatisch zu

„Das Unwetter“ von Brit Bildøen ist ein Roman mit einem spannenden Plot, der mich in der Umsetzung nicht richtig überzeugen konnte.

Das Szenario ist ein abgelegenes Hotel, in dem eine Familienfeier stattfindet. Ein Unwetter und ein Bergrutsch sorgen dafür, dass alle Straßen blockiert sind. Außer der Familie sind noch zwei mysteriöse Jäger im Hotel gestrandet. Es stellt sich die Frage, was hatten die Jäger vor. Und schon spitzt sich die Lage allmählich.

Die Charaktere sind mir nicht wirklich nahegekommen und waren mir auch nicht sehr sympathisch. Die Familie kam mir sehr oberflächlich vor, vor allem Dorte hat mich etwas genervt. Sie legte den Fokus nur auf die Familienfeier und die genau nach Plan laufenden Vorbereitungen. Zwischendurch hatte sie nur Gedanken für den Hotelbesitzer.

Auch wenn der Plot spannend klang, setzte bei mir keine Spannung ein. Als der Hund der Familie vergiftet wurde, da dachte ich kurz jetzt aber. Doch außer der etwas zu langen Beschreibung des Todes passierte nichts.

„Das Unwetter“ war für mich etwas enttäuschend, vielleicht liegt es daran, dass ich die letzte Zeit viele Bücher gelesen habe, bei denen ein einsamer und abgeschnittener Ort mit einem schrecklichen Szenario verknüpft wurde.

Das mich das Buch nicht fesseln konnte ist meine persönliche Meinung. Ich bin sicher, dass die Geschichte ihre Liebhaber finden wir.

Nachtschattenspiele

Pascal Engman und Johannes Selåker
Kriminalroman
438 Seiten
erschienen im Ullstein Verlag
Übersetzt aus dem Schwedischen von Ulla Ackermann
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar

Nichts für schwache Nerven

Klappentext:
Stockholm, 1996: Ein Gefangenentransport wird überfallen und ein berüchtigter Neonazi befreit. Ermittler Tomas Wolf wird direkt von der Beerdigung seines älteren Bruders an den Tatort gerufen. Als er hört, wer entflohen ist, schnürt es ihm die Kehle zu. Die beiden teilen eine Geschichte, die tief in den Schatten der Vergangenheit verwurzelt ist. Journalistin Vera Berg, die in die Online-Redaktion strafversetzt wurde, wittert ihre Chance, um es zurück auf die Titelseiten zu schaffen. Als sie den Flüchtigen erschossen im Wald findet, wird klar: Hinter dieser Befreiung steckt mehr als alle ahnen – und im Dunkel der Nacht beginnt ein Spiel um Leben und Tod.

„Nachtschattenspiele“ ist der 3. Band der Reihe Wolf und Berg ermitteln von Pascal Engman und Johannes Selåker.

Tomas Wolf wird direkt von der Beerdigung seines Bruders, zu einem Tatort gerufen. Ein Gefangenentransport wurde überfallen und dabei ein Neonazi, der in eine andere Strafanstalt verlegt werden sollte, befreit. Tomas Wolf ist der entflohene aus seiner Vergangenheit nur allzu gut bekannt.
Auch die Journalistin Vera Berg ist wieder dabei, sie möchte mit den Schlagzeilen wieder zurück aufs Titelblatt.

Die Protagonisten gefallen mir gut. Kommissar Tomas Wolf ist eher ein tragischer Fall. Er ist traumatisiert und Tablettenabhängig. Seine Kinder liebt er abgöttisch und ich denke nur der Kinder wegen versucht er sich in den Griff zu kriegen.

Die Journalistin Vera Berg ist für ihren großen Gerechtigkeitssinn bekannt. Sie kümmert sich rührend um den Sohn ihres Exfreundes. Für ihre Beiträge recherchiert sie sorgfältig und oft etwas leichtsinnig, nicht auf ihre eigene Sicherheit bedacht.

Vera Berg und Tomas arbeite mittlerweile gut zusammen, auch wenn sie sich nicht immer sympathisch sind.

Auch die Nebenfiguren werden gut beschrieben. Genauso die Handlungsorte. Der Fall ist vom ersten Moment an spannend. Ich wurde wie durch einen Sog in die Geschichte hineingezogen und konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

Die beiden Autoren Pascal Engman und Johannes Selåker arbeiten gut zusammen. Der Krimi ist aus einem Guss.
Die Autoren lassen die Spannung sehr früh einsetzten und halten sie über das gesamte Buch.
Der Schreibstil der Autoren ist flüssig und gut verständlich. Das Tempo, in dem die Geschichte voranschreitet, ist ordentlich.

„Nachtschattenspiele“ ist ein sehr spannender Kriminalroman aus Schweden. Ich freue mich schon auf den 4. Band.

Mathilde und Marie

Torsten Woywod
Roman
332 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Redu-ein kleines Bücherdorf

Klappentext:
In Redu, einem kleinen Bücherdorf inmitten der belgischen Ardennen, wird die Zeit als Freund und nicht als Gegner empfunden: Umgeben von ausgedehnten Wäldern, rauschenden Flüssen und steilen Anhöhen gibt es hier lediglich einen Fernseher, während das Internet nur eine Stunde am Tag verfügbar ist. Dass der Kirchturm windschief in den Himmel ragt und man sein baldiges Herabstürzen befürchten muss, stört die 390 Einwohner ebenso wenig wie die gehörig aus dem Takt geratene Turmuhr.
Als die junge Französin Marie kurzentschlossen ihr Leben in Paris hinter sich lässt und zu einer Reise mit unbekanntem Ziel aufbricht, ahnt sie nicht, dass sie bald an diesem bemerkenswerten Ort ankommen wird. Im Zug begegnet sie Jónína, einer Isländerin, die Menschen mit ungewöhnlicher Klarheit zu lesen vermag und somit auch Maries Situation schnell erfasst. Sie nimmt Marie mit zu sich nach Hause, nach Redu, wo sie eine kleine Buchhandlung betreibt.

„Mathilde und Marie“ ist der Debütroman von Torsten Woywod.
Es ist eine ganz ruhige und leise Geschichte, nichts Aufregendes, doch ich bin nach wenigen Seiten ganz tief in die Geschichte eingesunken.

Der Schauplatz ist Redu. Dieses Dorf gibt es wirklich. Es ist das zweitälteste Bücherdorf der Welt und liegt in der Wallonie, in Belgien.
Das Dorf wird wunderschön beschrieben und ich weiß jetzt schon, dass ich es mir anschauen muss.

Neben dem Bücherdorf, dass unbestritten die Hauptrolle in der Geschichte spielt, sind natürlich noch Marie wichtig in der Geschichte.
Marie ist Französin und hat ihr Leben in Parias hinter sich gelassen und lässt sich treiben. Im Zug trifft Marie auf Jónína, eine junge Isländerin, die in den Menschen lesen kann. Sie spürt die Erschöpfung Maries und nimmt sie mit nach Redu, wo sie eine kleine Buchhandlung besitzt und sich die Uhren langsamer drehen.
Dort erwartet Marie ein Leben voll Ruhe und Geborgenheit und sie lernt die verschlossene und mürrische Mathilde kennen.

Torsten Woywod erzählt die Geschichte in einem ganz ruhigen Ton und in einer feinen Sprache. Die Geschichte ist geprägt von der Beschreibung des Schauplatzes Redu und durch die recht sympathischen Charaktere.
Diese führt der Autor spielend durch die Geschichte. Es ist eine Geschichte über Begegnung, Veränderung und Gemeinschaft.

Der Schreibstil von Torsten Woywod ist flüssig und gut verständlich. Der Autor versteht es mit seiner ruhigen Geschichte sich in die Herzen seiner Leser*innen zu schreiben.

„Mathilde und Marie“ ist ein wunderschöner und ruhiger Wohlfühlroman, mit einem schönen und interessanten Setting.

Die Kalimba der Zeit: Der verlorene Wald

C.F. Storms
Fantasy
148 Seiten
erschienen bei BoD – Books on Demand
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Gelungener Debütroman

Klappentext:
Der Verlorene Wald ist der Auftakt einer siebenteiligen Fantasyreihe in kompakter und lesefreundlicher Erzählweise. Phelan wächst im abgelegenen Birkesdorf auf, wo er als Kleinkind allein aufgefunden wurde. Kurz vor seinem zehnten Lebensjahr soll er in einem alten Ritual sein Tierzeichen erhalten. Doch der feierliche Moment kippt, als der Druide das Zeichen verkündet. Die Dorfbewohner reagieren mit Angst und Ablehnung, und Phelan flieht überfordert in den geheimnisvollen Verlorenen Wald. Dort begegnet er einer gesichtslosen Gestalt, die einen magischen Gegenstand bei sich trägt: die Kalimba der Zeit. Durch sie erfahrt Phelan die wahre Bedeutung seines Tierzeichens und dass sein Schicksal direkt mit dem Gleichgewicht der gesamten Welt verbunden ist.

„Die Kalimba der Zeit: Der verlorene Wald“ ist der 1. Band einer 7teiligen Fantasy-Reihe von C.F. Storms.

Im Mittelpunkt steht der 10-jährigen Phelan, ein Findelkind, dass in einem abgelegenen Dorf aufwächst. Jetzt steht er kurz davor sein Tierzeichen zu bekommen. Der Druide enthüllt das Zeichen, was Angst und Schrecken verbreitet. Daraufhin geht Phelan in den verlorenen Wald und seine Geschichte beginnt.

C.F. Storms erzählt kurz und klar die Geschichte. Der Autor fast das Wesentliche mit wenigen Worten zusammen. Keine langen Beschreibungen, nicht viele Worte die sich immer um dasselbe drehen. Dadurch ließt de Geschichte sich sehr schnell, es fehlt aber nichts, ich hatte schnell Bilder im Kopf.

Die Charaktere sind gut gezeichnet, Phelan war mir auf Anhieb sympathisch. Auch die anderen Charaktere, wie z. B. Audrey mochte ich sehr. Nicht so sympathisch war mir Faol, er hat etwas Geheimnisvolles an sich das ich nicht einschätzen kann.

Wie die gesamte Erzählung, so ist auch die Beschreibung der Handlungsorte recht kurzgehalten. Es gibt Menschen, es gibt Götter und es gibt Fabelwesen und die Magie fehlt natürlich auch nicht.

„Die Kalimba der Zeit: Der verlorene Wald“ ist ein guter Einstieg in eine mehrteilige Fantasy-Reihe. Mir hat das Lesen viel Freude bereitet.

Der Retter der Mütter

Péter Gárdos
Biografischer Roman
350 Seiten
erschienen bei Hoffmann & Campe
Übersetzt aus dem Ungarischen von Eszter Toldi
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

Ein Leben für die Mütter

Klappentext:
Ignaz Semmelweis revolutionierte die Medizin. Der junge ungarische Arzt entdeckte im 19. Jahrhundert die Grundlagen der Hygiene, womit er unzähligen Frauen in den Geburtskliniken das Leben rettete. Péter Gárdos wollte einen Film über diesen faszinierenden Mann drehen, doch dieses Unterfangen wurde ihm in seiner Heimat Ungarn untersagt. So schrieb Gárdos diesen Roman, der erstmals die faszinierende Lebensgeschichte eines genialen Mannes erzählt, der zahllosen Müttern das Leben rettete und dabei selbst wie ein Teufel bekämpft wurde. Ein einzigartiges, mitreißendes und bewegendes Buch, das eine ebenso unglaubliche wie wahre Geschichte erzählt.

„Der Retter der Mütter“ ist ein biografischer Roman über den Arzt Ignaz Semmelweis von Péter Gárdos.

Im 19. Jahrhundert sind noch viele Frauen am Kindbettfieber gestorben. Das machte sich der Arzt Ignaz Semmelweis, der später als Retter der Mütter in die Geschichte einging zur Aufgabe. Es war revolutionär, als er entdeckte, dass man mit der richtigen Hygiene viele Mütter retten kann. Nach langem untersuchen und forschen kam er dahinter, dass man mehr auf Hygiene achten muss. Von Kollegen und Krankenschwestern wurde der Arzt nicht ernst genommen und es dauerte einige Zeit, bis sich seine Ratschläge umsetzen ließen.

Péter Gárdos bring den Arzt Ignaz Semmelweis noch einmal in Erinnerung. Es ist erstaunlich, wie unaufhaltsam der Arzt nach dem Grund für die hohe Sterblichkeit der frisch entbundenen Frauen gesucht hat. Es ist kaum zu glauben wie verbohrt seine Kollegen und die Krankenschwester waren, die sich wegerten mehr auf Hygiene zu achten.

Péter Gárdos beschreibt das Leben von Ignaz Semmelweis sehr eindrucksvoll. Semmelweis hat praktisch sein Leben für die Frauen gegeben. Denn er wurde, durch den anhaltenden Kampf gegen Windmühlen psychisch krank und verstarb früh.

Man spürt bei Lesen, dass Péter Gárdos akribisch recherchiert hat. Der Schreibstil des Autos ist flüssig und gut verständlich. Die Charaktere werden gut beschrieben und sind lebendig. Auch begegnen die Leser*innen einigen historischen Persönlichkeiten, was die Geschichte um so authentischer macht.

„Der Retter der Mütter“ ist eine interessante Geschichte, die ich gerne gelesen habe.

Down Cemetery Road

Mich Herron
Kriminalroman
550 Seiten
Übersetzt aus dem Englischen von Stefanie Schäfer
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannende Krimireihe

Klappentext:
Sarah Tucker lebt in einem beschaulichen Vorort von Oxford, in der Rolle als Hausfrau gestrandet. Als jedoch nach einer Explosion in der Nachbarschaft ein Kind spurlos verschwindet, findet sie keine Ruhe mehr und holt sich Hilfe bei der Privatermittlerin Zoë Boehm. Gemeinsam bringen die beiden Frauen mehr Geheimnisse als Antworten ans Licht, Menschen, die lange für tot gehalten wurden, weilen unter den Lebenden, während sich immer mehr schnell zu den Toten gesellen. Vom ruhigen, abgründigen Pflaster Oxfords in ein Netz aus Verschwörungen von hochoffizieller Seite.

„Down Cemetery Road“, ist der 1. Band der Reihe „Zoë Boehm ermittelt in Oxford“ von Mick Herron.

Sarah Tucker lebt in Oxford. Sie ist Hausfrau und in ihrer Ehe mit Mark nicht wirklich glücklich. Nach einer Explosion in der Nachbarschaft, bei der zwei Menschen ums Leben kommen und die 4jährige Dinah geborgen werden kann, aber dann spurlos verschwindet.

Sarah, die auf ihre Fragen nach Dinah keiner Antworten bekommt, ahnt das hier etwas nicht stimmt. Sie beauftragt die Privatdetektiven Zoë Boehm, mit ihr zusammen das Kind zu suchen. Bald schon sehen sie sich eine Verschwörung gegenüber, die sie in tödliche Gefahr bringt.

Mick Herron versteht es gut, Spannung aufzubauen und sie über die gesamte Geschichte aufrechtzuhalten.
Die Charaktere sind gut gezeichnet und interessant. Sarah Tucker, die das Dasein einer gelangweilten Hausfrau fristet, ist schnell damit beschäftigt nach Dinah zu suchen. Später stößt dann noch Zoë Boehm hinzu. Die beiden Frauen als Team gefallen mir gut.

Die Handlungsorte werden gut beschrieben.
Die Geschichte schreitet in einem ordentlichen Tempo fort.
Der Schreibstil ist flüssig, gut verständlich und etwas anspruchsvoller als beide en meisten Kriminalromanen.
Mit seinem sarkastischen Humor, vor dem auch der britische Geheimdienst nicht verschont wird, lockert Mick Herron die Geschichte immer wieder auf.

„Mir hat „Down Cemetery Road“ gut gefallen und ich freue mich schon auf den 2. Band.