Eine andere Geschichte

Charles Lewinsky
Roman
413 Seiten
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine interessante Geschichte

Klappentext:
Los Angeles, 1959. Der betagte Filmproduzent Curtis Melnitz wird jede Nacht von Albträumen heimgesucht. Er braucht unbedingt Schlaftabletten, aber die bekommt er nur, wenn er regelmäßig zur Psychoanalyse geht. Auf der Couch des Psychiaters erzählt er wider Willen seine Geschichte, sein Leben zwischen Hollywood und Berlin, zwischen der noch schwarz-weißen, stummen Traumfabrik und der umso grelleren, schreienden deutschen Wirklichkeit des frühen 20. Jahrhunderts. Jede Sitzung ein Kapitel. Ein Leben wie ein Roman.

„Eine andere Geschichte“ ist der neue Roman von Charles Lewinsky.

Im Mittelpunkt steht der alternde Filmproduzent Curtis Melnitz. Kenner der Romane von Charles Lewinsky werden sagen: „Melnitz, den Roman kenne ich doch“. Ja, aber wie der Titel schon sagt, es ist eine andere Geschichte.

Curtis Melnitz wird von Albträumen geplagt, kaum eine Nacht kann er richtig schlafen. Um Schlaftabletten zu bekommen, die ihm einen geruhsamen Schlaf ermöglichen, muss er einem Psychiater seine Lebensgeschichte erzählen. Eine Geschichte zwischen zwei Welten. Zwischen der Traumfabrik des Films und dem realen Leben.

Wie von Charles Lewinsky gewohnt, hat er seine Charaktere gut gezeichnet. Ich konnte schnell eine Verbindung zu Curtis Melnitz aufbauen.
Auch der Psychiater Dr. Cowan ist ein Charakter, der die Geschichte bereichert.

Charles Lewinsky hat einen klaren und gut verständlichen Schreibstil. In seinen Geschichten ist er sehr wandelbar. Ich habe einige Bücher des Autors gelesen und war immer begeistert.

Für diese Geschichte hat sich Charles Lewinsky eine reale Person auserkoren. Curtis Melnitz hat wirklich gelebt und war unter anderem auch Filmproduzent in Hollywood.

Ich fand es sehr interessant, die Geschichte zu lesen. Besonders die Besuche bei Dr. Cowan. Die Gespräche waren gehaltvoll und oft mit Humor versehen. Melnitz hat viel aus seinem Leben in Hollywood und von der Filmwelt erzählt. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, direkt bei den Gesprächen als stiller Zuhörer dabei zu sein.

„Eine andere Geschichte“ unterscheidet sich wirklich von den Romanen, die Charles Lewinsky bisher veröffentlicht hat.
Ich habe das Buch mit Freuden gelesen.

Die Riesinnen

Ellen Sandberg
Roman
409 Seiten
erschienen im Penguin Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar

Absolutes Highlight

Klappentext:
»Mager ist sie, wie ein Kleiderhaken, zurechtgebogen zu Menschenform. Dünn und stark und langgestreckt: Keine ist größer als sie, im Dorf nicht, und auch nicht im nächsten. Dazu die Kupferwollehaare, die wütend nach dem Himmel greifen. Wer sie sieht, weiß, wer sie ist, man weiß es sofort, und sie hasst es, hasst es, hasst es. Vielleicht hätte sie es, an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit, auch lieben können, aber das geht nicht, nicht hier.«
Wittenmoos, ein kleines Dorf im Schwarzwald, ist die Heimat dreier Frauen. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Liese, die still und unerbittlich die Metzgerei führt. Cora, ihre Tochter, die Wütende, die ausbrechen wird und lernen muss, dass Heimkehr keine Niederlage ist. Und Eva, Coras Tochter, die den Wald so sehr liebt und sich dessen erst bewusst werden muss.

„Die Riesinnen“ von Hannah Häffner ist eins der schönsten Bücher, die ich je gelesen habe.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen drei Frauen aus drei Generationen, die unterschiedlich nicht sein könnten. Doch eins haben sie gemeinsam, sie sind sehr groß und dürr, sie sind die drei Riesinnen.

Es beginnt mit Lieselotte. Sie lebt im Schwarzwald, in dem kleinen Dorf Wittenmoos. Von weitem erkennt sie schon jeder, denn sie ist groß, größer als jeder andere und hat eine rote Mähne. In die Dorfgemeinschaft mag sie sich nicht einfügen.

Nach einiger Zeit wechselt die Perspektive zu Cora. Von Lieselotte wird nur noch als Mutter gesprochen. Cora führt die Dorfmetzgerei. Sie ist alles andere als still, möchte am liebsten aus der enge des Dorfs ausbrechen. Auch sie ist groß, größer als alle anderen.

Dann wechselt die Perspektive zur dritten Frau im Bund, zu Eva, der Tochter von Cora. Wie kann es anders sein, auch Eva ist sehr groß. Eva ist in ihrem Wesen wieder ganz anders. Sie sucht den Weg hinaus aus dem Dorf. Aber es zieht sie auch wieder zurück, zurück zu ihren Wurzeln.

Hannah Häffner beschreibt drei unterschiedliche Frauen, die doch viele Gemeinsamkeiten haben. Mir war jede von ihnen sympathisch.
Die Handlungsorte, das Dorf im Schwarzwald werden sehr anschaulich beschrieben. Ich hatte schnell Bilder im Kopf.
Auch die Zeit der Handlung, die mit den drei Generationen fortschreitet, wird gut eingefangen.

Hannah Häffner hat einen angenehmen und flüssigen Schreibstil. Die Sprache ändert sich mit jeder der drei Frauen. Zu Beginn, als Lieselotte im Mittelpunkt stand möchte ich die Sprache fast poetisch nennen. Die Autorin hat mit dem Wechsel der Frauen und somit der Generation auch den Ton in der Geschichte geändert. Das hat mir sehr gut gefallen.

Nach nur wenigen Seiten wurde ich wie durch einen Sog in die Geschichte katapultiert. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Ich habe mir in diesem Buch so viele schöne Sätze markiert, die ich einfach nicht vergessen möchte.

„Die Riesinnen“ ist eine absolute Leseempfehlung, bei mir wird das Buch sicher zu meinen Jahreshighlights zählen.

Upside down – Die Welt steht Kopf

N.R. Walker
Roman
350 Seiten
erschienen im Second Chances Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Nina Restemeier
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Second Chances Verlag für das Rezensionsexemplar

Absolut lesenswert

Klappentext:
Jordan O’Neill hat genug von Schubladen. Als schüchterner Bibliothekar fühlt er sich ohnehin schon oft fehl am Platz. Doch als ihm klar wird, dass das Label „asexuell“ vieles in seinem Leben erklärt, gerät seine sorgfältig sortierte Welt aus den Fugen.
Hennessy Lang weiß längst, wer er ist. Nach einer Trennung und einigen gescheiterten Beziehungen steht er offen zu seiner Asexualität und gründet in Surry Hills eine neue Selbsthilfegruppe. Dort begegnet er Jordan, der noch nach Antworten sucht und nicht weiß, wo er hingehört.
Zwischen vorsichtiger Nähe, leisen Gesprächen und großen Fragen versucht Hennessy, Jordan zu zeigen, dass sich sein Leben vielleicht nicht auf den Kopf gestellt hat, sondern endlich richtig herum steht.

„Upside down – Die Welt steht Kopf“ ist ein intelligenter und humorvoller Roman von N.R. Walker.

Im Mittelpunkt steh Jordan O’Neill, er ist Bibliothekar und sehr zurückhaltend, was seine Mitmenschen angeht. Erst als er Hennessy Lang trifft, scheint sein Leben in eine andere Bahn zu springen. Beide bezeichnen sich als asexuell und können plötzlich zusammen über das Thema reden.

N.R. Walker hat hier ein Thema aufgegriffen, über das ich in Büchern bisher noch nichts gelesen habe.
Die Geschichte ist so schön romantisch, ohne in Erotik abzudriften. Das hat mir besonders gut gefallen.
Mit viel Humor wird das Ganze immer wieder aufgelockert.

Die Charaktere werden gut beschrieben und sind lebendig. Ich mochte Jordan und auch Hennessy sehr gerne.
Es war schön ihnen zu folgen, bei den Gesprächen dabei zu sein und die Entwicklung zu erleben, die Jordan durchlebt. Denn sein Leben fühlt sich plötzlich an, wie auf den Kopf gestellt.

„Upside down – Die Welt steht Kopf“ ist ein schöner Roman über Liebe und Gefühle ohne jeglichen Spice.

Ein romantischer Tod

Andrea Bonetto
Kriminalroman
315 Seiten
erschienen im Droemer Knaur Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein Krimi mit Urlaubsflair


Klappentext:
Commissario Vito Grassi glaubt nicht an einen Unfall, als ein Wanderer nahe des Sentiero Azzurro tot aufgefunden wird. Erschlagen von den Steinen einer jahrhundertealten Mauer bei einem romantischen Picknick mit Meerblick? Ausgeschlossen, findet Grassi. Nur der Hartnäckigkeit Dottore Penzas ist es zu verdanken, dass man nach der Obduktion zweifelsfrei von einem Verbrechen ausgeht. Der Tote entpuppt sich als Ex-Polizist, der undercover den Machenschaften des skrupellosen Geschäftsmanns Nicola DiLorenzo auf der Spur war. Er soll sich in einer fragwürdigen Beziehung zu zwei Erbinnen und einem romantischen Poeten befunden haben. Doch die Ermittlungen stagnieren, nichts ergibt Sinn. Beim legendären Schwimmwettkampf Coppa Byron werden Grassi und seine Kollegin Marta Ricci schließlich Zeuge eines erneuten Mordanschlags, der ihren Fall plötzlich in neues Licht stellt.

„Ein romantischer Tod“ ist der 3.Band der Krimireihe „Ein Fall für Commissario Grassi“ von Andrea Bonetto.

Der Autor hat recht unterschiedliche Charaktere zum Leben erweckt.
Commissario Vito Grassi hatte man ja im 1. Band schon gut kennengelernt. Er hatte sich von Rom nach La Spezia versetzten lassen. Die Kinder sind erwachsen und von seiner Ehefrau, die weiterhin in Rom weilt, lebt Grassi weiterhin getrennt.
.Er lebt in einem kleinen Haus, das er von seinem Vater geerbt hat. Aber nicht nur das Haus hat er geerbt, sondern auch Toni, die Mitbewohnerin.
Ich finde Vito Grassi sehr sympathisch. Manchmal kommt er etwas grummelig rüber, aber das passt gut zu dieser Figur.

Seine Kollegin, die junge Marta Ricci ist eine engagierte Polizistin.
Vito und sie haben keinen guten Einstieg gehabt, haben sich aber gut zusammengerauft. Sie ergänzen sich und sind einfach ein gutes Team.

Dann haben wir noch Toni. Die hat Grassi praktisch mit dem Haus geerbt. Sie kümmert sich um das kleine Olivenhain das zum Haus gehört.
Am Anfang wollte Grassi Toni loswerden, jetzt haben die Beiden sich aneinander gewöhnt und mögen sich recht gerne.

In diesem Band ist Lucy, Grassis Tochter zu Besuch. Sie verbringt die Semesterferien bei ihrem Vater. Mit Toni versteht Lucy sich sehr gut um ihren Vater, der nach einem Schlag auf dem Kopf im Krankenhaus liegt, sorgt Lucy sich.

Das sind die Charaktere die, die Leser*innen durch die Krimireihe begleiten werden.

Andrea Bonetto beginnt die Geschichte in einem gemäßigten Tempo, man bekommt genug Zeit sich mit den Charakteren und der Umgebung verdaut zu machen.
Doch als der Tote auf einer Terrasse auf einem Wanderweg durch die Cinque Terre gefunden wird, legt die Geschichte an Tempo zu.

Bei der Begutachtung der Leiche bekommt Grassi einen Schlag auf den Kopf. War es ein Stein, der sich aus der maroden Trockenmauer gelöst hat, oder war es gar ein Anschlag auf den Commissario. Trotz Wunde am Kopf und Stimmungsschwankungen kann Grassi das Ermitteln nicht lassen.

Für mich lebt die Geschichte durch die Beschreibung der eindrucksvollen Landschaft. Vor einigen Jahren habe ich die Cinque Terre Dörfer besucht und hatte schnell alles wieder vor Augen. Man bekommt beim Lesen richtig Sehnsucht nach Urlaub.
Aber auch die Ermittlungen beschreibt der Autor spannend und sie nehmen ungeahnte Ausmaße an.

Andrea Bonetto erzählt die Geschichte spannend und mit einem feinen Humor.
„Ein romantischer Tod“ ist ein gelungener 3. Band der Commissario Grassi Reihe.
Ich freue mich auf viele weitere Bände.

The Mailman

Andrew Welsh-Huggins
Thriller
395 Seiten
erschienen bei Hoffmann & Campe
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Werner Löcher-Lawrence
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

Spannender Thriller mit vielen unerwarteten Wendungen

Klappentext:
Mercury Carter ist der Mailman. Er stellt Pakete zu, und er nimmt seine Arbeit ernst. Sendungen, die er ausliefert, werden grundsätzlich nur persönlich übergeben. Von dieser Regel gibt es keine Ausnahme. Auch dann nicht, wenn Carter am Zielort überraschend auf eine mörderische Bande stößt, die eine Frau als Geisel hält. Ein atemberaubender, wendungsreicher Thriller von radikaler Konsequenz, der mit jeder Seite an Tempo gewinnt und bis zum letzten Satz elektrisiert.

„The Mailman“ ist ein spannender Thriller von Andrew Welsh-Huggins.

Mercury Carter ist Zusteller für Pakete. Er nimmt seinen Job ernst und ist sehr korrekt, was die Zustellung angeht, denn Pakete, werden nur persönlich übergeben.
Jetzt geht es ein Paket an Rachel und Glenn zuzustellen. Doch das Haus von Rachel und Glenn wurde gerade von einer kriminellen Bande in Besitz genommen. Rachel wird als Geisel genommen.
Mercury Carter lässt seinen Einfallsreichtum spielen. Er muss schließlich ein Paket zustellen.

Andrew Welsh-Huggins hat mit „The Mailman“ einen außergewöhnlichen und sehr spannenden Thriller veröffentlicht.
Die Charaktere sind gut gezeichnet. Besonders sticht Mercury Carter heraus. Er hat leicht autistische Wesenszüge. Mercury ist nicht nur korrekt, sondern auch sehr einfallsreich.

Der Autor beschreibt das Szenario sehr anschaulich. Es gibt manchmal Rückblenden, in denen man Mercury besser kennenlernt.

Andrew Welsh-Huggins erzählt die Geschichte in einem rasanten Tempo, dass sich im Verlauf immer weiter steigert.
Immer wieder baut er Wendungen ein, die die Leser*innen überraschen. Auch die Spannung lässt der Autor immer weiter steigen. Ich konnte das Buch bald nicht mehr aus der Hand legen.

Der Schreibstil von Andrew Welsh-Huggins ist flüssig und gut verständlich.

„The Mailman“ ist ein Thriller, so wie ich mit Thriller wünsche.

Die Geschichte der Anna de Breuil

Helmuth Boeger
Historischer Roman
586 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Helmuth Boeger für das Rezensionsexemplar

Eine starke Frau-eine großartige Geschichte

Klappentext:
Bevor sie zur gefürchteten Mylady de Winter wird, ist sie Anna, eine begabte Novizin, gefangen zwischen Klostermauern und den Intrigen der Mächtigen. Ulm, im Jahr 1613: Die Welt steht am Abgrund des Dreißigjährigen Krieges. Die dreizehnjährige Anna de Breuil wird von ihrem Vater, einem katholischen Festungsbauer, in die Obhut des Klarissenklosters Söflingen gegeben. In der Stille der Klausur scheint ihr Weg vorgezeichnet: ein Leben im Gebet, fernab der Wirren der Welt. Doch Anna ist anders. Sie ist hochbegabt und besitzt eine Beobachtungsgabe, die den Jesuiten nicht verborgen bleibt. Was als Ausbildung zur gebildeten Nonne beginnt, entpuppt sich bald als Rekrutierung für ein tödliches Netzwerk. Der Orden erkennt in ihr das perfekte Werkzeug für die Verteidigung des Glaubens und der Krone. Ihr Weg führt sie von den staubigen Straßen der Gascogne bis in die glanzvollen, aber hasserfüllten Hallen des Louvre. In Paris wird sie Teil des geheimnisvollen „Corps Saint-Sacrement“. Zwischen Fechtunterricht, Kryptografie und der gefährlichen Nähe zum jungen König Ludwig XIII. muss Anna lernen, dass Schönheit eine Waffe und Identität nur eine Maske ist. Doch während sie für die Mächtigen spioniert und in die dunkelsten Folterkeller der Bastille blickt, stellt sie sich die alles entscheidende Frage: Wie viel von ihrer eigenen Seele muss sie opfern, um in einer Welt zu überleben, die von Männern regiert wird?

„Die Geschichte der Anna de Breuil“ von Helmuth Boeger erzählt die Vorgeschichte der Romanfigur „Mylady de Winter“ aus „Die drei Musketiere“ von Alexandre Dumas.

Viele Bücherliebhaber kennen „Die drei Musketiere“ und somit auch Mylady de Winter, aber wer war Mylady de Winter wirklich?
In diesem Roman lässt Helmuth Boeger die Romanfigur lebendig werden.

Die Hauptperson ist natürlich Anna de Breuil, die spätere Mylady de Winter.
Anna wächst als Novizin hinter Klostermauern auf. Sie ist hochbegabt, was auch die Nonnen recht schnell merken. Anna hat eine gute Beobachtungsgabe, was der Orden sich zu Nutze macht. So wird Anna im Dreißigjährigen Krieg als geheime Waffe eingesetzt.

Helmuth Boeger erzählt sie Geschichte unterhaltsam und spannend. Nach wenigen Seiten bin ich so tief in die Geschichte eingetaucht, dass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte.

Die Charaktere werden gut beschrieben. Besonders Anna de Breuil gefällt mir gut. Es ist sehr spannend ihre große Entwicklung, die sie in diesem Roman durchlebt mitzuerleben. Sie wird von der jungen Anna zu einer selbstbewussten Frau, die sich in einer Welt aus Intrigen und Macht behaupten muss.

Die Handlungsorte werden sehr anschaulich beschrieben. Egal ob Kloster oder der Königshof von Ludwig XIII, man hat schnell Bilder im Kopf.

Der Schreibstil von Helmuth Boeger ist flüssig und gut verständlich. Die Sprache passt sehr gut zu der Zeit der Handlung.

„Die Geschichte der Anna de Breuil“ ist ein spannender und interessanter Roman, den ich mit großer Freude gelesen habe.

Das Lavendelkloster

Alexander Oetker
Roman
282 Seiten
erschienen im Atlantik Verlag (Hoffman und Campe)
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

So schön kann Schweigen sein

Klappentext:
Julien, erfolgreicher Geschäftsführer und innerlich leer, zieht sich in ein abgelegenes Schweigekloster zurück. Hier in der Provence, wo nur der Sommerwind durch den Lavendel streicht, sucht er nach Versöhnung mit sich selbst und den Schatten der Vergangenheit. Inmitten der Stille begegnet er einer jungen Frau, schön, geheimnisvoll – und völlig ohne Worte entsteht zwischen den beiden etwas, das tiefer geht als Sprache: eine Liebe, geboren im Schweigen. Doch welche Chance hat diese Verbindung, wenn die Rückkehr in das alte Leben unvermeidlich ist?

„Das Lavendelkloster“ ist ein tiefgründiger Liebesroman von Alexander Oetker.
Der Autor ist eher von seinen Kriminalromanen bekannt, dieses Genre beherrscht er aber auch perfekt.

Im Mittelpunkt stehen Julien und Emma. Sie begegnen sich im Kloster, wo sie beide an einem Schweigeseminar teilnehmen. Während ihres Aufenthalts kommen sich Julien und Emma trotz Schweigen sehr nahe.

Jetzt könnt man denken, Schweigekloster, dass ist ein sehr ruhiges Buch. Weit gefehlt, man kommt den Charakteren sehr nahe. Man kann ihre Gefühle und Gedanken lesen.

Alexander beschreibt die Woche im Schweigekloster sehr intensiv. Die Sonne, der Duft des Lavendels und die Stille geben ein eindrucksvolles Bild.

Die Charaktere werden gut beschrieben. Mir waren Julien und Emma schnell sympathisch. Man konnte ihre Gefühle richtig spüren. Natürlich gab es auch andere Teilnehmer, die begegnen den Leser*innen aber nur bei den Mahlzeiten und auch mal abends am Kamin. Sie werden nur kurz umrissen.
Am Ende der Geschichte ist aber jedem Teilnehmer, jeder Teilnehmerin noch ein kurzes Kapitel gewidmet, in dem man sie und ihre Beweggründe ins Schweigekloster zu gehen kennenlernt. Das hat mir gut gefallen, schließlich hat man auch sie eine Woche begleitet.

Der Schreibstil von Alexander Oetker ist wie immer flüssig und gut verständlich.

„Das Lavendelkloster“ ist ein außergewöhnlicher Liebesroman, den ich mit Freude gelesen habe.

Die Geheinisse des Waldes

Lukas Waldner
Kinderbuch empfohlen ab 8 Jahre
96 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Die Natur auf anschauliche Art entdecken

„Geheimnisse des Waldes“ von Lukas Waldner ist ein Buch für Kinder von 8-12 Jahren.

Bäume, Pflanzen und Tiere, die im Wald zu finden sind, werden in diesem Buch altersgerecht erklärt.
Das Buch ist in 9 Kapitel aufgeteilt.
Kapitel 1 ist eine Einführung, die folgenden Kapitel sind dann den Säugetieren des Waldes, den Vögel, Bäumen und Sträuchern, Pflanzen und Pilzen, kleinen Waldbewohnern und den Jahreszeiten im Wald gewidmet.

Jedes Kapitel für sich vermittelt einiges an Wissen. So lernen Kinder auf leichte Weise das Ökosystem des Waldes kennen. Am Ende der Kapitel gibt es immer ein paar Wissensfragen.
Im letzte Kapitel findet man dann noch einen Quiz, bei dem Kinder bestimmt viel Spaß haben und ihr Wissen prüfen können.
Die Lösungen der Quizfragen findet man dann im Anschluss.

Lukas Waldner hat das Buch liebevoll gestaltet. Die Illustrationen sind sehr ansprechend.
Die Beschreibungen in dem einzelnen Kapitel sind kindgerecht und interessant.

Nachdem Kind sich mit diesem Buch beschäftigt haben, macht es großen Spaß in den Wald zu gehen und selbst einiges zu entdecken. Am Ende des Buchs befinden sich noch Seiten, in denen die Kinder ihre Entdeckungen festhalten können.

„Geheimnisse des Waldes“ ist das perfekte Buch für Kinder, um den Wald mit anderen Augen zu sehen.

Fünf Fremde

Romy Fölck
Thriller
380 Seiten
erschienen bei Bastei Lübbe
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Ein dunkles Geheimnis kommt ans Licht

Klappentext:
Die Wellen peitschen gegen die Fähre, als fünf Passagiere an einem stürmischen Oktobertag die Insel Neuwerk in der Nordsee erreichen. Für vier von ihnen ist es die Rückkehr an einen Ort, der dunkle Erinnerungen wachruft. An einen Sommer vor dreißig Jahren, in dem zwei Teenager spurlos aus dem Schullandheim verschwanden. Auch damals waren die vier auf Neuwerk und eine Frage hat sie seither nie mehr losgelassen: Was geschah in jenem verhängnisvollen Sommer wirklich? Als ein Orkan aufzieht und niemand die Insel verlassen kann, drängen lang gehütete Geheimnisse an die Oberfläche. Denn es gibt jemanden, der die Antwort kennt. Und der nicht eher ruht, bis eine alte Schuld endlich gesühnt wird.

„Fünf Fremde“ von Romy Fölck ist ein spannender Thriller über ein dunkles Geheimnis.

Die Autorin entführt ihre Leser*innen auf die Nordseeinsel Neuwerk. Ich muss zugeben, von der Insel noch nie gehört zu haben. Sie hat allerdings auch nur 20-30 Einwohner.

Für fünf Passagiere auf der Fähre nach Neuwerk, die sich offensichtlich fremd sind, werden dunkle Erinnerungen wieder hochkommen.

Im Mittelpunkt stehen die 5 Personen:
Annika Lundt ist Kriminalkommissarin. Sie ist auf der Insel geboren und kommt für einige Zeit zurück um sich um ihre demenzkranke Mutter zu kümmern.

Charlotte Hahnel ist Nonne. Sie kommt auf die Insel, um eine alte Freundin zu besuchen.

Sinje Bianchi ist Journalistin und kommt extra aus Rom auf die Insel. Sie will mehr über den 30 Jahre zurückliegenden Fall recherchieren, bei dem ein Junge verschwunden ist und bis heute nicht mehr aufgetaucht ist.

Mats Nielsson ist Meeresbiologe und Sturmjäger. Er kommt auf die Insel. Weil ein lebensbedrohlicher Sturm angekündigt wurde. Aber nicht nur das Wetter wird bedrohlich.

Michelle Welm wird in der nächsten Saison als Vogelwartin auf der Nachbarinsel Scharhörn arbeiten. Sie möchte die jetzige Vogelwartin treffen, um einiges über die Arbeit zu erfahren. Doch die taucht nicht auf.

Von den fünf Fremden, haben vier eine gemeinsame Vergangenheit, die langsam ans Licht kommt.

Romy Fölck baut schon gleich am Anfang Spannung auf, als ein Passagier auf der Fähre über Bord geht.

Die Leser*innen lernen die Charaktere nach und nach kennen. Sie bekommen ihre Beweggründe vermittelt, warum sie wirklich auf der Insel sind.

Romy Fölck erzählt die Geschichte aus wechselnden Perspektiven, das macht die Geschichte sehr interessant und spannend. Nach und nach werden Geheimnisse gelüftet, die die Personen mit sich herumtragen. Und die dunklen Erinnerungen.

Die Charaktere sind von der Autorin gut gezeichnet. Ich konnte mich schnell in jeden einzelnen einfühlen.

Das Leben auf der einsamen Insel Neuwerk wird gut beschrieben. Im Sommer kommen viele Touristen, aber nach der Saison muss das Leben dort sehr einsam sein.

Romy Fölck, von der ich schon viele Bücher gelesen habe, hat einen flüssigem und gut verständlichen Schreibstil. Den Handlungsort beschreibt die Autorin anschaulich. Eine Skizze im Buch zeigt auch genau auf, wo sich die Charaktere immer befinden.

„Fünf Fremde“ ist ein spannender Thriller, den ich mit großer Freude gelesen habe.

Die Stockholm Protokolle

Moa Berglöf und Joakim Zander
Thriller
440 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Übersetzt aus dem Schwedischen von Thomas Altefrohne
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Pageturner

Klappentext:
Die Stockholmer Investigativjournalistin Julia verfolgt eine heiße Spur: Alles deutet darauf hin, dass der charismatische, beliebte Ministerpräsident Schwedens auch dunkle Seiten hat. Der nach außen liebende Familienvater scheint einen Hang zu exzessiven Partys zu haben, die auf Missbrauch schließen lassen. Und er pflegt politische Netzwerke, die einen Rechtsruck bedeuten könnten. Als Julia von ihrem Chefredakteur kaltgestellt wird, ahnt sie, wie hochbrisant die Sache ist. Erst recht als ihr politisch unerfahrener Ehemann, Windkraft-Experte Alfred, plötzlich zum Pressesprecher des Ministerpräsidenten ernannt wird. Julia kann Alfred nicht sagen, was sie sofort vermutet: Dieser Job wurde ihm nur angeboten, um sie endgültig zum Schweigen zu bringen. Trotzdem beschließt sie, weiter zu ermitteln.
Währenddessen schlägt sich Alfred erstaunlich gut im Polit-Dschungel. Doch in den Korridoren der Macht stößt er auf Betrug und Geheimnisse. Er beginnt nachzuforschen und stellt fest, dass die schmutzigen Geschäfte weit über die Mauern des schwedischen Regierungssitzes Rosenbad hinausreichen.

„Die Stockholm Protokolle“ ist ein spannender Polit-Thriller von Moa Berglöf und Joakim Zander.

Die Investigativjournalistin Julia ist einem Skandal auf der Spur, der den Ministerpräsiden in sehr schlechtes Licht stellen würde. Kurzerhand wird sie von ihrem Chefredakteur ins Abseits gestellt. Dafür bekommt Julias Ehemann Alfred den Job des Pressesprechers des Ministerpräsidenten. Jetzt ist Julia erst recht zum Schweigen verurteilt. Aber auch Alfred bleiben die Geheimnisse und der Betrug nicht verborgen.

Moa Berglöf und Joakim Zander ist hier ein wahrer Pageturner gelungen.
Es wird ein Szenario dargestellt, dass voller Betrug und Missbrauch ist. Der Ministerpräsident ist ein Wolf im Schafspelz. Nach außen hin beliebt und fürsorglicher Familienvater.
Was hinter der Fassade steckt, erfahre die Leser*innen nach und nach.

Der Plot ist intelligent konzipiert. Mit Spannung habe ich die Machtspiele verfolgt.
Die Geschichte wird in einem ruhigen Ton erzählt, aber die Spannung lässt aber nicht lange auf sich warten.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig. Nicht alle sind sympathisch.

Der Schreibstil des Autoren Duos ist flüssig und gut verständlich, vor allem ist es aus einem Guss, die Leserinnen spüren nicht, dass zwei Autorinnen an der Geschichte gearbeitet haben.

„Die Stockholm Protokolle“ ist ein echter Pageturner, den ich gerne gelesen habe.