Jetzt beginnt das Leben

Alex Schulman
Roman
346 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Übersetzt aus dem Schwedischen von Hanna Granz
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Telefonat mit der Vergangenheit

Zum Inhalt:
Die Geschichte beginnt mit einer persönlichen Krise. Vidar ist Lehrer und wird nach einem Vorfall vom Schuldienst suspendiert.
In einem alten Notizbuch seiner Eltern stößt Vidar auf die Festnetznummer des längst aufgegebenen Sommerhauses der Familie. Kurzentschlossen wählt er die Nummer und hat plötzlich seinen verstorbenen Vater am Telefon.
Schnell wird Vidar klar, er ist mit dem 17. Juni 1986 verbunden. Ein Tag, der Auswirkungen Vidar muss wissen, was genau an diesem Tag passiert ist. Immer wieder wählt er die Telefonnummer und wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert.

„Jetzt beginnt das Leben“ von Alex Schulmann ist ein Roman, der zurück in die Kindheit führt.

Alex Schulman zeichnet psychologisch scharfe und komplexe Charaktere.
Vidar ist ein Mann, der von innerer Wut und Verdrängung aufgezehrt wird.
Seine Besessenheit von den Telefonaten spiegelt die verzweifelte Suche nach dem Moment wider, in dem sein Leben die falsche Abbiegung genommen hat.
Vidar als Kind wird verletzlich und feinfühlig dargestellt.
Die Mutter wechselt zwischen mütterlicher Zärtlichkeit und emotionaler Härte.

Der Schreibstil von Alex Schulman ist klar und schnörkellos. Die Sätze sind präzise und treffen manchmal direkt ins Herz.
Das Wechselspiel der Gegenwart und dem minutiösen Rekonstruieren des 17. Juni 1986 per Telefon ist ein Geniestreich.

Die Handlungsorte spiegeln den seelischen Zustand von Vidar wider.
In der Gegenwart ist es das graue Stockholm. In der Vergangenheit das schwedische Sommerhaus an einem idyllischen Ort.

Alex Schulman erzeugt in seinem Roman eine melancholische Stimmung.
Die Telefonate erzeugen Spannung. Beim Lesen wartet man schon auf das nächste Gespräch, auf das Tuten in der Leitung, das Knarzen eines Stuhls auf dem Holzboden.

„Jetzt beginnt das Leben“ ist ein tief berührender Roman, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat.

Die Stockholm Protokolle

Moa Berglöf und Joakim Zander
Thriller
440 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Übersetzt aus dem Schwedischen von Thomas Altefrohne
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Pageturner

Klappentext:
Die Stockholmer Investigativjournalistin Julia verfolgt eine heiße Spur: Alles deutet darauf hin, dass der charismatische, beliebte Ministerpräsident Schwedens auch dunkle Seiten hat. Der nach außen liebende Familienvater scheint einen Hang zu exzessiven Partys zu haben, die auf Missbrauch schließen lassen. Und er pflegt politische Netzwerke, die einen Rechtsruck bedeuten könnten. Als Julia von ihrem Chefredakteur kaltgestellt wird, ahnt sie, wie hochbrisant die Sache ist. Erst recht als ihr politisch unerfahrener Ehemann, Windkraft-Experte Alfred, plötzlich zum Pressesprecher des Ministerpräsidenten ernannt wird. Julia kann Alfred nicht sagen, was sie sofort vermutet: Dieser Job wurde ihm nur angeboten, um sie endgültig zum Schweigen zu bringen. Trotzdem beschließt sie, weiter zu ermitteln.
Währenddessen schlägt sich Alfred erstaunlich gut im Polit-Dschungel. Doch in den Korridoren der Macht stößt er auf Betrug und Geheimnisse. Er beginnt nachzuforschen und stellt fest, dass die schmutzigen Geschäfte weit über die Mauern des schwedischen Regierungssitzes Rosenbad hinausreichen.

„Die Stockholm Protokolle“ ist ein spannender Polit-Thriller von Moa Berglöf und Joakim Zander.

Die Investigativjournalistin Julia ist einem Skandal auf der Spur, der den Ministerpräsiden in sehr schlechtes Licht stellen würde. Kurzerhand wird sie von ihrem Chefredakteur ins Abseits gestellt. Dafür bekommt Julias Ehemann Alfred den Job des Pressesprechers des Ministerpräsidenten. Jetzt ist Julia erst recht zum Schweigen verurteilt. Aber auch Alfred bleiben die Geheimnisse und der Betrug nicht verborgen.

Moa Berglöf und Joakim Zander ist hier ein wahrer Pageturner gelungen.
Es wird ein Szenario dargestellt, dass voller Betrug und Missbrauch ist. Der Ministerpräsident ist ein Wolf im Schafspelz. Nach außen hin beliebt und fürsorglicher Familienvater.
Was hinter der Fassade steckt, erfahre die Leser*innen nach und nach.

Der Plot ist intelligent konzipiert. Mit Spannung habe ich die Machtspiele verfolgt.
Die Geschichte wird in einem ruhigen Ton erzählt, aber die Spannung lässt aber nicht lange auf sich warten.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig. Nicht alle sind sympathisch.

Der Schreibstil des Autoren Duos ist flüssig und gut verständlich, vor allem ist es aus einem Guss, die Leserinnen spüren nicht, dass zwei Autorinnen an der Geschichte gearbeitet haben.

„Die Stockholm Protokolle“ ist ein echter Pageturner, den ich gerne gelesen habe.