The Mailman

Andrew Welsh-Huggins
Thriller
395 Seiten
erschienen bei Hoffmann & Campe
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Werner Löcher-Lawrence
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

Spannender Thriller mit vielen unerwarteten Wendungen

Klappentext:
Mercury Carter ist der Mailman. Er stellt Pakete zu, und er nimmt seine Arbeit ernst. Sendungen, die er ausliefert, werden grundsätzlich nur persönlich übergeben. Von dieser Regel gibt es keine Ausnahme. Auch dann nicht, wenn Carter am Zielort überraschend auf eine mörderische Bande stößt, die eine Frau als Geisel hält. Ein atemberaubender, wendungsreicher Thriller von radikaler Konsequenz, der mit jeder Seite an Tempo gewinnt und bis zum letzten Satz elektrisiert.

„The Mailman“ ist ein spannender Thriller von Andrew Welsh-Huggins.

Mercury Carter ist Zusteller für Pakete. Er nimmt seinen Job ernst und ist sehr korrekt, was die Zustellung angeht, denn Pakete, werden nur persönlich übergeben.
Jetzt geht es ein Paket an Rachel und Glenn zuzustellen. Doch das Haus von Rachel und Glenn wurde gerade von einer kriminellen Bande in Besitz genommen. Rachel wird als Geisel genommen.
Mercury Carter lässt seinen Einfallsreichtum spielen. Er muss schließlich ein Paket zustellen.

Andrew Welsh-Huggins hat mit „The Mailman“ einen außergewöhnlichen und sehr spannenden Thriller veröffentlicht.
Die Charaktere sind gut gezeichnet. Besonders sticht Mercury Carter heraus. Er hat leicht autistische Wesenszüge. Mercury ist nicht nur korrekt, sondern auch sehr einfallsreich.

Der Autor beschreibt das Szenario sehr anschaulich. Es gibt manchmal Rückblenden, in denen man Mercury besser kennenlernt.

Andrew Welsh-Huggins erzählt die Geschichte in einem rasanten Tempo, dass sich im Verlauf immer weiter steigert.
Immer wieder baut er Wendungen ein, die die Leser*innen überraschen. Auch die Spannung lässt der Autor immer weiter steigen. Ich konnte das Buch bald nicht mehr aus der Hand legen.

Der Schreibstil von Andrew Welsh-Huggins ist flüssig und gut verständlich.

„The Mailman“ ist ein Thriller, so wie ich mit Thriller wünsche.

Das Lavendelkloster

Alexander Oetker
Roman
282 Seiten
erschienen im Atlantik Verlag (Hoffman und Campe)
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

So schön kann Schweigen sein

Klappentext:
Julien, erfolgreicher Geschäftsführer und innerlich leer, zieht sich in ein abgelegenes Schweigekloster zurück. Hier in der Provence, wo nur der Sommerwind durch den Lavendel streicht, sucht er nach Versöhnung mit sich selbst und den Schatten der Vergangenheit. Inmitten der Stille begegnet er einer jungen Frau, schön, geheimnisvoll – und völlig ohne Worte entsteht zwischen den beiden etwas, das tiefer geht als Sprache: eine Liebe, geboren im Schweigen. Doch welche Chance hat diese Verbindung, wenn die Rückkehr in das alte Leben unvermeidlich ist?

„Das Lavendelkloster“ ist ein tiefgründiger Liebesroman von Alexander Oetker.
Der Autor ist eher von seinen Kriminalromanen bekannt, dieses Genre beherrscht er aber auch perfekt.

Im Mittelpunkt stehen Julien und Emma. Sie begegnen sich im Kloster, wo sie beide an einem Schweigeseminar teilnehmen. Während ihres Aufenthalts kommen sich Julien und Emma trotz Schweigen sehr nahe.

Jetzt könnt man denken, Schweigekloster, dass ist ein sehr ruhiges Buch. Weit gefehlt, man kommt den Charakteren sehr nahe. Man kann ihre Gefühle und Gedanken lesen.

Alexander beschreibt die Woche im Schweigekloster sehr intensiv. Die Sonne, der Duft des Lavendels und die Stille geben ein eindrucksvolles Bild.

Die Charaktere werden gut beschrieben. Mir waren Julien und Emma schnell sympathisch. Man konnte ihre Gefühle richtig spüren. Natürlich gab es auch andere Teilnehmer, die begegnen den Leser*innen aber nur bei den Mahlzeiten und auch mal abends am Kamin. Sie werden nur kurz umrissen.
Am Ende der Geschichte ist aber jedem Teilnehmer, jeder Teilnehmerin noch ein kurzes Kapitel gewidmet, in dem man sie und ihre Beweggründe ins Schweigekloster zu gehen kennenlernt. Das hat mir gut gefallen, schließlich hat man auch sie eine Woche begleitet.

Der Schreibstil von Alexander Oetker ist wie immer flüssig und gut verständlich.

„Das Lavendelkloster“ ist ein außergewöhnlicher Liebesroman, den ich mit Freude gelesen habe.

Strandgut

Alexander Oetker
Kriminalroman
310 Seiten
erschienen bei Hoffman und Campe
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

Luc Verlain ermittelt im Nudistencamp

Klappentext:
Am Strand des Feriendorfs Euronat, Europas größtem Nudistencamp an der französischen Atlantikküste, wird mitten in der Hauptsaison ein junger Politiker tot aufgefunden, nackt, ermordet. Erst kurz zuvor hatte er angekündigt, das traditionsreiche Camp schließen zu wollen. Während die Gemeinschaft der Camper leidenschaftlich gegen das drohende Ende ihres Freiheitsraums protestiert, nimmt Kommissar Luc Verlain die Ermittlungen in ungewohnt freizügiger Umgebung auf, und stößt auf ein Geflecht aus politischem Kalkül, gesellschaftlichen Spannungen und einem persönlichen Geheimnis, das tödlich endete. Ein hitziger Fall, der mit einem einzigartigen, faszinierenden Setting überrascht – Luc Verlains wohl ungewöhnlichster Einsatz.

„Strandgut“ ist mittlerweile schon der 10. Aquitaine Krimi von Alexander Oetker.

Luc Verlain der smarte Kommissar ist mir schon seit dem ersten Band sympathisch.
Auf sein Töchterchen Aurélie ist er sehr stolz, sie ist ein wahrer Sonnenschein. Luc’s Partnerin Anouk ist mittlerweile Leiterin der Police national in Bordeaux und somit Luc’s Chefin. Die kleine Aurélie ist, während Anouk und Luc arbeiten bei Luc’s Vater gut aufgehoben.

Das Feriendorfs Euronat ist ein Nudistencamp an der französischen Atlantikküste und der Bürgermeisterin Anne Dujardin ein Dorn im Auge. Viele Anhänger der freien Körperkultur haben sich hier niedergelassen, darunter auch viele Deutsche. Es gibt nicht nur den großen Campingplatz, viele haben sich auch aufwendigere Häuser gebaut. Nur leider ist das Land von der Gemeinde nur gepachtet, für 99 Jahre, dann fällt es an die Gemeinde zurück. Die Bürgermeisterin, will den Pachtvertrag allerdings aufkündigen, was zu viel Umut führt. Der junge, erfolgreiche Politiker, der neben ihr auf der Bühne stand und sie in ihrem Vorhaben zu unterstützen scheint wird kurz nach der Verkündung im Camp tot aufgefunden, natürlich nackt.
Luc Verlain nimmt die Ermittlungen auf, an seiner Seite seine Partnerin Anouk.

Alexander Oetker beschreibt wie immer die Handlungsorte sehr anschaulich. Die malerischen Orte werden immer gut beschrieben. So auch das Feriendorfs Euronat. Es ist ein richtiger kleine Ortsteil, mit Campingplatz, Häusern, Restaurants und Geschäften. Nur das hier die Menschen einfach nackt durch die Straßen laufen. Für Luc ist das eine verzwickte Situation, er muss sich erst einmal an den Anblick der nackten Menschen, die ihm bei Befragungen gegenüberstehen gewöhnen.

Natürlich fehlt auch die Kulinarik nicht. Den auch während der Ermittlungen muss Luc und sein Team essen und trinken.

Die Charaktere sind wieder gut gezeichnet und einige ja schon aus den vorherigen Bänden bekannt. So treffen die Leser*innen auch Rose Schillinger wieder, die man im letzten Band kennenlernt hatte.

Alexander Oetker erzeugt recht schnell Spannung, die sich im Laufe der Geschichte immer weiter steigert. Der Schreibstil von Alexander Oetker ist flüssig, leicht verständlich und fesselnd.
Die kurzen Kapitel verleiden dazu immer weiterzulesen.

„Strandgut“ ist wieder einmal ein richtig guter und spannender Krimi.
Ich freue mich jetzt schon auf den 11. Band, „Silberküste“ der im September 2026 erscheinen soll.

Der Retter der Mütter

Péter Gárdos
Biografischer Roman
350 Seiten
erschienen bei Hoffmann & Campe
Übersetzt aus dem Ungarischen von Eszter Toldi
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

Ein Leben für die Mütter

Klappentext:
Ignaz Semmelweis revolutionierte die Medizin. Der junge ungarische Arzt entdeckte im 19. Jahrhundert die Grundlagen der Hygiene, womit er unzähligen Frauen in den Geburtskliniken das Leben rettete. Péter Gárdos wollte einen Film über diesen faszinierenden Mann drehen, doch dieses Unterfangen wurde ihm in seiner Heimat Ungarn untersagt. So schrieb Gárdos diesen Roman, der erstmals die faszinierende Lebensgeschichte eines genialen Mannes erzählt, der zahllosen Müttern das Leben rettete und dabei selbst wie ein Teufel bekämpft wurde. Ein einzigartiges, mitreißendes und bewegendes Buch, das eine ebenso unglaubliche wie wahre Geschichte erzählt.

„Der Retter der Mütter“ ist ein biografischer Roman über den Arzt Ignaz Semmelweis von Péter Gárdos.

Im 19. Jahrhundert sind noch viele Frauen am Kindbettfieber gestorben. Das machte sich der Arzt Ignaz Semmelweis, der später als Retter der Mütter in die Geschichte einging zur Aufgabe. Es war revolutionär, als er entdeckte, dass man mit der richtigen Hygiene viele Mütter retten kann. Nach langem untersuchen und forschen kam er dahinter, dass man mehr auf Hygiene achten muss. Von Kollegen und Krankenschwestern wurde der Arzt nicht ernst genommen und es dauerte einige Zeit, bis sich seine Ratschläge umsetzen ließen.

Péter Gárdos bring den Arzt Ignaz Semmelweis noch einmal in Erinnerung. Es ist erstaunlich, wie unaufhaltsam der Arzt nach dem Grund für die hohe Sterblichkeit der frisch entbundenen Frauen gesucht hat. Es ist kaum zu glauben wie verbohrt seine Kollegen und die Krankenschwester waren, die sich wegerten mehr auf Hygiene zu achten.

Péter Gárdos beschreibt das Leben von Ignaz Semmelweis sehr eindrucksvoll. Semmelweis hat praktisch sein Leben für die Frauen gegeben. Denn er wurde, durch den anhaltenden Kampf gegen Windmühlen psychisch krank und verstarb früh.

Man spürt bei Lesen, dass Péter Gárdos akribisch recherchiert hat. Der Schreibstil des Autos ist flüssig und gut verständlich. Die Charaktere werden gut beschrieben und sind lebendig. Auch begegnen die Leser*innen einigen historischen Persönlichkeiten, was die Geschichte um so authentischer macht.

„Der Retter der Mütter“ ist eine interessante Geschichte, die ich gerne gelesen habe.

Kleopatra

Saara El-Arifi
Historischer Roman
420 Seiten
erschienen bei Hoffmann & Campe
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Volker Oldenburg
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

Eine Königin spricht

Klappentext:
Dieser atemberaubende Roman erzählt das Leben der ehemals mächtigsten Frau der Welt: Kleopatra, die letzte altägyptische Königin, war eine Pharaonin, Ehefrau, Mutter – und eine Herrscherin mit unermesslicher Macht. Ihr Tod ist legendenumwoben, ihr Leben sagenhaft. Mit gerade einmal 19 Jahren besteigt sie nach dem Tod ihres Vaters den Thron eines Weltreichs, nicht ahnend, welche ungeheuerlichen Herausforderungen von diesem Moment an ihr Leben bestimmen sollten.
Bestsellerautorin Saara El-Arifi erzählt das Leben der Kleopatra jetzt erstmals aus ihrer eigenen Sicht: ein einzigartiges Leseabenteuer und ein Manifest von Macht, Liebe und dem unbezwingbaren Geist einer wahren Königin, die sich den Zwängen ihrer Zeit widersetzte.

„Kleopatra“ von Saara El-Arifi ist ein außergewöhnlicher Roman, der mir sehr gut gefallen hat.

Kleopatra, wohl eine der bekanntesten und mit Mythen behaftete Frau aus dem alten Ägypten.
Saara El-Arifi verleiht ihr in ihrem Roman eine Stimme. Die Geschichte ist in der Ich-Perspektive aus Sicht von Kleopatra geschrieben. Ich habe mich beim Lesen Kleopatra nahe gefühlt. Mir hat besonders gefallen, dass die Leser*innen von Kleopatra direkt angesprochen wurden. Sie hat offen einige Überlieferungen bemängelt. Ob Bilder oder Überlieferungen in geschriebener Form, Kleopatra bemängelt und stellt richtig, was ihrer Meinung nach falsch überliefert wurde.

Saara El-Arifi beschreibt Kleopatra sehr gut und auch ihre Beziehung zu Caesar und später zu Marcus Antonius und auch die Geburt und die Liebe zu ihren Kindern werden gut erzählt.
Kleopatra war eine Königin die lange umstritten war. Dazu haben auch ihre Schwester und ihr Bruder beigetragen, die ihr den Thron streitig machen wollten.

Natürlich musste auch Saara El-Arifi sich an die alten Überlieferungen halten. Die Autorin hat genau recherchiert und das für sie wahrscheinlichste Bild von Kleopatra in diesem Roman gezeichnet.

Der Schreibstil von Saara El-Arifi ist flüssig und gut verständlich. Sie hat mich mit ihren Worten in den Bann gezogen. Ich konnte das Buch schon nach wenigen Seiten nicht mehr aus der Hand legen.
Mit diesem Buch habe ich eine neue Autorin für mich entdeckt.

Sieben Jahre

Tanja Kinkel
Historischer Roman
834 Seiten
erschienen im Hoffmann und Campe Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

Der siebenjährige Krieg

Klappentext:
1756: Friedrich II. von Preußen steht im Zenit seiner Macht, bis es seiner Erzfeindin Maria Theresia gelingt, das junge Königreich Preußen nahezu vollständig zu isolieren. Der König geht zum Angriff über. Sein Feldzug, der als Siebenjähriger Krieg in die Geschichte eingehen wird, verlangt auch seiner Familie alles ab: Während sein Bruder und Thronfolger Wilhelm unter dem Druck zerbricht, erweist sich der bisher als leichtfüßig verrufene Heinrich als brillanter Stratege, gleichzeitig Friedrichs schärfster Kritiker und wichtigste Stütze, und seine Schwester Amalie schickt sich an, auf unerhörte Weise eigene Wege zu gehen. Im Inferno von Krieg und Familiendrama steht ausgerechnet der rechtelose schwarze Pagen Hannibal an ihrer Seite, der gleichzeitig voller Mut für eine eigene bessere Zukunft kämpft.

„Sieben Jahre“ von Tanja Kinkel, ist ein Roman über den Siebenjährigen Krieg, gleichzeitig ist es auch eine Familiengeschichte.

Das Buch ist, mit dem Farbschnitt, wunderschön gestaltet. Es macht Freude, es in der Hand zu halten.

Nachdem, Friedrich der II Schlesien eingenommen hat, nimmt Maria Theresia Rache und isoliert Preußen. Der siebenjährige Krieg beginnt. Beide Länder haben mit herben Verlusten zu kämpfen.
Unter diesem Krieg leidet auch die Familie von Friedrich der II, besonders der Bruder und Thronfolger Wilhelm hält dem Druck des Krieges nicht stand. Auch die Schwestern Wilhelmine und Amalie haben ihre eigenen Rollen in der Geschichte.

Tanja Kinkel erzählt dieses umfangreiche Werk auf eine interessante und unterhaltsame Weise.
Der Geschichte steht ein Personenregister voran, das besonders bei der königlichen Familie hilfreich ist und zeigt, wie die einzelnen Personen zueinander stehen.

Man spürt, dass Tanja Kinkel für diese Geschichte akribisch recherchiert hat. Die Autorin erzählt sehr detailliert und vermittelt ihren Leser*innen die politischen Begebenheiten, die verzwickt waren, recht deutlich.
Auch das Leben der königlichen Familie wird sehr realistisch wiedergegeben.
Tanja Kinkel konnte aus Briefen, die aus der Zeit überliefert sind, einiges an originalen Dialogen in die Geschichte einfließen lassen.
Die Charaktere sind realistisch und lebendig. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich. Die wechselnden Perspektiven sorgen für genug Abwechslung, so dass man das Werk, das über 800 Seiten lang ist, doch flüssig und schnell lesen kann.

„Sieben Jahre“ ist ein interessanter historischer Roman, der ein Stück Zeitgeschichte auf unterhaltsame Weise erzählt.

Der Rache Glanz

Maud Ventura
Roman
439 Seiten
erschienen bei Hoffmann & Campe
Übersetzt aus dem Französischen von Michaela Meßner
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

Hauptsache berühmt

Klappentext:
Cléo weiß schon früh, dass sie den fürchterlich durchschnittlichen Verhältnissen, in denen sie aufwächst, entkommen will. Spätestens als sie bei einer banalen Modenschau von einer Mitschülerin ausgestochen wird, reift in ihr die Erkenntnis, dass sie sich rächen muss. Ihre Vendetta heißt: Berühmt werden. Als Popsängerin. Unerbittlich arbeitet Cléo jahrelang an ihrem Timbre, ihren Lyrics, ihrem Charisma, überhaupt an ihrer Außenwirkung bis ins winzigste Detail. Immer obsessiver verfolgt sie ihr einziges Ziel, geht dabei immer strenger mit sich selbst ins Gericht. Und während sie dem Weltruhm näher kommt, steigt der Preis dafür ins Unermessliche.

„Der Rache Glanz“ von Maud Ventura, erzählt den Weg, den Cléo gehen muss, um berühmt zu werden.

Schon als Kind stand für Cléo fest, sie wird einmal eine berühmte Popsängerin. Die Stimme dazu hat sie, alles andere lässt sich erlernen. Bald schon kann sie perfekt Gitarre und Klavier spielen. Mit dem Schreiben ihre Songs hat sie Schwierigkeiten. Da will nichts Richtiges zustande kommen. Doch nach einiger Zeit beherrscht Cléo auch das Schreiben der Songs. Ihre Kariere geht steil bergauf. Dabei ist Cléo überaus streng mit sich selbst. Jeden Misserfolg, jeder kleine Fehler nimmt sie sich selbst äußerst übel.

Es ist interessant, Cléo durch die Geschichte zu begleiten. Maud Ventura erzählt die Geschichte so intensiv, dass man als Leser*in glaubt, man steckt im Körper von Cléo. Trotzdem ist mir Cléo nicht besonders sympathisch geworden. Sie ist eine missgünstige und arrogante Frau, die alles aus dem Weg räumt, was ihren Erfolg stören kann. Und je mehr Erfolg Cléo hat, um so eigenartiger werden ihre Ansichten, die ich nicht immer nachvollziehen konnte.

Maud Ventura erzählt den Aufstieg von Cléo in einem bissigen Ton. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich.

„Der Rache Glanz“ habe ich gerne gelesen, auch wenn die Protagonistin mir nicht sympathisch werden konnte.

Das Flüstern der Marsch

Katja Keweritsch
Roman
378 Seiten
erschienen bei Hoffmann & Campe
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

Familiengeschichte über drei Generationen

Klappentext:
Als Mona in der Marsch eintrifft, um den 80. Geburtstag ihres Opas Karl zu feiern, ist Oma Annemie spurlos verschwunden. Karl macht sich wenig Sorgen, Mona dafür umso mehr. Sie zieht zu ihrem Opa in das reetgedeckte Haus am Rand des kleinen Dorfs in den Weiten der Marsch, wo Monas Mutter Sabine gemeinsam mit den Zwillingsbrüdern Stefan und Sven aufgewachsen ist. Dass Annemie ein schmerzvolles Geheimnis birgt, das das Leben der ganzen Familie schon lange beeinflusst, ahnt niemand. Gemeinsam mit einem alten Freund aus Kindheitstagen macht Mona sich auf die Suche nach ihrer Oma. Im Laufe eines langen Sommers taucht sie tief ein in die Familiengeschichte und stößt auf falsche Erinnerungen und erschreckende Geschehnisse, von denen kaum jemand weiß. Denn Annemie hat alles dafür gegeben, das Schweigen aufrechtzuerhalten, damit niemand redet, in diesem kleinen Dorf, in dem jeder jeden kennt.

„Das Flüstern der Marsch“ von Katja Keweritsch ist eine Familiengeschichte, die ein Geheimnis birgt.

Mona kommt zum 80. Geburtstag ihres Opas in die Marsch. Ihre Oma Annemie scheint verschwunden zu sein, was bei Monas Opa nicht unbedingt für Aufregung sorgt. Auch der Rest der Familie scheint sich nicht sonderlich für Annemies Verschwinden zu interessieren. Es wird eine Vermisstenanzeige gemacht aber auch die Polizei engagiert sich nicht sonderlich. So bleibt Mona nichts anderes übrig als selbst nach ihrer Oma zu suchen.
So kommt es das Mona tiefer als es ihrem Opa lieb ist in die Familiengeschichte auftaucht. Sie stößt auf das Bild eines Babys, dass weder ihre Mutter noch deren Brüder zeigt. Welches Geheimnis versucht die Familie zu verschleiern?

Katja Keweritsch spiegelt in ihrer Geschichte die ruhige Atmosphäre der Marsch wider. Doch es passiert trotzdem so viel in der Geschichte. Im Mittelpunkt stehen die Frauen aus verschiedenen Generationen der Familie. Aus ihren Perspektiven wird die Geschichte auch erzählt.
Jeder wird ein extra Erzählstrang gewidmet. Die Autorin vermittelt in ihrer Geschichte wie schwer es für eine Frau ist, wenn sie ungewollt schwanger wird. So am Beispiel der Oma Annemie. Sie wurde als junges und unverheiratetes Mädchen schwanger. Viel Rechte, um über ihr Kind zu bestimmen hatte sie nicht.
Genauso ging es Tante Janne, auch sie wurde schwanger, hat den Vater des Kinds aber geheiratet und blieb in einer unglücklichen Ehe gefangen. Auch Mona ist schwanger. Mittlerweile hat sich die Zeit aber geändert und sie bekommt keinen Druck und keine Vorschriften.

Katja Keweritsch erzählt eine Familiengeschichte, in der sich die Familienmitglieder oft sehr kaltherzig begegnen. Irgendwie ist keine Liebe und keine Geborgenheit zu finden. Man kann nur hoffen, dass Mona, die ja etwas freier aufgewachsen ist es besser macht.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig. Besonders die Frauen haben in der Familie zu leiden. Sie werden in der Geschichte eingehend beschrieben und man sieht die Entwicklung, die den Frauen etwas mehr Rechte zusteht. Annemies Geheimnis kommt langsam ans Tageslicht.

Katja Keweritsch hat eine flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Die Geschichte hat mich schnell gefesselt und ich bin tief eingetaucht.

„Das Flüstern der Marsch“ ist eine Familiengeschichte, ich nur empfehlen kann.

Wolfstal

Alexander Oetker
Kriminalroman
330 Seiten
erschienen bei Hoffman und Campe
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

Luc Verlain ermittelt im Baskenland

Klappentext:
Umgeben von sanften Pyrenäenausläufern und berühmt für seine Gewürzpaprika, lädt das malerische Espelette alle zu einer Rast ein, die hier auf dem Jakobsweg vorüberwandern. Doch ein Schatten fällt auf das Idyll, als ein Schäfer aus dem Dorf brutal getötet wird. Dem von der baskischen Polizei zu Hilfe gerufenen Luc Verlain kommen die schweigsamen Dorfbewohner seltsam mitleidlos vor, und bald schon stößt er auf so einige schlüssige Mordmotive. Waren die vom Schäfer abgegebenen Luftschüsse, wenn Pilger seinen Weiden nahekamen, den Hoteliers ein zu großer Dorn im Auge? Hat sein Einsatz für den Wolf, der in der Gegend umgeht, seine Schäferkollegen zu sehr aufgebracht? Und weshalb war er ein so menschenscheuer Einzelgänger?

„Wolfstal“ ist mittlerweile schon der 9. Aquitaine Krimi von Alexander Oetker.
Luc Verlain der smarte Kommissar ist mir schon seit dem ersten Band sympathisch.
Auf sein Töchterchen Aurélie ist er sehr stolz, sie ist ein wahrer Sonnenschein. Luc’s Partnerin Anouk ist mittlerweile Leiterin der Police national in Bordeaux und somit Luc’s Chefin. Die kleine Aurélie ist, während Anouk und Luc arbeiten bei Luc’s Vater gut aufgehoben.

In dem idyllischen baskischen Städtchen Espelette wird ein Schäfer erstochen aufgefunden. Commissaire Etxeberria, der den eifrigen Leser*innen bestimmt noch bekannt ist bittet um Hilfe. Luc Verlain wird von seiner Chefin und Partnerin Anouk freigestellt und ins Baskenland geschickt. Dort gesellt sich noch die Commissaire Rose Schillinger dazu. Zu dritt nehmen sie die Ermittlungen auf. Rose Schillinger fällt durch i9hr Verhalten und ihre Alleingänge auf und ist Luc und Etxeberria nicht sonderlich sympathisch.
Der Fall ist kompliziert. Das Opfer schien ein Eigenbrötler zu sein und im Dorf keine Freunde zu haben. Zumindest schweigen sich die Menschen aus.

Alexander Oetker beschreibt wie immer die Handlungsorte sehr anschaulich. In diesem Land das Baskenland, mit seinen malerischen Orten. Espelette ist über seine Grenzen bekannt für seinen Piment d’Espelette, so sieht man auch die Schoten an den Häusern hängen, um zu trocknen.
Auch an Kulinarik gibt es wieder einiges in der Geschichte. Alexander Oetker vereint hier wieder einmal Spannung mit gutem Essen.

Die Charaktere sind wieder gut gezeichnet und einige ja schon aus den vorherigen Bänden bekannt. Rose Schillinger ist ein interessanter Charakter, wenn man sie erst einmal richtig kennenlernt.

Alexander Oetker erzeugt recht schnell Spannung, die sich im Laufe der Geschichte immer weiter steigert. Dabei erfahren die Leser*innen auch noch einiges über die ETA, die vor Jahren das Baskenland in Frankreich und Spanien mit Terroranschlägen terrorisiert hatte.

Der Schreibstil von Alexander Oetker ist flüssig, leicht verständlich und fesselnd.
Die kurzen Kapitel verleiden dazu immer weiterzulesen.

„Wolfstal“ ist wieder einmal ein richtig guter und spannender Krimi.
Ich freue mich jetzt schon auf den 10. Band, „Strandgut“ erscheint im März 2026.

Das Paradies verrät man nicht

Ninni Schulman
Kriminalroman
428 Seiten
erschienen bei Hoffmann & Campe
Übersetzt aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

Mord oder Suizid


Klappentext:
Schweden in den achtziger Jahren. Die gescheiterte Polizistin Ingrid Wolt zieht in das Sommerhaus eines Freundes, um sich vor der Welt zu verstecken. Doch als ihr Freund, auch er Polizist, in einem Fall vermeintlichen Suizids von oberster Stelle an weiteren Ermittlungen gehindert wird, ist Ingrid als Privatdetektivin zur Stelle: Die verzweifelten Eltern der gerade 30-jährigen Lena, die mit der Familie ihres verstorbenen Mannes auf einem idyllisch gelegenen Bauernhof lebte, glauben nicht an Selbstmord. Und tatsächlich findet Ingrid bald immer mehr Hinweise darauf, dass Lena vor allem eines wollte: raus in die Welt, um jeden Preis.

„Das Paradies verrät man nicht“ ist der 2. Band der Schwedenkrimireihe von Ninni Schulman.

Die frühere Polizistin Ingrid Wolt zieht in das Sommerhaus ihres Freundes und Kollegen Benny. Ihren Unterhalt verdient sie sich im Moment durch die Arbeit als Zimmermädchen in einem Hotel. Ihre Tochter Anna lebt bei Pflegeltern.

Die Eltern einer jungen Frau treten an Ingrid heran. Die Tochter des Paares hat angeblich Selbstmord begangen. So engagieren sie Ingrid als Privatdetektivin und hoffen, dass sie den Tod der Tochter aufklären kann.

Als Leser*in hat man Ingrid im 1. Band schon gut kennengelernt und einiges über ihre Vergangenheit erfahren.
Mir war sie im 1. Band schon recht sympathisch geworden.

Ninni Schulman erzählt die Geschichte aus wechselnden Perspektiven. Dazwischen gibt es Tagebucheinträge aus den letzten Monaten der toten Frau.

Die Zeit der Handlung wird sehr authentisch von der Autorin beschrieben. Es sind die 1980er Jahre und viele der modernen Kommunikationsmöglichkeiten, wie Smartphon und damit WhatsApp oder die ganzen Social-Media-Kanäle gab es zu dieser Zeit noch nicht. Das spürt man auch bei den Ermittlungen. Mal schnell die Facebook- oder Instagram-Kanäle des Opfers oder von Verdächtigen checken geht da nicht´.
Die Atmosphäre, allein schon von den Musiktiteln und den Kassetten, die gehört werden, versetzt die Leser*innen schnell in die 1980er Jahre.

Ninni Schulman erzeugt schnell Spannung und hält sie auch über das gesamte Buch aufrecht.
Die Autorin hat einen flüssigen und fesselnden Schreibstil. Ich bin schnell tief in die Geschichte eingetaucht.

Ninni Schulman beendet die Geschichte mit einem Cliffhanger. Jetzt bin ich sehr gespannt auf den nächsten Band.