Rosen im Asphalt

Felicitas Fuchs
Historischer Roman
410 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Zwei Leben – eine Freundschaft

Klappentext:
Linda kommt 1956 in einem Hamburger Krankenhaus zur Welt. Ihre Mutter lässt sie dort schon kurz nach der Geburt zurück. Das Mädchen wächst bei den Großeltern und in Heimen auf, in Armut und ohne Sicherheit, bis sie ein Zuhause findet, in dem sie gefördert wird. Im selben Jahr wird Irmi in Köln in geboren. Ihre Familie ist wohlhabend, aber ihre Mutter ist krank und überfordert. Daher kommt sie zunächst zu Verwandten ins Ausland. Als der Vater sie sechs Jahre später zurückholt, spricht Irmi kein Deutsch und fühlt sich in der eigenen Familie fremd. Zwei Mädchen aus Welten, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Doch als Irmi Linda in einem dramatischen Moment das Leben rettet, werden sie unzertrennlich. Ihre Freundschaft trägt sie durch fünf Jahrzehnte bundesdeutscher Geschichte, geprägt von Verlusten, Hoffnungen und Neubeginnen.

„Rosen im Asphalt“ ist ein sehr bewegender Roman von Felicitas Fuchs.
Von Felicitas Fuchs habe ich schon einige Bücher gelesen und wurde nie enttäuscht. Auf das neue Buch war ich schon gespannt.

Die Geschichte erzählt von zwei ganz unterschiedlichen Frauen, die eine Freundschaft verbindet, die über viele Jahrzehnte hält.

Die Geschichte beginnt 1956. Hier wird Linda in Hamburg geboren. Da die alkoholkranke Mutter das Mädchen im Krankenhaus zurücklässt, wächst Linda bei ihren Großeltern, in Heimen und Pflegefamilien auf, was immer auch einen Ortswechsel bedeutete.
Überall herrscht Armut und Linda erfährt wenig Zuneigung. Doch ihr ist noch ein sicheres Zuhause gegönnt. Linda kommt zu einer Pflegefamilie, bei der sie behütet und gefördert wird.

Im gleichen Jahr wird Irmi in Köln geboren. Ihre Familie ist wohlhabend, aber die Mutter ist krank und kann sich nicht um das Kind kümmern. So wächst Irmi in Amsterdam bei Verwandten auf. Der Vater holt Irmi erst mit sechs Jahren nach Hause. Das Kind fühlt sich in ihrem Zuhause fremd, kennt die Eltern ja nicht mehr und die deutsche Sprache kann Irmi auch nicht.

Die beiden so unterschiedlichen Mädchen treffen im Gymnasium aufeinander. Trotz ihrer so unterschiedlichen Geschichte und sozialen Verhältnisse freunden sich die Mädchen an. Es wird eine Freundschaft, die Jahrzehnte überdauert.

Felicitas Fuchs schickt ihre Leserinnen auf eine Reise durch sechs Jahrzehnte. Die Geschichte teilt sich in zwei Handlungsstränge auf. Einmal verfolgen die Leserinnen das Leben von Linda und einmal das von Irmi.
Die Mädchen wachsen auf verschiedene Weise auf. Irmi ist privilegiert, kommt aus einer wohlhabenden Familie. Aber auch ihr fehlt die Mutter und deren Zuneigung.

Felicitas Fuchs erzählt die Geschichte sehr realistisch. Man ahnt, wie prägend die Kinderjahre sind und wie sie später noch Einfluss auf das Erwachsenenleben haben.
Auch wird die Zeit der Handlung sehr realistisch widergespiegelt.

Die Charaktere sind sehr lebendig und man hat schnell den Eindruck, sie persönlich zu kennen.
Es ist schön, die Entwicklung von Linda und Irmi mitzuerleben. Man lernt sie praktisch bei der Geburt kennen und begleitet sie 60 Jahre.
Man erlebt eine Freundschaft, wie es sie selten gibt. Die Mädchen und später Frauen halten fest zusammen. Dabei kommt es immer wieder zu einem Stillstand in der Freundschaft. Beruf und Partner nehmen das Leben der Frauen ein. Doch wenn sie sich dann nach längerer Zeit wiedersehen, ist die alte Vertrautheit sofort wieder spürbar. Das bedeutet Freundschaft.

Felicitas Fuchs erzählt die Geschichte sehr fesselnd. Ich bin schnell tief in die Geschichte versunken und konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Dabei ist der Schreibstil der Autorin flüssig, gut verständlich und wortgewandt.

„Rosen im Asphalt“ ist ein Buch, das mich sehr beeindruckt hat.

Abgrund

Robert Harris
Roman
501 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Wolfgang Müller
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an das Bloggerportal und den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein interessanter Roman

Klappentext:
Sommer 1914. Die Welt am Rande der Katastrophe.

In London hat die 26-jährige Venetia Stanley, aristokratisch, klug, unbekümmert, eine Affäre mit Premierminister H. H. Asquith, einem Mann, der mehr als doppelt so alt ist wie sie. Er schreibt ihr wie besessen Liebesbriefe und teilt ihr die heikelsten Staatsgeheimnisse mit.

Während Asquith das Land unfreiwillig in den Krieg gegen Deutschland führt, untersucht ein junger Geheimdienstoffizier die widerrechtliche Enthüllung streng geheimer Dokumente und plötzlich wird aus einer intimen Affäre eine Angelegenheit der nationalen Sicherheit, die den Verlauf der politischen Geschichte verändern wird.

„Abgrund“ ist ein Roman von Bestsellerautor Robert Harris, den es jetzt als Taschenbuch gibt. Ich habe von Robert Harris schon einige Romane gelesen und bin immer wieder begeistert.

Die Geschichte spielt in der Zeit des 1. Weltkriegs.
H. H. Asquith ist zu Beginn bis 1916 Premierminister von Großbritannien.
Gerade am Anfang des Kriegs muss Großbritannien gegenüber Deutschland große Verluste hinnehmen.
Genau in dieser so brenzligen Zeit geht der Premierminister ein Verhältnis mit der wesentlich jüngeren Venetia Stanley ein. Venetia ist klug und bekommt von Asquith so einige Staatsgeheimnisse mit.

Detective Sergeant Paul Deemer, ist ein fiktiver Charakter wird in dieser Geschichte dazu eingesetzt, Spionagefälle aufzudecken.

Robert Harris versteht es gut, Realität und Fiktion fein zu verweben, sodass ein großes, kaum zu trennendes Ganzes entsteht.
In dieser Geschichte treffen die Leser*innen auf einige reale, aber auch auf einige fiktive Charaktere. Hier hätte ich mir ein Personenverzeichnis mit markierten realen Personen gewünscht.
Natürlich sind H. H. Asquith und auch seine Geliebte Venetia Stanley reale Persönlichkeiten. Der Autor konnte in einigen Briefen die Beziehung nachverfolgen. In die Geschichte fließen auch einige der Briefwechsel ein. Wie eng die Beziehung zwischen H. H. Asquith und Venetia Stanley war, ist nicht ersichtlich. Die Briefe sind sehr vertraut und doch distanziert.

Robert Harris konnte mich mit seinem Roman wieder einmal begeistern.
Die Leser*innen verfolgen nicht nur die Beziehung des Premierministers, sondern auch den Beginn des 1. Weltkriegs und seine Auswirkungen auf Großbritannien.

Die Charaktere, egal ob real oder fiktiv, wirken lebendig.
Es ist sehr interessant, sowohl die Beziehung zwischen H. H. Asquith und Venetia Stanley zu verfolgen. Aber auch der geschichtliche Hintergrund kommt nicht zu kurz.

Wie gewohnt ist der Schreibstil von Robert Harris flüssig, gut verständlich und fesselnd.
Ich habe auch dieses Buch wieder an 2 Abenden verschlungen.

Doch noch ein neuer Tag

Tim Pröse
Sachbuch
298 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Wenn das Schicksal dir noch eine Change bietet

Klappentext:
Mit nur 25 Jahren beschließt Alexandra, sich das Leben zu nehmen und gerät bis an die Schwelle des Todes. Wochen verbringt sie im Koma, aber Alexandra kämpft sich wieder zurück. SPIEGEL-Bestsellerautor Tim Pröse hat sie zwei Jahre lang auf ihrer Reise begleitet und immer wieder interviewt. Er hat mit ihrer Zwillingsschwester Katharina gesprochen, mit ihren Liebsten, Rettern, Ärzten und Therapeuten. Nun erzählt er gemeinsam mit Alexandra von dieser Zeit. In einem Buch, das nicht von einem Ende handelt, sondern von einem Anfang. Es erzählt von dem langen, schweren Weg der Heilung, von der Hoffnung und von dem Wunder, das Leben neu zu entdecken. In Alexandras Generation ist Suizid die häufigste Todesursache und dem möchte sie jetzt ihre Geschichte entgegensetzen.

„Doch noch ein neuer Tag“ ist eine Erzählung nach einer wahren Begebenheit von Tim Pröse.

Der Geschichte ist eine Triggerwarnung vorgestellt. Auch ich möchte hier darauf hinweisen, dass es in der Geschichte um Depression psychischen Problemen und Suizid geht.

Tim Pröske erzählt hier die Geschichte von Alexandra. Sie hat einen Selbstmordversuch überlebt. Dabei stand sie aber am Abgrund des Todes, lag einige Zeit im Koma.
Alexandra kämpft sich zurück ins Leben.

Tim Pröske erzählt die Geschichte schonungslos ehrlich. Er hat Alexandra zwei Jahre lang bei ihrem Weg zurück ins Leben begleitet. Hat mit ihren Angehörigen und ihren Ärzten gesprochen.

Ich bewundere den Mut und die Kraft, die Alexandra entwickelt. Sie lag am Boden, fand keinen Ausweg als den Suizid. Jetzt, Da das Schicksal ihr noch einmal eine Chance bietet, packt sie diese und kämpft, kämpft für ihr Leben.

Tim Pröske erzählt Alexandras Schicksal in aller Härte, findet aber auch schöne Worte die Mut und Kraft geben.

Der Autor hat ein sehr wichtiges Thema angesprochen. Es gibt viele Menschen, die ungehört in einer Depression entschwinden. Die Umwelt muss hier viel feinfühliger werden, viel mehr zuhören. Doch oft geben die Betroffenen ihren Lieben gar keine Chance.

„Doch noch ein neuer Tag“ ist ein Buch, dass die Leser*innen den Schmerz fast körperlich spüren lassen und es ist doch ein Buch das Hoffnung verspricht.

Löwenmutter

Hera Lind
Roman
502 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Geschichte nach einer wahren Begebenheit

Klappentext:
München, 1985: Die junge Claudia Baumgartner lernt den sieben Jahre älteren Flötisten Florian Moser kennen und lieben. Das junge Paar bekommt Fünflinge, die als Frühchen auf die Welt kommen. Zwei der Babys sterben nach wenigen Monaten. Claudia kämpft wie eine Löwin, um ihrer Familie das optimale Zuhause zu bieten. Sie bekommt noch eine weitere Tochter, Julia, und nimmt ein Pflegekind auf, das türkische Mädchen Merve. Doch Florian, der eine bipolare Störung hat, wird zunehmend aggressiv, hat Affären und zwingt Claudia zu mehreren Umzügen quer durch die ganze Republik. Ausgerechnet im Umzugsunternehmer Didi findet Claudia einen treuen Freund und später einen verlässlichen neuen Partner, als sie sich endlich von Florian trennt. Didi ist es schließlich auch, der Claudia eine späte Heimat schenkt, mit dem Kauf des Hauses in Bergheim, in dem sie sich einst am wohlsten fühlte.

Hera Lind erzählt in ihrem neuen Roman „Die Löwenmutter“ wieder eine Geschichte nach einer wahren Begebenheit.

Ich lese sehr viel und manchmal denkt man, man hat über fast alles schon gelesen.
Die Geschichten von Hera Lind sind so unterschiedlich wie die Menschen, von denen die Autorin erzählt.

Im Mittelpunkt steht Claudia, die mit dem Flötisten Florian Moser ihr Glück gefunden hat. Nur der ersehnte Nachwuchs mag sich nicht einstellen. Nach einer Hormonbehandlung bekommt Claudia dann Fünflinge, die zu früh das Licht der Welt erblicken. Hier fängt Claudias Kampf an, denn sie kämpft um das Leben ihrer Kinder. Zweimal verliert sie, denn zwei der Fünflinge sterben nach wenigen Monaten. Mit diesem Leid muss Claudia allein fertigwerden, Florian ist mit einem Orchester auf Reisen.
Als sie noch einmal schwanger wird und ein Mädchen bekommt ist die Familie komplett.
Zusätzlich nimmt die Familie noch ein Pflegekind auf. Claudia tut alles, um der Familie ein gutes Heim zu bieten. Doch Florian verwandelt sich immer mehr. Aus dem einst geliebten Mann wird ein Tyrann. Immer wieder treibt er die Familie zu einem Umzug an. Von Treue hält Florian auch nicht mehr viel. Doch er kann Claudia immer wieder bezirzen und sie glaubt ihm auch noch. Doch eines Tages lernt sie eine neue Liebe kennen und sucht noch einmal ihr Glück.

Hera Lind konnte für ihre Geschichte in ausführlichen Schriften von Claudia stöbern.
Die Autorin erzählt Claudias Geschichte berührend und gleichzeitig dramatisch ist.

Mir war Claudia schnell sympathisch. Ihr ist nichts wichtiger als ihre Familie und dieser ein liebevolles Heim zu schaffen.
Doch Florian machte es seiner Frau schwer. Zu Beginn war auch Florian mir sympathisch, doch im Laufe der Geschichte ging eine Veränderung in ihm vor, die ich nicht mochte.
Ich habe mit Claudia gelitten und immer gehofft, dass sie die Ausweglosigkeit sieht und nicht immer wieder von Florians Worten überzeugt wird.

Hera Lind erzählt die Geschichte schonungslos und ehrlich.
Auch wenn es ein Roman ist und die Autorin mit ihrer künstlichen Freiheit die Geschichte vielleicht etwas verfremdet hat, kommt die Geschichte sehr authentisch und ehrlich bei mir als Leserin an.

„Die Löwenmutter“ ist eine klare Leseempfehlung von mir.
Eine Geschichte die man so schnell nicht vergisst.

Die Erfinderin der Freiheit

Elke Becker
Historischer Roman
359 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an das Bloggerportal und den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar

Die Erfindung des BH‘s

Klappentext:
Dresden 1908: Eine neue Zeit beginnt, die Jahre der großen Erfindungen sind angebrochen. Christine arbeitet als Therapeutin im weltbekannten Sanatorium Lahmann. Während ihrer Behandlungen fallen die feinen Damen in ihren engen Korsetts reihenweise in Ohnmacht, was Christine auf eine weltverändernde Idee bringt: Sie entwickelt den ersten Büstenhalter. Die ersten Modelle aus zusammengenähten Stofftaschentüchern und Hosenträgern finden zunächst wenig Anklang in der feinen Gesellschaft, die Damen lehnen das neue Kleidungstück ab. Zum Glück gibt es Julia, Lotta und Amalie, die Christine bei der Weiterentwicklung des BHs unterstützen. Die vier Freudinnen leben in einem gemeinsamen Wohnhaus und befeuern sich gegenseitig beim Ausprobieren und Tüfteln an neuen Ideen. Und sie geben Christine Halt – ganz besonders als der charmante Franz im Sanatorium anreist, der jedoch in Begleitung von Johanna ist.

„Die Erfinderin der Freiheit“ ist ein interessanter historischer Roman von Elke Becker. Die Autorin hat mich schon mit ihrer „Kölln-Saga“ begeistert und ich habe mich sehr auf das neue Buch gefreut.

Es geht zurück ins frühe 20. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht Christine, eine junge Therapeutin in einem weltbekannten Sanatorium. Hier sieht sie all das, was ein enges Korsett mit den Damen anstellt. Wobei eine Ohnmacht noch das Harmloseste ist.
Christine möchte den Frauen zu mehr Freiheit verhelfen. So erfindet Christine den BH. Das erste Stück ist noch ziemlich primitiv, es besteht aus Hosenträgern und Stofftaschentüchern. Damit stößt die junge Frau auch auf Ablehnung in der Frauenwelt.
Mit der Unterstützung von Julia, Amalie und Lotta tüftelt Christine ein vorzeigbares Model aus.

Elke Becker ist mit diesem Roman wieder eine interessante und unterhaltsame Geschichte gelungen.
Die Charaktere sind gut gezeichnet, wie aus dem realen Leben entsprungen.
Dabei ist Christine Hardt tatsächlich eine historisch überlieferte Person. Auch wenn man nicht sehr viel von ihr in Erfahrung bringen kann. So hat Christine Hardt im Sanatorium Lahmann gearbeitet und dort auch feststellen müssen, dass viele Frauen auf Grund des Korsetts missgebildete Organe haben.
So hat Frau Hardt auch 1899 beim Kaiserlichen Patentamt ihren Brusthalter angemeldet.
Dies ist Grund genug für Elke Becker über die Frau zu recherchieren.

Elke Becker erzählt das Leben der 4 Frauen auf eine sehr realistische Art.
So erzählt sie auch die Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven der vier Frauen. Man kommt so den Frauen auch näher und kann sich richtig in ihr Denken hineinversetzten.

Der Schreibstil von Elke Becker ist wie immer flüssig und gut verständlich.

Die Autorin hat aus historischen Überlieferungen und ihrer schriftstellerischen Freiheit eine wirklich schöne Geschichte gesponnen.

Mir hat das Lesen von „Die Erfinderin der Freiheit“ viel Freude bereitet.

Pleiten, Pech & Papa

Kristina Hortenbach
Roman
394 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Tolle Geschichte mit viel Humor

Klappentext:
Was tun, wenn der 83-jährige Vater bei einem einzieht, mitsamt seinen Excel-Dateien, Bofrost-Katalogen und jeder Menge skurriler Angewohnheiten? Genau das fragt sich Apothekerin Carmen, als ihr Vater Heinz nach einer Hochwasserkatastrophe bei ihr und ihrem Partner Frank vor der Tür steht. Prompt wirbelt Heinz ihren Alltag durcheinander und findet per Zufall seine erste Liebe wieder. Hilde, ihr Zwergpudel Sherry und Heinz vertreiben nicht nur Frank, sie haben auch ganz genaue Pläne für die Zukunft. Während Heinz sich für einen Marathon anmeldet, versucht Carmen herauszufinden, was sie eigentlich vom Leben will. Bis ein Klassentreffen ungeahnte Überraschungen bringt, auch in Sachen Liebe.

„Pleiten, Pech & Papa“ ist ein humorvoller Roman von Kristina Hortenbach.
Schon der Titel und das Cover, lassen darauf schließen, dass es sich um eine humorvolle Geschichte handelt. Beim Lesen habe ich auch oft Schmunzeln und manchmal auch laut Lachen müssen.

Heinz ist 83 Jahre und wegen einem Hochwasser muss er sein Heim verlassen. Er packt das Wichtigste zusammen und steht bei seiner Tochter Carmen und ihrem Partner vor der Tür.
Für Carmen ist die Beherbergung ihres Vaters keine leichte Aufgabe. Heinz kann nicht verstehen, wie Carmen ohne Gefrierschrank überleben kann. Gehört doch zu seinem wichtigsten Gepäck auch der Bofrost Katalog.
Diese und viele weitere skurrile und lustige Szenen finden sich im Roman.

Kristina Hortenbach hat großartige Charaktere ins Leben gerufen. Der etwas verschrobenen Heinz ist einfach köstlich. Zu seinen wichtigsten Habseligkeiten zählen außer seinen Medikamenten noch diverse Exceltabellen und er Bofrost Katalog. Jeder hat andere Prioritäten. Seine Tochter Carmen und ihr Partner sind auch gut getroffen. Carmen hat auch ihre Probleme. Hitzewallungen, Unzufriedenheit bei der Arbeit und jetzt wird sie noch mit den Ideen ihres Vaters konfrontiert.
Bei allem Humor, kann man doch spüren, wie sie sich fühlt und was für eine Aufgabe es ist ihren Vater bei sich wohnen zu haben.

Kristina Hortenbach erzählt die Geschichte mit viel Humor, aber auch mit einem wachsamen Auge auf die ältere Generation. Die Autorin setzt den Humor großartig ein, ich musste oft Schmunzeln.

Der Schreibstil von Kristina Hortenbach ist herrlich erfrischend, flüssig und gut verständlich.

„Pleiten, Pech & Papa“ ist ein toller Roman der bei den Leser*innen, die Lachmuskeln strapaziert.

Die Welt in unseren Händen

Emily Walton
Historischer Roman
372 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Emily Walton für das Rezensionsexemplar

Ein fesselnder historischer Roman

Klappentext:
Als die junge Emma ihre Großmutter June in Oxford besucht, ahnt sie zunächst nicht, dass dies ihr letzter Besuch bei ihr sein wird. Und auch nicht, was ihr bevorsteht, als sie ein Gedichtbändchen mit der Widmung eines gewissen Ken aus dem Jahr 1944 entdeckt. Nach und nach enthüllt sich eine abenteuerliche Lebensgeschichte, die Emma nie vermutet hätte. Als June kaum so alt ist wie sie jetzt, stellt sie sich in den Dienst der Royal Air Force. Die Kriegswirren führen sie von London bis in die Wüste Ägyptens. Als sie in Kairo dem südafrikanischen Kameramann Ken gegenübersteht, hat sie zum ersten Mal das Gefühl, eine innere Heimat zu finden. Doch kann sie sich diesen Gefühlen hingeben, während die Welt im Argen liegt und ihre beste Freundin Dotty in London um ihr Leben ringt? Während Emma in die Jugend ihrer Großmutter eintaucht, beginnt sie ihre eigene Zukunft mit anderen Augen zu sehen.

„Die Welt in unseren Händen“ von Emily Walton ist ein großartiger historischer Roman, der die Leser*innen von London bis nach Ägypten führt.

Als Emma ihre Großmutter June besuchte, fand sie bei ihr ein Gedichtband mit einer Widmung. Aus dem Jahr 1944. Zusammen mit Emma tauchen die Leser*innen in Junes Leben ein. June absolvierte während des Kriegs ihren Dienst bei der Royal Air Force. Die Wirren des Kriegs haben sie bis nach Ägypten gespült, wo sie Ken getroffen hat.

Emily Walton erzählt mit dem Roman „Die Welt in unseren Händen“ einen berührenden Roman. Die Geschichte beginnt im Jahr 2012, von da aus werden die Leser*innen zurück in die 1940er Jahre geschwemmt. Es ist die Geschichte von June, die erzählt wird.
June möchte Karriere bei der Women’s Auxiliary Air Force machen. Sie träumt von einem selbstbestimmten Leben. Doch der Krieg verändert alles.

Mir haben June und auch Emma sofort gefallen. Auch die anderen Protagonisten werden gut beschrieben und wirken lebendig.

Emily Walton beschreibt die Handlungsorte sehr anschaulich. Ich sah die Wüste Ägyptens vor meinen Augen. Es ist bewegend und spannend zugleich, die Geschichte von June zu lesen. Die Liebesgeschichte zwischen June und dem südafrikanischen Kameramann Kent hat mich berührt. Auch die Sorge um Junes Freundin Dotty, die in London um ihr Leben ringt, ist berührend. June würde gerne zu Dotty reisen, doch der Krieg lässt das nicht zu.

Am Ende der Geschichte treffen die Leser*innen wieder auf Emma. Sie kennt jetzt die Lebensgeschichte ihrer Großmutter und findet Parallelen zu ihrem Leben, aus denen sie Kraft und Hoffnung ziehen kann.

Ich liebe Geschichten, in denen ein Geheimnis der Vergangenheit entblättert wird. So war „Die Welt in unseren Händen“ genau das richtige Buch für mich. Inspiriert zu dieser Geschichte wurde die Autorin durch Erzählungen ihrer Großmutter, die sie zum Teil in die Geschichte einfließen ließ.

„Die Welt in unseren Händen“ ist ein berührender Roman, den ich mit viel Freude gelesen habe.

Die wilden Jahre

Susanne Goga
Historischer Roman
438 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannender und interessanter historischer Roman

Klappentext:
Rheinland 1919. Die Geschwister Thora und Hannes Bernrath entstammen einer wohlhabenden Fabrikantenfamilie aus Mönchen-Gladbach und stehen einander sehr nah. Sie leben in bewegten Zeiten von Krieg, Revolution und Besatzung. Thora nutzt die neue aufregende Zeit, um ein Schauspielstudium in Düsseldorf zu beginnen, während Hannes, der eigentlich Architektur studieren wollte, nach seiner Rückkehr von der Front orientierungslos ist. Eines Tages wird Hannes wegen Mordverdachts verhaftet, schweigt aber beharrlich. Im Zimmer ihres Bruders findet Thora einen Gedichtband von Eichendorff, in dem die Worte »Adler« und »Vulkan« markiert sind. Sie begibt sich auf die Suche nach dem Rätsel, das sich dahinter verbirgt. Und erfährt vom geheimen Leben ihres Bruders. Thora begreift, dass sie mit allen Mitteln darum kämpfen muss, ihn aus dem Gefängnis zu befreien.

„Die wilden Jahre“ von Susanne Goga entführt die Leserinnen ins Jahr 1919.

Im Mittelpunkt stehen die Geschwister Thora und Hannes Bernrath. Sie sind als Kinder einer wohlhabenden Fabrikantenfamilie in Mönchen-Gladbach aufgewachsen.
Der erste Weltkrieg ist vorbei, jetzt heißt es wieder Leben und Pläne machen. Thora beginnt ein Schauspielstudium in Düsseldorf. Hannes hingegen hat der Krieg und die Front aus der Bahn geworfen.

Susanne hat großartige Charaktere ins Leben gerufen. Die Geschwister Thora und Hannes waren mir schnell vertraut und sympathisch.
Thora ist eine mutige junge Frau, die, wenn sie einen Entschluss fasst, ihn auch durchzieht. Ihrem Bruder ist sie sehr verbunden und als er unter Mordverdacht gerät, beginnt Thora auf eigene Faust zu ermitteln, damit ihr Bruder seine Unschuld beweisen kann.

Hannes ist ganz anders als seine Schwester. Man lernt ihn und seine Geschichte erst im Laufe der Geschichte kennen. Durch Rückblenden und Briefe wird das Geheimnis um Hannes nach und nach entblättert.

Susanne Goga fängt die Zeit nach dem 1. Weltkrieg hervorragend ein. Vieles ist im Umbruch, vieles scheint sich zu verändern und es gibt viele Spannungen. Auch die politische Situation wird gut beschrieben. So war Mönchen-Gladbach von den Alliierten und es wurde gestreikt.
Auch wenn ich viel historische Romane und auch einiges über die Nachkriegsjahre gelesen habe, habe ich doch einiges Neues erfahren.

Susanne Goga hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Mit der Geschichte von Hannes und dem Mordverdacht bringt die Autorin Spannung in die Geschichte. Mit den historischen Hintergründen, vermittelt die Autorin viel interessantes Wissen.

„Die wilden Jahre“ ist ein historischer Roman mit Krimi Vibes, den ich mit Freude gelesen habe.

Die stille Heldin

Hera Lind
Roman
434 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein berührender Schicksalsroman

Zum Inhalt
Runau, 1905: Im Mittelpunkt steht Helene, die zu einer Heirat gezwungen wird, die sie nicht will. Ihr Ehemann, der Großbauern Otto ist gewalttätig und bösartig. Helene bekommt 6 Kinder. Als ihr Mann im Krieg fällt, muss sie die Familie allein versorgen. Doch das Leben hält auch Liebe für Helene bereit. Mit ihrem Mann Ewald, bekommt sie noch einmal 6 Kinder. Doch die Zeiten ändern sich und der Nationalsozialismus macht der Familie das Leben schwer. Das Schicksal von Helene dreht sich wieder zum negativen. Durch Unfälle und den 2., Weltkrieg sterben 5 ihrer Kinder. Doch Helene muss stark sein für die Familie, die noch übrig ist.

„Die stille Heldin“ ist ein sehr berührender Schicksalsroman von Hera Lind.
Hera Lind vermittelt das Leben von Helene und ihrer Familie schonungslos ehrlich. Immer wieder habe ich gedacht, Helene hat ein bisschen Glück verdient und wenn es sich dann wirklich gezeigt hat, war es so schnell wie es gekommen war auch schon wieder vorbei.
Helene ist wirklich eine stille Heldin, so viele Schicksalsschläge, die sie überstehen musste. Und immer wieder war sie stark für ihre Familie.

Hera Lind erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Helene. Das bringt den Leser*innen Helene sehr nahe und macht die Geschichte umso emotionaler.
Ich musste beim Lesen immer wieder Schlucken und wahr manchmal den Tränen nahe. Ich denke, der Autorin ging es beim Schreiben und vor allem bei den Gesprächen mit der Familie nicht anders.
Der Schreibstil von Hera Lind ist flüssig und gut verständlich. Ich war von der Geschichte schnell so gefangengenommen, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.

„Die stille Heldin“ ist ein Buch nach einem wahren Schicksal, das mich sehr bewegt hat.

Die Psychoanalytikerin

Melanie Metzenthin
Historischer Roman
380 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Die Narben des Krieges

Klappentext:
Hamburg 1920: Die Psychoanalytikerin Vera hat die Praxis ihres Mannes im Stadtteil Uhlenhorst übernommen, nachdem er fünf Jahre zuvor im Ersten Weltkrieg gefallen ist. Ihre Patienten haben die unterschiedlichsten seelische Narben, die meisten aufgrund ihrer Kriegsvergangenheit. Als es unter ihnen zu mysteriösen Todesfällen kommt, bittet Kommissar Bender Vera um Hilfe. Sie soll tiefer in der Vergangenheit der Betroffenen bohren, ein Zusammenhang scheint naheliegend. Dann wird der gesichtsverletzte ehemalige Soldat Willi Schuster von seiner Frau als vermisst gemeldet, wieder ein Patient von Vera. Und ihr wird klar: Offenbar rächt sich jemand an dessen ehemaligem Regiment.

„Die Psychoanalytikerin“ von Melanie Metzenthin ist ein Roman über eine strakte Frau, die sich in einer Männerdomäne behauptet.
Die Autorin hat mich schon mit einigen Ramen begeistert, meist stehen starke Frauen im Mittelpunkt.

Vera steht in dieser Geschichte im Vordergrund. Ihr Mann ist im 1. Weltkrieg gefallen und Vera hat jetzt seine Praxis übernommen. Vera ist Psychoanalytikerin und ihre Patienten haben die verschiedensten Probleme. Viele davon hat der Krieg psychisch traumatisiert.
Als es zu rätselhaften Todesfällen unter den Traumatisierten Kriegsheimkehrern kommt, bittet Kommissar Bender Vera um Hilfe. Bender erhofft sich Erkenntnisse zu gewinnen, wenn Vera tief in die Seele der Patienten eindringt.

Melanie Metzenthin erzählt eine tiefgründige und interessante Geschichte.
Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig. Vera hat mir vom ersten Augenblich an gefallen.
Die Autorin vermittelt den Leser*innen die Schrecken des Krieges, indem man Vera bei ihrer Arbeit über die Schulter schaut. Man erlebt wie traumatisiert mancher Heimkehrer sind. Aber auch die Polizeiarbeit wird recht authentisch beschrieben.
Die Zeit der Handlung wird gut widergespiegelt. Man kann sich gut in die Geschichte hineinversetzten.

Der Schreibstil von Melanie Metzenthin ist flüssig und gut verständlich. Mit ihren unvorhersehbaren Wendungen hält sie die Spannung bis zum Ende aufrecht.

„Die Psychoanalytikerin“ ist ein interessanter Roman der tiefe Einblicke in die menschliche Seele gewährt.