Die stumme Tänzerin

Helga Glaesener
Historischer Kriminalroman
erschienen im Rowohlt Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar.

Die Geburtsstunde der weiblichen Kriminalpolizei

Es ist das Jahr 1928, im Stadthaus in Hamburg gibt es seit einem Jahr eine weiblichen Kriminalpolizei die von Josefine Erkens geleitet wird.
Auch Paula Haydorn findet im Stadthaus eine Anstellung. Erst als Sekretärin und als eine Tänzerin ermordet und mit aufgeschlitztem Unterkörper aufgefunden wird, soll sie in die Ermittlungen mit einbezogen werden.
Von den männlichen Kollegen werden die Damen der Kriminalpolizei eher belächelt.
Doch durch ihr logisches Denken und ihre schnelle Auffassungsgabe überzeugt Paula den Leiter Martin Broder schnell und er vertraut auf ihre Zusammenarbeit.
Die Ermittlungen führen ins Hamburger Rotlicht. Dann keimt in Paula ein Verdacht über den sie eigentlich nicht weiter Nachdenken möchte.

„Die Stumme Tänzerin“ ist der Auftakt einer historischen Krimireihe von Helga Glaesener.
Die Autorin ist durch zahlreiche historische Romane bekannt. Als letztes habe ich von ihr „Das Erbe der Päpstin“ mit Begeisterung gelesen.

Mit ihrem Kriminalroman „Die stumme Tänzerin“ verknüpft die Autorin Historie und Spannung auf gekonnte Art und Weise.

Die Protagonisten sind gut konzipiert und spiegeln die Zeit hervorragend wider.
Die weibliche Kriminalpolizei steckt noch in den Kinderschuhen.
Die Damen haben in der Männerwelt einen schweren Stand. Sie werden belächelt und die männlichen Kollegen vermeiden gerne sie in einen Fall mit einzubeziehen.
Doch hier in diesem Fall geht es um ein weibliches Opfer, so müssen auch die weiblichen Ermittlerinnen mit einbezogen werden.

Paula Haydorn schlittert mehr durch Zufall in den Polizeidienst.
Erst als Sekretärin und als dann eine Tänzerin tot aufgefunden wird soll sie an den Ermittlungen teilnehmen.
Paula die noch keine Erfahrung hat besticht durch ihre logische Denkweise.
Natürlich spürt man oft, dass sie recht naiv ist und keinerlei Erfahrungen hat was ihren Vorgesetzten Martin Broder manchmal an den Rand der Verzweiflung bringt.
Aber gerade das macht Paula aus. Sie war mir vom ersten Augenblick an sympathisch.

Der Fall ist spannend beschrieben. Die Ermittlungen führen ins Rotlichtmilieu. Man kann dem Verdächtigen aber nichts nachweisen.
Paula hat aber noch einen anderen Verdacht der sie in arge Bedrängnis bringt.
Das Ende ist dann recht turbulent und auch sehr überraschend.
Die Spannung hat also bis zum Ende angehalten.

Der Schreibstil von Helga Glaesener ist flüssig und angenehm zu lesen.
Die Autorin beschreibt die Zeit und die Menschen sehr authentisch.

Ich würde mich freuen noch einige Fälle mit Paula bestreiten zu können.

Der Glanz der neuen Zeit

Fenja Lüders
Historischer Roman
erschienen im Bastei Lübbe Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an www.lesejury.de für die Leserunde.

Schwierige Nachkriegszeit

„Der Glanz der neuen Zeit“ ist der 2. Band der Speicherstadt Saga von Fenja Lüders.
Seit dem Ende des 1. Band „Der Duft der weiten Welt“ sind einige Jahre vergangen. Der 1. Weltkrieg ist vorbei und die Kaffeeimportfirma Kopmann und Deharde hat, im Gegensatz zu einigen anderen Importeuren die Jahre überstanden.
Doch die Zeiten sind schwierig, an den Import von Kaffee ist nicht zu denken.
Mina, die seit dem Tod ihres Vaters die Firma leitet muss sich etwas einfallen lassen wenn das Kontor weiter überleben soll.
Kurzendschlossen schreibt sie ihrem Schwiegervater Paul Lohmeyer, der eine Kaffeeplantage in Guatemala besitzt.
Der Gedanke scheint von Erfolg gekrönt. Paul Lohmeyer reist nach Hamburg um geschäftliches mit seiner Schwiegertochter zu besprechen und seine Enkeltochter Elle kennenzulernen.

Mina ist noch erwachsener geworden. Sie hat die Verantwortung für das Kaffeekontor und somit für die Versorgung der Familie übernommen.
Da Mina als Frau die Firma nach außen nicht alleine leiten kann und auch nicht an der Kaffeebörse handeln darf ist sie die Ehe mit Frederik eingegangen.
Allerdings regelt ein Ehevertrag die Besitzverhältnisse und die Höhe einer Apanage die Frederik monatlich zusteht.
So sympathisch Mina ist, so unsympathisch ist Frederik.
Er lebt über seine Verhältnisse, braucht ständig Geld und wenn er einen Wutausbruch hat sucht man besser das Weite.
So ahnt der Leser bald wie es dazu kam, dass Mina trotz allem eine Tochter hat.
Die kleine Elle ist ein süßes Mädchen und ähnelt in ihrem festen Willen jetzt schon ihrer Mutter.

Natürlich gibt es in der Geschichte noch einige nennenswerte Charaktere.
Paul Lohmeyer ist so ganz anders als sein Sohn Frederik.
Er ist ein netter und herzlicher Charakter den ich schnell ins Herz geschlossen habe.
Auch Agnes die Schwester von Mina und ihre Großmutter Hiltrud haben eine große Entwicklung durchlebt.
Agnes ist erwachsen geworden und hat ihre eigenen Pläne. Hiltrud, die immer strenge und auf Etikette bedachte Frau entwickelt sich immer mehr zu einer lieben und verständnisvollen Frau.

Fenja Lüders erzählt die Geschichte mit viel Herz.
Sie hat einen wunderbaren Schreibstil der mich von der ersten Seite an gefangen genommen hat. Die Autorin hat die Gabe die Dinge so zu beschreiben, dass man sie vor dem geistigen Auge sehen kann. Auch die Charaktere die sie erschaffen hat, hat sie mit ihren Worten Leben eingehaucht.

Einzig das Ende hat mich etwas die Stirn runzeln lassen. Die Geschichte hat einen Zeitsprung gemacht und mir fehlten ein paar Hintergrundinformationen. Gerne hätte ich mehr über die Geschehnisse (die ich hier nicht nennen möchte) erfahren.
Darauf muss ich jetzt bis zum nächsten Band warten.
„Der Traum von Freiheit“ soll im Sommer 2021 erscheinen und ich freue mich schon darauf.