Mathilde und Marie

Torsten Woywod
Roman
332 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Redu-ein kleines Bücherdorf

Klappentext:
In Redu, einem kleinen Bücherdorf inmitten der belgischen Ardennen, wird die Zeit als Freund und nicht als Gegner empfunden: Umgeben von ausgedehnten Wäldern, rauschenden Flüssen und steilen Anhöhen gibt es hier lediglich einen Fernseher, während das Internet nur eine Stunde am Tag verfügbar ist. Dass der Kirchturm windschief in den Himmel ragt und man sein baldiges Herabstürzen befürchten muss, stört die 390 Einwohner ebenso wenig wie die gehörig aus dem Takt geratene Turmuhr.
Als die junge Französin Marie kurzentschlossen ihr Leben in Paris hinter sich lässt und zu einer Reise mit unbekanntem Ziel aufbricht, ahnt sie nicht, dass sie bald an diesem bemerkenswerten Ort ankommen wird. Im Zug begegnet sie Jónína, einer Isländerin, die Menschen mit ungewöhnlicher Klarheit zu lesen vermag und somit auch Maries Situation schnell erfasst. Sie nimmt Marie mit zu sich nach Hause, nach Redu, wo sie eine kleine Buchhandlung betreibt.

„Mathilde und Marie“ ist der Debütroman von Torsten Woywod.
Es ist eine ganz ruhige und leise Geschichte, nichts Aufregendes, doch ich bin nach wenigen Seiten ganz tief in die Geschichte eingesunken.

Der Schauplatz ist Redu. Dieses Dorf gibt es wirklich. Es ist das zweitälteste Bücherdorf der Welt und liegt in der Wallonie, in Belgien.
Das Dorf wird wunderschön beschrieben und ich weiß jetzt schon, dass ich es mir anschauen muss.

Neben dem Bücherdorf, dass unbestritten die Hauptrolle in der Geschichte spielt, sind natürlich noch Marie wichtig in der Geschichte.
Marie ist Französin und hat ihr Leben in Parias hinter sich gelassen und lässt sich treiben. Im Zug trifft Marie auf Jónína, eine junge Isländerin, die in den Menschen lesen kann. Sie spürt die Erschöpfung Maries und nimmt sie mit nach Redu, wo sie eine kleine Buchhandlung besitzt und sich die Uhren langsamer drehen.
Dort erwartet Marie ein Leben voll Ruhe und Geborgenheit und sie lernt die verschlossene und mürrische Mathilde kennen.

Torsten Woywod erzählt die Geschichte in einem ganz ruhigen Ton und in einer feinen Sprache. Die Geschichte ist geprägt von der Beschreibung des Schauplatzes Redu und durch die recht sympathischen Charaktere.
Diese führt der Autor spielend durch die Geschichte. Es ist eine Geschichte über Begegnung, Veränderung und Gemeinschaft.

Der Schreibstil von Torsten Woywod ist flüssig und gut verständlich. Der Autor versteht es mit seiner ruhigen Geschichte sich in die Herzen seiner Leser*innen zu schreiben.

„Mathilde und Marie“ ist ein wunderschöner und ruhiger Wohlfühlroman, mit einem schönen und interessanten Setting.

The Women in Suite 11

Ruth Ware
Thriller
416 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Übersetzt von Susanne Goga-Klinkenberg
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley.de für das Rezensionsexemplar

Fesselnder Thriller, trotz Abstriche zum vorherigen Band

Klappentext:
Lo Blacklock wagt einen Neuanfang: Obwohl die traumatischen Erlebnisse auf dem Kreuzfahrtschiff vor vielen Jahren sie noch immer begleiten, ist die Einladung zur Neueröffnung eines Luxushotels in der Schweiz ihre Chance endlich ins Berufsleben als Reisejournalistin zurückzukehren.
Das Hotel am Ufer des Genfer Sees ist traumhaft und Lo hofft, dort ein Interview mit dem exzentrischen Hotelbesitzer Marcus Leidmann ergattern zu können. Als sie eines Nachts überraschend in sein Hotelzimmer eingeladen wird, ist Lo zwar skeptisch, doch ihre Neugier ist stärker.
Umso überraschter ist sie, als sie von einer unbekannten Frau empfangen wird, die behauptet, Marcus‘ Geliebte zu sein und sich in Lebensgefahr zu befinden. Es beginnt ein tödliches Katz und Maus-Spiel.

„The Women in Suite 11“ ist ein fesselnder Thriller von Ruth Ware.

Die Geschichte der Journalistin Lo Blacklock geht weiter. Seit ihrem traumatischen Erlebnis auf einem Kreuzfahrtschiff („The Women in Cabin 10“) sind einige Jahre vergangen.
Jetzt ist Lo Blacklock zu der Eröffnung eines Luxushotels eingeladen. Doch statt Hotelbesitzer Marcus Leidmann wird sie von seiner Geliebten Carrie empfangen. Carrie bittet Lo um Hilfe. Sie befindet sich in einer toxischen Beziehung mit dem Multimillionär und denkt, sie ist in Lebensgefahr. Lo scheint aus den Ereignissen auf dem Kreuzfahrtschiff nichts gelernt zu haben und vertraut Carrie blind. Sie schmiedet einen Plan, wie sie Carrie unbeschadet aus den Fängen von Marcus Leidmann bringen kann.

Die Geschichte fängt ganz ruhig an, steigert das Tempo im Verlauf dann aber allmählich.
Lo ist mir aus dem Thriller „The Women in Cabin 10“ schon bekannt. Sie ist vielleicht etwas leichtgläubig, vertraut immer auf das Gute im Menschen und bringt sich dadurch in Gefahr.

Ruth Ware beschreibt das Luxushotel am Genfer See sehr anschaulich. Der Luxus und das traumhafte Ambiente sind schon großartig.
Nach kurzer Zeit fängt die Geschichte auch an richtig spannend zu werden. Die kurzen Kapitel sorgen dafür, dass man immer weiterlesen möchte.
Doch das Handeln von Lo ist in dieser Geschichte nicht immer nachvollziehbar. Gerade nach dem, was ihr in „The Women in Cabin 10“ passiert ist, ist sie mir hier zu leichtgläubig.

Der Schreibstil von Ruth Ware ist wie immer fesselnd.
Doch „The Women in Suite 11“ kommt nicht ganz an „The Women in Cabin 10“ heran.

Body Number One

Helen Fields
Thriller
364 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Christine Blum
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannung vom Feinsten

Klappentext:
Ein junger Mann, erschlagen in einem Park. Ein Obdachloser, erstochen im Gewerbegebiet. Eine Hausfrau und Mutter, von einem rasenden Auto überfahren: In Edinburgh häufen sich innerhalb kürzester Zeit grausame Todesfälle. Jeder einzelne brutal, jeder einzelne rätselhaft. Es gibt nichts, was die grausamen Morde verbindet.
Die Mordkommission um Detective Sergeant Sam Lively ruft deshalb eine Frau zu Hilfe, die für ihre außergewöhnliche Intuition bekannt ist: Dr. Connie Woolwine, forensische Profilerin mit einem untrüglichen Gespür für die dunkelsten Abgründe der menschlichen Psyche. Gemeinsam mit dem Ermittlerteam sucht sie lange nach einem roten Faden. Bis die zufällige Beobachtung eines Patienten im St. Columba Hospital eine neue Perspektive eröffnet.

„Body Number One“ ist ein spannender Thriller von Helen Fields.

Rätselhafte und grausame Mordfälle in Edinburgh, halten die Mordkommission rund um das Team von Detective Sergeant Sam Lively auf Trapp. Die Opfer wurden erschlagen, erstochen und überfahren. Es gibt anscheinen keine Verbindung zwischen den Opfern. Da die Ermittlungen nicht zielführend sind, holt Detective Sergeant Sam Lively sich Unterstützung durch die forensische Profilerin Dr. Connie Woolwine.

Helen Fields hat wieder einmal tolle Protagonisten ins Rennen geschickt. Detective Sergeant Sam Lively ist ein guter Ermittler, der mir den Eindruck vermittelt hatte, als ob er außer den Mordfällen, noch andere Probleme mit sich herumschleppt.
Die Profilerin Dr. Connie Woolwine fand ich sympathisch. Ihre ruhige und überlegte Art hat mir gut gefallen.

Die Geschichte hat zwei Handlungsstränge. Einmal sind die Leser*innen bei den Ermittlungen dabei. Die stellen sich als äußerst schwierig heraus. Doch die zufällige Beobachtung eines Patienten im St. Columba Hospital, sorgt für eine neue Sichtweise. Ein Wendepunkt in den Ermittlungen ist erreicht.

Der zweite Handlungsstrang beschäftigt sich mit Dr. Beth Waterfall. Sie ist die Freundin von Detective Sergeant Sam Lively. Ihre Tochter war Opfer eines Stalkers, den man nie gefasst hat. Und es hat den Anschein, als hätte der Stalker auch noch nicht aufgegeben.

Helen Fields erzählt die Geschichte in einem rasanten Tempo. Dabei zieht sie den Spannungsbogen über die gesamte Geschichte. Die Autorin lässt die Leser*innen in die tiefen Abgründe der menschlichen Seele schauen.

Helen Fields hat einen flüssigen, gut verständlichen und vor allem fesselnden Schreibstil. Dazu kommt noch die düstere Atmosphäre, die, die Autorin schafft.
Nach wenigen Seiten konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

„Body Number One“ ist wieder ein sehr spannender Thriller, den ich an zwei Abenden gelesen habe.

Apfelstrudel-Alibi

Rita Falk
Kriminalroman
301 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Endlich neues von Franz Eberhofer

Klappentext.
Als ob der Eberhofer Franz nicht schon Ärger genug hätt: Nein, jetzt muss die Susi-Maus sich auch noch als frischgebackene Bürgermeisterin wichtigmachen. Dabei hat er ganz andere Sorgen, als seiner vielbeschäftigten Frau alles hinterherzutragen. Noch dazu, wo er nämlich einen Mordfall hat, einen waschechten.
Zumindest glaubt das der Richter Moratschek, dessen geliebte Patentochter Letitia bestimmt nicht von ganz allein in Südtirol vom Berg gestürzt ist.

„Apfelstrudel-Alibi“ ist der 13. Band der Franz Eberhofer-Reihe von Rita Falk.

Der Franz, der hats schon schwer. Wunderschönes Wetter und Ruhe in Niederkaltenkirchen, da könnte man es sich gut auf einem Liegestuhl bequem machen. Doch die Susi ist zur Bürgermeisterin gewählt worden und möchte das der Franz sie unterstützt, in dem er mehr im Haushalt hilft und sich um Söhnchen Paul kümmert.
Da kommt ein Anruf vom Richter Moratschek. Seine Nichte ist bei ihrer Hochzeitsreise in den Dolomiten tödlich verunglückt. Der Richter glaubt nicht an ein Unglück, eher an Mord, und zwar von ihrem frisch angetrauten Ehemann.
Franz soll dafür in Italien Beweise finden.

Die meisten Charaktere der Eberhofer Reihe sind mir mittlerweile gut bekannt. Mir gefallen die Protagonisten sehr gut, es sind urige Bayern mit viel Humor. Da ist Franz, der gerne einen großen Bogen vor der Arbeit macht, Susi seine Frau, sie ist die neue Bürgermeisterin und genießt ihre Arbeit. Und nicht zu vergessen, die Oma, der man jetzt immer mehr das Alter anmerkt. Ja und der kleine Paul, er ist mittlerweile schon 10 Jahre alt. Natürlich ist auch der Kollege von Franz, Rudi Birkenberger wieder mit von der Partie. Franz und Rudi sind ein unschlagbares Team. Mit ihrem Bayrisch und dem Humor mag ich die beiden richtig gerne.

Rita Falk schickt ihre Dorfpolizisten in die Dolomiten. Ich kann mir gut vorstellen, wie Franz in den Dolomiten rumkraxelt und schimpft.

Rita Falk erzählt die Geschichte wieder mit ihrem bekannten Humor. Die vielen Bayrischen Ausdrücke und Schimpfworte machen die Geschichte realistisch.
Trotz allem Humor und dem Chaos, was Franz immer verbreitet, kommt auch die Spannung nicht zu kurz.

„Apfelstrudel-Alibi“ ist wieder ein Provinzkrimi, der mich sehr gut unterhalten hat.

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104

Susanne Abel
Roman
532 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine bewegende Familiengeschichte

Klappentext:
Am Ende des Zweiten Weltkriegs wird mitten in Deutschland ein kleiner Junge gefunden, der nichts über sich selbst und seine Herkunft weiß. Sein Alter wird geschätzt, er bekommt den Namen Hartmut und wächst in einem katholischen Kinderheim auf, in dem viel Ordnung und noch mehr Zucht herrscht.
Dort lernt er die etwas ältere Kriegswaise Margret kennen, die ihn Hardy nennt und schon im Heim zu beschützen versucht. Die beiden werden zu einer unverzichtbaren Stütze füreinander und beschließen, sich nie wieder loszulassen. Doch während sie mit aller Kraft versuchen, gemeinsam das Geschehene zu vergessen und ein normales Leben zu führen, werden die Folgen ihrer Vergangenheit auch für die nachkommenden Generationen bestimmend.

„Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104“ von Susanne Abel, ist ein Roman, der mich sehr berührt hat. Susanne Abel ist vielen Leser*innen durch ihre Gretchen Reihe bekannt.

Ende des 2. Weltkriegs wird ein Junge gefunden. Er weiß nicht, wie er heißt und auch nicht wie alt er ist. Er kommt in ein katholisches Kinderheim und bekommt den Namen Hartmut. Hartmut wird dort all das erleben, was man von katholischen Kinderheimen gehört hat. Alles im Namen der Kirche. Dort lernt er das etwas ältere Mädchen Margret kennen. Sie nennt in Hardy und nimmt sich vor ihn zu beschützen. Bald ist Margret sein einziger Halt.

Susanne Abel hat mit „Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104“ einen Roman veröffentlicht, der mich manchmal emotional sehr mitgenommen hat. Schonungslos schildert die Autorin die Zustände in diesem Kinderheim. Strenge Nonnen und Pfarrer, Schläge bis hin zum Missbrauch. Strafe wie Hunger leiden. Sogar Medikamente wurden den Kindern verabreicht.

Susanne Abel erzählt die Geschichte auf zwei Zeitebenen. In der Gegenwart steht die Urenkelin Emily im Mittelpunkt. Ermily kennt ihren Vater nicht und die Mutter ist oft völlig überfordert, weswegen sie oft bei den Urgroßeltern ist. Emiliy stellt viele Fragen, die die Urgroßeltern nicht beantworten. Zu tief sitzt die Erinnerung und der Charm.

In den Rückblenden erleben die Leser*innen hautnah das Schicksal von Hardy und Margret. Manche Stellen sind sehr schwer zu lesen und ich musste das Buch manchmal sinken lassen und durchzuatmen bevor ich weitergelesen habe. Ich finde so eine Geschichte immens wichtig und frage mich, wie viele Menschen aus dieser Generation ein ähnliches Schicksal durchlebt haben. Ein Schicksal, dass sie ihr ganzes Leben begleitet und das Auswirkungen auf die folgenden Generationen hat.

Die Charaktere die Susanne Abel ins Leben gerufen hat sind sehr gut gezeichnet. Ich habe mit Hardy und Margret mitgefühlt. Ich habe erlebt, wie die Geschichte Auswirkungen auf Kind und Kindeskinder hat.

Die Atmosphäre in der Geschichte wechselt von locker bis ins Bedrückende. Der Schreibstil von Susanne Abel ist flüssig und gut verständlich.

„Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104“ ist ein Roman, der mich so berührt hat, wie lange keine Geschichte mehr. Ich werde das Buch lange im Kopf behalten.

Sein Wille geschehe

Andrew Bridgeman
Thriller
475 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Irene Eisenhut
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Intrigen und Verschwörungen

Klappentext:
Fünf Tage vor der Amtseinführung des neuen Präsidenten hat das FBI einen zwanzig Jahre alten Cold Case gelöst: Ben Danvers ganzes Leben wird auf den Kopf gestellt, als die junge Special Agent Emma Noble ihm mitteilt, dass er das Opfer der berüchtigtsten Entführung des vergangenen Jahrhunderts ist. Seine leibliche Mutter ist die noch zu vereidigende Vizepräsidentin der USA. Betäubt von der Erkenntnis, dass sein ganzes Leben eine Lüge ist, flieht Ben aus dem Rampenlicht von D.C. und sucht nach Antworten. Gemeinsam mit Emma entdeckt er einen brutalen Kult, der sich seit zwei Jahrzehnten darauf vorbereitet, eine tödliche Prophezeiung zu erfüllen und sich schon lange in die dunkelsten Korridore der Macht eingeschlichen hat.

„Sein Wille geschehe“ ist ein starker Debütroman von Andrew Bridgeman.

Der Autor öffnet zu Beginn zwei Handlungsstränge, die mich zu Anfang etwas verwirrt haben. Nach und nach bekommt man eine Übersicht der Ausmaße. Andrew Bridgeman hält die einzelnen Fäden fest in der Hand und es geht auf der Strecke kein Faden verloren. Alle werden bis zum Ende weitergeführt und aufgelöst.

Die Protagonisten sind gut beschrieben. Special Agent Emma Noble hat ihren ersten Tag beim FBI. Sie ist eine sehr engagierte und mutige Frau. Sie wird Special Agent Briar Metcalf zur Seite gestellt. Der erste Fall an dem Emma Noble mitwirken darf ist einen zwanzig Jahre alten Cold Case. Damals wurden die Zwillinge der Familie Hancock entführt. Bis heute gab es keine Spur. Durch einen DNA-Test wurde jetzt einer der Zwillinge identifiziert. Es ist Ben Danvers der sich plötzlich seiner leiblichen Mutter gegenüber sieht. Noch dazu ist seine Mutter die künftige Vizepräsidentin der USA.
Ein Katz und Maus-Spiel beginnt. Intrigen, Lügen, Verschwörungen wechseln sich ab.
Man kann Gut und Böse nicht mehr unterscheiden. Manch ein sympathischer Charakter wird zum Verräter.

Andrew Bridgeman lässt in seinem Thriller schnell Spannung aufkommen und hält sie auch bis zum Ende aufrecht.
Es gibt viele Verdächtige und die führen bis in die höchsten Kreise. Was vor 20 Jahren begann, soll jetzt ein grausames Ende nehmen.
Langsam nähern sich die beiden Erzählstränge an, das wahre Ausmaße kann man allerdings kaum ahnen.

„Sein Wille geschehe“ ist ein starker Debütroman. Ich hoffe, noch viel von Andrew Bridgeman lesen zu dürfen.

Die Unbehausten

Barbara Kingsolver
Roman
619 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Pageturner

Klappentext:
Alles scheint um Willa Knox zusammenzubrechen: Als freie Journalistin steht sie ohne Aufträge da. Ihr Mann Iano verliert seine Professur, Sohn Zeke, als Harvard-Absolvent der große Hoffnungsträger der Familie, ist gerade Vater geworden, aber alleinerziehend. Und ihr schwerkranker Schwiegervater schwärmt vom »Megafon«, dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten.
Am selben Fleck, 150 Jahre zuvor, freundet sich ein Lehrer namens Thatcher mit seiner eigenbrötlerischen Nachbarin an. Die Naturforscherin Mary Treat steht in lebhaftem Austausch mit Charles Darwin, doch in der verschworenen Ortsgemeinschaft wird die Theorie von der Evolution als Sünde angeprangert.
Was verbindet diese Menschen über die Jahrhunderte hinweg? Ein viktorianisches Haus, das ihnen über dem Kopf einzustürzen droht und eine Zeit, in der damals, wie heute kein Stein auf dem anderen bleibt.

„Die Unbehausten“ ist nach „Demon Copperfield“ mein zweiter Roman von Barbara Kingsolver.

Die Geschichte hat zwei Zeitebenen. Da ist einmal die Gegenwart und die Journalistin Willa Knox steht im Mittelpunkt. Ihr Mann Iano ist Professor an einem College. Leider hat das College Insolvenz angemeldet und Iano verliert seine Anstellung. Jetzt zieht die Familie nach Vineland, dort hat Willa ein Haus geerbt. Außer Willa und Iano leben noch die Tochter Tig und der Sohn Zeke in dem Haus. Zeke ist alleinerziehender Vater und bringt noch ein Baby mit in das Haus. Auch Ianos Vater Nick, der pflegebedürftig ist lebt mit in der Gemeinschaft.
Keiner der Familienmitglieder ist so richtig glücklich und zufrieden. Jeder fühlt sich auf eine gewisse Weise durchs Raster gefallen.

Die zweite Zeitebene bringt die Leser*innen an denselben Ort, nur 150 Jahre früher.
Hier steht der Lehrer Thatcher im Mittelpunkt. Er ist frisch verheiratet und zieht mit seiner Frau, seiner Schwiegermutter und seiner Schwägerin in das Elternhaus seiner Frau in Vineland. In der Schule in der Thatcher unterrichtet, eckt er oft an, stößt sogar auf Ablehnung. Seine Haltung ist dem Schulleiter zu modern. Einzig in seiner Nachbarin Mrs. Treat findet er eine Gleichgesinde, die sich für die Natur und die Wissenschaft interessiert.

Zwei Familien, ein Haus. Keine der Familien ist hier richtig glücklich. Veränderungen stehen an. Vor 150 Jahren war es die Moderne, die im Anmarsch war. Durch die Theorien Charles Darwins wird vieles neu Hinterfragt.
In der Gegenwart ist es der Kapitalismus und der Wohlstand, bei dem einige verloren gehen.

Die Zeitstränge scheinen auf dem ersten Blich so Garnichts miteinander zu tun zu haben. Doch bei näherer Betrachtung findet man Parallelen zu früher und heute.

Barbara Kingsolver hat Charaktere erschaffen, die so lebendig sind, dass es mir nach einiger Zeit vorkam, als kenne ich sie schon ewig.
Die Autorin hat einen angenehmen und flüssigen Schreibstil. Ihre Worte sind gewaltig und drücken so viel mehr aus als zu lesen ist.
Die Spaltung der verschiedenen Schichten kommt gut zum Vorschein. Barbara Kingsolver zeigt Parallelen auf, zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Handlungsorte werden sehr anschaulich beschrieben.
Wie schon zuvor „Demon Copperfield“, ist auch diese Geschichte ist fesselnd ich wurde sehr schnell wie durch einen Sog in die Geschichte hineingezogen und die Seiten flogen nur so dahin.

„Die Unbehausten“ wird zweifellos zu meinen Highlights des Jahrs gehören. Ein solch gewaltiges Buch bekommt man nur selten in die Hände.

Amphibium

Tyler Wetherall
Roman
348 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Lisa Kögeböhn
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar.

Schonungsloser Coming-of-Age-Roman

Südwestengland in den 90ern. Als Kind einer psychisch labilen alleinerziehenden Mutter ist es die elfjährige Sissy gewohnt, für sich allein zu kämpfen. Aber von dem Moment an, als sie sich vor Tegan, der selbstbewussten Anführerin einer Mädchenclique, mit einem Jungen an der neuen Schule prügelt, ist sie nicht mehr einsam. Die bald besten Freundinnen teilen alles miteinander, schicken Fotos an ältere Männer in Chatrooms und verfolgen fasziniert die Berichte über Entführungen junger Frauen im Landkreis. Im Laufe des Schuljahres nähern sie sich immer mehr der Schwelle zum Frausein, sehen und spüren Veränderungen, und die mythisch-märchenhaften Fantasiewelten, in die sie sich flüchten, gewinnen an Bedeutung, mit fatalen Konsequenzen.

„Amphibium“ ist ein Coming-of-Age-Roman von Tyler Wetherall. Im Mittelpunkt steht Sissy. Sie wächst bei ihrer psychisch labilen Mutter auf und muss mit den Problemen des Erwachsenwerdens allein zurechtkommen. Langsam freundet sich Sissy mit Tegan, einer selbstbewussten Anführerin einer Mädchenclique an.

Tyler Wetherall beantwortet in ihrem Roman viele Fragen über das Erwachsenwerden. Dabei geht sehr sorgfältig und behutsam vor, schreckt aber auch vor Sex und Gewalt nicht zurück.

Die Protagonisten wirken alle sehr lebendig. Der Aschreibstil der Autorin ist fast poetisch zu nennen.
Die Atmosphäre in der Geschichte hat oft was Trauriges, bedrückendes, so wie man sich als Mädchen, am Rande des Frau werden fühlt.

“Amphibium“ ist nicht immer leicht zu lesen, man sollte der Geschichte aber die nötige Zeit geben, die sie braucht.

Alles muss man selber falsch machen

Alena Schröder
Kurzgeschichten
219 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Kurze und humorvolle Geschichten

Klappentext:
Komplizierte Muttergefühle, skurrile Lieblingstiere, Angst vor der Brotschneidemaschine und die heilende Kraft des Popsongs: All diesen Themen (und natürlich vielen mehr) widmet sich Alena Schröder in dieser Sammlung ihrer besten Kolumnen.

Der Alltag ist oft erstaunlich kompliziert, auch für Bestsellerautorinnen: Die schönsten Texte von Alena Schröder.

„Alles muss man selber falsch machen“ ist eine Sammlung von schönen Kolumnen von Alena Schröder.
Die Autorin ist mir schon durch ihre beiden Romane „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ und „Bei euch ist es immer so unheimlich still“ bekannt. Beides waren für mich wahre Lesehighlights.

Die Kurzgeschichten sind in diese vier Kategorien sortiert: „Die tut nichts, will nur mitessen“, „Ich, immer noch verbesserlich“, Kann das mal jemand aufräumen? und „ Der Stoff, aus dem der Trost ist“.

Es sind zum Teil humorvolle Alltagsgeschichten, das Familienleben oder auch das Berufsleben betreffend. Dabei macht Alena Schröder auch nicht halt davor, eigene Unzulänglichkeiten zu verbergen.

Der auf den Punkt gebrachte und humorvolle Schreibstil von Alena Schröder hat mir hier sehr gut gefallen. Die kurzen Geschichten lesen sich schnell und man kann nicht Halt vor der nächsten Geschichte machen. So habe ich das Buch auch in zwei Tagen ausgelesen.

Jetzt freue ich mich schon sehr, wenn ein neuer Roman von Alena Schröder erscheint.

Merci Agneta

Emma Hamberg
Roman
428 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Übersetzt aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar.

Der ideale Urlaubsroman

Klappentext:
Agnetas wahres Leben hat endlich begonnen, ihr altes lässt sie erstmal zurück. Soll es doch sehen, wo es bleibt! Denn sie weiß genau, wo sie sein möchte: hier in Saint Carelle, mitten in der traumhaften Provence. Zusammen mit dem exzentrischen Einar, der lebensweisen Bonnibelle und ihrem Schwarm Fabien kann der Sommer genauso weitergehen. Doch die Ruhe trügt und Agneta muss kämpfen, für sich und für ihre Freunde.

„Merci Agneta“ ist der 2. Band der Dilogie Neuanfang auf Französisch von Emma Hamberg.

Die Geschichte schließt sich an den ersten Band „Bonjour Agneta“ an. Agneta hat ihr altes Leben in Schweden hinter sich gelassen und ist mittlerweile in Saint Carelle, in der Provence angekommen.
Agneta kümmert sich um den an Demenz leidenten Einar und versucht sich selbst zu reflektieren, sich selbst wieder zu finden. Als Agneta mit sich selbst im Reinen ist und denkt, so kann es nun weitergehen, wird das Kloster, das ihr Zuhause geworden ist, bedroht. Jetzt heißt es kämpfen, wenn Agneta nicht alles verlieren will.

„Merci Agneta“ ist ein Roman über Selbstreflexion und Neuerfindung.
Emma Hamberg erzählt die Geschichte mit viel Gefühl und mit Humor.
Agneta ist mir im ersten Band schon schnell sympathisch gewesen und ich habe sie gerne wieder bei ihrem Abenteuer begleitet.
Agneta durchlebt auch im zweiten Band noch einmal eine große Entwicklung. Am Anfang ist sie eine Frau in den mittleren Jahren die an sich zweifelt. Agneta hatte das Gefühl, ob privat oder beruflich nicht mehr wahrgenommen zu werden.
In der Provence hat sie zu sich selbst gefunden. Ist mit sich und der Welt in Einklang.

Auch Einar wurde mir im ersten Band schon sympathischer, auch wenn er, manchmal etwas exzentrisch rüberkommt. Seine Lebens- und Liebesgeschichte hat mich berührt.

Ganz nebenbei vermittelt die Autorin auch das französische Lebensgefühl. Es wird gemeinsam gekocht, gegessen und getrunken.

Der Schreibstil von Emma Hamberg ist flüssig und gut verständlich. Auch wenn der Roman seine traurigen Stellen hat, sprüht die Geschichte doch vor Lebensfreude.

„Merci Agneta“ ist der ideale Sommerroman und ein guter Begleiter für den Urlaub.