Die geheime Mission

Titus Müller
Historischer Roman
339 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an das Bloggerportal und den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar

Zerrissen zwischen Ost und West

Klappentext:
Nela wächst als Tochter einer Kommunistin auf und hilft beim Aufbau in der Sowjetischen Zone. Vom Vater redet die Mutter nur verächtlich, er ist in ihren Augen ein Kollaborateur der Nazis. Nela trifft sich heimlich in Westberlin mit ihm. Je näher sie den Vater kennenlernt, desto mehr erfährt sie über ihn und die tragische Vergangenheit der Familie. Und desto mehr muss sie ihre Ideologie hinterfragen. Als die Lage in den westlichen Sektoren Berlins sich weiter zuspitzt, gesteht ihr der Vater, für die CIA zu arbeiten, und macht sie zur Kurierin zwischen Ost und West. Bald steht Nela zwischen allen Fronten und muss entscheiden, wen sie künftig unterstützen will. Auch Erik, den sie in der Redaktion der »Jungen Welt« kennenlernt, wirft Fragen auf. Wochenlang bleibt er verschwunden und offenbart ihr nicht, wo er war. Wem kann Nela noch vertrauen?

„Die geheime Mission“ ist der 1. Band der Kurierin-Reihe von Titus Müller.

Titus Müller schickt seine Leser*innen zurück in das Jahr 1948.
Der Handlungsort ist das geteilte Berlin.
Im Mittelpunkt steht Nela. Sie lebt im sowjetischen Sektor bei ihrer Mutter.
Die Mutter ist eine Anhängerin des Kommunismus. Über den Vater, der im Westen Berlins lebt, redet sie nur schlecht. Nela sucht nach dem Vater und möchte seine Seite der Wahrheit hören. Noch ahnt sie nicht, wie gefährlich das Treffen werden kann. Der Vater arbeitet als Spion bei der CIA und macht seine Tochter zur Kurierin zwischen Ost und West.

Titus Müller hat seine Charaktere gut gezeichnet und führt sie gekonnt durch die Geschichte.
Die 18-jährige Nela kam mir zu Beginn etwas naiv vor, hat sich aber schnell zu einer selbstbewussten Frau entwickelt. Ihre Zerrissenheit zwischen Mutter und Vater spiegelt die Zerrissenheit des Landes wider.

Ingwelde und Gerhard, die Eltern von Nela, sind so verschieden wie der Westen und der Osten Deutschlands. Jeder glaubt an die Zukunft und daran, dass seine Einstellung die bessere ist. So ist Ingwelde vom sozialistischen System überzeugt, während Gerhard sich beim Geheimnis dagegen auflehnt.

Und Erik, den Nela in der Redaktion der „Jungen Welt“ kennenlernt, sorgt für etwas Romantik in der Geschichte.

Der Schreibstil von Titus Müller ist sehr atmosphärisch, flüssig und fesselnd.
Das zerstörte und hungernde Nachkriegsberlin wird den Leser*innen gekonnt vermittelt.
Die wechselnden Perspektiven machen die Geschichte besonders interessant. Man erfährt nicht nur eine Haltung, sondern kann sich ein gutes Gesamtbild machen.
Die Arbeit des Geheimdienstes wird genauso angesprochen wie die Luftbrücke zwischen West und Ost.

Besonders interessant macht das Buch die realen Hintergründe. Hier setzt der Autor etwas Wissen über die deutsche Vergangenheit voraus. Im Anhang gibt es allerdings auch noch eine detaillierte Aufstellung der historischen Hintergründe.

„Die geheime Mission“ ist ein spannender Spionageroman, der mir Lust auf mehr gemacht hat.

Tutto Bene

Laura Wagner
Roman
286 Seiten
erschienen im DuMont Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den DuMont Verlag für das Rezensionsexemplar

Tragisch und zugleich leicht und humorvoll

Klappentext:
Mars, Snickers, Happy Cherries – wenn Emma die Späti-Regale aufstockt, sieht sie nur eins: Kalorien. Ihr Studium hat sie abgebrochen, genauso wie den Kontakt zu ihrem Vater, der vermutlich irgendwo auf einer Parkbank seinen letzten Rausch ausschläft. Und auch Emma steht kaum einen Abend ohne Müller-Thurgau durch, die Tasse unter dem Tresen hilft ihr beim Vergessen. Ist doch tutto bene, oder? Nicht. Aber dann ist da plötzlich Ingrid: fünfzehn, rotzfrech und seit Neuestem Schülerpraktikantin im Späti. Nicht nur Udo, der einzig für Schokolade und Energydrinks hinter seinem Gaming-Computer hervorkriecht, mag die neunmalkluge Teenagerin auf Anhieb. Auch Emma lässt Ingrid bald unbedacht in ihr Herz. Unbedacht, denn jetzt muss sie ihre Probleme wirklich angehen – und die steigern sich exponentiell, als sie den Matrosen, der eigentlich Leo heißt, kennenlernt. Er will das, was sie seit Jahren scheut: eine Beziehung, mit allem, was dazugehört. Doch Emma wagt ja noch nicht mal, sich ein Tattoo stechen zu lassen, wie soll sie sich da zu so etwas Großem committen? Sich jemandem auch nur einen Spaltbreit zu öffnen, ist schon schwer genug.

„Tutto Bene“ ist ein tragischer, aber auch leichter und humorvoller Roman von Laura Wagner.

Laura Wagner hat recht unterschiedliche, zum Teil skurrile Charaktere entworfen und zum Leben erweckt.

Im Mittelpunkt steht die Ich-Erzählerin Emma. Sie arbeitet in einem typischen Berliner Späti. Emma leidet unter Bindungsängsten und einer toxischen Beziehung zu sich selbst. Ihr Schutzschild ist ihre Distanz und ihr Sarkasmus. Der Alltag ist von emotionaler Betäubung geprägt. Ihr bester Freund ist der Müller-Thurgau, ihr Begleiter, um den Frust und ihre Probleme zu vergessen.

Die fünfzehnjährige Ingrid ist Schülerpraktikantin im Späti. Sie ist eigentlich das genaue Gegenteil von Emma. Ingrid ist rotzfrech, neunmalklug und erstaunlich reif für ihr Alter. Mit ihrer unbedarften Art knackt sie Emmas harte Schale und bringt eine völlig neue Dynamik in den Laden.

Leo und Emma lernen sich durch eine Dating-App kennen. Emma nennt ihn liebevoll „der Matrose“. Leo versucht, eine engere Verbindung zu Emma aufzubauen. Doch genau davor hat Emma Angst, obwohl sie sich nach der Nähe von Leo sehnt.

Udo ist ein steter Gast im Späti. Er schält sich nur hinter seinem Computer hervor, um Nachschub an Schokolade und Energydrinks zu holen.

Diese vier Charaktere sorgen für tiefgründige, ernste und auch humorvolle Lesestunden.
Emma durchlebt in der Geschichte eine große Entwicklung. Nach und nach bröckelt ihr Schutzpanzer und lässt das verletzte Ich hervorkommen.

Laura Wagner schreibt in einer sehr direkten, frischen und selbstironischen Sprache. Die Kapitel sind kurz, das Erzähltempo ist hoch. Besonders die spritzigen Dialoge sprühen vor trockenem Humor, Wortwitz und treffenden Alltagsbeobachtungen.
Hinter den bissigen Bemerkungen verbirgt sich ein tieferer emotionaler Tiefgang.

„Mit „Tutto Bene“ hat Laura Wagner ein beachtenswertes Debüt hingelegt.

Schattenspiel

Ellen Gerretzen
Thriller
472 Seiten
erschienen im Selfpublishing
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an die Literaturagentur Schoneburg für das Rezensionsexemplar

Spannend und atmosphärisch

Klappentext:
Ein Mord in Berlin. Eine Spur nach Spanien. Und ein Ex-Kommissar, der sich seiner gefährlichsten Ermittlung stellen muss. Als Hauptkommissar Wolfgang nach einem Mordfall in Spanien endlich glaubt, der Gewalt den Rücken kehren zu können, erreicht ihn in der Extremadura eine Nachricht, die alles verändert: Der potenzielle Käufer seines Hauses in Berlin und Neffe seines Freundes Javier, wurde brutal ermordet. Widerstrebend kehrt Wolfgang in die Hauptstadt zurück und findet sich mitten in einem Netz aus Lügen, alten Feinden und neuen Gefahren wieder. Zwischen Berliner Hinterhöfen, spanischen Patios und düsteren Erinnerungen muss er die Wahrheit ans Licht bringen, bevor ihn seine Vergangenheit endgültig einholt. Ein packender Kriminalroman voller Spannung, Atmosphäre und überraschender Wendungen.

„Schattenspiel“ von Ellen Gerretzen ist ein spannender Thriller.

Im Mittelpunkt steht Wolfgang, ein Ex-Kommissar. Er hat genug von Gewalt und Totschlag und freut sich auf ein ruhigeres Leben in Spanien. Doch da erreicht ihn eine Nachricht aus Berlin. Der Neffe seines Freundes Javier wurde ermordet. Widerstrebend kehrt Wolfgang nach Berlin zurück.

Wolfgang gefällt mir als Ermittler sehr gut. Er ist ein authentischer und normaler Ermittler, ohne irgendwelche Sucht- oder Gewaltprobleme. Er hat nach all den Jahren einfach genug von der Gewalt. Als Leser*in spürt man allerdings seine innere Zerrissenheit, als es heißt, noch einmal nach Berlin zurückzukehren und den Mörder von Javier zu finden. Dabei droht die eigene Vergangenheit Wolfgang einzuholen.

Ellen Gerretzen beschreibt die Schauplätze sehr anschaulich. Da ist einmal das quirlige Berlin mit seinen dunklen Hinterhöfen, wo es anmutet, als ob überall die Gefahr lauert.
Dann die Weite und die Ruhe Spaniens. Genau das, wonach Wolfgang sich sehnt. Es ist, als wären es zwei Welten.

Die Handlung an sich wird spannend geschildert. Jede Spur, die sich auftut, wirft Fragen auf. Jede Wendung ergibt einen neuen Verdächtigen. Es ist schnell klar, dass es nicht nur um den Mordfall geht. Es geht auch um Wolfgangs Vergangenheit.

Ellen Gerretzen hat einen flüssigen, gut verständliche und vor allem fesselnden Schreibstil.
Ich bin wie durch einen Sog tief in die Geschichte hineingezogen worden.

„Schattenspiel“ ist ein spannender Thriller, den ich mit Freude gelesen habe.

Die Zuverlässigkeit des Zufalls

Lilli Beck
Roman
380 Seiten
erschienen im Atlantik Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Atlantik Verlag für das Rezensionsexemplar

Blumen und Bücher, was gibt es Schöneres

Im Mittelpunkt steht Nina. Eine junge, sympathischer Frau, die eigentlich mitten im Leben steht. Nur wenn die Trauer um ihre große Liebe sie einholt, ist sie am Boden zerstört.
Nach dem Tod von Ninas Freund Eric, vor 2 Jahren ist Nina wieder zu ihrer Mutter gezogen, um nicht alleine zu sein. Nina ist gelernte Buchhändlerin und arbeitet im Blumenladen ihrer Mutter. Sie hat gelernt schöne Sträuße zu binden. Wie der Zufall so will, ist neben dem Blumenladen ein weiterer Laden frei geworden und da befindet sich jetzt Ninas Buchgeschäft. Buch & Blume findet großen Gefallen bei den Kunden.
Eines Tages liefert Nina drei wohlriechende Sträuße an einen älteren Herrn. Erst nach langem klingeln öffnet er mürrisch die Tür. Als Nina erkennt, wer der ältere Herr ist, ahnt sie noch lange nicht welchen Einfluss das auf ihr weiteres Leben haben wird.

„Die Zuverlässigkeit des Zufalls“ ist ein zeitgenössischer Roman um Trauer, Verlust, Loslassen und Liebe.
Lilli Beck hat mich schon mit zahlreichen historischen und zeitgenössischen Romanen begeistert. Auf ihr neues Werk habe ich schon mit Sehnsucht gewartet.

Lilli Beck erzählt die Geschichte warmherzig und mit sehr viel Gefühl. Die Autorin verarbeitet die Themen Trauer, Verlust und Loslassen in dieser Geschichte. Nina, deren große Liebe vor 2 Jahren gestorben ist kann nicht loslassen. Manchmal, vor allem in der Nacht überfällt sie die Trauer und sie kann nicht aufhören zu weinen. Durch eine Selbsthilfegruppe kommt sie auf die Idee, ihre Erinnerungen an die Zeit mit Eric aufzuschreiben. So erleben die Leser*innen die Zeit von Eric und Nina mit.
Aber auch die Gegenwart erleben die Leser*innen hautnah mit. Wie sich ganz langsam, wie ein kleines Pflänzchen das gehegt und gepflegt werden will, eine neue Liebe entwickelt.

Lilli Beck hat wunderbare Charaktere für diese Geschichte ins Leben gerufen. Nina war mir ganz schnell ans Herz gewachsen und nach ein paar Kapiteln war es, als würde ich sie schon ewig kennen. Auch die anderen Charaktere waren liebenswert. Den mürrischen älteren Herrn, dem Nina Blumen geliefert hat entpuppt sich auch als ein Charakter, der die Geschichte bereichert.

Lilli Beck hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil, der mich auch bei dieser Geschichte wieder gefesselt hat.
Die Autorin beschreibt die Orte so, dass man direkt Bilder im Kopf hat. Besonders das Geschäft von Nina und ihrer Mutter Buch & Blume.
Ich stelle mir das wunderschön vor, auf der einen Seite der Duft von schönen Blumen und auf der anderen Seite der Geruch frisch gedruckter Bücher. Ein Laden, in dem ich bestimmt öfter zu finden wäre.

Mit „Die Zuverlässigkeit des Zufalls“ hat mir Lilli Beck wieder wunderschöne Lesestunden geschenkt. Ich bin ganz tief in die Geschichte eingesunken und habe mit Nina gelitten und mich mit Nina gefreut.

Fräulein Gold – Nacht über der Havel

Anne Stern
Historischer Roman
419 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Wie immer, ein Lesegenuss

Klappentext:
Berlin, 1930: In der Stadt brodelt es gewaltig. Wirtschaftskrise und politische Instabilität rufen immer radikalere Kräfte auf den Plan. Auch Hulda spürt, dass die vermeintlich goldenen Jahre vorbei sind. Umso engagierter kümmert sie sich als Hebamme um die Belange der Frauen und Mütter. Als sie einer Schwangeren helfen will, stößt sie auf einen mysteriösen Todesfall im Dunstkreis der Familie: Die jüngere Schwester Jutta ist Teil einer Jugendgruppe, die sich nachts an der Havel trifft. Die Jugendlichen singen und feiern zusammen. Doch dann wird am Ufer ein Student tot aufgefunden. Er war der Anführer von Juttas Gruppe und ihr heimlicher Schwarm. Aber war sein Tod wirklich ein Unfall bei einem nächtlichen Abenteuer? Bald ahnt Hulda, dass die Zusammenhänge größer sind als angenommen. Eine Jugend ohne Zukunft sucht in unruhigen Zeiten verzweifelt nach Halt. Und ist bereit, einen hohen Preis dafür zu zahlen.

„Fräulein Gold – Nacht über der Havel“ ist der 7. Band der Reihe „Die Hebamme von Berlin“ von Anne Stern.

Im Mittelpunkt steht natürlich Hulda Gold.
Hulda ist mir seit dem ersten Band ans Herz gewachsen.
Sie ist einfach ein toller Charakter, den die Autorin mit sehr viel Hingabe kreiert hat.
Für die Zeit, mittlerweile sind wir im Jahre 1930 angekommen, ist Hulda eine bemerkenswerte und selbstbewusste Frau. Mit Max scheint sie ihr Glück gefunden zu haben.

Wie immer schlittert Hulda ungewollt in einen Kriminalfall.
Ein Mitglied einer Jugendgruppe, die sich gerne an der Havel aufhält, wird tot aufgefunden. Hulda glaubt nicht, dass es ein Unfall war.

Anne Stern beschreibt das Leben und die 1930er Jahre sehr eindringlich.
Man spürt, dass eine Veränderung im Land vor sich geht. Die Wirtschaftskrise hat viele Menschen hart getroffen. Arbeitslosigkeit und Armut sind auf dem Vormarsch.
Politisch ist Deutschland recht instabil und die Nazis gewinnen immer mehr an Sympathisanten. Auch der Antisemitismus nimmt immer mehr zu.

Anne Stern lässt Geschichte lebendig werden.
Verpackt in einer interessanten Geschichte, mit Charakteren, die man gerne mag, vermittelt die Autorin gekonnt die politischen und sozialen Hintergründe der 1930er Jahre.
Der Schreibstil von Anne Stern ist fesselnd und gut verständlich.
Nach ein paar Seiten war ich wieder mittendrin im Leben von Hulda Gold.
Jetzt lasse ich Hulda Gold nur ungern alleine.
Aber zum Trost gibt es noch eine Leseprobe zum 8. Band.
„Fräulein Gold – Der Preis der Freiheit“ d erscheint im Dezember 2025.

Honigstaat

Hanni Münzer
Historischer Roman
588 Seiten
erschienen im Piper Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Piper Verlag für das Rezensionsexemplar

spannender und geschichtsträchtiger Roman

Klappentext:
Berlin, 1933: Die politischen Ereignisse führen in der Familie von Tessendorf zu schweren Zerwürfnissen. Daisy muss sich ein unabhängiges Leben aufbauen und arbeitet als Assistentin für Albert Speer im innersten Kreis der Macht. Als ihre Freundin Mitzi in eine tödliche Intrige gerät, nutzt Daisy ihre Position, um sie zu retten. Unterstützung erhält sie von ihrer französischen Mutter Yvette, die selbst ein Geheimnis hütet. Erst als Daisy dem Mann ihres Lebens begegnet kultiviert, brillant und ein englischer Spion –, erkennt sie ihre wahre Bestimmung

„Honigstaat“ ist die Fortsetzung des Bestellromans „Honigland“ von Hanni Münzer.
Hanni Münzer hat mich schon mit einigen Romanen erfreut und auf diese Fortsetzung habe ich mit Vorfreude gewartet.

Im Mittelpunkt steht die Daisy von Tessendorf.
Daisy ist ein sehr gelungener Charakter, ich habe sie schon im 1. Band ins Herz geschlossen.
Daisy durchlebt auch in diesem Band eine große Entwicklung. Sie wird älter und reifer und muss einige Schicksalsschläge einstecken.
Oft handelt sie recht emotional, dadurch gerät sie immer wieder in Schwierigkeiten.
Standesgemäß heiraten und ein sorgloses Leben führen das ist nichts für Daisy.
Sie begehrt auf gegen die starren Konventionen.
So ist Mitzi, die einmal Küchenmädchen auf dem Gut war auch ihre beste Freundin.

Yvette von Tessendorf, die Mutter ist eine Frau mit vielen Verbindungen.
Sie ist geheimnisvoll, weiß meist über die Schwierigkeiten der Kinder Bescheid und findet schnell Lösungen.
Woher ihre Verbindungen kommen, das wird nicht ganz aufgelöst.
Hier haben die Leser*innen einen Spielraum für ihre Gedanken.

Hanni Münzer hat für ihren Roman wieder recht vielseitige und durchaus interessante Protagonisten erschaffen.
Die meisten sind aus dem 1. Band bekannt und mir da schon sympathisch gewesen.
Die Autorin lässt wieder viel Zeitgeschehen in die Geschichte einfließen.
So ist die negative politische Entwicklung deutlich zu spüren.
Auch die Kriegsjahre erleben die Leser*innen mit den Protagonisten.
Daisy bekommt eine Anstellung bei Albert Speer, der im Laufe der Geschichte zu Hitlers Architekten und Rüstungsminister wird.
So rückt auch Daisy ins Zentrum der Macht vor und hat immer wieder Kontakt zu Hitler. Oft genug überlegt Daisy wie man diesen Mann stoppen kann.
Diese geschichtlichen Hintergründe verpackt Hanni Münzer gekonnt in einer unterhaltsamen Geschichte.
Ich war nach wenigen Seiten wieder von der Geschichte so gefesselt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

„Honigstaat“ ist eine gelungene Fortsetzung von „Honigland“ und ich habe das Buch mit großer Freude gelesen.

Die zeit der Hoffnung

Bettina Pecha
Historischer Roman
364 Seiten
erschienen bei Bettina Pecha
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Bettina Pecha für das Rezensionsexemplar

Drei Frauen – drei Schicksale

Klappentext:
Stuttgart, 1957: Endlich dürfen Katharina und Moritz sich das Jawort geben. Die Geburt ihres Kindes macht ihr Glück vollkommen, obwohl dies für Katharina den Abschied von ihrem geliebten Beruf bedeutet. Das Schicksal führt die kleine Familie nach Berlin, eine schillernde Metropole, aber gleichzeitig das Herz des Kalten Krieges, eine geteilte Stadt und Spielball politischer Intrigen der Supermächte.
Zwei Frauen werden in dieser bewegten Zeit zu Katharinas Freundinnen: Lisa, die sich gegen die gnadenlose Moral der Wirtschaftswunder-Ära behaupten muss, und Marion, deren Liebe zu Claus durch den heraufziehenden Schatten des Berliner Mauerbaus bedroht ist. Währenddessen gibt Katharina ihren Traum von einer beruflichen Zukunft nicht auf – entgegen aller Widerstände. Finden die drei Frauen ihr Glück oder zerbrechen ihre Träume an der harten Realität?

„Die Zeit der Hoffnung“ von Bettina Pecha knüpft an den Roman „Die Straße des Glücks“ an, der bei Tinte & Feder erschienen ist.

Katharina erwartet ein Kind und muss ihren geliebten Beruf aufgeben. Die Familie zieht nach Berlin, wo alles so anders scheint. Berlin ist eine schillernde Metropole, aber der „Kalte Krieg“ ist deutlich zu spüren.
In Berlin findet Katharina in Lisa und Marion zwei Freundinnen, die sich gegenseitig unterstützen.
Lisa wird ungewollt schwanger, doch ihr Freund möchte von dem Kind nichts wissen.
Marion ist in Claus verliebt, doch der Bau der Mauer kann ihr Glück zerstören.

Bettina Pecha erzählt in ihrem Roman von drei Frauen und drei Schicksalen.
Ihre Charaktere sind starke Frauen, die sehr lebensnah beschrieben werden.
Katharina, Lisa und Marion waren mir schnell sympathisch.
Ich habe sie sehr gerne eine Weile durch ihr Leben begleitet.
Katharina war mir aus „Die Straße des Glücks“ schon bekannt. Auch in dieser Geschichte muss sie wieder für ihre Selbstständigkeit kämpfen. 
Auch die Handlungsorte, vor allem Berlin, werden sehr authentisch beschrieben. Der Krieg ist schon einige Zeit vorbei und die Menschen haben wieder Freude am Leben. Doch in Berlin ist die Trennung zwischen Ost und West besonders hart zu spüren.
Bettina Pecha vermittelt somit ihren Leser*innen jede Menge Zeitkolorit. 
Der Schreibstil von Bettina Pecha ist fließend und sehr kurzweilig.
In einer gut verständlichen Sprache bringt sie ihren Leser*innen die Protagonisten und die Zeit der Handlung näher.
Ich bin schnell tief in die Geschichte eingetaucht.

„Die Zeit der Hoffnung“ ist ein interessanter und unterhaltsamer Roman, den ich gerne weiterempfehle.

Die Hyazinthenschwestern

Rebekka Eder
Historischer Roman
492 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar.

Man kann den Duft der Hyazinthen förmlich riechen

Klappentext:
Berlin, 1848: Wo später einmal der Boxhagener Platz sein wird, erstrecken sich duftende Hyazinthenfelder, so weit das Auge reicht, die Ländereien der fünf Sonntag-Schwestern. Früher waren sie unzertrennlich, doch seit dem Tod ihres Bruders Heinrich steht ein dunkles Geheimnis zwischen ihnen. Vor allem die mittlere Schwester Alba leidet sehr unter dem großen Streit. Zumal ihre Familie drauf und dran ist, die Felder zu verkaufen, die Alba über alles liebt. In der Sprache der Blumen, die ihre Mutter sie gelehrt hat, versucht sie, mit ihren Schwestern Frieden zu schließen und für den Erhalt von Boxhagen zu kämpfen. Bis eines Morgens ein Fremder in ihrem Blumenbeet liegt, der vorgibt, der neue Gärtner zu sein. Hals über Kopf verliebt sie sich in ihn, ohne zu ahnen, dass in seiner Brust das Herz eines Revolutionärs schlägt, der bereits den Aufstand plant. Ihre Liebe verändert Albas Blick auf die Welt, sodass sie nicht nur Mut fasst, für eine bessere Zukunft zu kämpfen, sondern auch, sich der düsteren Vergangenheit ihrer Familie zu stellen.

„Die Hyazinthenschwestern“ ist der neue historischer Roman von Rebekka Eder.

Die Leser*innen reisen in der Geschichte nach Boxhagen in das Jahr 1948.
Im Mittelpunkt stehen die Schwestern Ludmila, Amalie, Alba, Ottilie und Clara Sonntag.
Die Schwestern waren vor dem Tod ihres Bruders Heinrich unzertrennlich. Jetzt sind sie zerstritten und ein Geheimnis hängt über ihnen.

Die Leser*innen begleiten die Schwestern und ihre Eltern durch eine schwere Zeit.
Es ist die Zeit der Märzrevolution. Immer wieder kommt es zu Gefechten und Barrikaden und es gibt viele Tote. Auch Kasimir der neue Gärtner in den sich Alba verliebt ist in das Revolutionsgeschehen involviert.

Besonders gut gefällt mir Alba, sie leidet sehr unter dem Zerwürfnis der Schwestern.
Besonders gerne ist sie in den Blumenfeldern der Familie. Ihre Mutter hat Alba die Sprache der Blumen gelehrt und sie versucht damit ihren Schwestern wieder näher zukommen.

Rebekka Eder führt die Leser*innen in die Zeit der Märzrevolution. Die Autorin spiegelt die Zeit mit vielen Informationen sehr authentisch wider.
Die Handlungsorte werden sehr gut beschrieben. Die Hyazinthenfelder hatte ich beim lesen vor Augen und den Duft in der Nase.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich.
Die Perspektive wechselt immer wieder zwischen den Charakteren und es gibt auch Rückblicke in die Vergangenheit. Das erfordert etwas Konzentration, man bekommt aber
immer schnell mit bei wem und in welcher Zeit man sich gerade befindet.
Die Atmosphäre ist oft angespannt. Das Geheimnis der Familie ist deutlich zu spüren. In den Rückblicken kommt es langsam zu Tage.

Mit „Die Hyazinthenschwestern“ hat mir Rebekka Eder ein großes Lesevergnügen beschert. Ich freue mich schon auf weitere Geschichten aus der Feder der Autorin.

Lindy Girls

Anne Stern
Historischer Roman
348 Seiten
erschienen im Aufbau Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar

Der Traum vom Tanzen

Klappentext:
Fasziniert vom neuen Swing aus Amerika gründet die Choreographin Wally eine Tanzgruppe. Ihre Tänzerinnen findet sie in den Straßen Berlins. Doch den »Lindy Girls« bleibt der Zugang zu den großen Tanzpalästen verwehrt, denn hier haben die Männer das Sagen. Dagegen begehrt auch Sekretärin Gila auf, die davon träumt, mehr zu schreiben als das, was ihr diktiert wird. Mit ihr stößt die Industriellentochter Thea zur Gruppe, und ihre Kontakte öffnen endlich Türen. Aber dann kommt den »Lindy Girls« die Liebe in die Quere.

„Lindy Girls von Anne Stern führt die Leser*innen ins Berlin der 1920er Jahre.

Im Mittelpunkt stehen 4 Frauen.
Die Choreographin Wally Kaluza gründet eine Tanzgruppe, die „ Lindy Girls“.
Ihr Traum ist es auf der Bühne Erfolg zu haben. Doch in einer Welt in der Männer dominieren ist das schwer.

Alice Margoniner ist eine junge Fabrikarbeiterin die den Charleston liebt.
Sie und ihr Bruder sind Waisenkinder und Alice kümmert sich um ihren jüngeren Bruder.
Neben ihrer Arbeit bringt sie Straßenkindern das Tanzen bei.

Gila Neumann ist Sekretärin bei einer Berliner Zeitung. Sie ist eine waschechte Berlinerin.
Ganz im stillen schreibt sie an einem Roman.

Thea Brehm kommt aus einer Industriellenfamilie. Sie kommt also aus besserem Hause.
Auch sie liebt das Tanzen und hat Talent dazu, so landet auch Thea bei den „Lindy Girls“.

Die Leser*innen begleiten die 4 Frauen die, die Liebe zum Tanz verbindet. Mit Swing und Charleston wollen sie die Tanzpaläste aufrühren und modernisieren.
Neben ihrer Arbeit üben sie solange es ihre Kräfte hergeben. Doch die Entscheidung in den Tanzpalästen haben immer noch die Männer und die wollen an etablierten festhalten.
Erst als ein Freund von Wally, der US Amerikaner Tony aus Amerika zurückkommt und sie unterstützen möchte bekommen sie Engagements in kleinen Etablissements.

Anne Stern hat trolle Protagonisten erschaffen. Es hat mir sehr viel Freude gemacht sie durch die Geschichte zu begleiten. Die Frauen lassen sich in der von Männern bestimmten Welt nicht unterkriegen. Müssen allerdings so ihre Erfahrungen machen.

Die Autorin hat die 1920er Jahre und die Handlungsorte lebendig und farbenprächtig beschrieben. Schnell hatte ich auch die passende Musik dazu im Kopf.

Durch den flüssigen, unterhaltsamen und gut verständlichen Schreibstil bin ich schnell ganz tief in die Geschichte versunken.

Anne Stern von der ich schon einige Romane gelesen habe hat mich auch mit ihrem neuen Roman „Lindy Girls“ wieder total begeistert.

Club Paradies – Im Glanz der Macht

Caren Benedikt
Roman
erschienen im Blanvalet Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an das Bloggerportal und den Blanvalet Verlag für das Rezensionsexemplar.

Band 1 einer fesselnden Dilogie

Covertext:
Berlin, 1976: Der skrupellose Immobilienpatriarch Hanns Borchardt befindet sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere, er ist der Mann, mit dem jeder Geschäfte machen will. Seiner Frau Maria und seinen beiden Kindern Holger und Hanna bietet er ein luxuriöses Leben. Doch die perfekte Fassade der Borchardts trügt: Hanna sehnt sich nach Freiheit und einem selbstbestimmten Leben, Holger begehrt gegen die Familie und die spießige Gesellschaft auf, und Maria denkt über Scheidung nach.
Hanns hat aber noch weitaus größere Probleme, denn mit all dem Ruhm und Reichtum geht auch eine Gier einher, die ihn eine verhängnisvolle Entscheidung treffen lässt. Welchen Preis ist Hanns bereit zu zahlen, um sein Lebenswerk zu retten? Und was hat Lea Stern, die Besitzerin von Berlins spektakulärstem Nachtclub, mit alldem zu tun?

„Club Paradies – Im Glanz der Macht“ ist der erste Band der neuen Dilogie von Bestsellerautorin Caren Benedikt.
Nach dem ich die Reihe „Das Grand Hotel“ verschlungen habe und auch die Veröffentlichungen unter ihren anderen Pseudonymen begeistert lese war ich auf „Club Paradies“ schon sehr gespannt.

Die Protagonisten sind wieder interessant und lebendig gestaltet
Im Mittelpunkt steht die Familie Borchardt.
Hanns Borchardt stammt eigentlich aus einem einfachen Elternhaus. Mit seinem Geschäftssinn und seiner Skrupellosigkeit hat er es bis ganz nach oben geschafft.
Unter seiner Machtbesessenheit und seiner Egozentrik leidet seine Familie.
Seine These ist stets „Wer nicht wagt der nicht gewinnt“.
Jetzt scheint Hanns sich verspekuliert zu haben. Ein riesiges Bauprojekt mitten in Berlin scheint ihm das Knick zu brechen.
Doch aufgeben ist keine Option. Zu viel steht auf dem Spiel.

Auch seine Frau Maria und die Kinder Holger und Hanna durchleben einige Höhen und Tiefen.
Immer häufiger kommt es zu Streitigkeiten in der Familie.
Das hat zur Folge, dass Holger sein Elternhaus verlässt und zu einem Studienfreund zieht.
Auch Hanna spielt mit dem Gedanken endlich ein freies Leben zu führen.
Maria stellt sich selbst immer in den Hintergrund. Für sie zählt die Familie. Doch die droht langsam zu zerbrechen.

Dann gibt es da noch Lea Stern. Sie ist die Besitzerin des Nachtclubs „Golden Paradise“.
Sie scheint die einzige zu sein die sich von Hanns Borchardt nicht manipulieren lässt.

Im ersten Band „Club Paradies – Im Glanz der Macht“ begleiten wir die Protagonisten über einen Zeitraum von 5 Wochen. In dieser Zeit passiert so wahnsinnig viel.
Caren Benedikt erzählt die Geschichte in einem ordentlichen Tempo, dass mich beim lesen richtig in Atem gehalten hat.
Nach einige Seiten wurde ich wie durch einen Sog in die Geschichte hineingezogen.
Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Einige Ereignisse mit historischem Hintergrund wie z. B. die Studentenunruhen und die RAF werden in die Geschichte eingeflochten. Auch die aufkommenden Pornofilme finden Erwähnung. Die 1970er Jahre werden von der Caren Benedikt sehr authentisch widergespiegelt.
Der bekannte flüssige und unterhaltsame Schreibstil der Autorin mit vielen interessanten Ereignissen findet sich auch in dieser Geschichte wieder.

Am Ende gibt es noch ein interessantes Nachwort von Caren Benedikt und eine Leseprobe zum zweiten Teil auf den ich schon sehr gespannt bin.