Die verheimlichte Tochter

Soraya Lane
Roman
374 Seiten
Übersetzt aus dem Englischen von Sigrun Zühlke und Hannah Freiwald
erschienen im Droemer Knaur Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Wieder ein bewegendes Schicksal

Klappentext:
Schon lange hat Ella das Gefühl, dass in ihrem Leben etwas fehlt. Es erscheint ihr wie ein Zeichen, als sie von einem ehemaligen Londoner Frauenhaus eine mysteriöse Schachtel überreicht bekommt, auf der der Name ihrer verstorbenen Großmutter steht. Die Schachtel enthält lediglich ein verblichenes Foto aus Griechenland und ein altes Notenblatt.
Ella nimmt sich spontan eine Auszeit, um dem Rätsel auf den Grund zu gehen. Bei ihren Recherchen zu dem Notenblatt lernt sie den charmanten Pianisten Gabriel kennen, der das Lied darauf erkennt. Das Foto wiederum führt Ella auf eine kleine griechische Insel. In einem malerisch gelegenen Häuschen am türkisblauen Meer entdeckt sie nicht nur ihre lange vernachlässigte Kreativität wieder: Zusammen mit Gabriel kommt Ella ihrer tragischen Familiengeschichte auf die Spur und dem Geheimnis um eine verbotene Liebe. Kann das Erbe ihrer Großmutter Ella auch einen neuen Weg in die Zukunft weisen?

„Die verheimlichte Tochter“ ist der 3. Band der Reihe „Die verlorenen Töchter“ von der neuseeländische Autorin Soraya Lane.

Die Geschichte ist ähnlich aufgebaut wie die der vorherigen Bände.
Wie schon Lily im ersten Band „Die verlorene Tochter“ und Claudia im zweiten Band „Die vermisste Tochter, so bekommt auch in diesem Band eine junge Frau ein geheimnisvolles Holzkästchen.
Auf dem Kästchen steht der Name von Ellas verstorbener Großmutter.
Die Schachtel enthält ein Notenblatt und ein Foto von Griechenland.
Ella ist eine erfolgreiche Kunsthändlerin in London.
Doch immer wieder spürt sie eine Leere in ihrem Inneren. Als sie das Kästchen mit dem Foto von Griechenland sieht, macht sie sich auf eine Reise ans Ägäische Meer, um nach ihre Vergangenheit zu suchen.

Ella reist nach Athen, um dort mehr über den Inhalt des Kästchens zu erfahren.
In Griechenland lernt Ella den Pianisten Gabriel kennen. Gabriel erkennt anhand des Notenblatts das Lied.
Das Bild führt sie dann schließlich zu einer kleinen griechischen Insel. Zusammen mit Gabriel versucht sie ihrer Familiengeschichte auf die Spur zu kommen.

Die Geschichte hat zwei Zeitebenen, einmal die Gegenwart und dann die Vergangenheit in Griechenland und London.
Hier lernen die Leser*innen Alexandra kennen.
Als Alexandras Mutter gestorben ist, gibt der Vater seine Tochter zu seiner Schwägerin. In London spürt Alexandra das erste Mal ein Gefühl von Freiheit. Doch ihr Vater möchte sie so schnell wie möglich verheiraten. Doch Alexandras Herz gehört schon einem Anderen.

Soraya Lane erzählt ihre Geschichte mit sehr viel Gefühl und sehr atmosphärisch.
Die Beschreibung der Handlungsorte war für mich wie eine virtuelle Reise.
Ihre Charaktere sind mit viel Liebe zum Leben erweckt.
Der Schreibstil der Autorin ist fesselnd, flüssig und gut verständlich, hat aber auch etwas Geheimnisvolles.
Ich wurde beim Lesen schnell wie durch einen Sog in die Geschichte hineingezogen.
Ich liebe es einfach, wenn in einer Geschichte Geheimnisse aus der Vergangenheit in der Gegenwart auf geblättert werden.

Ein Geheimnis ist, es gibt nicht nur eine Schachtel, sondern sieben.
Also gibt es außer Lily, Claudia und Ella noch weitere Empfängerinnen.
Jeder von ihnen soll ein Band gewidmet werden und dabei werden die Leser*innen an die schönsten und geheimnisvollsten Orte geführt.

Jetzt freue ich mich schon auf den 4. Band „Die verborgene Tochter“ der im Dezember erscheinen soll.


Das kleine Bücherdorf – Sommerzauber

Katharina Herzog
Roman
331 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Das richtige Buch zum genießen

Klappentext:

Vintage-Mode und Bücher – das sind die zwei großen Leidenschaften im Leben von Ann Webster. In ihrer Boutique verkauft sie nicht nur wunderschöne Secondhandcouture, jedem Kleidungsstück liegt auch die Geschichte seiner früheren Besitzerinnen bei. Was niemand wissen darf: Ann schreibt heimlich unter Pseudonym ziemlich pikante Liebesromane! Als ein großer Verlag auf Ann aufmerksam wird, ist sie überglücklich. Doch die Lektorin möchte ausgerechnet, dass sie die Geschichte des unverkäuflichen Brautkleides in ihrem Schaufenster erzählt. Und somit auch die Geschichte von ihr und Ray, der ihr vor vielen Jahren das Herz gebrochen hat und der nun nach Swinton gekommen ist, weil er die stillgelegte Whisky-Destillerie wiedereröffnen will. Ann muss sich der Vergangenheit stellen, wenn ihr Traum vom Glück wahr werden soll.

„Das kleine Bücherdorf – Sommerzauber“ ist der 4. und letzte Band der Reihe „Das kleine Bücherdorf“ von Katharina Herzog.

Ich habe mich schon gefreut, wieder an die Südwestküste Schottlands zu reisen und auch den einen oder anderen bekannten Protagonisten wieder zutreffen.
Das kleine Bücherdorf hat knapp 1000 Einwohner und ein Dutzend Buchhandlungen. Ein Traum!

In diesem Buch steht Ann Webster im Mittelpunkt. Sie führt eine Boutique für Secondhandcouture. Das besondere, sie erzählt auch zu jedem Kleidungsstück, das sie verkauft seine Geschichte.
Unter einem Pseudonym schreibt Ann Liebesromane. Jetzt tritt ein Verlag an sie heran und möchte, dass sie die Geschichte des Brautkleids in ihrem Schaufenster schreibt.
Jetzt muss Ann sich ihrer Vergangenheit stellen. Den das Brautkleid, das unverkäuflich ist, ist das Brautkleid von Ann.

Katharina Herzog erzählt die Geschichte mit viel Romantik. Es ist eine schöne Geschichte zum Zurücklegen und entspannen und genießen.

Die Charaktere sind mir wieder schnell sympathisch gewesen. Katharina Herzog lässt ihre Protagonisten immer richtig lebendig werden. Auch das Setting in Schottland ist traumhaft schön.
Katharina Herzog beschreibt alles so intensiv, bei mir hat schnell ein Kopfkino eingesetzt.

„Das kleine Bücherdorf – Sommerzauber“ ist eine bezaubernde, romantische Geschichte, die ich mit großer Freude gelesen habe.

Views

Marc-Uwe Kling
Roman
269 Seiten
erschienen im Ullstein Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar

erschreckend realistisch

Klappentext:
Die 16-jährige Lena Palmer verschwindet spurlos. Drei Tage später taucht sie in einem verstörend brutalen Video wieder auf, welches in atemberaubendem Tempo viral geht.
BKA-Kommissarin Yasira Saad soll Lena finden und die Täter identifizieren. Ihr bleibt wenig Zeit, denn schon gibt es erste gewalttätige Demonstrationen in deutschen Städten. Eine rechtsradikale Gruppierung namens »Aktiver Heimatschutz« gewinnt rasant an Zulauf. Kann Yasira die Täter verhaften, bevor der Lynchmob zuschlägt und der Rechtsstaat zu wanken beginnt?

„Views“ von Marc-Uwe Kling ist eine fiktive Geschichte, die erschrecken realistisch klingt.
Ich habe von Marc-Uwe Kling schon einige Bücher gelesen und bin immer wieder erstaunt, wie gekonnt der Autor von einem Genre zum anderen springt.

Die 16-jährige Lena Palmer wird vermisst. Kurz darauf taucht ein Video auf, in dem das Mädchen vergewaltigt wird.
Die Täter haben einen Migrationshintergrund.
Das BKA möchte ein Zeichen setzten, in dem sie Yasira Saad, deren Eltern aus dem Libanon stammen, mit dem Fall beauftragen.
Yasira soll das Bild der Ermittlungen sein.
Die Ermittlungen haben gerade begonnen, als ein zweites Video kursiert. Ein Mann, der sich Bär nennt, ruft auf, dem „Aktiver Heimatschutz“ beizutreten und Jagd auf die Täter zu machen.
Es kommt zu schweren Demonstrationen. Den Ermittlern sitzt die Zeit im Nacken.
Yasira kommt es seltsam vor, dass sie so gar keinen Hinweis findet, wo das Opfer steckt, wer die Täter sind und wo der Tatort ist.
In ihr fängt eine Idee an zu reifen.

„Views“ wird zwar als Roman deklariert, für mich ist es ein Thriller. Das Buch ist mit seinen nur 269 Seiten gefüllt mit Spannung. Ich habe es gestern an einem Stück gelesen.

Marc-Uwe Kling führt seine Leser*innen in einem ordentlichen Tempo durch die Ermittlungen. Trotz der vielen fachlichen Hinweise, z. B. zur KI ist die Geschichte gut verständlich geschrieben.
Die Charaktere sind sehr facettenreich und interessant.
Das Szenario, das der Autor in seinem Buch beschreibt, möchte man sich gar nicht vorstellen und doch ist es so realistisch geschrieben, dass ich es mir gut vorstellen kann.

Auf dem Cover ist eine Warnung vor sensiblen Inhalten. Die Videos werden zwar beschrieben, aber nicht in allen Einzelheiten so, dass man es trotz allem gut lesen kann. Für mich war vielmehr der Ursprung der Tat erschrecken. Die Geschichte ist zwar im Kopf von Marc-Uwe Kling entstanden und ist fiktiv. Aber ich kann mir so etwas in naher Zukunft schon vorstellen. Das ist sehr erschreckend und lässt mich noch einige Zeit über die Geschichte nachdenken.

Windstärke 17

Caroline Wahl
Roman
256 Seiten
erschienen im Dumont Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Dumont Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine gelungene Fortsetzung

Klappentext:
Ida hat nichts bei sich außer dem alten, verschrammten Hartschalenkoffer ihrer Mutter, ein paar Lieblingsklamotten und ihrem MacBook, als sie ihr Zuhause verlässt. Es ist wahrscheinlich ein Abschied für immer von der Kleinstadt, in der sie ihr ganzes bisheriges Leben verbracht hat. Im Abschiednehmen ist Ida richtig schlecht; sie hat es vor zwei Monaten nicht einmal auf die Beerdigung ihrer Mutter geschafft. Am Bahnhof sucht sie sich den Zug aus, der am weitesten wegfährt, auf keinen Fall will sie zu ihrer Schwester Tilda nach Hamburg, und landet auf Rügen. Ohne Plan, nur mit einem großen Klumpen aus Wut, Trauer und Schuld im Bauch, streift sie über die Ostseeinsel. Und trifft schließlich auf Knut, den örtlichen Kneipenbesitzer, und seine Frau Marianne, die Ida kurzerhand bei sich aufnehmen. Zu dritt frühstücken sie jeden Morgen Aufbackbrötchen, den Tag verbringt Ida dann mit Marianne, sie walken gemeinsam durch den Wald oder spielen Skip-Bo, abends arbeitet Ida mit Knut in der »Robbe«. Und sie lernt Leif kennen, der ähnlich versehrt ist wie sie. Auf einmal ist alles ein bisschen leichter, erträglicher in Idas Leben. Bis ihre Welt kurz darauf wieder aus den Angeln gehoben wird.

„Windstärke 17“ von Caroline Wahl ist die Fortsetzung von „22 Bahnen“ und erzählt Idas Geschichte.

Mittlerweile sind 10 Jahren vergangen. Idas Mutter ist gestorben und Ida will weg. Weg aus der Fröhlichstraße, weg von der Kleinstadt, wo sie ihr ganzes Leben verbracht hat.
Die letzten 10 Jahre hat Ida ziemlich alleine mit ihrer alkoholsüchtigen Mutter verbracht. Die hat nun endgültig, mit einer Überdosis Tabletten ihrem Leben ein Ende bereitet.
Das ging an der Psyche von Ida nicht spurlos vorbei. Zu Tilda hat Ida wenig Kontakt. Ich denke, sie konnte ihr nicht verzeihen, dass sie sie mit der Mutter alleine gelassen hat.
Jetzt ist Ida auf Rügen gestrandet und findet nette Menschen, die sie aufnehmen. Jetzt heißt es, alle die Wut und all den Kummer zu verarbeiten.

Auch bei dieser Fortsetzung hat mich Caroline Wahl gleich wieder mit ihrem frischen Schreibstil begeister.
„Windstärke 17“, erzählt die Autorin jetzt aus der Sicht von Ida.
Die Leser*innen erfahren grob, was in den letzten Jahren passiert ist.
Den Kontakt zu Tilda, die inzwischen Mann und Kinder hat, lehnt Ida ab.

Da ich Windstärke 17 gleich im Anschluss an „22 Bahnen“ gelesen habe, ist Tilda in meinem Kopf noch immer präsent. Die Erlebnisse der letzten Jahre aus Idas Sicht sind für mich erschütternd.
Zum einen ist es gut zu wissen, dass Tilda trotz allen Schwierigkeiten im elterlichen Haushalt eine eigene Familie hat und auf festen Beinen steht. Ida war aber einfach noch zu jung, als Tilda das Elternhaus verlassen hat. Sie hat schwere Verletzungen an ihre Seele davongetragen.
Es war nicht immer einfach zu lesen. Oft habe ich das Bedürfnis gehabt, Ida in die Arme zu nehmen.
Der frische Schreibstil von Caroline Wahl hat dafür gesorgt, dass ich auch dieses Buch in einem Rutsch gelesen habe.

„Windstärke 17“ ist um einiges tragischer als „22 Bahnen“. Ein Buch, über das ich noch länger nachdenken muss.

22 Bahnen

Caroline Wahl
Roman
205 Seiten
erschienen im Dumont Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Dumont Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein erfrischend junges Buch

Klappentext:
Tildas Tage sind strikt durchgetaktet: studieren, an der Supermarktkasse sitzen, sich um ihre kleine Schwester Ida kümmern und an schlechten Tagen auch um die Mutter. Zu dritt wohnen sie im traurigsten Haus der Fröhlichstraße in einer Kleinstadt, die Tilda hasst. Ihre Freunde sind längst weg, leben in Amsterdam oder Berlin, nur Tilda ist geblieben. Denn irgendjemand muss für Ida da sein, Geld verdienen, die Verantwortung tragen. Nennenswerte Väter gibt es keine, die Mutter ist alkoholabhängig. Eines Tages aber geraten die Dinge in Bewegung: Tilda bekommt eine Promotion in Berlin in Aussicht gestellt, und es blitzt eine Zukunft auf, die Freiheit verspricht. Und Viktor taucht auf, der große Bruder von Ivan, mit dem Tilda früher befreundet war. Viktor, der genau wie sie immer 22 Bahnen schwimmt. Doch als Tilda schon beinahe glaubt, es könnte alles gut werden, gerät die Situation zu Hause vollends außer Kontrolle.

›22 Bahnen‹ ist eine raue und gleichzeitig zärtliche Geschichte über die Verheerungen des Familienlebens und darüber, wie das Glück zu finden ist zwischen Verantwortung und Freiheit.

„22 Bahnen“ von Caroline Wahl war 2023 das Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels. Jetzt ist „22 Bahnen“ als Taschenbuch erschienen und ich muss es endlich lesen.

Mit ihrem erfrischenden Schreibstil hat Caroline Wahl mich dann auch schnell begeister.
Ihre Charaktere sind jung und lebendig.
Besonders ragt natürlich Tilda heraus. Sie lebt immer noch in der Kleinstadt in der Fröhlichstraße. Obwohl, es da gar nicht so fröhlich zugeht. Tilda hat schon früh die Verantwortung für ihre Schwester übernommen. Die Mutter ist Alkoholikerin und nur selten zeigt sie Reue und deckt abends den Tisch. Die meiste Zeit aber liegt sie auf dem Sofa und trinkt.
Tilda arbeitet neben dem Studium um im Supermarkt an der Kasse. Sie sorgt liebevoll für Ida, ihre jüngere Schwester. Als ihr an der Uni empfohlen wird, sich für eine Promotion in Berlin zu bewerben, ist ihr klar, dass sie ihre Schwester selbstständiger machen muss. Ida muss lernen, sich auch emotional vor ihrer Mutter zu schützen.
Auch Ida ist ein toller Charakter. Es macht Freude, ihre Veränderung mitzuerleben.

Bei dem ernsten und zum Teil traurigen Thema ist 22 Bahnen kein trauriges Buch.
Caroline Wahl hat einen leichten und beschwingten Schreibstil, der am eher einmal Schmunzeln lässt, statt traurig zu machen.
Caroline Wahl setzt in ihrer Geschichte auf Dialoge. Ich denke, das macht das Buch so erfrischend.

„22 Bahnen“ ist eine Geschichte, mit einem frischen und anderen Schreibstil. Auch mich hat das Buch begeistert.

Jetzt liegt die Fortsetzung „Windstärke 17“ schon bereit.

Das Vermächtnis von Murano

Jessica Amankona
Historischer Roman
555 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an das Bloggerportal und den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar

Schöner und detailliert geschilderter historischer Roman

Klappentext:
Murano, 1893: Eine gute Partie zu machen interessiert Orietta Volpato wenig. Als rebellische Tochter einer venezianischen Glasbläserfamilie träumt die Zwanzigjährige vielmehr davon, eines Tages den Betrieb der Familie zu übernehmen. Ihr großes Idol ist die einflussreiche Salondame Sibilla Veridiani. Orietta tut alles dafür, eine der heißbegehrten Eintrittskarten zum Maskenball der Veridiani anlässlich des Karnevals zu ergattern. Kurz bevor sie ihrem schillernden Traum ganz nah ist, trifft sie bei einer Gondelfahrt auf einen mysteriösen Fremden, der ihr Herz ungewohnt höherschlagen lässt. Doch dann verspielen ihre Brüder die Manufaktur, und Orietta ist die Einzige, die das Erbe ihrer Familie jetzt noch retten kann. Trifft sie die falsche Entscheidung, könnte nicht nur ihr Leben in tausend Scherben zerspringen.

„Das Vermächtnis von Murano“ ist der Debütroman von Jessica Amankona.
Schon alleine das Cover hat mich dazu inspiriert, das Buch zu lesen.

Jessica Amankona entführt ihre Leser*innen nach Venedig in das späte 19. Jahrhundert.
Auf der Insel Murano lebt die Glasbläserfamilie Volpato.
Im Mittelpunkt steht die 20-jährige Tochter Orietta. Eine für diese Zeit rebellische junge Frau, die weiß, welchen Weg sie gehen möchte.
Orietta legt keinen Wert darauf, eine gute Partie zu machen. Vielmehr möchte sie so viel wie möglich lernen, ihr Wissen bereichern. Ihr Traum ist es, eines Tages die Glasmanufaktur der Eltern zu übernehmen. Doch als Frau hat sie da wenig Chancen. Als ihre Brüder eines Tages die Glasmanufaktur verspielen, setzt Orietta alle dran, das Geschäft doch noch zu retten.

Ich habe etwas gebraucht, um mich mit der Geschichte vertraut zu machen. Doch nach etwa einem Drittel der Geschichte waren mir die Charaktere vertraut und ich konnte der Geschichte gut folgen.

Jessica Amankona beschreibt ihre Charaktere sehr genau und lässt sie richtig lebendig wirken. Auch die Handlungsorte werden sehr gut beschrieben. Man kann sich das alte Venedig und die Insel Murano sehr gut vorstellen.

Die Autorin erzählt die Geschichte aus der Sicht von Orietta. So taucht man richtig in das Leben der jungen Frau ein. Ich habe mit ihr gefühlt. Habe die schönen Momente genossen und hätte sie bei den traurigen Momenten gerne in den Arm genommen und getröstet.

Die Autorin führt ihre Leser*innen auch in die Welt der Glasbläser. Ich fand das interessant und bin gerne in die Geschichte eingetaucht.

Natürlich darf in so einem Roman auch die Romantik nicht fehlen und auch die hat Jessica Amankona gut in Szene gesetzt.

Für mich hatte die Geschichte eine gewisse Spannung. Sie war zu keiner Zeit vorhersehbar. Ich war immer gespannt, welchen Weg Orietta einschlägt.

„Das Vermächtnis von Murano“ ist ein historischer Roman, den ich gerne gelesen habe und in den ich ganz tief eingetaucht bin.

Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf

Andrea Paluch und Robert Habeck
Roman
150 Seiten
erschienen bei Kiepenheuer & Witsch
Meine Bewertung:
3 von 5 Sternen

Vielen Dank an Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar

Nicht ganz nachvollziehbar

Klappentext:
Nach Roberts ungeklärtem Tod zieht sich Helene in sich selbst zurück. Sie funktioniert, ihre Kinder sind noch klein, sie kümmert sich um ihre Firma, doch in ihr ist es still. Bis eines Tages ein alter Freund anruft, ein ehemaliger Verehrer, der sie in die Oper einlädt. Sie sagt zu, um der alten Zeiten willen. Als ihr Begleiter in der Pause von Mozarts »Entführung aus dem Serail« zum Sektstand geht, fällt ihr Blick auf einen Mann, dessen Züge, dessen Bewegungen sie wiederzuerkennen glaubt. Sie hört auf zu atmen. Ist das ihr Ehemann? Sie spricht ihn an. Ist das Robert – oder ein anderer?

„Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf“ von Andrea Paluch und Robert Habeck ist bereits 2007 erschienen und wurde jetzt noch einmal neu veröffentlicht.

Der Klappentext hat mich neugierig gemacht.
Der Plot klingt spannend und interessant. Doch Helene konnte mich nicht ganz überzeugen. Sie führt nach dem Tod ihres Mannes dessen Firma weiter, versorgt Haushalt und Kinder. In ihr immer noch die Trauer um ihren Mann, der bei einer Schifffahrt tödlich verunglückt ist, dessen Leiche aber nie gefunden wurde.
Als sie von einem Freund in die Oper eingeladen wird, hadert sie lange. Doch sie beschließt dann kurzfristig doch in die Oper zu gehen. Helene besorgt einen Babysitter und freut sich auf den Abend.
In der Oper trifft sie dann auf einen Mann, den sie für ihren Ehemann Robert hält. Der Mann leugnet Robert zu sein. Es ist normal, dass bei Helene Erinnerungen hochkommen.
Ich fand es spannend und ich habe gerätselt, ob es wirklich der für tot gehaltene Robert ist.
Doch das Verhalten von Helene war für mich nicht mehr nachvollziehbar. Ihre zwei Kinder zu Hause schien sie völlig vergessen zu haben. Es gab nichts, was sie nach Hause gezogen hätte.

„Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf“ ist ein zeitgenössischer Roman, der zum Teil spannend geschrieben ist, aber auch seine Schwächen hat.

Das Licht in den Birken

Romy Fölck
Roman
348 Seiten
erschienen im Wunderlich Verlag (Rowohlt)
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Genau die richtige Geschichte für den
Sommer

Klappentext:
Thea wagt mit Mitte fünfzig einen Neuanfang und kehrt nach über zwanzig Jahren im sonnigen Portugal zurück in ihre norddeutsche Heimat. Sie zieht mit ihren beiden Ziegen auf einen idyllischen Hof in die Lüneburger Heide. Hier will sie zur Ruhe kommen und Frieden mit ihrer Vergangenheit schließen. Das Ankommen ist alles andere als einfach – der Hofbesitzer Benno hat ein Händchen für Tiere und Pflanzen, aber anderen Menschen begegnet er schroff.
Thea und Benno schaffen es, sich anzunähern als sie einer jungen Frau helfen, die sich beim Wandern den Fuß verletzt hat. Juli bleibt nichts anderes übrig, sie muss ihre Reise aufschieben. Weil es schlecht um den Lebenshof für Tiere steht, werfen Thea und Juli ihre Vorbehalte über Bord und setzen alles daran, Bennos Lebenswerk zu retten.

„Das Licht in den Birken“ von Romy Fölck ist ein idealer Sommerroman.

Benno betreibt einen Lebenshof für Tiere. Doch der Hof ist verschuldet und steht fast vor dem Aus.
Von den Wohnungen auf dem Hof erhofft Benno sich, Mieteinnahmen zu verschaffen, um sich über Wasser zu halten. So zieht Thea, die aus Portugal zurück in ihre Heimat kommt, dort ein. Thea hat über 20 Jahre in Portugal gelebt. Jetzt sucht sie Ruhe in der Lüneburger Heide.
Die Wohnung auf dem Hof von Benno ist wie für sie geschaffen, zumal ihre beiden Ziegen Clara und Aurelia auf dem Hof gut leben können.
Benno ist kein einfacher Mann, doch Thea schafft es mit ihrer Art sich ihm anzunähern.
Bei einem Spaziergang trifft Thea auf Juli, die sich das Sprunggelenk verletzt hat und nicht mehr weiterwandern kann. Kurzerhand nimmt Thea Juli mit auf den Hof.
Als Thea und Juli bemerken, wie es wirklich um den Lebenshof steht und dass Benno sein ganzes Herzblut in den Hof gesteckt hat, beschließen sie, dass die beiden Benno helfen wollen, den Hof zu retten.

Romy Fölck entführt ihre Leser*innen in diesem Roman in die Lüneburger Heide.
Wie man es von der Autorin gewohnt ist, beschreiben Sie die Landschaft sehr anschaulich. Auch wenn man noch nicht in der Lüneburger Heide war, hat man schnell Bilder vor Augen. Auch ihre Charaktere werden wieder sehr lebensnah beschrieben und gefallen mir sehr gut.
Es ist schön, mitzuerleben, wie sich Thea und Juli annähern und auch Benno nach kurzer Zeit mitreißen können.
Das Engagement für den Lebenshof finde ich großartig und es berührt mich sehr, wie Thea und Juli sich bemühen, den Hof zu retten.

Ich kenne Romy Fölck durch ihre spannende Krimireihe, die im Erbmarsch spielt, und durch ihren Roman „Die Rückkehr der Kraniche“, der mir auch sehr gut gefallen hat.
Mit ihren zwei Romanen hat die Autorin gezeigt, dass sie in mehreren Genre zu Hause ist.
Romy Fölck hat einen flüssigen und fesselnden Schreibstil. In ihre Geschichten tauche ich immer ganz tief ein.

Ich wünsche mir mehr solcher Geschichten von Romy Fölck und natürlich auch weitere Krimis.

Das unsichtbare Band


Haneen Al-Sayegh
Roman
335 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Übersetzt aus dem Arabischen von Hamed Abdel-Samad
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar.

Ein bemerkenswerter Debütroman

Klappentext:
In den Bergen des Libanon wächst die junge Amal in der starken, patriarchalischen Religionsgemeinschaft der Drusen auf. Sie wollen nur eines: Die Schule besuchen und studieren, doch Mädchen haben dort keine Rechte. Der Großvater lässt zwischen sich und seiner Frau eine Mauer errichten, aber die Mutter darf immerhin Brot backen, und damit bezahlt sie das Schulgeld ihrer Töchter.

Als Amal, die Jüngste, mit fünfzehn verheiratet wird und das Elternhaus verlässt, schwört die Mutter. Unbeirrt, auch wenn gegen viele Widerstände, geht die junge Frau ihren Weg und beginnt zu begreifen, was es heißt, selbstbestimmt zu leben und wahrhaftig zu lieben.

„Das unsichtbare Band“ ist das Romandebüt von Haneen Al-Sayegh.
Die Autorin erzählt die Geschichte von Amal, einer jungen Frau, die im Libanon aufwächst und sich gegen die patriarchalischen Fesseln ihrer Gesellschaft stellt.

Amal lebt in einem kleinen Dorf in den Bergen, wo Traditionen und Erwartungen alles bestimmen. Schon früh wird ihr klar, dass sie als Frau weniger Rechte und Freiheiten hat als die Männer. Doch Amal wird sich nicht unterwerfen. Sie träumt von einem Leben, in dem Sie selbstbestimmt sein können und für Ihre eigenen Entscheidungen einsteht.

Der Roman zeichnet ein eindrückliches Bild des Lebens im Libanon, geprägt von starken Kontrasten zwischen Tradition und Moderne. Haneen Al-Sayegh beschreibt mit viel Feingefühl die Schwierigkeiten, denen Frauen in einer patriarchalischen Gesellschaft ausgesetzt sind. Sie zeigt aber auch, wie Amal und andere Frauen sich gegen die Unterdrückung wehren und für ihre Rechte kämpfen.

Für ihren Roman hat Haneen Al-Sayegh starke Charaktere entworfen. Mit Amal bringt die Autorin ihren Leser*innen das Leben der arabischen Frauen näher. Die Frauen hängen in einer Welt der Tradition fest. Sie müssen hart für ihre Rechte kämpfen und doch meist auf den Unwillen der Männer stoßen.
Verbunden sind die arabischen Frauen durch ein unsichtbares Band, das ihnen Kraft und Stärke verleiht.

„Das unsichtbare Band“ ist ein poetischer und anrührender Roman, der die Leser*innen mit auf Amals Reise nimmt. Es ist ein Buch über Freiheit, Liebe und die Kraft der Frauen.

Ich habe „Das unsichtbare Band mit Freunden“ gelesen.

Backstein

Femke Vindevogel
Roman
240 Seiten
erschienen im Steidl Verlag
Übersetzt von Ingrid Ostermann
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Steidl Verlag für das Rezensionsexemplar

Wenn Gewalt die Familie prägt

Klappentext:
Eine unerwartete Erbschaft, zwei Säcke randvoll mit Steinen, katapultiert Iggy zurück in eine Kindheit voller Alkoholmissbrauch, körperlicher Gewalt und bizarrer DDR-Obsession. Es sind die Steine eines abgeschlagenen Wandgemäldes. Als Iggy in ihrer sanften Dachgeschosswohnung das sechsmal drei Meter große Bild zusammenfügt, stellt sich heraus, dass einige Steine fehlen. Iggy, die ihr eigenes Leben nur mit Mühe zusammenhält, tritt die Flucht nach vorne an. Gemeinsam mit ihrer Ex, der Künstlerin Luka, macht sie sich auf die Suche nach den fehlenden Puzzleteilen und der Wahrheit. Die Suche führt sie nach Berlin, wo Iggy, der größte Lügner ihres verstorbenen Vaters, auf die Spur kommt – eine Reise, die ihr Leben verändert. Immer auf ihrer Seite, die wahre Heldin und treue Seele: Mopsdame Kuro. Backstein ist ein aufwühlendes Buch über das Aufwachsen in einer Familie, in der nichts sicher ist, außer, dass es niemanden etwas angeht. Ein beißender, feinfühlig geschriebener Entwicklungsroman mit Blick auf die Möglichkeiten menschlicher Resilienz.

„Backstein“ ist die Geschichte einer jungen Frau, die viel Gewalt erlebt hat, von Femke Vindevogel.

Im Mittelpunkt steht Iggy, der durch eine Erbschaft mit der Vergangenheit konfrontiert wird. Sie erbt zwei Säcke voller Backsteine, die das Überbleibsel eines Wandgemäldes aus der DDR sind, das einst in ihrem Elternhaus hing. Iggy fängt an, das Bild zusammenzufügen. Dabei stellt sie fest, dass einige Steine fehlen. Sie machen sich zusammen mit Luka auf die Suche. Dabei erlangen sie viele Erinnerungen an ihre Kindheit, die von Gewalt und Alkoholmissbrauch geprägt wurde.

Femke Vindevogel zeichnet ein berührendes Bild einer Frau, die mit den Traumata ihrer Kindheit konfrontiert wird und lernt, sich mit ihrer Vergangenheit zu versöhnen.
Dabei gelingt es der Autorin hervorragend, die Gefühle von Iggy ihren Leser*innen zu vermitteln.
Iggys Wut, Trauer und Scham werden den Leser*innen auf eindringliche Weise aufgezeigt. Gleichzeitig zeigt der Roman auch Iggys Stärke und ihren Willen, sich aus den Fängen ihrer Vergangenheit zu befreien.

Der Roman ist nicht nur ein packendes Frauenschicksal, sondern auch eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte. Die DDR-Vergangenheit spielt eine wichtige Rolle in Iggys Leben und prägt ihre Sicht auf die Welt.

Femke Vindevogels Schreibstil ist flüssig und gut verständlich. Sie versteht es gut, Ihren Leser*innen die dunkelsten Augenblicke auf humorvolle Weise zu vermitteln.

„Backstein“ ist ein fesselnder und berührender Roman, der lange nach dem Lesen nachhallt. Fenke Vindevogel hat ein wichtiges und aktuelles Thema auf eine einfühlsame und literarisch wertvolle Weise aufbereitet.
Für mich war es sehr interessant, Iggys Entwicklung mitzuerleben.