Die Lockvögel

Anna Nicholas
Kriminalroman
395 Seiten
Übersetzt aus dem britischen Englisch von Eva Regul und Alexandra Berlina
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannende Ermittlungen auf Mallorca

Klappentext:
Isabel Flores wundert sich. Wer bitte stiehlt in Sant Martí den Nachbarn die Haustiere? Als sie gerade die Neugier packt, ruft Tolo Cabot an, ihr Freund und ehemaliger Kollege bei der Polizei. Er bittet sie erneut um Hilfe in einem Entführungsfall, doch keine Hunde und Papageien, sondern die junge Floristin Paloma Crespí ist spurlos verschwunden. Wieder einmal ist Isabels ganzes Können gefragt und die Unterstützung des halben Dorfes.

„Die Lockvögel“ ist der 2. Band der Mallorca-Krimireihe von Anna Nicholas.

Anna Nicholas entführt ihre Leser*innen nach Mallorca.
Der Herbst hält Einzug und langsam kehrt Ruhe auf der beliebten Urlaubsinsel ein.
Isabel Flores möchte die ruhige Zeit nutzen und sich um ihre Ferienwohnungen kümmern.
Da erfährt Isabel, dass Haustiere plötzlich verschwinden. Wer bitte schön stiehlt Haustiere?
Tolo Cabot, ehemaliger Polizeikollege und Freund von Isabel, braucht ihre Hilfe. Er steckt in einem Entführungsfall. Die junge Floristin Paloma Crespí ist verschwunden.
Und schon steckt Isabel wieder mitten in einem Fall.

Wer schon einmal die Insel besucht hat, wird viele bekannte Orte wiederentdecken. Die Autorin beschreibt die Insel sehr detailliert. Ich habe die schöne Landschaft und die Orangenplantagen förmlich vor mir gesehen.
Auch die Protagonisten werden gut in Szene gesetzt.
Isabel hat mir schon im ersten Band gut gefallen. Sie ist selbstbewusst und hat eine schnelle Auffassungsgabe. Sie arbeitet sie als externe Polizistin und wird immer zu schwierigen Fällen hinzugezogen. Ansonsten vermietet Isabel Ferienwohnungen.

Der Fall der entführten Floristin beschäftigen Isabel und Tolo Cabot, aber auch die verschwundenen Haustiere lassen Isabel nicht zur Ruhe kommen. Im Fall der verschwundenen Haustiere gibt es Spuren, die in ein Versuchslabor führen. Der Fall scheint auch unabhängig von der Entführung der Floristin zu sein. Hier gibt es gleich mehrere Verdächtige. Nur wer schließlich dafür verantwortlich ist, bleibt lange offen.

Anna Nicholas erzählt den Fall spannend. Immer wieder gibt es Wendungen, die einen Verdacht plötzlich unbrauchbar machen.
Die Landschaft, Menschen und das gute Essen Mallorcas werden ausführlich beschrieben.
Ein bisschen Fernweh bekommt man beim Lesen schon.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, gut verständlich und fesselnd.

„Die Lockvögel“ ist ein spannender Kriminalroman mit schönem Setting. Ich freue mich schon auf den 3. Band.

Die Tür

Dorothea Hoefth
Psychothriller (FSK 18)
435 Seiten
erschienen im Selfpublishing
4 von 5 Sternen

Harter und düsterer Psychothriller

Klappentext:
Er hat sie gerettet, als sie zwölf war. Jetzt ist sie achtzehn und die Einzige die Ihn retten kann.
Marcus ist kein Mensch. Er ist ein Werkzeug. Ein ehemaliger Spezialist für das Grobe, der unter dem Decknamen „Der Geist“ Probleme löst, die andere nicht einmal benennen können. Sein Herz ist so kalt wie der Stahl seiner Waffen, bis er sich entschließt, nach Jahren der Brieffreundschaft, zu ihr zu fahren.
Sonya, die Frau, die er als Kind aus der Hölle eines bulgarischen Menschenhandelsrings befreite, ist nun erwachsen. Sie ist das Licht in seinem sorgfältig konstruierten Schattenreich. Doch gerade als Marcus lernt, was es bedeutet, zu fühlen, schlägt die Vergangenheit zu: Die zwölfjährige Nachbarstochter Kaithlyn wird entführt.
Um sie zu finden, muss Marcus den „Geist“ wiedererwecken, die emotionslose Killermaschine in ihm. Er infiltriert ein globales Netzwerk der Elite, das vor nichts zurückschreckt. Während Marcus eine Spur aus Blut und Daten hinterlässt, erkennt Sonya, dass sie ihren Beschützer nicht nur begleiten, sondern ihn vor der vollständigen Dunkelheit bewahren muss.

„Die Tür“ ist ein Dark-Suspense-Thriller (FSK 18) ist das Debüt von Dorothea Hoefth.
Ein Psychothriller, der die Leser*innen tief in die Abgründe der menschlichen Psyche zieht.

Im Mittelpunkt steht Marcus. Ein Mann, der jahrelang wie eine emotionslose Maschine funktionierte und die Tür zu seiner Gefühlswelt strikt verschlossen hielt. Er hat eine Vergangenheit als professioneller Auftragskiller, versucht nun aber mühsam, ein „normales“ Leben aufzubauen und echte Emotionen zuzulassen.
Gerade als dieser fragile Prozess der Menschwerdung beginnt, schlägt die Realität grausam zu. Die zwölfjährige Nachbarstochter Kaithlyn wird entführt.
Um das Mädchen zu retten, muss Marcus die mühsam verschlossene Tür wieder aufstoßen. Er muss den „Geist“, die eiskalte Killermaschine in seinem Inneren, reaktivieren. Die Suche führt ihn tief in ein globales, skrupelloses Netzwerk einer mächtigen Elite.

Dorothea Hoefth hat ihre Charaktere gut gezeichnet und lebendig werden lassen.

Marcus ist das Herzstück des Romans. Seine Darstellung fasziniert durch die Zweiteilung seines Wesens. Auf der einen Seite steht die erlernte, fast roboterartige Kälte. Auf der anderen Seite die unendliche Zerbrechlichkeit seines Traumas.
Sonya bildet sie das moralische und emotionale Gegengewicht im Buch. Sie fungiert nicht nur als bloße Nebenfigur, sondern als Marcus Anker zur Realität. Während er eine blutige Spur zieht, kämpft Sonya verzweifelt darum, ihn vor dem endgültigen Abdriften in die absolute Finsternis zu bewahren.

Dorothea Hoefth erzählt die Geschichte mit viel Spannung und einer düsteren Atmosphäre.
Ein großer Teil der Geschichte wird in der Ich-Form von Marcus erzählt, was die Leser*innen recht nahe an Marcus herankommen lässt.

Dorothea Hoefths Schreibstil ist analytisch und scharf. Doch dieser Hang zur absoluten Präzision führt manchmal zu ausufernden Erklärungen, die den Lesefluss einschränken.
Kleine Abstriche gibt es für die Wiederholungen der Gedanken und des Handelns, die immer wieder erwähnt werden.

„Die Tür“ ist ein Psychothriller der harten Art und nicht für schwache Nerven gedacht.

Die geheime Grotte von Garda

Bernhard Aichner
Kriminalroman
320 Seiten
erschienen bei HaymonKrimi
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an Haymon Krimi für das Rezensionsexemplar

Krimi mit Urlaubsfeeling

Klappentext:
Nach der erfolgreichen Aufklärung eines Mordfalles in Sirmione möchte Edwina Teufel, Chefinspektorin aus Wien, nun endlich die Seele am Gardasee baumeln lassen, sogar in das Wutbuch, das ihr die Psychologin ob ihrer Zornausbrüche aufgedrängt hatte, schreibt sie nun regelmäßig(er). Sirmione kennt sie bereits. Ein Bootsausflug nach Garda könnte der Entspannung zuträglich sein. Ein wohlverdientes Eis und ein Einkaufsbummel, anschließend eine Verabredung mit Freunden, die das naheliegende Weingut Cà della Ginevra besuchen. Klingt herrlich, oder?
Bevor Edwina jedoch in diesen Genuss kommt, läuft ihr ein Hund über den Weg und gleich darauf wird sie Zeugin einer seltsamen Szene: Ein Junge, so etwa acht Jahre alt, wird von einer großen Gestalt bedroht, die Edwina im Dunkeln eines Durchgangs nicht genau erkennen kann. Aber sie kann helfen. Der Junge weigert sich allerdings, mit ihr zu sprechen, nur seinen Namen verrät er ihr: Peppe Rocco.
„Die geheime Grotte von Garda“ ist der 1. Band der Edwina Teufel Reihe von Isabella Archan.

Im Mittelpunkt steht Edwina Teufel. Sie ist Chefinspektorin aus Wien und nimmt sich eine Auszeit, die ihr von einer Psychologin wegen ihrer Wutausbrüche auferlegt wurde. Doch in Ruhe die Seele baumeln zu lassen, ist Edwina nicht vergönnt. Erst hat sie einen Mordfall in Sirmione mit aufgeklärt (1. Band „Die Schlange von Sirmione“). Jetzt bei einem Ausflug nach Garda, läuft ihr Peppe Rocco, ein 8-jähriger Junge, über den Weg. Der Junge wurde von einer großen Gestalt bedroht und braucht zweifelsohne Hilfe. Nach der Frage nach seiner Mutter tischt er Edwina Lügen auf. Edwina wendet sich an Commissario Adriano Alceste, der im Moment den Mordanschlag auf Noemi Loma untersucht. Natürlich kann Edwina nicht widerstehen, ihre Nase auch in diesen Fall zu stecken.

Isabella Archan hat großartige Charaktere ins Leben gerufen. Edwina war mir schnell sympathisch. Sie ist wissbegierig und kann gut Schlüsse ziehen. Sie ist sich auch der Wichtigkeit ihrer Auszeit bewusst und führt mehr schlecht als recht auch ihr Wutbuch, das sie von der Psychologin bekommen hat. Aber Edwina ist nun einmal Chefinspektorin, und wenn sie einen Fall wittert, ist sie nun mal dabei.

Commissario Adriano Alceste ist auch gut getroffen. Ich denke, ihm ist Edwinas Anwesenheit gar nicht so unrecht.

Peppe Rocco ist ein cleverer Junge und ich habe ihn schnell ins Herz geschlossen. Seine Mutter hat ihn weggeschickt, weil er sonst mit in Gefahr geraten könnte. Von Edwina lässt er sich gerne Eis und Pasta spendieren.

Isabella Archan erzählt die Geschichte in einem ruhigen Tempo. Die Handlungsorte am Gardasee werden anschaulich beschrieben und es kommt ein richtiges Urlaubsfeeling auf.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich.
Die Dialoge sind manchmal zum Niederknien. Ich mag den Humor, den Isabella Archan immer wieder einstreut.

„Die geheime Grotte von Garda“ ist ein richtiger Urlaubskrimi, den ich gerne gelesen habe.

Wer blind vertraut

Kriminalroman
480 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Tessa Duncan Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannend und intelligent aufgebauter Kriminalroman

Klappentext:
Ein neuer Fall aus ihrer therapeutischen Praxis bringt Lily Brown an ihre Grenzen und sogar in höchste Lebensgefahr. Was ist der Tochter ihrer schwer depressiven Patientin Mary-Ann zugestoßen, die seit fast drei Jahren vermisst wird? Lebt die inzwischen 13-jährige Laura noch? Und wie kann sie dem Heiratsschwindler Paul das Handwerk legen, der ihre Patientin Caroline um viel Geld betrogen hat? Aber nicht nur das: Ist dieser Mann womöglich ein Mörder?

„Wer blind vertraut“ ist der 3. Band der Reihe „Die Canterbury-Fälle“ von Tessa Duncan.

Die Autorin ist mir schon lange unter ihrem Klarnamen Marita Spang und dem Pseudonym Marie Lacrosse bekannt. Mit zahlreichen historischen Romanen hat die Autorin mich erfreut. Die Reihe „Die Canterbury-Fälle“ hat mir vom ersten Band an sehr gut gefallen.

Ihre Charaktere sind sehr interessant und lebendig.
Die Psychologin Lily Brown hat ihren Job bei der MET aufgegeben und unterhält zusammen mit Matt Rider eine psychologische Praxis. Mittlerweile ist sie schwanger und sollte ihre Arbeit etwas reduzieren. Doch manche Patienten lassen Lily nicht los und sie versucht alles, um ihnen zu helfen, auch wenn sie dabei in Gefahr gerät.

In diesem Band sind es gleich zwei Patientinnen, die Lilys Aufmerksamkeit besonders fordern.
Mary-Anns Tochter wird seit 3 Jahren vermisst. Mittlerweile besteht wenig Hoffnung, das Mädchen noch lebend wiederzufinden. Nach einem Selbstmordversuch muss sie in Therapie, sonst droht das Jugendamt, die jüngere Tochter in Obhut zu nehmen.
Lily muss feststellen, dass Mary-Ann sehr verschlossen ist, nichts preisgibt und auch ihre Aufgaben, die sie von Lily bekommt, nicht erfüllt und schließlich gar nicht mehr erscheint. Lily vermutet, dass Mary-Ann von ihrer Mutter, bei der sie mit ihrer Tochter lebt, und von ihrem Bruder stark unter Druck gesetzt wird. Die wirklichen Ausmaße ahnt Lily da noch nicht.

Caroline, eine weitere Patientin, hat an einem Heiratsschwindler Geld verloren. Erst hat sie ihren Mann verloren und dann ist sie auf Paul hereingefallen. Sie wird ihre Probleme bei Lily los und fühlt sich nach kurzer Zeit schon wieder bereit, ihr Leben zu meistern. Doch möchte sie zusammen mit Sally, einer Frau, die auch auf Paul hereingefallen ist, weiterhin zu Lily und den Gesprächen kommen. Kurz darauf begeht Sally Selbstmord. Einen Selbstmord, an den Lily und Caroline nicht glauben.

Lily versucht, trotz der fortschreitenden Schwangerschaft zu ermitteln, was hinter den Fällen steckt.
Auch privat geht es bei Lily turbulent zu. Ihr geliebter Kater erkrankt. Ihr Partner Dan lebt kurzzeitig wieder bei seiner Frau, um sich um seine neugeborene Tochter zu kümmern. Nach der Geburt von Lilys Kind hat er versprochen, die Scheidung einzureichen.
Dan hat aber auch beruflich alle Hände voll zu tun. Immer wieder werden junge Frauen vermisst und es gibt so gut wie keine Spuren von ihnen.

Man spürt, dass Tessa Duncan weiß, wovon sie schreibt, schließlich ist sie promovierte Psychologin. Ihre Kenntnisse in der Psychologie setzt die Autorin auch sehr gekonnt in der Geschichte ein.

Tessa Duncan baut nach und nach Spannung auf, die sie bis zum Ende aufrechterhält.
Ihr Schreibstil ist flüssig, gut verständlich und fesselnd.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und werden sehr lebendig und realistisch durch die Geschichte geführt.
Dabei bekommen die Leser*innen einige interessante Einblicke in das Verhalten von Menschen mit einem Messie-Syndrom. Es ging weit über meine Vorstellungen hinaus und wurde sehr glaubhaft widergespiegelt.

Mit „Wer blind vertraut“ hat die Autorin einen psychologisch intelligent aufgebauten Krimi veröffentlicht. Nach nur wenigen Seiten wurde ich wie durch einen Sog in die Geschichte hineingezogen. So habe ich die fast 500 Seiten ganz schnell gelesen.
Ich freue mich schon jetzt, wenn der 4. Band erscheint.

Klein aber tot

Joe Fischler
Kriminalroman
298 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an de Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Mord in Knuffingen

Klappentext:
Willkommen in Knuffingen, der malerischen Miniaturwelt zwischen Harz und Alpen, ein Ort, der vor allem eines ist: überschaubar. Und friedlich. Zumal die Knuffinger gar nicht ahnen, dass sie Teil eines berühmten Miniaturuniversums sind. Doch die Idylle trügt, denn plötzlich steht Kommissar Jojo Wunder vor einem Riesenproblem. Friedrich Frank, Journalist und berüchtigter Schmähkritiker, wird ermordet aufgefunden. Der Tote hatte mehr Feinde als Freunde, was den Fall nicht leichter macht. Und ausgerechnet die Menschen, die Jojo am nächsten stehen, geraten unter Verdacht: seine heimliche Liebe, die undurchschaubare Blumenhändlerin Liora Märklin und seine eigene Mutti, deren Restaurant Frank zuvor vernichtend verrissen hat. Als Jojo sie verhaften soll, ist für ihn endgültig Schluss mit lustig.

„Klein aber tot“ ist der erste Band der Knuffingen-Krimis von Jo Fischler.
Von Jo Fischler habe ich schon die humorvolle Arno Bussi-Reihe gelesen und natürlich die Thriller, die er unter dem Namen Jan Beck veröffentlicht.

Für die Knuffingen-Reihe hat Jo Fischler wieder einmal recht skurrile Charaktere erschaffen.
Jojo Wunder ist der einzige Kommissar in Knuffingen. Eigentlich geht es dort auch eher gemütlich zu. Doch als der Journalist Friedrich Frank ermordet aufgefunden wird, gehören alle die zum Kreis der Verdächtigen, über die der Journalist böse Kritiken geschrieben hat. Dazu gehören auch Jojos Mutter und die Blumenhändlerin Liora Märklin, auf die Jojo ein Auge geworfen hat.
Eine verzwickte Situation, die Jojo einiges abverlangt.

Jo Fischler. Besticht hier wieder mit seinem unverwechselbaren Humor. Schon die Idee, die Miniaturwelt Knuffigen als Handlungsort zu wählen, ist genial.
So sind dann auch die Charaktere. Facettenreich, skurril und sympathisch.

Der Schreibstil von Jo Fischler ist flüssig, gut verständlich und fesselnd.
Neben dem Humor kommt natürlich auch die Spannung nicht zu kurz. Es ist ein Mord aufzuklären und gleichzeitig ist ein Brandstifter unterwegs, der es auf das Schloss abgesehen hat.

„Klein aber tot“ ist ein humorvoller Krimi, der mir wunderbare Lesestunden geschenkt hat.

Hotel Sacher: Das Geheimnis von Zimmer 313

Thomas Brezina
Kriminalroman
256 Seiten
erschienen bei edition a
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an edition a für das Rezensionsexemplar

Vergangenheit und Gegenwart gekonnt miteinander verknüpft

Klappentext:
1900 macht Anna Sacher das Hotel über die Grenzen des Landes hinaus bekannt. Die Geschäftsfrau, ständig begleitet von ihren zwei Bulldoggen, widersetzt sich allen Konventionen. Was nur die wenigsten wissen: In einem besonderen Zimmer zieht sie sich stets zurück, um ihre Zigarren zu rauchen. Mehr als hundert Jahre später steigen im Sacher die Reichen und Schönen ab. Doch in einem Zimmer geschehen merkwürdige Dinge. Es ist das alte Zimmer von Anna Sacher. Was steckt dahinter?

„Hotel Sacher: Das Geheimnis von Zimmer 313“ von Thomas Brezina ist ein Kriminalroman, der die Geheimnisse der Vergangenheit mit in die Gegenwart bringt.
Von Thomas Brezina liebe ich die historische Krimireihe „Kaiserin Elisabeth ermittelt“. Auf sein „Hotel Sacher“ war ich gespannt.

Wer kennt es nicht, das weltberühmte Hotel Sacher und die gleichnamige Torte?
Die Geschichte hat zwei Zeitebenen.
Einmal die Vergangenheit, hier lernen die Leser*innen Anna Sacher kennen, die das Hotel berühmt gemacht hatte.
Anna Sacher hatte 1926 eine Schatulle, von der niemand was wusste, in ihrem Zimmer, in dem sie gerne ihre Zigarren geraucht hatte, hinterlegt. Die Schatulle darf erst in 100 Jahren geöffnet werden.

Die 2. Zeitebene ist dann die Gegenwart. Die Journalistin Allegria Boran soll über das hundertjährige Geheimnis berichten.
Hier ändert sich die bisher lockere und leichte Atmosphäre und wird düster und geheimnisvoll. Man ahnt, dass hier etwas zutage kommt, was besser im Verborgenen geblieben wäre.

Thomas Brezina erzählt die Geschichte unterhaltsam und fesselnd. Beide Zeitebenen haben so ihre Stärken. Es war spannend und interessant, 100 Jahre zurückzuschauen. Aber auch die Gegenwart hatte einiges zu bieten, und zwar ein 100 Jahre altes Geheimnis.

Thomas Brezina verwebt gekonnt die Vergangenheit mit der Gegenwart. Dabei ist sein Schreibstil locker, unterhaltsam und fesselnd.
Die Seiten sind nur so davongeflogen.

„Hotel Sacher: Das Geheimnis von Zimmer 313“ ist ein spannender und unterhaltsamer Kriminalroman, den ich mit Freude gelesen habe.

Totenfrau – Der Rausch

Bernhard Aichner
Thriller
334 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an de Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Keine Ruhe für die Totenfrau

Klappentext:
Brünhilde Blum. International gesuchte Mörderin. Liebevolle Mutter zweier Töchter. Seit Monaten auf der Flucht. In Hamburg will sie zur Ruhe kommen, einen Neuanfang wagen, und fast, so scheint es, gelingt es ihr auch. Ausgestattet mit einer neuen Identität und etwas Geld wohnt sie mit ihren Töchtern in einem wunderschönen Fischerhäuschen an der Elbe und arbeitet als Aushilfe in einem Bestattungsinstitut. Alles ist gut. Bis zu dem Tag, an dem sie für ihr neues Leben bezahlen muss, denn der Mann, dem sie das neue Glück zu verdanken hat, fordert ein, was sie ihm versprochen hat. Sie soll für ihn jemanden töten. Das Problem dabei ist nur, dass es sich um einen Menschen handelt, der ihr sehr ans Herz gewachsen ist.

„Totenfrau – Der Rausch“ ist der 3. Band der Totenfrau-Reihe von Bernhard Aichner.
Zum TV-Start im Free-TV hat der Rowohlt Verlag die Reihe noch einmal neu aufgelegt.
Ich habe schon einige Bücher von Bernhard Aichner gelesen. Jetzt habe ich mir die Totenfrau-Reihe vorgenommen. Nachdem der 1. Und 2. Band ein richtige Pageturner waren, musste ich auch den 3. Band unbedingt lesen.

Brünhilde Blum wird immer noch als Mörderin gesucht. Doch inzwischen hat sie eine neue Identität und lebt mit ihren Kindern in Hamburg, wo sie Ruhe finden möchte.
Brünhilde arbeitet als Aushilfe in einem Bestattungsunternehmen, was bei ihr ja naheliegt.
Doch schon wieder wird sie aufgefordert jemanden zu töten.

Bernhard Aichner hat einen unverwechselbaren Schreibstil. Seine kurzen und prägnanten Sätze sagen so viel aus.
Seine Charaktere werden sehr lebendig dargestellt.
Blum ist eine außergewöhnliche Protagonistin. Schon im 1. Und 2. Band hat sie mich richtig überwältigt. Sie ist zwar die Böse, bringt Menschen um, trotzdem mag ich die Protagonisten.
Jetzt hätte ich ihr einmal Ruhe gegönnt, Bernhard Aichner allerdings nicht.

Bernhard Aichner baut von der 1. Seite an Spannung auf. Der Autor lässt die Geschichte zwar ruhig anfangen aber als Leser*in weiß man, dass ist die Ruhe vor dem Sturm. Und der Sturm setzt schon bald ein.

Auch der 3. Band „Totenfrau – Der Rausch“ ist ein spannender Thriller, den ich wieder mit Freuden gelesen habe.
Jetzt warte ich sehnsüchtig auf den 4. Band, „Totenfrau – Die Rückkehr“, der am 18.09.erscheinen soll.

Die Therapeutin und ihre Mörder: Dr. Pat Philipps und der tote Klient

Philippa Perry
Kriminalroman
349 Seiten
erschienen im Ullstein Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Elke Link
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein Krimi der ruhigeren Art

Klappentext:
Mit Toten ist man in Westlinke vertraut; die Seven Sisters, weiße, ziemlich hohe Kalksteinklippen, ein Hotspot für traurige Seelen, die ihrem Leben ein Ende setzen wollen. Ermordete hingegen, die gibt es so gut wie nie in diesem verschlafenen Landstrich an der südenglischen Küste. Für die Polizei ist der Fall Henry Clayton deshalb klar: Selbstmord. Eine Theorie, mit der Pat Philipps so gar nichts anfangen kann. Und sie muss es schließlich wissen. Immerhin war sie Henrys Therapeutin. Und für sie kann er nur auf einem Weg die Klippen hinabgestürzt sein kann: Er wurde gestoßen. Aber bei DS Stevens beißt sie mit ihrem Ansatz auf Granit. Also muss sie wohl selbst ermitteln: mit scharfem Blick für die menschlichen Schattenseiten, einem kratzbürstigen Kater und einem Nachbarn mit fatalen Likör-Ideen. Im Gegensatz zur Polizei stellt Pat die richtigen Fragen und findet Antworten, die sie selbst gefährlich nahe an den Abgrund bringen.

„Die Therapeutin und ihre Mörder: Dr. Pat Philipps und der tote Klient“ ist das Krimidebüt und gleichzeitig der 1. Fall für die Psychotherapeutin Pat Philipps von Philippa Perry.

Die Psychotherapeutin Dr. Pat Philipps muss erfahren, dass ihr Patient Henry Clayton Selbstmord begangen hat. Er hat sich von den Seven Sisters gestürzt. Pat, die ihren Patienten besser zu kennen glaubt, zweifelt die Theorie des Selbstmordes an. Doch DS Stevens, für den der Fall klar und schnell abgeschlossen ist, lässt sich von den Zweifeln der Therapeutin nicht beeindrucken.
Also bleibt der Psychotherapeutin nichts anderes übrig, als auf eigene Faust zu ermitteln. Hilfe bekommt sie von ihrem besten Freund Pritchard.

Philippa Perry ist selbst Psychotherapeutin, so liegt es nahe, den Krimi auch von der psychologischen Seite anzugehen.
Ihre Protagonistin Dr. Pat Philipps ermittelt so auch nicht im klassischen Sinn. Sie überzeugt durch Beobachtungsgabe und zieht auf psychologische Art ihre Schlüsse. Bald hat sie einen Verdächtigen, damit ist der Fall aber noch lange nicht gelöst.

Philippa Perry erzählt den Fall in einem ruhigen Ton. Die Charaktere sind gut gezeichnet. Mir gefallen Pat Philipps und auch ihr Freund Pritchard gut.
Die Geschichte lebt von den Dialogen und dem Humor, der immer wieder eingestreut wird.

Der Handlungsort, die englische Küste, wird anschaulich beschrieben.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich.

„Die Therapeutin und ihre Mörder: Dr. Pat Philipps und der tote Klient“ ist ein Cosy-Krimi der mich gut unterhalten hat.

Der Code der Antagonisten

Ute Sommer
Thriller
erschienen im Selfpublishing
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Ute Sommer für das Rezensionsexemplar

Hoch aktuell

Klappentext:
Deutschland 2036. Die Regierung plant die vollständige Automatisierung aller Finanzämter durch Künstliche Intelligenz. Ein Projekt, das die Zukunft der Arbeit neu schreiben soll und hunderttausend Menschen den Arbeitsplatz kosten wird.
Die Hauptfiguren. Die brillante KI-Forscherin Elena Hartmann und der machthungrige Unternehmensberater Alexander von Hohenfeld verkörpern gegensätzliche Weltanschauungen, verfolgen aber dasselbe Ziel: den Regierungsauftrag, um jeden Preis zu gewinnen. Doch bald steht für beide mehr auf dem Spiel als nur ein prestigeträchtiges Projekt: ihre Karrieren, ihre Visionen und ihre engsten Beziehungen.

„Die Codes der Antagonisten“ von Ute Sommer ist ein Wirtschaftsthriller mit einem aktuellen Thema.

Der Thriller führt die Leser*innen in die Zukunft, und zwar in die Jahre 2036 und 2037.
Die KI hat sich weiterentwickelt und droht, immer mehr Arbeitsplätze zu vernichten.
So sollen nun auch die Finanzämter gänzlich automatisiert werden.
Das führt zu Widerständen und Sabotage.

Das Herzstück des Romans ist das psychologische Duell zwischen den beiden Hauptfiguren, die als personifizierte Gegenpole agieren und dennoch dasselbe Ziel verfolgen.

Elena Hartmann ist eine brillante KI-Forscherin. Sie brennt für den technologischen Fortschritt und die logische Perfektion. Sie verkörpert den idealistischen, wenngleich oft kühlen Glauben an die Optimierung der Welt durch Algorithmen. Im Laufe der Handlung gerät ihre rationale Fassade jedoch ins Wanken, als sie mit den realen, existenziellen Konsequenzen ihrer Arbeit für Hunderttausende Menschen konfrontiert wird.

Alexander von Hohenfeld ist ein machthungriger Unternehmensberater und dient als das klassische, pragmatische Gegenüber. Für ihn ist das KI-Projekt die ultimative Karriereleiter. Seine Motivation entspringt nicht dem wissenschaftlichen Ehrgeiz, sondern dem puren Drang nach Einfluss und Status. Seine Figur zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie skrupellos das moderne Wirtschaftssystem agiert.

Die Handlungsorte sind Deutschland und die Schweiz in den Jahren 2036 und 2037.
Die Charaktere sind facettenreich und gut gezeichnet. Es sind beides keine klassischen Helden, sondern Menschen mit Ecken und Kanten.

Der Schreibstil von Ute Sommer ist klar und präzise. Sie verzichtet auf zu viel Ausschmückung und erzählt in präzisen konstruierten Sätzen.
Ohne Fachbegriffe ist so eine Geschichte nicht möglich, denn wir befinden uns in der Welt der Technik. Trotzdem war die Geschichte auch für mich als Laien gut verständlich.

„Die Codes der Antagonisten“ ist ein spannender Wirtschaftsthriller, der tief in die Materie eindringt.

Frau Appeldorn und die tote Diva

Vera Nentwich
Kriminalroman
301 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Vera Nentwich für das Rezensionsexemplar

Ein großes Lesevergnügen

Klappentext:
Dem Kulturverein ist ein großer Coup gelungen: Die berühmte Operndiva Constanze Wegemann tritt in der kleinen Stadt auf. Doch bevor sie die Bühne betreten kann, liegt sie tot in ihrer Garderobe. Und Frau Appeldorn erkennt sofort: Das war Mord.
Gemeinsam mit ihrem Nachbarn Alican Büyüktürk, der mehr detektivisches Talent besitzt, als er zugeben möchte, stürzt sie sich in die Ermittlungen. Denn Constanze war nicht nur berühmt, sie war auch berüchtigt.
Streitlustig, fordernd, launisch … und mit einer beeindruckenden Liste an Feinden.
War ihr Manager Helmut Lehnert am Ende von ihren Allüren so genervt, dass er selbst Hand anlegte?
Warum taucht plötzlich ein ehemaliger Geliebter auf, den niemand erwartet hat?
Und was verbergen die anderen Mitglieder ihres Teams?
Je weiter Frau Appeldorn gräbt, desto mehr Geheimnisse, Eitelkeiten und Verwicklungen kommen ans Licht. Doch sie lässt sich nicht beirren – weder von falschen Fährten noch von eingebildeten Künstlern.
Mit Neugier, Humor und ihrem unverwechselbaren roten Hut taucht sie tief in das Leben der Diva ein … und kommt dem Mörder gefährlich nahe.

„Frau Appeldorn und die tote Diva“ ist der 4. Band der Frau Appeldorn-Reihe von Vera Nentwich.

Vera Nentwich hat liebenswerte Charaktere erschaffen. Frau Appeldorn ist eine originelle Figur, die ich schnell liebgewonnen habe. Sie ist eine pensionierte Chefsekretärin und Hobbyermittlerin. Ihr Markenzeichen, der rote Hut. Schon in einigen Fällen hat sie zum Verdruss der Polizei erfolgreich ermittelt.
Mit dabei ihr Nachbar, Herr Büyüktürk. Auch er ist ein großartiger Charakter.
Im Gegensatz zu Frau Appeldorn, die immer drängt, ist er ein eher ruhiger Mann.
Was er nicht zugibt, ist, dass das Ermitteln auch ihm Spaß macht.

In diesem Band kommt die große Diva Constanze Wegemann in die kleine Stadt. Alle sind aufgeregt. Frau Appeldorn versucht als eine der Vorsitzenden des Kulturvereins, der Diva alle Wünsche zu erfüllen. Als die Diva auf die Bühne geholt werden soll, liegt sie tot in ihrer Garderobe.
Frau Appeldorn sieht gleich: Das war Mord.
Schnell ist sie wieder in ihrem Element und geht der Sache, mit Hilfe ihres Nachbarn Herrn Büyüktürk auf den Grund. Dabei stößt sie auf einige Verdächtige.

Mit viel Humor macht Vera Nentwich den Krimi zu einem echten Wohlfühlkrimi.
Die Protagonisten wurden mit viel Liebe ins Leben gerufen. Bei Frau Appeldorn und ihrer Energie musste ich immer wieder schmunzeln.

Der Schreibstil von Vera Nentwich ist flüssig und gut verständlich.
Der Fall wird spannend erzählt und immer wieder mit Humor aufgelockert. Die Dialoge sind manchmal zum Niederknien.

„Frau Appeldorn und die tote Diva“ ist ein echtes Lesevergnügen. Ich habe den Krimi fast an einem Stück gelesen. Ich wünsche mir noch viele Fälle mit der sympathischen Frau Appeldorn.