Colin Barrett
Roman
erschienen im Steidl Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Claudia Glenewinkel und Hans-Christian Oeser
250 Seiten
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Steidl Verlag für das Rezensionsexemplar
Kleinstadtganoven in der irischen Provinz
Klappentext:
Es ist das wichtigste Wochenende des Jahres. Während sich Ballina im Westen Irlands auf ein großes Fest vorbereitet, verschwindet Doll English nach einem Streit mit seiner Freundin Nicky spurlos von einer Party. Sketch und Gabe Ferdia, Kleinstadt-Gauner mit einem Hang zu roher Gewalt, haben den Jugendlichen entführt. Dessen älterer Bruder, der örtliche Dealer Cillian hat seine Schulden nicht bezahlt. Ihr Cousin Dev scheint den Ferdias der ideale Gastgeber für die Geiselnahme zu sein, denn der sanftmütige Riese führt in ländlicher Abgeschiedenheit ein Leben unter dem Radar. Dev wird zum unfreiwilligen Komplizen, doch ausgerechnet er, die personifizierte Untätigkeit, ist Dolls beste Chance zu überleben. Auch Nicky wird in den Rachefeldzug hineingezogen. Verkatert und voller dunkler Vorahnungen macht sie sich auf die Suche nach ihrem Freund. Wie Dev muss sie, um Doll zu retten, eine Entscheidung treffen.
„Wilde Häuser“ von Colin Barrett ist ein Roman mit skurrilen Charakteren und einem bissigen Humor.
Der Roman handelt von Kleinstadtganoven, Dealer, Schulden und Rache.
Colin Barrett entwirft ein atmosphärisch dichtes Porträt der irischen Provinz, das gleichermaßen düster wie tief berührend ist.
Die Charaktere sind skurril.
Da ist Dev, ein sanfter Riese, der unfreiwillig in die Machenschaften seines kriminellen Cousins hineingezogen wird, und die jungen Nicky, die verzweifelt versucht, ihren Platz in einer Welt voller Stillstand zu finden. Barrett zeichnet keine Helden, sondern echte Menschen mit Ecken und Kanten.
Colin Barrett entwirft ein atmosphärisch dichtes Porträt der irischen Provinz, das gleichermaßen düster wie tief berührend ist.
Der Schreibstil ist präzise und atmosphärisch.
Colin Barretts Sprache ist ein Genuss. Er schreibt mit einer Präzision, jedes Wort sitzt, jedes Bild setzt sich im Kopf fest.
Der Autor schafft es, die Tristesse der Kleinstadt Ballina so lebendig zu beschreiben, dass man den Regen förmlich auf der Haut spürt. Dabei verfällt er nie in Klischees, sondern findet für das Alltägliche eine ganz eigene, raue Poesie.
Trotz der harten Themen (Schulden, Entführung, Perspektivlosigkeit) ist das Buch überraschend humorvoll. Es ist dieser typisch irische, beißende Humor, der aus der Ausweglosigkeit geboren wird. Die Dialoge sind staubtrocken und voller schlagfertiger Boshaftigkeiten, die einen immer wieder laut auflachen lassen. Dieser Kontrast zwischen Gewalt und Witz verleiht der Geschichte eine enorme Dynamik.
„Wilde Häuser“ ist ein fesselnder Noir-Roman über Familie, Loyalität und die Enge der Provinz. Ein absolutes Highlight für alle, die literarische Qualität gepaart mit einer packenden Story suchen.
