Mama Melba – Heimweh schmeckt nach Sauerkirchen

Christine Conner
Historischer Roman
erschienen bei Tinte & Feder
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Christine Conner und LovelyBooks für die tolle Leserunde

Südstaatenepos

1860, Amerika steht kurz vor dem Bürgerkrieg
Die junge Melba Koch verschlägt es vom Schwarzwald nach Louisiana.
Gleich zu Beginn ihrer Ankunft widerfährt sie der erste Schicksalsschlag und sie steht alleine in einem fremden Land.
Mit Glück und auch Dank ihrer Kochkünste bekommt sie eine Anstellung auf der Belle Bleu Plantage.
Hier macht sie die erste Bekanntschaft mit der akadischen und kreolischen Küche.
Die Köchinnen der Plantage bringen ihr viele Rezepte bei.
Melba lernt aber auch kennen was es bedeutet Sklave auf einer Plantage zu sein.
Täglich wird sie Zeuge von den Grausamkeiten der Sklaverei.
Melba sitzt zwischen zwei Stühlen. Sie gehört nicht zu den Herrschaften und nicht zu den Sklaven.
Doch fühlt sie sich eher zu den Sklaven hingezogen, besonders zu dem Schmied Kwasi .
Als der Bürgerkrieg ausbricht wächst die Hoffnung auf Freiheit.
Melba tut alles was in ihrer Kraft steht, dass die Sklaven ihre Hoffnung nicht verlieren.

„Mama Melba – Heimweh schmeckt wie Sauerkirchen“ ist ein emotionaler Südstaatenroman von Christine Conner.
Eigentlich ist es viel mehr als ein Südstaatenroman.

Die Hauptperson ist Melba Koch. Sie ist noch recht jung als sie in die Südstaaten kommt.
Nach kurzer Zeit steht sie ganz alleine da. Mit etwas Glück bekommt sie eine Anstellung als Köchin auf der Belle Bleu Plantage.
Melba die zu Beginn noch etwas naiv wirkt hat keine Vorstellungen was das Leben auf einer Plantage bedeutet.
In die Küche gewöhnt sie sich schnell ein. Dank der liebenswerten Charaktere in dieser Geschichte lernt sie die akadische und kreolische Küche kennen und lieben.
Sie lernt aber auch das Leben der Sklaven kennen zu denen sie sich hingezogen fühlt.
Immer wieder wird sie Zeuge von Misshandlungen, von Kindern die ihren Müttern entrissen und verkauft werden.
Von Flucht die oft nicht gelingt.

Christine Conner erzählt ihren Südstaatenroman aus der Sicht von Melba und somit auch auch aus der Sicht der Sklaven.
Man liest hier nichts von reichen Plantagenbesitzer die rauschende Feste feiern.
Nein, man liest hier was der Reichtum und Luxus für die Sklaven bedeutet hat.
Den Menschen die diesen Luxus ermöglicht haben.
Ich habe mich diesen Menschen beim Lesen oft sehr nahe gefühlt.
Habe mit ihnen gelitten und sie bewundert.
Bewundert dafür, dass sie trotz dem Leid fast nie die Hoffnung aufgegeben haben.
Hoffnung auf ein besseres Leben, auf den Krieg und die Befreiung.

Die Kapitel haben keine Zahlen sondern Buchstaben, da die Hauptperson, Mama Melba ihr Leben in Buchstaben einteilt.
Der Titel des jeweiligen Kapitels ist ein Gericht.
Diese Gericht findet sich dann auch im Kapitel wieder. Mama Melba lernt es kennen oder kocht es zu einem bestimmten Anlass. Die Zutaten und Aromen werden oft so beschrieben, dass man sie beim Lesen auf der Zunge und in der Nase spürt.
Am Ende des Kapitels schenkt die Autorin ihren LeserInnen das Rezept zu dem jeweiligen Gericht.
Hier kann man nach Herzenslust nachkochen und nachbacken und sich somit den Südstaatenflair ins eigene Heim holen.

Mit „Mama Melba“ hat Christine Conner eine grandiosen Roman geschrieben.

Die Geschichte hat mich von Anfang bis Ende begeistert.
Eine Geschichte die alle Sinne anspricht und eine Geschichte die einen etwas nachdenklich zurücklässt.

Der Mut der Frauen

Ellin Carsta
Historischer Roman
erschienen bei Tinte & Feder
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Familiensaga mit Suchtpotenzial

Auf Gut Falkenbach leben 3 Familien.
Die von Falkenbachs, die Familie Heinrich Lehmann und die Familie Wilhelm Lehmann.
Der Zusammenhalt ist nicht mehr so stark wie zu Beginn. Zumindest zwischen Wilhelm und Heinrich scheint die Stimmung schlechter zu werden.

Die Wahrscheinlichkeit eines Krieges wird immer realer.
Die Lehmanns produzieren fleißig Waffen.
Paul-Friedrich von Falkenbach zieht weiterhin die Fäden im Hintergrund und hält, wenn nötig schützend seine Hand über die Familien von Falkernbach und Lehmann.

Elisabeth Lehmann steht kurz vor der Geburt ihres Kindes und ist voller Angst, dass sie wieder kein gesundes Kind zur Welt bringen kann.

„Die Mut der Frauen“ ist der 5. Band der Falkenbach Saga von Ellin Carsta, die schon mit ihrer Hansa Saga große Erfolge gefeiert hat.
Auch die Falkenbach Saga ist für viele Bände angelegt und ich fiebere jedem Band entgegen.

In jedem Band steht eine Gruppe Familienmitglieder im Vordergrund. Im 5. Band sind es die Frauen.
Ich finde diese Titel und die Aufteilung nach Familienmitgliedern sehr gelungen.

Ellin Carsta erzählt die Geschichte in einem flüssigen und spannenden Schreibstil, sie vermittelt die Atmosphäre die zu dieser Zeit in Deutschland herrscht sehr gut.
Je weiter die Zeit voran schreitet so interessanter wird die Familien-Saga.
Es werden viele prekäre Themen angesprochen, sei es die Judenverfolgung, die Verfolgung der Kommunisten oder gar die Zwangssterilisation und ihre Folgen für die Frauen.

Ihre Protagonisten sind mir alle sehr ans Herz gewachsen und ich freue mich immer wenn ich sie wieder treffen darf.

Am Ende des 5. Band habe ich mich zurückgelehnt und gedacht, jetzt kehrt etwas Ruhe in das Leben der Familien ein.
Doch da kam ja noch der Epilog.

Jetzt fiebere ich schon ganz aufgeregt dem 6. Band „Das Los der Männer“ entgegen, der im Oktober erscheinen soll.

Die Straße des Glücks

Bettina Pecha
Historischer Roman
erschienen bei Tinte & Feder
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Der Kampf für ein besseres Leben

Katharina und Frank verbindet eine starke Liebe, die auch die schweren Kriegsjahre übersteht.
Frank kommt 1948 aus der Kriegsgefangenschaft zurück und man denkt jetzt ist das Glück perfekt.
Doch schon bald spürt Katharina eine leere.
Ihr fehlt ihr Beruf als Schneiderin und Modezeichnerin.
Katharina möchte mehr als nur Hausfrau sein.
Dann will auch noch ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit ans Tageslicht.
Katharina versucht sich zu befreien und die alt eingefahrenen Konventionen hinter sich zu lassen.

„Die Straße des Glücks“ von Bettina Pecha erzählt die Geschichte von Katharina, einer jungen Frau die mehr sein möchte als nur Hausfrau.
So wir ihr ist es in dieser Zeit bestimmt vielen Frauen ergangen.
In der Zeit des Krieges, als die Männer an der Front waren mussten die Frauen dafür sorgen, dass das Leben weiter geht.
Trotz Not und Entbehrung mussten sie das Leben in den Städten und Dörfern am Laufen halten.
Nach dem Krieg, als die Männer wieder zurück waren wurden die Frauen wieder in die 2. Reihe verwiesen.
Eigentlich müsste Katharina ja glücklich sein. Ihr Frank ist unversehrt aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt.
Aber das Hausfrauendasein füllt Katharina nicht aus.

Mit Katharina hat Bettina Pecha eine starke Protagonistin erschaffen.
Mir war Katharina gleich sympathisch und ich konnte mich schnell in sie hineinfühlen.
Mir wäre ein Leben als Heimchen am Herd auch zu öde gewesen.
Als LeserInnen begleiten wir Katharina bei ihrem Kampf um Selbstständigkeit und Selbstbestimmung.
Dabei bekommt man in diesem Roman auch noch eine Menge Zeitkolorit vermittelt.
Die ersten Jahre mit Hunger und dann das Wirtschaftswundern, der Aufschwung einige Jahre nach dem Krieg.

Der Schreibstil von Bettina Pecha ist fließend und sehr kurzweilig.
In einer gut verständlichen Sprache bringt sie ihren LeserInnen die Protagonisten und die Handlungszeit näher.

„Die Straße des Glücks“ war mein erster Roman der Autorin aber mit Sicherheit nicht mein Letzter.