Schlafende Vulkane

Michael Hjorth und Bjarni Thorsson
Thriller
477 Seiten
Übersetzt aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn
erschienen im Rowohlt Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannender Island-Thriller

Klappentext:
Blond, blass und splitterfasernackt ist die junge Frau, die ermordet in einem Reitstall am Rande von Reykjavik liegt, von ihrem 10-jährigen Sohn fehlt jede Spur. Es ist die erste Mordermittlung für Helga Jónsdóttir vom Dezernat für Gewaltverbrechen. Die frischgebackene Polizistin vermutet, dass der Junge vor seinem gewaltbereiten Vater geflohen ist und sich in den Höhlen der isländischen Vulkanlandschaften versteckt. Eine lange Überlebenschance hat er nicht. Um ihn zu finden, bittet sie Bjarki um Hilfe, denn niemand kennt die Wildnis besser als er. Während Helga und Bjarki fieberhaft nach dem Jungen suchen, wird eine weitere Frau tot aufgefunden. Der Mörder scheint seine Taten akribisch zu planen. Er ist, das wird Helga klar, so genial wie skrupellos; und bereit, über alle Grenzen zu gehen.

„Schlafende Vulkane“ ist der Auftakt der Thriller-Reihe Helga & Bjarki von Michael Hjorth und Bjarni Thorsson.

Helga Jónsdóttir vom Dezernat für Gewaltverbrechen ist noch nicht lange Ermittlerin. Jetzt soll sie ihren ersten Fall selbstständig leiten.
Eine Frau wird tot in einem Reitstall aufgefunden. Es stellt sich schnell heraus, dass die Tote einen 10-jährigen Sohn hat, der spurlos verschwunden ist. In der Wohnung gibt es Hinweise, dass der Junge durch ein kleines Fenster entkommen konnte. Vor dem Mörder?
Der verschwundene Junge bereitet Helga große Sorgen und sie bittet Bjarki, der sich wie kein anderer in der Vulkanlandschaft auskennt, um Hilfe.
Kurz darauf wird wieder eine Frau tot aufgefunden. Helga steht unter Zeitdruck und gerät in die Kritik ihrer Kollegen.

Mittlerweile gibt es einige Kriminalromane und Thriller, die Island als Handlungsort erkoren haben. Ich lese sie immer wieder gerne. Die raue und dünn besiedelte Landschaft bietet sich regelrecht an.
Michael Hjorth und Bjarni Thorsson machen sich das auch zunutze. Sie beschreiben die Landschaft sehr anschaulich.

Zu Beginn gerät der Vater des verschwundenen Jungen in Verdacht, doch dazu passt das zweite Todesopfer nicht.

Die Leser*innen können zwischendurch die Gedanken des Täters lesen, doch wer es sein könnte, bleibt bis kurz vor dem Ende im Verborgenen.

Die beiden Autoren bauen recht schnell Spannung auf und halten sie auch bis zum Ende aufrecht.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und mir sympathisch. Helga Jónsdóttir zweifelt manchmal an sich selbst, traut sich selbst nicht immer zu, den Fall, der ihr übertragen wurde, zu lösen. Dabei ist sie eine starke und selbstbewusste Frau. Mir war sie gleich sympathisch.
Genauso der Polizist Barki, der früher selbst Ermittler war und jetzt zur Streifenpolizei gehört. Er ist etwas verschlossen und kommt manchmal mürrisch rüber. Dabei ist er nett und hat einen weichen Kern:
In beiden Charakteren steckt viel Potenzial und ich freue mich, noch mehr Fälle mit ihnen zu lösen.

Michael Hjorth und Bjarni Thorsson haben einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Die Autoren haben mich schnell mit ihrer Geschichte gefesselt.

„Schlafende Vulkane“ ist ein spannender Island-Thriller. Ich freue mich schon auf den 2. Band „Stumme Fjorde“, der im November erscheinen soll.

Verstricktes Spiel

Oliver Keller
Thriller
474 Seiten
erschienen bei BoD
Meine Bewertung:
5 von 5 Sterne

Vielen Dank an Oliver Keller für das Rezensionsexemplar

Achtung Hochspannung!

Klappentext:
Lukas Reinhardt, BND. Ethan Porter, CIA. Zwei Männer, die sich seit Jahren kennen, die Regeln ihres Geschäfts, die Lügen, den Preis. Und die einander vertrauen. So weit, wie man in dieser Welt überhaupt vertrauen kann. Der Auftrag scheint klar. Doch er ist größer, als sie ahnen. Mit jedem Schritt verschiebt sich das Bild. Leise. Kaum greifbar. Aber unumkehrbar. Grenzen beginnen zu verschwimmen. Zwischen Freund und Feind. Zwischen Auftrag und Verrat. Zwischen dem, was richtig ist und dem, was notwendig wird. Ihre Spur führt von den Straßen Berlins über die Bergpässe Afghanistans bis in die Machtzentren von Moskau und Washington. Eine Spur, die sich verändert. Eine Spur, die jemand bewusst gelegt hat. Und irgendwann bleibt nicht mehr die Frage, was wahr ist, sondern, wem diese Wahrheit überhaupt noch gehört.

„Verstricktes Spiel“ ist der Auftakt der „Verstrickte-Welten-Trilogie“ von Oliver Keller.

Verschwörungen, Lügen und internationale Konflikte halten die Leser*innen bei diesem Thriller in Atem.

Es wird ein weltweit agierendes Netzwerk aus Korruption und verdeckten Machtspielen aufgedeckt.

Die Ermittler sind Lukas Reinhardt vom BND und Ethan Porter vom CIA. Lukas Reinhardt und Ethan Porter kennen sich seit vielen Jahren aus gemeinsamen internationalen Operationen. Obwohl sie ein tiefes Grundvertrauen teilen, zwingt der aktuelle Fall sie dazu, die Loyalität des jeweils anderen und ihrer Organisationen permanent zu hinterfragen.
Der Autor zeigt beide Charaktere explizit nicht als unfehlbare Superhelden. Ihre Beziehung zueinander ist von ehrlichen Konflikten und der gemeinsamen, schweren psychologischen Last ihrer Einsätze geprägt.

Die Gegenspieler agieren nicht als klassische Bösewichte, sondern als Strippenzieher innerhalb eines globalen Netzwerks aus Politik und korrupten Machtstrukturen.
Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Die Antagonisten nutzen legitime staatliche und wirtschaftliche Institutionen für ihre Zwecke, was es für Lukas Reihardt und Ethan Porter extrem schwer macht, die Drahtzieher direkt zu fassen oder überhaupt zu identifizieren.
Die Gegenspieler greifen gezielt die Schwachpunkte der Agenten an, insbesondere ihre Familien, um Druck auszuüben, wodurch die Jagd zu einem psychologisch dichten Nervenkrieg wird.

Oliver Keller nutzt seine Handlungsorte effektiv, um die globale Dimension der Verschwörung sichtbar zu machen.
Die Handlung der Geschichte springt dynamisch zwischen verschiedenen internationalen Metropolen und geopolitischen Brennpunkten hin und her.
Die verschiedenen Handlungsorte werden atmosphärisch dicht, bildhaft und mit großem Respekt vor den jeweiligen lokalen Kulturen beschrieben.

Der Schreibstil von Oliver Keller ist flüssig, gut verständlich und fesselnd.

„Verstricktes Spiel“ ist ein Thriller mit Hochspannung, ich bin schon auf den 2. Band gespannt.

Das Event

Antje Zimmermann
Thriller
303 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannender Thriller mit tollem Setting

Klappentext:
Kommen Sie sofort raus!“, brüllte Maxi. Doch niemand folgte ihrer Aufforderung. Sie trat langsam, Schritt für Schritt, zur Wanne und schob mit dem Fuß den Vorhang zur Seite. Als der blutverschmierte, nackte Körper vor ihr auftauchte, schrie Maxi auf und machte unwillkürlich einen Schritt zurück. Dabei kollidierte sie mit etwas, das zuvor nicht im Raum gewesen war …

„Das Event“ ist ein spannender Thriller von Antje Zimmermann, der seine Leser*innen nach Helgoland führt.

Das verlassene Hotel Hummer auf Helgoland soll Schauplatz für ein Live-Event wie „The Shining“ von Stephen King sein. Eigentlich ist das Hotel wegen Erbstreitigkeiten schon länger geschlossen. Das Event gerät schnell außer Kontrolle.
Die beiden Ermittlerinnen Leandra Kern und Maxi Adler, die sich gerade auf Helgoland aufhalten,, sind gefragt.

Kommissarin Leandra Kern kommt aus Hamburg und sucht Ruhe auf Helgoland. Außerdem will sie sich über ihren Traum, Mutter zu werden, klar werden.

Kommissar-Anwärterin Maxi Adler stammt aus einer einflussreichen Inseldynastie. Sie möchte auf Helgoland für Ordnung sorgen.

Unterschiedlicher können zwei Charaktere nicht sein. Jeder hat seinen Hintergrund, den er mit sich herumschleppt. Die beiden Ermittlerinnen trauen sich einander nicht, was für Unruhe sorgt.

Antje Zimmermann hat starke Charaktere geschaffen. Mir gefallen die zwei so unterschiedlichen Ermittlerinnen gut. Sie sind menschlich und lebendig.

Das Setting Helgoland ist ein großes Plus in der Geschichte. Das verlassene Hotel sorgt für ein Gänsehautgefühl. Meiner Meinung nach lag noch mehr Potenzial in dem Schauplatz Hotel, das leider nicht genutzt wurde.

Antje Zimmermann erzählt die Geschichte flüssig und unterhaltsam. Es gibt immer wieder Rückblenden, um dem Grund für die Ereignisse näherzukommen.
Das Buch ist gut strukturiert, es gibt immer genaue Zeitangaben, so weiß man immer, wo und wann man sich befindet.

Die Geschichte wird meist aus den Perspektiven von Leandra und Maxi erzählt, zwischendurch kommen aber auch andere zu Wort.

Es gibt mehrere Handlungsstränge, doch Antje Zimmermann hält die einzelnen Fäden fest in der Hand, sodass keiner verloren geht.

Das Ende war dann überraschend, aber auch einleitend.

„Das Event“ ist ein spannender Thriller mit einem großartigen Setting.

Blendfeuer

Ingar Johnsrud
Thriller
416 Seiten
Übersetzt aus dem Norwegischen von Daniela Stilzebach
erschienen im Droemer Knaur Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

ielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Am Puls der Zeit

Klappentext:
Während des norwegischen Nationalfeiertags wird in Oslo ein Mann in einer Tiefgarage regelrecht hingerichtet. Gleichzeitig explodiert über der Ostsee ein Militärflugzeug, das acht ukrainische Soldaten einer Spezialeinheit an Bord hatte – ein Anschlag? Und hängen die beiden Vorfälle womöglich zusammen?
Liselott Benjamin und Martin Tong vom Polizeilichen Sicherheitsdienst sollen die Flugzeugexplosion aufklären, sich aber von dem Mordfall fernhalten. Vor allem aber sollen sie keine Theorien über eine mögliche Beteiligung Russlands in Umlauf bringen. Denn: In Oslo finden geheime Friedensverhandlungen statt. Und diese dürfen unter keinen Umständen gefährdet werden.
Der Druck auf Benjamin und Tong wächst, vor allem, als neben Russland auch norwegische Behörden ins Visier geraten. Welche Rolle spielt Jens Meidell, der Shootingstar der Arbeiterpartei, der sich als Parteivorsitzender in Stellung bringt? Welchen Preis ist er bereit, für den Weg an die Macht zu zahlen? Oder ist auch er nur eine Marionette in einem größeren Spiel?

„Blendfeuer“ von Ingar Johnsrud ist der 2. Band der Reihe „Ein Fall für Benjamin & Tong“.
Mit seinem Politthriller wagt Ingar Johnsrud sich an aktuelle und brisante Themen und ist am Puls der Zeit.

Ein Toter und ein explodiertes Flugzeug mit ukrainischen Soldaten. Liselott Benjamin und Martin Tong sollen die Explosion des Flugzeugs aufklären. Den Mord, obwohl es so aussieht, als hingen die zwei Ereignisse zusammen, sollen sie außer Acht lassen.
In Oslo finden geheime Verhandlungen statt und alle hoffen auf einen Frieden, weswegen man Russland nicht in negative Schlagzeilen bringen sollte.

Ingar Johnsrud hat mit „Blendfeuer“ einen überaus spannenden 2. Band seiner Thriller-Trilogie veröffentlicht.
Das Hauptthema in diesem Thriller ist Politik. Dazu gesellen sich ein Mordfall und ein explodiertes Flugzeug mit ukrainischen Soldaten an Bord.

Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt, was der Spannung zuträglich ist.

Die Leser*innen verfolgen die spannenden Ermittlungen. Doch von dem Fall des Opfers in der Tiefgarage werden die Ermittler schnell abgezogen. Die Explosion des Flugzeugs steht im Vordergrund. Und vor allem soll kein schlechtes Licht auf Russland geworfen werden. Das könnte die geheimen Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine stören.

Ingar Johnsrud baut recht schnell Spannung auf, die er auch bis zum Ende aufrechterhält.
Dieser Band ist sehr politisch geprägt, aber nicht trocken.
Beim Lesen hatte ich über die ganze Geschichte hinaus eine Gänsehaut. Die Atmosphäre, die der Autor aufbaut, ist beängstigend.
Ingar Johnsrud hat einen flüssigen, gut verständlichen und vor allem fesselnden Schreibstil. Der Autor erzählt die Geschichte recht realistisch, genau so etwas könnte durchaus passieren.

„Blendfeuer“ habe ich kaum aus der Hand legen können und an zwei Abenden gelesen.
Jetzt bin ich schon auf den 3. Band gespannt.

Bachelorette Party

Camilla Sten
Thriller
332 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Melike Karamustafa
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannender Thriller, auch wenn nicht immer alles nachvollziehbar erscheint

Klappentext:
Laue Sommerabende, Yoga am Strand und Quality Time mit den besten Freundinnen: Annelieses Junggesellinnenabschied auf einer abgelegenen schwedischen Schäreninsel verspricht ein traumhaftes Wochenende. Nur Journalistin Tessa läuft schon bei der Ankunft eine Gänsehaut über den Rücken, denn die Insel erinnert sie an einen Cold Case: Vier Frauen verschwanden dort vor zehn Jahren spurlos. Als das zuvor sicher vertäute Boot im offenen Meer treibt und die Gruppe somit auf der Insel gefangen ist, suchen sich lang verborgene Geheimnisse und Feindseligkeiten ihren gefährlichen Weg ans Licht. Dann wird eine der Teilnehmerinnen tot aufgefunden, und Tessa weiß: Jemand ist hier, um Rache zu üben.

„Bachelorette Party“ ist ein spannender Thriller von Camilla Sten.

Es sollte so schön werden. Annelieses Junggesellinnenabschied auf einer schwedischen Schäreninsel.
Die Freundinnen wollen gemeinsam in einem Yoga-Retreat zusammen feiern. Alles ist vom Feinsten. Die Journalistin Tessa erinnert sich an einen Cold Case. Vor 10 Jahren sind auf der Insel 4 Frauen spurlos verschwunden.
Im Prolog wird der 10 Jahre zurückliegende Fall angeschnitten.
Die Vergangenheit scheint auf die Insel zurückzukehren, eine der Frauen, die aktuell auf der Insel sind, wird tot aufgefunden.

Camilla Sten lässt die Geschichte ganz ruhig anfangen. Der Prolog lässt zwar schon die erste Spannung aufkommen, die legt sich aber wieder und die Leser*innen begleiten die feierlaunigen Freundinnen.
Es besteht kein Zusammenhang mit dem Prolog, also dem 10 Jahre zurückliegenden Fall der verschwundenen Frauen.
Doch dann kippt die vergnügte Stimmung plötzlich, denn eine der Frauen wird tot aufgefunden.

Camilla Sten schafft zu Beginn eine wohlige Stimmung, die Frauen freuen sich auf ihr Wochenende, die Schäreninsel und das Resort wirken schön und luxuriös.
Die Autorin kann die Atmosphäre aber von einem auf den anderen Moment ändern.

Die Charaktere werden gut beschrieben und wirken lebendig. Mir sind aber nicht alle sympathisch gewesen.
Die wichtigsten Figuren sind Tessa und ihre Schwester Lena. Die anderen Frauen geraten etwas in den Hintergrund.

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Tessa, die auch einen True-Crime-Podcast hat.

Zwischendurch gibt es Rückblicke und man ist im Fall der vor 10 Jahren vermissten Frauen.
Das Hauptaugenmerk liegt aber auf dem aktuellen Fall.

Camilla Sten lässt die Spannung langsam ansteigen. Da das Personal in der Geschichte begrenzt ist, kann der Täter oder die Täterin nicht weit sein. Doch die Auflösung gestaltet sich nicht so einfach.

Camilla Sten hat einen angenehmen und gut verständlichen Schreibstil. Mit ihren Charakteren bedient sie allerdings einige Klischees und das Ende war für mich nicht ganz nachvollziehbar.

Trotzdem hat mir das Lesen von „Bachelorette Party“ Spaß gemacht.

Totenfrau – Die Rache

Bernhard Aichner
Thriller
347 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an de Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Fulminanter Auftakt der Totenfrau Reihe

Klappentext:
Blum ist Bestatterin. Sie ist liebevolle Mutter zweier Kinder und besticht durch ihr großes Herz, ihren schwarzen Humor und ihre Coolness. Blum fährt Motorrad, sie trinkt gerne und ist glücklich verheiratet. Blums Leben ist gut. Doch plötzlich gerät dieses Leben durch den Unfalltod ihres Mannes, eines Polizisten, aus den Fugen. Vor ihren Augen wird Mark überfahren. Fahrerflucht. Alles bricht auseinander. Blum trauert, will sich aber mit ihrem Schicksal nicht abfinden. Das Wichtigste in ihrem Leben ist plötzlich nicht mehr da. Ihr Halt, ihr Glück. Durch Zufall findet sie heraus, dass mehr hinter dem Unfall ihres Mannes steckt, dass fünf einflussreiche Menschen seinen Tod wollten.
Blum sucht Rache. Was ist passiert? Warum musste Mark sterben? Als sie die Antworten gefunden hat, schlägt sie zu. Erbarmungslos. Warum sie das tut? Warum sie dazu fähig ist? Die Antwort darauf liegt Jahre zurück.

„Totenfrau – Die Rache“ ist der 1. Band der Totenfrau-Reihe von Bernhard Aichner.
Zum TV Start im Free TV hat der Rowohlt Verlag die Reihe noch einmal neu aufgelegt.

Brünhilde Blums Leben ist in Ordnung. Ihr Mann ist Polizist, die Kinder wachsen in einem liebevollen Zuhause auf. Blum selbst ist Bestatterin und nimmt ihre Arbeit sehr ernst.
Doch dann gerät ihr Leben aus den Fugen. Ihr Mann stirbt bei einem Unfall mit Fahrerflucht. Blum schwört sich, Rache zu nehmen.

Ich habe schon einige Bücher von Bernhard Aichner gelesen. Jetzt habe ich mir die Totenfrau Reihe vorgenommen.

Bernhard Aichner hat einen unverwechselbaren Schreibstil. Seine kurzen und prägnanten Sätze, sagen so viel aus.
Seine Charaktere werden sehr lebendig dargestellt.
Blum ist eine außergewöhnliche Protagonistin.
Sie ist mir sympathisch, obwohl sie chaotisch ist und mordet.
Die Rache scheint das Einzige zu sein, was sie nach dem Tod ihres Mannes über Wasser hält.

„Totenfrau – Die Rache“ ist ein spannender Thriller, den ich mit Freuden gelesen habe.
Jetzt folgt der 2. Band, „Totenfrau – Das Haus“.

Meeresdunkel

Till Raether
Thriller
408 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Thriller mit ungeahnten Wendungen

Klappentext:
Es sollte der perfekte Urlaub werden, ein echter Familientrip, wie früher: Henrike, Hans, Onkel Freddy und die Zwillinge. Eine Woche ausspannen, die letzten Sommertage genießen. Vielleicht die Chance auf einen Neubeginn, weit weg vom Alltag, in der beeindruckenden Finca mit Blick über die Bucht.
Doch als sie ankommen, sind sie nicht allein: Es gab eine Doppelbuchung, noch eine weitere Familie ist angereist. Auch sie haben eine Woche Urlaub vor sich. Und weil die ganze Insel voll ist, ziehen beide Familien ins Ferienhaus ein. Die Stimmung ist gut, niemand möchte die Urlaubslaune verderben. Platz ist ja genug da.
Ganz leise bröckelt die schöne Fassade. Das Haus ist in die Jahre gekommen, der Pool längst trockengelaufen. Irgendwie scheint eine Bedrohung in der Luft zu liegen. Und ein Gewitter braut sich zusammen. Dann finden die Familien in der Finca eine Leiche. Es ist einer von ihnen.
Während draußen der Sturm wütet, bricht sich drinnen die Wahrheit Bahn. Keiner von ihnen ist zufällig hier. Jemand wollte, dass sie an genau diesem Ort zusammenkommen. Und nicht alle sind sich so fremd, wie sie vorgeben.

„Meeresdunkel“ von Till Raether ist ein Thriller mit ungeahnten Wendungen.

Im Mittelpunkt stehen zwei Familien, die eine Woche Urlaub auf Mallorca verbringen. Was sie bei der Abreise nicht wissen, sie haben die gleiche Unterkunft gebucht. Eine einst stolze Villa auf einer Klippe, die mittlerweile aber in die Jahre gekommen ist. Einige Zimmer sind nicht mehr nutzbar, da feucht. Der Pool ist ausgetrocknet und die Einfahrt nicht befahrbar.

Die eine Familie, das sind Henrike, Hans, Onkel Freddy und die Zwillinge Esmé und Finn.
Die andere Familie sind Samuel, Maria und der Sohn Juri mit seiner Puppe Hedwig.
Durch einen dummen Zufall wurde die Unterkunft der Familie doppelt vergeben. Da genug Platz ist, beschließen die Urlauber, die Unterkunft zu teilen.
Noch wissen sie nicht, dass das alles beabsichtigt war.

Till Raether erzählt die Geschichte anfangs in einem ruhigen Ton. Die Leser*innen lernen die Charaktere kennen. Schnell merkt man, dass es in beiden Ehen kriselt. Von Thriller ist nicht viel zu spüren.
Erst in der zweiten Hälfte, in der ein Unwetter aufzieht, nimmt die Geschichte eine Wendung und die Spannung setzt ein. Man spürt plötzlich, dass hier etwas nicht stimmt.
Dafür, dass die erste Hälfte so ruhig erzählt wurde, geht es jetzt Schlag auf Schlag und die Vergangenheit scheint die Protagonisten einzuholen.

Till Raether erzählt die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von Henrike, Samuel und Juri. Durch die drei Charaktere lernt man die Familien gut kennen.
Die Charaktere sind recht unterschiedlich und auch wenn die Ehepaare sich schon lange kennen, wissen sie doch nicht alles voneinander.

Durch das Unwetter erzeugt Till Raether eine bedrohliche Atmosphäre, die die Spannung in der zweiten Hälfte unterstreicht.

Der Schreibstil von Till Raether ist flüssig und gut verständlich.

„Meeresdunkel“ ist ein Thriller, der Wendungen annimmt, die man so nicht erwartet hätte. Ich habe das Buch an zwei Abenden gelesen.

Das Gehöft

Leo Brandt
Thriller
394 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Abgeschnitten von der Außenwelt

Klappentext:
Ein kleines Team um die Biologin Lara hat ein Gehöft auf der menschenleeren Hallig Westeroog gekauft, um es ökologisch zu bewirtschaften. Doch bald nach der Ankunft geschehen seltsame Dinge. Laras Bruder Malte verschwindet spurlos, kurz darauf reißt die Funkverbindung ab. Die Gruppe ist von der Außenwelt abgeschnitten; ein Entkommen ist wegen der gefährlichen Strömung in einem Priel unmöglich. Lara ist sich sicher, dass sie nicht allein auf der Insel sind. Zugleich verdichten sich Hinweise, dass ihr Lebensgefährte Henry etwas mit dem Verschwinden von Malte zu tun hat. Werden sie von einem Unbekannten verfolgt oder besitzt Henry eine dunkle, gewalttätige Seite? Als eine weitere Person verschwindet, eskaliert die Situation.

„Das Gehöft“ ist das Thriller-Debüt von Leo Brandt.

Der Handlungsort, die unbewohnte Hallig Westeroog, gekauft von einem kleinen Team, rund um die Biologin Lara.
Im Mittelpunkt stehen fünf junge Menschen.
Die Biologin Lara, eine sympathische junge Frau, die sich von dem Versuch, die Hallig biologisch zu bewirtschaften, viel verspricht.
Laras Bruder Malte. Er ist Asperger-Autist und auf seine Schwester Lara angewiesen.
Laras Freund Henry, Softwareentwickler mit eigener IT-Firma, die er mit seinem Freund Kenan zusammen führt.
Kenan ebenfalls Softwareentwickler und Geschäftspartner von Henry. Er ist ein ausgeglichener Typ mit ökologischem Interesse.
Kenans Freundin Silke, Fachärztin für Chirurgie. Silke ist sehr ehrgeizig, was ihren Beruf sowie das Leistungsschwimmen, das sie betreibt, angeht.

Diese fünf begeben sich auf die abgelegene Hallig. Nach dieser Hallig gibt es nur noch das Meer.
Ein Unwetter mit heftiger Sturmflut bricht aus, die jungen Leute sind von der Außenwelt abgeschnitten. Plötzlich auf sich allein gestellt, ohne jeglichen Ausweg, kommt es zu Streitereien unter der Clique. Dann verschwindet plötzlich Malte, Laras Bruder.

Leo Brandt schildert eine Situation, die ich in letzter Zeit oft in Thrillern gelesen habe. Menschen sind plötzlich irgendwo von jeglicher Zivilisation abgeschnitten und es passiert ein Unglück.
Trotzdem gelingt es dem Autor mich mit seinem Thriller zu fesseln.
Leo Brandt baut schon im Prolog Spannung auf, die er im Laufe der Geschichte noch steigert.
Nach der Sturmflut ist die Clique auf sich allein gestellt. Die Situation verschärft sich als, Malte verschwindet und auch das einzige Boot weg ist. Die Internetverbindung ist zusammengebrochen. Wobei es mich wundert, dass auf einer unbewohnten Hallig überhaupt eine Internetverbindung besteht.

Leo Brandt erzählt die Situation auf der Hallig mit einigen Gänsehautmomenten.
Die Charaktere werden gut beschrieben. Nach einiger Zeit weiß man allerdings nicht mehr, wem man wirklich trauen kann.

Der Schreibstil von Leo Brandt ist flüssig und gut verständlich. Die Geschichte hat mich schnell gefesselt.

Auch wenn ich solche Szenarien in letzter Zeit häufig gelesen habe, ist „Das Gehöft“ ein spannender Thriller, den ich gerne gelesen habe.

Fünf Fremde

Romy Fölck
Thriller
380 Seiten
erschienen bei Bastei Lübbe
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Ein dunkles Geheimnis kommt ans Licht

Klappentext:
Die Wellen peitschen gegen die Fähre, als fünf Passagiere an einem stürmischen Oktobertag die Insel Neuwerk in der Nordsee erreichen. Für vier von ihnen ist es die Rückkehr an einen Ort, der dunkle Erinnerungen wachruft. An einen Sommer vor dreißig Jahren, in dem zwei Teenager spurlos aus dem Schullandheim verschwanden. Auch damals waren die vier auf Neuwerk und eine Frage hat sie seither nie mehr losgelassen: Was geschah in jenem verhängnisvollen Sommer wirklich? Als ein Orkan aufzieht und niemand die Insel verlassen kann, drängen lang gehütete Geheimnisse an die Oberfläche. Denn es gibt jemanden, der die Antwort kennt. Und der nicht eher ruht, bis eine alte Schuld endlich gesühnt wird.

„Fünf Fremde“ von Romy Fölck ist ein spannender Thriller über ein dunkles Geheimnis.

Die Autorin entführt ihre Leser*innen auf die Nordseeinsel Neuwerk. Ich muss zugeben, von der Insel noch nie gehört zu haben. Sie hat allerdings auch nur 20-30 Einwohner.

Für fünf Passagiere auf der Fähre nach Neuwerk, die sich offensichtlich fremd sind, werden dunkle Erinnerungen wieder hochkommen.

Im Mittelpunkt stehen die 5 Personen:
Annika Lundt ist Kriminalkommissarin. Sie ist auf der Insel geboren und kommt für einige Zeit zurück um sich um ihre demenzkranke Mutter zu kümmern.

Charlotte Hahnel ist Nonne. Sie kommt auf die Insel, um eine alte Freundin zu besuchen.

Sinje Bianchi ist Journalistin und kommt extra aus Rom auf die Insel. Sie will mehr über den 30 Jahre zurückliegenden Fall recherchieren, bei dem ein Junge verschwunden ist und bis heute nicht mehr aufgetaucht ist.

Mats Nielsson ist Meeresbiologe und Sturmjäger. Er kommt auf die Insel. Weil ein lebensbedrohlicher Sturm angekündigt wurde. Aber nicht nur das Wetter wird bedrohlich.

Michelle Welm wird in der nächsten Saison als Vogelwartin auf der Nachbarinsel Scharhörn arbeiten. Sie möchte die jetzige Vogelwartin treffen, um einiges über die Arbeit zu erfahren. Doch die taucht nicht auf.

Von den fünf Fremden, haben vier eine gemeinsame Vergangenheit, die langsam ans Licht kommt.

Romy Fölck baut schon gleich am Anfang Spannung auf, als ein Passagier auf der Fähre über Bord geht.

Die Leser*innen lernen die Charaktere nach und nach kennen. Sie bekommen ihre Beweggründe vermittelt, warum sie wirklich auf der Insel sind.

Romy Fölck erzählt die Geschichte aus wechselnden Perspektiven, das macht die Geschichte sehr interessant und spannend. Nach und nach werden Geheimnisse gelüftet, die die Personen mit sich herumtragen. Und die dunklen Erinnerungen.

Die Charaktere sind von der Autorin gut gezeichnet. Ich konnte mich schnell in jeden einzelnen einfühlen.

Das Leben auf der einsamen Insel Neuwerk wird gut beschrieben. Im Sommer kommen viele Touristen, aber nach der Saison muss das Leben dort sehr einsam sein.

Romy Fölck, von der ich schon viele Bücher gelesen habe, hat einen flüssigem und gut verständlichen Schreibstil. Den Handlungsort beschreibt die Autorin anschaulich. Eine Skizze im Buch zeigt auch genau auf, wo sich die Charaktere immer befinden.

„Fünf Fremde“ ist ein spannender Thriller, den ich mit großer Freude gelesen habe.

Die Stockholm Protokolle

Moa Berglöf und Joakim Zander
Thriller
440 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Übersetzt aus dem Schwedischen von Thomas Altefrohne
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Pageturner

Klappentext:
Die Stockholmer Investigativjournalistin Julia verfolgt eine heiße Spur: Alles deutet darauf hin, dass der charismatische, beliebte Ministerpräsident Schwedens auch dunkle Seiten hat. Der nach außen liebende Familienvater scheint einen Hang zu exzessiven Partys zu haben, die auf Missbrauch schließen lassen. Und er pflegt politische Netzwerke, die einen Rechtsruck bedeuten könnten. Als Julia von ihrem Chefredakteur kaltgestellt wird, ahnt sie, wie hochbrisant die Sache ist. Erst recht als ihr politisch unerfahrener Ehemann, Windkraft-Experte Alfred, plötzlich zum Pressesprecher des Ministerpräsidenten ernannt wird. Julia kann Alfred nicht sagen, was sie sofort vermutet: Dieser Job wurde ihm nur angeboten, um sie endgültig zum Schweigen zu bringen. Trotzdem beschließt sie, weiter zu ermitteln.
Währenddessen schlägt sich Alfred erstaunlich gut im Polit-Dschungel. Doch in den Korridoren der Macht stößt er auf Betrug und Geheimnisse. Er beginnt nachzuforschen und stellt fest, dass die schmutzigen Geschäfte weit über die Mauern des schwedischen Regierungssitzes Rosenbad hinausreichen.

„Die Stockholm Protokolle“ ist ein spannender Polit-Thriller von Moa Berglöf und Joakim Zander.

Die Investigativjournalistin Julia ist einem Skandal auf der Spur, der den Ministerpräsiden in sehr schlechtes Licht stellen würde. Kurzerhand wird sie von ihrem Chefredakteur ins Abseits gestellt. Dafür bekommt Julias Ehemann Alfred den Job des Pressesprechers des Ministerpräsidenten. Jetzt ist Julia erst recht zum Schweigen verurteilt. Aber auch Alfred bleiben die Geheimnisse und der Betrug nicht verborgen.

Moa Berglöf und Joakim Zander ist hier ein wahrer Pageturner gelungen.
Es wird ein Szenario dargestellt, dass voller Betrug und Missbrauch ist. Der Ministerpräsident ist ein Wolf im Schafspelz. Nach außen hin beliebt und fürsorglicher Familienvater.
Was hinter der Fassade steckt, erfahre die Leser*innen nach und nach.

Der Plot ist intelligent konzipiert. Mit Spannung habe ich die Machtspiele verfolgt.
Die Geschichte wird in einem ruhigen Ton erzählt, aber die Spannung lässt aber nicht lange auf sich warten.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig. Nicht alle sind sympathisch.

Der Schreibstil des Autoren Duos ist flüssig und gut verständlich, vor allem ist es aus einem Guss, die Leserinnen spüren nicht, dass zwei Autorinnen an der Geschichte gearbeitet haben.

„Die Stockholm Protokolle“ ist ein echter Pageturner, den ich gerne gelesen habe.