Paradise Now – Das außergewöhnliche Leben des Karl Lagerfeld

William Middleton
Biografie
608 Seiten
erschienen im Steidl Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Ursula Wulfekamp
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Steidl Verlag für das Rezensionsexemplar

Das Leben einer Ikone

Zum Inhalt:
Karl Lagerfeld war eine Ikone in der Modewelt. Er war durch sein Äußeres sehr bekannt. Immer im Anzug, dunkler Sonnenbrille und Pferdeschwanz. Immer begleitet durch eine Entourage bestehend aus Assistenten,, Models und Stylistinnen

Karl Lagerfeld war für Modelabels wie CHANEL, Fendi und Chloé tätig.
Sein berufliches Leben war öffentlich. Sein privates Leben kannte kaum jemand.
William Middleton durfte Karl Lagerfeld öfter interviewen und lernte dadurch auch ein bisschen den privaten Menschen Karl Lagerfeld kennen.

„Paradise Now – Das außergewöhnliche Leben des Karl Lagerfeld“ ist eine Biografie über das Leben der großen Modeikone von William Middleton.
Schon die Gestaltung ist eines Karl Lagerfeld würdig. Da Buch ist in Leinen gebunden und die Texte werden mit zahlreichen Fotografien untermalt.

Neben seinem beruflichen Leben bekommen die Leser*innen auch ein Bild von dem privaten Karl Lagerfeld. Er war unheimlich belesen, besaß eine große Buchsammlung. Überhaupt war Karl Lagerfeld sehr interessiert an Kunst und war ein großer Sammler.

Auch wenn Karl Lagerfeld in Frankreich gelebt und die Kultur angenommen hat, hatte er doch nie seine deutschen Wurzeln vergessen.

William Middleton hat sehr gute Recherchearbeit geleistet und mit unzähligen Menschen gesprochen. Dadurch hat er den Menschen Karl Lagerfeld mit all seinen Facetten kennengelernt.

William Middleton lässt die Leser*innen teilhaben am Leben von Karl Lagerfeld.
Mit der Biografie „Paradise Now“ setzt er der Modeikone ein Denkmal.

Sag mir was ich bin

Una Mannion
Roman
370 Seiten
erschienen im Steidl Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Tanja Handels
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Steidl Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine dramatische Familiengeschichte

Klappentext:
Deena Garvey ist spurlos verschwunden. Für ihre Schwester Nessa bricht eine Welt zusammen, denn Deenas Ex-Freund Lucas, den sie für Deenas Mörder hält, untersagt ihr nicht nur den Kontakt zu ihrer kleinen Nichte, sondern nimmt Ruby auch noch mit nach Vermont. Dort, in der ländlichen Abgeschiedenheit der Inseln im Lake Champlain, lernt Ruby, wie man jagt und fischt, das Land bestellt und sich um Hühner kümmert. Sie lernt, was ihren Vater stolz und was ihn wütend macht. An ihre frühe Kindheit in Philadelphia erinnert sie sich nicht mehr. Bis ihr eines Tages ein Foto ihrer Mutter in die Hände fällt, eine Botschaft ihrer Tante, die seit Jahren alles daransetzt, Lucas zur Verantwortung zu ziehen und ihre Nichte zu beschützen. Ein Schatz, der vor Lucas verborgen werden muss und der sie dazu bringt, die Geschichten ihres Vaters in Frage zu stellen.

„Sag mir was ich bin“ von Una Mannion ist ein Roman mit reichlich Spannung.

Deena Gravey ist nach einigen Gewalttaten ihres Lebensgefährten mit ihrer Tochter Ruby zu ihrer Schwester Nessa gezogen. Doch plötzlich ist Dena verschwunden, sie ist einfach nicht mehr nach Hause gekommen.
Nessa sucht nach ihrer Schwester, doch hegt sie den Verdacht, dass Lucas, Deenas Lebensgefährte hinter ihrem Verschwinden steckt. Hat er sie gar ermordet?
Lucas nimmt seine Tochter Ruby zu sich und verbietet Nessa jeglichen Kontakt.
Lucas nimmt Ruby mit nach Vermont. Dort leben sie bei Lucas Mutter in völliger Abgeschiedenheit.
Una Mannion erzählt die Geschichte aus der Perspektive von Nessa und Ruby. So bekommen die Leser*innen hautnah mit wie sich Nessa um ihre Schwester sorgt. Wie sie nach ihr sucht und immer den Gedanken im Kopf hat, dass Lucas sie ermordet hat. Nessa gelingt es nicht Kontakt zu ihrer Nichte aufzunehmen, was sie zusätzlich belastet.

Ruby wächst bei Lucas und seiner Mutter auf. Die Farm ist sehr abgelegen und etwas heruntergewirtschaftet. Erst nachdem die Behörde es angeordnet hat, darf Ruby zur Schule gehen und findet das erste Mal Freundinnen.

Una Mannion erzählt den Roman spannend wie einen Krimi. Man blickt tief in die Seele der Charaktere.
In der Zeit springt die Geschichte vor und zurück. Es wird die Beziehung zwischen Lucas und Deena beleuchtet in der Gewalt geherrscht hat.
Genauso erleben die Leser*innen wie Ruby in der Einsamkeit aufwächst und auf der anderen Seite die Verzweiflung von Nessa, die keinen Kontakt zu ihrer Nichte haben kann.

Una Mannions Schreibstil ist flüssig und fesseln. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und habe es in 2 Tagen gelesen.

Für mich war es das erste Buch der Autorin aber mit Sicherheit werde ich weiter Bücher von Una Mannion lesen.

Die Insel des kleinen Gottes

Alexander Pechmann
Roman
206 Seiten
erschienen im Steidl Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Steidl Verlag für das Rezensionsexemplar

Die Legende um ein Schiffsunglück

Klappentext:

David Van Roon arbeitet südlich von Rhode Island an der Karte einer Insel, als er Zeuge eines Unglücks wird: Die Princess Augusta erleidet Weihnachten 1738 vor der Küste Schiffbruch. Obwohl Van Roon einer der wenigen ist, die kurzentschlossen hinausrudern, um zu helfen, plagen ihn Albträume und Gewissensbisse, nachdem er aufs Festland zurückgekehrt ist. Seine Erinnerung an die Katastrophe bleibt merkwürdig lückenhaft. Als ein Jahr später Gerüchte über ein vor der Insel aufgetauchtes Geisterschiff kursieren, fühlt er sich gezwungen, der Sache auf den Grund zu gehen. Die Überlebende Long Kate berichtet ihm von der monatelangen Überfahrt, von den Leiden der Passagiere, den Verbrechen der Crew und von einem Unheil, das in der Alten Welt seinen Anfang nahm. Doch erst als Van Roon selbst das brennende Schiff vor Block Island sichtet, erkennt er das Ausmaß seiner eigenen Schuld.

„Die Insel des kleinen Gottes“ ist ein historisch-phantastischer Roman von Alexander Pechmann.

Im Mittelpunkt steht David Van Roon, er wird Zeuge eines Schiffsunglücks. Obwohl er noch versucht hatte zur Hilfe zu kommen, bleibt das Bild immer in seinem Gedächtnis.
Nur ca. 60 Menschen haben das Unglück des Auswandererschiffs überlebt. Es spinnen sich Geschichten um das Unglück. David Van Roon kehrt nach einiger Zeit an den Ort des Unglücks zurück, um seine Erinnerungen zu sortieren.
Es stellt sich die Frage, wurde das Schiff mit Absicht in Brand gesteckt?

Diese Geschichte ist aus zahlreichen Geschichten und Balladen um das Geisterschiff „The Palatine Light“, sowie aus der Inselchronik von Block Island und der historischen Fahrt der Princess Augusta entstanden.

Alexander Pechmann lässt seine Leser*innen an den Gedanken und Erzählungen von David Van Roon teilhaben. Dabei lässt David Van Roons Gedächtnis ihn immer wieder im Stich. Die Leser*innen erfahren nur häppchenweise was geschehen ist. Kate, eine Überlebende des Schiffsunglücks, die als Hexe an Bord verschrien war hingegen erinnert sich genauer an das Unglück. Sie erzählt ihr Erlebnis klar und deutlich.
So entsteht auch Stück für Stück für die Leser*innen ein klares Bild.

Alexander Pechmann erzählt mit diesem Roman eine Geschichte aus Legenden und Mythen. Mich hat die Geschichte schnell richtig gefesselt. Dabei ist der Schreibstil von Alexander Pechmann flüssig und gut verständlich. Der Autor versteht es die Eindrücke von David Van Roon und Kate auch unterschiedlich auszudrücken. So das man schon an der Sprache bemerkt, wer gerade erzählt.

„Die Insel des kleinen Gottes“ ist ein mystische und fesselnde Geschichte die ich an einem Abend gelesen habe.

Geliebte Mutter

Çiğdem Akyol
Roman
236 Seiten
erschienen im Steidl Verlag
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Steidl Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein emotionaler Roman

Klappentext:
Als Aynur mit Alvin verheiratet wird, blühen in Istanbul die Tulpen. Aynur ist 19 Jahre alt, trägt gerne Schlaghosen und taillierte Blusen und hat für Frauen mit Kopftuch nur Spott übrig. Alvin, ein Mann vom Dorf, ungebildet und aus einer frommen Familie, arbeitet in Deutschland unter Tage. Almanya ist eine Verheißung, die Aynur nie gelockt hat, doch ihr Bruder will sie aus dem Haus haben und sie muss sich fügen. Die Geschwister Meryem und Ada sind längst erwachsen als Alvin stirbt. Für sie ist es ein glücklicher Tag. Zu tief sind die Wunden, die ihnen beide Eltern in ihrem gemeinsamen Unglück zugefügt haben. Çiğdem Akyol erzählt von den Folgen einer erzwungenen Ehe, vom Verlust von Identität und einer andauernden Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Heimkehr. Die Geschichte zeigt aber auch, wie es Ada und Meryem gelingt, aus Klassenschranken auszubrechen, sich selbst zu behaupten und aufzusteigen. Tragik, Hoffnung und Freude stehen in diesem Roman eng nebeneinander.

„Geliebte Mutter“ ein bewegender und emotionaler Roman von Çiğdem Akyol.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Meryem erzählt. Es ist die Geschichte ihrer Familie. Die Eltern Aynur und Alvin und den Kindern Meryem und Ada. Aynur hat eine moderne Lebenseinstellung, Alvin hingegen ist ungebildet und hält an Traditionen fest. Es ist eine Familie die von Gewalt geprägt ist.
Die Eltern wurden jung geheiratet. Die Mutter Aynur musste mit ihrem Mann nach Deutschland, in ein Land in das sie nicht gewollt hatte. Die Gewalt begann schon in der Hochzeitsnacht, als Aynur von ihrem Mann vergewaltigt wurde. Diese Gewalt hat in den 50 Jahren die, die Beziehung überdauerte nie aufgehört. Auch vor den Kindern hat die Gewalt keinen Halt gemacht. So war der Tod des Vaters für Meryem eher eine Erleichterung statt Trauer.

Çiğdem Akyol hat bereits einige politische Sachbücher veröffentlicht, die mit Preisen gekürt wurden. „Geliebte Mutter“ ist der erste Roman der Autorin.

Die Autorin versteht es ihre Leser*innen zu fesseln. Man taucht tief in das Leben der Familie ein. Meryem erzählt uns ja praktisch ihre Geschichte. Man spürt das Trauma, dass sie vom Leben in der Familie zurückbehalten hat. Begonnen hat die Gewalt durch den Vater aber auch die Mutter hat oft Schläge bei den Kindern angewandt. Oft habe ich mich gefragt, warum Aynur nicht mit den Kindern ihren Mann verlassen hatte. Aber ich stelle mir das als türkische Frau in einem anderen Land schwer vor. So war sie nicht erzogen.
Meine Gefühle beim Lesen waren oft Entsetzen und Traurigkeit.

Çiğdem Akyol hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Ihre Sprache ist ausgewählt und fein. Dabei erzählt sie die Geschichte von Meryem schonungslos.
Die Charaktere wirken sehr lebendig und waren mir nahe. Das hat meine Bestürzung oft noch stärker gemacht.

„Geliebte Mutter“ ist ein sehr emotionaler Roman, den ich trotz des schweren Themas sehr gerne gelesen habe.

Jenseits aller Zeit

Sebastian Barry
Roman
278 Seiten
erschienen im Steidl Verlag
Übersetzt von Hans-Christian Oeser
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Steidl Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein fesselnder Roman

Klappentext:
Nach vierzig Jahren als Kriminalbeamter wird Tom Kettle in seinem neuen Zuhause angespült, einer kleinen Einliegerwohnung im Anbau einer viktorianischen Burg, mit Blick auf den Coliemore Harbour und die Irische See. Am liebsten sitzt er in seinem Korbsessel, raucht Zigarillos und schaut durchs Panoramafenster aufs Meer. Sich nicht zu rühren, glücklich und nutzlos zu sein, ist für ihn Sinn und Zweck des Ruhestands. Schon seit Monaten hat er kaum eine Menschenseele gesehen, als an einem stürmischen Frühlingsnachmittag zwei ehemalige Kollegen an seine Tür klopfen und ihn zu einem alten Mordfall befragen wollen. Ein traumatischer Fall, der alte Wunden aufreißt, denn, nichts war so, wie behauptet wurde. Die Wahrheit eingeschlossen. Die Gardaí. Das Land. Tom Kettle ist ein unzuverlässiger Zeuge und ein unzuverlässiger Erzähler. Seine Welt ist ein Ort voller Trauer und leisem Humor. Hier verweilen die Geister seiner Frau und seiner Kinder, verschwimmen Pflicht und Gerechtigkeit, geht die Erinnerung ganz eigene, verschlungene Wege.

„Jenseits aller Zeit“ ist ein fesselnder Roman von Sebastian Barry.

Der Autor erzählt die Geschichte von Tom Kettle. Er war Kriminalbeamter und ist jetzt im Ruhestand. Sein weiteres Leben stellt er sich einsam und gemütlich vor. Einsam, weil er es will. Ihm reicht es in seinem Sessel zu sitzen und die See zu beobachten. Doch eines Tages stehen zwei ehemalige Kollegen vor der Tür und wollen Einzelheiten über einen alten Fall von Tom erfahren. Einem grausamen Fall, bei dem nichts war, wie es anmutete.

Sebastian Barry spricht mit dem alten Fall ein heikles und aktuelles Thema an. Es geht um Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen und kirchlich unterstützten Organisationen. Die Wahrheit kam nie ans Tageslicht. Überall wurde einiges vertuscht. Was bekannt ist, entspricht nicht unbedingt der Wahrheit. Wie viele Missbrauchsfälle noch gar nicht aufgedeckt sind, kann man nur ahnen. Auch Toms Erinnerungen entsprechen nicht mehr ganz der Realität. Den bei so einem Fall versucht man einiges mit der Zeit zu verdrängen.

Die Geschichte hat mich gefesselt, war aber doch manchmal, dem Thema geschuldet, schwer zu lesen.
Sebastian Barry hat den Leser*innen aber eine Brücke gebaut, indem Tom zwischendurch von der See und dem schönen Irland erzählte. Auch hat Tom den für Irland typischen Humor. Das hat bei dem schweren Stoff enorm geholfen. Auch Tom hat das bei seinen Erinnerungen geholfen, die für ihn nicht immer leicht zu ertragen waren.

Sebastian Barry hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Trotz des schweren Themas versteht er es, die Leser*innen zu fesseln.

„Jenseits aller Zeit“ ist mein erstes Buch von Sebastian Barry, gerne lese ich wieder ein Buch des Autors.



Schloss Leckereck

Text von: Monte Packham
Illustriert von: Jan von Holleben
Kinderbuch

Altersempfehlung ab 6 Jahre
erschienen im Steidl Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sterne

Vielen Dank an den Steidl Verlag für das Rezensionsexemplar

Schön illustriertes Kinderbuch

Klappentext:
Wo gibt es Berge aus Götterspeise mit Sahne obendrauf? Ein Wellenbad aus Popcorn? Gummibärchen so groß wie Hunde? Im Schloss Leckereck natürlich – die wundersame Kulisse des neuen Buches vom Kinderbuchteam Jan von Holleben und Monte Packham. Schloss Leckereck erzählt von fünf Kindern, die auf der Suche nach Süßigkeiten in einem prächtigen Schloss allerlei Geheimnisse und Überraschungen entdecken. Jan von Holleben hat seine Originalaufnahmen, die im barocken Residenzschloss Heidecksburg in Thüringen entstanden, mit einer Vielfalt von echten Süßigkeiten einfallsreich collagiert, und anschließend neu fotografiert. Die spielerisch-humorvollen Verse, in denen Monte Packham das Abenteurer der Kinder erzählt, begleiten und ergänzen die Bilder. Schloss Leckereck ist ein Märchen für die Kinder von heute. Die Botschaft des Buches? Mit der eigenen Vorstellungskraft kann jeder die Realität in ein Fantasieland verzaubern: Das Bunteste im Leben ist keineswegs nur das, was wir mit unseren Augen sehen.

„Schloss Leckereck“ von Jan von Holleben und Monte Packham, ist ein wunderschönes Kinderbuch, für Kinder ab 6 Jahren.
Im Buch können die kleinen Leser*innen oder Zuhörer*innen ein Abenteuer mit fünf Freunden erleben. Die Freunde erkunden Schloss Leckereck und in jedem Raum, in den sie kommen, hängen Süßigkeiten von der Decke an den Wänden, auf den Treppen.

Die Texte sind von Monte Packham in Versen verfasst und wunderbar übersetzt von Claus Sprick. Die wunderschönen Fotografien sind von Fotokünstler Jan von Holleben und runden das anschauliche Werk ab.

„Schloss Leckereck ist ein schönes Kinderbuch zum Vorlesen, wobei alle ihre Freude daran haben werden.

Bei dem Schloss handelt es sich um Originalaufnahmen aus dem barocken Residenzschloss Heidecksburg in Thüringen. Die Süßigkeiten wurden natürlich später hinzugefügt.
Die Fotos für das Kinderbuch ist mit Unterstützung des Thüringer Landesmuseum Heidecksburg um Residenzschloss Heidecksburg entstanden.

Am 10.10.2024 um 15:00 Uhr findet im Schloss die Ausstellung Schloss Leckereck statt. Hier kann man die fantastischen Welten voller Zuckerwerk und Süßigkeiten des Fotokünstlers Jan von Holleben erleben.


Seltsame Sally Diamond

Liz Nugent
Thriller
387 Seiten
erschienen im Steidl Verlag
Übersetzt von Kathrin Razum
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Steidl Verlag für das Rezensionsexemplar

Die Geschichte einer ganz besonderen Frau

„Seltsame Sally Diamond“ ist der neue Thriller der irischen Schriftstellerin Liz Nugent.

Im Mittelpunkt steh Sally Diamond. Sally ist eine seltsame Frau. Einst hat ihr Adoptivvater zu ihr gesagt „Wenn ich sterbe, kannst du mich einfach mit dem Müll entsorgen“ Jetzt ist der Adoptivvater im Alter von 82 Jahren gestorben. Da Sally das macht, was man ihr sagt, verbrennt sie ihn mit dem Müll. Jetzt wird die Polizei und ihre Umwelt auf Sally aufmerksam.
Sally gilt als verschroben. Mit anderen Menschen kam sie nur selten in Kontakt, dabei hat sie sich taub gestellt, um einer Konversation zu entgehen. In der Schule war Sally nie, auch ist sie nie einer Arbeit nachgegangen.
Jetzt muss Sally sich alleine im Leben zurechtfinden. Ihr zu Seite steht Angela, eine Ärztin und frühere Freundin ihrer Mutter, sowie ihre Frau.
Plötzlich lernt Sally Menschen kennen. Sie schließt sogar Freundschaften. Sally muss aber auch Enttäuschungen hinnehmen. Den Sally ist ehrlich und denkt das andere Menschen auch immer meinen, was sie sagen.
Zudem hat ihr Adoptivvater ihr eine Menge Briefe hinterlassen, die Sally jetzt lesen muss. Damit wird sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert.

Mit „Seltsame Sally Diamond“ hat Liz Nugent wieder einen spannenden Psychothriller geschrieben.
Ihre Protagonistin Sally habe ich schnell liebgewonnen. Durch die Briefe, die Sally liest erfahren auch die Leser*innen was es mit Sally auf sich hat.
Das ist sehr ergreifend geschrieben.
Die Autorin erzählt die Geschichte auch aus der Sicht von Sally. Ich hatte fast das Gefühl, als stehe Sally neben mir und erzählt mir ihre Geschichte. Das macht das Erlebnis noch intensiver.
In der zweiten Hälfte der Geschichte kommt noch ein zweiter Ich-Erzähler hinzu. Auch seine Geschichte hat mich sehr berührt.

Liz Nugent hat eine spannenden und flüssigen Schreibstil. In ihren Geschichten lässt sie die Leser*innen immer in die tiefe der menschlichen Seele blicken.

„Seltsame Sally Diamond“ ging mir beim Lesen wirklich sehr nahe. Es ist eine Geschichte, die ich so schnell nicht vergessen werde.

Backstein

Femke Vindevogel
Roman
240 Seiten
erschienen im Steidl Verlag
Übersetzt von Ingrid Ostermann
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Steidl Verlag für das Rezensionsexemplar

Wenn Gewalt die Familie prägt

Klappentext:
Eine unerwartete Erbschaft, zwei Säcke randvoll mit Steinen, katapultiert Iggy zurück in eine Kindheit voller Alkoholmissbrauch, körperlicher Gewalt und bizarrer DDR-Obsession. Es sind die Steine eines abgeschlagenen Wandgemäldes. Als Iggy in ihrer sanften Dachgeschosswohnung das sechsmal drei Meter große Bild zusammenfügt, stellt sich heraus, dass einige Steine fehlen. Iggy, die ihr eigenes Leben nur mit Mühe zusammenhält, tritt die Flucht nach vorne an. Gemeinsam mit ihrer Ex, der Künstlerin Luka, macht sie sich auf die Suche nach den fehlenden Puzzleteilen und der Wahrheit. Die Suche führt sie nach Berlin, wo Iggy, der größte Lügner ihres verstorbenen Vaters, auf die Spur kommt – eine Reise, die ihr Leben verändert. Immer auf ihrer Seite, die wahre Heldin und treue Seele: Mopsdame Kuro. Backstein ist ein aufwühlendes Buch über das Aufwachsen in einer Familie, in der nichts sicher ist, außer, dass es niemanden etwas angeht. Ein beißender, feinfühlig geschriebener Entwicklungsroman mit Blick auf die Möglichkeiten menschlicher Resilienz.

„Backstein“ ist die Geschichte einer jungen Frau, die viel Gewalt erlebt hat, von Femke Vindevogel.

Im Mittelpunkt steht Iggy, der durch eine Erbschaft mit der Vergangenheit konfrontiert wird. Sie erbt zwei Säcke voller Backsteine, die das Überbleibsel eines Wandgemäldes aus der DDR sind, das einst in ihrem Elternhaus hing. Iggy fängt an, das Bild zusammenzufügen. Dabei stellt sie fest, dass einige Steine fehlen. Sie machen sich zusammen mit Luka auf die Suche. Dabei erlangen sie viele Erinnerungen an ihre Kindheit, die von Gewalt und Alkoholmissbrauch geprägt wurde.

Femke Vindevogel zeichnet ein berührendes Bild einer Frau, die mit den Traumata ihrer Kindheit konfrontiert wird und lernt, sich mit ihrer Vergangenheit zu versöhnen.
Dabei gelingt es der Autorin hervorragend, die Gefühle von Iggy ihren Leser*innen zu vermitteln.
Iggys Wut, Trauer und Scham werden den Leser*innen auf eindringliche Weise aufgezeigt. Gleichzeitig zeigt der Roman auch Iggys Stärke und ihren Willen, sich aus den Fängen ihrer Vergangenheit zu befreien.

Der Roman ist nicht nur ein packendes Frauenschicksal, sondern auch eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte. Die DDR-Vergangenheit spielt eine wichtige Rolle in Iggys Leben und prägt ihre Sicht auf die Welt.

Femke Vindevogels Schreibstil ist flüssig und gut verständlich. Sie versteht es gut, Ihren Leser*innen die dunkelsten Augenblicke auf humorvolle Weise zu vermitteln.

„Backstein“ ist ein fesselnder und berührender Roman, der lange nach dem Lesen nachhallt. Fenke Vindevogel hat ein wichtiges und aktuelles Thema auf eine einfühlsame und literarisch wertvolle Weise aufbereitet.
Für mich war es sehr interessant, Iggys Entwicklung mitzuerleben.

Joseph Süßkind Oppenheimer – Ein Justizmord

Raquel Erdtmann
Biografische Erzählung
272 Seiten
erschienen im Steidl Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sterne

Vielen Dank an den Steidl Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine Geschichte die mich den Atem anhalten ließ

Klappentext:
Nur wenige Stunden nachdem der württembergische Regent Carl Alexander 1737 ganz plötzlich verstirbt, wird sein Geheimer Finanzrat Joseph Süßkind Oppenheimer verhaftet. Die Anklage: Landesverrat. Die Behörden haben Mühe, Belege für Vergehen zu finden, der Prozess zieht sich elf Monate in die Länge, endet aber unumstößlich mit dem Todesurteil. Schon zu Beginn des Prozesses ist die Versteigerung von Oppenheimers Hausrat in vollem Gange: Die besten Schmuckstücke sichert sich der Staat, die schönsten Kleider seiner Geliebten Luciana bringen die ehrbaren Stuttgarter Damen an sich. Aus dem stolzen, selbstbewussten Mann, der an ein rechtsstaatliches Verfahren glaubt, wird in der Haft zunehmend ein Getriebener, der verzweifelt um sein Leben kämpft.

„Joseph Süßkind Oppenheimer-Ein Justizmord“ von Raquel Erdtmann erzählt die Geschichte des Schauprozesses um Joseph Süßkind Oppenheimer der des Mordes angeklagt wurde.
Joseph Süßkind Oppenheimer war seit 1736 Finanzrat des württembergische Regent Carl Alexander. Als dieser plötzlich verstarb wurde Josef Süßkind Oppenheimer verhaftet.
Was folgte war ein Schauprozess wo der Angeklagte zum Tode verurteilt wurde.
1738 folgte die Hinrichtung, danach wurde der Leichnam für 6 Jahre in einem Käfig ausgestellt.
Stichhaltige Beweise, dass Joseph Süßkind Oppenheimer den Regent Carl Alexander ermordet hatte gab es nicht. Sein Vergehen, er war Jude.

Raquel Erdtmann lässt ihre Leser*innen an diesem Prozess teilhaben.
Mit akribischer Recherche hat die Autorin die Details des Prozesses zu Tage gebracht.
Die Autorin lässt ihre Leser*innen aber auch in das erfolgreiche Leben von Oppenheimer blicken. Oppenheimer hat sich für einen Juden in der damaligen Zeit viele Freiheiten herausgenommen. Das war nicht nur den Christen sondern auch seinen eigenen Glaubensbrüdern ein Dorn im Auge. Sein Erfolg rief viele Neider hervor.

Raquel Erdtmann beschreibt das Leben von Joseph Süßkind Oppenheimer sehr authentisch. Dabei bleibt die Autorin immer bei der Realität und verwendet Zitate die er bei ihren Recherchen aufgetan hat. Die Prozessakten waren bis 1918 geheim gehalten worden. Raquel Erdtmann hat Unmengen an Material gesichtet um dieses Buch so realitätsnah wie möglich zu verfassen.
Bei der Beschreibung der vielen Prozesstage hat mir manchmal der Atem gestockt. Ich frage mich wie konnte man diesen Angeklagten ohne handfeste Beweise zum Tode verurteilen. Ich habe selbst, im Rahmen meines Schöffenamts schon an einigen Gerichtsprozessen teilgenommen und bin über diesen Prozess mehr als verwundert. Gut es sind heute andere Zeiten aber auch das entschuldigt diesen Prozess nicht.
Der Untertitel „Ein Justizmord“ passt hier zu hundert Prozent. Denn nichts anderes war der Fall Joseph Süßkind Oppenheimer.

Raquel Erdtmann hat einen flüssige Schreibstil und trotz der ganzen Gerichtsfakten ist das Buch gut verständlich geschrieben.

„Joseph Süßkind Oppenheimer-Ein Justizmord“ ist ein Buch über das man einfach nachdenken muss. Ich habe es mit großem Interesse gelesen.

Gorbach

Hank Zerbolesch
Roman
189 Seiten
erschienen im Steidl Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sterne

Vielen Dank an den Steidl Verlag für das Rezensionsexemplar

Tolle Geschichten über einen Ort und seine Menschen

Klappentext:
Wenn man die Stille zu Hause nicht mehr aushält, geht man in Gorbach auf ein Bier ins „Kippchen“. Oder zum Büdchen um die Ecke. Hier prallen sie aufeinander, am Rand der großen Stadt: Buchhalter, Lehrer, Musikerinnen, Schlachter, Junkies, Lkw-Fahrer, Polizistinnen. Es stellt sich die Frage, ob die Menschen den Ort machen, oder der Ort die Menschen. Der irre Ele, an seine Wohnung und den Rollstuhl gefesselt, erinnert sich an seine ruhmreiche Vergangenheit als stadtbekannter Kleinkrimineller. Filiz hat einen Mitschüler krankenhausreif geprügelt, weil der ihre Mutter beleidigt hat. Eine Radiomoderatorin schließt sich im Studio ein und rechnet on air mit ihrem Chef ab. Dass es zornig und laut zugeht, ist unvermeidlich. Zerbolesch aber findet die leisen und zartfühlenden Zwischentöne, erzählt von Empathie und Hoffnung zwischen Perspektivlosigkeit und alltäglicher Gewalt.

„Gorbach“ von Hank Zerbolesch ist ein Roman über einen Ort und seine Einwohner.

Der Autor malt ein Porträt eines Ortes. Dabei benutzt er verschiedene Charaktere.
Es stellt sich die interessante Frage, machen die Menschen den Ort oder macht der Ort die Menschen:

In dem Ort Gorbach treffen sich die Menschen im Kippchen oder am Büdchen. Hier treffen verschiedene Menschen aus verschiedenen Schichten aufeinander, tauschen sich aus, erzählen aus ihrem Leben.

Hank Zerbolesch hat ihnen je ein Kapitel in seinem Buch gewidmet. Dabei passt er seine Sprache dem jeweiligen Charakter an. Ich hatte beim lesen das Gefühl als spricht die Person direkt mit mir. Das spricht für den vielschichtigen Schreibstil von Hank Zerbolesch den er intelligent eingesetzt hat.

Mich hat jede der Geschichten gefesselt. Die einzelnen Geschichten sind so verschieden wie die Menschen und scheinen unabhängig voneinander doch irgendwie hängen sie zusammen.
Ich finde es interessant dem Ort und den Menschen zuzuhören.

Mit „Gorbach“ ist Hank Zerbolesch ein interessanter Roman gelungen den ich gerne gelesen habe.