Meertotfrau

Christoph Kastenbauer
Kriminalroman
248 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Blutiges Paradies

Klappentext:
Richard Graber war einst einer der härtesten SEK-Beamten Berlins. Heute heißt er Costa Rico, ist Sicherheitschef eines Luxusresorts in Puerto Limón, hat einen deutlichen Bauchansatz, ein Faultier namens Fred Feuerstein als Haustier und ist bekannt für Nächte, die regelmäßig in peinlichen Katastrophen enden.
Doch das Paradies hat Zähne. Vor der Küste metzelt ein Syndikat Haie bei lebendigem Leib, schneidet ihnen die Flossen ab und lässt die Tiere verblutend im Meer treiben, alles für einen Milliarden-Umsatz im bestialischen Finning-Business. Als die Brandung am Hotelstrand die Leiche einer jungen Touristin anspült, Arme und Beine abgehackt, kann Rico das Ganze nicht länger ignorieren. Denn Rico kennt sie. Sehr gut sogar.

„Meertotfrau“ ist der 1. Band der neuen Krimireihe „Costa Rico“ von Christoph Kastenbauer.

Von der Handlung möchte ich nicht viel verraten, denn ohne Spoiler ist mehr als der Klappentext nicht möglich.

Ich habe etwas Zeit gebraucht, um in die Geschichte hineinzukommen. Der Schreibstil ist erst einmal gewöhnungsbedürftig.
Das soll nicht abschrecken, manche Geschichten brauchen einfach etwas Zeit.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet.
Die Hauptfigur ist Richard Graber alias „Costa Rico“. Er war früher SEK-Beamter und wollte in Costa Rica ein ruhigeres Leben führen. Davon zeugen auch sein Bauchansatz und sein oft lethargisches Verhalten. Auf den ersten Blick ein richtiger Antiheld, aber er kann auch anders.
Costa hat ein Haustier namens Fred Feuerstein. Das Faultier sorgt für manch skurrile Szenen.

Der Schreibstil ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig und etwas schwierig zu lesen. Das Erzähltempo schwankt zwischen eher in die Länge gezogenen Passagen und dann wieder zu temporeichen Abschnitten.
Das Setting ist mit Costa Rica gut gewählt. Die Postkartenidylle, das türkise Meer und die Sonne, dazu ein Luxusresort, werden gut vermittelt.

Dazu steht im krassen Gegensatz das Thema, das diesem Buch zugrunde liegt. Shark Finning! Haifischen werden oft noch lebend die Flossen abgeschnitten. Der Rest treibt im Meer, wo die Tiere qualvoll verenden.
So grausam dieses Haifischtöten auch zu lesen ist, so wichtig ist es, auf dieses Thema aufmerksam zu machen.

„Meertotfrau“ ist ein nicht ganz einfach zu lesender Kriminalroman, der mich aufgrund des heiklen Themas doch überzeugt hat.

Silberküste

Alexander Oetker
Kriminalroman
323 Seiten
erschienen bei Hoffman und Campe
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

Ermittlungen im dicken Winter

Klappentext:
Auf einer entlegenen Waldstraße wird eine Frau angefahren und stirbt. Die Krankenschwester hatte einen gewalttätigen Ehemann, der sofort ins Visier von Commissaire Luc Verlain gerät. Doch schon bald wird klar: Die mutige Frau ermittelte im Fall einiger verdächtiger Todesfälle unter alten Menschen, die in den kleinen Strandorten entlang der Côte d’Argent, der Silberküste, ihren Lebensabend verbrachten. Lucs Team muss kurz vor Weihnachten alle Register ziehen – die Spur führt sie in ein Kloster im Landesinneren, in dem ein sehr charmanter Priester seine Fäden zieht. Ein rätselhafter und berührender Fall im schneereichsten Winter, den die Aquitaine seit Jahrzehnten erlebt hat.

„Silberküste“ ist mittlerweile schon der 11. Aquitaine Krimi von Alexander Oetker.

Luc Verlain der smarte Kommissar, ist mir schon seit dem ersten Band sympathisch.
Auf sein Töchterchen Aurélie ist er sehr stolz, sie ist ein wahrer Sonnenschein. Luc’s Partnerin Anouk ist mittlerweile Leiterin der Police nationale in Bordeaux und somit Luc’s Chefin. Die kleine Aurélie ist, während Anouk und Luc arbeiten, bei Luc’s Vater gut aufgehoben.

Die Leiche einer Frau wird gefunden. Eine Krankenschwester, die sich in den kleinen Dörfern um die alten und kranken Menschen kümmert. Jetzt wurde sie von einem Auto erfasst und einfach im Wald abgelegt. Für Luc Verlain ist schnell klar, das war kein Unfall, das war Mord.
Zusammen mit seiner neuen Partnerin Rose Schillinger übernimmt er die Ermittlungen.
Je tiefer die Ermittler in den Fall eindringen, umso tiefer wird der Graben, der sich vor ihnen auftut.

Alexander Oetker beschreibt wie immer die Handlungsorte sehr anschaulich. Der Winter und die Kälte, die selten für diese Gegend sind, sind fast auf der Haut zu spüren.
Im Gegensatz dazu die Stille und die kleinen Orte ganz ohne Touristen, sorgen für eine heimelige Atmosphäre.
Die Ermittlungen gestalten sich schwierig und nur mit nicht ganz regulären Mitteln lassen sie sich in die richtigen Bahnen leiten.

Yacine Zutouna, der im letzten Band einen tödlichen Schuss abgegeben hat, muss sich jetzt vor Gericht verantworten.
Anouk und auch Luc müssen als Zeugen aussagen.

Die Charaktere sind wieder gut gezeichnet und einige ja schon aus den vorherigen Bänden bekannt. So treffen die Leser*innen auch wieder auf Rose Schillinger, die jetzt fest zum Team gehört und die Krimireihe bereichert.

Alexander Oetker erzeugt recht schnell Spannung, die sich im Laufe der Geschichte immer weiter steigert. Der Schreibstil von Alexander Oetker ist flüssig, leicht verständlich und fesselnd.
Die kurzen Kapitel verleiden dazu, immer weiterzulesen.

Natürlich fehlt auch die Kulinarik nicht. Denn auch während der Ermittlungen muss Luc und sein Team essen und trinken.

„Silberküste“ ist wieder einmal ein richtig guter und spannender Krimi.
Ich freue mich jetzt schon auf den 12. Band, „Dünenfeuer“, der am 3. März 2027 erscheinen soll.

Die Tote in den Salinen

Joachim Mertens
Kriminalroman
428 Seiten
erschienen bei BoD – Books on Demand
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Joachim Mertens für das Rezensionsexemplar

Bemerkenswertes Debüt

Klappentext.
Eigentlich will Stefan Wagner sich an der Algarve von seiner kräftezehrenden Arbeit als Kommissar erholen. Die Luftveränderung vom verregneten Wuppertal ins sonnige Tavira, die Stadt am Rio Gilão, soll seine leergefahrenen Akkus wieder aufladen. Ausgedehnte Wanderungen in den Salinen, die Gelassenheit der Menschen in dem kleinen Ort, und nicht zuletzt das gute portugiesische Essen: kleine Puzzleteile, um zu entspannen. Doch ein schockierender Leichenfund rüttelt ihn auf. Wer ist die Tote und warum wurde sie so seltsam versteckt? Gemeinsam mit seinem portugiesischen Kollegen Carlos Oliveira begibt er sich auf Spurensuche. Düstere Erinnerungen an ein lang zurückliegendes Ereignis hemmen jedoch Wagners Professionalität. Als eine weitere Leiche auftaucht, erkennt er, dass der Fall weitaus komplizierter ist als zunächst angenommen. Zeugen, die wenig gesehen haben, Polizeiarbeit ohne Fortune. Und Wagner fühlt sich plötzlich allein. Eine weit zurückliegende erschütternde Begebenheit im familiären Umfeld trübt vermehrt seine objektive Sicht. Ist die entscheidende Unterstützung näher, als er glaubt?

„Die Tote in den Salinen“ ist ein bemerkenswertes Debüt von Joachim Mertens.

Gleich zu Beginn kommt es inmitten der weißen Salzbecken der Salinen zu einem Leichenfund.
Kommissar Stefan Wagner ist eigentlich zur Erholung in die Agaven gereist. Jetzt steht er seinem portugiesischen Kollegen Carlos Oliveira bei den Ermittlungen zur Seite.
Schnell sehen die Ermittler sich einem Geflecht aus Korruption und Lügen gegenüber.

Joachim Mertens hat großartige Charaktere ins Leben gerufen. Das ungleiche Ermittlerpaar gefällt mir gut.
Da der deutsche Kommissar Stefan Wagner keine Berechtigung hat, um in Portugal zu ermitteln, steht er seinem Kollegen, der die Ermittlungen übernommen hat, zur Seite.

Der Handlungsort wird von Joachim Mertesn anschaulich beschrieben.
Die Salinen mit ihren schneeweißen Salzhügeln, das tiefblaue Meer und die flirrende Sommerhitze werden den Leser*innen gut vermittelt.

Der Schreibstil von Joachim Mertens ist flüssig und gut verständlich. Der Autor baut schnell Spannung auf und durch unerwartete Wendungen hält er sie auch bis zum Ende aufrecht.

„Die Tote in den Salinen“ ist ein spannender Krimi mit einem schönen Setting. Ich würde mir weitere Bände mit den Ermittlern wünschen.

Alles wird Asche

Nele Neuhaus
Kriminalroman
557 Seiten
erschienen im Ullstein Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannender Taunuskrimi mit gewaltigen Ausmaßen

Klappentext:
Eine Frau stirbt in ihrer brennenden Villa in Kronberg im Taunus. Ein Bauunternehmer hängt kopfüber im Rohbau eines Frankfurter Hochhauses, den Fuß in einem Seil verfangen und qualvoll erstickt.
Was zunächst nach Unfällen aussieht, entpuppt sich als eine brutale und raffinierte Mordserie.
Die Ermittlungen führen das erfahrene Ermittlerduo Oliver von Bodenstein und Pia Sander in den Umkreis des tödlich verunglückten Tech-Milliardärs Patrick Brinkhoff, Entwickler eines bahnbrechenden KI-Chatbots. Während die beiden noch versuchen, das dichte Netz aus Loyalitäten in Brinkhoffs Softwarefirma und Familie zu entwirren, stoßen sie auf weitere Morde, die alle mit Brinkhoff zusammenhängen.

„Alles wird Asche“ ist schon der 12. Band der Taunuskrimi-Reihe von Nele Neuhaus.
Bei den Krimis von Nele Neuhaus spürt man immer, dass die Autorin weiß, wovon sie schreibt.
Sie kennt sich an den Handlungsorten sehr gut aus. Sie kennt die Polizeiarbeit mittlerweile recht gut und weiß, wo sie sich Rat holen kann. So kommen ihre Bücher immer sehr authentisch bei ihren Leser*innen an.

Pia hat ihr Sabbatical vorzeitig beendet. Zwischen ihr und ihrem Mann kriselt es.
So ist Pia froh, wieder beim K11 einsteigen zu können.
Hier bekommt es das Team mit einem komplizierten Fall zu tun.
Pia begleitet ihren Ex-Mann Henning nach Frankfurt. Hier wurde ein Bauunternehmer in seinem Rohbau erhängt.
Da beim K11 in Frankfurt schon eine Vermisstenanzeige einging, arbeiten die Frankfurter und das K11 aus Hofheim zusammen.
Aus dem einen Mord wird eine Mordserie und das K11 muss den Täter stoppen. Die Hinweise führen zu einer Softwarefirma. Tech-Milliardär Patrick Brinkhoff, der eine bahnbrechende KI entwickelt hatte, ist vor einigen Jahren am Mount Everest tödlich verunglückt. Hängen die heutigen Taten mit dem verunglückten Patrick Brinkhoff zusammen?

Pia und Oliver ermitteln mit ihrem Team wie immer auf Hochtouren.
Doch sie finden kein Motiv und keine Spur des Täters. Immer wieder stoßen sie auf
Brinkhoffs Softwarefirma und die Brinkmann-Stiftung.

Nebenbei erfahren die Leser*innen auch wieder einiges aus dem Privatleben der Charaktere. In diesem Band vorwiegend aus dem Leben von Pia.

Nele Neuhaus hat mit ihrem neuen Krimi in puncto Spannung alle Register gezogen.
Die Autorin jongliert mit mehreren Erzählsträngen, bei denen man sich am Anfang manchmal fragt, wie die zur eigentlichen Geschichte gehören.
Nach und nach bekommt man ein immer komplexeres Bild und staunt, welche Ausmaße die ganze Geschichte annimmt.
Nele Neuhaus webt auch einige Informationen über die Entwicklung der KI und deren Können mit ein. Die Abschnitte sind interessant aufgemacht und sind auch für Laien wie mich gut verständlich.

Die Autorin legt immer wieder falsche Spuren. die man als Leser*in nur zu gerne aufnimmt, um sie dann wieder zu verwerfen.

Nele Neuhaus hat wie immer einen fließenden und gut verständlichen Schreibstil. Sie baut Spannung auf, die von Anfang bis Ende anhält.
In diesem komplexen Fall öffnet sie immer wieder neue Türen, aber am Ende ist jede Tür wieder geschlossen und alle Fragen sind beantwortet.

„Alles wird Asche“ war wieder ein Krimi mit Hochspannung. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

Jetzt heißt es wieder warten, bis irgendwann hoffentlich der 13. Band erscheint.

Tod in heller Sommernacht

Lisa Sarah Brandstäter
Kriminalroman
478 Seiten
erschienen im Ullstein Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannender Finnland-Krimi

Klappentext:
Eine schöne Sommernacht in der Kleinstadt Porvoo bei Helsinki endet für die junge Studentin Lina tödlich. Ein Auto drängt sie von dem sandigen Waldweg ab und überfährt sie brutal. Die Polizei in dem idyllischen Küstenort nahe Helsinki bittet Kommissarin Leena Victor um Hilfe. Bei ihren Ermittlungen stößt sie auf ein Geflecht aus Widersprüchen, heimlichen Affären und perfekt platzierten Lügen. Als ein zweiter Mord den kleinen Ferienort erschüttert und eine junge Frau spurlos verschwindet, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, und Leena Victor versucht, das Mosaik Stück für Stück zusammenzusetzen. Denn unter der gleißenden finnischen Mitternachtssonne lauert ein Täter, dessen Rachedurst noch lange nicht gestillt ist.

„Tod in heller Sommernacht“ ist der 2. Band der Krimireihe „Leena Victor ermittelt“ von Lisa Sarah Brandstäter.

Die Autorin hat lebendig und authentisch wirkende Charaktere geschaffen.
Das Ermittlerduo trägt den Roman mit viel psychologischer Tiefe.
Leena Victor ist eine starke, kompetente und zugleich einfühlsame Ermittlerin.
Sie wirkt menschlich und greifbar, auch weil sie neben dem Fall mit massiven Problemen im eigenen privaten Umfeld zu kämpfen hat.

Sebastian Nyberg ist Leenas Partner. Auch er hat Ecken und Kanten und seine privaten Probleme.

Die beiden Ermittler habe ich im 1. Band schon gut kennengelernt. Mir waren sie schnell sympathisch gewesen.

Der Schreibstil von Lisa Sarah Brandstäter ist flüssig, bildhaft und temporeich.
Die wechselnden Perspektiven lassen die Leser*innen ganz nahe an die Charaktere rankommen.

Auch der Handlungsort wird von der Autorin gut nähergebracht.
Die idyllische, historische Kleinstadt Porvoo nahe Helsinki mit ihren charakteristischen Holzhäusern dient als malerische Kulisse.
Die helle Sommernacht, in der es im Norden Europas nicht dunkel wird, wird den Leser*innen gut vermittelt.

„Tod in heller Sommernacht“ ist ein gelungener 2. Band. Ich freue mich jetzt schon auf den 3. Band „Tod im kalten Abendlicht“, der im Herbst 2027 erscheinen soll.

Jenseits des Scheins

Anna Johannsen
Kriminalroman
286 Seiten
erschienen im Edition M Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Spannender Plot, tolle Protagonisten

Klappentext:
Jakob Berger, der Ehemann der aufstrebenden Bundestagsabgeordneten Beate Meyerdirks, wird während eines Campingkurztrips in Goslar als vermisst gemeldet. Wegen der möglichen Brisanz des Falls werden die LKA-Ermittler Hanna Will und Jan de Bruyn zur Unterstützung des lokalen SoKo-Teams hinzugezogen.
Die Menschen in Bergers Umfeld beschreiben ihn einerseits als Feingeist und Kunstliebhaber, andererseits aber auch als Mann, der es mit der ehelichen Treue nicht immer so genau nimmt.
Während Hanna und Jan verschiedensten Spuren nachgehen, tritt eine Journalistin mit brisanten Informationen zur Abgeordneten Meyerdirks an das Ermittlerteam heran, allerdings nicht ohne Eigennutz: Sie verlangt im Gegenzug Details zum Vermisstenfall. Wurde Berger eine seiner Liebschaften zum Verhängnis oder steckt möglicherweise sogar seine Ehefrau hinter seinem mysteriösen Verschwinden?

„Jenseits des Scheins“ ist der 5. Fall der Krimireihe „Ein Fall für Hanna Will & Jan de Bruyn“ von Anna Johannsen. Je mehr Bände ich von dieser Reihe lese, desto spannender finde ich sie.
Die Autorin ist mir schon seit vielen Jahren gut bekannt. Ich liebe ihre Krimireihen „Die Inselkommissarin“, „Enna Andersen“ und „Ein Fall für Hanna Will & Jan de Bruyn“.

Vom LKA wurde ein kleines Special-Team zusammengestellt zur Unterstützung bei besonders kniffeligen Fällen.
Das Team besteht aus der Hauptkommissarin Hanna Will.
Sie setzt auf die unkonventionelle Art bei ihren Ermittlungen. Für sie heißt es, ans Ziel kommen, den Täter finden, egal auf welchem Weg.
Vor ihrer Polizeikarriere war sie bei der Bundeswehr und da im Auslandseinsatz.

Der Zweite im Bunde ist Jan de Bruyn.
Er ist Kriminalpsychologe und sehr engagiert in seinem Beruf.
Er kann sich gut in die Täter hineinversetzen. Bei diesem Fall fällt es ihm schwer, ein Täterprofil zu erstellen.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben sich Hanna und Jan aneinander gewöhnt, sind mittlerweile sogar eine Beziehung eingegangen.

In diesem Band werden die beiden Ermittler nach Goslar geschickt. Hier wird der Ehemann einer Bundestagsabgeordneten vermisst. Wegen der bekannten Ehefrau ist hier Fingerspitzengefühl gefragt.
Es gibt verschiedene Ermittlungsansätze, die, wie es scheint, alle ins Leere führen. Doch die Ermittler geben so schnell nicht auf und bohren immer tiefer.
Bis es dann auch verschiedene Szenarien gibt. Bei einer davon spielt auch die Ehefrau eine Rolle.

Anna Johannsen schafft es auch mit ihrem 5. Band der Krimireihe, mich beim Lesen in Atem zu halten.
Eins haben alle drei Krimireihen der Autorin gemeinsam, sie führen die Leser*innen immer zu verschiedenen schönen Orten.

Die Charaktere sind wieder sehr gut gezeichnet. Es macht Freude, sie bei den Ermittlungen zu begleiten.
Auch was das Privatleben der Charaktere betrifft, hat man schon einiges erfahren. Jetzt sind Hanna und Jan ein Paar und Hanna anscheinend auch schwanger. Jetzt weiß Hanna nicht recht, wie sie damit umgehen soll.

Das Setting ist Goslar, eine Stadt in Niedersachsen. Anna Johannsen bringt den Leser*innen auf schöne Art immer andere Orte näher.

Der Schreibstil der Autorin ist gut verständlich und fesselnd.
Mir gefällt immer wieder, dass sie schnell zur Sache kommt, nicht lange unnütze Worte um die Dinge macht.
Auch das Verhältnis zwischen den Ermittlungen und dem Privatleben der Ermittler ist immer gut ausgewogen.

„Jenseits des Scheins“ ist ein unterhaltsamer und spannender Krimi.
Ich freue mich schon auf den nächsten Fall mit Hanna Will und Jan de Bruyn.

Teufelsring

Frida Skybäck
Kriminalroman
394 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Übersetzt aus dem Schwedischen von Julia Gschwilm
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannende Krimireihe aus Schweden

Zum Inhalt:
Die Geschichte beginnt mit einem tragischen Fund. In einem Naturreservat entdeckt eine Familie beim Camping die grausam zugerichtete Leiche des 21-jährigen Mattias Lindqvist. Für das Ermittler-Duo Fredrika Storm und Henry Calment rührt dieser brutale Mord sofort an eine alte, nie verheilte Wunde des kleinen Dorfs Vallkärra. Vor genau fünfzehn Jahren wurde nämlich Mattias‘ Mutter Lena auf exakt dieselbe Weise erschlagen, der Täter wurde nie gefasst und ihr damaliger Partner verschwand spurlos. Die Ermittlungen zwingen das Team zu einer Reise in die Vergangenheit und führen sie tief in ein dichtes Netz aus dörflichem Schweigen, alten Feindschaften und gut gehüteten Familiengeheimnissen.

„Teufelsring“ ist der 4. Band der Krimireihe Fredrika Storm von Frida Skybäck.

Die Autorin hat interessante und facettenreiche Charaktere erdacht.
Das Ermittlerduo besteht aus Fredrika Storm und Henry Calmen.
Fredrika ist noch jung und hochmotiviert, als sie von Kopenhagen zurück in ihre Heimat kommt und die Stelle bei der Mordkommission in Lund antritt. Sie ist in der Gegend aufgewachsen und kennt Land und Leute. Sie ist oft impulsiv und handelt emotional.
Henry Calmen ist der ideale Gegenpol zu Fredrika.
Er kommt aus der schwedischen Großstadt, bringt einen frischen, unvoreingenommenen Blick von außen mit und ist von feinerer, fast schon eleganter Erscheinung.
Schon im ersten Band sind die beiden Ermittler zu einem guten Team zusammengewachsen.

Frida Skybäcks Schreibstil ist flüssig, bildhaft und gut verständlich.
Die Autorin versteht es, das Tempo geschickt zu variieren. So gibt es ruhigere Szenen und dann zieht das Tempo wieder an und die Spannung steigt.
Der Wechsel der Perspektiven und die geschickt eingeflochtenen Wendungen sorgen zusätzlich für Spannung.

„Teufelsring“ ist ein spannender Kriminalroman. Es ist der 4. Band der Reihe, man braucht aber nicht unbedingt Vorkenntnisse, um das Buch zu lesen.

Fredrika Storm-Reihe:
1. Schwarzvogel
2. Eisenblume
3. Schattenmädchen
4. Teufelsring

Signora Commissaria und die Insel der Träume

Alexander Oetker
Kriminalroman
272 Seiten
erschienen im Atlantik Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

Bravo, Bravisimo

Klappentext:
Mord in der Modewelt: Als die Polizei bei einer Verkehrskontrolle in Santa Croce eine Leiche im Kofferraum entdeckt, führt die Spur direkt in das glamouröse Imperium eines Florentiner Stardesigners. Das originellste Ermittlerteam der Toskana um Giulia Ferrari, den blinden Polizisten Enzo und Luigi, den Barista mit Kripo-Vergangenheit, stürzt sich in einen brisanten Fall voller Intrigen, Affären und Erpressung, während die Commissaria zugleich um ihre totgeglaubte Schwester kämpft, die nach zwanzig Jahren plötzlich wieder in ihr Leben tritt. Ein wendungsreicher, sinnlicher Krimi voll italienischer Sonne zwischen High Fashion, dem langen Arm der Mafia und köstlicher toskanischer Küche.

„Signora Commissaria und die Insel der Träume“ ist eigentlich der 4. Band der Reihe Giulia Ferrari ermittelt. Der 1. Band „Signora Commissaria und die dunklen Geister“ ist unter dem Pseudonym Pietro Bellini bei Droemer Knaur erschienen.

Von Alexander Oetker lese ich die Südfrankreich-Krimis sehr gerne. Mit dieser Reihe macht der Autor einen Abstecher in die Toskana. Auch hier kommen Spannung und das gute Essen nicht zu kurz.

Seine Charaktere sind wieder recht unterschiedlich und gefallen mir sehr gut.
Besonders die Gruppe der Ermittler.

Commissaria Giulia Ferrari hat ihr Elternhaus, das seit 20 Jahren leer stand, wieder bezogen. Sie hat das Haus hergerichtet und den Garten bepflanzt. Sie lebt nach langer Zeit wieder in dem Haus, in dem so viele Erinnerungen hängen, vor allem an ihre liebe Schwester.

Luigi Batista war einst der beste Commissario von Florenz. Heute betreibt er eine Cafébar und hilft nur noch im Notfall bei der Polizei aus. An seiner Seite ist immer sein Hund Tulipan.

Enzo Aleardi ist bei der Polizei meist für die Recherche verantwortlich. Er ist blind und es ist erstaunlich, wie sicher er sich an seinem Arbeitsplatz bewegt. Die Commissaria und Enzo sind mittlerweile liiert.

Der Fall ist recht kompliziert. Im Kofferraum von Signora Cavali wird bei einer Verkehrskontrolle eine Leiche gefunden. Bei dem Toten handelt es sich um David Giotti, den Sohn des reichen und bekannten Florentiner Stardesigners. Natürlich ist Singiora Cavali die Verdächtige Nummer 1, doch sie bestreitet, von der Leiche im Kofferraum gewusst zu haben.
Enzo Aleardi bittet Luigi Batista um Hilfe, da Commissaria Giulia Ferrari im Moment nicht im Dienst ist.

Die Commissaria weilt zur gleichen Zeit auf Sardinien, in der Hoffnung, ihre Schwester nach all den Jahren wiederzufinden.

Alexander Oetker baut gleich zu Beginn Spannung auf. Es macht Freude, dem Ermittlerteam bei seinen Ermittlungen über die Schulter zu schauen.
Dabei lockert der Autor seine Geschichte immer wieder durch Zwischenmenschliches auf, bei dem man die Charaktere besser kennenlernt.
Ich finde das Ermittlerteam einfach genial. Alle drei gefallen mir sehr gut. Manchmal musste ich schmunzeln, wenn Giulia und Luigi sich unterhalten.

Ein Highlight ist auch, wie Alexander Oetker Florenz beschreibt. Erst vor ein paar Jahren habe ich die Stadt besucht und hatte schnell wieder Bilder im Kopf.

Alexander Oetker lässt in der Geschichte den Tag immer mit der Heimkehr von Luigi enden. Seine Frau Carla erwartet ihn schon und es gibt ein leckeres Essen. Das Rezept ist immer zum Nachkochen abgedruckt.

„Signora Commissaria und die Insel der Träume“ ist ein genialer Toskana Krimi.
Ich würde mich freuen, wenn Alexander Oetker die Reihe mit dem großartigen Ermittlerteam noch lange weiterführt.

Das Rätsel von St. Florence

Katharina Schendel
Kriminalroman
240 Seiten
erschienen im Gmeiner Verlag
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

ielen Dank an den Gmeiner Verlag für das Rezensionsexemplar.

Die Nachtschattenschwestern ermitteln

Klappentext:
Zwischen Kräutergarten und Klostermauern lauern dunkle Geheimnisse: In der Abtei St. Florence an der Küste Cornwalls bereiten die drei ungleichen Nonnen des Nachtschattenordens Marguerite, Angelica und Rosemary das jährliche Kräuterfest vor. Doch als eine Influencerin nach dem Genuss des legendären Melissengeists zusammenbricht, fällt der Verdacht ausgerechnet auf die Abtei. Inmitten von Giftpflanzen, alten Legenden und misstrauischen Dorfbewohnern beginnen die drei zu ermitteln, denn ihr Ruf und die Zukunft des Ordens stehen auf dem Spiel.

„Das Rätsel von St. Florence“ ist ein Cornwall-Krimi von Katharina Schendel.

Die Nachtschattenschwestern, Schwester Angelica und Schwester Rosemary, sind die letzten im Kloster St. Florence.
Das Geld ist knapp und im Kloster müssten dringend Instandhaltungsarbeiten gemacht werden.
Ihre Hoffnung liegt auf dem diesjährigen Kräuterfest. Die Schwestern haben extra frischen Melissengeist gebraut, um ihn auf dem Fest zu verkaufen.
Doch als die Influencerin, die den Schwestern bei der Vermarktung helfen will, von dem Melissengeist probiert, bricht sie zusammen.

Die Charaktere sind sympathisch. Ich habe die Schwestern gerne durch die Geschichte begleitet.

Schwester Marguerite ist 49 Jahre alt und die Äbtissin des Klosters. Vor dem Leben im Kloster war sie Botanikerin, und so kümmert sie sich auch hingebungsvoll um den Klostergarten mit all seinen Kräutern und Heilpflanzen.

Schwester Angelica ist 31 Jahre alt und kümmert sich um den Klosterladen und das Café. Einst war sie Journalistin, zieht jetzt aber die Ruhe des Klosters vor. Ihre Leidenschaft sind True-Crime-Podcasts.

Schwester Rosemary ist 63 Jahre alt und somit die älteste Klosterbewohnerin.
Früher war sie Krankenschwester. Sie stellt aus den Kräutern und Heil- und Giftpflanzen, die im Klostergarten wachsen, Tränke und Salben her. Auch sie liebt Kriminalgeschichten, dabei haben es ihr die französischen Krimis angetan.

Außerdem leben noch Pater Ambrosius, ein 5-jähriger Airedale Terrier, und Poppy die 4-jährige Graugans, im Kloster.

Hin und wieder kommt Reverend Blytheim im Kloster vorbei. Er ist den Schwestern nicht gut gesinnt und verbreitet im Dorf böse Gerüchte.

Ein illustrer Verein, den die Leser*innen begleiten dürfen.
Nachdem sich herausstellt, dass im Melissengeist, den die Influencerin getrunken hat, Gift war und als erstes die Schwestern verdächtigt werden, nehmen sie die Ermittlungen selbst in die Hand.

Katharina Schendel erzählt die Geschichte in einem ruhigen Ton. Es wechseln sich Spannung und Humor ab.
Der Schreibstil von Katharina Schendel ist flüssig und gut verständlich.
Der Handlungsort, vorwiegend das Kloster, wird anschaulich beschrieben.

„Das Rätsel von St. Florence“ ist ein spannender und zugleich humorvoller Cosy-Krimi, den ich gerne gelesen habe.

Das Hotel am Rande des Zusammenbruchs

Theresa und Joseph Prammer
Kriminalroman
302 Seiten
erschienen bei HaymonKrimi
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Haymon Krimi für das Rezensionsexemplar

Kriminalroman mit herrlich schrägem Humor

Die Fassade bröckelt und einer der Balkone hängt schief, da hilft auch die Toplage ein bisschen abseits von Reichenau an der Rax nichts mehr. Das Wellnesshotel „Perfekt“ hat seine besten Tage definitiv schon vorgestern hinter sich gelassen.
Die Rettung des maroden Hauses naht scheinbar in Gestalt eines wohlhabenden Investors, der sich zu einer Inkognito-Inspektion angekündigt hat. Das ohnehin gestresste Personal versucht verzweifelt herauszufinden, welcher der wenigen, kauzigen Hotelgäste der besagte Geldgeber ist. Doch das Timing für den großen Deal könnte nicht schlechter sein: Ausgerechnet jetzt stürzt der herrische, cholerische Hotelbesitzer Felix Perfekt aus dem Fenster und landet, im Garten auf einer übergroßen Buddhastatue. Da sich das verbliebene Team eine Schließung oder polizeiliche Ermittlungen mitten im Investorenbesuch nicht leisten kann, wird der Vorfall kurzerhand vertuscht. Als dann auch noch Felix’ eineiiger Zwillingsbruder Florian aufkreuzt, bricht das absolute Verwechslungschaos aus. Wer ist Gast, wer Angestellter, wer der Investor und wer der Mörder?

Das Autorenduo Theresa und Joseph Prammer legt mit „Das Hotel am Rande des Zusammenbruchs“ eine herrlich schräge Kriminalkomödie vor, die ursprünglich auf einem erfolgreichen Theaterstück der Komödienspiele Neulengbach, das von dem Ehepaar gegründet wurde, basiert. Schauplatz des herrlich absurden Geschehens ist das Wellnesshotel „Perfekt“ nahe dem traditionsreichen Sommerfrischort Reichenau an der Rax. Perfekt ist hier allerdings gar nichts mehr: Die Fassade bröckelt, ein Balkon hängt schief, die Sauna ist defekt und das Personal hat seit Monaten kein Gehalt gesehen.

Das Ehepaar Prammer hat lebendige, schrullige und exzentrische Charaktere ins Leben gerufen.
Die Charaktere sind das absolute Herzstück des Romans.
Sophie ist Mitte 30 und Physiotherapeutin. Sie fungiert unfreiwillige als Krisenmanagerin, die versucht, das sinkende Schiff und die absurden Geheimnisse irgendwie zusammenzuhalten.

Felix und Florian Perfekt: Der eine ist ein unausstehlicher, geiziger Hotelchef, der andere sein eineiiger Zwilling, der im perfekten Moment auftaucht, um für maximale Verwirrung zu sorgen.

Der Rest der Belegschaft ist ein eingeschworenes Team, das mit einer kräftigen Dosis Galgenhumor agiert.
Die Stammgäste, die nostalgisch über den K.-u.-K.-Schick hinwegsehen, machen das Ensemble perfekt.

Der Schreibstil von Theresa und Joseph Prammer ist flüssig und gut verständlich. Der Theaterhintergrund der beiden Autoren ist auf jeder einzelnen Seite spürbar. Die Geschichte verzichtet auf langatmige Ausführungen und setzt stattdessen auf ein extrem hohes Erzähltempo und Pointen, die perfekt sitzen.
Die Dialoge zwischen den Charakteren sind spritzig und treiben die Handlung rasant voran.
Der Krimi ist mit einer Prise schwarzem Humor, mit Absurdität und Wiener Schmäh gewürzt.

„Das Hotel am Rande des Zusammenbruchs“ ist weniger ein klassischer Krimi mit akribischer Ermittlungsarbeit, sondern vielmehr eine rasante, rabenschwarze Kriminalkomödie. Ein absolut unterhaltsames, kurzweiliges Buch für alle, die sich bei einem Beinahe-Mord im Hotel „Perfekt“ königlich amüsieren wollen!