Die Stockholm Protokolle

Moa Berglöf und Joakim Zander
Thriller
440 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Übersetzt aus dem Schwedischen von Thomas Altefrohne
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Pageturner

Klappentext:
Die Stockholmer Investigativjournalistin Julia verfolgt eine heiße Spur: Alles deutet darauf hin, dass der charismatische, beliebte Ministerpräsident Schwedens auch dunkle Seiten hat. Der nach außen liebende Familienvater scheint einen Hang zu exzessiven Partys zu haben, die auf Missbrauch schließen lassen. Und er pflegt politische Netzwerke, die einen Rechtsruck bedeuten könnten. Als Julia von ihrem Chefredakteur kaltgestellt wird, ahnt sie, wie hochbrisant die Sache ist. Erst recht als ihr politisch unerfahrener Ehemann, Windkraft-Experte Alfred, plötzlich zum Pressesprecher des Ministerpräsidenten ernannt wird. Julia kann Alfred nicht sagen, was sie sofort vermutet: Dieser Job wurde ihm nur angeboten, um sie endgültig zum Schweigen zu bringen. Trotzdem beschließt sie, weiter zu ermitteln.
Währenddessen schlägt sich Alfred erstaunlich gut im Polit-Dschungel. Doch in den Korridoren der Macht stößt er auf Betrug und Geheimnisse. Er beginnt nachzuforschen und stellt fest, dass die schmutzigen Geschäfte weit über die Mauern des schwedischen Regierungssitzes Rosenbad hinausreichen.

„Die Stockholm Protokolle“ ist ein spannender Polit-Thriller von Moa Berglöf und Joakim Zander.

Die Investigativjournalistin Julia ist einem Skandal auf der Spur, der den Ministerpräsiden in sehr schlechtes Licht stellen würde. Kurzerhand wird sie von ihrem Chefredakteur ins Abseits gestellt. Dafür bekommt Julias Ehemann Alfred den Job des Pressesprechers des Ministerpräsidenten. Jetzt ist Julia erst recht zum Schweigen verurteilt. Aber auch Alfred bleiben die Geheimnisse und der Betrug nicht verborgen.

Moa Berglöf und Joakim Zander ist hier ein wahrer Pageturner gelungen.
Es wird ein Szenario dargestellt, dass voller Betrug und Missbrauch ist. Der Ministerpräsident ist ein Wolf im Schafspelz. Nach außen hin beliebt und fürsorglicher Familienvater.
Was hinter der Fassade steckt, erfahre die Leser*innen nach und nach.

Der Plot ist intelligent konzipiert. Mit Spannung habe ich die Machtspiele verfolgt.
Die Geschichte wird in einem ruhigen Ton erzählt, aber die Spannung lässt aber nicht lange auf sich warten.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig. Nicht alle sind sympathisch.

Der Schreibstil des Autoren Duos ist flüssig und gut verständlich, vor allem ist es aus einem Guss, die Leserinnen spüren nicht, dass zwei Autorinnen an der Geschichte gearbeitet haben.

„Die Stockholm Protokolle“ ist ein echter Pageturner, den ich gerne gelesen habe.

Ein ehrliches Leben

Joakim Zander
Roman
425 Seiten
Übersetzt aus dem Schwedischen von Ulla Ackermann und Thomas Alterfrohne
erschienen im Rowohlt Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Fesselnder Roman mit gesellschaftskritischer Tiefe

Klappentext:
Simon möchte alles hinter sich lassen: Die Fesseln der Kleinstadt, in der er aufwuchs, seine Mittelschicht-Herkunft, für die er sich schämt. Doch als er sich an der juristischen Fakultät in Lund einschreibt, führen ihm seine reichen Kommilitonen deutlich vor Augen, dass nicht für alle die gleichen Regeln gelten. Simons Sehnsucht nach intellektueller Verbundenheit, Authentizität, einem anderen Leben scheint sich erst zu erfüllen, als er auf einer Anti-Nazi-Demonstration in Malmö eine junge Frau kennenlernt. Sie macht ihn mit ihren exzentrischen Freunden bekannt. Das Leben der Gruppe basiert auf radikalen und aufregenden Idealen, aber auch auf Lügen und immensen Risiken. Als Martin merkt, in was sie ihn hineinziehen, ist es bereits zu spät, um auszusteigen.
Er ist einer von ihnen, einer der Banditen.

„Ein ehrliches Leben“ von Joakim Zander ist mein erstes Buch des Autors und ich war sehr gespannt.

Im Mittelpunkt steht der junge Student Simon. Er bricht aus seiner eintönigen Herkunft aus, um in der pulsierenden Universitätsstadt Lund zu studieren.
Dort gerät er schnell in den Bann einer Gruppe charismatischer Freunde, die radikale Ideale und ein Leben außerhalb der Norm propagieren. Wo er da hineingezogen wurde, merkt Simon erst als es schon zu spät ist.

Joakim Zander zeichnet ein fesselndes Bild von Simons innerem Zwiespalt. Der Wunsch nach Zugehörigkeit und intellektueller Stimulation prallt mit seinen moralischen Werten und seiner Herkunft zusammen. Die zunehmende Radikalisierung der Gruppe und Simons eigene riskante Verstrickungen lassen ihn die Grenzen zwischen Gut und Böse hinterfragen.
Gekonnt verwebt Zander gesellschaftskritische Themen in die spannende Erzählung. Er prangert die Ungleichheiten und sozialen Spannungen an, die in der schwedischen Gesellschaft klaffen. Die Suche nach Identität und der Wunsch nach einem sinnvollen Leben werden vor dem Hintergrund von politischen Umbrüchen und gesellschaftlichen Veränderungen beleuchtet.

Joakim Zanders Charaktere sind vielschichtig und authentisch, die Handlung temporeich und voller überraschender Wendungen.

„Ein ehrliches Leben“ ist mehr als nur ein packender Roman. Es ist ein Roman, der zum Nachdenken anregt und lange nach dem Lesen in Erinnerung bleibt.