Moosland
Katrin Zipse
Roman
219 Seiten
erschienen im DuMont Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den DuMont Verlag für das Rezensionsexemplar
Ein bewegendes Frauenschicksal
Klappentext:
Als Elsa im Sommer 1949 in Island ankommt, ist sie eine von vielen. Knapp dreihundert junge Frauen aus Deutschland sind dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt, um dort ein Jahr auf Höfen zu arbeiten. Die Bauern hoffen auf Arbeitskräfte sowie Heiratskandidatinnen, nachdem viele Isländerinnen in die Städte abgewandert sind. Sprachkenntnisse können die Frauen nicht vorweisen, aber oft haben sie nichts zu verlieren.
Auch Elsa schweigt. Sie ist nicht hier, um zu bleiben, sie trauert um ihre Freundin Sola, und mit den Bauersleuten kann sie sich zunächst ohnehin nicht verständigen. Dennoch entsteht zwischen Grassodenhaus, leuchtenden Wiesen und endlosem Meer ein Zusammenleben, das sich Elsa irgendwann nicht mehr vom Leibe halten kann. Allein ihre Anwesenheit verändert die Dynamik auf dem Hof, besonders die der Bauernsöhne. Es gibt Erwartungen, ausgesprochene und unausgesprochene. Und dann ist da auch noch die verschwundene Tochter der Familie, über die niemand spricht und die für Elsa immer wichtiger wird.
„Moosland“ von Katrin Zipse ist ein Roman, der auf einer wahren Begebenheit basiert.
Im Mittelpunkt steht Elsa, sie hat den Krieg noch nicht verarbeitet, zu viel Elend und zu viele Tode hat sie gesehen. Da ergibt sich die Gelegenheit Deutschland für einige Zeit zu verlassen. Die isländischen Bauernpartei sucht junge deutsche Frauen, die in Island, gegen Bezahlung auf Bauernhöfen arbeiten wollen. Island verspricht sich davon Arbeitskräfte und vielleicht auch die eine oder andere junge Frau, die sich entschließt zu bleiben und zu heiraten.
Elsa kommt zu einer Bauernfamilie, die etwas abgelegen wohnt. Auf dem Hof arbeiten Bauer und Bäuerin, sowie die zwei Söhne. Zur Unterstützung haben die Bauersleute noch einen Knecht angestellt.
Die Familie nimmt Elsa mit offenen Armen auf. Schwierig macht es allerdings die Sprachbarriere. Auch das Elsa keinerlei Kenntnisse von der Landwirtschaft hat, macht es ihr nicht gerade leicht.
Elsa weigert sich auch am Anfang Isländisch zu lernen und gibt vor auch kein Englisch zu sprechen. In Wahrheit möchte sie mit niemanden Reden, sie ist so tief in ihrem Trauma, dass vom Krieg herstammt, versunken, dass sie sich völlig verschließt.
Katrin Zipse vermittelt die Geschichte mit viel Gefühl. Die Charaktere sind gut gezeichnet. Besonders Elsa gefällt mir gut. Sie steht für viele Frauen, die zwar nicht an der Front waren, aber die der Krieg trotzdem hart getroffen und traumatisiert hat.
Mir war bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, dass Island deutsche Frauen angeworben hatte, die dort auf Bauernhöfen arbeiten. So steht Elsa Pate für ca. 300 Frauen, die dem Aufruf gefolgt sind.
Ganz wunderbar ist die Beschreibung der Handlungsorte. Katrin Zipse beschreibt die weiter der Landschaft, die nie endenden Berge, die Farben, den Himmel so eindringlich, dass man schnell Bilder vor Augen hat.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich, die Sprache ist fast schon poetisch zu nennen.
„Moosland“ ist ein wunderschöner Roman, den ich gerne empfehlen möchte.









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