Die Reise der Pilgerin

Christiane Lind
Historischer Roman
368 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Christiane Lind für das Rezensionsexemplar

Gelungener Auftakt der Pilgerinnen-Saga

Zum Inhalt:
Die Geschichte beginnt im mittelalterlichen Braunschweig. Die junge Leonore von Calven begibt sich scheinbar aus reinem Glauben auf eine beschwerliche Wallfahrt nach Jerusalem. Ihr Pilgergewand dient jedoch nur als Tarnung. Der wahre, hochbrisante Grund ihrer Reise muss unter allen Umständen im Verborgenen bleiben.
Auf dem gefährlichen Weg in die Heilige Stadt schließt sie sich einer Reisegruppe an. Fast jeder ihrer Begleiter hütet dabei eigene, dunkle Geheimnisse. Als die Lage eskaliert und Leonore in Lebensgefahr gerät, wird sie von dem muslimischen Karawanenführer Nadim gerettet. Diese schicksalhafte Begegnung wirft nicht nur ihre Mission, sondern auch ihr gesamtes christliches Weltbild über den Haufen. Es entspinnt sich eine hochemotionale, verbotene Liebesgeschichte zwischen den Fronten der Religionen.

„Die Reise der Pilgerin“ von Christiane Lind ist ein fesselnder historischer Roman, der seine Leser*innen direkt in die Epoche der Kreuzzüge entführt.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und richtig lebendig.
Leonore von Calven: Eine starke und mutige Frau, die sich nicht in die typische passive Frauenrolle ihrer Zeit drängen lässt. Ihre Entwicklung von der pflichtbewussten Tochter zur eigenständigen Denkerin ist glaubhaft dargestellt.

Nadim: Der sarazenische Karawanenführer bricht mit den typischen westlichen Vorurteilen der damaligen Epoche. Er ist gebildet, tolerant und zeigt Leonore die reiche Kultur des Orients.

Auch die Nebencharaktere sind farbenfroh und vielschichtig gezeichnet.

Die Handlungsorte werden von Christiane Lind anschaulich beschrieben.
Das mittelalterliche Braunschweig ist düster, von starren christlichen Konventionen und den Vorbereitungen auf den Kreuzzug geprägt.
Das Heilige Land und Jerusalem sind farbgewaltig, lebendig und voller Exotik. Die Autorin beschreibt die Gerüche, Märkte, die Gelehrsamkeit und die Hitze des Orients so bildhaft, dass man als Leser*in das Gefühl hat, selbst durch die Wüste zu reiten.

Der Schreibstil von Christiane Lind ist von der ersten Seite an fesselnd.
Die Autorin vermittelt ihren Leser*innen viel von ihrem historischen Wissen.

„Die Reise der Pilgerin“ ist ein interessanter historischer Roman, genauso, wie ich es gerne lese.

Schokoladenblut

Radka Denemarková
Historischer Roman
568 Seiten
erschienen bei Hoffmann & Campe
Übersetzt aus dem amerikanischen Tschechischen von Eva Profousová
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

ielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

Eine Zeitreise durch das 19. Jahrhundert

Klappentext:
Mitte des 19. Jahrhunderts sitzt die Schriftstellerin Božena Němcová in ihrer kleinen Schreibstube und verfasst mit schwerer Hand ein patriotisches Märchen, an dessen Botschaft sie selbst nicht glaubt. George Sand, ihre französische Zeitgenossin, konnte sich den Zwängen der Konventionen widersetzen und schreibt mit leichter Feder Romane. Auf der anderen Seite des Atlantiks gründet J.D. Rockefeller, der erste Milliardär der Weltgeschichte, sein Imperium auf einem dickflüssig-braunen Rohstoff. In ihrem neuen Meisterwerk erzählt Radka Denemarková auf fulminante Weise die Geschichte des 19. Jahrhunderts und seiner Protagonisten: weltumspannend, hochaktuell, brillant.

„Schokoladenblut“ ist eine interessante Zeitreise durch das 19. Jahrhundert von Radka Denemarková.
Im Mittelpunkt stehen die französische Schriftstellerin George Sand, die durch Männerkleidung und ein freies Leben die patriarchalen Normen ihrer Zeit herausfordert.
Die Schriftstellerin Božena Němcová, deren Werke heute noch zu den vielgelesenen Klassikern gehören.
Und J. D. Rockefeller als männliches Gegenstück.
Im Laufe der Geschichte tauchen immer weitere Namen bekannter Persönlichkeiten auf, wie z. B. Karolina Svetlá und George Eliot.

Die Handlung des Romans entfaltet sich als ein dichtes Bild, das das 19. Jahrhundert mit der Gegenwart verknüpft.

Die Frauen in diesem Roman stehen für das Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau. J. D. Rockefeller steht für Macht, Geld und Kapitalismus, der sich auf dem Rücken der Frauen, Armen und der Kolonien aufbaut.

Radka Denemarková hat ein gewaltiges Werk (568 Seiten) in einer gewaltigen Sprache veröffentlicht.
Die Charaktere werden gut beschrieben. Einige der Protagonisten sind historisch überlieferte Persönlichkeiten, andere sind fiktive Figuren. Der Roman hat sehr viele Protagonisten, die im Laufe der Geschichte ihren Auftritt haben. Manche bleiben länger, manche geben nur ein kurzes Gastspiel. Hier wäre ein Personenverzeichnis mit kurzen Angaben zu den Personen hilfreich gewesen.

Der Schreibstil der Autorin ist gut verständlich, allerdings manchmal etwas sperrig. Ich habe Zeit zum Lesen gebraucht, die man dem Werk auch unbedingt zugestehen sollte. Die vielen Themen, die das Buch umfasst, und seine Komplexität fordern die volle Aufmerksamkeit der Leser*innen.

„Schokoladenblut“ ist kein leichter Roman, aber ich bin froh, mich auf dieses Werk eingelassen zu haben.

Der Club der Unbeugsamen

Kathryn Stockett
Historischer Roman
840 Seiten
erschienen im btb Verlag
Übersetzt aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein atmosphärischer und berührender Roman

Klappentext:
Oxford, Mississippi, 1933. Während die Wirtschaftskrise die Welt in Atem hält, kreuzen sich in einer kleinen Stadt die Wege dreier ungewöhnlicher Frauen. Sie erkennen, dass sie gemeinsam etwas bewegen können, vielleicht sogar die Regeln ihrer Zeit verändern. Um ihre Ziele zu erreichen, gehen erstaunliche Risiken ein. Denn sie haben eines gemeinsam: Sie haben wenig zu verlieren.
Die elfjährige Meg, deren Mutter einst an Weihnachten verschwand, hat auf die harte Tour gelernt, sich auf niemanden zu verlassen. Nun zählt sie zu den »großen Mädchen« im Waisenhaus und kämpft jeden Tag um ihre Würde. Birdie Calhoun, unverheiratet und unverblümt, ist nach Oxford gekommen, um ihre wohlhabende Schwester um etwas Geld zu bitten. Doch sie merkt schnell: Das High-Society-Leben ist nichts als ein Geflecht aus Lügen. Dann begegnet Birdie Charlie, einer Frau, die mit dem Rücken zur Wand steht. Als sich die Schicksale der drei kreuzen, schmieden sie einen kühnen Plan, um einzufordern, was ihnen zusteht. Doch in einer heuchlerischen Zeit, in der die Freiheit von Frauen zerbrechlich ist, kann selbst der kleinste Akt des Widerstands gefährliche Folgen haben.

„Der Club der Unbeugsamen“ von Kathryn Stockett erzählt die Geschichte von 3 Frauen, die etwas verändern wollen.
15 Jahre nach ihrem großen Erfolg „Gute Geister“ ist nun endlich ein neues Buch von Kathryn Stockett erschienen.
„Gute Geister“ ist bis heute eins meiner Lieblingsbücher. Das neue Werk von Kathryn Stockett ist also ein MUSS für mich.

Drei ungewöhnliche Frauen treffen an einem Wendepunkt ihres Lebens aufeinander und spüren schnell, dass sie etwas bewegen, etwas verändern können.

Da ist Margot, genannt Mag. Sie lebt im Waisenhaus, wo sie von der Leiterin gerne schikaniert wird.
Birdie Calhoun ist 24 Jahre. Sie lebt bei ihrer Großmutter und ihrer Mutter. Durch die Wirtschaftskrise und ihre Folgen geht es ihnen finanziell schlecht. Sie soll zu ihrer Schwester Frances nach Oxford, um sie zu bitten, die Familie zu unterstützen.
Aber auch die wohlhabende Frances bekommt im Laufe der Geschichte die Wirtschaftskrise zu spüren.
Später taucht Charlie auf, die Mutter von Meg, die einst verschwunden ist und ihre Tochter zurückgelassen hat.

Kathryn Stockett zeichnet ein Bild quer durch die Gesellschaftsschichten. Es ist die Zeit, der Wirtschaftskrise, die bei allen Gesellschaftsgruppen zu spüren ist.
Die Autorin verarbeitet in ihrer Geschichte Themen wie Rassenunterschiede, Adoption und Armut.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und wirken lebendig. Ich habe die Frauen gerne begleitet und ihre Entwicklung miterlebt. Mir waren die Frauen schnell sympathisch. Die Geschichte ist in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts angesiedelt. Eine Zeit in der die Frauen noch ziemlich unterdrückt wurden. Es gab aber auch immer wieder Frauen, wie hier in der Geschichte, die über sich hinauswuchsen und etwas zu verändern versuchten.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Meg und Birdie erzählt. Die Sicht der zwei unterschiedlichen Frauen macht die Geschichte recht kurzweilig.
Man bekommt beim Lesen schnell das Gefühl, die Frauen schon lange zu kennen.

Auch die verschiedenen Handlungsorte werden sehr anschaulich beschrieben.

Der Schreibstil von Kathryn Stockett ist flüssig, gut verständlich und fesselnd. Die Geschichte wird von der Autorin immer wieder mit Humor aufgelockert.
Man braucht also keine Angst vor dem Buch mit 840 Seiten zu haben. Die Seiten fliegen nur so dahin und plötzlich ist man am Ende der Geschichte angelangt.

„Der Club der Unbeugsamen“ ist für mich wieder ein echtes Highlight von Kathryn Stockett und wird sich bei meinen Lieblingsbüchern einreihen, wie schon „Gute Geister“.

Die Stimme der Gewalt

Ellin Carsta
Historischer Roman
287 Seiten
erschienen bei Tinte & Feder
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Familiensaga mit Suchtpotenzial

Klappentext:
Bernried am Starnberger See, 1944: Die Landung der Alliierten in der Normandie steht kurz bevor, doch die Familie von Falkenbach muss ihre eigenen Kämpfe ausfechten.
Paul-Friedrich von Falkenbach orchestriert eine waghalsige Rettungsaktion, um den Bruder von Viktor Sander vor dem skrupellosen Hauptsturmführer Alfred Breuer in Sicherheit zu bringen. An der italienischen Front erlebt Gustav von Falkenbach das sinnlose Sterben junger Soldaten und möchte nur eines, seine Familie wiedersehen.
Johannes Lehmann verhilft in Innsbruck gemeinsam mit Wilhelmine unter falschem Namen jüdischen Familien zur Flucht. Sie begeben sich dabei in immer größere Gefahr, mit dem Wissen, dass eine Gefangennahme ihr Todesurteil sein könnte. Werden ihre geheimen Aktivitäten unbemerkt bleiben?

„Die Stimme der Gewalt“ ist der 14. Band der Falkenbach Saga von Ellin Carsta.
Die Falkenbach Saga ist für viele Bände angelegt und ich freue mich immer wieder auf den nächsten Band.
Jedes Kapitel ist mit einem Gedanken eines Familienmitglieds der Familien Falkenbach oder Lehmann überschrieben. Diese Person steht dann im Mittelpunkt des Kapitels.
Durch die immerwährenden Perspektivwechsel ist die Geschichte so facettenreich und interessant.

Der Krieg schreitet fort und wir sind mittlerweile im Jahr 1944 angekommen.
Leopold Lehmann ist das erste Kriegsopfer, das nicht mehr nach Hause zurückkommt.

Auch auf Gut Falkenbach spürt man den Krieg immer mehr. Auch wenn die Familien nicht hungern müssen, fordert der Krieg doch seine Opfer.
Paul-Friedrich von Falkenbach und Wilhelm Lehmann überlegen weiterhin, wie man dem Nazi-Regime ein Ende setzen kann.
Ferdinand Lehmann führt weiterhin die Fabrik, in der Waffen hergestellt werden und das Arbeitslager. Jetzt soll auch noch die Panzerfaust in der Fabrik hergestellt werden. Eine Waffe als letzte Hoffnung, den Krieg doch noch zu gewinnen?

Ferdinands Frau Elisabeth ist wieder in die Villa eingezogen, doch das Verhältnis zwischen den Eheleuten bleibt kühl.

Paul-Friedrich von Falkenbach will versuchen, Viktor Sanders Bruder in Sicherheit zu bringen, bevor der Hauptsturmführer Alfred Breuer seine Drohungen noch zur Wahrheit werden lässt. Ein riskantes Unterfangen.

Auch auf Johannes Lehmann und Wilhelmine von Falkenbach treffen die Leser*innen wieder. Die beiden verhelfen jüdischen Menschen zur Flucht und begeben sich dabei in Gefahr.

Ellin Carsta erzählt die Geschichte in einem flüssigen und spannenden Schreibstil, sie vermittelt die Atmosphäre, die zu dieser Zeit in Deutschland herrscht, sehr gut. Außer der Familie und den Freunden trauen auch die von Falkenbachs und die Lehmanns niemandem mehr.
Das Land ist mitten im Krieg und man spürt deutlich die Auswirkungen, auch wenn es den Familien an nichts mangelt.
Nach außen lassen die Familien von Falkenbach und Lehmann sich nicht anmerken, was sie wirklich vom Krieg und ihren Verursachern halten. Gerade Paul-Friedrich ist immer darauf aus, dass man seine Treue gegenüber Hitler nicht anzweifelt. In der Geschichte bekommt man die Denkweise der Charaktere natürlich mit. Die Geschichte ist an einem Zeitpunkt angekommen, an dem ich mir immer mehr Sorgen um die Familien mache. Paul-Friedrich scheint zwar immer bestens informiert zu sein und immer das Ziel zu verfolgen, Unheil von den Familien fernzuhalten. Aber es gibt Gegner, die den Familien schaden wollen.

Auch der 14. Band war wieder sehr spannend erzählt.
Ich hoffe, Ellin Carsta lässt ihre Leser*innen die Familien noch einige Zeit begleiten.
Jetzt fiebere ich schon wieder ganz aufgeregt dem 15. Band entgegen.

Die Briefträgerin

Francesca Giannone
Historischer Roman
504 Seiten
erschienen im btb Verlag
Übersetzt aus dem Italienischen von Ingrid Ickler
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine beeindruckende Familiengeschichte

Klappentext:
Lizzanello, ein beschauliches Dorf, in dem sich alle kennen: Als Anna und Carlo hier 1934 frisch vermählt mit dem Bus aus dem Norden eintreffen, freut sich Carlo, endlich zurück in seiner Heimat zu sein. Doch Anna denkt darüber nach, was für ein Leben sie als Norditalienerin in dem kleinen Ort erwartet, in dem ganz eigene Gesetze herrschen. Allen Widerständen zum Trotz geht Anna mutig und entschlossen ihren eigenen Weg – und bringt als erste Briefträgerin frischen Wind nach Lizzanello. Über zwanzig Jahre lang, erst zu Fuß, dann mit dem Fahrrad, trägt sie die Post aus: Ansichtskarten von Emigranten, Briefe von Soldaten an der Front, Mitteilungen von heimlichen Liebhabern. Und irgendwann muss sie sich fragen, wie lange sie eigentlich noch ihre eigenen
Gefühle verbergen kann, die sie seit Jahren für den Bruder ihres Ehemanns empfindet.

„Die Briefträgerin“ ist der große Erfolgsroman von Francesca Giannone.
Inspiriert wurde die Autorin vom Leben ihrer Urgroßmutter.
Wie man es sonst nur in Romanen liest, hat Francesca Giannone in ihrem Elternhaus eine 100 Jahre alte Visitenkarte, Briefe, Fotos und Dokumente ihrer Urgroßmutter gefunden. Damit war ihre Neugierde geweckt und sie begann zu recherchieren.

Die Geschichte beginnt mit dem Tod der Briefträgerin und dann wird ihre Geschichte erzählt.
Anna und Carlo sind frisch verheiratet, als sie 1934 von Norditalien zurück in die Heimat von Carlo, Süditalien, gekommen sind.
Anna ist eine selbstbewusste junge Frau und fragt sich, was sie hier in diesem kleinen Ort erwartet.
Sie nimmt sich vor, ihren eigenen Weg zu gehen, und wird Briefträgerin. Über Jahrzehnte bringt sie den Einwohnern von Lizzanello täglich die Post.
Dabei lernt sie die Bewohner des kleinen Orts und auch so manches Geheimnis immer besser kennen.
Auch Anna verbirgt ein Geheimnis: seit ihrer Ankunft in Lizzanello hegt sie Gefühle für Antonio, den Bruder ihres Ehemanns.

Francesca Giannone hat eine ganz wunderbare Art, die Geschichte zu erzählen. Die Autorin erzählt hier nicht vorwiegend die Geschichte von Anna, der Briefträgerin, sondern eine Familiengeschichte.
Ich wurde ganz schnell von der Geschichte und den Charakteren gefangengenommen.

Die Charaktere wirken lebendig. Anna ist mir schnell sympathisch gewesen. Je mehr ich gelesen habe, umso mehr hatte ich das Gefühl, Anna persönlich zu kennen.
Auch die anderen Charaktere Carlo und sein Bruder Antonio gefallen mir gut.
Die Bewohner des kleinen Orts lernt man durch Anna langsam kennen. Zu Beginn waren sie nicht begeistert, dass Anna die Stelle als Briefträgerin angetreten ist.

Der Schreibstil von Francesca Giannone ist flüssig, gut verständlich und fesselnd.
Der Handlungsort Süditalien wird sehr anschaulich beschrieben. Das süditalienische Flair wird gut vermittelt.

„Die Briefträgerin“ wird ohne Zweifel zu meinen Jahreshighlights gehören.

Blüten für eine neue Welt

Thea Lehmann
Historischer Roman
411 Seiten
erschienen bei Tinte & Feder
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Gelungener Auftakt der Seidenblumen-Saga

Klappentext:
Dresden 1865: Während in Sachsen immer mehr Schornsteine die Luft mit Ruß füllen, entwickelt sich in einer kleinen Grenzstadt ein völlig anderes Gewerbe. Hunderte von böhmischen Blumenmädchen fertigen in Sebnitz Seidenblumen. Die junge Carla ist eine von ihnen, doch sie träumt zwischen Stoffblumen und Kleister von mehr als dem bescheidenen Los einer einfachen Blumenarbeiterin. Mit dem Geschick ihrer Mutter und kühnen Ideen wagt sie es, die Grenzen ihrer Zeit zu überwinden.

Doch der Erfolg hat seinen Preis: Die Gesellschaft verurteilt eine Frau, die nach Selbstständigkeit strebt. Der einzige Mann, der sie auf ihrem Weg unterstützt, ihr Jugendfreund Raimund, bittet sie, mit ihm fortzugehen, denn sein Vater, der evangelische Pastor der Stadt, billigt keine Ehe mit einer katholischen Einwanderin. Carla will ihre Mutter nicht alleine zurücklassen und Raimund verspricht, wiederzukommen. Jahrelang hört Carla nichts von ihm, bis sie sich nach New York aufmacht, um neue Kunden zu gewinnen, und Raimund zu suchen.

„Blüten für eine neue Welt“ ist der 1. Band der Seidenblumen-Saga von Thea Lehmann.

Die Autorin entführt ihre Leser*innen nach Sachsen in das Jahr 1865.
Die Frauen haben zu dieser Zeit wenig Rechte. Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung sind so gut wie unmöglich.
Das Blumenmädchen Carla träumt von alledem. Nur Raimund, ihr Jugendfreund, steht an ihrer Seite. Da sein Vater, ein evangelischer Pastor, einer Heirat mit einer katholischen Einwanderin nie zustimmen würde, möchte er mit ihr fortgehen. Doch Carla muss bei ihrer Mutter bleiben und so zieht Raimund allein in die Welt.
Dann führt ihr Weg sie nach New York, um neue Kunden für die Stoffblumen zu
akquirieren. Führt der Weg sie auch zu Raimund?

Thea Lehmann erzählt die Geschichte auf eine ruhige und fesselnde Art. Nach wenigen Seiten bin ich tief in die Geschichte eingetaucht.

Die Charaktere sind recht unterschiedlich, sympathisch und lebendig.
Natürlich war meine liebste Protagonistin Carla. Sie lässt Raimund ziehen, da sie ihre Mutter nicht alleine lassen kann. Die Kunst der Seidenblumen wird gut beschrieben. Carla liebt diese Arbeit und man konnte sich gut in sie hineinfühlen.

Die Zeit der Handlung wird realistisch widergespiegelt.

„Blüten für eine neue Welt“ ist ein toller Auftakt der Seidenblumen-Saga und macht Lust auf mehr.
Der 2. Band „Blüten des Lebens“ erscheint im Januar 2027.

Die Liga der sagenhaften Frauenzimmer – Der Auftakt

Charlotte von Feyerabend
Historischer Roman
313 Seiten
erschienen im Droemer Knaur Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

ielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Ich bin begeistert

Klappentext:
Deutschland, Anfang des 19. Jahrhunderts: eine Zeit, in der Frauen keine Rechte haben und von der Geneigtheit der Männer abhängig sind. Doch einige Damen finden sich zusammen, um ihr Geschick in die eigenen behandschuhten Hände zu nehmen. Sie gründen einen Geheimbund um Bettina von Arnim: die Liga der sagenhaften Frauenzimmer. Ihr gemeinsames Ziel: die Gesellschaft zu verändern. Nur in der Wahl ihrer Mittel sind sie sich nicht immer einig: Einige beeinflussen geschickt die öffentliche Wahrnehmung, indem sie den Märchensammlern Grimm ihre feministisch eingefärbten Versionen unterjubeln. Andere jedoch würden lieber gleich eine Revolution anzetteln.
Als zwei ihrer Verbündeten unter mysteriösen Umständen ums Leben kommen, wird die Suche nach der Wahrheit zu einem Rennen gegen die Zeit. Denn die Politik wird von Männern gemacht, die bereit sind, Veränderungen mit allen Mitteln zu verhindern – wenn nötig, auch mit Gewalt. Und die Frauen haben eine Verräterin in ihrer Mitte.
„Die Liga der sagenhaften Frauenzimmer – Der Auftakt“ ist der 1. Band der feministischen historischen Romanreihe von Charlotte von Feyerabend.

Charlotte von Feyerabend entführt ihre Leser*innen in das 19. Jahrhundert.
Frauen werden meist nur als schmückendes Beiwerk gesehen. Den Frauen wurden wenig Rechte zuteil, sie hatten sich um das Heim zu kümmern und es den Männern so angenehm wie möglich zu machen.
Doch das war nicht im Sinne von allen Frauen. So haben sich einige mit Bettina von Arnim zusammengeschlossen und einen Geheimbund gegründet. Sie etwas verändern, sie wollten, dass die Frauen gesehen werden. Eine gefährliche Vorgabe, denn zwei der Mitglieder kommen ums Leben.

Charlotte von Feyerabend hat mit „Die Liga der sagenhaften Frauenzimmer“ einen interessanten und spannenden historischen Roman veröffentlicht.
Der Geschichte steht ein umfassendes Personenregister vor, in dem die Personen ausführlich vorgestellt werden. Viele Namen von historischen Persönlichkeiten sind hier zu finden.
Genau so etwas liebe ich, einen historischen Roman, in dem reale Persönlichkeiten auftreten.

Charlotte von Feyerabend führt ihre Charaktere gekonnt durch die Geschichte.
Ihre Charaktere sind lebendig und zum größten Teil sympathisch.
Die Frauen, die sich zusammenschließen, sind mutig und möchten selbstbestimmt leben. Mehr noch, sie wollen in der Männerwelt etwas verändern. Sie waren unsere Vorreiter und verdienen Bewunderung.

Charlotte von Feyerabend hat einen flüssigen, gut verständlichen und vor allem fesselnden Schreibstil.
Die Autorin hat großartige Recherchearbeit geleistet. Die Zeit der Handlung wird realistisch widergespiegelt.

„Die Liga der sagenhaften Frauenzimmer – Der Auftakt“ ist ein fesselnder historischer Roman. Ich hoffe, es folgen noch einige Bände mit den sagenhaften Frauenzimmern.

Die Honigfrauen-Ein Sturm zieht auf

Mirjam Müntefering
Historischer Roman
441 Seiten
erschienen im Blanvalet Verlag
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Blanvalet Verlag für Rezensionsexemplar

Auftakt der Honigfrauen-Saga

Klappentext:
Bergisches Land, 1910. Irma, Enkelin des bekannten Konditormeisters Ludwig Honig, ist glücklich als der attraktive Arno ihr den Hof macht. Doch der unerwartete Tod ihres geliebten Großpapas ändert alles! Neben ihrem guten Freund Eugen bleibt Irma nur die kühle Großmutter Auguste. Die macht eine schockierende Entdeckung: ihr verstorbener Gatte hat nicht nur eine Liebschaft finanziert, sondern die Familie durch den Kauf eines heruntergekommenen Landgasthofs ruiniert. Als Ludwigs uneheliche Tochter und begabte Feinbäckerin Harriet auftaucht, um ihr Erbe einzufordern, müssen die Honigfrauen zusammenhalten.

„Die Honigfrauen – Ein Sturm zieht auf“ ist der 1. Band der Honigfrauen-Saga von Mirjam Müntefering.

Es geht zurück ins frühe 20. Jahrhundert und ins Bergische Land.
Die Geschichte wird aus der Perspektive dreier Frauen erzählt.

Da ist Irma Honig, sie ist die Enkelin des Konditormeisters Ludwig Honig. Nach seinem Tod fühlt sich Irma alleingelassen. Irma unterschätzt ihre Fähigkeiten, die sie langsam herantasten.

Auguste Honig, die Ehefrau und Witwe von Ludwig. Ihr Äußeres wirkt hart, dabei hat sie einen weichen Kern, der nur langsam an die Oberfläche kommt.

Harriet Lenze, Sie ist Ludwigs uneheliche Tochter, von der noch niemand etwas weiß. Harriet hat die Begabung ihres Vaters geerbt, sie ist Feinbäckerin und kommt, um ihr Erbe einzufordern.

Die drei Frauen versprechen schon gute und turbulente Unterhaltung. Diese bekommen die Leser*innen auch.
Nach dem Tod von Ludwig muss Auguste feststellen, dass Ludwig lange Zeit eine Affäre hatte, aus der eine Tochter hervorging.
Außerdem hat er einen Landgasthof gekauft, der ziemlich heruntergekommen ist und die Familie zu ruinieren droht.

Mirjam Müntefering hat interessante Charaktere ins Leben gerufen. Die drei Frauen haben alle ihre Stärken und gefallen mir gut. Zu Beginn bekämpfen sie sich gegenseitig, bis sie spüren, dass sie zusammen so viel stärker sind.

„Ein Sturm zieht auf“, dieser Untertitel passt gut zu diesem Band, denn es scheint alles infrage gestellt, was die Familie bisher ihren Besitz nannte. Doch die drei Frauen zeigen, was in ihnen steckt.

Mirjam Müntefering hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Gekonnt führt sie ihre Leser*innen zurück in die Anfänge des 20. Jahrhunderts.
Die Familiengeschichte wird unterhaltsam und interessant erzählt, auch wenn manches schon recht vorhersehbar ist.

„Die Honigfrauen – Ein Sturm zieht auf“ ist ein gelungener Auftakt der „Honigfrauen-Saga“ und macht Lust auf den 2. Band“ Die Honigfrauen – Eine neue Heimat“ der im August erscheinen soll.

Die Schwartau-Schwestern

Romy Herold
Historischer Roman
509 Seiten
erschienen im Blanvalet Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Blanvalet Verlag für das Rezensionsexemplar

Die Entstehungsgeschichte der Schwartau Konfitüren

Klappentext:
Fruchtige Süße, als hätte man das Glück in Rubinrot eingefangen. Als die Schwestern Emma und Tilde Fromm 1899 in Rostock den Zug besteigen, um einen Neuanfang in Schwartau zu wagen, ist die geliebte selbstgemachte Erdbeermarmelade natürlich im Gepäck. Die Frauen ahnen nicht, dass dieses kleine Stück Heimat der Grundstein für ein florierendes Familienunternehmen sein wird, dessen Konfitüren die Welt erobern. Doch der Weg dahin ist gespickt mit Intrigen und Widerständen. Und nicht nur ein Mal müssen Emma und Tilde Mut und Ideenreichtum beweisen, um ihren großen Traum Wirklichkeit werden zu lassen.

„Die Schwartau-Schwestern“ von Romy Herold ist eine Geschichte über die Anfänge der bekannten Schwartau-Konfitüre.
Romy Herold hat mich schon mit ihrer Geschichte über Ritter Sport begeistert. Jetzt war ich auf dieses Buch schon gespannt.
Hinter dem Pseudonym Romy Held verbergen sich Eva-Maria Bast und Jørn Precht, die mir beide durch ihre historischen Romane bekannt sind.

Die Geschichte erzählt aus den Jahren 1899 bis 1928 und erzählt von der Erfolgsgeschichte der Schwartau Konfitüre. Es war allerdings kein leichter Weg, den die Schwestern da gegangen sind.
1899 reisen sie von Rostock nach Schwartau. Im Gepäck ihre geliebte und selbstgemachte Erdbeermarmelade.
In Schwartau haben die Brüder schon eine Fabrik für Bohnerwachs.
Da Marmelade immer beliebter wird, wollen die Schwestern diese im großen Umfang herstellen und vermarkten. Die Brüder wagen den Versuch neben dem Bohnerwachs auch die Marmelade zu produzieren.
Bis der Erfolg sich einstellt, sind viele Hindernisse zu überwinden, auch der 1. Weltkrieg ist ein herber Rückschlag für die Schwestern. Doch die lassen sich nicht unterkriegen. Der Erfolg, der bis heute anhält, gibt ihnen Recht.

Romy Herold erzählt mit diesem Roman ein Stück Zeitgeschichte. Die Leser*innen können der Entstehung der Schwartau-Marmeladenfabrik folgen und erfahren am Rande noch einiges aus der Zeit der Handlung.

Die Charaktere werden gut beschrieben. Die Schwestern sind mutige, selbstständige junge Frauen, die mir gut gefallen haben. Am Ende der Geschichte wird die Familie Fromm noch einmal näher beleuchtet, was ich sehr gut finde.

Der Schreibstil des Autorenduos ist flüssig und gut verständlich.
Ich bin schnell ganz tief in die Geschichte eingetaucht und habe das Buch mit über 500 Seiten an zwei Abenden gelesen.

Das Schicksal der Herzogin

Johanna von Wild
Historischer Roman
408 Seiten
erschienen im Gmeiner Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Gmeiner Verlag für das Rezensionsexemplar.

Sibylla, Herzogin von Württemberg

Klappentext:
Sibylla von Anhalt wächst Mitte des 16. Jahrhunderts unbeschwert auf Schloss Dessau auf, teilt das Interesse ihrer Stiefmutter an Heilkräutern und heiratet Friedrich von Mömpelgard. Für beide ist es eine Liebesheirat und die Familie wächst schnell. Doch bald trübt sich das Glück. Als Friedrich Herzog von Württemberg wird, kommt es nicht nur zwischen den Eheleuten, sondern auch mit den Landständen zu Spannungen. Sibyllas einzige Lichtblicke sind die Arzneikammer und die heimlich erblühende Liebe zum Arzt von St. Catharina.

„Das Schicksal der Herzogin“ von Johanna von Wild ist ein historischer Roman über Sibylla von Württemberg.

Johanna von Wild schickt ihre LeserInnen in das 16. Jahrhundert. Die junge Sibylla von Anhalt wächst behütet auf Schloss Dessau auf und lernt von ihrer Stiefmutter alles über Heilkräuter.

Wir lernen Sibylla schon bei ihrer Geburt kennen und begleiten ihren Lebensweg. Sie ist das 4. Kind und wächst in liebevoller Umgebung auf. Schon als Kind lernt sie Friedrich von Mömpelgard kennen. Sein Zuhause ist nicht so liebevoll wie das von Sibylla.
Sibylla und Friedrich heiraten aus Liebe, nicht weil die Eltern die Kinder einander versprochen haben. Die Ehe ist glücklich und die Familie wächst. Erst als Friedrich Herzog von Württemberg wird, ändert sich das. Sibylle ist als Herzogin von Württemberg auf einmal der Unbill ihres Ehemannes ausgesetzt. Sie leidet sehr unter der Veränderung ihres Mannes.
Sibylla findet zurück zu ihren Heilkräutern und lernt den Arzt von St. Catharina kennen.

Johanna von Wild erzählt den Lebensweg von Sibylla emotional und interessant. Mir hat es viel Freude gemacht, Sibylla auf ihrem Weg zu begleiten und ihre Entwicklung mitzuerleben.
Vom kleinen Kind wird sie zur liebenden Frau und später zur Herzogin von Württemberg.
Die Ränkespiele und die Machtkämpfe am Hof setzten ihr zu, dazu kommt noch, dass ihr Ehemann sich sehr verändert und es auch mir der Treue nicht mehr so genau nimmt.

Mir war Sibylla schnell sympathisch und ich habe sie gerne begleitet. Ich habe mit ihr gelacht und mit ihr geweint.

Auch das 16. Jahrhundert wird von Johanna von Wild gekonnt widergespiegelt. Man fühlt sich schnell in diese Zeit versetzt.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und leicht verständlich.

Am Anfang ist ein Personenverzeichnis, in dem die realen Persönlichkeiten markiert sind. Das finde ich bei historischen Romanen immer sehr hilfreich.

Mit ihrem Roman „Das Schicksal der Herzogin“ hat mich Johanna von Wild wieder einmal begeistert.