Niederegger – Der Traum von edlem Genuss

Lena Johannson
Historischer Roman
393 Seiten
erschienen bei Droemer Knaur
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Der Geschmack von Ehrgeiz und süßen Mandeln

Klappentext:
Lübeck 1800. In der Konditorei Maret gibt es exquisites Gebäck und eine Auslage voller Köstlichkeiten. Doch der Geselle Johann träumt noch von viel mehr. Er möchte Marzipan herstellen, das an kalten Wintertagen das Herz wärmt. Schnell macht er sich mit seinem Geschick über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen. Doch gerade als er und seine große Liebe Anna ihren Zielen zum Greifen nah kommen, wird die Wirtschaftsblockade verhängt, und der Handel mit den wertvollen Mandeln kommt zum Erliegen. Die beiden stehen davor, alles zu verlieren, als Johann ein weiteres Wagnis eingeht … mit folgenschweren Konsequenzen.

„Niederegger – Der Traum von edlem Genuss“ von Lena Johannson erzählt die Geschichte der Familie Niederegger.

Wer kennt Niederegger nicht? Ich liebe Marzipan über alles und so wollte ich auch dieses Buch genießen.

Die Autorin entführt ihre Leser*innen in die Anfänge des 19. Jahrhunderts nach Lübeck.
Im Mittelpunkt steht Johann Georg Niederegger, ein ambitionierter Geselle in der traditionsreichen Lübecker Konditorei Maret.
Hier stellt er erlesene Köstlichkeiten her. Doch Johann hat noch andere Visionen, er möchte eine ganz besondere Leckerei herstellen. Das perfekte Marzipan.
Bald hat er es geschafft, sein Marzipan erfreut sich großer Beliebtheit.
Doch da wird eine Wirtschaftsblockade verhängt und der Handel mit den Mandeln kommt zum Erliegen.
Jetzt heißt es alles zu wagen, oder die Existenz zu verlieren.

Lena Johannson lässt ihre Charaktere richtig lebendig werden.
Johann ist ehrgeizig, fleißig und entwickelt für das, was er macht, eine große Leidenschaft.
Anna steht stets an seiner Seite. Sie ist eine starke und eigenständige Frau.
Sie bestärkt und unterstützt Johann.
Auch die Nebenfiguren, wie die Inhaber der Konditorei Maret oder auch die Händler, fügen sich gut ins Bild.
Alle Protagonisten sind lebensnah und sympathisch.

Der Schreibstil von Lena Johannson ist flüssig und gut verständlich.
Das frühe 19. Jahrhundert beschreibt die Autorin glaubhaft.
Die Beschreibung der Herstellung des Marzipans, die Röstung der Mandeln und das Verkneten der Masse haben mir das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.
Auch der Handlungsort Lübeck wird anschaulich beschrieben. Die engen Gassen, die Kaufmannshäuser und der Trubel rund um das Holstentor werden gut vermittelt.
Man kann das Flair der alten Hansestadt spüren.

„Niederegger – Der Traum von edlem Genuss“ ist der perfekte Roman für die nun kälter werdende Jahreszeit.

Goodbye, Honeysuckle

Tayari Jones
Historischer Roman
448 Seiten
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Britt Somann-Jung
erschienen im Arche Literatur Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley Deutschland für das Rezensionsexemplar

Ein Roman über Freundschaft und Entbehrung

Klappentext:
Tür an Tür im ländlichen Louisiana aufgewachsen, verbindet Niecy und Annie mehr als nur Freundschaft: Beide haben sie ihre Mütter nie kennengelernt, und beide sind sie fest entschlossen, diese klaffende Lücke in ihrem Leben zu füllen. Niecy geht nach Atlanta, um am berühmten Spelman College zu studieren. Dort schließt sie sich einem Kreis von selbstbewussten Schwarzen Frauen an und erlebt ihre erste Liebe, muss sich aber auch in einer gnadenlosen Welt des Reichtums behaupten. Annie verschlägt es nach Memphis und mitten hinein in Armut, Sex und Jazz. Abend für Abend mixt sie Cocktails in einem Nachtclub und hofft, dass ihre verschollene Mutter am Tresen auftaucht. Während all der Zeit schreiben Annie und Niecy einander wunderschöne Briefe, bis eine Tragödie ihre Leben wieder zusammenführt und das Band zwischen ihnen auf die Probe stellt.

„Goodbye, Honeysuckle“ von Tayari Jones ist ein Roman über Freundschaft und über den Rassismus der 1950er Jahre.
Das Buch ist die Nr. 1 auf der Leseliste Sommer 2026 von Barack Obama.
Ein Buch, das mich neugierig gemacht hat.

Im Mittelpunkt stehen die beiden Frauen Niecy und Annie. Sie sind in direkter Nachbarschaft aufgewachsen und sie verbindet eine tiefe Freundschaft.
Auch wenn sich die Wege der Freundinnen trennen, eins verbindet sie, beiden fehlt die Mutter.

Tayari Jones hat mit Niecy und Annie zwei komplexe Charaktere gezeichnet.
Die beiden doch unterschiedlichen Frauen verbindet eine tiefe Freundschaft.
Niecy hat den Wunsch nach Bildung. Sie geht nach Atlanta an das berühmte Spelman College zum Studieren. Hier steht sie vor einem mächtigen Erwartungsdruck. Als farbige Frau muss sie sich der elitären und oft gnadenlosen Welt des akademischen Reichtums stellen.
Annie geht nach Memphis, wo sie in einer Bar Cocktails mixt. Sie ist getrieben von einer inneren Ruhelosigkeit. Ihre Verwundbarkeit macht sie abhängig von Männern, die ihr nicht guttun.

Tayari Jones hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Ich möchte ihn fast poetisch nennen.
Die Perspektive der Geschichte wechselt zwischen Niecy und Annie. Das lässt die Leser*innen ganz nahe an die Charaktere herankommen.
Die Handlungsorte zeichnen ein Bild vom Süden der USA.
Genauso spiegeln die Orte die Zerrissenheit der Charaktere wider.
Da ist die fiktive Kleinstadt Honeysuckle in Louisiana. Hier herrscht eine beklemmende Atmosphäre, der die Jugend zu entfliehen versucht.
Im Gegensatz hierzu steht Memphis. Hier pulsiert der Jazz. Genauso wie das politisch aufgeheizte Atlanta.
Die Atmosphäre der Geschichte wechselt zwischen Wärme und weiblicher Solidarität und kaltem Rassismus.

„Goodbye, Honeysuckle“ ist ein Roman, den man nach dem Lesen so schnell nicht vergisst.

Der geheime Apfelgarten – Getrennte Weiten

Rebekka Eder
Historischer Roman
425 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Im Schatten der Cholera

Zum Inhalt:
Im Mittelpunkt steht die junge Kea Loop.
Nach dem schmerzhaften Verlust ihrer Mutter findet Kea Zuflucht im verwilderten Apfelgarten der Familie, wo sie versucht, eine ganz besondere Apfelsorte zu züchten.
Doch die Grenzen erschweren das Vorhaben. Finkenwerder ist geteilt, in Hamburg und Preußen. Der ersehnte und vielversprechende Keimling wächst ausgerechnet hinter der Landesgrenze.
Schlimmer noch, der Keimling befindet sich auf dem Land des verfeindeten Nachbarn Rentfeld.
Heimlich überschreitet Kea die Grenze und wird vom Knecht der Familie Rentfeld bemerkt.
Doch Kristen Focke verrät Kea nicht, er unterstützt sie und zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebesgeschichte. Doch der Ausbruch der Cholera trennt die beiden.

„Der geheime Apfelgarten – Getrennte Welten“ ist der erste Band der zweiteiligen Elbinsel-Saga von Rebekka Eder.
Die Autorin hat mich schon mit ihrem Roman „Hyazinthenschwestern“ begeistert. Jetzt war ich auf ihr neues Werk gespannt.

Rebekka Eder hat wieder großartige und tiefgründige Charaktere entworfen.
Kea Loop ist eine willensstarke und unerschrockene junge Frau. Ihre Leidenschaft ist die Natur. Ihr Vorhaben ist es, den perfekten Apfel zu züchten.
Kristen Focke ist ein loyaler Knecht, der trotz aller Empathie und Tatkraft beweist.
Seine Verbindung zu Kea überwindet gesellschaftliche Grenzen.
Die Familie Rentfeld dient als Antagonist in dieser Geschichte.
Auch die Nebenfiguren bereichern die Geschichte ungemein.

Rebekka Eder schreibt angenehm flüssig, bildhaft und gut verständlich. Ihre detailreiche Beschreibung sorgt dafür, dass ich schnell Bilder vor Augen hatte.
Die historischen Fakten fließen unterhaltsam und interessant in die Geschichte ein. Mir war nicht bekannt, dass Finkenwerder einst geteilt war.
Der Schrecken der Cholera-Epidemie wird gut widergespiegelt.
Der Wechsel der Erzählperspektive hält die Spannungskurve hoch.
Der Handlungsort Finkenwerder mit seiner Zerrissenheit wird gut vermittelt.

Rebekka Eder schafft es zum einen eine idyllische Atmosphäre mit dem Duft des Apfelgartens zu erzeugen, der sich mit der bedrückenden Atmosphäre der Cholera-Epidemie abwechselt.

„Der geheime Apfelgarten – getrennte Welten“ hat mich begeistert. Ich freue mich schon auf den 2. Band „Der geheime Apfelgarten – Geteilte Träume“, der im April 2027 erscheinen soll.

Entdeckung der Wahrheit

Ellin Carsta
Historischer Roman
318 Seiten
erschienen bei Tinte & Feder
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Die Kinder der Hansens geht spannend weiter

Klappentext:
Hamburg/Wien 1929: Ein brutaler Mord erschüttert die Familie Hansen. Schnell gibt es einen klaren Verdächtigen, doch die Mühlen der Polizei mahlen langsam und der Mangel an Beweisen gibt der Familie wenig Hoffnung, dass der Täter verurteilt wird. Eduard, der sich inzwischen immer tiefer in illegale Geschäfte vertieft hat, sinnt auf Rache und will auf eigene Faust für Gerechtigkeit sorgen.

„Entdeckung der Wahrheit“ ist jetzt bereits der 9. Band der Familiensaga „Die Kinder der Hansens“ von Ellin Carsta. Ich hibbele immer noch jedem neuen Band entgegen.

In den vorherigen Bänden hat man die verschiedenen Charaktere schon gut kennen und lieben gelernt.
Die Familie lebt weit verzweigt in Hamburg, im Schwarzwald, in München, in Wien und in den USA.
Das sind auch die Schauplätze der Geschichte.
In jedem Kapitel steht eine Person im Mittelpunkt, die wir ein Stück durch die Geschichte begleiten dürfen.
Diese Perspektivwechsel machen die Geschichte besonders interessant und facettenreich.

Wir sind im Jahre 1929 angekommen. Zwischen dem 8. und 9. Band ist nicht viel Zeit vergangen.
Amala ist hinter Eduards Geheimnis gekommen und es gibt Zwietracht zwischen den Besitzern des Hansens.
Außerdem hat die Familie wieder mit einem schmerzlichen Verlust zu kämpfen. Und Eduard und Florentinus begehen eine Tat, zu der ich sie niemals für fähig gehalten hätte.

Ellin Carsta hat mich wie schon mit vielen anderen Büchern wieder begeistert.
„Die Kinder der Hansens“ ist aufgrund der vielen Schauplätze und Familienzweige sehr abwechslungsreich und wird immer spannender.
Jeden Familienzweig begleitet man ein kurzes Stück des Weges.

Der Schreibstil von Ellin Carsta ist unterhaltsam und gleichzeitig fesselnd.
Die Autorin spricht in der Geschichte viele spannende Themen an.
Was mich immer wieder bei dieser Reihe begeistert, ist die Herzlichkeit und der Zusammenhalt aller Familienmitglieder untereinander, obwohl es in diesem Band zu Unstimmigkeiten zwischen Eduard, Amala und Auguste kommt.

Egal, unter welchem Pseudonym die Autorin ihre Bücher veröffentlicht, ich weiß immer: Das Buch wird mich nicht enttäuschen.
Ellin Carsta ist einfach eine begnadete Geschichtenerzählerin.

Jetzt freue ich mich schon auf Band 10, „Ende einer Ära“, der dann aber auch das Ende der Saga sein soll.

Das Versprechen der weißen Wolke

Christiane Lind
Historischer Roman
520 Seiten
erschienen bei Independently published
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Christiane Lind für das Rezensionsexemplar

Historischer Roman mit realem Hintergrund

Klappentext:
Hamburg, 1842: Als der große Brand ihr Zuhause vernichtet, bleibt Julie Seeghers und ihrer Familie nur ein Ausweg, die Auswanderung nach Neuseeland. Die Überfahrt auf der St. Pauli wird zur Prüfung, und in der rauen Siedlung Nelson warten weder Wohlstand noch Sicherheit auf die Auswanderer.
Während Julies Familie unter dem Druck der Fremde zu zerbrechen droht, verstrickt sich ihre Schwester Karoline in eine hoffnungslose Affäre. Auch Julie muss erkennen, dass in einer Welt voller Pflicht und Erwartungen nicht das Herz über das eigene Schicksal entscheidet.

Mit ihrem Roman „Das Versprechen der weißen Wolke“ veröffentlicht Christiane Lind eine fesselnde und tiefgründige Familiensaga.

1842 wütete ein großer Brand in Hamburg, bei dem viele Menschen ihr Hab und Gut verloren haben.
So auch die Familie Seeghers. Die Familie beschließt, mit ihren beiden Töchtern Julie und Karoline nach Neuseeland auszuwandern.
Sie besteigen das Schiff St. Pauli, um sich am anderen Ende der Welt ein neues Leben aufzubauen. Die Überfahrt dauert mehrere Monate, die Familie muss sich auf engstem Raum zusammenfinden.
Aber das ist nur ein Vorgeschmack. Noch ahnen sie nicht, welche Entbehrungen sie in der Siedlung Nelson in Neuseeland erwarten.

Wie von Christiane Lind gewohnt, beschreibt sie die Handlungsorte sehr anschaulich.
Den Beginn nimmt die Geschichte im rußgeschwärzten Hamburg.
Darauf folgt die klaustrophobische Enge auf dem Auswandererschiff. Der schärfste Kontrast entfaltet sich jedoch mit der Ankunft in Neuseeland.
Nelson, Neuseeland, empfängt Julie und Karoline und die Familie nicht mit dem erträumten Wohlstand, sondern mit Regen, Schlamm und provisorischen Unterkünften. Nahrung, Arbeit und ein Heim müssen mühsam errungen werden. Doch inmitten aller Unsicherheit entstehen erste Freundschaften und die Hoffnung, ein Zuhause finden zu können.
Christiane Lind zeichnet die historische Siedlung Nelson nicht als idyllisches Paradies, sondern als eine raue, improvisierte Pioniersiedlung.
Die wilde Natur des Landes wird dabei selbst zu einer Art Protagonist. Sie ist atemberaubend schön, fordert den Siedlern jedoch gleichzeitig alles ab.

Im Mittelpunkt stehen die recht unterschiedlichen Schwestern Julie und Karoline.
Julie ist mit ihrer ruhigen Art so etwas wie der Anker der Familie. Sie denkt rational, nimmt die Gegebenheiten hin, die nicht zu ändern sind. Julie wächst aber auch über sich hinaus, wenn es um das Überleben der Familie geht.
Karoline hingegen ist emotional und impulsiv. Sie sorgt für einige dramatische Wendungen in der Geschichte.

Christiane Lind versteht es hervorragend, eine dichte, beinahe greifbare Atmosphäre herzustellen.
Ihr Schreibstil ist flüssig und gut verständlich.
Die Erzählung ist so intensiv, dass man bei der Überfahrt das Meer spürt und das Salz riechen kann.

Man spürt beim Lesen, wie viel Herzblut Christiane Lind in die Recherche für die Geschichte gesteckt hat.
Die fiktive Geschichte ist in einen historisch überlieferten Rahmen gebettet.
Der Hamburger Brand so wie die Überfahrt der St. Pauli sind historisch überliefert.

Auch die Einbindung der indigenen Kultur Neuseelands möchte ich erwähnen.
Christiane Lind beschreibt das tiefe Naturverständnis der Maori mit großem Respekt und Verstand, ohne dabei in Klischees zu verfallen.

„Das Versprechen der weißen Wolke“ ist ein rundum gelungener historischer Roman, der weit über eine Auswanderergeschichte hinausgeht.

Die Leuchtturmschwester

Lori Kilian
Roman
374 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine bewegende Reise zu den Äußeren Hebriden

Klappentext:
1923, Schottland: Nach Jahren fern der Heimat kehrt Eliza als Krankenschwester auf die windgepeitschten Äußeren Hebriden Schottlands zurück. Dort soll sie die abgelegen wohnenden Leuchtturmwärterfamilien versorgen – und sie hofft, ihrer Schwester Màiri wieder nahe zu sein. Doch die raue Inselwelt, das Misstrauen der Bewohner und die Erinnerungen an eine Nacht, die ihr Leben für immer veränderte, stellen sie auf die Probe. Dann begegnet sie Aidan, einem Arzt, der sich nach einem Kriegstrauma als Leuchtturmwärter in die Einsamkeit geflüchtet hat. Zwischen Stürmen, gefährlichen Einsätzen und stillen Stunden am Meer muss Eliza lernen, Schuld loszulassen – und entscheiden, ob sie den Mut hat, ihrem Herzen ein zweites Mal zu vertrauen.

In ihrem historischen Roman „Die Leuchtturmschwester“ entführt die Autorin Lori Kilian ihre Leser*innen nach Schottland in das Jahr 1923.
Inspiriert von den historischen Überlieferungen der mutigen „District Nurses“ zeichnet die Autorin ein tiefgründiges Bild von Schuld, Heilung und der ungezähmten Kraft des Meeres.

Lori Kilian hat starke Charaktere gezeichnet und lebendig werden lassen.

Eliza ist eine pflichtbewusste, innerlich zerrissene Protagonistin. Eine Frau, die trotz eigener seelischer Wunden unermüdlich für das Wohl anderer kämpft.

Màiri ist Elizas jüngere Schwester. Die Leser*innen lernen sie auf ihrer Hochzeit kennen. Und hier begegnen sich Eliza und Màiri auch nach längerer Zeit wieder. Ihr Verhältnis zueinander ist angespannt.

Aidan ist ein Leuchtturmwärter mit einem tiefen Trauma. In seinem Leben vor dem Krieg war er Arzt. Eliza fühlt sich zu ihm hingezogen und möchte erfahren, warum Aidan die Einsamkeit des Leuchtturms gewählt hat und nicht mehr als Arzt tätig ist.

Mir gefallen die Charaktere sehr gut und ich habe sie allesamt schnell ins Herz geschlossen.

Lori Kilian beschreibt den Handlungsort, die Äußeren Hebriden, sehr anschaulich. Ich konnte mir die raue Landschaft und das gewaltige Meer gut vorstellen. Im Gegensatz dazu sind die weiten weißen Strände ein toller Gegensatz.

Die Atmosphäre der Geschichte wechselt zwischen Melancholie und Hoffnung.
Der Leitsatz des Buches „Solange das Licht nicht erlischt, ist alles gut“ gefällt mir so gut, dass ich ihn hier erwähnen möchte.

Der Schreibstil von Lori Kilian ist flüssig und gut verständlich. Das schwere Leben auf den Äußeren Hebriden wird gut vermittelt.

„Die Leuchtturmschwester“ ist ein ergreifender und atmosphärischer Historischer Roman, den ich mit Freude gelesen habe.

Schlosshotel Fuschl

Caren Benedikt
Historischer Roman
393 Seiten
erschienen im Blanvalet Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Blanvalet Verlag für das Rezensionsexemplar

Atmosphärischer Roman

Klappentext:
Salzburger Land, Sommer 1955: Theresa von Reuschenberg, Hotelière mit Herz und Vision, steht vor dem Chaos. Die Festspiele laufen, »Sissi« wird gedreht, die High Society geht bei ihr ein und aus und plötzlich taucht ihr tot geglaubter Bruder Benedikt auf. Gezeichnet von der Kriegsgefangenschaft, fordert er seinen Anteil am Familienerbe. Während Theresa von finanziellen Schwierigkeiten geplagt um ihre Hotels kämpft, droht Benedikt, alles zu zerstören. Doch Theresa lässt sich ihre Liebe und Leidenschaft nicht nehmen und tut alles, um ihre Hotels, vor allem aber ihre Familie, beisammenzuhalten.

„Schlosshotel Fuschl“ ist ein atmosphärischer Roman von Caren Benedikt.
Die Autorin hat mir schon viele schöne Lesestunden geschenkt, auf das neue Werk war ich schon sehr gespannt.

Caren Benedikt entführt ihre Leser*innen ins Salzburger Land, in das Jahr 1955.
In diesem Roman erzählt die Autorin die Geschichte des Schlosshotels Fuschl und die der Familie von Theresa von Reuschenberg.

Die Charaktere sind das Herzstück des Romans.

Theresa von Reuschenberg leitet die Hotels Goldener Hirsch und das Schlosshotel Fuschl.
Die Festspiele verlangen Theresa einiges ab, denn die Menschen kommen von überall her.

Sophie, die Tochter von Theresa, muss kräftig mit anpacken. Geplant ist, dass Sophie eines Tages das Hotel weiterführen wird.
Doch Sophies Plan ist es, mit dem in Salzburg stationierten US-Soldaten James in die USA zu gehen.

Die 2. Tochter Marie hilft nur in den Semesterferien im Hotel. Sie studiert am Mozarteum und liebt es, den Gästen abends etwas vorzusingen.

Benedikt ist der Bruder von Theresa. Keiner rechnet mehr damit, dass Benedikt noch am Leben ist. Ist der Krieg doch schon länger beendet und von Benedikt gibt es keine Spur.
Doch als er plötzlich wieder auftaucht, fordert er seinen Teil des Erbes ein. Das stellt Theresa vor große Probleme.

Die Charaktere werden gut beschrieben und sind mir schnell sympathisch gewesen.
Die Autorin vermittelt gut das Leben in den 1950er Jahren. Die Menschen wollen wieder ausgehen, sich etwas gönnen. Das sieht man am Zulauf, den die Salzburger Festspiele haben.
Auch die jüngere Generation möchte sich nicht mehr in ein Leben pressen lassen. So hat Theresas Tochter Sophie ihre eigenen Pläne.
An Benedikt kann man spüren, welche Spuren der Krieg und eine lange Kriegsgefangenschaft hinterlassen haben.

Caren Benedikt beschreibt das Hotel und den Handlungsort sehr anschaulich. Man kann sich die schöne Landschaft und den Fuschlsee gut vorstellen.
Das Hotel und auch die Festspiele verleihen der Geschichte eine besondere Atmosphäre.

Der Schreibstil von Caren Benedikt ist wie immer flüssig und gut verständlich.
Die Autorin verwebt einige reale Hintergrundinformationen in die fiktive Geschichte.
Dazu gibt es wie meist von Caren Benedikt im Anhang noch reichlich Informationsmaterial.

Inspiriert zu diesem Roman wurde die Autorin von Harriet Walderdorff, die in Salzburg das Hotel Goldener Hirsch führte und am Fuschlsee das Schlosshotel.

„Schlosshotel Fuschl“ hat mir wieder einmal die schönsten Lesestunden bereitet. Ich würde am liebsten noch weiterlesen.
Vielleicht entschließt sich Caren Benedikt ja zu einer Fortsetzung.

Sturmland

Miriam Georg
Historischer Roman
599 Seiten
erschienen Rowohlt Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein wunderbarer Start der Sturmland-Saga

Klappentext:
Niemand darf erfahren, wer Cora wirklich ist! Die Reedertochter muss aus ihrem alten Leben in Hamburg fliehen und nimmt unter falschem Namen eine Stelle als Hauslehrerin im Seebad Norderney an. Doch die Nordsee ist unberechenbar. Schon kurz nach ihrer Ankunft bringt Cora sich und ihre Schülerin Emmi in Lebensgefahr …

Der Tagelöhner Onnen beobachtet das Unglück. Kein Wunder, dass die unwissenden Badegäste ständig in Seenot geraten. Ausgerechnet mit dieser Gouvernante soll er nun zusammenarbeiten. Weil er dringend Geld braucht, nimmt er den Job an.

Von Tag zu Tag kommen Cora und Onnen sich näher. Doch Onnen hat eine Vergangenheit auf seiner Heimatinsel Borkum, die er fest in sich verschlossen hält. Und Cora hat Menschen in Hamburg, die sie verzweifelt zurückholen wollen.

Aber das darf nicht passieren. Niemand darf erfahren, wer Cora ist und was sie getan hat …

„Sturmland“ ist der erste Band der Sturmland-Saga von Miriam Georg.
Die Autorin hat mich schon mit einigen Romanen begeistert, und immer, wenn ein neuer Roman erscheint, bin ich schon ganz aufgeregt, dieses Buch zu lesen.

Cora ist die Tochter eines Reeders aus Hamburg. Nach dem Tod ihrer Mutter verlässt Cora Hamburg, um eine Stelle als Gouvernante für die 10-jährige Tochter Emmi, die Tochter des Architekten Alexander Klaasen, anzutreten. Emmi soll sich auf Norderney erholen, die Seeluft ist gut gegen die Symptome der Tuberkuloseerkrankung.
Doch kurz nach dem Eintreffen auf Norderney, geraten Cora und Emmi in Gefahr.
Inselbewohner und der Tagelöhner Onnen sorgen für ihre Rettung. Onnen wird von Alexander Klaasen beschäftigt, um auf Emmi und Cora aufzupassen.
Onnen nimmt die Stelle nur an, weil er dringend Geld braucht. Die Gouvernante ist ihm unsympathisch. Und trotzdem nähern sich beide nach einiger Zeit an.

Miriam Georg hat interessante Charaktere entworfen und lebendig werden lassen.
Cora war mir vom ersten Augenblick an sympathisch. Sie ist eine wissbegierige und intelligente Frau. Das war in dieser Zeit und in den Kreisen, in denen Cora verkehrt ist, nicht üblich. Sie hat Hamburg verlassen und ein Geheimnis, von dem niemand erfahren darf, mitgenommen.

Auch Onnen ist ein wichtiger Charakter. Zu Beginn konnte ich ihn nicht einschätzen. Je länger ich ihm gefolgt bin, umso sympathischer wurde er mir. Auch Onnen hat ein Geheimnis. Von seinem Leben auf Borkum darf niemand erfahren.

Miriam Georg erzählt die Geschichte sehr interessant. Es ist nicht nur eine Liebesgeschichte auf Norderney. Die Autorin vermittelt ihren Leser*innen die Anfänge der Seenotrettung auf eine unterhaltsame und auch auf eine interessante Art.

Die beiden Charaktere Cora und Onnen stehen für die verschiedenen Gesellschaftsschichten. Cora kommt aus gutem Haus und hatte nie Geldsorgen. Onnen ist Tagelöhner und lebt quasi von der Hand in den Mund.

Die Zeit, die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, spiegelt die Autorin realistisch wider.
Der Schreibstil von Miriam Georg ist flüssig und gut verständlich. Gekonnt lässt sie die Spannung in der Geschichte stetig ansteigen.

„Sturmland“ ist ein Roman mit romantischen wie auch dramatischen Szenen. Ich freue mich schon auf den 2. Band „Salzwind“, der schon am 6. 10. erscheinen soll.

Das Restaurant der Träume

Julia Kröhn
Historischer Roman
437 Seiten
erschienen bei Bastei Lübbe
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Julia Kröhn und an Bastei Lübbe für das Rezensionsexemplar

Die Entstehung der Gastronomie

Klappentext:
Paris, 1765: Anne träumt von einem selbstbestimmten Leben, ihre kleine Schwester Aurore von Bildung und Freiheit. Der junge Benoît kennt den Hunger, aber auch den Duft von Rosmarin, Trüffel und Vanille wie kein Zweiter. Gemeinsam wagen sie das Ungeheuerliche: Sie wollen das erste Restaurant der Weltgeschichte eröffnen. Während in Frankreich alle Zeichen auf Revolution stehen, geraten ihre Lebenswege in den Strudel gesellschaftlicher Umwälzungen. Ein sinnlicher, packend erzählter Roman über die Geburt der Gastronomie, über Träume, Leidenschaft und den Mut, seinen Platz in der Welt zu behaupten.

„Das Restaurant der Träume“ von Julia Kröhn ist ein opulenter und atmosphärisch dichter historischer Roman. Das Buch widmet sich der revolutionären Geburtsstunde der modernen Gastronomie.

Im Mittelpunkt steht eine für das 18. Jahrhundert revolutionäre Idee: die Gründung des allerersten Restaurants der Weltgeschichte. Zu dieser Zeit speiste man entweder zu Hause oder musste in zwielichtigen Wirtshäusern essen, was als Tagesgericht angeboten wurde.
Das Restaurant, wie wir es kennen, mit gemütlichen Tischen und einer Speisekarte, auf der der Gast sich Gerichte auswählen konnte, gab es zu dieser Zeit nicht.
Das wollen Anne, Aurore und Benoît ändern. Drei junge Menschen, die von Selbstbestimmung und Freiheit träumen.
Während die drei jungen Menschen dabei sind, sich ihren Traum zu erfüllen, bricht das alte Frankreich zusammen.

Julia Kröhn spiegelt die Zeit der Französischen Revolution gekonnt wider.
Sie zeigt den harten Kontrast zwischen aristokratischer Dekadenz und dem Elend der Straße. Die Revolution bringt Terror und Hinrichtungen mit sich. Das prägt das Schicksal der Figuren.

Das Buch lebt von seinen drei starken, unterschiedlichen Protagonisten.
Anne: Eine junge Frau, die sich nicht in die gesellschaftlichen Zwänge drängen lassen will. Sie kämpft für ein selbstbestimmtes Leben. Sie bringt den unternehmerischen Mut in das Projekt ein.

Aurore: Annes jüngere Schwester. Sie brennt für Bildung, Philosophie und die Ideen der Aufklärung. Sie verkörpert den intellektuellen Geist der kommenden Revolution.

Benoît: Ein junger Mann, der die bittere Armut und den Hunger der Pariser Gassen am eigenen Leib erfahren hat. Er besitzt jedoch einen außergewöhnlichen Geschmackssinn. Er kennt Düfte wie Rosmarin, Trüffel und Vanille wie kein Zweiter. Er ist das kulinarische Herz des Restaurants.

Julia Kröhn glänzt mit einem bildhaften und fundierten Schreibstil.
Sie beschreibt die kulinarischen Kreationen so detailreich, dass man die Aromen von Kräutern und Brühen beim Lesen förmlich riechen kann.
Gleichzeitig webt die Autorin gekonnt all die Schrecken der Französischen Revolution in ihre Geschichte ein.
Der Schreibstil von Julia Kröhn ist flüssig, gut verständlich und mitreißend.
Besonders das letzte Drittel entwickelt durch die historischen Ereignisse eine immense Spannung.

Mit „Das Restaurant der Träume“ hat Julia Kröhn mir wieder einmal schöne Lesestunden geschenkt.

Die Reise der Pilgerin

Christiane Lind
Historischer Roman
368 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Christiane Lind für das Rezensionsexemplar

Gelungener Auftakt der Pilgerinnen-Saga

Zum Inhalt:
Die Geschichte beginnt im mittelalterlichen Braunschweig. Die junge Leonore von Calven begibt sich scheinbar aus reinem Glauben auf eine beschwerliche Wallfahrt nach Jerusalem. Ihr Pilgergewand dient jedoch nur als Tarnung. Der wahre, hochbrisante Grund ihrer Reise muss unter allen Umständen im Verborgenen bleiben.
Auf dem gefährlichen Weg in die Heilige Stadt schließt sie sich einer Reisegruppe an. Fast jeder ihrer Begleiter hütet dabei eigene, dunkle Geheimnisse. Als die Lage eskaliert und Leonore in Lebensgefahr gerät, wird sie von dem muslimischen Karawanenführer Nadim gerettet. Diese schicksalhafte Begegnung wirft nicht nur ihre Mission, sondern auch ihr gesamtes christliches Weltbild über den Haufen. Es entspinnt sich eine hochemotionale, verbotene Liebesgeschichte zwischen den Fronten der Religionen.

„Die Reise der Pilgerin“ von Christiane Lind ist ein fesselnder historischer Roman, der seine Leser*innen direkt in die Epoche der Kreuzzüge entführt.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und richtig lebendig.
Leonore von Calven: Eine starke und mutige Frau, die sich nicht in die typische passive Frauenrolle ihrer Zeit drängen lässt. Ihre Entwicklung von der pflichtbewussten Tochter zur eigenständigen Denkerin ist glaubhaft dargestellt.

Nadim: Der sarazenische Karawanenführer bricht mit den typischen westlichen Vorurteilen der damaligen Epoche. Er ist gebildet, tolerant und zeigt Leonore die reiche Kultur des Orients.

Auch die Nebencharaktere sind farbenfroh und vielschichtig gezeichnet.

Die Handlungsorte werden von Christiane Lind anschaulich beschrieben.
Das mittelalterliche Braunschweig ist düster, von starren christlichen Konventionen und den Vorbereitungen auf den Kreuzzug geprägt.
Das Heilige Land und Jerusalem sind farbgewaltig, lebendig und voller Exotik. Die Autorin beschreibt die Gerüche, Märkte, die Gelehrsamkeit und die Hitze des Orients so bildhaft, dass man als Leser*in das Gefühl hat, selbst durch die Wüste zu reiten.

Der Schreibstil von Christiane Lind ist von der ersten Seite an fesselnd.
Die Autorin vermittelt ihren Leser*innen viel von ihrem historischen Wissen.

„Die Reise der Pilgerin“ ist ein interessanter historischer Roman, genauso, wie ich es gerne lese.