Dear Britain

Annette Dittert
Sachbuch
268 Seiten
erschienen im Dumont Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Dumont Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine interessante und unterhaltsame Reise nach Großbritannien

Klappentext:
Als Annette Dittert am 31. Januar 2020 um Mitternacht vor der Downing Street stand, um live in den ARD-Tagesthemen darüber zu berichten, dass der Brexit in dieser Nacht nun endgültig vollzogen sei, schossen ihr kurz vor der Schalte plötzlich Tränen in die Augen. Längst war London ihr Zuhause geworden. Jetzt war der Bruch mit der EU nicht mehr umkehrbar. Für sie und viele Briten, die bis zum Schluss noch auf einen anderen Ausgang gehofft hatten, ein bedrückender Tag.
Sechs Jahre später und zehn Jahre nach dem Brexit-Referendum fragt sich Annette Dittert, was aus dem Land geworden ist. Sie nimmt uns mit auf eine Reise über die Insel: Wir besuchen die Royal Albert Hall und das House of Lords, schwimmen mit der Frauengruppe »Blue Tits« im Meer an der Ostküste der Insel, plaudern mit Schotten, Priestern und Earls. Und sind bei der Autorin auf ihrem Narrowboat Emilia zu Gast, einem kleinen bunten Boot aus Stahl am Regent’s Canal, mitten im Zentrum Londons. So entsteht ein facettenreiches Bild der eigenwillig-charmanten Briten, deren prekäre wirtschaftliche und soziale Situation – nicht nur infolge des EU-Austritts – im Alltag spürbar ist und die doch stets Haltung bewahren.

„Dear Britain“ von Annette Dittert ist ein Sachbuch, das sich flüssig, wie ein Roman liest.
Man muss dieses Buch nicht in einem Rutsch lesen, ich habe mir täglich ein Kapitel vorgenommen.

Die Autorin blickt auf eine lange Zeit als ARD-Korrespondentin in England zurück. Bei vielen wichtigen Ereignissen hat sie vor der Kamera gestanden und berichtet. Auch Dokumentarfilme hat Annette Dittert gedreht.
Annette Dittert fühlt sich in London auf ihrem Hausboot zu Hause. Nach der Beendigung ihrer Arbeit als Auslandskorrespondentin für die ARD bleibt die Autorin in London wohnen, sie hat sich in England einbürgern lassen.

Annette Dittert kennt das Land, war bei vielen Ereignissen, wie auch beim Brexit, vor Ort und hat berichtet.
In ihrem Buch „Dear Britain“ gibt die Autorin noch einmal tiefe Einblicke.
Annette Dittert beschäftigt sich in diesem Buch mit Politik, natürlich dem Brexit und den Folgen. Auch Wales und Schottland, die zu Großbritannien gehören, werden beleuchtet. Aber auch die berühmten englischen Gärten, oder die Clubs werden in dem Buch näher betrachtet.

Das Buch ist zwar ein Sachbuch, aber der Schreibstil ist nicht nüchtern.
Annette Dittert schreibt mit viel Herz, man spürt, wie sie dieses Land liebt, auch wenn sie mit der Politik nicht immer in Einklang ist.

Ich habe viele interessante Dinge über Großbritannien, England und die Menschen dort erfahren.

Mit ihrem Buch „Dear Britain“ hat Annette Dittert mich begeistert. Ich habe Kapitel für Kapitel gelesen und viel Neues von einem Land und einer Nation erfahren.
Von mir eine große Leseempfehlung.

Caledonian Road

Andrew O’Hagan
Roman
784 Seiten
Übersetzt aus dem Englischen von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié
erschienen bei Park x Ullstein
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley Deutschland für das Rezensionsexemplar

Ein großer Gesellschaftsroman bei dem man auch Schmunzeln kann

Klappentext:
London, Donnerstag, 20. Mai 2021, die Temperatur beträgt 16 Grad, es ist heiter, später gibt es Schauer.

Als Campbell Flynn, 52 Jahre alt und auf der Höhe seines Ruhms als öffentlicher Intellektueller, an diesem Tag aus dem Taxi steigt, trägt er sich noch mit Gedanken an ein neues publizistisches Projekt. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend zählt er heute zur Elite des Vereinigten Königreichs: seine Frau, die Tochter einer Gräfin, sein bester Freund, ein Industrieller, sein Schwager, ein Politiker mit Einfluss, sein Leben getaktet von Vorträgen, Vernissagen und Society-Events. Seine Schwäche, seine Eitelkeit und der Umgang mit dem lieben Geld. Sein Widersacher: sein liebster Schüler.

„Caledonian Road“ ist ein großartiger Gesellschaftsroman von Andrew O’Hagan.

Im Mittelpunkt steht Campbell Flynn. Er stammt aus ärmlichen Verhältnissen und hat es bis ganz nach oben geschafft. Jetzt bewegt er sich im ganzen englischen Königreich zwischen den Schönen und Reichen. Dazu hat ihm auch seine Frau verholfen, sie ist die Tochter einer Gräfin.
Campbell Flynn schreibt Kolumnen und hat ein Buch über Vermeer verfasst, was ihn als geschätzten Kunstkenner ausweist.
Sein neues Werk trägt den Titel „Männer, die im Auto weinen“ und Campbell Flynn überlegt, wie man das Buch veröffentlichen kann, ohne das sein Ruf als geschätzter Kunsthistoriker leidet.
Das ist aber nicht sein einziges Problem. Campbells Freund, sowie sein Schwager sind in kriminelle Geschäfte verwickelt die auch Campbell zum Verhängnis werden können.

Andrew O’Hagan hat, mir diesem Roman ein Monumentalwerk von knapp 800 Seiten veröffentlicht
Seine Protagonisten sind sehr unterschiedlich und werden richtig lebendig beschrieben. Trotz all der Unterschiedlichkeit haben sie fast alle etwas gemeinsam, die Gier nach Geld, Macht und Aufmerksamkeit.
In der Geschichte spielen Drogen, Menschenhandel und Geldwäsche eine Rolle. Arme Migranten werden zu Sklaven.

Andrew O’Hagan hat seinen Roman in der Zeit nach dem BREXIT angesiedelt. Er beschreibt Teile der britischen Gesellschaft, denen nicht wichtig ist außer Geld. Dabei ist es egal wie und wo sie es erwerben.

Der Autor erzählt seine Geschichte spannend und mit einem trockenen Humor. Ich habe oft Schmunzeln müssen.
In die Geschichte bin ich schnell sehr tief eingetaucht so, dass die knapp 800 Seiten eigentlich schnell gelesen haben.

„Caledonian Road“ ist ein monumentaler Gesellschaftsroman mit viel Spannung, die mit einer Prise Humor aufgelockert wird.