Christiane Adlung Roman 282 Seiten erschienen im DuMont Verlag Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen
Vielen Dank an den DuMont Verlag für das Rezensionsexemplar
Der perfekte Sommerroman
Zum Inhalt: Judith ist mit ihren Eltern jedes Jahr in das Sommerhaus im Médoc gereist. Hier hat sie wunderschöne Sommer mit ihrer Schwester verbracht. Auch Natascha, Judiths Freundin aus dem Nachbarhaus, war oft mit dabei. Doch irgendwann trennten sich ihre Wege. Jetzt ist Judith erfolgreiche Bildhauerin, verheiratet und hat zwei Töchter. Mit ihrer Familie bewohnt sie das einstige Sommerhaus. Das Nachbarhaus, in dem ihre Freundin Natascha gewohnt hat, steht leer. Robert trägt sich mit dem Gedanken, das leerstehende Haus zu kaufen, um mehr Platz für die Familie zu schaffen. Als Natascha mit ihrem Mann im Médoc ankommt, werden bei Judith viele Erinnerungen wach. Erinnerungen, die sie lieber vergessen möchte.
„Sommerrauschen“ von Christiane Adlung ist der perfekte Sommerroman.
Christiane Adlung erzählt die Geschichte sehr bildhaft. Man hat beim Lesen förmlich das Meer vor Augen. Man hört das Rauschen der Wellen und schmeckt das Salz auf den Lippen.
Die Charaktere werden liebevoll beschrieben und sind lebendig. Im Mittelpunkt steht Judith. Sie ist Bildhauerin und hat als Kind schon das Haus im Médoc, in dem sie jetzt mit ihrer Familie lebt, geliebt. Im Inneren ist sie zerrissen, es gibt etwas in ihrer Vergangenheit, das sie nicht an die Oberfläche kommen lassen will.
Natascha ist Judiths Freundin aus Jugendtagen. Sie bringt die Vergangenheit ins Spiel. Ein dunkles Geheimnis, das gelüftet werden möchte.
Die Geschichte hat zwei Zeitebenen. Einmal die Gegenwart, in der die Leserinnen die Protagonisten durch die Geschichte begleiten. Dann gibt es Rückblenden in die 1980er Jahre. Hier erleben die Leserinnen Judith und Natascha als Jugendliche. Hier wird auch das jahrelang verschwiegene Geheimnis gelüftet.
Christiane Adlung beschreibt den Handlungsort sehr eindrücklich. Die Natur, die Küste und das Meeresrauschen und die Sommerhitze werden gut vermittelt.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich. Die Geschichte wechselt zwischen ruhigen und temporeichen Szenen ab. Die Geschichte hat mich schnell gefesselt und ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen.
„Sommerrauschen“ ist ein ruhiger, aber kraftvoller Sommerroman.
Laura Wagner Roman 286 Seiten erschienen im DuMont Verlag Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen
Vielen Dank an den DuMont Verlag für das Rezensionsexemplar
Tragisch und zugleich leicht und humorvoll
Klappentext: Mars, Snickers, Happy Cherries – wenn Emma die Späti-Regale aufstockt, sieht sie nur eins: Kalorien. Ihr Studium hat sie abgebrochen, genauso wie den Kontakt zu ihrem Vater, der vermutlich irgendwo auf einer Parkbank seinen letzten Rausch ausschläft. Und auch Emma steht kaum einen Abend ohne Müller-Thurgau durch, die Tasse unter dem Tresen hilft ihr beim Vergessen. Ist doch tutto bene, oder? Nicht. Aber dann ist da plötzlich Ingrid: fünfzehn, rotzfrech und seit Neuestem Schülerpraktikantin im Späti. Nicht nur Udo, der einzig für Schokolade und Energydrinks hinter seinem Gaming-Computer hervorkriecht, mag die neunmalkluge Teenagerin auf Anhieb. Auch Emma lässt Ingrid bald unbedacht in ihr Herz. Unbedacht, denn jetzt muss sie ihre Probleme wirklich angehen – und die steigern sich exponentiell, als sie den Matrosen, der eigentlich Leo heißt, kennenlernt. Er will das, was sie seit Jahren scheut: eine Beziehung, mit allem, was dazugehört. Doch Emma wagt ja noch nicht mal, sich ein Tattoo stechen zu lassen, wie soll sie sich da zu so etwas Großem committen? Sich jemandem auch nur einen Spaltbreit zu öffnen, ist schon schwer genug.
„Tutto Bene“ ist ein tragischer, aber auch leichter und humorvoller Roman von Laura Wagner.
Laura Wagner hat recht unterschiedliche, zum Teil skurrile Charaktere entworfen und zum Leben erweckt.
Im Mittelpunkt steht die Ich-Erzählerin Emma. Sie arbeitet in einem typischen Berliner Späti. Emma leidet unter Bindungsängsten und einer toxischen Beziehung zu sich selbst. Ihr Schutzschild ist ihre Distanz und ihr Sarkasmus. Der Alltag ist von emotionaler Betäubung geprägt. Ihr bester Freund ist der Müller-Thurgau, ihr Begleiter, um den Frust und ihre Probleme zu vergessen.
Die fünfzehnjährige Ingrid ist Schülerpraktikantin im Späti. Sie ist eigentlich das genaue Gegenteil von Emma. Ingrid ist rotzfrech, neunmalklug und erstaunlich reif für ihr Alter. Mit ihrer unbedarften Art knackt sie Emmas harte Schale und bringt eine völlig neue Dynamik in den Laden.
Leo und Emma lernen sich durch eine Dating-App kennen. Emma nennt ihn liebevoll „der Matrose“. Leo versucht, eine engere Verbindung zu Emma aufzubauen. Doch genau davor hat Emma Angst, obwohl sie sich nach der Nähe von Leo sehnt.
Udo ist ein steter Gast im Späti. Er schält sich nur hinter seinem Computer hervor, um Nachschub an Schokolade und Energydrinks zu holen.
Diese vier Charaktere sorgen für tiefgründige, ernste und auch humorvolle Lesestunden. Emma durchlebt in der Geschichte eine große Entwicklung. Nach und nach bröckelt ihr Schutzpanzer und lässt das verletzte Ich hervorkommen.
Laura Wagner schreibt in einer sehr direkten, frischen und selbstironischen Sprache. Die Kapitel sind kurz, das Erzähltempo ist hoch. Besonders die spritzigen Dialoge sprühen vor trockenem Humor, Wortwitz und treffenden Alltagsbeobachtungen. Hinter den bissigen Bemerkungen verbirgt sich ein tieferer emotionaler Tiefgang.
„Mit „Tutto Bene“ hat Laura Wagner ein beachtenswertes Debüt hingelegt.
Ewald Arenz Roman 237 Seiten erschienen im DuMont Verlag 5 von 5 Sternen
Vielen Dank an den DuMont Verlag für das Rezensionsexemplar
Vom Älterwerden und Loslassen
Klappentext: Anton, 60 Jahre alt, ist Stepptänzer. Ja, er ist nicht mehr so schnell wie früher, aber mit seiner Erfahrung und Ausdruckskraft tanzt er, noch allen davon. Wer sollte ihm also die Stelle als Choreograf an einer Theaterbühne streitig machen? Doch die neue Intendantin sieht das anders und engagiert ausgerechnet Emma, Antons Tochter. Anton ist verletzt, wütend, traurig und zugleich stolz auf seine Tochter. Zeigen kann er ihr das nicht. Die Absage spült etwas in ihm hoch, das er nicht länger verdrängen kann: das Gefühl des Älterwerdens. Plötzlich spürt er die eigene Endlichkeit und fragt sich, ob er sein Leben richtig gelebt hat. Eine Frage, die ihn wieder an eine alte große Liebe denken lässt. Jo war damals einfach spurlos verschwunden. Hätte er mit ihr ein besseres Leben gelebt? Es ist Emma, die auf Jos Spur stößt. Mit ihr reist er nach Irland. Alte Konflikte zwischen Vater und Tochter brechen wieder auf. Für Anton wird es eine Reise zu sich selbst und er begreift: Zu Ende ist es erst, wenn es zu Ende ist. Bis dahin will das Leben gelebt werden.
„Fünf, Sechs, Sieben, Acht“ ist ein Buch über das Leben und das Älterwerden von Ewald Arenz.
Im Mittelpunkt steht Anton. Er ist 60 Jahre alt und immer noch ein begnadeter Stepptänzer und Choreograf. Eine neue Intendantin kommt an das Theater, an dem Anton arbeitet. Die neue Intendantin möchte alles jünger und moderner gestalten. Dem fällt dann auch Anton zum Opfer. Seine Stelle wird ausgerechnet mit seiner Tochter Emma besetzt, was Anton einige Zeit schmollen lässt. Seit der Scheidung von seiner Ehefrau steht es mit der Beziehung zu seiner Tochter nicht zum Besten. Gerade in letzter Zeit haben sie sich etwas angenähert.
Ewald Arenz hat für seine Geschichte großartige Charaktere ins Leben gerufen. In diesem Buch stecken eigentlich zwei kleine Geschichten, in denen Anton immer im Mittelpunkt steht. Es geht einmal um Anton als Tänzer, der aufgrund seines Alters aussortiert wird. Damit kann er nicht umgehen, denn er fühlt sich noch lange nicht alt. Anton ist geschieden, hat aber mittlerweile ein freundschaftliches Verhältnis zu seiner Ex-Frau. Die Tochter kann ihm nicht recht verzeihen, dass er sie als Kind verlassen hat. Eine Entschuldigung oder auch eine Erklärung kamen nie über Antons Lippen. Dann geht es um Anton, der in jungen Jahren von seiner großen Liebe verlassen wurde. Plötzlich war sie verschwunden, ohne Abschied, ohne Nachricht. Anton glaubte schon nicht mehr, dass sie noch lebt. Doch da findet sich eine Spur, die nach Irland führt.
Mir hat das Lesen große Freude gemacht. Ich habe Anton gerne auf seinem Weg begleitet und seine Entwicklung miterlebt.
Ewald Arenz erzählt die Geschichte in einer feinen Sprache, die ich fast poetisch nennen möchte. Wenn Anton über sein Leben nachdenkt, hat es manchmal auch etwas Philosophisches.
Ich bin schnell tief in der Geschichte versunken. Die Seiten sind nur so dahingeflogen.
Fünf, Sechs, Sieben, Acht ist eine Geschichte über das Leben und das Loslassen, die mir gut gefallen hat.
Annette Dittert Sachbuch 268 Seiten erschienen im Dumont Verlag Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen
Vielen Dank an den Dumont Verlag für das Rezensionsexemplar
Eine interessante und unterhaltsame Reise nach Großbritannien
Klappentext: Als Annette Dittert am 31. Januar 2020 um Mitternacht vor der Downing Street stand, um live in den ARD-Tagesthemen darüber zu berichten, dass der Brexit in dieser Nacht nun endgültig vollzogen sei, schossen ihr kurz vor der Schalte plötzlich Tränen in die Augen. Längst war London ihr Zuhause geworden. Jetzt war der Bruch mit der EU nicht mehr umkehrbar. Für sie und viele Briten, die bis zum Schluss noch auf einen anderen Ausgang gehofft hatten, ein bedrückender Tag. Sechs Jahre später und zehn Jahre nach dem Brexit-Referendum fragt sich Annette Dittert, was aus dem Land geworden ist. Sie nimmt uns mit auf eine Reise über die Insel: Wir besuchen die Royal Albert Hall und das House of Lords, schwimmen mit der Frauengruppe »Blue Tits« im Meer an der Ostküste der Insel, plaudern mit Schotten, Priestern und Earls. Und sind bei der Autorin auf ihrem Narrowboat Emilia zu Gast, einem kleinen bunten Boot aus Stahl am Regent’s Canal, mitten im Zentrum Londons. So entsteht ein facettenreiches Bild der eigenwillig-charmanten Briten, deren prekäre wirtschaftliche und soziale Situation – nicht nur infolge des EU-Austritts – im Alltag spürbar ist und die doch stets Haltung bewahren.
„Dear Britain“ von Annette Dittert ist ein Sachbuch, das sich flüssig, wie ein Roman liest. Man muss dieses Buch nicht in einem Rutsch lesen, ich habe mir täglich ein Kapitel vorgenommen.
Die Autorin blickt auf eine lange Zeit als ARD-Korrespondentin in England zurück. Bei vielen wichtigen Ereignissen hat sie vor der Kamera gestanden und berichtet. Auch Dokumentarfilme hat Annette Dittert gedreht. Annette Dittert fühlt sich in London auf ihrem Hausboot zu Hause. Nach der Beendigung ihrer Arbeit als Auslandskorrespondentin für die ARD bleibt die Autorin in London wohnen, sie hat sich in England einbürgern lassen.
Annette Dittert kennt das Land, war bei vielen Ereignissen, wie auch beim Brexit, vor Ort und hat berichtet. In ihrem Buch „Dear Britain“ gibt die Autorin noch einmal tiefe Einblicke. Annette Dittert beschäftigt sich in diesem Buch mit Politik, natürlich dem Brexit und den Folgen. Auch Wales und Schottland, die zu Großbritannien gehören, werden beleuchtet. Aber auch die berühmten englischen Gärten, oder die Clubs werden in dem Buch näher betrachtet.
Das Buch ist zwar ein Sachbuch, aber der Schreibstil ist nicht nüchtern. Annette Dittert schreibt mit viel Herz, man spürt, wie sie dieses Land liebt, auch wenn sie mit der Politik nicht immer in Einklang ist.
Ich habe viele interessante Dinge über Großbritannien, England und die Menschen dort erfahren.
Mit ihrem Buch „Dear Britain“ hat Annette Dittert mich begeistert. Ich habe Kapitel für Kapitel gelesen und viel Neues von einem Land und einer Nation erfahren. Von mir eine große Leseempfehlung.
Cay Rademacher Kriminalroman 518 Seiten erschienen im Dumont Verlag 5 von 5 Sternen
Vielen Dank an den Dumont Verlag für das Rezensionsexemplar
Spannende Ermittlungen in der Provence
Klappentext: Capitaine Roger Blanc ist von Gadet ins benachbarte Salon-de-Provence versetzt worden, wo er ab jetzt vor allem rätselhafte Cold Cases aufklären soll. Sein erster Fall ist ein Mord, der vor sechs Jahren stattgefunden hat: Damals wurde eine Familie in ihrem Auto auf einem entlegenen Parkplatz in den Alpilles nahezu vollständig ausgelöscht. Ebenso starb dort ein Radfahrer, der scheinbar nichts mit den anderen Opfern zu tun hatte. Blanc und seine Kollegen ermitteln in Eyguières und in Aureille, zwei malerischen Kleinstädten, deren Bewohner jedoch dunkle Geheimnisse mit sich herumtragen. Da ist die Freundin eines Opfers, die durch das Verbrechen zu einem Kind und Geld kam. Die alte Bäuerin, die sich betrogen fühlt. Da sind die beiden Rentner, die nicht nur als Touristen in die Provence fahren. Und dann die Toten selbst, die immer mysteriöser werden, je länger die Ermittlungen andauern. Nach und nach entwirren Blanc und seine Kollegen ein Gespinst aus Lügen, Täuschungen und Illusionen. Bis sie erkennen, was sich an dem heißen Sommertag vor sechs Jahren wirklich zugetragen hat.
„Bedrohliche Alpilles“ ist der 13. Band der Krimireihe um Capitaine Roger Blanc von Cay Rademacher.
Ich liebe diese Krimireihe seit dem ersten Band. Ich mag den kauzigen und unkonventionellen Capitaine Roger Blanc der, wenn es darum geht, einen Fall zu lösen, sich nicht darum schert, was seine Vorgesetzten von ihm verlangen. Das hat ihm schon seine Versetzung von Paris in die Provinz eingebracht. Jetzt wurde Blanc von Gardet nach Salon-de-Provence versetzt. Dort leitet Roger Blanc eine Einheit, die Cold-Case-Fälle auflösen soll. Er bekommt ein neues Team, zum Glück ist Fabienne mit dabei. Auch Marius wird zu den Ermittlungen dazugeholt. Die neuen Kollegen im Team sind Paul Brisson und Alexandra Ayew, beides sympathische und engagierte Ermittler*innen, die Blanc schnell zu schätzen weiß.
Vor 6 Jahren wurden auf einem entlegenen Parkplatz in den Alpilles ein Mann und eine Frau in ihrem Auto erschossen und die 6-jährige Tochter schwer verletzt. Weiterhin wurde ein Radfahrer, der sich wohl zu dieser Zeit auf dem Parkplatz aufgehalten hat, erschossen. Die Ermittler konnten vor 6 Jahren den Fall nicht lösen. Das Team rund um Blanc befragt die Zeugen von damals. Das damals schwer verletzte Kind wurde von der Witwe des Radfahrers aufgenommen. Verdächtigt wird ein deutsches Ehepaar, dass schon seit vielen Jahren in die Provence reist und auch zu diesem Zeitpunkt vor Ort waren.
Die Ermittler sehen sich einem Geflecht voll Lügen gegenüber. Zu gerne möchten sie erfahren, was das Kind vor 6 Jahren gesehen hat, das Mädchen beteuert aber, den Täter nicht gesehen zu habe.
Die Ermittlungen führen Roger Blanc und sein Team zu den Kirchen vor Ort. Das eine Todesopfer im Auto war Restaurator und hat historische Gebäude für die Gemeinde restauriert. Dabei ist er wohl auf alte Schriften gestoßen, die er heimlich veräußert hat. Es gibt einige Verdächtige, aber ein richtiges Motiv ist nicht greifbar. Wird Roger Blanc und sein Team scheitern wie die Ermittler vor 6 Jahren?
Es macht Spaß abzuwägen und zu rätseln, wer der Täter ist. Es gab verschiedene Verdächtige, es gab auch verschiedene Motivansätze. Bis der wahre Täter gefunden wurde, war es ein schwieriger Weg. Der Autor weiß einfach, wie er seine Leserinnen in die Irre führen und wie er Spannung erzeugen kann. Der Schreibstil von Cay Rademacher gefällt mir sehr gut. Er versteht es, seinen Protagonisten Leben einzuhauchen, beschreibt die Landschaft so, dass man sie vor seinem inneren Auge sehen kann. In jedem Band der Krimireihe gibt es neue Orte und Sehenswürdigkeiten zu entdecken, was immer sehr interessant ist. Wie immer sind auch die Charaktere sehr facettenreich und gut in Szene gesetzt. Capitaine Roger Blanc und ein Teil seines Teams sind ja mittlerweile sehr gut bekannt und ich mag sie in jedem Band noch ein bisschen mehr. Auch die beiden Neuen im Team reihen sich prächtig ein und werden den Leserinnen bestimmt noch viel Freude bereiten.
Die Hauptsequenz des Inhalts liegt bei den Ermittlungen, aber auch das Private liest sich gut. Es bringt einen den Kommissar etwas näher und ist ein Bindeglied zwischen den einzelnen Bänden der Krimireihe. Die Fälle sind in sich abgeschlossen. So kann auch „Bedrohliche Alpilles“ unabhängig von den vorherigen Bänden gelesen werden. Aber ich denke spätestens nach einem Band wird auch dich die Sucht erfassen.
Mord in der Provence – Capitaine Roger Blanc ermittelt: Band 1: Mörderischer Mistral Band 2: Tödliche Camargue Band 3: Brennender Midi Band 4: Gefährliche Côte Bleue Band 5: Dunkles Arles Band 6: Verhängnisvolles Calès Band 7: Verlorenes Vernègues Band 8: Schweigendes Les Baux Band 9: Geheimnisvolle Garrigue Band 10: Stille Sainte-Victoire Band 11: Unheilvolles Lançon Band 12: Rätselhaftes Saint-Rémy Band 13: Bedrohliche Alpilles
Katrin Zipse Roman 219 Seiten erschienen im DuMont Verlag 5 von 5 Sternen
Vielen Dank an den DuMont Verlag für das Rezensionsexemplar
Ein bewegendes Frauenschicksal
Klappentext: Als Elsa im Sommer 1949 in Island ankommt, ist sie eine von vielen. Knapp dreihundert junge Frauen aus Deutschland sind dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt, um dort ein Jahr auf Höfen zu arbeiten. Die Bauern hoffen auf Arbeitskräfte sowie Heiratskandidatinnen, nachdem viele Isländerinnen in die Städte abgewandert sind. Sprachkenntnisse können die Frauen nicht vorweisen, aber oft haben sie nichts zu verlieren. Auch Elsa schweigt. Sie ist nicht hier, um zu bleiben, sie trauert um ihre Freundin Sola, und mit den Bauersleuten kann sie sich zunächst ohnehin nicht verständigen. Dennoch entsteht zwischen Grassodenhaus, leuchtenden Wiesen und endlosem Meer ein Zusammenleben, das sich Elsa irgendwann nicht mehr vom Leibe halten kann. Allein ihre Anwesenheit verändert die Dynamik auf dem Hof, besonders die der Bauernsöhne. Es gibt Erwartungen, ausgesprochene und unausgesprochene. Und dann ist da auch noch die verschwundene Tochter der Familie, über die niemand spricht und die für Elsa immer wichtiger wird.
„Moosland“ von Katrin Zipse ist ein Roman, der auf einer wahren Begebenheit basiert.
Im Mittelpunkt steht Elsa, sie hat den Krieg noch nicht verarbeitet, zu viel Elend und zu viele Tode hat sie gesehen. Da ergibt sich die Gelegenheit Deutschland für einige Zeit zu verlassen. Die isländischen Bauernpartei sucht junge deutsche Frauen, die in Island, gegen Bezahlung auf Bauernhöfen arbeiten wollen. Island verspricht sich davon Arbeitskräfte und vielleicht auch die eine oder andere junge Frau, die sich entschließt zu bleiben und zu heiraten.
Elsa kommt zu einer Bauernfamilie, die etwas abgelegen wohnt. Auf dem Hof arbeiten Bauer und Bäuerin, sowie die zwei Söhne. Zur Unterstützung haben die Bauersleute noch einen Knecht angestellt. Die Familie nimmt Elsa mit offenen Armen auf. Schwierig macht es allerdings die Sprachbarriere. Auch das Elsa keinerlei Kenntnisse von der Landwirtschaft hat, macht es ihr nicht gerade leicht. Elsa weigert sich auch am Anfang Isländisch zu lernen und gibt vor auch kein Englisch zu sprechen. In Wahrheit möchte sie mit niemanden Reden, sie ist so tief in ihrem Trauma, dass vom Krieg herstammt, versunken, dass sie sich völlig verschließt.
Katrin Zipse vermittelt die Geschichte mit viel Gefühl. Die Charaktere sind gut gezeichnet. Besonders Elsa gefällt mir gut. Sie steht für viele Frauen, die zwar nicht an der Front waren, aber die der Krieg trotzdem hart getroffen und traumatisiert hat.
Mir war bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, dass Island deutsche Frauen angeworben hatte, die dort auf Bauernhöfen arbeiten. So steht Elsa Pate für ca. 300 Frauen, die dem Aufruf gefolgt sind.
Ganz wunderbar ist die Beschreibung der Handlungsorte. Katrin Zipse beschreibt die weiter der Landschaft, die nie endenden Berge, die Farben, den Himmel so eindringlich, dass man schnell Bilder vor Augen hat.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich, die Sprache ist fast schon poetisch zu nennen.
„Moosland“ ist ein wunderschöner Roman, den ich gerne empfehlen möchte.
Beate Maly Historischer Kriminalroman 348 Seiten erschienen im DuMont Verlag 5 von 5 Sternen
Vielen Dank an den DuMont Verlag für das Rezensionsexemplar
Gelungener Cosy Krimi mit tollem historischem Setting
Januar 1872, Ballsaison in Wien: keine gute Zeit für junge Gräfinnen, die sich nicht verheiraten lassen wollen. Der Rest der Stadt ist im Glücksrausch, Lose sind die Vergnügung der Stunde. Freiherr von Sothen hat mit dem Verkauf von Lotterielosen sein Geschäft gemacht und viele Leute arm. In Glanz und Gloria lebt er in einem Schlösschen am Cobenzl, bis er erschossen wird. Pech für den gierigen Freiherrn, Glück für Oberinspektor Janek Pokorny, denn wenn ein Mord in bester Gesellschaft geschieht, ist die junge Gräfin Aurelia von Kolowitz nicht weit. Doch die adelige Hobbykriminalistin hat andere Sorgen: Ihr Verleger will ihre Karikaturen nicht mehr drucken, ihr Vater will sie an einen Süßwarenfabrikanten verheiraten, und Janek, der sie nach ihrem letzten Fall ins Theater einladen wollte, hat sich nie wieder gemeldet. Wie immer machen die Männer um Aurelia herum also nichts als Ärger. Doch dann tritt die Witwe des Freiherrn auf den Plan und die stellt was Habgier und Niedertracht betrifft noch so manchen Mann in den Schatten.
„Aurelia und die Jagd nach dem Glück“ ist der 3. Band der historischen Krimireihe „Ein Fall für Aurelia von Kolowitz“ von Beate Maly.
Von Beate Maly habe ich schon einige Historische Romane gelesen, mit dieser Reihe begibt die Autorin sich in das Genre Spannung aber der Historik ist sie treu geblieben.
Beate Maly schickt ihre Leser*innen nach Wien ins 19.Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht Aurelia von Kolowitz, eine kluge Grafentochter die sich von den strengen Konventionen lösen möchte und heimlich Karikaturen zeichnet. Und der junge Polizeiagent Janek Pokorny, der aus einer ärmeren Familie stammt. Wenn er auf Aurelia von Kolowitz trifft, ahnt er schon, dass er es wieder mit einem komplizierten Mordfall zu tun bekommt.
Eigentlich ist Aurelias Leben zur Zeit aufregend genug. Ihre Karikaturen sollen nicht mehr gedruckt werden und ihr Vater will Aurelia unbedingt verheiraten. Aber sie ist zu sehr Hobbyermittlerin, um sich nicht in den Mord an Freiherr von Sothen einzuklinken. Der Freiherr verdankt seinen Reichtum den armen Leuten, denen er mit dem Verkauf vom Losen das Geld aus der Tasche gezogen hat. Wer denkt das der Freiherr habgierig war, der kennt seine Witwe noch nicht.
Beate Maly besticht in diesem Historischen Krimi wieder mit ihrer detailgetreuen Beschreibung. Die prächtigen Herrenhäuser in Wien werden genauso gut beschrieben wie die dunklen Viertel die es in Wien gibt. Auch die Atmosphäre mit dem Nebel über der Stadt sorgt für eine gewisse Gänsehaut. Man könnte glauben Beate Maly hätte selbst im historischen Wien gelebt.
Die Charaktere sind gut gezeichnet und mir schnell sympathisch gewesen. Nicht nur Aurelia und Janek, auch die Nebenfiguren bereichern die Geschichte.
Die Leser*innen begleiten den Polizeiagent Janek Pokorny und auch Aurelia bei ihren Ermittlungen. Der Fall ist spannend und die Ermittler haben es nicht einfach den Fall zu lösen. Aurelia und Janek sind ein ungewöhnliches Ermittlerpaar und gefallen mir zusammen sehr gut.
Auch die Rolle der Frau im 19. Jahrhundert vermittelt die Autorin anhand von Aurelia sehr treffend. Gegen alle Konventionen möchte Aurelia nicht verheiratet werden, so wie es eben zu dieser Zeit üblich war.
„Aurelia und die Jagd nach dem Glück“ ist ein gelungener Historischer Kriminalroman, der in einer prächtigen Kulisse spielt.
Ich hoffe sehr, dass noch viele weitere Bände folgen.
Katja Lewina Kurzgeschichten 203 Seiten erschienen im Dumont Verlag 4 von 5 Sternen
len Dank an den DuMont Verlag für das Rezensionsexemplar
Trennung und doch Freunde bleiben, geht das?
„Wir können doch Freunde bleiben“ von Katja Lewina ist eine Sammlung von Trennungsgeschichten, die es in sich haben.
Freunde bleiben, trotz Trennung, ob das geht, ist die Frage. Ich kann es mir nicht recht vorstellen. In diesem Buch gibt es verschiedene Trennungsgeschichten. Eins haben sie gemeinsam, sie sind schmerzhaft.
In einem Vorwort erzählt Katja Lewina, wie sie auf Lesereise war und das Publikum gefragt hat, ob jemand seine Trennungsgeschichte erzählen möchte. Die Autorin hat sie aufgeschrieben und gesammelt. In diesem Buch erzählt Katja Lewina die tragischsten Geschichten.
Da ist Annette, ihr Freund ist ein polizeibekannter Exhibitionist. Für Anette ein Schock und das Aus ihrer Beziehung.
Rayk, war 30 Jahre in einer Beziehung. Plötzlich ist die Beziehung zu Ende und er muss lernen allein zurechtkommen.
Maximilian hat seine Partnerin geheiratet, als es eigentlich in der Beziehung schon kreiselte. Das konnte nicht gutgehen.
Katja Lewina erzählt einige Trennungsgeschichten. Es geht um Beziehungen, Liebe, die sich ins Gegenteil wandelt.
Die Charaktere sind recht verschieden und werden realistisch dargestellt. Man spürt, welchen Schmerz eine Trennung bedeutet und auch lange danach zurücklässt. Die Autorin vermittelt die Gefühle der Charaktere glaubhaft und auch schonungslos. Die meisten Trennungen gehen nicht friedlich vonstatten.
Katja Lewina hat einen angenehm zu lesenden Schreibstil. Ihr Humor lockert die Geschichten immer wieder etwas auf.
„Wir können doch Freunde bleiben“ ist eine unterhaltsame Sammlung von Geschichten über Trennungen und Neuanfängen.
Denzil Meyrick Kriminalroman 380 Seiten Übersetzt aus dem Englischen von Sibylle Schmidt erschienen im Dumont Verlag 5 von 5 Sterne
Vielen Dank an den Dumont Verlag für das Rezensionsexemplar
Guter Reihenauftakt
Klappentext: Dezember 1952: Inspector Frank Grasbys Erfolgsquote lässt zu wünschen übrig. Als er im Rahmen eines Einsatzes versehentlich zwanzig der wertvollsten Pferde Englands in die Freiheit entlässt, ist seine Versetzung in das beschauliche Elderby in den North York Moors besiegelt. Das Dorf liegt abseits jeglicher Zivilisation, und der Leiter der Polizeistation schläft tief und fest, als Grasby dort eintrifft. Doch so ereignislos es hier auch zuzugehen scheint, der erste Fall lässt nicht lang auf sich warten: Im nahe gelegenen Holly House, Sitz des örtlichen Adels, gab es einen Einbruchsversuch. Vor Ort stört allerdings eine ungewöhnlich starke Rauchentwicklung die Ermittlungen von Grasby und Polizeipraktikantin Deedee und beim Griff in den Kaminschacht fällt dem Inspector prompt eine Leiche vor die Füße. Spätestens als kurz darauf auch der Mann der Dorfärztin tot aufgefunden wird und Grasby einen ungewöhnlichen Auftrag erhält, wird immer unklarer, wem man in diesem Dorf vertrauen kann. Inspector Grasby steckt in gehörigen Schwierigkeiten.
„Der Tote im Kamin“ ist der erste Band der Reihe „Ein Fall für Inspector Frank Grasby“ von Denzil Meyrick.
Der Autor entführt seine Leser*innen in den beschaulichen Ort Elderby in den North York Moors in England. Dorthin wird Inspector Frank Grasbys versetzt, nachdem er sich einen großen Schnitzer erlaubt hat. Doch so beschaulich ist der Ort dann doch nicht, denn Inspector Grasby bekommt es schnell mit seinem ersten Fall zu tun. Jetzt ermittelt Inspector Grasby als Fremder in einem Ort, in dem jeder, jeden kennt und das ausgerechnet im Kreise Adels, denn hier ist dem Inspektor eine Leiche sprichwörtlich vor die Füße gefallen.
Denzil Meyrick hat mit Inspector Frank Grasby einen Ermittler ins Leben gerufen, der oft einen etwas schwerfälligen Eindruck macht und auch so wirkt, als überblicke er das Ganze nicht. Grasby gefällt mir aber gut, in ihm steckt viel Potenzial, so, dass es hoffentlich noch einige Bände mit ihm gegeben wird. Der Autor erzählt die Geschichte auch aus der Perspektive von Inspector Grasby.
Die Geschichte spielt in den 1950er Jahren, die von Denzil Meyrick gut vermittelt werden.
„Der Tote im Kamin“ ist ein Krimi ohne viel Blutvergießen, fast ein Cosy Crime aber auch ein spannender Krimi. Aufgelockert wird die Geschichte immer wieder mit dem schwarzen Humor von Denzil Meyrick.
Mir hat der Krimi gut gefallen und ich wünsche mir weitere Bände mit dem Inspector.
Ewald Arenz Illustrierte Erzählung Illustriert von Florian Bayer 127 Seiten erschienen im DuMont Verlag 5 von 5 Sternen
ielen Dank an den DuMont Verlag für das Rezensionsexemplar
Schöne Geschichte
Klappentext: Paula und Peter sind schon seit Langem Kollegen. Sie ist Ärztin, er arbeitet als Jurist in der Klinikverwaltung. Ein Interesse der beiden aneinander war schon immer da. Nach einem mehrtägigen Seminar verbringen sie die letzte Nacht miteinander. Auf der Rückfahrt nach Hause kommen die beiden mit der Bahn nur bis Würzburg: Streik. Was sollen sie tun mit ihrer ungeklärten Geschichte und den unerwartet freien Tagen? Während sie Stadt und Umgebung erkunden, nähern sich die beiden einander vorsichtig. Peter hält die Ungewissheit, wie es mit ihnen weitergehen wird, nur schwer aus. Sein Drängen nimmt Paula mal spielerisch, mal verärgert. Sie will das Jetzt genießen und weicht den Fragen nach dem Morgen aus. Als eine Katze zu ihrer Begleitung wird, sehen sie an deren Beispiel, wie schwer sich Menschen damit tun, den Moment zu leben, ohne Plan zu sein und sich der Freiheit hinzugeben.
„Katzentage“ ist eine illustrierte Erzählung von Ewald Arenz, mit schönen Illustrationen von Florian Bayer.
Als Leser*in begleitet man Paula und Peter 3 Tage lang. Die beiden Kollegen, sie Ärztin und er Verwaltungsmitarbeiter im Krankenhaus, waren zusammen auf einer Fortbildung. Am letzten Abend sind sie sich nähergekommen und haben die Nacht zusammen verbracht. Jetzt sitzen sie im Zug und wollen nach Hause fahren. Doch in Würzburg ist Schluss, es gibt keine Weiterfahrt, die Bahn streikt. In Würzburg gestrandet leben sie die nächsten Tage wie eine Katze von einem Moment zum anderen. Dabei ist Peter sich sicher, er möchte die Beziehung zu Paula vertiefen. Paula ist sich da nicht so sicher und lebt lieber den Moment.
Ewald Arenz vermittelt die Gefühle seiner Protagonisten in seiner gewohnten poetischen Sprache. Es macht Spaß mit beiden durch Würzburg zu wandeln und die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu sehen. Durch Wälder zu radeln und den Wein aus dem Boxbeutel zu genießen.
„Katzentage“ ist eine Erzählung, die auch mit den Illustrationen lebt. Mir hat das Buch viel Freude bereitet und ich habe es an einem Stück gelesen.
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