Bambino

Marco Balzano
Roman
242 Seiten
Übersetzt aus dem Italienischen von Peter Klöss
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Triest im Wandel der Zeit

Klappentext:
Triest, 1920. Mattia ist ein Faschist der ersten Stunde. Sein Gesicht ist noch bartlos, weshalb man ihn Bambino nennt, aber seine Schläge sind so hart, dass die halbe Stadt sich vor ihm fürchtet. Mattia weiß nicht, wer seine Mutter ist. Gar eine von drüben? Eine Slowenin? Sein Vater, der Antifaschist und Uhrmacher, will es ihm nicht verraten. Im Schlamm und Schmutz des Zweiten Weltkriegs verliert Mattia schließlich alle Gewissheiten, und er muss erfahren, dass der Gewinner von heute der Verlierer von morgen sein kann.

„Bambino“ von Marco Balzano führt die Leser*innen nach Triest in das Jahr 1920 und in die Zeit des 2. Weltkriegs.

Mattia Gregori wird Bambino genannt. So harmlos wie das klingt ist er aber nicht. Er ist eher aggressiv und hat so gut wie keine Freunde. Sein Vater ist Uhrmacher und rät Mattia eine Uhrmacherlehre zu machen. Doch Mattia hält sich lieber mit Diebstahl über Wasser. Schließlich landet er bei den italienischen Faschisten, die gegen die Kommunisten kämpfen und auf die Slowenen losgehen.
Ganz verloren ist er, als im seinen Mutter Donatella kurz vor ihm Tod verkündet, dass sie nicht seine leibliche Mutter ist.

Marco Balzano schildert das Leben von Mattia Gregori sehr interessant. Dabei erzählt der Autor auch eine Zeitgeschichte, die mir vorher nicht so bekannt war.
Die Charaktere werden von Marco Balzano stark herausgestellt. Mattia Gregori ist unsympathisch aber eine interessante Figur, die uns durch ein Stück europäische Geschichte führt.

Marco Balzano erzählt die Geschichte wie von ihm gewohnt mit starken Worten. Man wird richtig in die Geschichte hineingezogen.

„Bambino“ ist ein interessanter Roman der sich fast wie eine Biografie liest.

Jetzt sind Sie gefragt

Rolf Dobelli
Ratgeber
320 Seiten
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Fragen die ehrlichen Antworten verlangen

Klappentext:
Ist Ihr Leben gerade sehr bewegt oder schon verdächtig ruhig? Manchmal braucht es nur die richtige Frage zur rechten Zeit, um vom Weg abzukommen, oder ihn erst zu finden. Solche Fragen stellt uns Rolf Dobelli. Wenn wir uns auf sie einlassen, wissen wir schnell, wie es um unser Glück bestellt ist. Und erkennen, wonach wir uns sehnen.

„Jetzt sind Sie gefragt“ ist ein Lebensratgeber von Rolf Dobelli.

„Jetzt sind Sie gefragt“, ist kein Buch, dass man in einem Zug einfach so weg liest. Es ist ein Buch, dass man sich immer wieder vornehmen kann und eins zwei Fragen lesen und überdenken kann.
Ja, das Buch enthält viele Fragen, die man erst einmal auf sich wirken lassen sollte und dann versuchen sollte eine ehrliche Antwort zu finden. Allein das Beschäftigen mit der Frage, die man sich wahrscheinlich nie gestellt hätte, macht etwas mit einem. Man denkt plötzlich viel mehr über sein Leben nach, wie es im Moment ist.
Man wird sein Leben nicht nach dem Lesen des Buches ändern, aber die Fragen bleiben im Gedächtnis und man hinterfragt das eine oder andere schon.

„Jetzt sind Sie gefragt“ ist kein aufregendes Buch, es ist eher leise und doch macht es etwas mit einem. Ich werde das Buch bestimmt immer wieder einmal zur Hand nehmen.

Down Cemetery Road

Mich Herron
Kriminalroman
550 Seiten
Übersetzt aus dem Englischen von Stefanie Schäfer
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannende Krimireihe

Klappentext:
Sarah Tucker lebt in einem beschaulichen Vorort von Oxford, in der Rolle als Hausfrau gestrandet. Als jedoch nach einer Explosion in der Nachbarschaft ein Kind spurlos verschwindet, findet sie keine Ruhe mehr und holt sich Hilfe bei der Privatermittlerin Zoë Boehm. Gemeinsam bringen die beiden Frauen mehr Geheimnisse als Antworten ans Licht, Menschen, die lange für tot gehalten wurden, weilen unter den Lebenden, während sich immer mehr schnell zu den Toten gesellen. Vom ruhigen, abgründigen Pflaster Oxfords in ein Netz aus Verschwörungen von hochoffizieller Seite.

„Down Cemetery Road“, ist der 1. Band der Reihe „Zoë Boehm ermittelt in Oxford“ von Mick Herron.

Sarah Tucker lebt in Oxford. Sie ist Hausfrau und in ihrer Ehe mit Mark nicht wirklich glücklich. Nach einer Explosion in der Nachbarschaft, bei der zwei Menschen ums Leben kommen und die 4jährige Dinah geborgen werden kann, aber dann spurlos verschwindet.

Sarah, die auf ihre Fragen nach Dinah keiner Antworten bekommt, ahnt das hier etwas nicht stimmt. Sie beauftragt die Privatdetektiven Zoë Boehm, mit ihr zusammen das Kind zu suchen. Bald schon sehen sie sich eine Verschwörung gegenüber, die sie in tödliche Gefahr bringt.

Mick Herron versteht es gut, Spannung aufzubauen und sie über die gesamte Geschichte aufrechtzuhalten.
Die Charaktere sind gut gezeichnet und interessant. Sarah Tucker, die das Dasein einer gelangweilten Hausfrau fristet, ist schnell damit beschäftigt nach Dinah zu suchen. Später stößt dann noch Zoë Boehm hinzu. Die beiden Frauen als Team gefallen mir gut.

Die Handlungsorte werden gut beschrieben.
Die Geschichte schreitet in einem ordentlichen Tempo fort.
Der Schreibstil ist flüssig, gut verständlich und etwas anspruchsvoller als beide en meisten Kriminalromanen.
Mit seinem sarkastischen Humor, vor dem auch der britische Geheimdienst nicht verschont wird, lockert Mick Herron die Geschichte immer wieder auf.

„Mir hat „Down Cemetery Road“ gut gefallen und ich freue mich schon auf den 2. Band.

Königin Esther

John Irving
Roman
550 Seiten
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Peter Torberg und Eva Regul
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein echter John Irving

Klappentext:
Jimmy Winslow hat zwei Mütter. Honor, die ihn aufgezogen hat, schickt ihn als Studenten von New Hampshire nach Wien, wo er Vater werden soll. Das Wien der Sechzigerjahre ist ein Ort voller Geheimnisse und Versuchungen, und Jimmy springt kopfüber hinein und ist dabei immer auch auf der Suche nach seiner leiblichen Mutter Esther Nacht. Was er erlebt, ist eine spektakuläre Achterbahnfahrt, wie sie nur das Leben in John Irvings Büchern schreiben kann – voller großer Gefühle, unglaublicher Wendungen und Figuren, die uns nicht mehr loslassen.

„Königin Esther“ ist der neue Roman von John Irving.
Der Autor hat es wieder geschafft, mich mit einem Buch total zu begeistern.

In seiner Geschichte erzählt der Autor das Leben von Jimmy Winslow. Bis er geboren wird, dauert es aber eine Zeit. Erst lernt man Thomas und Constance Winslow, die Großeltern von Jimmy kennen. Er ist Lehrer, sie Bibliothekarin. Gemeinsam haben sie 4 Töchter. Für jede Tochter haben sie ein älteres Mädchen aus einem Waisenhaus geholt, dass sie als Au-pair in die Familie aufgenommen haben. Den Waisenmädchen ging es in der Familie gut und sie durften Bildung, auf die in der Familie großen Wert gelegt wurde, genießen.
Die jüngste Tochter ist Honor, für sie wurde Esther, ein jüdisches Mädchen aus einem Waisenhaus geholt. Hier stoßen eifrige Irvin Leser*innen auf einen bekannten Protagonisten, Dr. Wilbur Larch. In „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ war er auch Arzt in einem Waisenhaus.
Als Honor dann erwachsen war, hegte sie den Wunsch nach einem Kind, wollte aber keinen Kontakt zu Männern haben. Esther, die Honor noch immer verbunden ist, wird für sie schwanger. So kommt Jimmy zur Welt. Er hat zwei Mütter und keinen Vater.

John Irving erzählt die Geschichte wieder sehr detailliert, sehr ausführlich. Man muss der Geschichte etwas Zeit geben, um sich zu entfalten. Wer John Irving kennt, weiß, dass er seine Geschichte gerne reichlich ausschmückt. Die Formulierung der einzelnen Sätze ist oft eine Meisterleistung. Der Autor versteht, die Sprache einzusetzen.
Für Peter Torberg und Eva Regul, die das Buch übersetzt haben, sicher keine leichte Aufgabe. Sie haben sie aber bravourös gemeistert.

Die Charaktere sind wieder gut gezeichnet und werden auch sehr gut beschrieben. Für mich waren sie lebendig geworden. Jimmys Geschichte hat mir gut gefallen und mich berührt. Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

„Königin Esther“ hat zwar zwischendurch einige Längen, John Irving konnte mich mit seiner Geschichte aber wieder begeistern.

Der Vorleser

Bernhard Schlink
Roman
207 Seiten
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Beeindruckend und dramatisch

„Der Vorleser“ von Bernhard Schlink, ist 1995 zum ersten Mal erschienen und gehört zu den modernen Klassikern. Jetzt wurde das Buch vom Diogenes Verlag noch einmal neu aufgelegt.

Die Geschichte ist in 3 Teile unterteilt.
Im 1. Teil erinnert sich der Erzähler an seine Gelbsucht Erkrankung. Damals hat ihm eine Frau auf dem Heimweg von der Schule geholfen. Jetzt nach der Genesung wollte er sich bei der fremden Frau bedanken.
Frau Schmitz war zu der Zeit 36 Jahre alt und Michael, der Erzähler war 15 Jahre. Trotz des Altersunterschieds verliebte sich der Junge in Frau Schmitz. Sie gingen eine sexuelle Beziehung ein. Jeder Tag ging Michael zu der Frau, ohne sie gesehen zu haben, hielt er es nicht aus. Frau Schmitz mochte es besonders gerne, wenn Michael ihr etwas vorgelesen hat.

Im 2. Teil sind 7 Jahre vergangen und Michael studiert mittlerweile Rechtswissenschaft. Frau Schmitz hat er aus den Augen verloren. Aber wie der Zufall es will, trifft er wieder auf seine frühere Geliebte.

Der 3. Teil behandelt dann den weiteren Lebensweg von Michael.
Über den 2. Und 3. Teil möchte ich nicht mehr erzählen, dass müsst ihr schon selbst lesen.

Bernhard Schlink erzählt die Geschichte auf 200 Seiten, doch es steckt sehr viel drin. Sein Erzählstiel ist sehr kompakt, er hält sich nicht an Kleinigkeiten fest.
Die Charaktere werden gut beschrieben, ich konnte mich sowohl in Michael wie auch in Hanna Schmitz hineinversetzten.
Das Thema Kriegsverbrechen wird in der Geschichte eingehend behandelt.
Wohl mit ein Grund, dass „Der Vorleser“ auf den Lehrplänen vieler Schulen stand.

„Der Vorleser“ ist ein Roman, den man auch nach all den Jahren immer noch sehr gut lesen kann.

Dius

Stefan Hertmans
Roman
337 Seiten
Übersetzt aus dem Niederländischen von Ira Wilhelm
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Freundschaft

Klappentext:
Als Dius an seiner Haustür klingelt, ist Anton überrascht und irritiert. Keiner seiner Studenten an der Kunsthochschule ist bisher so ungeniert in sein Privatleben vorgedrungen. Oder hat ihm gar seine Freundschaft und einen Schreibplatz in einem alten Dorfhaus inmitten nordisch rauer Landschaft angetragen. Im Wechsel aus konzentriertem Arbeiten und langen Spaziergängen entwickelt sich dort ein fast altmodisch anmutendes Band der Freundschaft zwischen den beiden Männern, während sich ihre jeweiligen Leben zu Hause nicht ohne Komplikationen weiterdrehen.

„Dius“ von Stefan Hertmans ist ein Roman über eine Freundschaft.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Dius und Anton. Anton ist Dozent an der Kunsthochschule. Als eines Tages Dius an seiner Tür klingelt, ist Anton überrascht. Denn er mag es nicht, wenn Studenten in sein Privatleben eindringen. Doch zwischen Anton und Dius entsteht eine Männerfreundschaft.
Als Leser*in lauscht man den Gesprächen der Männer bei ihren langen Spaziergängen und lernt sie dabei gut kennen.

Stefan Hertmans erzählt die Geschichte aus der Perspektive von Anton.
Zu Beginn haben sie ein Verhältnis, wie es zwischen Lehrer und Schüler üblich ist. Doch im Laufe der Geschichte geht es weit darüber hinaus und wird zu einer festen Männerfreundschaft.

Stefan Hertmans hat kraftvolle Charaktere erschaffen. Es hat mir Freude gemacht, Dius und Anton durch ihre Geschichte zu begleiten.
Es wird viel über Kunst gesprochen, ja, es werden ganze Gemälde beschrieben.
Genauso ist es mit der Musik, auch hier werden Arien und Choräle besprochen.

Die Beschreibung der Gemälde oder der Musik, hört sich vielleicht schwer an, ist es aber nicht. Dem Autor ist es gelungen, diese Gespräche leicht in seine Geschichte einfließen zu lassen.

Die Entwicklung der Charaktere hat mich beeindruckt. Anton, der am Anfang eher abweisend und launisch war, entwickelt sich als guter Gesprächspartner und Freund.

Stefan Hertmans erzählt die Geschichte in einem angenehmen Schreibstil. Die Sprache ist kraftvoll.
Die Geschichte fängt in einem gemächlichen Tempo an, das sich im Laufe immer weiter steigert.

„Dius“ ist ein gelungener literarischer Roman, den ich mit Begeisterung gelesen habe.

Was wir wissen können

Ian McEwan
Roman
462 Seiten
Übersetzt aus dem Englischen von Bernhard Robben
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Die Welt in knapp 200 Jahren

Klappentext:
Im Jahr 2119: Die Welt ist überschwemmt, Europa eine Insellandschaft, Freiheit und Reichtum unserer Gegenwart, ein ferner Traum. Der Literaturwissenschaftler Thomas Metcalfe sucht ein verschollenes Gedicht von Weltrang. Der Dichter Francis Blundy hat es 2014 seiner Frau Vivien gewidmet und nur ein einziges Mal vorgetragen. In all den Spuren, die das berühmte Paar hinterlassen hat, stößt Thomas auf eine geheime Liebe, aber auch auf ein Verbrechen.

„Was wir wissen können“ ist wieder einmal ein intelligent verfasster Roman von Ian McEwan.

Der Roman spielt in der Gegenwart 2014 und in der Zukunft 2119.
Ausgangspunkt ist die Suche nach einem verschollenen Gedicht voller Poetik, dass der Dichter Francis Blundy 2014 seiner Frau gewidmet hat. Es ist aber auch ein Lied für das Leben und die Natur.
Professor Thomas Metcalfe macht sich auf die Suche nach dem Gedicht.
Die Welt im Jahre 2119 ist eine andere. Die Prognosen des Klimawandels haben hart zugeschlagen. Europa ist nur noch eine Insel. Auch die anderen Staaten bestehen nicht mehr so wie zu unserer heutigen Zeit. Dafür gibt es aufstrebende Länder in Afrika. Viele Existenzen stehen vor dem Aus.

Ian McEwan beschreibt dieses Szenario so realistisch, dass man es mit der Angst zu tun bekommt. Wer das liest, dem muss jetzt völlig klar sein, es muss etwas geschehen.
Mit dieser Erzählung ist dem Autor eine Glanzleistung gelungen.
Die Forschung der Literatur und der Kultur ist auch ein Teil der Geschichte, die ich unheimlich interessant fand.

Ian McEwan hat mit „Was wir wissen können“ eine komplexe Geschichte geschrieben. Die Themen Umwelt, Literatur, Politik und auch Psychologie fließen mit einer Leichtigkeit in den Text ein. Es macht einfach Freude das Buch zu lesen, auch wenn man sich an einigen Stellen Sorgen um unsere Zukunft macht.

Segen und Glück

Paulo Coelho
Kurzgeschichten
121 Seiten
Übersetzt aus dem brasilianischen Portugiesisch von Maralde Meyer-Minnemann
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

So schön zu lesen

Klappentext:
Ein Nachtfalter verliebt sich hoffnungslos in einen Stern am Himmel. Als er ihn zu erreichen versucht, entdeckt er die Schönheit der Welt. Ein Junge kommt zur Weihnachtsmesse. Er kennt kein einziges Gebet und lehrt die Gemeinde doch die Sprache Gottes. In einem Schneesturm am Heiligen Abend macht ein Mensch die Erfahrung, dass er das Gute nicht erzwingen kann.

„Segen und Glück“ ist eine Sammlung mit wunderschönen Kurzgeschichten von Paulo Coelho.

In diesem Büchlein befinden sich 33 Kurzgeschichten, in denen jede Menge zwischen den Zeilen zu finden ist.
Paulo Clelho versteht es Momentaufnahmen zu vermitteln wie kaum ein anderer. Voller Wärme und Zuversicht erzählt der Autor die Geschichten.

Paulo Clelho erzählt die Geschichten in einem leisen, aber dennoch kraftvollen Ton. Seine Sprache ist dabei manchmal fast poetisch.

Meine liebste Geschichte ist „Die Liebe eines Nachtfalters zu einem Stern“.
Aber eins haben alle Geschichten gemeinsam, sie gehe tief ins Herz.

Nachteule

Ingrid Noll
Roman
302 Seiten
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannend und tiefgründig

Klappentext:
Luisa, 15, als Baby aus Peru adoptiert, wächst behütet in einem wohlhabenden Elternhaus auf. Sie hat eine besondere Fähigkeit: Luisa kann im Dunkeln sehen. Als sie im nahen Wald einen jungen Obdachlosen entdeckt, schließt sie ihn ins Herz. Tim lässt sich von ihr versorgen und sogar verstecken, denn er hat allen Grund, unsichtbar zu bleiben. Durch Luisas Gabe wird sie zur Komplizin und gerät in ein Netz aus Lügen und Verbrechen, das sich immer enger zuzieht.

„Nachteule“ ist der neue Roman von Ingrid Noll.

Im Mittelpunkt steht die 15-jährige Luisa. Als Kind wurde sie aus Peru adoptiert. Luise hat eine besondere Fähigkeit, die in dieser Geschichte eine wichtige Rolle spielt. Sie kann in der Dunkelheit sehen, wie eine Nachteule.

Luisa wächst behütet auf, in der Schule gilt sie als Streberin. Vielleicht ein Grund, warum sie keine Freunde hat. Als sie auf Tim, dem Obdachlosen trifft, entsteht so etwas wie Freundschaft, zumindest was Luisa angeht. Jedes liebe Wort saugt sie auf. Luisa verzogt ihn mit Nahrung und hilft ihm sich zu verstecken. Doch bald wird Luisa zu Tims Komplizin und gerät i einen Teufelskreis.

„Nachteule“ ist eine Mischung aus Kriminalroman und einer Coming of Age Geschichte. Die Geschichte beginnt sehr ruhig, man lernt Luisa erst einmal gut kennen, bis das Tempo der Geschichte sich dann steigert.
Wie von Ingrid Noll gewohnt, sind die Charaktere gut gezeichnet. Sie sind lebendig, mit all ihren Emotionen und Handlungen sehr authentisch. Ich konnte mich sehr gut in Luisa hineinversetzten. Das behütete Familienleben, in dem Luisa aufwächst, bekommt im Laufe der Geschichte Risse.

Ingrid Noll verzählt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. Die Gabe von Luisa, das Sehen in der Dunkelheit wird nicht sonderlich herausgestellt, es fließt eher nebensächlich in die Geschichte ein.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, gut verständlich und fesselnd. Es gibt viele schöne Sätze in der Geschichte, die sich lohnen zu markieren. Ingrid Noll kann einfach gut mit der Sprache umgehen.
Die Geschichte, die harmlos anfängt, nimmt in ihrem Verlauf immer, mehr an Spannung zu. Ich wurde wie durch einen Sog in die Geschichte reingezogen und konnte das Buch nicht aus der Hand legen. So habe ich die Geschichte auch an zwei Abenden gelesen.
„Nachteule“ ist wieder ein tiefgründiger und spannender Roman von Ingrid Noll.

Die Königin von Dirt Island

Donal Ryan
Roman
368 Seiten
Übersetzt aus dem irischen Englisch von Anna-Nina Kroll
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Berührende Familiengeschichte

Klappentext:
Nach dem Tod ihres Mannes bringt Eileen ihre Tochter allein durch und verzweifelt fast, als sich die Geschichte wiederholt und auch ihre eigene Tochter jung und unehelich Mutter wird. Doch in den Frauen der Familie Aylward stecken Kraft und Mut, und es reicht ihnen längst nicht, nur eine Nebenrolle im Leben zu spielen.

„Die Königin von Dirt Island“ von Donal Ryan, ist eine Familiengeschichte, die berührt

Eileen wurde unplanmäßig schwanger. Bevor das Kind zur Welt kommt, heiratet sie noch, doch ihr Mann stirbt kurz nach der Geburt des Kindes. Ihre eigene Familie hat sie verstoßen, da sie schwanger wurde und nicht verheiratet war.
Jetzt muss Eileen das Kind allein großziehen. In ihrer Schwiegermutter findet sie Unterstützung.
Das Schicksal scheint sich zu wiederholen, den auch Eileens Tochter wird ungewollt schwanger.

Donal Ryan hat wundervolle Charaktere erschaffen. Die Freundschaft der Frauen aus drei Generationen der Familie ist herzerwärmend. Eileen, ihre Schwiegermutter die Tochter Saoirse werden gut beschrieben und ich habe sie schnell ins Herz geschlossen.

Die Geschichte wird von Donal Ryan aus weiblicher Perspektive erzählt. Der Autor kann sich sehr gut in die Frauen einfühlen.
Die Geschichte erzählt das Aufwachsen von Saoirse, die auch sehr früh schwanger wird. Sie erzählt von der Freundschaft zwischen Eileen und ihrer Schwiegermutter und von der Liebe Saoirses zu ihrer Großmutter. Es wird aber auch die Schattenseite gezeigt, wie schwer es für Eileen ist allein ein Kind großzuziehen und wie sehr sie das Zerwürfnis mit ihrer Familie belastete.

Der Schreibstil von Donal Ryan ist teilweise poetisch, vor allem aber flüssig, gut verständlich und humorvoll.

„Die Königin von Dirt Island“ ist eine wunderschöne und herzerwärmende Familiengeschichte, die ich mit großer Freude gelesen habe.