Ein grenzenloser Sommer

Ralf Günther
Roman
299 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Kreuzfahrt auf einem DDR-Schiff

Klappentext:
Sommer 1988: Der zwanzigjährige Ronni und die Mittzwanzigerin Sabine lernen sich an Bord der MS Arkona kennen, einem Kreuzfahrtschiff der DDR. Sie ist Jurastudentin und reist in der gehobenen Klasse, er ist ein einfacher Steward. Sie lebt in Frankfurt am Main, er stammt aus Dresden. Ihre Reise führt sie nach Skandinavien, die großen Hafenstädte der Ostsee entlang, mit ausnahmslos westdeutschen Gästen und ostdeutscher Besatzung, mit Bibeln in den Nachtschränken und der Stasi an Bord.
Ronni und Sabine fühlen sich schon bald zueinander hingezogen, obwohl ihre Lebenswelten so unterschiedlich sind. Treffen können sich die beiden nur heimlich. In der Schiffswäscherei tauschen sie sich über ihre Lieblingsfilme aus, über ihre Sorgen, ihre heimlichen Träume. Doch dann wird ihre Beziehung entdeckt, und die Staatssicherheit setzt Ronni unter Druck. Er muss sich entscheiden, für sein Land oder für die Liebe.

„Ein grenzenloser Sommer“ von Ralf Günther erzählt von einem Stück deutscher Geschichte, die mit bisher unbekannt war.

Das Kreuzfahrtschiff Arkona fährt unter der Flagge der DDR. Die Besatzung an Bord stammt aus Ostdeutschland, die Gäste aus dem Westen. Man kann das Schiff ganz einfach über die TUI buchen.
Ronni, der aus Dresden stammt hat sich einen Traum erfüllt und arbeitet als Steward an Bord, was er auch seinem Onkel, der in der Partei ist zu verdanken hat. Die Reise geht nach Skandinavien. Auf dieser Reise lernen Sabine, eine Jurastudentin aus Frankfurt und Ronni sich kennen. Doch Kontakt zwischen der Besatzung und den Gästen ist nicht erwünscht. Dafür ist die Stasi mit an Bord.

Ralf Günther erzählt in diesem Buch eine kleine Liebesgeschichte, die mich berührt hat. Sabine und Ronnie gefallen mir sehr gut. Ronnie ist in der DDR aufgewachsen und hat das Regime nie infrage gestellt. Doch als er auf dem Schiff Sabine kennen und lieben lernt ändert sich das. Die 10 Tage, die ihnen auf dem Schiff zusammen vergönnt sind, sind für sie wie ein grenzenloser Sommer.

Die Atmosphäre vermittelt Sommer und Freiheit. Aber es gibt auch beängstigende Momente, den Ronnie steht im Blick der Stasi.
Die politischen Hintergründe sind interessant zu lesen und waren mir bisher unbekannt. Die MS Arkona fuhr einst unter westlicher Flagge und hieß MS Astor: Sie war das erste Schiff der Serie Traumschiff. Um an Devisen zu kommen, verkaufte die DDR, nachdem das Schiff in ihrem Besitz war, die Passagen an die westdeutsche Bevölkerung.

Gut überwacht von der Stasi, sollte vermieden werden, dass die Besatzung und die Gäste zu viel Kontakt bekommen, oder gar in einem westlichen Hafen von Bord flüchten.

Die Geschichte wird sehr interessant von Ralf Günther erzählt. Ich bin schnell tief in der Geschichte versunken.
Der Schreibstil des Autors ist flüssig, gut verständlich und fesselnd.

„Ein grenzenloser Sommer“ ist ein interessanter Roman und so viel mehr als eine romantische Liebesgeschichte.

Als wir von Schönheit träumten

Ines Thorn
Historischer Roman
362 Seiten
erschienen im Aufbau Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar.

Lebendige Familiengeschichte

Leipzig, 1959:
Die zwei Schwestern Annekathrin und Hanka haben Träume.
Annekathrin möchte Fotografin werden und Hanka möchte gerne Modedesignerin werden.
Die Schwestern wachsen in der DDR auf und müssen spüren, dass sich ihre Träume nicht so einfach verwirklichen lassen.
Die Gründerin der Modezeitschrift „Sibylle“ wird auf Hanka und ihre Entwürfe aufmerksam. Sie möchte Hanka als Mannequin engagieren.
Mit dem Geld was Hanka als Mannequin verdient kann sie sich eine Ausbildung an der Hochschule finanzieren.
Die beiden Schwestern Träumen weiter von einer glorreichen Zukunft doch es kommt anders als sie gedacht haben.

„Als wir von Schönheit träumten“ ist eine lebendige Familiengeschichte von Ines Thorn.
Die Autorin hat mir mit ihren Geschichten schon viele schöne Lesestunden geschenkt und auch der neue Roman ist wieder das reinste Lesevergnügen.

Die Lesenden begleiten die Familie Salomon durch die Jahre 1959 – 1971.
Eins hatten Rudi und Elli eine Maßschneiderei und waren bekannt für ihre ausgefallenen Modelle. Die Reichen und Schönen zählten zu ihrer Kundschaft.
Auch ihrer Tochter Hanka liegt das Nähen im Blut. Sie träumt davon ihre Mode einmal in Paris vorzustellen.
Doch nach dem Bau der Mauer wird es zusehend schwerer.
Im Modeatelier bleibt die Kundschaft weg.
Schöne und hochwertige Stoffe sind kaum noch zu bekommen.
Annekathrin träumt weiter davon Fotografin zu werden und Hanka bekommt die Chance als Mannequin Geld zu verdienen.
Beiden kommen Männer in die Quere und sie müssen eine Entscheidung für die Zukunft treffen.

Die Familie Salomon habe ich sehr schnell ins Herz geschlossen. Sowohl die Eltern Rudi und Elli wie auch die Töchter Annekathrin und Hanka sind tolle und liebenswerte Charaktere.
Die Töchter haben unterschiedliche Vorstellungen was ihren Lebensweg angeht.
Aber beiden werden vom Staat Steine in den Weg gelegt.
Den Zusammenhalt der Familie spürt man deutlich.
Die Eltern treten in die Partei ein um die Zukunft der Kinder einfacher zu machen.
Vielleicht können sie so ihre Träume doch verwirklichen.

Ich habe die Familie gerne begleitet, habe mit ihnen gelitten, mit ihnen gezittert und mich natürlich auch mit ihnen gefreut.

Ines Thorn erzählt ihre Geschichte sehr lebendig und bildhaft.
Das Leben in der DDR wird authentisch und ehrlich widergespiegelt.
Auch als Mensch der in Westdeutschland aufgewachsen ist, bekommt man einen guten Einblick vom Leben in der DDR vor und nach dem Mauerbau.
Die Autorin erzählt die Geschichte fesselnd und mitreißend. Ich habe das Buch nach wenigen Seiten nicht mehr aus der Hand legen können und es in 2 Tagen verschlungen.