Der Club der Unbeugsamen

Kathryn Stockett
Historischer Roman
840 Seiten
erschienen im btb Verlag
Übersetzt aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein atmosphärischer und berührender Roman

Klappentext:
Oxford, Mississippi, 1933. Während die Wirtschaftskrise die Welt in Atem hält, kreuzen sich in einer kleinen Stadt die Wege dreier ungewöhnlicher Frauen. Sie erkennen, dass sie gemeinsam etwas bewegen können, vielleicht sogar die Regeln ihrer Zeit verändern. Um ihre Ziele zu erreichen, gehen erstaunliche Risiken ein. Denn sie haben eines gemeinsam: Sie haben wenig zu verlieren.
Die elfjährige Meg, deren Mutter einst an Weihnachten verschwand, hat auf die harte Tour gelernt, sich auf niemanden zu verlassen. Nun zählt sie zu den »großen Mädchen« im Waisenhaus und kämpft jeden Tag um ihre Würde. Birdie Calhoun, unverheiratet und unverblümt, ist nach Oxford gekommen, um ihre wohlhabende Schwester um etwas Geld zu bitten. Doch sie merkt schnell: Das High-Society-Leben ist nichts als ein Geflecht aus Lügen. Dann begegnet Birdie Charlie, einer Frau, die mit dem Rücken zur Wand steht. Als sich die Schicksale der drei kreuzen, schmieden sie einen kühnen Plan, um einzufordern, was ihnen zusteht. Doch in einer heuchlerischen Zeit, in der die Freiheit von Frauen zerbrechlich ist, kann selbst der kleinste Akt des Widerstands gefährliche Folgen haben.

„Der Club der Unbeugsamen“ von Kathryn Stockett erzählt die Geschichte von 3 Frauen, die etwas verändern wollen.
15 Jahre nach ihrem großen Erfolg „Gute Geister“ ist nun endlich ein neues Buch von Kathryn Stockett erschienen.
„Gute Geister“ ist bis heute eins meiner Lieblingsbücher. Das neue Werk von Kathryn Stockett ist also ein MUSS für mich.

Drei ungewöhnliche Frauen treffen an einem Wendepunkt ihres Lebens aufeinander und spüren schnell, dass sie etwas bewegen, etwas verändern können.

Da ist Margot, genannt Mag. Sie lebt im Waisenhaus, wo sie von der Leiterin gerne schikaniert wird.
Birdie Calhoun ist 24 Jahre. Sie lebt bei ihrer Großmutter und ihrer Mutter. Durch die Wirtschaftskrise und ihre Folgen geht es ihnen finanziell schlecht. Sie soll zu ihrer Schwester Frances nach Oxford, um sie zu bitten, die Familie zu unterstützen.
Aber auch die wohlhabende Frances bekommt im Laufe der Geschichte die Wirtschaftskrise zu spüren.
Später taucht Charlie auf, die Mutter von Meg, die einst verschwunden ist und ihre Tochter zurückgelassen hat.

Kathryn Stockett zeichnet ein Bild quer durch die Gesellschaftsschichten. Es ist die Zeit, der Wirtschaftskrise, die bei allen Gesellschaftsgruppen zu spüren ist.
Die Autorin verarbeitet in ihrer Geschichte Themen wie Rassenunterschiede, Adoption und Armut.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und wirken lebendig. Ich habe die Frauen gerne begleitet und ihre Entwicklung miterlebt. Mir waren die Frauen schnell sympathisch. Die Geschichte ist in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts angesiedelt. Eine Zeit in der die Frauen noch ziemlich unterdrückt wurden. Es gab aber auch immer wieder Frauen, wie hier in der Geschichte, die über sich hinauswuchsen und etwas zu verändern versuchten.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Meg und Birdie erzählt. Die Sicht der zwei unterschiedlichen Frauen macht die Geschichte recht kurzweilig.
Man bekommt beim Lesen schnell das Gefühl, die Frauen schon lange zu kennen.

Auch die verschiedenen Handlungsorte werden sehr anschaulich beschrieben.

Der Schreibstil von Kathryn Stockett ist flüssig, gut verständlich und fesselnd. Die Geschichte wird von der Autorin immer wieder mit Humor aufgelockert.
Man braucht also keine Angst vor dem Buch mit 840 Seiten zu haben. Die Seiten fliegen nur so dahin und plötzlich ist man am Ende der Geschichte angelangt.

„Der Club der Unbeugsamen“ ist für mich wieder ein echtes Highlight von Kathryn Stockett und wird sich bei meinen Lieblingsbüchern einreihen, wie schon „Gute Geister“.

Die Briefträgerin

Francesca Giannone
Historischer Roman
504 Seiten
erschienen im btb Verlag
Übersetzt aus dem Italienischen von Ingrid Ickler
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine beeindruckende Familiengeschichte

Klappentext:
Lizzanello, ein beschauliches Dorf, in dem sich alle kennen: Als Anna und Carlo hier 1934 frisch vermählt mit dem Bus aus dem Norden eintreffen, freut sich Carlo, endlich zurück in seiner Heimat zu sein. Doch Anna denkt darüber nach, was für ein Leben sie als Norditalienerin in dem kleinen Ort erwartet, in dem ganz eigene Gesetze herrschen. Allen Widerständen zum Trotz geht Anna mutig und entschlossen ihren eigenen Weg – und bringt als erste Briefträgerin frischen Wind nach Lizzanello. Über zwanzig Jahre lang, erst zu Fuß, dann mit dem Fahrrad, trägt sie die Post aus: Ansichtskarten von Emigranten, Briefe von Soldaten an der Front, Mitteilungen von heimlichen Liebhabern. Und irgendwann muss sie sich fragen, wie lange sie eigentlich noch ihre eigenen
Gefühle verbergen kann, die sie seit Jahren für den Bruder ihres Ehemanns empfindet.

„Die Briefträgerin“ ist der große Erfolgsroman von Francesca Giannone.
Inspiriert wurde die Autorin vom Leben ihrer Urgroßmutter.
Wie man es sonst nur in Romanen liest, hat Francesca Giannone in ihrem Elternhaus eine 100 Jahre alte Visitenkarte, Briefe, Fotos und Dokumente ihrer Urgroßmutter gefunden. Damit war ihre Neugierde geweckt und sie begann zu recherchieren.

Die Geschichte beginnt mit dem Tod der Briefträgerin und dann wird ihre Geschichte erzählt.
Anna und Carlo sind frisch verheiratet, als sie 1934 von Norditalien zurück in die Heimat von Carlo, Süditalien, gekommen sind.
Anna ist eine selbstbewusste junge Frau und fragt sich, was sie hier in diesem kleinen Ort erwartet.
Sie nimmt sich vor, ihren eigenen Weg zu gehen, und wird Briefträgerin. Über Jahrzehnte bringt sie den Einwohnern von Lizzanello täglich die Post.
Dabei lernt sie die Bewohner des kleinen Orts und auch so manches Geheimnis immer besser kennen.
Auch Anna verbirgt ein Geheimnis: seit ihrer Ankunft in Lizzanello hegt sie Gefühle für Antonio, den Bruder ihres Ehemanns.

Francesca Giannone hat eine ganz wunderbare Art, die Geschichte zu erzählen. Die Autorin erzählt hier nicht vorwiegend die Geschichte von Anna, der Briefträgerin, sondern eine Familiengeschichte.
Ich wurde ganz schnell von der Geschichte und den Charakteren gefangengenommen.

Die Charaktere wirken lebendig. Anna ist mir schnell sympathisch gewesen. Je mehr ich gelesen habe, umso mehr hatte ich das Gefühl, Anna persönlich zu kennen.
Auch die anderen Charaktere Carlo und sein Bruder Antonio gefallen mir gut.
Die Bewohner des kleinen Orts lernt man durch Anna langsam kennen. Zu Beginn waren sie nicht begeistert, dass Anna die Stelle als Briefträgerin angetreten ist.

Der Schreibstil von Francesca Giannone ist flüssig, gut verständlich und fesselnd.
Der Handlungsort Süditalien wird sehr anschaulich beschrieben. Das süditalienische Flair wird gut vermittelt.

„Die Briefträgerin“ wird ohne Zweifel zu meinen Jahreshighlights gehören.

Das Unwetter

Brit Bildøen
Roman
234 Seiten
erschienen im btb Verlag
Übersetzt aus dem Norwegischen von Frank Zuber
Meine Bewertung:
3 von 5 Sternen

Vielen Dank an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar

Hat mich nicht richtig überzeugt

Klappentext:
Ein abgelegenes Hotel in den norwegischen Bergen: Die Goldene Hochzeit der Eltern ist für Dorte und ihre zwei Geschwister Anlass für eine mehrtägige Familienfeier Ende Oktober. Doch ein dramatischer Dauerregen drückt auf die Stimmung, ein Bergrutsch hat zudem die Straße für die Rückfahrt blockiert. Als zwei Jäger im Hotel stranden, wird die Atmosphäre immer angespannter. Was hatten die beiden Männer bei diesem Unwetter vor, womöglich eine illegale Wolfsjagd? Und warum verhält sich der gutmütige Familienhund so merkwürdig, seit er die Jäger beschnüffelt hat? Im Laufe eines einzigen Abends spitzt sich die Lage zwischen allen Beteiligten dramatisch zu

„Das Unwetter“ von Brit Bildøen ist ein Roman mit einem spannenden Plot, der mich in der Umsetzung nicht richtig überzeugen konnte.

Das Szenario ist ein abgelegenes Hotel, in dem eine Familienfeier stattfindet. Ein Unwetter und ein Bergrutsch sorgen dafür, dass alle Straßen blockiert sind. Außer der Familie sind noch zwei mysteriöse Jäger im Hotel gestrandet. Es stellt sich die Frage, was hatten die Jäger vor. Und schon spitzt sich die Lage allmählich.

Die Charaktere sind mir nicht wirklich nahegekommen und waren mir auch nicht sehr sympathisch. Die Familie kam mir sehr oberflächlich vor, vor allem Dorte hat mich etwas genervt. Sie legte den Fokus nur auf die Familienfeier und die genau nach Plan laufenden Vorbereitungen. Zwischendurch hatte sie nur Gedanken für den Hotelbesitzer.

Auch wenn der Plot spannend klang, setzte bei mir keine Spannung ein. Als der Hund der Familie vergiftet wurde, da dachte ich kurz jetzt aber. Doch außer der etwas zu langen Beschreibung des Todes passierte nichts.

„Das Unwetter“ war für mich etwas enttäuschend, vielleicht liegt es daran, dass ich die letzte Zeit viele Bücher gelesen habe, bei denen ein einsamer und abgeschnittener Ort mit einem schrecklichen Szenario verknüpft wurde.

Das mich das Buch nicht fesseln konnte ist meine persönliche Meinung. Ich bin sicher, dass die Geschichte ihre Liebhaber finden wir.

Weich fällt der Schnee

Ragnar Jónasson
Kurzgeschichten
182 Seiten
erschienen im btb Verlag
Übersetzt aus dem Isländischen von Andreas Jäger und Anika Wolff
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar

Weihnachtliche Kriminalgeschichten

„Weich fällt der Schnee“ ist eine Sammlung von Kurzgeschichten von Ragnar Jónasson.

Das Buch beinhaltet 17 Kurzgeschichten, die alle ihre Handlung in Island verankert haben.
Unter anderem hegt es um ein Weihnachtsrätsel, verschneite Berghütten und mörderische Geständnisse an Heiligabend.
Fleißige Leserinnen, der Kriminalromane von Ragnar Jónasson werden auch auf bekannte Charaktere treffen. Hulda und auch der junge Polizist Ari sind zwei Charaktere die den Leserinnen in den Geschichten begegnen.

Die Geschichten sind recht unterschiedlich. Die Nähe zu Weihnachten haben sie gemeinsam, wie auch die dunkle und kalte Atmosphäre.

Ragnar Jónasson erzählt die Kurzgeschichten unterhaltsam. Man kann das Buch in einem Rutsch auslesen oder sich täglich eine Geschichte vornehmen.

„Weich fällt der Schnee“ ist die passende Lektüre für lange Herbst- oder Winterabende.

Blut

Yrsa Sigurdardóttir
Thriller
379 Seiten
erschienen im btb Verlag
Übersetzt aus dem Isländischen von Anika Wolff
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar

Eiskalter Island Thriller

Klappentext:
Ein Fisch-Trawler vor der Küste Islands: Hier wurde die Köchin Gunndís kurzfristig als Aushilfe angeheuert. Doch von Anfang an bemerkt die junge Frau eine feindselige Stimmung an Bord. Kann es an ihrem Vater liegen, der vor vielen Jahren als Schiffskoch für einen verhängnisvollen Brand verantwortlich gemacht wurde? Mehrere Mitglieder der jetzigen Crew haben damals ihre Väter verloren, Gunndís ebenso. Will sich die Besatzung jetzt an ihr rächen? Doch dann entdeckt sie im Schiff geheime Unterlagen, die darauf hindeuten, dass ihr Vater damals gar nicht der wahre Schuldige war, sondern der Brand eine ganz andere Ursache hatte …

Blut“ ist der neue Thriller aus Island von Yrsa Sigurdardóttir.

Gundis, die auf einem Fisch-Trawler als Köchin arbeitet, wird von der Mannschaft angefeindet. Auch ihr Vater hat einst als Koch auf diesem Schiff gearbeitet. Allerdings ist damals ein Brand an Bord ausgebrochen und einige Männer kamen ums Leben. Ihr Vater wurde damals für den Brand verantwortlich gemacht.

Yrsa Sigurdardóttir versteht es spannende Plots zu entwerfen. Dieses Buch fängt erst einmal ruhig und langsam an. Es gibt zwar ein Skelett, das gefunden wird, aber Spannung baut sich nur langsam auf.
Dafür ist die Atmosphäre an Bord ist feindselig und etwas spuki.
Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig. Man kann keinen der Protagonisten richtig durchschauen, allen mutet etwas Geheimnisvolles an.
Nach einiger Zeit steigt die Spannung und Yrsa Sigurdardóttir baut immer wieder überraschende Wendungen in ihre Geschichte ein.
Ich hatte viele Fragen beim Lesen der Geschichte, auf die ich bis zum Ende keine Antwort fand. Doch zum Ende wurde alles aufgeklärt und ich konnte die Buchdeckel zufrieden zuklappen.

Hulda

Ragnar Jónasson
Thriller
270 Seiten
erschienen im btb Verlag
Übersetzt aus dem Isländischen von Anika Wolff
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar

Hulda-wie alles begann

Klappentext:
Island, November 1980: Die junge, unerschrockene Polizistin Hulda Hermannsdóttir erhält eines Abends einen Anruf von ihrem Vorgesetzten. In einer abgelegenen Jagdhütte im Norden des Landes wurde ein Teddybär gefunden, möglicherweise ein Hinweis auf einen seit langer Zeit ungelösten Fall eines vermissten Kindes. Hulda macht sich mit einer Kollegin sofort auf den Weg in das abgelegenene und dünn besiedelten Tal. Doch dort empfängt man sie alles andere als freundlich. Außerdem merkt Hulda, dass ihre neue Kollegin sehr ehrgeizig ist und sich zu einer direkten Konkurrentin entwickelt.

„Hulda“ ist der 4. Band der „Hulda-Reihe“ von Ragnar Jónasson.

Es geht zurück in das Jahr 1980. Hulda Hermannsdóttir hat es als Frau schwer bei der Polizei. Doch endlich winkt ihr eine Beförderung. Sie muss nur diesen kniffligen Fall lösen. Vor 20 Jahren wurde ein Baby aus dem Haus der Eltern entführt. Es gab nie ein Anzeichen, wo das Kind stecken könnte. Doch jetzt nach 20 Jahren ist der Teddybär des Kindes aufgetaucht. Vielleicht bring dieser Fund Licht ins Dunkel und Hulda kann herausfinden wo das Kind, das heute ein erwachsener Man sein muss, sich aufgehalten hat.
Zusammen mit ihrer Kollegin Áfrún macht Hulda sich auf den Weg in eine abgelegene Gegend, um die Ermittlungen zu starten.

Die Geschichte ist ganz nach Art von Ragnar Jónasson spannend erzählt.
Hulda die ich aus der Reihe schon gut kenne ist sympathisch. In diesem 4. Band, der vor den anderen Bänden angesiedelt ist, hadert Hulda mit ihrer Ehe. Sie fühlt sich zu Isak, einem der Personen im Kreise der Ermittlungen hingezogen.
Hulda und Áfrún haben Zimmer auf einem Bauernhof bezogen. Dort lernen sie nach und nach die Menschen kennen, die bei dem Fund des Teddys vor Ort waren. Für mich haftet jedem der Personen etwas Rätselhaftes an. Für mich hätte jeder der Personen, natürlich außer den zwei Söhnen, der Familie wo Hulda und Áfrún wohnen etwas mit der Entführung des Kindes zutun haben können. Nur warum? Auch den Vater des verschwundenen Kindes lernen die Leser*innen kennen. Er hat nach all den Jahren mit der Sache abgeschlossen und möchte die Ermittlungen eigentlich gar nicht. Doch das Reden über seinen verschwundenen Sohn fällt ihm auch heute noch schwer.

Ragnar Jónasson hat eine geheimnisvolle und prickelnde Atmosphäre geschaffen. Der Schreibstil des Autors ist flüssig, gut verständlich und fesselnd. Am Ende nimmt die Geschichte eine Wendung ein, mit der ich nicht gerechnet habe,

„Hulda“ ist wieder ein Thriller von Ragnar Jónasson, den ich nicht aus der Han legen konnte.

Haltlos

Sarah Nisi
Psychothriller
348 Seiten
erschienen im btb Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannender Psychothriller

Klappentext:
Sie wurde getötet. Du hast es gesehen. Doch du kannst dich nicht erinnern … Emily führt in London seit Monaten das Leben einer Außenseiterin. Sie kann ihren Alltag nicht mehr bewältigen, musste ihr Studium aufgeben. Vor drei Monaten starb ihre Freundin Liv beim Sturz auf die U-Bahn-Gleise. Emily stand neben ihr, doch erinnern kann sie sich nicht. Das Trauma hat eine Amnesie ausgelöst. Während die Polizei von einem Unfall ausgeht, spürt Emily, dass dies nicht die ganze Wahrheit ist. Sie muss einen Weg finden, um ihr Gedächtnis zurückzuholen. Doch warum reagieren alle, mit denen sie darüber spricht, so ausweichend? Und was, wenn etwas ans Licht käme, das sie selbst belasten würde? Emily beginnt nachzuforschen, ohne zu ahnen, in welcher Gefahr sie bereits schwebt.

„Haltlos“ ist ein spannender Psychothriller von Sarah Nisi.

Im Mittelpunkt steht Emily. Ihre beste Freundin Liv wurde auf die U-Bahn-Gleise -gestoßen. Emily war dabei, doch durch das erlebte Trauma lässt ihr Gedächtnis sie im Stich. Sie kann sich an nichts erinnern, in ihrem Inneren weiß sie aber das Liv gestoßen wurde. Emily hat Panikattacken und Angststörungen, sie bekommt Medikamente, die sie beruhigen sollen.
Die Polizei findet keine Hinweise darauf, dass Liv auf die Gleise gestoßen wurde und geht von einem tragischen Unfall aus.
Emily versucht alles, um sich wieder zu erinnern. Sie besucht immer wieder den Unfallort, ohne das die Erinnerung wieder kommt. Dabei ahnt sie nicht, in welcher Gefahr sie selbst schwebt.

Sarah Nisi spielt mit der Psyche ihrer Leser*innen. Es muss kein Blut fließen um Spannung zu erzeugen, das schafft die Autorin mit ihren Worten und mit dem, was sich im Kopf der Leser*innen abspielt.
Die Charaktere sind facettenreich und interessant. Emily als beste Freundin von Liv ist mir beim Lesen am nächsten gekommen. Sie löst die Wohnung von Liv aus und findet ihr Tagebuch. Daraus fließen einzelne Frequenzen in die Geschichte ein. Auch auf Livs Nachbar Shakes treffen wie Leser*innen. Er ist ein Kleinkrimineller, der in Gefängnis saß. Bei ihm hatte ich ein genauso ungutes Gefühl wie Emily.

Sarah Nisi erzählt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. So dauert es eine Weile, bis man sich ein Gesamtbild der Situation machen kann. Da Emily ja keine Erinnerung hat, erfahren die Leser*innen auch immer nur Bruchstückhaft was Emily meint, was passiert ist.
Die Autorin hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Sie baut schnell Spannung auf und hält sie auch über das gesamte Buch aufrecht. Immer wieder gibt es Wendungen und so kommt man einfach nicht an die Hintergründe des Geschehens. Ich konnte dadurch das Buch kaum aus der Hand legen. Die Atmosphäre und das Gefühl von Emily, die keine Erinnerung mehr hat, wird den Leser*innen gut vermittelt. Man spürt wie schrecklich und wie schuldig Emily sich fühlt. Konnte sie doch den Tod ihrer Freundin nicht verhindern.

„Haltlos“ ist ein spannender Psychothriller, den ich gerne gelesen habe.


Pineapple Street

Jenny Jackson
Roman
379 Seiten
erschienen im btb Verlag
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Barbara Schaden


Vielen Dank an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine Familie in New York

Klappentext:
Die Pineapple Street in Brooklyn Heights ist eine der begehrtesten Wohngegenden in New York City und Heimat der wohlhabenden Familie Stockton. Obwohl sie alles haben, was sie sich wünschen, suchen die Töchter Darley und Georgiana und Schwiegertochter Sasha nach Erfüllung in ihrem Leben.


„Pineapple Street“ von Jenny Jackson ist ein Roman der durch seine Protagonisten lebt

Im Mittelpunkt stehen 3 Frauen der Familie Stockton. Der Schauplatz ist New York und da die begehrte Wohngegend Brooklyn Hights.

Darley, die älteste Tochter, ist im Wohlstand aufgewachsen und hatte noch nie Geldsorgen. Aus Liebe zu ihrem Mann Malcom hat sie auf das Geld der Familie verzichtet. Sie hat zwei Kinder und geht in ihrer Mutterrolle auf. Doch manchmal vermisst sie nach alledem Kinder bespaßen ihren Beruf.

Georgina ist die jüngste der Stockton Kinder. Sie verliebt sich unsterblich in einen Kollegen, der sie kaum beachtet. Sie durchlebt in der Geschichte die größte Entwicklung.

Sasha hat in die Stockton-Familie eingeheiratet. Zusammen mit ihrem Mann Cord beziehen sie das Haus in der Pineapple Street, in dem bis vor kurzem noch die Eltern von Cord gewohnt haben. Tilda und Chip Stockton haben sich in der Orange Street neu eingerichtet und die ganze Einrichtung in der Pineapple Street gelassen. Sasha fühlt sich aus der Familie ausgeschlossen, nicht zugehörig. Dazu kommt noch, dass sie sich nicht traut das Haus nach ihren Wünschen zu gestalten.

Die Geschichte lebt durch ihre Protagonisten. Jenny Jackson bring die Charaktere ihren Leser*innen sehr nahe. Die Autorin erzählt die Geschichte auch abwechselnd aus der Perspektive der 3 Frauen. Das macht die Geschichte facettenreich. Ich kann nicht sagen welche Person mir am sympathischsten war, ich mochte sie alle 3, jede auf ihre eigene Art.
Wenn die Familie aufeinander trifft, musste ich oft Schmunzeln. Tilda und Chip sind manchmal etwas skurril aber auch liebenswert. Sie lieben Mottopartys und dabei muss alles bis auf das i-Tüpfelchen stimmen.

Im Laufe der Geschichte spüren die Leser*innen, dass auch die gutbetuchten Menschen ihre Probleme haben. Sie haben zwar keine Geldsorgen, aber manchmal Schwierigkeiten die richtige Stellung in ihrem Leben einzunehmen. Auch das Thema Familie, Freundschaft und Zusammenhalt wird in dieser Geschichte angesprochen.

Jenny Jackson erzählt die Geschichte mit einem lockeren Schreibstil. Dabei hat mich die Geschichte so gefesselt, dass ich das Buch oft nicht aus der Hand legen konnte.

„Pineapple Street“ ist die Geschichte einer Familie der upper class, die mich abwechselnd zum Nachdenken und zum Schmunzeln gebracht hat. Eine richtig tolle Geschichte mit liebenswerten Charakteren.

Wintersturm

Ragnar Jónasson
Thriller
278 Seiten
erschienen im btb Verlag
Übersetzt aus dem Isländischen von Anika Wolff
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannender Island Thriller

Klappentext:
Ein gnadenloser Schneesturm, ein mysteriöser Todesfall und eine Wahrheit, die einen düsteren Schatten auf die nördlichste Stadt Islands wirft. Ari Arason, Polizeiinspektor im beschaulichen Siglufjörður, freut sich auf seinen dreijährigen Sohn, der die meiste Zeit bei Aris Exfreundin in Schweden wohnt. Obwohl sich ein Unwetter ankündigt, wollen sie die Ostertage als Familie zu dritt verbringen. Doch ein rätselhafter Todesfall nimmt Ari unerwartet in Anspruch: Ein neunzehnjähriges Mädchen ist von einem Dach gestürzt, der letzte Eintrag in ihrem Tagebuch deutet darauf hin, dass es kein Unfall war. Ari ist hin- und hergerissen zwischen beruflicher Pflicht und dem Wunsch, bei seinem Sohn zu sein. Er unterschätzt dabei, die sich immer mehr zuspitzende Gefahr durch Schneeverwehungen. Der eisige Wintersturm schneidet Siglufjörður von der Außenwelt ab. Die Aufklärung des Falls wird für Ari lebensbedrohlich.

„Wintersturm“ ist der 6. Band der Dark-Iceland-Reihe von Ragnar Jónasson.
Seit dem 5. Band „Schneetod“ ist einige Zeit vergangen.

Ari vermisst Tómas, der mittlerweile ganz nach Reykjavik gegangen ist. Über seine eigene Zukunft ist er sich auch nicht sicher, soll er in Siglufjörður bleiben, wo er jetzt die Polizeidienststelle leitet. Da ist aber seine Karriere am Ende angelangt. Oder soll er vielleicht auch wieder zurück nach Reykjavik.
Seine Exfreundin studiert mittlerweile in Schweden, somit sieht Ari seinen Sohn, der mittlerweile 3 Jahre ist selten.
Über die bevorstehenden Ostertage will seine Exfreundin Kristin mit Sefnir nach Siglufjörður kommen. Ari hat sich die Tage freigenommen, um sie mit seiner Familie zu verbringen.
Ausgerechnet in der Nacht vor Kristins Ankunft stürzt sich ein neunzehnjähriges Mädchen vom Dach eines Hauses. Alles sieht nach einem Suizid aus. Doch die Mutter des Mädchens drängt Ari zu ermitteln, wo es eigentlich nichts zu ermitteln gibt. Ari versucht die Ermittlungen und die Zweisamkeit mit seinem Sohn unter einen Hut zu bringen. Zu allem Übel wird auch noch ein Wintersturm vorausgesagt und Kristin drängt auf eine frühere Abreise.

Die Protagonisten sind interessant und einige aus den vorherigen Bänden schon bekannt.
Ari hat im Laufe der 6 Bände eine große Entwicklung durchlebt. Er ist reifer und älter geworden. Über seine Zukunft macht er sich Gedanken. Dass er mit Kristine wieder zusammenkommt, da glaubt er nicht mehr dran. Aber seinen Sohn möchte er so oft wie möglich sehen.

Der Fall, in dem den Ari ermittelt, wird spannend erzählt. Für Ari ist es eigentlich gar kein Fall, sondern Selbstmord. Doch wie will man das einer verzweifelten Mutter erklären? So fühlt sich Ari verpflichtet im Umfeld des Mädchens zu recherchieren.
Seinem neuen Mitarbeiter Ögmundur fehlt noch die Erfahrung. Er kam direkt von der Polizeischule nach Siglufjörður. Die Zusammenarbeit ist für Ari noch nicht ideal.

Ragnar Jónasson weiß, wie er Spannung aufbauen kann.
Die Atmosphäre in dem kleinen Ort bringt er den LeserInnen sehr gut näher. Schnee, Schneeverwehungen, Eis und Kälte sind zu spüren.
Die Erzählweise des Autors ist unterhaltsam, das Tempo am Anfang gemächlich, zieht aber zum Ende hin an.

„Wintersturm“ ist zwar der 6. Band der Krimireihe, kann aber auch gut unabhängig gelesen werden.
Kleine Details, die wichtig für den Fortgang der Geschichte sind, werden in die Handlung eingeflochten. Auch wenn man, so wie ich alle Bände gelesen hat, ist das auch eine gute Gedankenstütze.

Jetzt hoffe ich, dass die Reihe weitergeht.

Sommerhaus am See

David James Poissant
Roman
377 Seiten
erschienen im btb Verlag
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Sibylle Schmidt
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine Familiengeschichte mit sehr viel Tiefe

Klappentext:

Die Familie Starling lebt über das ganze Land verstreut, im Sommer aber kommen sie alle in dem kleinen Häuschen am See in North Carolina zusammen. Die Eltern Lisa und Richard stehen nach einer langen Karriere an der Cornell University kurz vor der Pensionierung und wollen das Sommerhaus der Familie verkaufen und sich nach Florida zurückziehen. Diese Entscheidung überrascht ihre beiden erwachsenen Söhne, Michael, einen Verkäufer, und Thad, einen aufstrebenden Dichter. Zusammen mit ihren Lebenspartnern fahren die beiden Brüder für ein letztes Wochenende an den Ort, der mit so vielen schönen Erinnerungen verbunden ist. Doch als ein Kind vor den Augen von Michael ertrinkt, der vergeblich versucht, es zu retten, gerät das über Jahre fein austarierte Gleichgewicht der Familie aus den Fugen. Alle sechs sehen sich auf einmal gezwungen, die Untiefen ihrer eigenen Schwächen und Ängste zu erkunden, sich ihren eigenen Lebenslügen zu stellen. Die drei Tage am See nehmen eine unerwartete Wendung.

„Sommerhaus am See“ von David James Poissant ist eine Familiengeschichte mit viel Tiefe.

Es ist die Geschichte der Familie Starling. Viele Sommer hat sich die Familie bestehend aus den Eltern Lisa und Richard und die Söhne Michale und Thad in ihrem Sommerhaus am See in North Carolina getroffen. Jetzt gehen die Eltern in Pension und wollen das Sommerhaus verkaufen, da sie sich in Florida niederlassen wollen.
Ein letztes Mal fahren Michael und That mit ihren Lebenspartnern in das Sommerhaus. Ein letztes Mal kommt die Familie für ein Wochenende im Haus am See zusammen.
Ein unerwarteter Vorfall bringt die Familie aus dem Gleichgewicht und alle Probleme werden aufgedeckt.

3 Tage dürfen die Leser*innen die Familie im Sommerhaus begleiten. In den 3 Tagen kommt sehr viel ans Licht.
In der Familie geht es nicht so harmonisch zu wie am Anfang vielleicht vermutet. Vieles ist verdrängt worden und kommt jetzt zu Tage.

David James Poissant erzählt von Eifersucht und Rivalität in der Familie, von Alkoholproblemen, Geheimnissen und Homosexualität.
Sehr gut zeichnet der Autor anhand der Familie ein Bild der verschiedenen Sichten. Die Eltern sind Akademiker, Michael ist Verkäufer in einer Mall und unzufrieden mit seinem Job und Thad ist ein erfolgreicher Dichter.

David James Poissant erzählt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. Hier kommen nicht nur die Familienmitglieder sondern auch die Lebenspartner Diane und Jake zu Wort. Der Perspektivwechsel macht die Geschichte vielschichtig und interessant.

David James Poissant hat eine flüssigen und leicht verständlichen Schreibstil. Er erzählt die Geschichte in einer kraftvollen und doch feinfühligen Art und Weise.

„Sommerhaus am See“ hat mich so gefesselt, dass ich es an 2 Abenden gelesen habe.