Wenn wir Frauen uns einige wären

Jule Marek
341 Seiten
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Jule Marek für das Rezensionsexemplar

Zusammen sind wir stark

Klappentext:
Im kleinen Ort Richport an Floridas Küste kämpft jede Frau für sich:
Lenie schweigt und ordnet sich unter, um Harmonie zu wahren.
Sena macht, was nötig ist, um wirtschaftlichen Erfolg zu sichern.
Rics stürzt sich in jeden Konflikt, um weibliche Selbstbestimmung zu verteidigen.
Als Kenneth seine Verlobte Lenie aalglatt übergeht, stellt Rics sich ihm vehement in den Weg. Doch ihr Widerstand hat Folgen: Der einflussreiche Anwalt setzt sie unter Druck. Und Sena und Lenie sehen durch Rics ihre Ziele bedroht. Erst als die vierzehnjährige Madlin Schutz braucht, wird klar, wie hoch der Preis für Schweigen und Anpassung ist. Gelingt es den Frauen rechtzeitig, ihre gemeinschaftliche Stärke zu erkennen und aufeinander zu vertrauen?

„Wenn wir Frauen uns einig wären“ von Jule Marek, ist ein Roman, der aufzeigt, dass Frauen, wenn sie zusammenhalten, viel bewirken können.

Im Mittelpunkt stehen vier Frauen, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird.

Lenie ist Lehrerin und in Richport beliebt. Leni passt sich gerne überall und jedem an. Jetzt wagt sie sich aus ihrem Schneckenhaus und möchte von ihrem Verlobten Kenneth einen Hochzeitstermin. Doch der hat zurzeit andere Prioritäten.

Sena führt das Diner in Richport. Sie ist ganz Geschäftsfrau, die rein zweckorientiert handelt und alles dem wirtschaftlichen Erfolg unterordnet.

Rics ist eine kleine Rebellin. Sie scheut keinen Konflikt, um für Gleichberechtigung einzustehen. Dabei macht sie sich bei Anwalt Kenneth, der ihre Tauchschule kaufen möchte, um ein Luxushotel zu bauen, nicht gerade beliebt.

Madlin ist 14 Jahre und verbringt mit ihrem Onkel David ein paar Tage in Richport um Tauchen lernen.
Seit dem Tod ihrer Mutter steht ihr Leben auf dem Kopf. Ihr Vater, der offensichtlich mit dem Tod seiner Frau nicht zurechtkommt, greift oft zum Alkohol und wird dann gewalttätig gegen seine Tochter.
Erst als Madlin sich weigert, wieder nach Hause zu ihrem Vater zurückzukehren, und einfach verschwindet, werden die Erwachsenen wach.
Als Madlin erzählt, was sie bedrückt, stehen die Frauen fest zusammen und erreichen Großes.

Das Herzstück in der Geschichte sind die Charaktere. Die sind von Jule Marek gut gezeichnet und sympathisch.
Anhand der vier Frauen zeigt Jule Marek auf, was Frauen zusammen bewirken können.
Mir hat es gut gefallen, wie die vier so unterschiedlichen Frauen plötzlich wie eine Mauer zusammenstehen.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich. Auch der Handlungsort Richport in Florida wird anschaulich beschrieben.

„Wenn wir Frauen uns einig wären“ ist ein Roman über Frauen, den nicht nur Frauen lesen können.

Filmriss auf Immenhof: Trippel. Trappel. Tot.

Karsten Dusse
Roman
316 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an das Bloggerportal und den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar

Tod auf Immenhof

Klappentext:
Die Kriminalpsychologin Sophia, geschieden, zweifache Teenager-Mutter und frisch getrennt, schenkt sich zum 45. Geburtstag ein Wochenende auf Gut Immenhof, für Sie der sehnsuchtsvolle Inbegriff von heiler Welt und Geborgenheit. Nach einer Retro-Party mit Pony-Romantik und Wodka Red Bull wacht sie allerdings mit einem Filmriss neben der abgetrennten Hand ihres Ex-Freundes auf. Da sie offenbar selbst ein Motiv für die Tat hatte, ermittelt sie lieber gleich gegen sich. Zwischen Kindheitsidyll und Mord rekonstruiert sie die Nacht und findet dabei überraschend zu sich selbst zurück.

Mit seinem Roman „Filmriss auf Immenhof: Trippel. Trappel. Tot.“ entführt Karsten Dusse seine Leser*innen an einen Ort, der einst Filmgeschichte geschrieben hat. Auf den Immenhof.

Karsten Dusse hat wie gewohnt, skurrile Charaktere ins Leben gerufen.
Die Kriminalpsychologin Sophia trägt die Geschichte fast im Alleingang.
Sie erwacht nach einer Retro-Party und neben ihr liegt nicht etwa ihr Ex-Freund, nein, sein Arm liegt neben ihr.
Sophia hat zwar mit dem Gedanken gespielt, ihren Ex zu beseitigen. An den vergangenen Abend kann sie sich jedoch kaum erinnern.
Jetzt ermittelt Sophia gegen sich selbst und arbeitet dabei ihre Vergangenheit auf.

Die Kulisse des Immenhof hat bei mir Kindheitserinnerungen wach werden lassen. Ich habe Immenhof geliebt.
So war die Atmosphäre für mich auch das Kernstück der Geschichte:
Die zuckersüße Nostalgie-Sehnsucht des Immenhof-Hotels habe ich genossen.
Im Gegensatz dazu stand ein Gewaltverbrechen, das aufgeklärt werden muss.
Ein Kontrast zwischen romantischer Nostalgie und skurriler Krimikomödie sorgt für viel Ironie.

Karsten Dusse hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Seinen bösen Humor setzt er punktgenau ein.
Der Roman lebt von scharfzüngigen Dialogen und absurden Einfällen bei der Spurensuche.

„Filmriss auf Immenhof: Trippel. Trappel. Tot.“ Ist eine Krimikomödie mit nostalgischem Hintergrund.

Die Rache trägt Prada

Lauren Weisberger
Roman
432 Seiten
erschienen im Second Chances Verlag
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Regina Rawlinson und Martina Tichy
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Der Teufel kommt zurück

Klappentext:
Zehn Jahre sind vergangen, seit Andrea Sachs dem legendären Modemagazin Runway und seiner gefürchteten Chefin Miranda Priestly den Rücken gekehrt hat. Heute ist Andy eine erfolgreiche Magazinherausgeberin, arbeitet Seite an Seite mit ihrer besten Freundin und steht kurz vor ihrer Traumhochzeit. Endlich scheint ihr Leben genau dort zu sein, wo sie es haben wollte. Doch manche Kapitel lassen sich nicht einfach abschließen und manche Menschen verschwinden nie ganz. Als Miranda Priestly erneut die Bühne betritt, gerät Andys sorgfältig aufgebautes Glück ins Wanken. Denn Miranda hat nichts von ihrer Macht verloren. Und sie bekommt fast immer, was sie will.

„Die Rache trägt Prada“ von Lauren Weisberger wurde vom Second Chances Verlag neu aufgelegt:

Wer den Film gesehen hat, der hat beim Lesen dieses Buchs schnell Bilder im Kopf.

Andrea Sachs und Miranda Priestly sind zurück.
Andrea bringt heute selbst erfolgreich ein Brautmagazin heraus. Emily Charlton, die einst ihre Gegnerin war, ist heute ihre Geschäftspartnerin.
Jetzt steht Andreas Hochzeit mit Max Harrison, einem wohlhabenden Erben eines Medienkonzerns, bevor.
Doch in der Beziehung fängt es an zu kreiseln. Andrea erfährt, dass die Mutter von Max von Beginn an gegen die Beziehung war. Jetzt steht Andrea vor einer großen Entscheidung und zudem ist sie schwanger.
Da betritt Miranda Priestly wieder die große Bühne und diesmal hat sie ein Angebot für Andrea im Gepäck.

Lauren Weisberger hat ihre Charaktere gut gezeichnet. Aufgrund des Films hatte ich als Miranda Priestly immer Meryl Streep vor Augen.

10 Jahre sind vergangen und die Charaktere haben sich verändert.
Andrea ist nicht mehr die naive junge Frau, die sich verbiegt, nur um ihrer Chefin alles recht zu machen, was ein haltloses Unterfangen war.
Sie hat ihre Erfahrungen genutzt und ist heute selbst eine erfolgreiche Herausgeberin eines Magazins.
Emily Charlton, einst ihre größte Feindin, ist heute ihre beste Freundin und Geschäftspartnerin.
Auch Miranda Priestly kehrt zurück auf die große Bühne. Sie beherrscht nicht mehr die ganze Geschichte, hat aber ihre wirksamen Auftritte.

Der Schreibstil von Lauren Weisberger ist flüssig und gut verständlich.
Der Humor der Autorin besticht durch seine Bissigkeit.

Für alle Leser*innen, die den 1. Band „Der Teufel trägt Prada“ lieben, ist der 2. Band „Die Rache trägt Prada“ Pflichtprogramm.

Die Patin von New York

Felicity Whitmore
Roman
349 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Das Erbe der Patin

Klappentext:
Zur feierlichen Enthüllung eines Denkmals für ihre Vorfahren, die als ›Eltern der Waisen‹ verehrt werden, trägt Mallory Taunton ein wertvolles Diamantcollier, ein Erbstück. Da erhebt sich ein Mann und behauptet, Jesse und Georgiana Birnbaum seien keineswegs soziale Wohltäter gewesen, sondern Mitglieder der Organisation von Fredericka Mandelbaum, New Yorks berüchtigter Verbrecherkönigin. Auch das Collier sei Diebesgut, seiner Familie vor 150 Jahren entwendet. Auf der Spur der Diamanten enthüllt sich eine unglaubliche Geschichte.

„Die Patin von New York“ ist ein vielschichtiger Familienroman von Felicity Whitmore.
Inspiriert wurde die Autorin von der legendären Gangsterin Fredericka Mandelbaum.

Felicity Whitmore hat starke Charaktere gezeichnet und lebendig werden lassen.

Fredericka Mandelbaum (die Patin) ist eine historisch überlieferte Person. Sie verleiht dem Roman nicht nur den Titel, sondern ist auch die Stärke der Geschichte.
Von der Autorin wird sie als intelligente und charismatische Frau dargestellt. Eine richtige Anführerin.

Jesse und Georgiana Birnbaum gelten als Wohltäter. Sie werden als „Eltern der Waisen“ bezeichnet und sie werden mit einem Denkmal gewürdigt. Jetzt kommt die Behauptung auf, dass sie keine Wohltäter waren, sondern Mitglieder der Organisation von Fredericka Mandelbaum.

Mallory Taunton ist die Protagonistin der Gegenwart. Ihr wird vorgeworfen, dass das Schmuckstück, das sie bei der Enthüllung des Denkmals trägt, Diebesgut ist. Und auch, dass ihre Vorfahren Jesse und Georgiana Birnbaum in Wahrheit keine Wohltäter waren. Mallory beginnt, in die Vergangenheit einzutauchen.

Felicity Whitmore erzählt die Geschichte in zwei Zeitebenen.
In der Gegenwart begleiten die Leserinnen Mallory Taunton bei ihren Nachforschungen. In der zweiten Zeitebene, der Vergangenheit, erleben die Leserinnen alle das hautnah, was Mallory Taunton in der Gegenwart mühsam ans Tageslicht bringt.

Der Schreibstil von Felicity Whitmore ist flüssig und gut verständlich. Die Handlungsorte werden anschaulich beschrieben. Die Autorin lässt historische Gegebenheiten leicht in die Geschichte einfließen. Dabei gelingt es Felicity Whitmore gut, die zwei Zeitebenen zu trennen. In die Gegenwart genauso wie in die Vergangenheit einzutauchen.

„Die Patin von New York“ ist ein Roman, den ich mit großer Freude gelesen habe.

Das schwimmende Café von Kopenhagen

Annabel French
Roman
351 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Anne Rudelt
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Roman mit traumhaftem Setting

Klappentext:
Mit einem gebrochenen Herzen flieht Milly nach Kopenhagen, um ihre beste Freundin dabei zu unterstützen, ein schwimmendes Café zu retten. Dabei trifft sie auf Theo, wortkarg, charmant und unverschämt attraktiv. Inmitten von duftenden Zimtschnecken, heißem Kaffee und dänischem Lebensgefühl knistert es gewaltig. Doch als das Ende des Sommers naht, müssen sich die beiden der Frage stellen, ob sie bereit sind, ihrer Liebe eine Chance zu geben.

„Das schwimmende Café von Kopenhagen“ ist der 3. Band der Trilogie „Love and the City“ von Annabel French.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Milly. Nach einer missglückten Beziehung braucht sie eine Auszeit. Da kommt die Einladung von Ada, ihrer Freundin seit Kindertagen, gerade recht. Ada ist Mitbesitzerin eines Cafés in Kopenhagen, das nicht so läuft wie erwartet. Außerdem muss Ada beruflich für einige Zeit Kopenhagen verlassen und Milly könnte sich in dieser Zeit etwas im Café einbringen.
In Kopenhagen trifft Milly auf Theo und es fängt gewaltig an zu knistern.

Annabel Frenchn hat sympathische Charaktere entworfen. Natürlich Milly, die eine Auszeit in Kopenhagen sucht. Milly ist durch und durch Geschäftsfrau. Mir war sie gleich sympathisch.
Der Gegenpol ist Theo, der kreative Bäcker. Zwischen den beiden entsteht eine schöne Liebesgeschichte.

Annabel French erzählt die Geschichte mit einer schönen Leichtigkeit und mit Gefühl.
Das Café beschreibt die Autorin sehr anschaulich. Ich hatte den Geruch von Kaffee und Zimtschnecken in der Nase.
Auch Kopenhagen wird anschaulich beschrieben. Eine Stadt, die ich mir schon lange ansehen möchte.

Annabel French hat einen erfrischenden, flüssigen und gut verständlichen Schreibstil.
Ich konnte das schon bald nicht mehr aus der Hand legen.

„Das schwimmende Café von Kopenhagen“ ist ein ganz bezaubernder Roman.
Ich habe alle 3 Bände mit großer Freude gelesen.

Love and the City:
Band 1 Der schwimmende Blumenladen von Amsterdam
Band 2 Die schwimmende Buchhandlung von Venedig
Band 3 Das schwimmende Café von Kopenhagen

Geteiltes Haus

Alice Horáčková
Roman
880 Seiten
Übersetzt aus dem Tschechischen von Sophia Marzolff
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Meisterhaftes Porträt über Identität, Familie und das fragile Zusammenleben im Sudetenland

Zum Inhalt:
Die Geschichte spielt in Benetzko, einem malerischen, aber von geopolitischen Verwerfungen zerrissenen Bergdorf im Sudetenland. Über mehrere Generationen hinweg werden den Leser*innen die Auswirkungen des Ersten und Zweiten Weltkriegs vermittelt. In Benetzko leben sowohl Menschen deutscher Herkunft als auch Menschen tschechischer Herkunft.
Das Zusammenleben ist freundlich und nachbarschaftlich. Doch mit dem aufkeimenden Nationalismus bekommt das Zusammenleben Risse, die mit der Zeit immer tiefer werden.

Alice Horáčková erzählt mit ihrem Roman „Geteiltes Haus“ ein Stück ihrer eigenen Familiengeschichte. Durch die Recherche in alten Briefen, Memoiren, Archivfunden und vergilbten Zeitungen rekonstruierte sie das Schicksal ihrer eigenen Vorfahren.

Die Protagonisten zeichnen sich durch eine bemerkenswerte psychologische Tiefe aus.
Die Charaktere sind keine Helden, sondern Menschen mit Widersprüchlichkeiten, Fehlern, Zweifeln und Geheimnissen.

Im Mittelpunkt stehen die beiden Frauen Zdenka und Anežka.
Zdenka ist tschechischer Herkunft und Anežka ist deutscher Herkunft.
Es sind zwei stolze Frauen, die trotz der Kriegswirren ihre Freundschaft nicht aufgeben.
Die männlichen Charaktere sind getrieben von patriarchalen Mustern.
Auch die Nebenfiguren, von Fabrikanten bis zu Deserteuren, werden stark in die Geschichte eingebunden.

Alice Horáčková beschreibt das raue, neblige Riesengebirge so plastisch, dass die Landschaft selbst wie ein eigener Charakter wirkt.
Zu Beginn der Geschichte verfolgen die Leser*innen ein lebendiges, ländliches Treiben.
Die Atmosphäre wird, je mehr man in die Geschichte eintaucht, bedrückender.
Misstrauen und Angst greifen um sich und sind fast körperlich zu spüren.

Alice Horáčková erzählt die Geschichte in einem ruhigen Ton. Sie verzichtet bewusst auf Effekthascherei, bei ihr sind es die leisen Töne, die die Leser*innen aber mitten ins Herz treffen.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich. Die Beschreibungen von Alice Horáčková sind sehr detailreich und man bekommt schnell Bilder in den Kopf. Der Autorin gelingt es, die komplexen historischen Konflikte zwischen Deutschen und Tschechen greifbar zu machen, ohne eine Partei zu ergreifen.

„Geteiltes Haus“ ist ein opulenter, schmerzhafter und zugleich wunderschöner Familienroman. Ein Roman, der noch lange nachwirken wird.

Was wir von ihr wissen

Rebecca Fallon
Roman
363 Seiten
erschienen im Mare Verlag
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Juliane Zaubitzer
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Mare Verlag für das Rezensionsexemplar

Erinnerungen an die Mutter

Klappentext:
Als ihre Mutter Susan viel zu früh stirbt, sind die Zwillinge Viola und Sebastian noch zu jung, um ihre eigenen Erinnerungen an sie zu bewahren. Das gibt ihrem Vater Al eine unerwartete Möglichkeit: Susans Karriere als Star einer gefeierten TV-Serie in Los Angeles war ihm schon lange ein Dorn im Auge. Viel lieber als nur die Wochenenden mit ihr zu teilen, hätte er sie ganz in ihrer Mutterrolle im gemeinsamen Zuhause an der Ostküste aufgehen sehen. Überwältigt von ihrem Verlust, lässt Al alle Hinweise auf ihren Beruf aus dem Alltag der Zwillinge verschwinden. Doch die Welt hat Susan nicht vergessen, und als Viola und Sebastian an der Schwelle zum Erwachsenwerden auf die Spuren ihrer Berühmtheit stoßen, scheint nichts mehr gewiss: War Susan die Karriere wichtiger als ihre Kinder? Und was bedeutet es für Violas und Sebastians Träume, dass Susan die ihren bis zum Schluss verfolgt hat?

„Was wir von ihr wissen“ ist eine Familiengeschichte von Rebecca Fallon.

Susan und Al heiraten und bekommen Zwillinge. Al ist eher der ruhige Part in der Ehe, Susan dagegen ist lebhaft und auf dem Wege, ein TV-Star zu werden.
Leider stirbt Susan viel zu früh und Al ist mit den Zwillingen Viola und Sebastian alleine.
Den Kindern gegenüber verschweigt er den richtigen Beruf und die Bekanntheit der Mutter. Doch als die Kinder älter werden, entdecken sie die wahre Berufung ihrer Mutter und wollen herausfinden, wer sie wirklich war.

Rebecca Fallon hat großartige Charaktere ins Leben gerufen.
Susan und Al haben mir gut gefallen, obwohl sie so unterschiedlich sind. Ich konnte mich auch in beide gut hineinversetzen.
Susan wollte nach der Geburt der Zwillinge, wieder in ihren Beruf einsteigen. Das heißt allerdings kein ruhiges Familienleben, keinen Feierabend und kein Wochenende.
Al dagegen wollte ein ruhiges Familienleben, wollte Frau und Kinder um sich haben.
Nach Susans Tod, hat Al das Problem verdrängt und Susan vor den Kindern in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen.
Auch Viola und Sebastian sind tolle Charaktere.
Auch in sie konnte ich mich gut hineinversetzen. Plötzlich entdecken sie, dass die Mutter eigentlich eine ganz andere Frau war, wie sie sie aus den Erzählungen des Vaters kennen.

Rebecca Fallon spiegelt die Konflikte, in denen die Protagonisten stehen, gut wider.
Die Autorin erzählt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven, was den Leser*innen einen guten Einblick in das Leben der Charaktere gibt.
Die Geschichte springt auch in den Jahren nach vorne und nach hinten. So erlebt man beim Lesen die Zeit, als Susan Schauspielerin war, die Zeit der Krankheit und die Zeit nach ihrem Tod bis in die Gegenwart.

Rebecca Fallons Schreibstil ist flüssig und gut verständlich. Im Mittelteil weist die Geschichte allerdings ein paar Längen auf.

„Was wir von ihr wissen“ ist eine Familiengeschichte, die ich gerne gelesen habe.

Das stille Vermächtnis

Roswitha Böhm
Roman
240 Seiten
erschienen bei BoD – Books on Demand
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Roswitha Böhm für das Rezensionsexemplar

Schatten der Vergangenheit

Klappentext:
„Merle ist blind und sieht doch mehr als alle anderen. Ein uraltes Buch, ein nebeliger Morgen und ein Geheimnis, das die Zeit überdauert.“ Für Merle, die ihr Augenlicht schon früh verloren hat, ist die Welt der Bücher ein Ort der Zuflucht. Doch als sie gemeinsam mit Lennart, der selbst von seiner Vergangenheit gezeichnet ist, in ein uraltes Rätsel hineingezogen wird, verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Legende. Was als harmlose Recherche beginnt, führt die beiden auf die Spuren einer Frau, deren Wissen so mächtig und gefährlich war, dass es vor Jahrhunderten versiegelt wurde. Während Merle und Lennart versuchen, die Puzzleteile zusammenzusetzen, werden sie selbst Teil eines Geheimnisses, das bis in die Gegenwart reicht.

„Das stille Vermächtnis“ ist eine tiefgründige und emotionale Geschichte von Roswitha Böhm.

Merle und Lennart werden auf ein lange gehütetes Familiengeheimnis aufmerksam.
Zusammen beginnen sie, dem nachzugehen, und stoßen dabei auf Elise, eine Frau aus der Vergangenheit. Sie besaß ein mächtiges, fast magisch anmutendes Wissen, das vor Jahrhunderten zum Schutz oder aus Furcht verborgen werden musste.

Die Charaktere werden alle gut beschrieben und sind die Stärke in diesem Roman.

Merle hat ihr Augenlicht schon in jungen Jahren verloren. Sie nutzt die Welt der Bücher und ein altes Antiquariat als ihren persönlichen Zufluchtsort.
Merle ist recht feinfühlig und hat ein besonderes Gespür für Stimmungen und Zwischentöne.

Lennart ist ein Mann, der von seinen eigenen Erlebnissen und einer schweren emotionalen Last aus der Vergangenheit geprägt ist. Er sucht Ruhe und Abgeschiedenheit. Auch er flüchtet sich gerne in das Antiquariat.

Elise, die Frau der Vergangenheit, ist eine wichtige Figur. Sie ist Trägerin von gefährlichem, fast magischem Wissen.

Roswitha Böhm erzählt die Geschichte in einem ruhigen Ton und in einem langsamen Tempo.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und bildhaft. Sie findet genau die richtige Balance zwischen atmosphärischen Beschreibungen und vorantreibenden Dialogen.

„Das stille Vermächtnis“ ist ein Roman, der auf leisen Sohlen daherkommt. Ich wurde genauso schnell in die Geschichte hineingezogen wie Merle und Lennart in die Suche nach der Vergangenheit.

Das Geheimnis der Strandvilla

Corinna Kastner
Roman
549 Seiten
erschienen im Emons Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Emons Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine atmosphärische Spurensuche an der Ostsee

Zum Inhalt:
Mit ihrem Roman „Das Geheimnis der Strandvilla“ entführt Corinna Kastner ihre Leser*innen an die malerische Ostseeküste.
Im Mittelpunkt steht die Schriftstellerin Viktoria Brand. Bei ihren Lesungen, die meist von Frauen besucht werden, fällt ihr ein älterer Mann auf. Er bittet sie am Ende auch noch um ein Autogramm. Zu einem Gespräch hat es leider nicht gereicht, der Mann war zu schnell verschwunden.
Etwas später bekommt Viktoria die Nachricht, dass sie die Hälfte einer Strandvilla in Wustrow geerbt hat. Das kommt für Viktoria sehr überraschend, denn den Verstorbenen kannte sie nicht.
Neugierig geworden, schaut Viktoria sich die Strandvilla an. Hier erfährt Viktoria auch die Bedingungen, die an das Erbe geknüpft sind.
Die andere Hälfte der Strandvilla hat Roman Marendorff geerbt. Beide sollen 2 Monate zusammen in der Villa verbringen, um das Erbe zu bekommen.
Beim Durchstöbern des Hauses stößt Viktoria auf Ungereimtheiten, alte Briefe und Spuren, die auf ein Geheimnis hindeuten.

„Das Geheimnis der Strandvilla“ ist ein atmosphärischer Roman über Liebe und Geheimnisse von Corinna Kastner.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig.
Viktoria Brand ist Schriftstellerin. Sie besitzt viel Kreativität, die sie für ihren Beruf auch braucht, und ist neugierig. Aber sie ist auch verletzbar und hat ihre inneren Ängste.

Roman Marendorff hat die 2. Hälfte der Strandvilla geerbt. Er ist eher ein Pragmatiker und geht die Sache mit weniger Emotionen an.

Beide nehmen die Bedingung des Erbes an. Doch das Zusammenleben stellt sich als schwieriger raus als gedacht. Es kommt immer wieder zu Reibereien zwischen Viktoria und Roman.

Auch die Nebendarsteller sollen Erwähnung finden. Besonders die Dorfbewohner mit ihrer norddeutschen Distanziertheit bereichern die Geschichte.

Die Geschichte hat 2 Zeitebenen. Einmal die Gegenwart, in der das Geheimnis rund um die Strandvilla und die Familie gelüftet wird.
Dann gehen die Leser*innen in die Vergangenheit.
Im Mittelpunkt stehen die Zwillinge Doro und Marie, die ihre Ferien an der Ostsee verbringen. Als die Zwillinge in Seenot geraten, werden sie von Johann gerettet. Eine Liebesgeschichte entspinnt sich. Doch Johann ist nicht standesgemäß für eine der beiden Hotelerbinnen aus Stralsund. Hier nimmt das Drama aus Liebe und Gefühlen, die nicht sein dürfen, seinen Lauf.

Der Handlungsort wird von Corinna Kastner anschaulich beschrieben. Das Rauschen der Wellen, der salzige Wind, das wechselhafte Wetter und die einsame Melancholie der Strandvilla im Nebel erzeugen eine dichte, fast greifbare Atmosphäre.

Der Schreibstil von Corinna Kastner ist flüssig, gut verständlich und sehr bildhaft. Die Autorin bevorzugt leise Töne und eine präzise Sprache, die die Emotionen der Figuren perfekt vermittelt. Die Wechsel zwischen den Zeitebenen und den unterschiedlichen Perspektiven sind übersichtlich gestaltet, sodass man als Leser*in nie den Faden verliert, sondern immer tiefer in den Sog der Geschichte hineingezogen wird.

„Das Geheimnis der Strandvilla“ ist weit mehr als ein unterhaltsamer Roman. Es ist ein tiefgründiges, atmosphärisches Familiendrama über Schuld, das Schweigen von Generationen und die Suche nach der eigenen Identität.
Ich habe das Buch mit Freude gelesen und möchte es uneingeschränkt weiterempfehlen.

Ms Atkins und die Bibliothek der Träume

Vanessa Göcking
Roman
320 Seiten
erschienen im VANI Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Eine Reise zu den eigenen Wünschen

Zum Inhalt:
Im Mittelpunkt steht Amanda Eleonore Atkins. Als Finanzbeamtin lebt Ms Atkins nach strengen Regeln und einer selbstaufgelegten Ordnung.
So geht sie auch schon seit mehreren Jahrzehnten jeden Freitag in die öffentliche Bibliothek in London, um Bücher auszuleihen. Ms Atkins leiht sich immer nur Sachbücher aus, fiktive Geschichten lehnt sie ab.
Eines Freitags führt ein junger Bibliothekar Ms Atkins in einen verborgenen Leseraum und bringt damit Ms Atkins geordnetes Leben ins Wanken. Hier begegnet Ms Atkins Robert Joy und der eigenwilligen Xiao Mei Smith. Zusammen tauchen sie in die magischen Geschichten ein.

„Ms Atkins und die Bibliothek der Träume“ von Vanessa Göcking entfaltet eine zarte, lebensphilosophische Wohlfühlgeschichte inmitten von London.

Die Geschichte lebt von ihren ungleichen, aber liebevoll ausgearbeiteten Charakteren, die alle ein persönliches Schicksal zu verarbeiten haben.

Amanda Eleonore Atkins führt ein streng geordnetes Leben. Sie durchlebt in der Geschichte eine Verwandlung. Die etwas schrullige, streng nach ihren Regeln lebende Frau öffnet sich und wird zugängiger.

Robert Joy ist der gute Geist der Geschichte. Er strahlt eine innere Ruhe aus und besucht regelmäßig den Leseraum.

Xiao Mei Smith ist eine etwas eigenwillige junge Frau. Sie ist auf der Suche nach ihren Wurzeln.

Mir waren die Protagonisten schnell ans Herz gewachsen und es war eine Freude, sie durch die Geschichte zu begleiten.

Vanessa Göcking hat einen flüssigen, gut verständlichen und vor allem atmosphärischen Schreibstil.
Die wechselnden Perspektiven, in der die Geschichte erzählt wird, lassen die Leser*innen ganz nahe an die Charaktere herankommen.
Besonders haben mir die leisen Dialoge der Protagonisten untereinander gefallen.
Die Fantasyelemente wie zum Beispiel die Traumtüren, werden sehr gut in die Geschichte eingefügt.

Vanessa Göcking spiegelt in ihrer Geschichte die Kraft wider, die Geschichten ausüben können.

„Ms Atkins und die Bibliothek der Träume“ ist eine berührende Liebeserklärung an das Leben und an die Kraft von Geschichten. Ich habe das Buch mit großer Freude gelesen.