Upside down – Die Welt steht Kopf

N.R. Walker
Roman
350 Seiten
erschienen im Second Chances Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Nina Restemeier
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Second Chances Verlag für das Rezensionsexemplar

Absolut lesenswert

Klappentext:
Jordan O’Neill hat genug von Schubladen. Als schüchterner Bibliothekar fühlt er sich ohnehin schon oft fehl am Platz. Doch als ihm klar wird, dass das Label „asexuell“ vieles in seinem Leben erklärt, gerät seine sorgfältig sortierte Welt aus den Fugen.
Hennessy Lang weiß längst, wer er ist. Nach einer Trennung und einigen gescheiterten Beziehungen steht er offen zu seiner Asexualität und gründet in Surry Hills eine neue Selbsthilfegruppe. Dort begegnet er Jordan, der noch nach Antworten sucht und nicht weiß, wo er hingehört.
Zwischen vorsichtiger Nähe, leisen Gesprächen und großen Fragen versucht Hennessy, Jordan zu zeigen, dass sich sein Leben vielleicht nicht auf den Kopf gestellt hat, sondern endlich richtig herum steht.

„Upside down – Die Welt steht Kopf“ ist ein intelligenter und humorvoller Roman von N.R. Walker.

Im Mittelpunkt steh Jordan O’Neill, er ist Bibliothekar und sehr zurückhaltend, was seine Mitmenschen angeht. Erst als er Hennessy Lang trifft, scheint sein Leben in eine andere Bahn zu springen. Beide bezeichnen sich als asexuell und können plötzlich zusammen über das Thema reden.

N.R. Walker hat hier ein Thema aufgegriffen, über das ich in Büchern bisher noch nichts gelesen habe.
Die Geschichte ist so schön romantisch, ohne in Erotik abzudriften. Das hat mir besonders gut gefallen.
Mit viel Humor wird das Ganze immer wieder aufgelockert.

Die Charaktere werden gut beschrieben und sind lebendig. Ich mochte Jordan und auch Hennessy sehr gerne.
Es war schön ihnen zu folgen, bei den Gesprächen dabei zu sein und die Entwicklung zu erleben, die Jordan durchlebt. Denn sein Leben fühlt sich plötzlich an, wie auf den Kopf gestellt.

„Upside down – Die Welt steht Kopf“ ist ein schöner Roman über Liebe und Gefühle ohne jeglichen Spice.

Das Lavendelkloster

Alexander Oetker
Roman
282 Seiten
erschienen im Atlantik Verlag (Hoffman und Campe)
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

So schön kann Schweigen sein

Klappentext:
Julien, erfolgreicher Geschäftsführer und innerlich leer, zieht sich in ein abgelegenes Schweigekloster zurück. Hier in der Provence, wo nur der Sommerwind durch den Lavendel streicht, sucht er nach Versöhnung mit sich selbst und den Schatten der Vergangenheit. Inmitten der Stille begegnet er einer jungen Frau, schön, geheimnisvoll – und völlig ohne Worte entsteht zwischen den beiden etwas, das tiefer geht als Sprache: eine Liebe, geboren im Schweigen. Doch welche Chance hat diese Verbindung, wenn die Rückkehr in das alte Leben unvermeidlich ist?

„Das Lavendelkloster“ ist ein tiefgründiger Liebesroman von Alexander Oetker.
Der Autor ist eher von seinen Kriminalromanen bekannt, dieses Genre beherrscht er aber auch perfekt.

Im Mittelpunkt stehen Julien und Emma. Sie begegnen sich im Kloster, wo sie beide an einem Schweigeseminar teilnehmen. Während ihres Aufenthalts kommen sich Julien und Emma trotz Schweigen sehr nahe.

Jetzt könnt man denken, Schweigekloster, dass ist ein sehr ruhiges Buch. Weit gefehlt, man kommt den Charakteren sehr nahe. Man kann ihre Gefühle und Gedanken lesen.

Alexander beschreibt die Woche im Schweigekloster sehr intensiv. Die Sonne, der Duft des Lavendels und die Stille geben ein eindrucksvolles Bild.

Die Charaktere werden gut beschrieben. Mir waren Julien und Emma schnell sympathisch. Man konnte ihre Gefühle richtig spüren. Natürlich gab es auch andere Teilnehmer, die begegnen den Leser*innen aber nur bei den Mahlzeiten und auch mal abends am Kamin. Sie werden nur kurz umrissen.
Am Ende der Geschichte ist aber jedem Teilnehmer, jeder Teilnehmerin noch ein kurzes Kapitel gewidmet, in dem man sie und ihre Beweggründe ins Schweigekloster zu gehen kennenlernt. Das hat mir gut gefallen, schließlich hat man auch sie eine Woche begleitet.

Der Schreibstil von Alexander Oetker ist wie immer flüssig und gut verständlich.

„Das Lavendelkloster“ ist ein außergewöhnlicher Liebesroman, den ich mit Freude gelesen habe.

Wo die Kaffeekirschen leuchten

Nicola Denis
Roman
337 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an Friedenauer Presse für das Rezensionsexemplar

Ruhiger Roman über ein Auswandererpaar

Klappentext:
1953, im deutschen Wirtschaftswunderland: Eine junge Frau aus Ludwigshafen steht mit ihrem gerade angetrauten Ehemann an der Reling des Überseedampfers, der sie von Hamburg nach Kolumbien bringen wird. Ihn erwartet in der Andenstadt Tunja seine erste Anstellung als Geologe, sie sieht so freudig wie besorgt ihrer ungewissen Zukunft als »Auswanderer auf Zeit« entgegen – getrennt von der behütenden großen Familie im gläubigen Elternhaus, das Musikstudium geopfert und unvertraut mit der kolumbianischen Kultur und Geschichte. In Tunja sind sie konfrontiert mit den häufig kolonialen Attitüden der Auslandsdeutschen, die die Vergangenheit zumeist beschweigen. Während ihr Mann im Gelände forscht, ist die junge Deutsche mit der mühevollen Einrichtung ihres neuen Zuhauses beschäftigt und findet Anschluss als Kammermusikerin. Das »Band zur Heimat« pflegt sie in ihren Briefen auf Luftpostpapier, aus denen Sehnsucht und Selbstbehauptung sprechen: gesammelt in zwölf Ordnern. Mit diesen Dokumenten, Erzählungsfetzen und Fotoalben sowie auf einer Reise zusammen mit zweien ihrer Kinder nach Tunja folgt die Erzählerin gut siebzig Jahre später den Spuren der Eltern und Großeltern. Ein so akribisch wie aufrichtig gestalteter literarischer Dialog zwischen den Generationen.

„Wo die Kaffeekirschen leuchten“ von Nicola Denis ist ein Roman über ein Auswandererpärchen in den 1950er Jahren.

Ich hatte am Anfang etwas Schwierigkeiten in die Geschichte einzutauchen.
Die Perspektive, aus der die Geschichte erzählt wird, ist ungewöhnlich. Nicola Denis lässt die Tochter, die Geschichte ihrer Eltern erzählen. Man hat das Gefühl, die Tochter wäre in Kolumbien dabei gewesen, doch zu dieser Zeit war sie noch nicht geboren.

Der Ehemann hat in Kolumbien eine Stelle als Geologe bekommen. Zuerst reist er allein nach Tunja, nach ca. einem Jahr kehrt er zurück, um zu heiraten und reist dann zusammen mit seiner Frau wieder nach Tunja.
Die Ehefrau schreibt akribisch Briefe an die Eltern, Geschwister und an alle Verwandte in Deutschland. Sie möchte die Daheimgebliebenen am Leben in Kolumbien teilhaben lassen. Diese Briefe findet die Tochter dann nach dem Tod der Großeltern fein säuberlich abgeheftet in Leitzordnern.

Nicola Denis beschreibt das Leben in den Nachkriegsjahren gut. Auch das Leben in Kolumbien, dass so ganz anders ist als in Deutschland wird gut vermittelt.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig. Ich bin manchmal mit den vielen Menschen, die das Ehepaar kennenlernt, durcheinandergekommen.

Die Ehefrau, die in Deutschland ihr Musikstudium abgebrochen hat, widmet sich in Kolumbien wieder der Musik.

Nicola Denis erzählt die Geschichte in einem ruhigen Ton. Der Schreibstil ist flüssig und gut verständlich.

„Wo die Kaffeekirschen leuchten“ ist ein ruhiger Roman, erzählt aus ungewöhnlicher Perspektive.

Andere nennen es Urlaub

Franka Bloom
Roman
380 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Tiefgründig und humorvoll

Klappentext:
Annette, genannt Netti, (50) steckt privat und beruflich in einer Sackgasse: Die letzte Beziehung ist gescheitert, ihr Theatervertrag nicht verlängert, der Sohn auf dem Absprung. Und dann ist da noch ihr Vater Bruno, der seit dem Tod der Mutter nicht alleine klarkommt. Fast täglich schaut Netti bei ihm vorbei, obwohl sie und ihre erfolgreiche Schwester sich eigentlich gemeinsam kümmern wollten. Aber jetzt braucht Netti dringend eine Auszeit, um endlich mal durchzuatmen und ihr Leben neu zu ordnen. Und das am liebsten am Meer, irgendwo im Süden. Als sich ihr eine Mitfahrgelegenheit mit einem Italiener bietet, sagt sie sofort zu. Soll eben ihre Schwester nach dem Vater schauen. Doch als es losgeht, sitzt Bruno auf der Rückbank. Und Netti ahnt, dass es alles andere als ein entspannter Urlaub wird, denn ihr Vater hat eigene Pläne, und die Reisegruppe wird immer größer.

„Andere nennen es Urlaub“ ist ein humorvoller Familienroman von Franka Bloom.

Netti steht vor einem Wendepunkt in ihrem Leben. Ihr großer Durchbruch als Schauspielerin lässt schon lange auf sich warten. Jetzt wird sogar ihr Vertrag am Theater nicht verlängert. Der Sohn verlässt langsam das Nest. Nur ihr Vater Bruno, um den sie sich kümmert bleibt ihr erhalten. Ihre Schwester, mit der Netti sich abwechselnd um den Vater kümmern wollte, lässt sie kläglich im Stich.
Netti beschließt, sie braucht dringend Abstand von ihrem Alltag. Sie liebäugelt mit den Italienbildern in einem Reisebüro. Die Inhaberin macht ihr spontan das Angebot, mit ihrem Neffe Giorgio, der mit einem Kleinbus nach Triest fährt mitzufahren. Eine Woche Italien, ein Traum. Wohnen kann sie auch kostenlos im Apartment der Reisebürofrau, sie muss dafür nur das Apartment aufräumen. Kurzentschlossern sagt Netti zu. Um den Vater soll sich die Schwester kümmern. Doch am Tag der Abfahrt, sitzt Bruno schon auf dem Rücksitz und Netti wird in ihrem Urlaub zur 24-Stundernbetreuung.

Franka Bloom hat ihre Charaktere gut gezeichnet. Sie kommen richtig lebendig rüber. Mir gefallen Netti und auch ihr Vater Bruno sehr gut. Bruno kommt seit dem Tod seiner Frau nicht mehr allein klar, er braucht Hilfe. Im gemeinsamen Urlaub registriert Netti erst einmal, wie unselbstständig ihr Vater wirklich ist.

Franka Bloom erzählt die Geschichte tiefgründig und versieht sie immer wieder mit Humor.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich.
Das Thema Alleinsein und nicht loslassen können vermittelt die Autorin ihren Leser*innen gut.

„Andere nennen es Urlaub“ ist eine tiefgründige und humorvolle Familiengeschichte.

Sommerwind in der Toskana

Karin Seemayer
Roman
396 Seiten
erschienen im Aufbau Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Ein wunderschöner Sommerroman

Zum Inhalt:
Im Mittelpunkt steht Laura. Sie erbt nach dem Tod ihres Onkels, dessen Haus in der Toskana. Mit dem Gedanken, das Haus so schnell wie möglich zu verkaufen, reist Laura nach Castagneto Carducci. Schnell bekommt sie das erste Angebot. Doch als sie ihren Jugendfreund Lucca wieder trifft, ist ihr die Schönheit der Toskana auf einmal ganz nahe. Auch die schönen Erinnerungen ihrer Kindheit in der Toskana sind wieder präsent.

„Sommerwind in der Toskana“ von Karin Seemayer ist ein Roman, der den Sommer nach Hause bringt.

Karin Seemayer hat wieder einmal großartige Charaktere kreiert und zum Leben erweckt. Laura, die eine gescheiterte Beziehung hinter sich gebracht hat und nur in die Toskana reist, um ihr Haus zu verlaufen, gefällt mir gut. Sie durchlebt eine positive Entwicklung und entdeckt, dass ihr Herz noch Gefühle aufbringen kann.
Auch Lucca ist ein liebenswerter Charakter der Laura wieder zu lachen bringt.
Die Familie Morelli ist einfach toll, besonders Nonna Maria, eine authentische italienische Nonna, die für die Familie immer ein leckeres Essen zaubert. Alle sitzen dann zusammen an einem großen Tisch und lassen sich esse und Wein schmecken. Und wie es ebenso ist, wird dabei viel erzählt, manchmal reden alle durcheinander.

Karin Seemayer vermittelt die italienische Lebenskultur auf einer großartigen Weise.
Die Landschaft der Toskana, die Olivenhaine, die Weinreben, alles wird so anschaulich beschrieben, dass man schnell Bilder im Kopf hat. Ich könnt gerade wieder in die Toskana reisen.

Der Schreibstil von Karin Seemayer ist flüssig und gut verständlich. Die italienischen Wortfetzten die in die Geschichte eingestreut werden machen das Buch noch authentischer.

„Sommerwind in der Toskana“ ist ein echter Wohlfühlroman, den ich mit großer Freude gelesen habe.

Sommer, Glück und Ringelblumen

Ally Zetterberg
Roman
394 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Vanessa Lamatsch
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein leichter Sommerroman

Klappentext:
Sophia ist Floristin im schwedischen Svedala. Als ihr Onkel ihr sein Ladenlokal vermacht, scheint der Traum von einem eigenen Blumengeschäft in greifbarer Nähe, doch ihre Familie will den Laden so schnell wie möglich loswerden. Um zu beweisen, dass sie das Zeug dazu hat, das Geschäft wiederzubeleben, muss Sophia dringend einen Großkunden an Land ziehen. Da tut sich in Form einer landesweiten Blumenmesse die perfekte Gelegenheit auf.
Blade kümmert sich in London um seine an Alzheimer erkrankte Mutter, die ihn aus heiterem Himmel um etwas bittet: Er soll nach Schweden reisen, um einen gewissen Sven zu finden, die Liebe ihres Lebens, der sie vor siebenundzwanzig Jahren an einer Bushaltestelle treffen und mit ihr durchbrennen wollte, aber nie aufgetaucht ist. Nach anfänglichen Zweifeln macht sich Blade auf nach Schweden. Dort angekommen, findet er statt dem geheimnisvollen Sven jedoch zunächst eine verzweifelte Floristin, die auf dem Weg zu einer Blumenmesse mit dem Auto liegen geblieben ist.

„Sommer, Glück und Ringelblumen“ von Ally Zetterberg ist ein Sommerroman mit Liebesglück.

Die Geschichte beginnt mit 2 Handlungssträngen.
Im schwedischen Svedala möchte die Floristin Sophia gerne das Blumengeschäft ihres verstorbenen Onkels, dass er ihr und ihren Brüdern vermacht hat, weiterführen. Doch die Brüder wollen es lieber so schnell wie möglich loswerden. Jetzt heißt es für Sophia einen großen Auftrag zu generieren, damit sie ihre Brüder auszahlen kann. Dazu eignet sich die anstehende Blumenmesse hervorragend. Doch die Aussichten sind schlecht, denn schon auf dem Weg zur Messe bleibt Sophia mit dem Auto liegen.

In London betreut Blade seine unter Alzheimer leidende Mutter. Ihr Wunsch ist, ihre große Liebe noch einmal zu sehen. Noch heute sitzt Edith noch oft an der Bushaltestelle Hornton Street und wartet auf ihren Sven. Damals, als sie verabredet waren, ist Sven nicht erschienen. Edith bittet ihren Sohn nach Schweden zu reisen um Sven zu finden.
In Schweden angekommen, bemerkt er auf der Straße eine junge Frau, die mit ihrem Auto liegengeblieben ist. Er hält mit seinem Wohnmobil an, um zu helfen.

Ally Zetterberg erzählt die Geschichte mit Herz und Gefühl. Ihre Charaktere wirken wie aus dem echten Leben entsprungen.
Sophia ist Autistin und hat nur den einen Wunsch, ihren Blumenladen zu neuem Leben zu erwecken. Doch sie muss so viel Geld damit verdienen, um ihre Brüder auszahlen zu können.
Blade kümmert sich um seine Mutter und möchte ihr den Wunsch erfüllen und ihre Liebe Sven zu ihr zu bringen.
Sophia und Blade haben mir gut gefallen. Ich habe sie gerne durch die Geschichte begleitet. Es wird nicht nur das leichte Sommerglück erzählt. Auch Edith ist ein interessanter Charakter. Doch sie triftet immer mehr in die Vergangenheit ab.

Ally Zetterberg vermittelt die Gefühle der an Alzheimer leidenden Edith sehr authentisch. Ich hätte Edith am liebsten immer wieder in den Arm genommen. Es ist schlimm, wenn einem das eigene Leben entgleitet.

Die Autorin beschreibt die Handlungsorte anschaulich. Der Schreibstil von Ally Zetterberg ist gut verständlich.
Auch wenn die Geschichte etwas vorhersehbar war, habe ich „Sommer, Glück und Ringelblumen“ gerne gelesen.

Villa Rivolta

Daniel Speck
Roman
595 Seiten
erschienen im S. Fischer Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den S.Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar

Kindheit in der Villa Rivolta

Klappentext:
Zwei Kinder im Garten einer Mailänder Villa: Piero, der strahlende Sohn des großbürgerlichen Automobilunternehmers Renzo Rivolta. Und Valeria, die eigensinnige Tochter des Dienstmädchens. Sie versprechen sich, Freunde fürs Leben zu werden.
Verbunden durch ein altes Familiengeheimnis erleben sie eine Jugend in den goldenen Jahren Italiens: Mailands mondäne Eleganz zwischen Dolce Vita und kultureller Revolution. Doch als Piero die Nachfolge seines Vaters antreten muss, verliebt sich Valeria in den Arbeitersohn Flavio, der Pieros Welt den Kampf ansagt.

„Villa Rivolta“ von Daniel Speck ist eine Familiengeschichte, die in den 1950er und 1960er spielt.
Daniel Speck begeistert mich immer wieder mit seinen Romanen. Auf das neue Werk habe ich schon sehnsüchtig gewartet.

Die Geschichte beginnt 1979, die Journalistin Valeria Fabrizi kommt einem Familiengeheimnis auf die Spur. Das bewirkt, dass Valeria mit ihrem Sohn Tonino vor der Polizei fliehen muss. Bei Piero, ihrem Freund aus Kindertagen will sie Schutz suchen.
Auf der Fahrt erzählt sie ihrem Sohn, ihre Geschichte.
Eine Geschichte aus Kinder- und Jugendtagen. Eine Geschichte als Valeria als Tochter einer Hausangestellten noch in der Vila Rivolta lebte.
Zusammen mit Piero, der Sohn des Patrons erlebte sie eine schöne Kindheit.

Daniel Speck ist zurück in Italien. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Einmal die Gegenwart, in der Valeria mit ihrem Sohn Tonino zu Piero reist. Und dann die Vergangenheit in der Villa Rivolta.
Beide zeitebenen haben mir gut gefallen. Die Vergangenheit, der größere Teil der Geschichte hat mich sehr schnell in seinen Bann gezogen. Die Leser*innen lernen Mailand in seinen goldenen Jahren kennen. Ich glaube niemand kann das so gut erzählen wie Daniel Speck.

Der Autor beschreibt das Leben in der Villa sehr lebendig und anschaulich. Auch das Mailand der 1950er und 1960er Jahre wird gut vermittelt. Endlich gab es nach dem Krieg wieder Aufschwung. Mailand erlebte die goldenen Jahre. Wie auch die Familie Rivolta, die Automobile herstellte.

Daniel Speck hat seine Charaktere gut gezeichnet und sie wirken richtig lebendig. Im Anhang gibt es ein Personenregister, in dem viele reale Persönlichkeiten zu finden sind.
So wie die realen Persönlichkeiten; so ist auch die Geschichte einer wahren Begebenheit entsprungen. Die Villa Rivolta gibt es wirklich, genau wie die Familie Rivolta.
In vielen Gesprächen mit Piero Rivolta, fand Daniel Speck Inspirationen für seinen Roman.

„Villa Rivolta“ ist wieder einmal ein echtes Lesehighlight. Ich habe die fast 600 Seiten an 3 Abenden verschlungen.

Spiegelland

Rebekka Frank
Roman
560 Seiten
erschienen im S. Fischer Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley Deutschland für das Rezensionsexemplar.

Eine spannend erzählte Familiengeschichte

Klappentext:
Elias hat so richtig Mist gebaut, das weiß er. Er versteckt sich den Sommer über bei seiner Großmutter Catharina im Moor. Doch auch sie hütet ein Geheimnis, das alles infrage stellt, was Elias zu wissen glaubt.
Ein unendlich weiter Sommer, ein Vierteljahrhundert zuvor: Nach Jahren der Angst findet Catharina endlich den Mut, aus ihrer Ehe auszubrechen. Mit ihrer Tochter flieht sie in ein altes Haus im Moor. Während der Sonnentau im ersten Licht des Morgens leuchtet und die Rauchschwalben rufen, spürt sie sich zum ersten Mal wieder. Doch nichts ist wirklich sicher. Erst recht nicht, als Catharina im Moor eine Entdeckung macht, die ihren Mann auf ihre Spur bringen könnte.

„Spiegelland“ ist der neue Roman von Rebekka Frank. Nachdem mich „Stromlinien“ so begeistert hatte, musste ich auch dieses Buch unbedingt lesen.

“ Spiegelland“ ist eine Familiengeschichte mit einem Geheimnis.
Die Geschichte wird auf 3 Zeitebenen erzählt. Im Jahr 1756 begleiten die Leserinnen Aletta, eine junge Frau, die einen nie endenden Kampf für Unabhängigkeit kämpft. Hier erfahren die Leserinnen wie schwer das Leben im Moor zu dieser Zeit war.

Im Jahr 1999 lernen die Leser*innen Catharina kennen. Sie muss in ihrem Zuhause viel Gewalt ertragen. Zusammen mit ihrer Tochter flieht sie aus dem Zuhause. In einer Hütte im Moor findet sie Zuflucht und stell sich hier dem harten Leben des Moors.

Im Jahr 2025 ist Elias, der Enkel von Catharina in Schwierigkeiten. Auch er flüchtet ins Moor und findet bei seiner Großmutter Zuflucht.

Rebekka Frank entführt ihre Leserinnen in eine Moorlandschaft. Die Beschreibung der Natur ist so intensiv, man kann die Schönheit und auch die Gefahr der Landschaft richtig vor seinem inneren Auge sehen. Als Leserin ahnt man wie schwierig das Leben mit dem Moor sein kann. Die schöne, naturbelassene Landschaft birgt Gefahren. Man muss sie kennen und einschätzen können.

Die Charaktere sind allesamt gut gezeichnet, sie sind recht unterschiedlich und wirken alle richtig lebendig. Alle sind auf eine gewisse Art sympathisch.

Die Geschichte hat 3 Zeitebenen und das Schicksal der Personen einer Generation spielgelt sich in der nächsten wieder.

Rebekka Frank erzählt die Geschichte recht spannend. Ich konnte nach einigen Seiten das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich. Die Autorin nimmt ihre Leser*innen mit auf eine Reise durch das Moor und in vergangene Zeiten.

„Spiegelland“ ist ein Roman, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat. Ich habe die gut 500 Seiten an zwei Abenden gelesen.

Sie auch

Alexandra Seese
Roman
403 Seiten
erschienen bei BoD – Books on Demand
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Alexandra Seese für das Rezensionsexemplar

Mystisch und spannend

Klappentext:
Verwitwet, abgebrannt und vom Rauswurf aus dem Familienanwesen bedroht – die ehemalige Sopranistin Christine steckt in der Bredouille. Ein Vorsingen an der Pariser Oper bietet die Chance auf Unabhängigkeit. Doch die Konkurrenz ist jünger und besser in Form. Ein Brief aus dem Jenseits könnte die Lösung bringen oder neue Schwierigkeiten aus alten Abhängigkeiten entfachen. Zwischen Absender und Empfängerin entfaltet sich ein intensiver Dialog über persönliche und tatsächliche Dämonen, über Täter und Opfer, Schuld und Mitschuld und darüber, wer wie weit bereit ist zu gehen, um ans persönliche Ziel zu gelangen. Sich Gaston Leroux‘ Klassiker Das Phantom der Oper als Vorgeschichte bedienend, spinnt Sie auch die weltweit bekannte Erzählung weiter und stellt sie zugleich kritisch in Frage.

„In ihrem Roman „Sie auch“ spinnt Alexandra Seese den Klassiker „Das Phantom der Oper“ weiter.

Die Autorin schickt ihre Leser*innen nach Paris und nach Perros-Guirec in das Jahr 1887.

Die Sopranistin Christine ist verwitwet und ziemlich mittellos. Sie lebt auf dem Familienanwesen ihres verstorbenen Mannes. Ihre Schwägerin gibt ihr indirekt die Schuld am frühen Tod ihres Bruders. Christine muss ihre Schwägerin erdulden, den sie bangt, sonst ihr Obdach zu verlieren.
Eine Anstellung an einem Opernhaus ist ihr auch verwehrt, die Konkurrenz ist jünger und hat mehr Chancen. Da erreicht sie ein Brief. Die wenigen Zeilen sind mit roter Tinte geschrieben und unterzeichnet mit Orfeo Gluck. Ein Schreck geht Christine durch Mark und Bein.
Zitat, Seite 13:
O.G. wie Operngeist; Gluck nach Willibald Gluck, dem Komponisten der Oper Orfeo und Euridice über den mystischen Sänger Orpheus, der in die Unterwelt hinabgestiegen war, um seine verstorbene Frau zurückzuholen.

Ab diesem Satz hat mich das Buch gefangen.
Zwischen der Geschichte um Christine, bekommen die Leser*innen immer wieder Briefe zu lesen, den zwischen Christine und dem Absender des Briefs entsteht ein Dialog. Ein Dialog über alte Dämonen und über Schuld.

Alexandra Seese hat ihre Charaktere gut gezeichnet. Sie sind facettenreich und interessant. Vor allem wirken die Protagonisten lebendig.
Die Autorin führt ihre Leser*innen in die Welt der Oper und gleichzeitig in eine mystische Welt.
Im Laufe der Geschichte entwickelt sich zusätzlich noch eine gewisse Spannung.

Der Schreibstil von Alexandra Seese ist flüssig, gut verständlich und der Zeit der Handlung angepasst.
Mich hat die Geschichte schnell begeistert.

„Ich auch“ ist eine Geschichte für alle, die gerne literarische Literatur lesen.

Das Licht der Lofoten

Sophie Van der linden
Roman
119 Seiten
erschienen im Mare Verlag
Übersetzt aus dem Französischen von Valerie Schneider
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Mare Verlag für das Rezensionsexemplar

Die Malerin Anna Boberg

Klappentext:
Eine einsame Hütte auf den Lofoten: Hierher reist die schwedische Malerin Anna Boberg (1864–1935) jeden Winter völlig allein. Sie will die raue Schönheit und das besondere Licht der Arktis auf die Leinwand bannen, auch wenn das die monatelange Trennung von ihrem Mann bedeutet, dem Architekten Ferdinand Boberg, der ihr das arktische Atelier einst erbaute. In diesem Winter Anfang der 1930er ahnt Anna, dass es ihr letzter Aufenthalt sein könnte, und ist von dem Drang getrieben, das eine große Werk zu erschaffen, das ihr endlich auch in ihrer Heimat die Anerkennung bringen wird, die sie in Frankreich und Italien bereits erreicht hat.

„Das Licht der Lofoten“ ist ein Buch über die schwedische Malerin Anna Boberg von Sophie Van der Linden.
Die Malerin Anna Boberg ist mir bisher völlig ungekannt gewesen und hat doch eindrucksvolle Gemälde erschaffen.

Anna Boberg hat sich gerne in eine einsame Hütte in den Lofoten zurückgezogen.
Das hat für sie aber auch eine Trennung über einen längeren Zeitraum von ihrem Mann bedeutet.
Sie wollte für ihre Werke das Licht der Lofoten einfangen, dass besonders im Winter einzigartig ist.
Ich habe mir im Internet Bilder der Künstlerin angeschaut. Sie hat das einzigartige Licht gut eingefangen, besonders auf ihrem Werk „Nordlichter Studie“.

Sophie Van der Linden bringt ihren Leser*innen die Malerin auf eine schöne Art näher. Man spürt die Liebe zur Kunst aber auch eine innere Zerrissenheit.
Man könnte glauben, dass die Autorin Anna Boberg persönlich gekannt hat.

Der Schreibstil von Sophie Van der Linden ist flüssig und gut verständlich. Die Autorin erzählt die Geschichte in einer feinen Sprache, es macht Freude das Buch zu lesen.

Mit ihrem Buch „Das Licht der Lofoten“ hat Sophie Van der Linden mit die Malerin Anna Boberg nähergebracht.