Die schwimmende Buchhandlung von Venedig

Annabel French
Roman
371 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Anne Rudelt
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Roman mit traumhaftem Setting

Klappentext:
Beth liebt ihr Leben in Venedig, doch als sie ihren Job verliert, ist sie am Boden zerstört. Bis sie zufällig auf einen zum Verkauf stehenden Bücherkahn stößt. Um ihre schwimmende Buchhandlung ›La Libreria delle parole‹ aufzubauen, braucht sie Hilfe – von Marco, einem leidenschaftlichen Kunstförderer. Zwischen den beiden funkt es sofort. Doch schaffen sie es, sich ihren Ängsten zu stellen?

„Die schwimmende Buchhandlung von Venedig“ ist der 2. Band der Trilogie „Love and the City“ von Annabel French.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Beth. Beth ist eine sympathische junge Frau, die von England nach Venedig gekommen ist und dort in einer Gallery arbeitet. Ihre Stelle und ihre Wohnung werden von einer Stiftung finanziert, die jetzt allerdings das Geld für andere Zwecke benötigt. Kurz gesagt, Beth verliert ihre Stelle und muss sich auch eine andere Wohnung suchen.
Klar ist ihr, sie möchte gerne in Venedig bleiben. Da hört sie von einem alten Bücherkahn, der verkauft werden soll. Beth die immer sehr überlegt und strategisch handelt, kauft spontan die schwimmende Buchhandlung. Ihre Freundin Cesca, hilft beim Umbau der Barke. Als Beth, Cescas Bruder Marció kennenlernt, beginnen ihre Gefühle verrücktzuspielen.

Annabel Frenchn hat sympathische Charaktere entworfen. Natürlich Beth, die einen Neuanfang in Venedig sucht, ist mir besonders sympathisch. Es macht Freude, Beth zu begleiten und ihre Entwicklung mitzuerleben. Die Frau, die immer alles abwägt und sich in Schwarz oder Grau kleidet, handelt auf einmal spontan, aus dem Bauch heraus und sehnt sich nach mehr Farbe bei ihrer Kleidung.

Annabel French erzählt die Geschichte mit einer schönen Leichtigkeit und mit Gefühl.
Die Buchhandlung beschreibt die Autorin sehr anschaulich. Und was für einen schönen Namen die Buchhandlung hat. „ ›La Libreria delle parole“, „Die Bibliothek der Worte“.

Die Geschichte handelt von einem Neuanfang, von Zusammenhalt und von Liebe.
Ja, es wird auch romantisch in der Geschichte, auch wenn da erst einmal ein paar Hürden genommen werden müssen.

Annabel French hat einen erfrischenden, flüssigen und gut verständlichen Schreibstil.
Ich konnte das schon bald nicht mehr aus der Hand legen.

„Die schwimmende Buchhandlung von Venedig“ ist ein ganz bezaubernder Roman.
Ich freue mich schon auf den 3. Band „Das schwimmende Café von Kopenhagen, der schon im Juli erscheinen soll.

Und das Glück duftet nach Wolken und Meer

Susa Bartel
Roman
396 Seiten
erschienen im Droemer Knaur Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Droemer-Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein Roman zum Eintauchen und Träumen

Klappentext:
Viele Jahre ist es her, dass die 33-jährige Kayla zuletzt in ihrer Heimat Irland war: Zu groß ist der Schmerz, den sie dort zurückgelassen hat. Denn ihre Mutter verschwand ohne ein Wort, als Kayla noch ein Kind war. Jetzt zwingt sie der plötzliche Tod ihres Vaters, ins beschauliche Old Quay zurückzukehren. Dort trifft sie nicht nur ihre geliebte Gran und ihre Sandkastenfreundin Maeve wieder, sondern auch ihren Bruder Logan, mit dem sie seit einem schlimmen Streit kaum gesprochen hat. Während langer Spaziergänge am Meer kehren endlich auch die schönen Erinnerungen zu Kayla zurück. Und sie begegnet dem jungen Witwer Nathan, der die zauberhafte Perfumery Wildflowers betreibt. Dann entdeckt Kayla etwas, das die Vergangenheit in neuem Licht erscheinen lässt …

„Und das Glück duftet nach Wollen und Meer“ ist eine Familiengeschichte mit einem Familiengeheimnis von Susa Bartel.

Im Mittelpunkt steht die 33-jährige Kayla, sie war lange nicht mehr in ihrer Heimat Irland. Zu viele schlechte Erinnerungen, zu großen Schmerz verbindet Kayla mit ihrem früheren Zuhause.
Doch der Tod ihres Vaters führt Kayla zurück und sie muss sich den Erinnerungen stellen.
Kayla trifft aber auch auf Menschen, die ihr viel bedeuten, wie ihre Gran und ihre Freundin Maeve. Aber auch ihrem Bruder, mit dem sie seit einem Streit nicht mehr gesprochen hatte, begegnet Kayla.
Und dann ist da der Witwer Nathan, der Licht in Kaylas Vergangenheit bringt.

Was für ein schönere Roma ist Susa Bartel da gelungen. Nach wenigen Seiten wurde ich ganz tief in die Geschichte reingezogen.

Die Charaktere sind liebenswert. Besonders Kayla mochte ich vom ersten Augenblick an. Sie lebt in Berlin, weder ihre Beziehung noch ihr Job laufen optimal. Jetzt muss sie wegen des Todes ihres Vaters nach Irland. Auch dort muss Kayyla sich den Widrigkeiten stellen.
Die Gefühle von Kayla, Wut, Trauer, Einsamkeit und Heimatgefühle werden deutlich vermittelt.

Susa Bartel beschreibt Irland sehr schön. Ich habe die langen Spaziergänge mit Kayla am Meer genossen. Ich konnte das Salz fast riechen.

Der Schreibstil von Susa Bartel ist flüssig und gut verständlich. Mich hat beim Lesen ein Fernweh ergriffen. Ich würde gerne einmal in das Irland von Kayla reisen.

„Und das Glück duftet nach Wollen und Meer“ ist ein wunderschöner Roman, der einen träumen lässt.

Mit anderen Augen

Jane Tara
Roman
485 Seiten
Übersetzt aus dem australischen Englisch von Tanja Handels
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Sichtbarkeit und Selbstverwirklichung

Klappentext:
Tilda Finch glaubt, sie sieht nicht richtig: Mit einem Mal ist ihr kleiner Finger verschwunden. Es folgen die Nase und das Ohr. Sie wird unsichtbar werden, sagt ihre Ärztin, doch das will Tilda auf keinen Fall zulassen. Schließlich hat sie eine Menge, wofür es sich lohnt, sichtbar zu bleiben: ihre wunderbaren Töchter, ein erfolgreiches Business und fantastische Freundinnen. Tilda nimmt all ihren Mut zusammen und beginnt, sich selbst mit anderen Augen zu sehen.

„Mit anderen Augen“ ist ein faszinierender Roman von Jane Tara.

Im Mittelpunkt steht Tilda Finch, eine 52-jährige Geschäftsfrau und Mutter. Sie traut ihren Augen nicht mehr, den plötzlich sieht sie immer weniger Körperteile von sich. Es ist, als ob sie sich auflöst.
Doch ihre Ärztin sagt, genau so wäre es. Tilda würde langsam unsichtbar werden. Doch Tilda steht mitten im Leben und möchte sichtbar sein.

Jane Tara hat sich ein schweres Thema für ihren Roman ausgesucht, das Unsichtbarwerden von Frauen.
So wie es Tildas in diesem Roman ergeht, so ergeht es vielen Frauen, ab einem gewissen Alter werden sie nicht mehr wahrgenommen. Doch Tilda kämpft um ihre Sichtbarkeit.

Jane Tara hat tolle Charaktere zum Leben erweckt. Besonders gefällt mir natürlich Tilda. Es macht Freude, sie auf dem Weg zu mehr Sichtbarkeit zu begleiten.

Mit viel Humor und manchmal auch etwas überspitzten Szenen nimmt Tilda den Kampf auf.
Ich musste bei der Geschichte, obwohl es ein ernstes Thema ist, oft schmunzeln.

Jane Tara erzählt die Geschichte mit einem flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Immer wieder streut sie Humor ein und man stößt auf einige Metaphern.

„Mit anderen Augen“ ist ein erfrischender Roman, den ich in einem Stück gelesen habe.

Schwesternland

Katharina Fuchs
Roman
478 Seiten
erschienen im Droemer Knaur Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Droemer-Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Auftakt einer großen Familiensaga

„Schwesterland“ ist der 1. Band der Schwesternreihe von Katharina Fuchs.
Die Autorin hat mich schon mit einigen Romanen begeistert, auf diese Reihe, in der 4 Schwestern im Mittelpunkt stehen bin ich besonders gespannt.

Es geht um die vier Schwestern Antonia, Chiara, Elisa und Lucia. In jedem Band wird einen der Schwestern in den Vordergrund rücken.
Nach dem frühen Tod des Vaters, ist die Verbindung der Schwestern nicht mehr so wie sie war.

Zum 100. Geburtstag der Großmutter, treffen sich alle im Ferienhaus im Havelland. Das Schwesternland, wie die vier es gerne nennen. Hier haben die Geschwister viele schöne Sommer verbracht und so kommen auch wieder Erinnerungen auf.

Die Großmutter hat zum Geburtstag ein Ahnengutachten bekommen. Eine Person erregt besonders die Aufmerksamkeit von Antonia. Die junge Hugenottin Jeanne Beauvais, Tochter eines Seidenhändlers aus dem 17. Jahrhundert. Nach dem Jeanne alles verloren hatte, muss sie in Berlin-Brandenburg ganz von vorne anfangen. Antonia ist von Jeanne fasziniert und folgt ihren Spuren zurück ins 17. Jahrhundert.

Die Geschichte hat zwei Zeitebenen. Einmal die Gegenwart, der Geburtstag der Großmutter und das Havelland. Nach einiger Zeit, folgen die Leser*innen Antonia bei der Suche nach der Vergangenheit von Jeanne Beauvais.

Die zweite Zeitebenen führt zurück ins 17. Jahrhundert und die Leser*innen lernen Jeanne leibhaftig kennen. Die Geschichte erzählt, das Leben von Jeanne, wie sie alles verlor.

Katharina Fuchs erzählt in ihrem neuen Roman eine Familiengeschichte über mehrere Generationen.
Mich hat sowohl die Gegenwart als auch die Vergangenheit fasziniert.
Antonia ist eine tolle Protagonistin, die ich schnell ins Herz geschlossen habe. Mit großem Elan geht sie an die Nachforschung über ihre Ahnin.

Der Handlungsstrang in dem Jeanne Beauvais eine große Rolle spielt hat mich besonders gefesselt. Als König Ludwig XIV. auf brutale Weise gegen die Hugenotten vorgeht und diese gezwungen werden zum katholischen Glauben überzutreten, sieht die Familie Beauvais, Mutter, Vater und vier Kinder keinen anderen Ausweg als Frankreich zu verlassen. Ihr Weg führt sie nach Preußen, wo König Friedrich Wilhelm I. die Hugenotten mit vielen Versprechen anlockt.

Das 17. Jahrhundert wird gut und glaubwürdig widergespiegelt. Die Brutalität, mit der die Hugenotten gezwungen werden, den Glauben zu wechseln hat mich erschüttert. Aber sind die Kämpfe im Namen des Glaubens nicht immer die brutalsten?

Katharina Fuchs erzählt die Geschichte von Antonia und vor allem die Geschichte von Jeanne sehr eindringlich und fesselnd. Im Laufe der Geschichte verflechten sich die beiden Handlungsstränge immer mehr.

Die Autorin hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Ich bin nach wenigen Seiten wieder einmal tief eine Geschichte eingetaucht und habe das Buch an zwei Abenden gelesen.

„Schwesternland“ ist der Auftakt zu einer ganz großen Familiensaga. Ich bin jetzt schon sehr auf den 2. Band gespannt.

Eine andere Geschichte

Charles Lewinsky
Roman
413 Seiten
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine interessante Geschichte

Klappentext:
Los Angeles, 1959. Der betagte Filmproduzent Curtis Melnitz wird jede Nacht von Albträumen heimgesucht. Er braucht unbedingt Schlaftabletten, aber die bekommt er nur, wenn er regelmäßig zur Psychoanalyse geht. Auf der Couch des Psychiaters erzählt er wider Willen seine Geschichte, sein Leben zwischen Hollywood und Berlin, zwischen der noch schwarz-weißen, stummen Traumfabrik und der umso grelleren, schreienden deutschen Wirklichkeit des frühen 20. Jahrhunderts. Jede Sitzung ein Kapitel. Ein Leben wie ein Roman.

„Eine andere Geschichte“ ist der neue Roman von Charles Lewinsky.

Im Mittelpunkt steht der alternde Filmproduzent Curtis Melnitz. Kenner der Romane von Charles Lewinsky werden sagen: „Melnitz, den Roman kenne ich doch“. Ja, aber wie der Titel schon sagt, es ist eine andere Geschichte.

Curtis Melnitz wird von Albträumen geplagt, kaum eine Nacht kann er richtig schlafen. Um Schlaftabletten zu bekommen, die ihm einen geruhsamen Schlaf ermöglichen, muss er einem Psychiater seine Lebensgeschichte erzählen. Eine Geschichte zwischen zwei Welten. Zwischen der Traumfabrik des Films und dem realen Leben.

Wie von Charles Lewinsky gewohnt, hat er seine Charaktere gut gezeichnet. Ich konnte schnell eine Verbindung zu Curtis Melnitz aufbauen.
Auch der Psychiater Dr. Cowan ist ein Charakter, der die Geschichte bereichert.

Charles Lewinsky hat einen klaren und gut verständlichen Schreibstil. In seinen Geschichten ist er sehr wandelbar. Ich habe einige Bücher des Autors gelesen und war immer begeistert.

Für diese Geschichte hat sich Charles Lewinsky eine reale Person auserkoren. Curtis Melnitz hat wirklich gelebt und war unter anderem auch Filmproduzent in Hollywood.

Ich fand es sehr interessant, die Geschichte zu lesen. Besonders die Besuche bei Dr. Cowan. Die Gespräche waren gehaltvoll und oft mit Humor versehen. Melnitz hat viel aus seinem Leben in Hollywood und von der Filmwelt erzählt. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, direkt bei den Gesprächen als stiller Zuhörer dabei zu sein.

„Eine andere Geschichte“ unterscheidet sich wirklich von den Romanen, die Charles Lewinsky bisher veröffentlicht hat.
Ich habe das Buch mit Freuden gelesen.

Die Riesinnen

Ellen Sandberg
Roman
409 Seiten
erschienen im Penguin Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar

Absolutes Highlight

Klappentext:
»Mager ist sie, wie ein Kleiderhaken, zurechtgebogen zu Menschenform. Dünn und stark und langgestreckt: Keine ist größer als sie, im Dorf nicht, und auch nicht im nächsten. Dazu die Kupferwollehaare, die wütend nach dem Himmel greifen. Wer sie sieht, weiß, wer sie ist, man weiß es sofort, und sie hasst es, hasst es, hasst es. Vielleicht hätte sie es, an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit, auch lieben können, aber das geht nicht, nicht hier.«
Wittenmoos, ein kleines Dorf im Schwarzwald, ist die Heimat dreier Frauen. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Liese, die still und unerbittlich die Metzgerei führt. Cora, ihre Tochter, die Wütende, die ausbrechen wird und lernen muss, dass Heimkehr keine Niederlage ist. Und Eva, Coras Tochter, die den Wald so sehr liebt und sich dessen erst bewusst werden muss.

„Die Riesinnen“ von Hannah Häffner ist eins der schönsten Bücher, die ich je gelesen habe.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen drei Frauen aus drei Generationen, die unterschiedlich nicht sein könnten. Doch eins haben sie gemeinsam, sie sind sehr groß und dürr, sie sind die drei Riesinnen.

Es beginnt mit Lieselotte. Sie lebt im Schwarzwald, in dem kleinen Dorf Wittenmoos. Von weitem erkennt sie schon jeder, denn sie ist groß, größer als jeder andere und hat eine rote Mähne. In die Dorfgemeinschaft mag sie sich nicht einfügen.

Nach einiger Zeit wechselt die Perspektive zu Cora. Von Lieselotte wird nur noch als Mutter gesprochen. Cora führt die Dorfmetzgerei. Sie ist alles andere als still, möchte am liebsten aus der enge des Dorfs ausbrechen. Auch sie ist groß, größer als alle anderen.

Dann wechselt die Perspektive zur dritten Frau im Bund, zu Eva, der Tochter von Cora. Wie kann es anders sein, auch Eva ist sehr groß. Eva ist in ihrem Wesen wieder ganz anders. Sie sucht den Weg hinaus aus dem Dorf. Aber es zieht sie auch wieder zurück, zurück zu ihren Wurzeln.

Hannah Häffner beschreibt drei unterschiedliche Frauen, die doch viele Gemeinsamkeiten haben. Mir war jede von ihnen sympathisch.
Die Handlungsorte, das Dorf im Schwarzwald werden sehr anschaulich beschrieben. Ich hatte schnell Bilder im Kopf.
Auch die Zeit der Handlung, die mit den drei Generationen fortschreitet, wird gut eingefangen.

Hannah Häffner hat einen angenehmen und flüssigen Schreibstil. Die Sprache ändert sich mit jeder der drei Frauen. Zu Beginn, als Lieselotte im Mittelpunkt stand möchte ich die Sprache fast poetisch nennen. Die Autorin hat mit dem Wechsel der Frauen und somit der Generation auch den Ton in der Geschichte geändert. Das hat mir sehr gut gefallen.

Nach nur wenigen Seiten wurde ich wie durch einen Sog in die Geschichte katapultiert. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Ich habe mir in diesem Buch so viele schöne Sätze markiert, die ich einfach nicht vergessen möchte.

„Die Riesinnen“ ist eine absolute Leseempfehlung, bei mir wird das Buch sicher zu meinen Jahreshighlights zählen.

Upside down – Die Welt steht Kopf

N.R. Walker
Roman
350 Seiten
erschienen im Second Chances Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Nina Restemeier
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Second Chances Verlag für das Rezensionsexemplar

Absolut lesenswert

Klappentext:
Jordan O’Neill hat genug von Schubladen. Als schüchterner Bibliothekar fühlt er sich ohnehin schon oft fehl am Platz. Doch als ihm klar wird, dass das Label „asexuell“ vieles in seinem Leben erklärt, gerät seine sorgfältig sortierte Welt aus den Fugen.
Hennessy Lang weiß längst, wer er ist. Nach einer Trennung und einigen gescheiterten Beziehungen steht er offen zu seiner Asexualität und gründet in Surry Hills eine neue Selbsthilfegruppe. Dort begegnet er Jordan, der noch nach Antworten sucht und nicht weiß, wo er hingehört.
Zwischen vorsichtiger Nähe, leisen Gesprächen und großen Fragen versucht Hennessy, Jordan zu zeigen, dass sich sein Leben vielleicht nicht auf den Kopf gestellt hat, sondern endlich richtig herum steht.

„Upside down – Die Welt steht Kopf“ ist ein intelligenter und humorvoller Roman von N.R. Walker.

Im Mittelpunkt steh Jordan O’Neill, er ist Bibliothekar und sehr zurückhaltend, was seine Mitmenschen angeht. Erst als er Hennessy Lang trifft, scheint sein Leben in eine andere Bahn zu springen. Beide bezeichnen sich als asexuell und können plötzlich zusammen über das Thema reden.

N.R. Walker hat hier ein Thema aufgegriffen, über das ich in Büchern bisher noch nichts gelesen habe.
Die Geschichte ist so schön romantisch, ohne in Erotik abzudriften. Das hat mir besonders gut gefallen.
Mit viel Humor wird das Ganze immer wieder aufgelockert.

Die Charaktere werden gut beschrieben und sind lebendig. Ich mochte Jordan und auch Hennessy sehr gerne.
Es war schön ihnen zu folgen, bei den Gesprächen dabei zu sein und die Entwicklung zu erleben, die Jordan durchlebt. Denn sein Leben fühlt sich plötzlich an, wie auf den Kopf gestellt.

„Upside down – Die Welt steht Kopf“ ist ein schöner Roman über Liebe und Gefühle ohne jeglichen Spice.

Das Lavendelkloster

Alexander Oetker
Roman
282 Seiten
erschienen im Atlantik Verlag (Hoffman und Campe)
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

So schön kann Schweigen sein

Klappentext:
Julien, erfolgreicher Geschäftsführer und innerlich leer, zieht sich in ein abgelegenes Schweigekloster zurück. Hier in der Provence, wo nur der Sommerwind durch den Lavendel streicht, sucht er nach Versöhnung mit sich selbst und den Schatten der Vergangenheit. Inmitten der Stille begegnet er einer jungen Frau, schön, geheimnisvoll – und völlig ohne Worte entsteht zwischen den beiden etwas, das tiefer geht als Sprache: eine Liebe, geboren im Schweigen. Doch welche Chance hat diese Verbindung, wenn die Rückkehr in das alte Leben unvermeidlich ist?

„Das Lavendelkloster“ ist ein tiefgründiger Liebesroman von Alexander Oetker.
Der Autor ist eher von seinen Kriminalromanen bekannt, dieses Genre beherrscht er aber auch perfekt.

Im Mittelpunkt stehen Julien und Emma. Sie begegnen sich im Kloster, wo sie beide an einem Schweigeseminar teilnehmen. Während ihres Aufenthalts kommen sich Julien und Emma trotz Schweigen sehr nahe.

Jetzt könnt man denken, Schweigekloster, dass ist ein sehr ruhiges Buch. Weit gefehlt, man kommt den Charakteren sehr nahe. Man kann ihre Gefühle und Gedanken lesen.

Alexander beschreibt die Woche im Schweigekloster sehr intensiv. Die Sonne, der Duft des Lavendels und die Stille geben ein eindrucksvolles Bild.

Die Charaktere werden gut beschrieben. Mir waren Julien und Emma schnell sympathisch. Man konnte ihre Gefühle richtig spüren. Natürlich gab es auch andere Teilnehmer, die begegnen den Leser*innen aber nur bei den Mahlzeiten und auch mal abends am Kamin. Sie werden nur kurz umrissen.
Am Ende der Geschichte ist aber jedem Teilnehmer, jeder Teilnehmerin noch ein kurzes Kapitel gewidmet, in dem man sie und ihre Beweggründe ins Schweigekloster zu gehen kennenlernt. Das hat mir gut gefallen, schließlich hat man auch sie eine Woche begleitet.

Der Schreibstil von Alexander Oetker ist wie immer flüssig und gut verständlich.

„Das Lavendelkloster“ ist ein außergewöhnlicher Liebesroman, den ich mit Freude gelesen habe.

Wo die Kaffeekirschen leuchten

Nicola Denis
Roman
337 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an Friedenauer Presse für das Rezensionsexemplar

Ruhiger Roman über ein Auswandererpaar

Klappentext:
1953, im deutschen Wirtschaftswunderland: Eine junge Frau aus Ludwigshafen steht mit ihrem gerade angetrauten Ehemann an der Reling des Überseedampfers, der sie von Hamburg nach Kolumbien bringen wird. Ihn erwartet in der Andenstadt Tunja seine erste Anstellung als Geologe, sie sieht so freudig wie besorgt ihrer ungewissen Zukunft als »Auswanderer auf Zeit« entgegen – getrennt von der behütenden großen Familie im gläubigen Elternhaus, das Musikstudium geopfert und unvertraut mit der kolumbianischen Kultur und Geschichte. In Tunja sind sie konfrontiert mit den häufig kolonialen Attitüden der Auslandsdeutschen, die die Vergangenheit zumeist beschweigen. Während ihr Mann im Gelände forscht, ist die junge Deutsche mit der mühevollen Einrichtung ihres neuen Zuhauses beschäftigt und findet Anschluss als Kammermusikerin. Das »Band zur Heimat« pflegt sie in ihren Briefen auf Luftpostpapier, aus denen Sehnsucht und Selbstbehauptung sprechen: gesammelt in zwölf Ordnern. Mit diesen Dokumenten, Erzählungsfetzen und Fotoalben sowie auf einer Reise zusammen mit zweien ihrer Kinder nach Tunja folgt die Erzählerin gut siebzig Jahre später den Spuren der Eltern und Großeltern. Ein so akribisch wie aufrichtig gestalteter literarischer Dialog zwischen den Generationen.

„Wo die Kaffeekirschen leuchten“ von Nicola Denis ist ein Roman über ein Auswandererpärchen in den 1950er Jahren.

Ich hatte am Anfang etwas Schwierigkeiten in die Geschichte einzutauchen.
Die Perspektive, aus der die Geschichte erzählt wird, ist ungewöhnlich. Nicola Denis lässt die Tochter, die Geschichte ihrer Eltern erzählen. Man hat das Gefühl, die Tochter wäre in Kolumbien dabei gewesen, doch zu dieser Zeit war sie noch nicht geboren.

Der Ehemann hat in Kolumbien eine Stelle als Geologe bekommen. Zuerst reist er allein nach Tunja, nach ca. einem Jahr kehrt er zurück, um zu heiraten und reist dann zusammen mit seiner Frau wieder nach Tunja.
Die Ehefrau schreibt akribisch Briefe an die Eltern, Geschwister und an alle Verwandte in Deutschland. Sie möchte die Daheimgebliebenen am Leben in Kolumbien teilhaben lassen. Diese Briefe findet die Tochter dann nach dem Tod der Großeltern fein säuberlich abgeheftet in Leitzordnern.

Nicola Denis beschreibt das Leben in den Nachkriegsjahren gut. Auch das Leben in Kolumbien, dass so ganz anders ist als in Deutschland wird gut vermittelt.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig. Ich bin manchmal mit den vielen Menschen, die das Ehepaar kennenlernt, durcheinandergekommen.

Die Ehefrau, die in Deutschland ihr Musikstudium abgebrochen hat, widmet sich in Kolumbien wieder der Musik.

Nicola Denis erzählt die Geschichte in einem ruhigen Ton. Der Schreibstil ist flüssig und gut verständlich.

„Wo die Kaffeekirschen leuchten“ ist ein ruhiger Roman, erzählt aus ungewöhnlicher Perspektive.

Andere nennen es Urlaub

Franka Bloom
Roman
380 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Tiefgründig und humorvoll

Klappentext:
Annette, genannt Netti, (50) steckt privat und beruflich in einer Sackgasse: Die letzte Beziehung ist gescheitert, ihr Theatervertrag nicht verlängert, der Sohn auf dem Absprung. Und dann ist da noch ihr Vater Bruno, der seit dem Tod der Mutter nicht alleine klarkommt. Fast täglich schaut Netti bei ihm vorbei, obwohl sie und ihre erfolgreiche Schwester sich eigentlich gemeinsam kümmern wollten. Aber jetzt braucht Netti dringend eine Auszeit, um endlich mal durchzuatmen und ihr Leben neu zu ordnen. Und das am liebsten am Meer, irgendwo im Süden. Als sich ihr eine Mitfahrgelegenheit mit einem Italiener bietet, sagt sie sofort zu. Soll eben ihre Schwester nach dem Vater schauen. Doch als es losgeht, sitzt Bruno auf der Rückbank. Und Netti ahnt, dass es alles andere als ein entspannter Urlaub wird, denn ihr Vater hat eigene Pläne, und die Reisegruppe wird immer größer.

„Andere nennen es Urlaub“ ist ein humorvoller Familienroman von Franka Bloom.

Netti steht vor einem Wendepunkt in ihrem Leben. Ihr großer Durchbruch als Schauspielerin lässt schon lange auf sich warten. Jetzt wird sogar ihr Vertrag am Theater nicht verlängert. Der Sohn verlässt langsam das Nest. Nur ihr Vater Bruno, um den sie sich kümmert bleibt ihr erhalten. Ihre Schwester, mit der Netti sich abwechselnd um den Vater kümmern wollte, lässt sie kläglich im Stich.
Netti beschließt, sie braucht dringend Abstand von ihrem Alltag. Sie liebäugelt mit den Italienbildern in einem Reisebüro. Die Inhaberin macht ihr spontan das Angebot, mit ihrem Neffe Giorgio, der mit einem Kleinbus nach Triest fährt mitzufahren. Eine Woche Italien, ein Traum. Wohnen kann sie auch kostenlos im Apartment der Reisebürofrau, sie muss dafür nur das Apartment aufräumen. Kurzentschlossern sagt Netti zu. Um den Vater soll sich die Schwester kümmern. Doch am Tag der Abfahrt, sitzt Bruno schon auf dem Rücksitz und Netti wird in ihrem Urlaub zur 24-Stundernbetreuung.

Franka Bloom hat ihre Charaktere gut gezeichnet. Sie kommen richtig lebendig rüber. Mir gefallen Netti und auch ihr Vater Bruno sehr gut. Bruno kommt seit dem Tod seiner Frau nicht mehr allein klar, er braucht Hilfe. Im gemeinsamen Urlaub registriert Netti erst einmal, wie unselbstständig ihr Vater wirklich ist.

Franka Bloom erzählt die Geschichte tiefgründig und versieht sie immer wieder mit Humor.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich.
Das Thema Alleinsein und nicht loslassen können vermittelt die Autorin ihren Leser*innen gut.

„Andere nennen es Urlaub“ ist eine tiefgründige und humorvolle Familiengeschichte.