Die Bibliothek der verlorenen Seelen

Alexander Pechmann
Illustriert von Paloma Tarrió Alves
278 Seiten
erschienen im Steidl Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Steidl Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine Reise durch die Welt der Spukgestalten

Klappentext:
Ob man nun an Geister glaubt oder nicht, sie begleiten uns unter zahllosen Namen und in vielerlei Gestalt, seit der erste Mensch sich seiner Sterblichkeit bewusst wurde. Aus der Hoffnung, dass ein Jenseits und neben der sichtbaren Welt eine unsichtbare existieren möge, wuchsen Religionen, Mythen, Märchen und Geschichten, die einander in ihren Grundzügen bemerkenswert ähnlich sind, selbst wenn sie aus unterschiedlichen Kulturkreisen stammen. Alexander Pechmann begibt sich in seinem von Paloma Tarrío Alves wunderschön illustrierten Band auf die Spuren der Schriftsteller, die sich dem Reiz des Unheimlichen nicht entziehen konnten.

„Die Bibliothek der verlorenen Seelen“ von Alexander Pechmann, trägt den Untertitel „eine Reise durch die Weltliteratur der Geister, Dämonen und Spukgestalten“.
Dieser Untertitel beschreibt das Buch genau und hat mich neugierig gemacht.

Das Buch ist in 5 Kapitel aufgeteilt und wird begleitet von schönen Illustrationen von Paloma Tarrió Alves. Zu Beginn werden den Leserinnen die unterschiedlichen Spukgestalten erklärt. Dann geht es auf eine Reise in die Weltliteratur. Denn genau wie viele Menschen haben sich auch Autorinnen schon mit Geistern und Dämonen beschäftigt.

Alexander Pechmann schreibt hier weniger einen herkömmlichen Roman als vielmehr eine Liebeserklärung an das Medium Buch. Wer Freude an literarischer Spurensuche hat und eine Vorliebe für die dunkle Romantik pflegt, findet hier eine meisterhafte Symbiose aus Fachwissen und Erzählkunst.

Berühmte Persönlichkeiten wie Mary Shelley, Edgar Allan Poe, Charles Dickens, Henry James und Shirley Jackson werden von Pechmann aus ihren Schreibstuben geholt. Sie werden als feinfühlige, oft verletzliche Menschen gezeichnet, für die der Spuk eine Notwendigkeit war, um die Welt zu begreifen.

Der Schreibstil von Alexander Pechmanns ist das Herzstück des Buches. Es gelingt ihm, akademische Präzision mit der fesselnden Atmosphäre einer klassischen Novelle zu verbinden. Der Ton ist anspruchsvoll, aber niemals trocken. Alexander Pechmann schreibt mit einer spürbaren Begeisterung für das Abstruse und Kuriose. Seine Sätze fließen elegant und fangen den nostalgischen Charme des 19. Jahrhunderts perfekt ein.

„Die Bibliothek der verlorenen Seelen“ ist eine ganz andere Art von Buch, die ich sehr interessant finde.

Abgrund

Robert Harris
Roman
501 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Wolfgang Müller
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an das Bloggerportal und den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein interessanter Roman

Klappentext:
Sommer 1914. Die Welt am Rande der Katastrophe.

In London hat die 26-jährige Venetia Stanley, aristokratisch, klug, unbekümmert, eine Affäre mit Premierminister H. H. Asquith, einem Mann, der mehr als doppelt so alt ist wie sie. Er schreibt ihr wie besessen Liebesbriefe und teilt ihr die heikelsten Staatsgeheimnisse mit.

Während Asquith das Land unfreiwillig in den Krieg gegen Deutschland führt, untersucht ein junger Geheimdienstoffizier die widerrechtliche Enthüllung streng geheimer Dokumente und plötzlich wird aus einer intimen Affäre eine Angelegenheit der nationalen Sicherheit, die den Verlauf der politischen Geschichte verändern wird.

„Abgrund“ ist ein Roman von Bestsellerautor Robert Harris, den es jetzt als Taschenbuch gibt. Ich habe von Robert Harris schon einige Romane gelesen und bin immer wieder begeistert.

Die Geschichte spielt in der Zeit des 1. Weltkriegs.
H. H. Asquith ist zu Beginn bis 1916 Premierminister von Großbritannien.
Gerade am Anfang des Kriegs muss Großbritannien gegenüber Deutschland große Verluste hinnehmen.
Genau in dieser so brenzligen Zeit geht der Premierminister ein Verhältnis mit der wesentlich jüngeren Venetia Stanley ein. Venetia ist klug und bekommt von Asquith so einige Staatsgeheimnisse mit.

Detective Sergeant Paul Deemer, ist ein fiktiver Charakter wird in dieser Geschichte dazu eingesetzt, Spionagefälle aufzudecken.

Robert Harris versteht es gut, Realität und Fiktion fein zu verweben, sodass ein großes, kaum zu trennendes Ganzes entsteht.
In dieser Geschichte treffen die Leser*innen auf einige reale, aber auch auf einige fiktive Charaktere. Hier hätte ich mir ein Personenverzeichnis mit markierten realen Personen gewünscht.
Natürlich sind H. H. Asquith und auch seine Geliebte Venetia Stanley reale Persönlichkeiten. Der Autor konnte in einigen Briefen die Beziehung nachverfolgen. In die Geschichte fließen auch einige der Briefwechsel ein. Wie eng die Beziehung zwischen H. H. Asquith und Venetia Stanley war, ist nicht ersichtlich. Die Briefe sind sehr vertraut und doch distanziert.

Robert Harris konnte mich mit seinem Roman wieder einmal begeistern.
Die Leser*innen verfolgen nicht nur die Beziehung des Premierministers, sondern auch den Beginn des 1. Weltkriegs und seine Auswirkungen auf Großbritannien.

Die Charaktere, egal ob real oder fiktiv, wirken lebendig.
Es ist sehr interessant, sowohl die Beziehung zwischen H. H. Asquith und Venetia Stanley zu verfolgen. Aber auch der geschichtliche Hintergrund kommt nicht zu kurz.

Wie gewohnt ist der Schreibstil von Robert Harris flüssig, gut verständlich und fesselnd.
Ich habe auch dieses Buch wieder an 2 Abenden verschlungen.

Heimatsommer

Petra Durst-Benning
Roman
436 Seiten
erschienen im Blanvalet Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Blanvalet Verlag für Rezensionsexemplar

Wenn man fest zusammenhält, kann man fast alles schaffen

Klappentext:
Fleur liebt das Leben in Goldberg. Nirgendwo ist es so schön und idyllisch wie in ihrer Heimat. Doch alles gerät ins Wanken, als ihre Mutter Helene stirbt und die Zukunft des Weinorts auf dem Spiel steht. Zusammen mit ihrer besten Freundin Eleonore beschließt Fleur, für ihre Stadt zu kämpfen. Goldberg soll richtig aufblühen! In Schwung kommen ihre Pläne allerdings erst, als Jean-Claude, Koch und vielgereister Weltenbummler, in die Heimat zurückkehrt. Plötzlich liegt Hoffnung in der Luft und wird auch Fleurs Herz wieder eine Heimat finden?

Mit „Heimatsommer“ hat Petra Durst-Benning wieder einmal einen zeitgenössischen Roman veröffentlicht.
Petra Durst-Benning gehört zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen, ich habe alle Bücher von ihr verschlungen. Egal ob historisch oder zeitgenössisch, ihre Bücher sind immer ein wahrer Lesegenuss.
Und wie kann es bei einem Buch der Autorin anders sein, auch „Heimatsommer“ hat mich sofort wieder in seinen Bann gezogen und wird ohne Zweifel wieder zu meinen Highlights des Jahres gehören.

Die Geschichte hat mich etwas an die Maierhofen-Reihe erinnert.
Auch in diesem neuen Roman steht eine kleine Stadt vor dem Aus.
Der Weinort Goldberg hat Probleme, überall fehlt das Geld. Auch die Weinbauern können von ihrem Ertrag nicht überleben. Jetzt ist der Verbleib der Winzergenossenschaft fraglich. Zumal der Kellermeister seine Stelle gekündigt hat und kein Nachfolger in Sicht ist. Zum Glück springt Jean-Claude ein, der eigentlich nur für kurze Zeit nach Hause gekommen war. Hat er früher immer kaum erwarten können, die kleine Stadt wieder zu verlassen, um in der weiten Welt als Koch zu arbeiten, fühlt er sich plötzlich wie zu Hause. Das liegt auch an Fleur, einer Freundin aus Kindertagen.
Gemeinsam rufen die Winzer das „Rebenbeben“ aus. Ein Weinjahr voller Events und schöner Erlebnisse. Die Bewohner von Goldberg rücken nah zusammen und viele packen mit an, um Goldberg schöner und bekannter zu machen.

Petra Durst-Benning versteht es, starke Charaktere zu erschaffen und ihnen Leben einzuhauchen.
Hier sind es gleich mehrere Charaktere, die mein Herz im Sturzflug erobert haben.

Als Erstes möchte ich Jean-Claude nennen. Er hatte einst Weinbau studiert, ist aber lieber als Koch durch die Welt gezogen. Jetzt ist er für ein paar Monate nach Goldberg gekommen, im Januar fängt er eine neue Stelle an. Doch Goldberg lässt Jean-Claude nicht mehr los. Er übernimmt die Kelter der Winzergenossenschaft und ist für den Wein verantwortlich.

Seine Mutter Agnes ist Witwe, auch ihr liegt das Kochen im Blut. Schließlich hat ihre Urgroßmutter Fabienne einst ein eigenes Gasthaus in Frankreich gehabt.
Agnes ist eine sympathische Frau, die nach dem Tod ihres Mannes das Gefühl hat, alles Versäumte nachholen zu müssen.

Eleonore ist die Tochter von Agnes und die Schwester von Jean-Claude. Als Landrätin setzt sie sich für Goldberg und das „Rebenbeben“ ein.

Schließlich ist da noch Fleur, die Tochter von Helene, der besten Freundin von Agnes. Gerade wurde ihre Mutter Helene beerdigt und Fleur kämpft noch mit der Trauer. Da ist das Engagement für das „Rebenbeben“ eine willkommene Ablenkung.

Es ist eine wahre Freude zu lesen, wie das Weinstädtchen zusammenrückt und fast alle Winzer begeistert von der Idee mit dem „Rebenbeben“ sind. Die Winzer lassen sich einiges einfallen, Picknick in den Weinbergen, ein Kinderweinberg, die Stadt wird mit Blumen an vielen Orten verschönert. Alt und Jung beteiligen sich an den einzelnen Events.

Nebenbei können die Leser*innen noch eine zarte Liebesgeschichte erleben, die wie ein zartes Pflänzchen wächst.

Für ihre Stammleser hat Petra Durst-Benning noch ein kleines Schmankerl in der Geschichte versteckt. So ist Agnes die Urenkelin von Fabienne und die Samen für die Bepflanzung des Ortes werden aus einem Samenkatalog aus Gönningen bestellt.
Beim Lesen hatte ich hier gleich ein Lächeln im Gesicht.

Petra Durst-Benning hat wie immer einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Nach wenigen Seiten war ich ganz tief in der Geschichte versunken.
Es ist für mich immer eine besondere Freude, ein Buch von der Autorin zu lesen. So wird auch diese Geschichte wieder lange in meiner Erinnerung bleiben.

Ein Ort der bleibt

Sandra Lüpkes
Roman
491 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Friedenauer Presse für das Rezensionsexemplar

Generationenroman

Klappentext:
Magdas Leben verändert sich mit einem Schlag: Ihr Mann Alfred, Botaniker in Münster, verliert 1933 seine Professorenstelle, weil er Jude ist. Als sich die Situation in Deutschland zuspitzt, packt die Familie Heilbronn ihre Koffer. Im fernen Istanbul lockt ein überraschendes Angebot: Republikgründer Atatürk will die Universitäten des Landes modernisieren, und am Bosporus soll ein prächtiger Botanischer Garten mit Pflanzen aus aller Welt entstehen. Also verstaut Magda im Gepäck auch Samen aus der westfälischen Heimat. Aber wird sie selbst in der Fremde neue Wurzeln schlagen?
Wenige Jahre später ist der Garten in der Altstadt von Istanbul ein blühender Ort der Wissenschaft. Die talentierte Botanikerin Mehpare kümmert sich als Alfreds Assistentin um Beete und Gewächshäuser. So vieles lässt sich in der Welt sammeln und erforschen nur Mehpares Gefühle bleiben unentdecktes Terrain. Bis sie nach einem tragischen Unglück den Boden unter den Füßen verliert.
Jahrzehnte später verschlägt es die junge Stadtplanerin Imke nach Istanbul. Sie soll eine Studie zur Zukunft des Botanischen Gartens erstellen und damit über das Schicksal dieses besonderen Ortes mitentscheiden. Doch sie ahnt nicht, dass sie dazu selbst aus dem Schatten treten muss.

„Ein Ort, der bleibt“ ist ein wunderschöner Roman in dem 3 Frauen im Mittelpunkt stehen, von Sandra Lüpkes.
Die drei Frauen Magda, Mehpare und Imke führen die Leser*innen durch diese wunderschöne Geschichte.

Magda ist die Ehefrau des Botanikers Alfred Heilbronn. Da Alfred Jude ist, verliert er 1933 seine Stelle an der Universität. Er folgt einem Angebot und reist mit seiner Familie in die Türkei, um dort einen Botanischen Garten anzulegen.
Magda unterstützt ihren Mann mit aller Kraft und sorgt dafür, dass die Familie in der Türkei heimisch wird.

Mehpare ist die Assistentin von Alfred. Unter Atatür, der das Land modernisieren möchte haben die Frauen mehr Rechte. Sie brauchen sich nicht zu verhüllen, dürfen sogar studieren. Mehparre saugt das Wissen von Alfred förmlich auf. Doch als ein Schicksalsschlag sie trifft, sucht sie Trost in den alten Ritualen ihres Landes.

Imke, ist die Protagonistin der Gegenwart. Sie ist Stadtplanerin in Münster. Jetzt soll sie den Botanischen Garten in Istanbul begutachten, der vor ca. 100 Jahren von dem deutschen Botaniker Alfred Heilbronn gestaltet wurde.

Die Geschichte hat zwei Zeitebenen. Einmal Folgen die Leser*innen Magda und Alfred Heilbronn auf ihrem Weg nach Istanbul. Dort beginnt ein kleines Paradies zu entstehen. Die Pflanzen wachsen und gedeihen und es ist eine n wahre Freude das als stiller Beobachter mitzuerleben.

In der Gegenwart begleiten die Leserinnen Imke nach Istanbul und sehen, was aus dem Botanischen Garten 100 Jahre später geworden ist.

Sandra Lüpkes erzählt die Geschichte eindrucksvoll. Es macht Freude den Charakteren zu folgen, egal ob in der Vergangenheit oder der Gegenwart.

Die Geschichte wird in einem ruhigen Tonfall erzählt. Die Charaktere sind sympathisch und lebendig. Jeder von ihnen hat sein Päckchen zu tragen und teilen ihre Ängste und Nöte mit uns Leser*innen.

Sandra Lüpkes hat einen bildhaften Schreibstil. Bei mir hat schnell ein Kopfkino eingesetzt. Den Botanischen Garen in all seiner Pracht habe ich deutlich vor mir gesehen.

„Ein Ort, der bleibt“ ist eine Geschichte über Generationen, die von Neubeginn und Hoffnung erzählt. Mich hat die Geschichte beeindruckt.

Löwenmutter

Hera Lind
Roman
502 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Geschichte nach einer wahren Begebenheit

Klappentext:
München, 1985: Die junge Claudia Baumgartner lernt den sieben Jahre älteren Flötisten Florian Moser kennen und lieben. Das junge Paar bekommt Fünflinge, die als Frühchen auf die Welt kommen. Zwei der Babys sterben nach wenigen Monaten. Claudia kämpft wie eine Löwin, um ihrer Familie das optimale Zuhause zu bieten. Sie bekommt noch eine weitere Tochter, Julia, und nimmt ein Pflegekind auf, das türkische Mädchen Merve. Doch Florian, der eine bipolare Störung hat, wird zunehmend aggressiv, hat Affären und zwingt Claudia zu mehreren Umzügen quer durch die ganze Republik. Ausgerechnet im Umzugsunternehmer Didi findet Claudia einen treuen Freund und später einen verlässlichen neuen Partner, als sie sich endlich von Florian trennt. Didi ist es schließlich auch, der Claudia eine späte Heimat schenkt, mit dem Kauf des Hauses in Bergheim, in dem sie sich einst am wohlsten fühlte.

Hera Lind erzählt in ihrem neuen Roman „Die Löwenmutter“ wieder eine Geschichte nach einer wahren Begebenheit.

Ich lese sehr viel und manchmal denkt man, man hat über fast alles schon gelesen.
Die Geschichten von Hera Lind sind so unterschiedlich wie die Menschen, von denen die Autorin erzählt.

Im Mittelpunkt steht Claudia, die mit dem Flötisten Florian Moser ihr Glück gefunden hat. Nur der ersehnte Nachwuchs mag sich nicht einstellen. Nach einer Hormonbehandlung bekommt Claudia dann Fünflinge, die zu früh das Licht der Welt erblicken. Hier fängt Claudias Kampf an, denn sie kämpft um das Leben ihrer Kinder. Zweimal verliert sie, denn zwei der Fünflinge sterben nach wenigen Monaten. Mit diesem Leid muss Claudia allein fertigwerden, Florian ist mit einem Orchester auf Reisen.
Als sie noch einmal schwanger wird und ein Mädchen bekommt ist die Familie komplett.
Zusätzlich nimmt die Familie noch ein Pflegekind auf. Claudia tut alles, um der Familie ein gutes Heim zu bieten. Doch Florian verwandelt sich immer mehr. Aus dem einst geliebten Mann wird ein Tyrann. Immer wieder treibt er die Familie zu einem Umzug an. Von Treue hält Florian auch nicht mehr viel. Doch er kann Claudia immer wieder bezirzen und sie glaubt ihm auch noch. Doch eines Tages lernt sie eine neue Liebe kennen und sucht noch einmal ihr Glück.

Hera Lind konnte für ihre Geschichte in ausführlichen Schriften von Claudia stöbern.
Die Autorin erzählt Claudias Geschichte berührend und gleichzeitig dramatisch ist.

Mir war Claudia schnell sympathisch. Ihr ist nichts wichtiger als ihre Familie und dieser ein liebevolles Heim zu schaffen.
Doch Florian machte es seiner Frau schwer. Zu Beginn war auch Florian mir sympathisch, doch im Laufe der Geschichte ging eine Veränderung in ihm vor, die ich nicht mochte.
Ich habe mit Claudia gelitten und immer gehofft, dass sie die Ausweglosigkeit sieht und nicht immer wieder von Florians Worten überzeugt wird.

Hera Lind erzählt die Geschichte schonungslos und ehrlich.
Auch wenn es ein Roman ist und die Autorin mit ihrer künstlichen Freiheit die Geschichte vielleicht etwas verfremdet hat, kommt die Geschichte sehr authentisch und ehrlich bei mir als Leserin an.

„Die Löwenmutter“ ist eine klare Leseempfehlung von mir.
Eine Geschichte die man so schnell nicht vergisst.

Ankommen auf dem Jakobsweg

Jana Krok
Roman
240 Seiten
erschienen im Selfpublishing
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Jana Krok für das Rezensionsexemplar

Der Jakobsweg-eine Herausforderung

Klappentext:
Nur mit ihrem Rucksack und einem Zweifel im Herzen wagt sich Sofia allein auf den Jakobsweg, 790 km bis nach Santiago de Compostela. Ängste und Begegnungen stellen sie auf die Probe, doch Schritt für Schritt entdeckt sie, dass der Camino nicht nur nach Santiago führt, sondern zu einem neuen Verständnis von sich selbst.

„Ankommen auf dem Jakobsweg“ von Jana Krok ist eine Pilgergeschichte und ein Reisebericht mit wertvollen Tipps für alle, die einmal den Jakobsweg gehen möchten.

Im Mittelpunkt steht Sofia. Sie geht den Jakobsweg allein und hat jede Menge Zweifel im Gepäck. Die Leser*innen dürfen sie auf 790 km von Barcelona bis hin nach Santiago de Compostela begleiten. Vier Wochen hat Sofia für den langen Weg eingeplant. In dieser Zeit lernt man Sofia gut kennen, erfährt etwas über ihr Leben und warum sie sich für den Pilgerweg entschieden hat. Während der Pilgerreise hält Sofia stets Kontakt mit ihren Lieben zu Hause. Auch trifft sie immer wieder auf andere Pilger*innen.

Mir war Sofia schnell sympathisch und ich habe ihren Mut bewundert, sich allein auf den langen Weg zu machen.

Gleichzeitig ist das Buch ein Reisebericht, die Leser*innen erfahren viel über die einzelnen Etappen. Man kann lesen, wie man am besten die Tagesetappen plant, welche Ausrüstung unverzichtbar ist und wie man seine Unterkünfte plant.

Der Jakobsweg muss eine ganz eigene Atmosphäre haben, das spürt man in diesem Roman. Das Aufeinandertreffen von verschiedenen Pilgern und die Gespräche nehmen einen großen Teil der Geschichte ein und das habe ich sehr genossen.

Wie die Reise, so ist auch das Buch in einzelne Etappen aufgeteilt. Es sind mal längere und mal kürzere Kapitel. Die Etappen haben unterschiedliche Herausforderungen., das vermittelt Jana Krok hervorragend.

„Ankommen auf dem Jakobsweg“ ist eine Geschichte für alle, die einmal den Jakobsweg gehen möchten. Hier bekommt man einen guten Eindruck und wertvolle Tipps.
Es ist aber auch eine Geschichte für Menschen, die einfach ein gutes Buch über eine starke Frau, über Neuanfang, Mut und Zweifel lesen wollen.

Wilde Häuser

Colin Barrett
Roman
erschienen im Steidl Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Claudia Glenewinkel und Hans-Christian Oeser
250 Seiten
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Steidl Verlag für das Rezensionsexemplar

Kleinstadtganoven in der irischen Provinz

Klappentext:
Es ist das wichtigste Wochenende des Jahres. Während sich Ballina im Westen Irlands auf ein großes Fest vorbereitet, verschwindet Doll English nach einem Streit mit seiner Freundin Nicky spurlos von einer Party. Sketch und Gabe Ferdia, Kleinstadt-Gauner mit einem Hang zu roher Gewalt, haben den Jugendlichen entführt. Dessen älterer Bruder, der örtliche Dealer Cillian hat seine Schulden nicht bezahlt. Ihr Cousin Dev scheint den Ferdias der ideale Gastgeber für die Geiselnahme zu sein, denn der sanftmütige Riese führt in ländlicher Abgeschiedenheit ein Leben unter dem Radar. Dev wird zum unfreiwilligen Komplizen, doch ausgerechnet er, die personifizierte Untätigkeit, ist Dolls beste Chance zu überleben. Auch Nicky wird in den Rachefeldzug hineingezogen. Verkatert und voller dunkler Vorahnungen macht sie sich auf die Suche nach ihrem Freund. Wie Dev muss sie, um Doll zu retten, eine Entscheidung treffen.

„Wilde Häuser“ von Colin Barrett ist ein Roman mit skurrilen Charakteren und einem bissigen Humor.

Der Roman handelt von Kleinstadtganoven, Dealer, Schulden und Rache.
Colin Barrett entwirft ein atmosphärisch dichtes Porträt der irischen Provinz, das gleichermaßen düster wie tief berührend ist.

Die Charaktere sind skurril.
Da ist Dev, ein sanfter Riese, der unfreiwillig in die Machenschaften seines kriminellen Cousins hineingezogen wird, und die jungen Nicky, die verzweifelt versucht, ihren Platz in einer Welt voller Stillstand zu finden. Barrett zeichnet keine Helden, sondern echte Menschen mit Ecken und Kanten.

Colin Barrett entwirft ein atmosphärisch dichtes Porträt der irischen Provinz, das gleichermaßen düster wie tief berührend ist.

Der Schreibstil ist präzise und atmosphärisch.
Colin Barretts Sprache ist ein Genuss. Er schreibt mit einer Präzision, jedes Wort sitzt, jedes Bild setzt sich im Kopf fest.
Der Autor schafft es, die Tristesse der Kleinstadt Ballina so lebendig zu beschreiben, dass man den Regen förmlich auf der Haut spürt. Dabei verfällt er nie in Klischees, sondern findet für das Alltägliche eine ganz eigene, raue Poesie.

Trotz der harten Themen (Schulden, Entführung, Perspektivlosigkeit) ist das Buch überraschend humorvoll. Es ist dieser typisch irische, beißende Humor, der aus der Ausweglosigkeit geboren wird. Die Dialoge sind staubtrocken und voller schlagfertiger Boshaftigkeiten, die einen immer wieder laut auflachen lassen. Dieser Kontrast zwischen Gewalt und Witz verleiht der Geschichte eine enorme Dynamik.

„Wilde Häuser“ ist ein fesselnder Noir-Roman über Familie, Loyalität und die Enge der Provinz. Ein absolutes Highlight für alle, die literarische Qualität gepaart mit einer packenden Story suchen.

Die schwimmende Buchhandlung von Venedig

Annabel French
Roman
371 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Anne Rudelt
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Roman mit traumhaftem Setting

Klappentext:
Beth liebt ihr Leben in Venedig, doch als sie ihren Job verliert, ist sie am Boden zerstört. Bis sie zufällig auf einen zum Verkauf stehenden Bücherkahn stößt. Um ihre schwimmende Buchhandlung ›La Libreria delle parole‹ aufzubauen, braucht sie Hilfe – von Marco, einem leidenschaftlichen Kunstförderer. Zwischen den beiden funkt es sofort. Doch schaffen sie es, sich ihren Ängsten zu stellen?

„Die schwimmende Buchhandlung von Venedig“ ist der 2. Band der Trilogie „Love and the City“ von Annabel French.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Beth. Beth ist eine sympathische junge Frau, die von England nach Venedig gekommen ist und dort in einer Gallery arbeitet. Ihre Stelle und ihre Wohnung werden von einer Stiftung finanziert, die jetzt allerdings das Geld für andere Zwecke benötigt. Kurz gesagt, Beth verliert ihre Stelle und muss sich auch eine andere Wohnung suchen.
Klar ist ihr, sie möchte gerne in Venedig bleiben. Da hört sie von einem alten Bücherkahn, der verkauft werden soll. Beth die immer sehr überlegt und strategisch handelt, kauft spontan die schwimmende Buchhandlung. Ihre Freundin Cesca, hilft beim Umbau der Barke. Als Beth, Cescas Bruder Marció kennenlernt, beginnen ihre Gefühle verrücktzuspielen.

Annabel Frenchn hat sympathische Charaktere entworfen. Natürlich Beth, die einen Neuanfang in Venedig sucht, ist mir besonders sympathisch. Es macht Freude, Beth zu begleiten und ihre Entwicklung mitzuerleben. Die Frau, die immer alles abwägt und sich in Schwarz oder Grau kleidet, handelt auf einmal spontan, aus dem Bauch heraus und sehnt sich nach mehr Farbe bei ihrer Kleidung.

Annabel French erzählt die Geschichte mit einer schönen Leichtigkeit und mit Gefühl.
Die Buchhandlung beschreibt die Autorin sehr anschaulich. Und was für einen schönen Namen die Buchhandlung hat. „ ›La Libreria delle parole“, „Die Bibliothek der Worte“.

Die Geschichte handelt von einem Neuanfang, von Zusammenhalt und von Liebe.
Ja, es wird auch romantisch in der Geschichte, auch wenn da erst einmal ein paar Hürden genommen werden müssen.

Annabel French hat einen erfrischenden, flüssigen und gut verständlichen Schreibstil.
Ich konnte das schon bald nicht mehr aus der Hand legen.

„Die schwimmende Buchhandlung von Venedig“ ist ein ganz bezaubernder Roman.
Ich freue mich schon auf den 3. Band „Das schwimmende Café von Kopenhagen, der schon im Juli erscheinen soll.

Und das Glück duftet nach Wolken und Meer

Susa Bartel
Roman
396 Seiten
erschienen im Droemer Knaur Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Droemer-Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein Roman zum Eintauchen und Träumen

Klappentext:
Viele Jahre ist es her, dass die 33-jährige Kayla zuletzt in ihrer Heimat Irland war: Zu groß ist der Schmerz, den sie dort zurückgelassen hat. Denn ihre Mutter verschwand ohne ein Wort, als Kayla noch ein Kind war. Jetzt zwingt sie der plötzliche Tod ihres Vaters, ins beschauliche Old Quay zurückzukehren. Dort trifft sie nicht nur ihre geliebte Gran und ihre Sandkastenfreundin Maeve wieder, sondern auch ihren Bruder Logan, mit dem sie seit einem schlimmen Streit kaum gesprochen hat. Während langer Spaziergänge am Meer kehren endlich auch die schönen Erinnerungen zu Kayla zurück. Und sie begegnet dem jungen Witwer Nathan, der die zauberhafte Perfumery Wildflowers betreibt. Dann entdeckt Kayla etwas, das die Vergangenheit in neuem Licht erscheinen lässt …

„Und das Glück duftet nach Wollen und Meer“ ist eine Familiengeschichte mit einem Familiengeheimnis von Susa Bartel.

Im Mittelpunkt steht die 33-jährige Kayla, sie war lange nicht mehr in ihrer Heimat Irland. Zu viele schlechte Erinnerungen, zu großen Schmerz verbindet Kayla mit ihrem früheren Zuhause.
Doch der Tod ihres Vaters führt Kayla zurück und sie muss sich den Erinnerungen stellen.
Kayla trifft aber auch auf Menschen, die ihr viel bedeuten, wie ihre Gran und ihre Freundin Maeve. Aber auch ihrem Bruder, mit dem sie seit einem Streit nicht mehr gesprochen hatte, begegnet Kayla.
Und dann ist da der Witwer Nathan, der Licht in Kaylas Vergangenheit bringt.

Was für ein schönere Roma ist Susa Bartel da gelungen. Nach wenigen Seiten wurde ich ganz tief in die Geschichte reingezogen.

Die Charaktere sind liebenswert. Besonders Kayla mochte ich vom ersten Augenblick an. Sie lebt in Berlin, weder ihre Beziehung noch ihr Job laufen optimal. Jetzt muss sie wegen des Todes ihres Vaters nach Irland. Auch dort muss Kayyla sich den Widrigkeiten stellen.
Die Gefühle von Kayla, Wut, Trauer, Einsamkeit und Heimatgefühle werden deutlich vermittelt.

Susa Bartel beschreibt Irland sehr schön. Ich habe die langen Spaziergänge mit Kayla am Meer genossen. Ich konnte das Salz fast riechen.

Der Schreibstil von Susa Bartel ist flüssig und gut verständlich. Mich hat beim Lesen ein Fernweh ergriffen. Ich würde gerne einmal in das Irland von Kayla reisen.

„Und das Glück duftet nach Wollen und Meer“ ist ein wunderschöner Roman, der einen träumen lässt.

Mit anderen Augen

Jane Tara
Roman
485 Seiten
Übersetzt aus dem australischen Englisch von Tanja Handels
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Sichtbarkeit und Selbstverwirklichung

Klappentext:
Tilda Finch glaubt, sie sieht nicht richtig: Mit einem Mal ist ihr kleiner Finger verschwunden. Es folgen die Nase und das Ohr. Sie wird unsichtbar werden, sagt ihre Ärztin, doch das will Tilda auf keinen Fall zulassen. Schließlich hat sie eine Menge, wofür es sich lohnt, sichtbar zu bleiben: ihre wunderbaren Töchter, ein erfolgreiches Business und fantastische Freundinnen. Tilda nimmt all ihren Mut zusammen und beginnt, sich selbst mit anderen Augen zu sehen.

„Mit anderen Augen“ ist ein faszinierender Roman von Jane Tara.

Im Mittelpunkt steht Tilda Finch, eine 52-jährige Geschäftsfrau und Mutter. Sie traut ihren Augen nicht mehr, den plötzlich sieht sie immer weniger Körperteile von sich. Es ist, als ob sie sich auflöst.
Doch ihre Ärztin sagt, genau so wäre es. Tilda würde langsam unsichtbar werden. Doch Tilda steht mitten im Leben und möchte sichtbar sein.

Jane Tara hat sich ein schweres Thema für ihren Roman ausgesucht, das Unsichtbarwerden von Frauen.
So wie es Tildas in diesem Roman ergeht, so ergeht es vielen Frauen, ab einem gewissen Alter werden sie nicht mehr wahrgenommen. Doch Tilda kämpft um ihre Sichtbarkeit.

Jane Tara hat tolle Charaktere zum Leben erweckt. Besonders gefällt mir natürlich Tilda. Es macht Freude, sie auf dem Weg zu mehr Sichtbarkeit zu begleiten.

Mit viel Humor und manchmal auch etwas überspitzten Szenen nimmt Tilda den Kampf auf.
Ich musste bei der Geschichte, obwohl es ein ernstes Thema ist, oft schmunzeln.

Jane Tara erzählt die Geschichte mit einem flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Immer wieder streut sie Humor ein und man stößt auf einige Metaphern.

„Mit anderen Augen“ ist ein erfrischender Roman, den ich in einem Stück gelesen habe.