Das Geheimnis der Strandvilla

Corinna Kastner
Roman
549 Seiten
erschienen im Emons Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Emons Verlag für das Rezensionsexemplar

Eine atmosphärische Spurensuche an der Ostsee

Zum Inhalt:
Mit ihrem Roman „Das Geheimnis der Strandvilla“ entführt Corinna Kastner ihre Leser*innen an die malerische Ostseeküste.
Im Mittelpunkt steht die Schriftstellerin Viktoria Brand. Bei ihren Lesungen, die meist von Frauen besucht werden, fällt ihr ein älterer Mann auf. Er bittet sie am Ende auch noch um ein Autogramm. Zu einem Gespräch hat es leider nicht gereicht, der Mann war zu schnell verschwunden.
Etwas später bekommt Viktoria die Nachricht, dass sie die Hälfte einer Strandvilla in Wustrow geerbt hat. Das kommt für Viktoria sehr überraschend, denn den Verstorbenen kannte sie nicht.
Neugierig geworden, schaut Viktoria sich die Strandvilla an. Hier erfährt Viktoria auch die Bedingungen, die an das Erbe geknüpft sind.
Die andere Hälfte der Strandvilla hat Roman Marendorff geerbt. Beide sollen 2 Monate zusammen in der Villa verbringen, um das Erbe zu bekommen.
Beim Durchstöbern des Hauses stößt Viktoria auf Ungereimtheiten, alte Briefe und Spuren, die auf ein Geheimnis hindeuten.

„Das Geheimnis der Strandvilla“ ist ein atmosphärischer Roman über Liebe und Geheimnisse von Corinna Kastner.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig.
Viktoria Brand ist Schriftstellerin. Sie besitzt viel Kreativität, die sie für ihren Beruf auch braucht, und ist neugierig. Aber sie ist auch verletzbar und hat ihre inneren Ängste.

Roman Marendorff hat die 2. Hälfte der Strandvilla geerbt. Er ist eher ein Pragmatiker und geht die Sache mit weniger Emotionen an.

Beide nehmen die Bedingung des Erbes an. Doch das Zusammenleben stellt sich als schwieriger raus als gedacht. Es kommt immer wieder zu Reibereien zwischen Viktoria und Roman.

Auch die Nebendarsteller sollen Erwähnung finden. Besonders die Dorfbewohner mit ihrer norddeutschen Distanziertheit bereichern die Geschichte.

Die Geschichte hat 2 Zeitebenen. Einmal die Gegenwart, in der das Geheimnis rund um die Strandvilla und die Familie gelüftet wird.
Dann gehen die Leser*innen in die Vergangenheit.
Im Mittelpunkt stehen die Zwillinge Doro und Marie, die ihre Ferien an der Ostsee verbringen. Als die Zwillinge in Seenot geraten, werden sie von Johann gerettet. Eine Liebesgeschichte entspinnt sich. Doch Johann ist nicht standesgemäß für eine der beiden Hotelerbinnen aus Stralsund. Hier nimmt das Drama aus Liebe und Gefühlen, die nicht sein dürfen, seinen Lauf.

Der Handlungsort wird von Corinna Kastner anschaulich beschrieben. Das Rauschen der Wellen, der salzige Wind, das wechselhafte Wetter und die einsame Melancholie der Strandvilla im Nebel erzeugen eine dichte, fast greifbare Atmosphäre.

Der Schreibstil von Corinna Kastner ist flüssig, gut verständlich und sehr bildhaft. Die Autorin bevorzugt leise Töne und eine präzise Sprache, die die Emotionen der Figuren perfekt vermittelt. Die Wechsel zwischen den Zeitebenen und den unterschiedlichen Perspektiven sind übersichtlich gestaltet, sodass man als Leser*in nie den Faden verliert, sondern immer tiefer in den Sog der Geschichte hineingezogen wird.

„Das Geheimnis der Strandvilla“ ist weit mehr als ein unterhaltsamer Roman. Es ist ein tiefgründiges, atmosphärisches Familiendrama über Schuld, das Schweigen von Generationen und die Suche nach der eigenen Identität.
Ich habe das Buch mit Freude gelesen und möchte es uneingeschränkt weiterempfehlen.

Ms Atkins und die Bibliothek der Träume

Vanessa Göcking
Roman
320 Seiten
erschienen im VANI Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Eine Reise zu den eigenen Wünschen

Zum Inhalt:
Im Mittelpunkt steht Amanda Eleonore Atkins. Als Finanzbeamtin lebt Ms Atkins nach strengen Regeln und einer selbstaufgelegten Ordnung.
So geht sie auch schon seit mehreren Jahrzehnten jeden Freitag in die öffentliche Bibliothek in London, um Bücher auszuleihen. Ms Atkins leiht sich immer nur Sachbücher aus, fiktive Geschichten lehnt sie ab.
Eines Freitags führt ein junger Bibliothekar Ms Atkins in einen verborgenen Leseraum und bringt damit Ms Atkins geordnetes Leben ins Wanken. Hier begegnet Ms Atkins Robert Joy und der eigenwilligen Xiao Mei Smith. Zusammen tauchen sie in die magischen Geschichten ein.

„Ms Atkins und die Bibliothek der Träume“ von Vanessa Göcking entfaltet eine zarte, lebensphilosophische Wohlfühlgeschichte inmitten von London.

Die Geschichte lebt von ihren ungleichen, aber liebevoll ausgearbeiteten Charakteren, die alle ein persönliches Schicksal zu verarbeiten haben.

Amanda Eleonore Atkins führt ein streng geordnetes Leben. Sie durchlebt in der Geschichte eine Verwandlung. Die etwas schrullige, streng nach ihren Regeln lebende Frau öffnet sich und wird zugängiger.

Robert Joy ist der gute Geist der Geschichte. Er strahlt eine innere Ruhe aus und besucht regelmäßig den Leseraum.

Xiao Mei Smith ist eine etwas eigenwillige junge Frau. Sie ist auf der Suche nach ihren Wurzeln.

Mir waren die Protagonisten schnell ans Herz gewachsen und es war eine Freude, sie durch die Geschichte zu begleiten.

Vanessa Göcking hat einen flüssigen, gut verständlichen und vor allem atmosphärischen Schreibstil.
Die wechselnden Perspektiven, in der die Geschichte erzählt wird, lassen die Leser*innen ganz nahe an die Charaktere herankommen.
Besonders haben mir die leisen Dialoge der Protagonisten untereinander gefallen.
Die Fantasyelemente wie zum Beispiel die Traumtüren, werden sehr gut in die Geschichte eingefügt.

Vanessa Göcking spiegelt in ihrer Geschichte die Kraft wider, die Geschichten ausüben können.

„Ms Atkins und die Bibliothek der Träume“ ist eine berührende Liebeserklärung an das Leben und an die Kraft von Geschichten. Ich habe das Buch mit großer Freude gelesen.

Über der Brandung

Franziska Jebens
Roman
352 Seiten
erschienen im S. Fischer Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Wie eine warme Meeresbrise: Ein Roman wie eine Umarmung

Klappentext:
Alles hinter sich lassen und ans Ende der Welt flüchten, danach sehnen wir uns doch manchmal alle. Besonders dann, wenn wir mit unseren Kräften am Ende sind und uns fragen, wie es weitergehen soll. Die Erzählerin der Geschichte träumt nicht nur davon, sondern folgt dieser Sehnsucht. Auf der Suche nach sich selbst landet sie auf einer wilden Insel in der türkisblauen Ägäis, wo die Zeit anderen Gesetzen folgt. Dort trifft sie auf die naturverbundene Hera, die ihr zeigt, was es heißt, wirklich frei und ganz bei sich zu sein.

„Über der Brandung“ von Franziska Jebens ist eine Geschichte über einen Neuanfang.

Nea ist eigentlich eine geschätzte Schriftstellerin. Nur ihr aktueller Roman wird hart kritisiert.
Mit dem Leitsatz „Ich will kein gutes Ende, sondern einen neuen Anfang“ flüchtet sie sich auf eine Insel in der Ägäis. Dort angekommen verabschiedet Nea sich von den digitalen Medien.
Die Begegnung mit den Inselbewohnern gibt Nea neue Kraft. Auch aus der Natur schöpft Nea neue Kraft. Sie nimmt Flora und Fauna in sich auf.

Franziska Jebens hat großartige Charaktere zum Leben erweckt.
Nea, deren Namen die Leser*innen erst spät erfahren, durchläuft Stück für Stück eine beeindruckende Entwicklung.
Hera, eine sehr naturverbundene Frau, führt Nea langsam an die Kräuterheilkunde heran und unterstützt sie bei ihrem Neuanfang.
Auch Meltemi, die anhängliche Ziege, soll erwähnt werden. Sie weicht Nea kaum von der Seite.

Franziska Jebens hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil.
Die Autorin verwebt in ihrem Roman tiefgründige Themen, die weit über einen klassischen Urlaubsroman hinausgehen.

Die Geschichte greift das Gefühl der totalen Erschöpfung und Reizüberflutung unserer Leistungsgesellschaft auf. Das Digital-Detox dient hier als notwendige Medizin für die Seele.
Ein weiteres Thema ist die gegenseitige Unterstützung unter Frauen. Der Roman zelebriert weibliche Bindungen, gemeinsame Rituale (wie Vollmond-Rituale) und das gemeinsame Wachsen frei von Konkurrenzdenken.
Die Natur Griechenlands ist nicht nur Hintergrund, sondern Heilerin. Die Kräuterkunde und das Leben im Rhythmus der Gezeiten und Mondphasen zeigen einen Weg zurück zur eigenen Ursprünglichkeit.

Die bildhafte Erzählung von dem glitzernden Meer, dem Duft der Wildkräuter oder dem Prickeln des Salzwassers lässt schnell ein Kopfkino entstehen.

„Über der Brandung“ ist eine Geschichte über einen Neuanfang. Ich habe das Buch mit großer Freude gelesen.

Sommerrauschen

Christiane Adlung
Roman
282 Seiten
erschienen im DuMont Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den DuMont Verlag für das Rezensionsexemplar

Der perfekte Sommerroman

Zum Inhalt:
Judith ist mit ihren Eltern jedes Jahr in das Sommerhaus im Médoc gereist. Hier hat sie wunderschöne Sommer mit ihrer Schwester verbracht. Auch Natascha, Judiths Freundin aus dem Nachbarhaus, war oft mit dabei. Doch irgendwann trennten sich ihre Wege.
Jetzt ist Judith erfolgreiche Bildhauerin, verheiratet und hat zwei Töchter. Mit ihrer Familie bewohnt sie das einstige Sommerhaus.
Das Nachbarhaus, in dem ihre Freundin Natascha gewohnt hat, steht leer. Robert trägt sich mit dem Gedanken, das leerstehende Haus zu kaufen, um mehr Platz für die Familie zu schaffen. Als Natascha mit ihrem Mann im Médoc ankommt, werden bei Judith viele Erinnerungen wach. Erinnerungen, die sie lieber vergessen möchte.

„Sommerrauschen“ von Christiane Adlung ist der perfekte Sommerroman.

Christiane Adlung erzählt die Geschichte sehr bildhaft. Man hat beim Lesen förmlich das Meer vor Augen. Man hört das Rauschen der Wellen und schmeckt das Salz auf den Lippen.

Die Charaktere werden liebevoll beschrieben und sind lebendig.
Im Mittelpunkt steht Judith. Sie ist Bildhauerin und hat als Kind schon das Haus im Médoc, in dem sie jetzt mit ihrer Familie lebt, geliebt. Im Inneren ist sie zerrissen, es gibt etwas in ihrer Vergangenheit, das sie nicht an die Oberfläche kommen lassen will.

Natascha ist Judiths Freundin aus Jugendtagen. Sie bringt die Vergangenheit ins Spiel. Ein dunkles Geheimnis, das gelüftet werden möchte.

Die Geschichte hat zwei Zeitebenen. Einmal die Gegenwart, in der die Leserinnen die Protagonisten durch die Geschichte begleiten. Dann gibt es Rückblenden in die 1980er Jahre. Hier erleben die Leserinnen Judith und Natascha als Jugendliche. Hier wird auch das jahrelang verschwiegene Geheimnis gelüftet.

Christiane Adlung beschreibt den Handlungsort sehr eindrücklich. Die Natur, die Küste und das Meeresrauschen und die Sommerhitze werden gut vermittelt.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich. Die Geschichte wechselt zwischen ruhigen und temporeichen Szenen ab.
Die Geschichte hat mich schnell gefesselt und ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen.

„Sommerrauschen“ ist ein ruhiger, aber kraftvoller Sommerroman.

Sonnenberg

Brigitte Glaser
Roman
448 Seiten
erschienen im List Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Interessanter und unterhaltsamer Roman

Klappentext:
Mitte der Siebzigerjahre ist Johanna die erste in ihrer Familie, die an die Uni geht. Mit ihrer Freundin Luzie zieht sie in eine WG nach Freiburg und genießt neue Freiheiten. Als wenig später ihr Vater stirbt, muss sie jedoch zurück nach Hause und den Winzerbetrieb der Eltern übernehmen. Gemeinsam mit ihrer Mutter und Großmutter bewirtschaftet sie den Hof am Kaiserstuhl. In einer Welt, in der weibliche Arbeitskräfte nur die Hälfte zählen, müssen die Frauen sich behaupten. Erst recht, als Johanna ein Kind bekommt und sich entschließt, es ohne Vater großzuziehen. Erst recht, als sie sich dem Widerstand der Winzer und Bauern, der Bürger aus Freiburg und der Region gegen ein in der Nähe geplantes Kernkraftwerk anschließt. Auch Luzie, die gerade von einer langen Marokkoreise zurück ist, ist an ihrer Seite. Und plötzlich sieht es so aus, als könne man zusammen etwas erreichen.

„Sonnenberg“ von Brigitte Glaser entführt seine Leser*innen in die 1970er Jahre.

Die Freundinnen Johanna und Luzie studieren beide in Freiburg und wohnen zusammen in einer WG. Doch nach einem Streit trennen sich ihre Wege.
Johanna muss nach dem Tod ihres Vaters zurück in den Schwarzwald, um den Winzerbetrieb zu übernehmen. Luzie zieht es für Forschungsarbeiten nach Marokko.
Mit Mutter und Großmutter arbeitet Johanna zusammen auf dem Hof der Familie. Als Johanna schwanger wird, entscheidet sie sich, das Kind ohne Vater großzuziehen.
Als in Wyhl ein Atomkernkraftwerk gebaut werden soll, regt sich Widerstand. Dem schließen sich auch Johanna und Luzie an.

Brigitte Glaser versetzt ihre Leser*innen in eine Zeit, in der die Frauen noch wenig Rechte hatten. Zum Glück gab es Frauen wie Johanna und Luzie, die ihre Rechte einforderten.

Brigitte Glaser hat hervorragende Recherchearbeit geleistet. Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als überall die Plakate „Atomkraft, nein danke“ hingen. Die Autorin spiegelt die Zeit des Widerstandes realistisch wider. Die Autorin lässt ihre Leser*innen an der Planung und Entwicklung des Kernkraftwerkes teilhaben.
Auch die politische Entwicklung wird interessant dokumentiert.

Die Charaktere sind lebendig und sympathisch.
Johanna und Luzie sind recht unterschiedlich und ergänzen sich gut.
Johann ist eher die Skeptikerin und Luzie hingegen die Planerin, die an die Zukunft glaubt.

Der Schreibstil von Brigitte Glaser ist wie gewohnt flüssig und gut verständlich.
Die Autorin verknüpft reale Hintergründe in eine fiktive Geschichte.
Wer wie ich, die 1970er Jahre erlebt hat, findet bekannte und interessante Hintergründe zu der Planung und Umsetzung des Kernkraftwerks Wyhl.
Die eingestreuten Worte im Dialekt des Schwarzwalds machen die Geschichte noch authentischer.

„Sonnenberg“ ist wieder ein interessanter und unterhaltsamer Roman von Brigitte Glaser.

The Monet Family – Shine Bright Like a Diamond

Weronika Anna Marczak
Roman
713 Seiten
erschienen im Ullstein Verlag
Übersetzt aus dem Polnischen von Marlena Breuer
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein grandioses Reihenende

Klappentext:
Hailie schwebt auf Wolke sieben – mit Adrien fühlt sich alles richtig an. Es könnte so perfekt sein, wenn nur ihre nicht Brüder wären. Denn die dürfen nichts von ihrer Beziehung wissen. Sie haben klare Vorstellungen davon, wen Hailie daten darf, und Adrien steht ganz bestimmt nicht auf ihrer Liste. Hailie weiß keinen anderen Ausweg, als ihre Liebe zu verheimlichen. Doch wie lange kann sie so weitermachen, ohne alles zu verlieren?

„The Monet Family – Shine Bright Like a Diamond“ ist der 7. Band der Family of Secrets Reihe von Weronika Anna Marczak.

Die „Family of Secrets“-Reihe dreht sich rund um die Monet-Geschwister.

Die Geschichte knüpft direkt an den 6. Band an.
Im Mittelpunkt steht Hailie Monet. Ihre Gefühle für Adrian sind stärker denn je.
Doch sie muss sich gegen ihre älteren Brüder behaupten, denn die wären gegen diese Verbindung.
Die Familie muss nach außen hin glänzen und Zusammenhalt signalisieren, doch im Inneren sieht es ganz anders aus.
Die Machtverhältnisse innerhalb der Familie verlagern sich und der Familie droht eine Gefahr.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und haben seit dem 1. Band eine große Entwicklung durchlebt.
Hailie Monet, einst schüchternes und zurückhaltendes Mädchen, hat sich zu einer reifen jungen Frau entwickelt. So fordert sie jetzt auch ihren Platz in der Familie ein.
Hailie war mir von Anfang an die sympathischste aus der Familie.

Die Brüder Vincent, Will, Dylan, Shane und Tony sind sich untereinander nicht einig. Das Oberhaupt der Familie ist zweifellos Vincent. Aber auch der kühle Vincent hat seine schwachen Seiten.

Der Schreibstil von Weronika Anna Marczak ist flüssig, bildhaft und emotional.
Die Autorin stellt einen Kontrast zwischen dem glamourösen Luxusleben und der düsteren, bedrohlichen Realität dar.
Die Perspektive aus Sicht von Hailie sorgt dafür, dass die Leser*innen Hailie ganz nahekommen und sogar ihre Gedanken lesen können.
Das Erzähltempo wechselt zwischen ruhigen Momenten und rasender Geschwindigkeit.

Mich hat das Ende der Reihe beeindruckt. Es war ein grandioser Abschluss der Reihe.
Allen Neulesern würde ich empfehlen, zum besseren Verständnis bei Band 1 anzufangen.

Zitronenblüten und Meereszauber

Nelly Berlin
Roman
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Nelly Berlin für das Rezensionsexemplar

Ein Sommerroman

Klappentext:
Eigentlich denkt Leonie, ihr Leben läuft gut. Doch dann passiert eine Katastrophe und plötzlich steht sie ohne Job da und ohne Plan, wie es für sie weitergehen könnte.

Jason ist Bassist in einer super erfolgreichen Rockband. Doch dann wird er in einen Skandal verwickelt und muss eilig untertauchen. Wo geht das besser als am wunderschönen Meer von San Michelle?

Allerdings braucht Jason jemanden, der sich um sein Leben kümmert, und Leonie braucht dringend einen Job. Als die beiden aufeinandertreffen, haben sie sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie das gehen soll.

Während die Zitronenblüten duften und das Meeresrauschen alles verzaubert, stellt Leonie fest, dass Jason ganz anders ist als gedacht und dass das Glück oft nur einen Songtext weit entfernt liegt.

„Zitronenblüten und Meereszauber“ von Nelly Berlin ist ein idealer Sommerroman.

Nelly Berlin hat liebenswerte Charaktere ins Leben gerufen.
Da ist Leonie, die keinen Job mehr hat. Für einen Neustart will sie Kraft im verträumten Örtchen San Michelle sammeln.
Auch der Bassist Jason, der mit seiner Rockband Erfolge feiern konnte, braucht nach einem Skandal einen Neustart.
Ausgerechnet landen beide im selben Hotelzimmer.
Da Jason jemanden braucht, der sein Leben managt, bietet er Leonie den Job an.
Die beiden sind so unterschiedlich, dass man denkt, das kann nicht lange gutgehen.
Doch Sonne und Meer können alles und jeden verzaubern.

Da sind auch noch Vivian und Noah.
Vivien beschäftigt sich mit Kunst und recherchiert zu einem bestimmten Gemälde. Sie ist auf dem Weg, einen Kunstskandal aufzudecken. Da begegnet ihr Noah, der seine Hilfe anbietet. Nur meint es Noah ehrlich?

Nelly Berlin hat hier gleich zwei herzerwärmende Geschichten in einem Roman verpackt.
Die Geschichte von Leonie und Jason ist romantisch und passt zum beeindruckenden Setting von Sonne, Strand und Meer. 
Mit der Geschichte von Vivian und Noah bekommt der Roman so etwas wie Krimi-Vibes.

Der Handlungsort San Michelle wird anschaulich beschrieben.

Der Schreibstil von Nelly Berlin ist wie immer flüssig, gut verständlich und fesselnd. Ich bin tief in die Geschichte versunken und habe das Buch nur schwer zur Seite legen können.

„Zitronenblüten und Meereszauber“ ist wieder einmal ein richtiges Wohlfühlbuch, ideal für den Sommer und den Urlaub.

Wirf einen Schatten

Elena Fischer
Roman
288 Seiten
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein einfühlsamer Roman

Klappentext:
Joseph ist einsam und hadert mit seinem Schicksal, nicht erst, seit seine Frau Lis mit dem gemeinsamen Sohn in die Stadt gezogen ist, weil sie den Alltag auf dem Hof nicht mehr ausgehalten hat. Wahrlich etwas Besonderes in den Sechzigerjahren auf dem Land. Zum Glück ist da noch Ada, Lis‘ ältere Schwester, mit der sich Joseph schon immer sehr verbunden fühlt. Und dann steht plötzlich die 20-jährige Birdie vor seiner Tür, geschwächt und auf der Flucht vor ihrer Familie. Lis, Ada und Birdie, sie werden ihrem eigenen, aber auch Josephs Leben eine ganz neue Richtung geben.

„Wirf einen Schatten“ ist der neue Roman von Elena Fischer.
Schon der Debütroman von Elena Fischer, „Paradise Garden“, hatte mir gut gefallen, und so war ich schon gespannt auf das neue Werk der Autorin.

Im Mittelpunkt steht Joseph. Er ist ein sehr sensibler Mensch. Er bewältigt seinen Alltag auf dem Hof, denn er ist der Einzige aus seiner Familie, der den Hof hat übernehmen können. Seine Eltern sind gestorben und auch sein Bruder lebt nicht mehr. Zum Leben als Bauer, gehört es auch Tiere zu schlachten. Das fällt Joseph nach all den Jahren immer noch schwer und er verspürt eine gewisse Schuld.
Sein Wunsch, mit der Krankenschwester Lis zusammen den Hof zu bewirtschaften, ist fehlgeschlagen. Lis hat nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes den Hof verlassen. Sie hat realisiert, dass sie für das Leben auf dem Land nicht geschaffen ist.
Joseph fühlt sich allein und denkt darüber nach, was das Leben noch für einen Sinn macht. Er träumt sogar davon, sich umzubringen.
Doch da klopft Birdie an seine Tür. Eine junge, geschwächte und kranke Frau. Joseph holt Hilfe bei einer Hebamme und pflegt die junge Birdie gesund.

Auch Ada, Josephs Schwägerin, sorgt sich um ihn. Ada ist eine intellektuelle junge Frau, die sich im Gegensatz zu ihrer Schwester, mit Joseph verbunden fühlt.

Das Ganze verfasst Elena Fischer zu einer spannenden und einfühlsamen Geschichte.
Die Charaktere wirken lebendig und haben mir gefallen.
Besonders Joseph mit seiner Sensibilität, auch seinen Tieren gegenüber. Ich habe mit ihm gefühlt, als er so allein auf seinem Hof war.

Die Geschichte ist in den Jahren 1963/1964 angesiedelt, vieles kann man sich aber auch in der heutigen Zeit vorstellen. Es gibt Rückblicke in die Jahre 1957-1961, in denen die Leser*innen erfahren, wie es zu der Situation in der Gegenwart gekommen ist.

Elena Fischer hat einen angenehm zu lesenden Schreibstil. Ihre Sprache ist ausdrucksstark und einfühlsam.

Mit „Wirf einen Schatten“ konnte Elena Fischer mich wieder beeindrucken.

Der Teufel trägt Prada

Lauren Weisberger
Roman
480 Seiten
erschienen im Second Chances Verlag
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Regina Rawlinson und Martina Tichy
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Die Romanvorlage zum Film

Klappentext:
Andrea Sachs ist jung, ambitioniert und hat nicht die geringste Ahnung von Mode. Trotzdem landet sie als persönliche Assistentin bei der gefürchtetsten Frau der New Yorker Modewelt: Miranda Priestly , Chefredakteurin des legendären Magazins Runway . Ein Jahr durchhalten, dann stehen ihr alle Türen offen. So der Plan.

Die Realität? Absurde Aufgaben um drei Uhr morgens, Designer-Stilettos als Überlebensausrüstung und eine Chefin, deren eiskalte Perfektion keine Schwäche duldet. Zwischen Haute Couture und Demütigung verliert Andrea Stück für Stück das, was ihr wirklich wichtig ist: ihre Freundschaften, ihre Liebe, sich selbst.

„Der Teufel trägt Prada“ von Lauren Weisberger wurde vom Second Chances Verlag neu aufgelegt:

Wer den Film gesehen hat, der hat beim Lesen dieses Buchs schnell Bilder im Kopf.

Andrea Sachs tritt die Stelle als Assistentin bei Miranda Priestly an. Schnell ist klar, sie hatte ganz andere Erwartungen an diesen Job.
Genau wie sie stellen sich die meisten Menschen den Job ganz anders vor. Täglich mit der Modepäpstin zusammenzuarbeiten. Täglich die neueste und schönste Mode vor Augen zu haben. Der Job fordert aber auch so einiges von Andrea. Sie muss ihrer Chefin immer zur Seite stehen, wenn es nötig ist, auch nachts.

Lauren Weisberger hat ihre Charaktere gut gezeichnet. Aufgrund des Films hatte ich als Miranda Priestly immer Meryl Streep vor Augen.

Die Autorin vermittelt den Glamour und den Hype der Modewelt sehr gut.

Der Schreibstil von Lauren Weisberger ist flüssig und gut verständlich.
Der Humor der Autorin besticht durch seine Bissigkeit.

Das Buch habe ich bei Ersterscheinung schon einmal gelesen. Da jetzt bald die Fortsetzung „Die Rache trägt Prada“ erscheint, war es mir eine große Freude, den 1. Band noch einmal in seiner Neugestaltung zu lesen.

Tutto Bene

Laura Wagner
Roman
286 Seiten
erschienen im DuMont Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den DuMont Verlag für das Rezensionsexemplar

Tragisch und zugleich leicht und humorvoll

Klappentext:
Mars, Snickers, Happy Cherries – wenn Emma die Späti-Regale aufstockt, sieht sie nur eins: Kalorien. Ihr Studium hat sie abgebrochen, genauso wie den Kontakt zu ihrem Vater, der vermutlich irgendwo auf einer Parkbank seinen letzten Rausch ausschläft. Und auch Emma steht kaum einen Abend ohne Müller-Thurgau durch, die Tasse unter dem Tresen hilft ihr beim Vergessen. Ist doch tutto bene, oder? Nicht. Aber dann ist da plötzlich Ingrid: fünfzehn, rotzfrech und seit Neuestem Schülerpraktikantin im Späti. Nicht nur Udo, der einzig für Schokolade und Energydrinks hinter seinem Gaming-Computer hervorkriecht, mag die neunmalkluge Teenagerin auf Anhieb. Auch Emma lässt Ingrid bald unbedacht in ihr Herz. Unbedacht, denn jetzt muss sie ihre Probleme wirklich angehen – und die steigern sich exponentiell, als sie den Matrosen, der eigentlich Leo heißt, kennenlernt. Er will das, was sie seit Jahren scheut: eine Beziehung, mit allem, was dazugehört. Doch Emma wagt ja noch nicht mal, sich ein Tattoo stechen zu lassen, wie soll sie sich da zu so etwas Großem committen? Sich jemandem auch nur einen Spaltbreit zu öffnen, ist schon schwer genug.

„Tutto Bene“ ist ein tragischer, aber auch leichter und humorvoller Roman von Laura Wagner.

Laura Wagner hat recht unterschiedliche, zum Teil skurrile Charaktere entworfen und zum Leben erweckt.

Im Mittelpunkt steht die Ich-Erzählerin Emma. Sie arbeitet in einem typischen Berliner Späti. Emma leidet unter Bindungsängsten und einer toxischen Beziehung zu sich selbst. Ihr Schutzschild ist ihre Distanz und ihr Sarkasmus. Der Alltag ist von emotionaler Betäubung geprägt. Ihr bester Freund ist der Müller-Thurgau, ihr Begleiter, um den Frust und ihre Probleme zu vergessen.

Die fünfzehnjährige Ingrid ist Schülerpraktikantin im Späti. Sie ist eigentlich das genaue Gegenteil von Emma. Ingrid ist rotzfrech, neunmalklug und erstaunlich reif für ihr Alter. Mit ihrer unbedarften Art knackt sie Emmas harte Schale und bringt eine völlig neue Dynamik in den Laden.

Leo und Emma lernen sich durch eine Dating-App kennen. Emma nennt ihn liebevoll „der Matrose“. Leo versucht, eine engere Verbindung zu Emma aufzubauen. Doch genau davor hat Emma Angst, obwohl sie sich nach der Nähe von Leo sehnt.

Udo ist ein steter Gast im Späti. Er schält sich nur hinter seinem Computer hervor, um Nachschub an Schokolade und Energydrinks zu holen.

Diese vier Charaktere sorgen für tiefgründige, ernste und auch humorvolle Lesestunden.
Emma durchlebt in der Geschichte eine große Entwicklung. Nach und nach bröckelt ihr Schutzpanzer und lässt das verletzte Ich hervorkommen.

Laura Wagner schreibt in einer sehr direkten, frischen und selbstironischen Sprache. Die Kapitel sind kurz, das Erzähltempo ist hoch. Besonders die spritzigen Dialoge sprühen vor trockenem Humor, Wortwitz und treffenden Alltagsbeobachtungen.
Hinter den bissigen Bemerkungen verbirgt sich ein tieferer emotionaler Tiefgang.

„Mit „Tutto Bene“ hat Laura Wagner ein beachtenswertes Debüt hingelegt.