Wirf einen Schatten

Elena Fischer
Roman
288 Seiten
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein einfühlsamer Roman

Klappentext:
Joseph ist einsam und hadert mit seinem Schicksal, nicht erst, seit seine Frau Lis mit dem gemeinsamen Sohn in die Stadt gezogen ist, weil sie den Alltag auf dem Hof nicht mehr ausgehalten hat. Wahrlich etwas Besonderes in den Sechzigerjahren auf dem Land. Zum Glück ist da noch Ada, Lis‘ ältere Schwester, mit der sich Joseph schon immer sehr verbunden fühlt. Und dann steht plötzlich die 20-jährige Birdie vor seiner Tür, geschwächt und auf der Flucht vor ihrer Familie. Lis, Ada und Birdie, sie werden ihrem eigenen, aber auch Josephs Leben eine ganz neue Richtung geben.

„Wirf einen Schatten“ ist der neue Roman von Elena Fischer.
Schon der Debütroman von Elena Fischer, „Paradise Garden“, hatte mir gut gefallen, und so war ich schon gespannt auf das neue Werk der Autorin.

Im Mittelpunkt steht Joseph. Er ist ein sehr sensibler Mensch. Er bewältigt seinen Alltag auf dem Hof, denn er ist der Einzige aus seiner Familie, der den Hof hat übernehmen können. Seine Eltern sind gestorben und auch sein Bruder lebt nicht mehr. Zum Leben als Bauer, gehört es auch Tiere zu schlachten. Das fällt Joseph nach all den Jahren immer noch schwer und er verspürt eine gewisse Schuld.
Sein Wunsch, mit der Krankenschwester Lis zusammen den Hof zu bewirtschaften, ist fehlgeschlagen. Lis hat nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes den Hof verlassen. Sie hat realisiert, dass sie für das Leben auf dem Land nicht geschaffen ist.
Joseph fühlt sich allein und denkt darüber nach, was das Leben noch für einen Sinn macht. Er träumt sogar davon, sich umzubringen.
Doch da klopft Birdie an seine Tür. Eine junge, geschwächte und kranke Frau. Joseph holt Hilfe bei einer Hebamme und pflegt die junge Birdie gesund.

Auch Ada, Josephs Schwägerin, sorgt sich um ihn. Ada ist eine intellektuelle junge Frau, die sich im Gegensatz zu ihrer Schwester, mit Joseph verbunden fühlt.

Das Ganze verfasst Elena Fischer zu einer spannenden und einfühlsamen Geschichte.
Die Charaktere wirken lebendig und haben mir gefallen.
Besonders Joseph mit seiner Sensibilität, auch seinen Tieren gegenüber. Ich habe mit ihm gefühlt, als er so allein auf seinem Hof war.

Die Geschichte ist in den Jahren 1963/1964 angesiedelt, vieles kann man sich aber auch in der heutigen Zeit vorstellen. Es gibt Rückblicke in die Jahre 1957-1961, in denen die Leser*innen erfahren, wie es zu der Situation in der Gegenwart gekommen ist.

Elena Fischer hat einen angenehm zu lesenden Schreibstil. Ihre Sprache ist ausdrucksstark und einfühlsam.

Mit „Wirf einen Schatten“ konnte Elena Fischer mich wieder beeindrucken.

Der Teufel trägt Prada

Lauren Weisberger
Roman
480 Seiten
erschienen im Second Chances Verlag
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Regina Rawlinson und Martina Tichy
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Die Romanvorlage zum Film

Klappentext:
Andrea Sachs ist jung, ambitioniert und hat nicht die geringste Ahnung von Mode. Trotzdem landet sie als persönliche Assistentin bei der gefürchtetsten Frau der New Yorker Modewelt: Miranda Priestly , Chefredakteurin des legendären Magazins Runway . Ein Jahr durchhalten, dann stehen ihr alle Türen offen. So der Plan.

Die Realität? Absurde Aufgaben um drei Uhr morgens, Designer-Stilettos als Überlebensausrüstung und eine Chefin, deren eiskalte Perfektion keine Schwäche duldet. Zwischen Haute Couture und Demütigung verliert Andrea Stück für Stück das, was ihr wirklich wichtig ist: ihre Freundschaften, ihre Liebe, sich selbst.

„Der Teufel trägt Prada“ von Lauren Weisberger wurde vom Second Chances Verlag neu aufgelegt:

Wer den Film gesehen hat, der hat beim Lesen dieses Buchs schnell Bilder im Kopf.

Andrea Sachs tritt die Stelle als Assistentin bei Miranda Priestly an. Schnell ist klar, sie hatte ganz andere Erwartungen an diesen Job.
Genau wie sie stellen sich die meisten Menschen den Job ganz anders vor. Täglich mit der Modepäpstin zusammenzuarbeiten. Täglich die neueste und schönste Mode vor Augen zu haben. Der Job fordert aber auch so einiges von Andrea. Sie muss ihrer Chefin immer zur Seite stehen, wenn es nötig ist, auch nachts.

Lauren Weisberger hat ihre Charaktere gut gezeichnet. Aufgrund des Films hatte ich als Miranda Priestly immer Meryl Streep vor Augen.

Die Autorin vermittelt den Glamour und den Hype der Modewelt sehr gut.

Der Schreibstil von Lauren Weisberger ist flüssig und gut verständlich.
Der Humor der Autorin besticht durch seine Bissigkeit.

Das Buch habe ich bei Ersterscheinung schon einmal gelesen. Da jetzt bald die Fortsetzung „Die Rache trägt Prada“ erscheint, war es mir eine große Freude, den 1. Band noch einmal in seiner Neugestaltung zu lesen.

Tutto Bene

Laura Wagner
Roman
286 Seiten
erschienen im DuMont Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den DuMont Verlag für das Rezensionsexemplar

Tragisch und zugleich leicht und humorvoll

Klappentext:
Mars, Snickers, Happy Cherries – wenn Emma die Späti-Regale aufstockt, sieht sie nur eins: Kalorien. Ihr Studium hat sie abgebrochen, genauso wie den Kontakt zu ihrem Vater, der vermutlich irgendwo auf einer Parkbank seinen letzten Rausch ausschläft. Und auch Emma steht kaum einen Abend ohne Müller-Thurgau durch, die Tasse unter dem Tresen hilft ihr beim Vergessen. Ist doch tutto bene, oder? Nicht. Aber dann ist da plötzlich Ingrid: fünfzehn, rotzfrech und seit Neuestem Schülerpraktikantin im Späti. Nicht nur Udo, der einzig für Schokolade und Energydrinks hinter seinem Gaming-Computer hervorkriecht, mag die neunmalkluge Teenagerin auf Anhieb. Auch Emma lässt Ingrid bald unbedacht in ihr Herz. Unbedacht, denn jetzt muss sie ihre Probleme wirklich angehen – und die steigern sich exponentiell, als sie den Matrosen, der eigentlich Leo heißt, kennenlernt. Er will das, was sie seit Jahren scheut: eine Beziehung, mit allem, was dazugehört. Doch Emma wagt ja noch nicht mal, sich ein Tattoo stechen zu lassen, wie soll sie sich da zu so etwas Großem committen? Sich jemandem auch nur einen Spaltbreit zu öffnen, ist schon schwer genug.

„Tutto Bene“ ist ein tragischer, aber auch leichter und humorvoller Roman von Laura Wagner.

Laura Wagner hat recht unterschiedliche, zum Teil skurrile Charaktere entworfen und zum Leben erweckt.

Im Mittelpunkt steht die Ich-Erzählerin Emma. Sie arbeitet in einem typischen Berliner Späti. Emma leidet unter Bindungsängsten und einer toxischen Beziehung zu sich selbst. Ihr Schutzschild ist ihre Distanz und ihr Sarkasmus. Der Alltag ist von emotionaler Betäubung geprägt. Ihr bester Freund ist der Müller-Thurgau, ihr Begleiter, um den Frust und ihre Probleme zu vergessen.

Die fünfzehnjährige Ingrid ist Schülerpraktikantin im Späti. Sie ist eigentlich das genaue Gegenteil von Emma. Ingrid ist rotzfrech, neunmalklug und erstaunlich reif für ihr Alter. Mit ihrer unbedarften Art knackt sie Emmas harte Schale und bringt eine völlig neue Dynamik in den Laden.

Leo und Emma lernen sich durch eine Dating-App kennen. Emma nennt ihn liebevoll „der Matrose“. Leo versucht, eine engere Verbindung zu Emma aufzubauen. Doch genau davor hat Emma Angst, obwohl sie sich nach der Nähe von Leo sehnt.

Udo ist ein steter Gast im Späti. Er schält sich nur hinter seinem Computer hervor, um Nachschub an Schokolade und Energydrinks zu holen.

Diese vier Charaktere sorgen für tiefgründige, ernste und auch humorvolle Lesestunden.
Emma durchlebt in der Geschichte eine große Entwicklung. Nach und nach bröckelt ihr Schutzpanzer und lässt das verletzte Ich hervorkommen.

Laura Wagner schreibt in einer sehr direkten, frischen und selbstironischen Sprache. Die Kapitel sind kurz, das Erzähltempo ist hoch. Besonders die spritzigen Dialoge sprühen vor trockenem Humor, Wortwitz und treffenden Alltagsbeobachtungen.
Hinter den bissigen Bemerkungen verbirgt sich ein tieferer emotionaler Tiefgang.

„Mit „Tutto Bene“ hat Laura Wagner ein beachtenswertes Debüt hingelegt.

Harold und der Buchhändler

Camille Pagán
Roman
345 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Katharina Naumann
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein Wohlfühlroman

Klappentext:
Es gibt zwei Arten von Menschen: Hunde-Menschen und die, die dem richtigen Hund noch nicht begegnet sind … Dieser Roman erzählt die herzerwärmende Geschichte von Mischlingshund Harold, der eine wichtige Mission hat: Er will seinem Herrchen Miguel zu neuem Lebensmut verhelfen. Denn Miguel, ein Buchhändler aus Michigan, trauert um seine verstorbene Frau. An manchen Tagen schafft er es nicht einmal, Lakeside Books zu öffnen. Schon bald droht der Buchhandlung das Aus, und Harold muss um seinen gemütlichen Stammplatz zwischen den Bücherregalen fürchten. Er beschließt, Miguel zu helfen und ein neues Frauchen für sie beide zu finden. Auch wenn das bedeutet, dass Harold auf seine alten Tage noch einmal richtig aufdrehen muss!

„Harold und der Buchhändler“ von Camille Pagán ist ein richtiger Roman zum Lesen und Wohlfühlen.

Im Mittelpunkt stehen der Mischlingshund Harold und sein Herrchen Miguel. Mit Miquels Frau ist auch sein Lebensmut gestorben. An manchen Tagen hat Miquel noch nicht einmal die Kraft, seine Buchhandlung zu öffnen. Das ist für Harold traurig, denn er liebt nicht nur sein Herrchen, sondern auch den Platz zwischen den Bücherregalen. Also beschließt Harold: Ein neues Frauchen muss her.
Ich habe Harold gleich in mein Herz geschlossen. Wie lieb und einfühlsam ein Tier sein kann, ist hier deutlich geworden. Wenn er mit seiner feuchten Nase Herrn Miquel angestupst hat. Einfach herzerwärmend.

Auch Miquel hat mir als Charakter gut gefallen. Ich konnte gut mit ihm fühlen und habe seine Trauer verstanden.

Camille Pagán erzählt die Geschichte sehr einfühlsam und mit sehr viel Wärme. In der Geschichte verarbeitet die Autorin Themen wie Trauer, Loslassen, aber auch Neuanfang.
Der Star in der Geschichte ist ohne Zweifel der Mischlingshund Harold. Aus seiner Sicht wird die Geschichte auch erzählt.

Der Schreibstil von Camille Pagán ist flüssig und gut verständlich. Nach ein paar Seiten war ich von der Geschichte gefangen und wollte das Buch nicht m mehr aus der Hand legen.

„Harold und der Buchhändler“ ist ein warmherziger Wohlfühlroman, den ich gerne gelesen habe.

Guten Morgen, schönes Wetter heute

Tanja Kokoska
Roman
346 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein Wohlfühlroman

Klappentext:
Diesmal ist es etwas anderes. Darauf hofft Ina jedes Mal, wenn sie sich verliebt. Doch es geht immer schief. Sie arbeitet in einem Tattoo-Studio und wohnt mit ihrem Sohn Henry in der Siedlung »Am Kastanienbaum«, irgendwo mitten in einer großen Stadt. Dort gibt es noch mehr Menschen wie Ina, 1.583 genauer gesagt.
Sie leben nah beisammen und bleiben doch allein. Da ist Herr Bello, der am liebsten im Faltenrock tanzt. Samy, der davon träumt, eine Ente zu streicheln. Und Frau Arslan, die Gedichte in Pralinenschachteln versteckt. Sie alle eint die Sehnsucht nach Glück und Verbundenheit.
Eines Tages macht Baggerfahrer Paco eine schicksalhafte Entdeckung: Eine Weltkriegsbombe liegt unter der Erde. Darauf geschieht in der Siedlung etwas Wundersames. Die Menschen kommen einander näher, als es möglich schien. Und Ina begegnet dem Mann, mit dem es etwas anderes ist.

„Guten Morgen, schönes Wetter heute“ ist ein warmherziger Roman von Tanja Kokoska.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Ina. Ina arbeitet in einem Hotel und in einem Tattoo-Studio und lebt mit ihrem 17-jährigen Sohn Henry zusammen. Ina lebt in einer Stadt mit 1.583 anderen Menschen. Doch sie fühlt sich allein, wie viele der anderen Menschen auch.
Als bei Bauarbeiten eine Bombe aus dem 2. Weltkrieg gefunden wird, müssen die Anwohner ihre Wohnungen verlassen. Dabei werden die Menschen aufeinander aufmerksam, lernen sich kennen und rücken ein Stück enger zusammen.

Tanja Kokoska hat für diese Geschichte wunderbare Charaktere zum Leben erweckt.
Außer Ina und ihrem Sohn Henry lernen die Leser*innen noch einige andere Charaktere besser kennen.
Da sind Herr und Frau Arsalan, sie führen zusammen ein Lebensmittelgeschäft in der Siedlung. Frau Arsalan sehnt sich nach Glück, aber die Sorge um ihre Mutter, die in der Türkei zurückgeblieben ist, lässt sie nicht los.

Herr Bello war früher in einem Möbelhaus tätig, jetzt verbringt er seine Zeit mit Malen nach Zahlen oder tanzt im Faltenrock.

Samy führt die Gaststätte in der Siedlung. Er stammt aus Sri Lanka und auch er hat Träume. Gerne würde er einmal den Eiffelturm sehen oder eine Ente streicheln.

Auch die Witwe Frau Kaiser ist einsam. Ihr einziger Sohn lebt in Japan.

Ein bunter Reigen unterschiedlichster Protagonisten. Die sich näher kennenlernen und aufeinander aufmerksam werden.
Tanja Kokoska gibt jedem der Charaktere eine eigene Persönlichkeit. Ich habe sie alle schnell in mein Herz geschlossen.
So viele unterschiedliche Menschen, die eng beieinander leben und doch irgendwie allein sind.
Es macht Freude mitzuerleben, wie die Menschen sich langsam besser kennenlernen und sich annähern.

Tanja Kokoska erzählt die Geschichte mit viel Gefühl und in einer ganz wunderbaren Sprache. Dabei ist der Schreibstil der Autorin flüssig und gut verständlich.
Auf eine ganz wunderbare Weise verarbeitet die Autorin die Themen Einsamkeit, Freundschaft und Nachbarschaft.
Das Buch hat mir beim Lesen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

„Guten Morgen, schönes Wetter heute“ ist ein Wohlfühlroman, den ich mit Freude gelesen habe.

Das Geheimnis der Frauern

Sonja Roos
Roman
443 Seiten
erschienen im Goldmann Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein wunderschöner Roman

„Das Geheimnis der Frauen“ ist ein wunderschöner Roman von Sonja Roos.
Für mich ist es der erste Roman von Sonja Roos, aber ich bin mir sicher, es werden noch viele folgen.

Die Geschichte hat zwei Zeitebenen. In der Gegenwart, die in dem Roman im Jahr 2014 angesiedelt ist, hat die Hauptprotagonistin Lulu Streit mit ihrem Arbeitgeber und gleichzeitigem Partner. Lulu arbeitet in einem Nobelrestaurant auf Sylt. Jetzt fährt sie zurück in den Westerwald, in ihr Elternhaus. Mit 34 Jahren wieder bei ihren Eltern zu wohnen, fällt ihr nicht leicht.
Lulus Eltern haben lange die Dorfkneipe „Dorfkrug“ geführt, die seit Generationen in Familienbesitz ist. Doch nach einem Herzinfarkt von Lulus Vater ist der „Dorfkrug“ geschlossen.
In Lulus Innerem wächst die Idee, die Tradition weiterzuführen und den „Dorfkrug“ zu modernisieren und neu zu eröffnen. Den Gedanken schiebt Lulu allerdings erst einmal zur Seite.
Lulus Großvater Max freut sich, seine Enkelin wieder in der Nähe zu haben. Er fühlt sich seit dem Tod seiner Frau einsam. Als Lulu einen Stapel ungeöffneter Briefe aus England bei ihrem Großvater findet, wird er ärgerlich. So oft Lulu und ihre Schwester nachbohren, Großvater Max bleibt verschlossen.

Die 2. Zeitebene ist im Jahr 1945, kurz vor Ende des 2. Weltkriegs, angesiedelt.
Max ist ein 10-jähriger Junge. Sein Vater ist an der Front, seine Mutter Grete schenkt ihm wenig Zuneigung. Die verteilt sie lieber an die Soldaten. Seine Bezugsperson ist seine Tante Hanni. Sie versorgt ihn wie eine Mutter. So oft sie ihm beteuert, dass seine Mutter ihn liebt und mit den anderen Männern nur schäkert, damit es ihnen besser geht, versteht Max nicht.
Als ein britischer Pilot mit seinem Flugzeug abgeschossen wird, verstecken Hanni und Grete den Engländer. Hanni pflegt ihn gesund und entwickelt das erste Mal Gefühle für einen Mann. Doch Grete kann auch dem Piloten nicht widerstehen. Das führt zu einem Streit zwischen den Schwestern.

Sonja Roos erzählt die Geschichte unterhaltsam und spannend. Dabei kann ich nicht sagen, welcher Handlungsstrang mir am besten gefallen hat. Beide Zeitebenen waren gleichermaßen spannend und interessant.
Die Handlungsstränge haben sich immer abgewechselt, wobei sie manchmal mit einem Cliffhanger endeten.

Die Charaktere wirkten sehr lebendig und waren mir fast alle schnell sympathisch. Lulu mochte ich besonders gerne. Als sie überlegte, nach Sylt zurückzukehren, wollte ich sie schon schütteln. Aber sie ist im Laufe der Geschichte über sich hinausgewachsen und hat ihr Leben in die Hand genommen.
Auch Großvater Max ist ein toller Charakter. Er hat eine besondere Beziehung zu seinen Enkeltöchtern.
In der Vergangenheit, als Max noch ein Kind war, tat er mir eher leid. Er ist in einer schweren Zeit aufgewachsen, und mir kam es so vor, als hätte seine Mutter kein großes Interesse an ihrem Sohn.
Tante Hanni hingegen ist eine Bereicherung für diesen Roman. Eine herzensgute junge Frau. Sie hat immer hinter ihrer Schwester zurückstecken müssen. Mit ihr erleben die Leser*innen aber auch noch eine Überraschung.

Sonja Roos erzählt beide Handlungsstränge gleich stark. Die Autorin vermittelt das Jahr des Kriegsendes sehr authentisch. In dem kleinen Dorf im Westerwald waren die Bombenangriffe zwar nicht so stark wie in den Städten, aber die Frauen – ja es waren nur noch Frauen im Dorf – hatten genug vom Krieg.
Auch die Gegenwart wird sehr realistisch beschrieben. Das kleine Dorf im Westerwald, die Dorfkneipe und die Menschen, die sich fast alle kennen und gegenseitig helfen.

Der Schreibstil von Sonja Roos ist flüssig und gut verständlich. Nach wenigen Seiten bin ich tief in die Geschichte eingetaucht und konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

„Das Geheimnis der Frauen“ ist eine interessante Familiengeschichte, die ich mit Freude gelesen habe.

Erzähl mir alles

Elizabeth Strout
Roman
393 Seiten
erschienen bei Luchterhand
Übersetzt aus dem amerikanischen Englischen von Sabine Roth
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Luchterhand für das Rezensionsexemplar

Über Liebe und Freundschaft


Klappentext:
Es ist Herbst in Crosby, dem kleinen Küstenstädtchen in Maine. Vor ein paar Jahren ist Lucy Barton, erfolgreiche Schriftstellerin und Mutter zweier erwachsener Töchter, mit ihrem Ex-Mann William hierhergezogen. In ein abseits gelegenes Haus am Meer. Doch die beschauliche Ruhe in Crosby wird gestört, als eine alte Frau spurlos verschwindet. Und auch Lucys Welt gerät still und leise aus dem Lot. Auf den einsamen Spaziergängen mit Bob Burgess, ihrem alten Freund und Vertrauten, sprechen beide über ihr Leben und über das, was hätte sein können. Und dann ist da noch die legendäre Olive Kitteridge, die pensionierte Mathematiklehrerin, die jetzt in einem Altersheim am Stadtrand lebt und auch mit 90 Jahren nichts von ihrem rauen Charme verloren hat. Vorsichtig freunden sich die beiden Frauen an.

„Erzähl mir alles“ ist der neue Roman der Bestsellerautorin Elizabeth Strout.

In dieser Geschichte treffen die Leser*innen auf bekannte Charaktere. Für mich ist es das erste Buch von Elizabeth Strout, ich bin aber ohne Probleme in die Geschichte eingetaucht.
Lucy Barton lebt mit ihrem Exmann in Crosby, einem Küstenstädtchen in Maine.
Lucy ist erfolgreiche Schriftstellerin. Sie unternimmt lange Spaziergänge mit ihrem guten Freund Bob Burgess. Sie erzählen sich gegenseitig aus ihrem Leben. Über Momente, die gut waren im Leben, und über Dinge, die man hätte, besser machen können.

Auch mit Olive, einer pensionierten Mathematiklehrerein freundet sich Lucy an. Hier erfährt man bei Gesprächen viel über das Leben der 90-jährigen Olive.

Elizabeth Strout erzählt die Geschichte in einem angenehm ruhigen Ton. Man bekommt tiefe Einblicke in das Leben der Charaktere. Es geht um Liebe, Freundschaft und um Schuld.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig. Ich habe sie schnell ins Herz geschlossen und bin ihnen gerne gefolgt. Den Gesprächen habe ich gerne gelauscht und tiefe Einblicke in das Leben der Protagonisten gewonnen.

Der Schreibstil von Elizabeth Strout ist flüssig und gut verständlich. Immer wieder wird die Geschichte mit ihrem Humor aufgelockert.

„Erzähl mir alles“ ist ein Roman über Liebe, Freundschaft und das Älterwerden, den ich mit Freude gelesen habe.

Die vergessene Tochter

Soraya Lane
Roman
345 Seiten
Übersetzt aus dem Englischen von Sigrun Zühlke
erschienen im Droemer Knaur Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Wieder ein bewegendes Schicksal

Klappentext:
Norwegen, 1950: »Ich liebe dich, Amalie, und nur darauf kommt es an«, flüsterte er. »Ich kümmere mich um dich, versprochen. Du musst keine Angst haben.«
London, Gegenwart: Während Charlotte das kleine Kästchen umklammert, in dem sich ein Diamantring und ein norwegisches Wappen verbergen, weiß sie, dass sie endlich nach Hause zurückkehren muss, zu ihrer Familie und ihrer Urgroßmutter Amalie. Im angesehensten Hotel Norwegens tritt sie ihren Traumjob als Chefköchin an und sie begegnet dem charismatischen Chefdesigner Harrison. Doch als sie Amalie mit dem Inhalt des Kästchens konfrontiert, enthüllt ihre Urgroßmutter ein tragisches Geheimnis, das auch Charlottes Welt ins Wanken bringt. Wird Charlotte die Kraft finden, ihren eigenen Weg zu gehen, oder wird sie ihrer Heimat und ihrer Liebe für immer den Rücken kehren?

„Die vergessene Tochter“ ist der 7. Band der Reihe „Die verlorenen Töchter“ von der neuseeländischen Autorin Soraya Lane.

Die Geschichte ist ähnlich aufgebaut wie die der vorherigen Bände und doch wieder so ganz anders.
Wie schon die Frauen in den vorherigen Bänden, so hatte auch in diesem Band eine junge Frau ein geheimnisvolles Holzkästchen bekommen.
In dem Kästchen für Charlotte waren ein Diamantring und ein norwegisches Wappen.
Mit Charlotte reisen die Leser*innen nach Norwegen, in die Heimat von Charlotte.

Die Geschichte hat auch wieder zwei Zeitebenen, einmal die Gegenwart, in der die Leser*innen, die junge Charlotte begleiten. Sie reist wieder nach Hause zu ihrer Familie und ihrer Urgroßmutter Amalie.

Im 2. Handlungsstrang geht es zurück in die 1950er Jahre. Die Leser*innen lernen Amalia kennen. Sie arbeitet als Dienstmädchen im Sognefjord Hotel. Dort verliebt sich Amalia in den Aushilfskoch Oskar. Die beiden genießen einen Sommer lang zusammen. Doch Oskar hat Amalia seine wahre Identität verschwiegen. Er stammt aus einer Unternehmerdynastie und seine Eltern sind mit Amalia als seiner Ehefrau nicht einverstanden.

Soraya Lane erzählt ihre Geschichte mit sehr viel Gefühl und sehr atmosphärisch.
Die Beschreibung der Handlungsorte war für mich wie eine virtuelle Reise.
Ihre Charaktere sind mit viel Liebe zum Leben erweckt.
Der Schreibstil der Autorin ist fesselnd, flüssig und gut verständlich, hat aber auch etwas Geheimnisvolles.
Ich wurde beim Lesen schnell wie durch einen Sog in die Geschichte hineingezogen.
Ich liebe es einfach, wenn in einer Geschichte Geheimnisse aus der Vergangenheit in der Gegenwart aufgedeckt werden.
In der Gegenwart bin ich Charlotte gerne gefolgt und habe ihre Reise und die Gefühle, die sie dabei überkamen, mit Freude begleitet. Die Vergangenheit und die Geschichte von Amalia haben mich sehr berührt.

Ein Geheimnis ist: Es gibt noch eine Schachtel. Diese bekommt im 8. Band Hope und sie wird die Leser*innen nach Paris führen.

Jetzt freue ich mich schon auf den 8. Band „Die verschwiegene Tochter“, der im November 2026 erscheinen soll.

Ein Wiedersehen im Sommer

Julie Caplin
Roman
412 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Christiane Steen
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein Wohlfühlroman

Klappentext:
Im beschaulichen Wilsgrave verlassen sich alle immer auf Bets, die selbstlose Tierarzthelferin mit dem großen Herzen. Doch dieses Herz wurde gebrochen. Von Jack, mit dem sie seit Jugendtagen zusammen war und der jetzt in Bristol Karriere machen will. Das ganze Dorf fühlt mit ihr. Manche reagieren empört und möchten Jack nie wieder sehen, andere versuchen Bets abzulenken oder, noch schlimmer, sie zu verkuppeln. Aber anstatt in ihrer Trauer zu versinken, besinnt sich Bets auf die Dinge, die sie immer schon tun wollte, und entdeckt dabei vollkommen neue Seiten an sich. Sie ahnt nicht, welche Überraschungen dieser Sommer noch für sie bereit hält. Besonders als Jack zurückkehrt.
„Ein Wiedersehen im Sommer“ ist der 2. Band der Country Escapes Reihe von Julie Caplin.

Im Mittelpunkt des 2. Band steht Bets. Sie ist Tierarzthelferin und in Jack, den Sohn des Tierarztes verliebt. Bets und Jack kennen sich schon seit Jugendtagen. Jetzt möchte Jack der Karriere wegen nach Bristol.
Das bricht Bets das Herz. Denkt sie doch, sie hat die Stelle beim Tierarzt nur wegen Jack bekommen. Und was ist mit dem Häuschen, in dem sie mit Jack gewohnt hat? Muss sie das jetzt verlassen?
Das ganze Dorf leidet mit Bets und versucht, sie aufzumuntern.
Doch Beth zweifelt an sich selbst. Schon als Kind wurde sie von ihrem Vater verlassen.

Die Autorin hat wieder großartige Charaktere ins Leben gerufen. Einige davon sind aus dem 1. Band bekannt. Auch Beth mit ihrem großen Herz, sie hat sich im 1. Band rührend um Ella gekümmert. Jetzt braucht Beth Aufmunterung und das Dorf ist bemüht, sie auf andere Gedanken zu bringen.

Julie Caplin erzählt die Geschichte mit viel Gefühl. Ihr Schreibstil ist flüssig und gut verständlich. Ich bin schnell tief in die Geschichte versunken.

„Ein Wiedersehen im Sommer“ ist für mich ein echter Wohlfühlroman. Ich freue mich jetzt schon auf den 3. Band.

Die Mitternachtsreise

Matt Haig
Roman
329 Seiten
Übersetzt aus dem Englischen von Sabine Hübner
erschienen im Droemer Knaur Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Wenn das Leben an einem vorbeizieht

Klappentext:
Stell dir vor, dein Leben zieht im Zeitraffer an dir vorbei. Was würdest du noch einmal erleben wollen? Welche Momente – und welche Menschen – zählen wirklich?
Wilbur hätte nicht gedacht, dass er Agnes Bagdale noch einmal begegnen würde. Als Kind war der Buchladen der alten Dame in Sheffield sein Zufluchtsort, nicht nur wegen seiner geliebten Bücher. Bei Bagdale’s Bookshop konnte er die Probleme zu Hause einen Moment vergessen. Und dort begann seine eigene Laufbahn als Buchhändler.
Jetzt, Jahrzehnte später, ist Wilbur erfolgreich, einsam und am Ende seines Lebens angekommen. Doch statt dem Tod wartet ein rätselhafter Zug auf ihn. Und Agnes. Sie nimmt ihn mit, zurück durch die Zeit, auf eine Reise, die ihn seine bedeutsamsten Momente noch einmal durchleben lässt. Die glücklichsten Momente, wie damals in den Flitterwochen in Venedig mit seiner großen Liebe Maggie. Aber auch die schlimmsten, in denen er alles verlor.
Schon bald begreift er, wie viel er hätte anders machen wollen.

„Die Mitternachtsreise“ von Marr Haig ist ein Buch, das alle Buchliebhaber lieben werden.
Innen auf der ersten Seite ist die Fahrkarte für die Mitternachtsreise abgedruckt. Also einsteigen und los geht’s.

Im Mittelpunkt steht Wilbur. Er ist erfolgreich, aber einsam.
Auf den Tod wartend, kommt ein Zug vorbei und nimmt ihn mit auf eine Reise.
Bei der Mitternachtsreise, zieht sein Leben noch einmal an Wilbur vorbei.
So sieht er noch einmal Agnes Bagdale und den Bagdale’s Bookshop, den er als Kind geliebt hat. Auch seine große Liebe Maggie sieht Wilbur wieder. Allerdings sieht Wilbur auch die schlechten Momente in seinem Leben, Momente, in denen er eine andere Entscheidung hätte treffen sollen.

Matt Haig erzählt die Geschichte wieder mit viel Gefühl. Seine Charaktere sind wie immer sehr lebendig.
Mir hat es Freude gemacht, Wilbur auf dieser Reise zu begleiten und seine Entwicklung mitzuerleben.
Auch Maggie ist ein Charakter, der die Geschichte bereichert.

Der Schreibstil von Matt Haig ist flüssig, gut verständlich und fesselnd. Ich bin nach wenigen Seiten tief in die Geschichte eingetaucht.
„Die Mitternachtsreise“ ist eine Geschichte über die Liebe und über die Kraft der Bücher. Ich habe auch dieses Buch von Matt Haig gerne gelesen.