Wachs

Christine Wunnicke
Roman
223 Seiten
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Zwei außergewöhnliche Frauen

Klappentext:
Zwei Frauen in Paris, wie sie verschiedener nicht sein könnten: Marie Biheron, die schon im Mädchenalter nach Leichen sucht, um das Innenleben menschlicher Körper zu studieren und zu verstehen; und Madeleine Basseporte, die sich ganz der Anatomie von Blumen verschrieben hat, weil Menschen einen nur von der Arbeit abhalten und meist keine Ahnung haben, was vermehrt auf Männer zutrifft. Auch sie kommen vor, in teils erheiternden Nebenrollen, ein nervöser Bestseller-Autor, ein junger Nichtsnutz und Diderot, der Kaffee trinkt und viel redet.

„Wachs“ ist ein Roman über zwei historische Frauen von Christine Wunnicke.
Die Autorin wurde 2026 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.

Ich habe etwas gebraucht, um mich an den Schreibstil von Christine Wunnicke zu gewöhnen. Die Geschichte hat etliche Zeitsprünge, mit denen man sich erst einmal zurechtfinden muss.
Aber Geduld wird mit einer ungewöhnlichen Geschichte belohnt.

Im Mittelpunkt stehen Marie Biheron und Madeleine Basseporte. Zwei ungewöhnliche Frauen, die wirklich gelebt haben.
Marie Biheron interessiert sich für die Anatomie des Menschen. Dafür betrachtet sie das Innenleben von Leichen und fertigt mit Wachs Modelle an.
Auch Madeleine Basseporte hat sich der Wissenschaft verschrieben. Auch sie interessiert sich für die Anatomie. Allerdings die von Pflanzen.
Die Leserinnen begleiten die beiden so verschiedenen Frauen, die das Leben zusammenführt.

Christine Wunnicke erzählt nicht einfach nur eine Geschichte über zwei Frauen.
Es geht auch um Emanzipation und es ist auch eine leise Liebesgeschichte.

Der Schreibstil von Christine Wunnicke ist nicht einfach zu lesen. Aber die Autorin kann ganz wunderbar mit der Sprache umgehen. Dazu streut Christine Wunnicke noch einen feinen Humor in die Geschichte ein.

Auch lässt Christine Wunnicke Paris des 18. Jahrhunderts lebendig werden.

„Wachs“ ist eine außergewöhnliche Geschichte. Ich habe das Buch gerne gelesen und freue mich auf weitere Lektüre von Christine Wunnicke.

1999 Meter über dem Meer

Caroline Wahl
Roman
368 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Eine emotionale Achterbahnfahrt

Klappentext:
Samara weiß, was sie alles nicht mehr will. Aber was sie will, das weiß Samara nicht, und sie weiß noch nicht einmal, ob das schlecht ist. Jetzt hat sie knallorange gefärbte Haare, einen schönen alten Wagen und an jedem Ort, an dem sie ankommt, einen neuen Namen. Und aufwärts soll es gehen, also richtig nach oben, nach St. Moritz in den Schweizer Hochalpen. Da kommt ein schöner Mann her, den Samara mal kennengelernt hat. Überhaupt gibt es viele schöne und reiche Menschen in St. Moritz, sehr reiche Menschen, mittendrin Samara, die jetzt nicht mehr Samara heißt. Und keine Hochstaplerin ist, sondern erfolgreiche Künstlerin.

„1999 Meter über dem Meer“ ist der neue Roman der Bestsellerautorin Caroline Wahl.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Samara. Sie will den Geistern ihrer Vergangenheit entfliehen. Wohin, das ist ihr nicht so ganz klar.
So findet sie sich in 1999 Metern über dem Meeresspiegel. In St. Moritz soll es gutaussehende und wohlhabende Männer geben. Also, warum nicht St. Moritz.

Caroline Wahl entfaltet die Geschichte langsam. Man hat genug Zeit, sich mit dem Umfeld vertraut zu machen. Dann entsteht aber auch eine Dynamik, die mich wie ein Sog in die Geschichte reingezogen hat.

Die Charaktere von Caroline Wahl haben immer eine besondere psychische Tiefe.
Bei Samara ist eine innere Zerrissenheit spürbar.

Der Schreibstil ist typisch für Caroline Wahl. Er ist jung und spritzig. Gut zu lesen und gut verständlich.
Caroline Wahl schreibt ohne viel Schnörkel, sie kommt schnell zum Punkt. Etwas, was ich an ihr sehr schätze.

Der Handlungsort wird gut beschrieben. Die Berghütte, das kalte, klare Morgenlicht, der Geruch von Holz und Stein werden anschaulich beschrieben.

„1999 Meter über dem Meer“ ist ein tief berührender, atmosphärisch dichter Roman.
Ich habe auch den neuen Roman von Caroline Wahl gerne gelesen.

Die Rosentochter

Tessa Collins
Roman
505 Seiten
erschienen im Ullstein Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar

Der Abschlussband der Blumentöchter-Saga

Klappentext:
Ein altes Stück Stoff, der Duft von Blumen und eine Handvoll Erinnerungen: Mehr bleibt ihr nicht von einem Leben, das vor ihrem eigenen begann. Auf der Suche nach Antworten entdeckt sie, wie eng Verlust, Hoffnung und Liebe miteinander verwoben sind.
Nara hat alles, was sie sich wünschen könnte: eine zauberhafte Tochter, eine florierende Gärtnerei und mit ihren vier Nichten Dalia, Soley, Lali und Magnolia Familie und Freundinnen in einem. Doch der Tod ihrer Adoptiveltern wirft sie aus der Bahn. Und als sie ein altes Handtuch mit der Stickerei eines namibischen Kinderheims findet, steht ihre Welt auf dem Kopf.
Entschlossen, ihre Wurzeln zu finden, reist Nara nach Namibia. Dort erfährt sie nicht nur vom Schicksal ihrer leiblichen Eltern, sondern auch von der bewegenden Vergangenheit ihrer Adoptivmutter Rose. Zwischen den Weiten der Wüste und den Wellen des Atlantiks begegnet Nara ihrer eigenen Geschichte – und einer zweiten Chance auf die Liebe.

„Die Rosentochter“ ist der 5. Band der Blumentöchter-Saga von Tessa Collins.
Tessa Collins ist das Pseudonym von Silke Ziegler, die mich schon mit ihren Krimis und der Purpurküsten-Reihe begeistert hat.

Nachdem mir die ersten vier Bände so gut gefallen haben, wartete ich schon sehnsüchtig auf Band 5.

Tessa Collins entführt ihre Leser*innen nach Namibia.
Im Mittelpunkt steht Nara, auch sie begibt sich auf eine Spurensuche. Nach dem Tod ihrer Adoptivmutter findet Nara ein altes Handtuch, darauf eine Stickerei aus einem Kinderheim in Namibia.
Nara begibt sich auf die Suche nach ihren Wurzeln.
Diese Suche führt Nara nach Namibia. Hier findet sie nicht nur Antworten auf die Frage ihrer Herkunft, sie deckt auch alte Tragödien auf.

Tessa Collins versteht es, Charaktere zu zeichnen und durch die Geschichte zu führen. Vor allem hat mir in diesem Band Nara gefallen. Sie ist eine nahbare, vielschichtige Frau.
Ihre anfängliche Skepsis wandelt sich im Laufe der Handlung in eine feste Entschlossenheit.

Die Figuren der Vergangenheit erwachen durch Tagebücher, Briefe und Rückblenden zum Leben. Ihre Entscheidungen und Opfer wirken bis in die Gegenwart nach und sind psychologisch feinfühlig ausgearbeitet.

Tessa Collins hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Die Handlungsorte werden anschaulich beschrieben. Der Duft der Rosen ist mir richtig um die Nase geweht.

„Die Rosentochter“ ist nun der Abschluss der Blumentöchter-Saga, mit der mir Tessa Collins viel Freude bereitet hat.

Blumentöchter-Saga:
Band 1 Die Blumentöchter
Band 2 Die Wildblütentochter
Band 3 Die Nelkentochter
Band 4 Die Magnolientochter
Band 5 Die Rosentochter

Der Soundtrack meiner Träume

Katja Ollech
Roman
erschienen im Selfpublishing
212 Seiten
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Katja Ollech für das Rezensionsexemplar

Wenn das Leben eine zweite Chance bekommt

Klappentext:
Pia hätte nie gedacht, dass ihr Leben so leer sein würde, wenn die Kinder einmal aus dem Haus sind. Alles ist anders gekommen, als sie es sich mit siebzehn erträumt hatte.

Heute, dreißig Jahre später, begegnet sie auf einem Klassentreffen ihrer besten Freundin Paula wieder. In der Schule waren die beiden unzertrennlich, doch dann gingen sie getrennte Wege. Paula wurde eine erfolgreiche Fotografin, Pia Hausfrau und Mutter.

Mit den geheimnisvollen Worten „Melde dich, wenn du wieder zurück bist“ drückt Paula ihr ein altes Notizbuch in die Hand. Darin entdeckt Pia ihre früheren Träume wieder: Mit ihrem Schwarm Marco zusammenzukommen, Journalistin zu werden und die Welt zu bereisen. Nichts davon hat sie erreicht.

Doch plötzlich wacht sie als Jugendliche in den Neunzigern auf und kann ihre damaligen Entscheidungen noch einmal treffen. Schon bald begreift sie, dass die Änderungen einen Preis haben.

In ihrem Roman „Der Soundtrack meiner Träume“ entführt Katja Ollech ihre Leser*innen auf eine emotionale und auch humorvolle Reise in die 1990er Jahre.

Im Mittelpunkt steht Pia. Nachdem die Kinder aus dem Haus sind, ist Pias Leben leer geworden. Als sie bei einem Klassentreffen ihre einst beste Freundin wiedertrifft, bekommt sie zum Abschied ein altes Notizbuch in die Hand gedrückt. Beim Lesen des Büchleins spürt Pia fast schmerzhaft, welche Träume sie einst gehabt hat.
Sie wollte als Journalistin Karriere machen und da war auch noch Marco, ihr einstiger Schwarm.
Plötzlich wacht Pia im Jahr 1995 und steckt im Körper ihres 17-jährigen Ichs.
Sie hat das Wissen und die Lebenserfahrung von heute und bekommt eine 2. Chance, ihr Leben zu leben.

Katja Ollech hat ganz besondere Charaktere ins Leben gerufen.
Pia war mir schnell sympathisch. Sie ist eine Frau, die mitten im Leben steht.
Der Kontrast zwischen der reifen Frau und dem Teenager haben mich oft zum Schmunzeln gebracht.

Der Schreibstil von Katja Ollech ist flüssig und leicht verständlich.
Die Autorin erzählt die Geschichte aus der Perspektive von Pia.
Auch die Sprache ist sehr gut an die Zeit angepasst. So verfällt sie gerne in die Jugendsprache der 190er Jahre.
Wie man dem Titel schon entnehmen kann, kommen in der Geschichte auch viele Musiktitel der 1990er Jahre vor. Ein Stückchen Nostalgie das ich genossen habe.

„Der Soundtrack meiner Träume“ ist eine emotionale und humorvolle Geschichte, über die 2. Chance, die das Leben verdient.

Jetzt beginnt das Leben

Alex Schulman
Roman
346 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Übersetzt aus dem Schwedischen von Hanna Granz
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Telefonat mit der Vergangenheit

Zum Inhalt:
Die Geschichte beginnt mit einer persönlichen Krise. Vidar ist Lehrer und wird nach einem Vorfall vom Schuldienst suspendiert.
In einem alten Notizbuch seiner Eltern stößt Vidar auf die Festnetznummer des längst aufgegebenen Sommerhauses der Familie. Kurzentschlossen wählt er die Nummer und hat plötzlich seinen verstorbenen Vater am Telefon.
Schnell wird Vidar klar, er ist mit dem 17. Juni 1986 verbunden. Ein Tag, der Auswirkungen Vidar muss wissen, was genau an diesem Tag passiert ist. Immer wieder wählt er die Telefonnummer und wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert.

„Jetzt beginnt das Leben“ von Alex Schulmann ist ein Roman, der zurück in die Kindheit führt.

Alex Schulman zeichnet psychologisch scharfe und komplexe Charaktere.
Vidar ist ein Mann, der von innerer Wut und Verdrängung aufgezehrt wird.
Seine Besessenheit von den Telefonaten spiegelt die verzweifelte Suche nach dem Moment wider, in dem sein Leben die falsche Abbiegung genommen hat.
Vidar als Kind wird verletzlich und feinfühlig dargestellt.
Die Mutter wechselt zwischen mütterlicher Zärtlichkeit und emotionaler Härte.

Der Schreibstil von Alex Schulman ist klar und schnörkellos. Die Sätze sind präzise und treffen manchmal direkt ins Herz.
Das Wechselspiel der Gegenwart und dem minutiösen Rekonstruieren des 17. Juni 1986 per Telefon ist ein Geniestreich.

Die Handlungsorte spiegeln den seelischen Zustand von Vidar wider.
In der Gegenwart ist es das graue Stockholm. In der Vergangenheit das schwedische Sommerhaus an einem idyllischen Ort.

Alex Schulman erzeugt in seinem Roman eine melancholische Stimmung.
Die Telefonate erzeugen Spannung. Beim Lesen wartet man schon auf das nächste Gespräch, auf das Tuten in der Leitung, das Knarzen eines Stuhls auf dem Holzboden.

„Jetzt beginnt das Leben“ ist ein tief berührender Roman, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat.

Brightsand Bay – Zeit für Liebe

Jo Weiler
Roman
456 Seiten
erschienen im Maximum Verlag
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Maximum Verlag für das Rezensionsexemplar

Es geht aufregend weiter

Im Mittelpunkt stehen Emily „Mimi“ Green und ihr Bruder Finn. Seit dem frühen Tod der Eltern ist Finn für seine Schwester da. Die Beiden sind unzertrennlich und führen gemeinsam den elterlichen Fährbetrieb weiter.
Dank des Kredits von Aidan, ist der Fährbetrieb erst einmal gerettet. Auch gibt es neue Ideen, wie man die Fähre rentabler machen kann.
Die Liebe zwischen Emily und Aidan wurde abrupt beendet, denn es hat sich rausgestellt das sie Geschwister sind.
Mittlerweile haben beide eine neue Beziehung.
Doch im arbeitet Felicity daran, ein Geheimnis aufzudecken.

„Brightsand Bay – Zeit für Liebe“ ist der 2. Band der Brightsand-Reihe von Jo Weil und eine gelungene Fortsetzung.

Die Geschichte lebt durch ihre wunderbaren Charaktere und durch das schöne Setting. Der Autor beschreibt die Küste von Cornwall auf eine sehr anschauliche Art. Man hat schnell Bilder vor Augen. Das schöne Cottage, den Fähranleger, den Leuchtturm. Eine traumhafte Landschaft. Man bekommt beim Lesen Fernweh.

Die Charaktere sind sympathisch. Emily ist manchmal etwas impulsiv und etwas naiv. Sie gefällt mir aber so wie sie ist. Ihr Bruder Finn gefällt mir auch gut. Er verzichtet auf eine Beziehung, nur damit Emily nicht mit noch mehr Problemen konfrontiert wird.
Wieder droht ein Geheimnis ans Licht zu kommen.
Doch wird die Enthüllung abrupt verhindert und der 2. Band endet mit einem Cliffhanger.

Jo Weil erzählt die Geschichte auf einen schöne und ruhige Art. Ich bin schnell tief in die Geschichte eingesunken.
Doch eine Kritik habe ich leider. Die Ausschnitte aus dem Historischen Liebesroman, der fast schon einem Pornoheftchen ähnelt, den Emily so gerne liest, hätte ich nicht gebraucht. Auch die Unterhaltung zwischen Emily und den Protagonisten aus dem Roman hat die Geschichte etwas ins Lächerliche gezogen. Ich habe diese Passagen im 2. Band überlesen.
Dafür ziehe ich einen Stern ab, sonst hätte der Roman dicke 5 Sterne verdient.

Davon abgesehen ist „Brightsand Bay – Zeit für Liebe“ ein Roman mit Drama und Liebe, den ich gerne gelesen habe.
Ich freue mich schon auf den 3. Band „Brightsand Bay – Zeit für Leidenschaft“ und bin schon gespannt, wie Jo Weil die Geschichte enden lässt.

Ist doch schön hier

Miriam Burdelski
Roman
376 Seiten
erschienen im Blessing Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Blessing Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein Roadtrip gegen das Vergessen

Klappentext:
Als Liesel ihre Großmutter Emmi auf eine Reise in die ehemalige Provinz Ostpreußen begleitet, sucht sie mehr als nur einen Ort, sie sucht Antworten. Antworten auf die Fragen, die zwischen den Generationen stehen, auf die Geheimnisse, die sich in vergilbten Kalendern und in Emmis Schweigen verstecken. Zwischen Birkenalleen, alten Gutshäusern und dem Rauschen der Ostsee entfaltet sich eine Geschichte von Verlust und Hoffnung, von Schuld und Liebe. Doch je näher Liesel der Vergangenheit kommt, desto deutlicher spürt sie: Heimat ist kein Ort, den man auf der Landkarte findet. Heimat sind die Menschen, die bleiben, wenn alles andere verschwindet.

„Ist doch schön hier“ ist der neue Bestsellerroman von Mirjam Burdelski.

Liesel nimmt ihre geliebte Großmutter Emmi mit auf einen Roadtrip in Emmis Vergangenheit. Begleitet werden sie von Jascha, der im Seniorenheim arbeitet, wo Liesels Großmutter lebt.
Großmutter Emmi driftet mit ihrer Demenz immer mehr in die Vergangenheit ab.
Jascha schlägt vor, mit Emmi nach Polen, in die Region des früheren Ostpreußens zu fahren, um ihrer Vergangenheit näher zu sein.
Auf dem Weg dorthin wird Liesel immer wieder mit der Demenz ihrer Großmutter konfrontiert. Kommt aber auch ihrer Familiengeschichte ein Stück näher.

Mirjam Burdelski lässt ihre Charaktere richtig lebendig werden. Es sind richtige Herzensmenschen.
Liesel ist eine beeindruckend starke, junge Protagonistin. Ihre Hartnäckigkeit und der Mut, sich der Familiengeschichte zu stellen, tragen die Geschichte.
Großmutter Emmi mit ihrer Demenz wird authentisch beschrieben. Die Autorin zeigt die Tragik der Krankheit mit ihrer Verwirrung und Angst sehr genau auf.
Jascha ist eine polnische Pflegekraft. Er ist eine gute Stütze und so etwas wie ein Ruhepol. Er ist sehr geduldig und einfühlsam. Genau das, was Liesel zur Unterstützung auf der Reise braucht.
Melanie, Liesels Mutter bleibt zu Hause zurück. Sie leidet unter Depressionen.
Doch in Liesels Gedanken ist Melanie immer dabei. Auch für Melanie wird die Familiengeschichte aufbereitet.

Miriam Burdelski spannt einen großen Bogen zwischen der Trostlosigkeit der Wohnung in Deutschland, dem Pflegeheim und Kudern im ehemaligen Ostpreußen.
Die Landschaft in Polen wird anschaulich beschrieben. Die weiten Birkenalleen und die maroden Gutshäuser konnte man sich gut vorstellen.
In Emmi erwachen Erinnerungen an ihr früheres zu Hause und an die Flucht.

Miriam Burdelski überzeugt mit ihrer Sprache. Die Autorin kann gut mit Worten jonglieren.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, gut verständlich und klar. Sie verzichtet auf zu viele Schnörkel.
Die Themen Flucht, Schuld und auch das Altwerden, sind gut in die Geschichte integriert.

Auf mich hatte die Geschichte eine Sogwirkung, ich konnte kaum aufhören zu lesen.

„Ist doch schön hier“ ist ein tief berührender und nachhaltig beeindruckender Generationenroman.

Freunde von früher

Micha Lewinsky
Roman
266 Seiten
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Empfehlenswerter Roman

Klappentext.
Béla erhält einen überraschenden Anruf: Das Haus an der Zederstraße steht zum Verkauf. Dreißig Jahre ist es her, dass er dort mit Simone, Serdar und Kim in einer WG gewohnt hat. Seither sind sie alle in unterschiedliche Richtungen gegangen. Ist es eine gute Idee, jetzt zu viert das Haus ihrer Aufbruchsjahre zu kaufen? So gesetzt wollte Béla eigentlich gar nie werden. Wenn er nicht in den Spiegel schaut, hält er sich immer noch für jung. Aber wirklich jung ist nur seine Freundin Kaja, die gerade festgestellt hat, dass sie schwanger ist.

„Freunde von früher“ von Micha Lewinsky, ist ein kluger und humorvoller Roman, der sich der Frage des Älterwerdens stellt.
Der Autor hat schon einige Drehbücher und ein Kinderbuch geschrieben und mich mit seinem Debütroman „Sobald wir angekommen sind“ begeistert.

Béla führt ein eher unaufgeregtes Leben. Doch die Information, dass das alte Haus in der Zederstraße verkauft werden soll, bringt ihn zum Nachdenken.
Genau dort hat er mit Simone, Serdar und Kim in einer WG gelebt. Der damalige Traum, immer zusammen in einem großen Haus zu leben, könnte sich jetzt erfüllen.
Doch die einst so rebellischen Jugendlichen müssten jetzt zu gediegenen Immobilienkäufern werden. Wäre die Clique von damals dazu bereit?

Micha Lewinsky erzählt die Geschichte sehr anschaulich und mit Humor. Wer fragt sich nicht, wo all die Jahre hin sind, und sieht sich (wohl als Einziger) immer noch so wie früher.
Man selbst ist ja kaum älter geworden, nur die anderen, die sind gealtert.

Die Charaktere sind glaubwürdig und lebendig.
Béla hat mir auf Anhieb gut gefallen. Er ist liebenswert und zweifelt manchmal an sich. Er weigert sich, zu erkennen, dass er gealtert ist. Er fühlt sich eigentlich immer noch wie der 20-jährige in der WG. Als sie sich wiedersehen, treffen doch verschiedene Charaktere aufeinander.
Die einstigen WG-Freunde haben sich unterschiedlich entwickelt.
Kaja ist Bélas junge Partnerin. Sie bildet den Kontrast zu den Junggebliebenen und den wirklich Jungen.

Der Schreibstil von Micha Lewinsky ist flüssig und gut verständlich, manchmal fast philosophisch. Der Autor spiegelt die Gegenwart wie auch die Vergangenheit, in der die Jugendlichen in der WG gewohnt haben, gut wider.
Dabei lockert Micha Lewinsky die Geschichte immer wieder mit Humor auf.

„Freunde von früher“ ist eine unterhaltsame Geschichte mit Humor an den richtigen Stellen. Ich habe das Buch mit Freude gelesen.

Nächstes Mal für immer

Lucien Marant
Roman
315 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Wenn die Liebe eine zweite Chance bekommt

Klappentext:
Paris, 1999. Mona kommt als Studentin für ein Semester in die Stadt ihrer Träume. Noch ehe sie ihr WG-Zimmer beziehen kann, lernt sie Thibauld kennen. Eigentlich kann sie den arroganten Schönling nicht ausstehen. Doch etwas an seinem verträumten Wesen und seinem ganz eigenen Blick auf die Welt lässt Mona nicht los. Und so stürzt sie sich in einen Strudel der Gefühle, voller Kribbeln und Krampfen, Glücksmomente und Enttäuschungen.
Paris, 2019. Nach zwanzig Jahren kehrt Mona zurück in die Stadt, die einen Sommer lang ihr Zuhause war und blickt unversehens in ein Paar funkelnder Augen, die nichts von ihrer ansteckenden Freude und Wachheit verloren haben. Thibauld! Ausgerechnet dem Menschen, der für das größte Glück und die tiefste Verletzung in ihrem Leben verantwortlich war, läuft sie gleich nach ihrer Ankunft hier in die Arme. Hält das Schicksal eine zweite Chance für die beiden bereit?

„Nächstes Mal für immer“ ist ein schöner und tiefgründiger Roman von Lucien Marant.

Die Geschichte hat zwei Zeitebenen, zwischen denen 20 Jahre liegen.

Im Mittelpunkt steht Mona: Sie kommt als Studentin für ein Jahr nach Paris. Hier trifft sie Thibauld und verliebt sich in ihn. Doch es kommt zu einer Trennung.
20 Jahre später reist Mona wieder nach Paris und ausgerechnet läuft sie Thibauld über den Weg.

Lucien Marant hat großartige Charaktere erschaffen.
Mona war mir schnell sympathisch. Sie wirkt stark und doch hat sie etwas Verletzliches an sich.
Einst hatte sie sich in Paris verliebt, eine Liebe, die sie auch 20 Jahre später nicht vergessen hat.

Lucien Marant erzählt die Geschichte gefühlvoll. Man begleitet Mona und Thibauld in der Gegenwart. Ist dabei, wie die Frage der Schuld gestellt wird.
In der Vergangenheit erfährt man, wie es 1999 war. Wie Mona und Thibauld sich kennenlernen und wie es zur Trennung kommt.

Lucien Marant hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Der Autor erzählt nicht nur eine Liebesgeschichte, die zu Beginn gescheitert ist. Sie hinterfragt die Beziehung auch, fragt nach Schuld und Vergebung.

Der Handlungsort Paris gibt der Geschichte eine ganz besondere Atmosphäre.

Für mich ist „Nächstes Jahr für immer“ ein sehr schöner Roman, den ich mit Freude gelesen habe.

Alleinruhelage

Eva Menasse
Roman
209 Seiten
erschienen bei Kiepenheuer & Witsch
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar

Haus zu verkaufen

Klappentext:
Die nötige Hilfe ist quasi vom Himmel gefallen, Alla und Bolek aus Polen, zwei Kettenraucher, die alles können. Die Renovierungen und Rückschläge, die geplatzten Wasserleitungen und die Bosheiten der benachbarten Schrebergärtner lösen viele Erinnerungen und neue Erkenntnisse aus und so manche Fallstricke der deutsch-deutschen Geschichte nimmt die Erzählerin womöglich genauer wahr, als Wienerin in der doppelten Fremde. Dann beschließt sie, das geliebte Haus zu verkaufen, um noch einmal aus- und aufzubrechen aus ihrer „stabilen Alleinruhelage“.

„Alleinruhelage“ ist die Geschichte von einem Haus mit Garten von Eva Menasse.

Die Leserinnen begleiten in dieser Geschichte eine Frau, die keinen Namen bekommen hat. Die Frau ist Mitte 50, ist Schriftstellerin und kommt aus Österreich. So weit stimmt die Frau mit der Autorin überein. Der Rest bleibt der Fantasie der Leserinnen überlassen.

Das Haus, um das es in der Geschichte geht, hat die Frau mit ihrem Mann gekauft. Es steht in der ostdeutschen Provinz. Das Haus liegt in schöner „Alleinruhelage“ direkt am See.
Jetzt ist die Frau allein und möchte das Haus verkaufen. Um es in einen repräsentablen Zustand zu bringen, heuert die Frau Alla und Bolek aus Polen an. Die beiden, quasi Alleskönner, sollen das Haus wieder fit bekommen. Dabei passieren einige unerwartete Dinge.

Eva Menasse lässt das Haus zu einem Protagonisten werden.
Als Leser*in erfährt man über das Leben in diesem Haus. Von schönen und weniger schönen Zeiten.
So erfährt man auch von den anfänglichen Schwierigkeiten, die sich auftaten, als sie aus dem Westen kommend das Haus in Ostdeutschland erworben haben.
Die Autorin beleuchtet die Zeit nach der Wende ziemlich genau.

Die Charaktere sind lebensnah und authentisch.
Die Frau, die das Haus verkaufen möchte, hat viele Erinnerungen, die den Leser*innen offenbart werden.

Alla und Bolek aus Polen, die das Haus renovieren sollen, haben mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht.
Für mich ist der Hauptprotagonist das Haus, das schon viel gesehen und erlebt hat.

Der Schreibstil von Eva Menasse ist flüssig und gut verständlich. Immer wieder streut sie etwas Humor in die Geschichte ein, was das Ganze auflockert.

Die Atmosphäre wechselt so, wie die Erinnerungen. Von himmelhochjauchzend bis hin zur Melancholie.

„Alleinruhelage“ ist ein Roman, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat.