Sommerrauschen

Christiane Adlung
Roman
282 Seiten
erschienen im DuMont Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den DuMont Verlag für das Rezensionsexemplar

Der perfekte Sommerroman

Zum Inhalt:
Judith ist mit ihren Eltern jedes Jahr in das Sommerhaus im Médoc gereist. Hier hat sie wunderschöne Sommer mit ihrer Schwester verbracht. Auch Natascha, Judiths Freundin aus dem Nachbarhaus, war oft mit dabei. Doch irgendwann trennten sich ihre Wege.
Jetzt ist Judith erfolgreiche Bildhauerin, verheiratet und hat zwei Töchter. Mit ihrer Familie bewohnt sie das einstige Sommerhaus.
Das Nachbarhaus, in dem ihre Freundin Natascha gewohnt hat, steht leer. Robert trägt sich mit dem Gedanken, das leerstehende Haus zu kaufen, um mehr Platz für die Familie zu schaffen. Als Natascha mit ihrem Mann im Médoc ankommt, werden bei Judith viele Erinnerungen wach. Erinnerungen, die sie lieber vergessen möchte.

„Sommerrauschen“ von Christiane Adlung ist der perfekte Sommerroman.

Christiane Adlung erzählt die Geschichte sehr bildhaft. Man hat beim Lesen förmlich das Meer vor Augen. Man hört das Rauschen der Wellen und schmeckt das Salz auf den Lippen.

Die Charaktere werden liebevoll beschrieben und sind lebendig.
Im Mittelpunkt steht Judith. Sie ist Bildhauerin und hat als Kind schon das Haus im Médoc, in dem sie jetzt mit ihrer Familie lebt, geliebt. Im Inneren ist sie zerrissen, es gibt etwas in ihrer Vergangenheit, das sie nicht an die Oberfläche kommen lassen will.

Natascha ist Judiths Freundin aus Jugendtagen. Sie bringt die Vergangenheit ins Spiel. Ein dunkles Geheimnis, das gelüftet werden möchte.

Die Geschichte hat zwei Zeitebenen. Einmal die Gegenwart, in der die Leserinnen die Protagonisten durch die Geschichte begleiten. Dann gibt es Rückblenden in die 1980er Jahre. Hier erleben die Leserinnen Judith und Natascha als Jugendliche. Hier wird auch das jahrelang verschwiegene Geheimnis gelüftet.

Christiane Adlung beschreibt den Handlungsort sehr eindrücklich. Die Natur, die Küste und das Meeresrauschen und die Sommerhitze werden gut vermittelt.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich. Die Geschichte wechselt zwischen ruhigen und temporeichen Szenen ab.
Die Geschichte hat mich schnell gefesselt und ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen.

„Sommerrauschen“ ist ein ruhiger, aber kraftvoller Sommerroman.

Sonnenberg

Brigitte Glaser
Roman
448 Seiten
erschienen im List Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Interessanter und unterhaltsamer Roman

Klappentext:
Mitte der Siebzigerjahre ist Johanna die erste in ihrer Familie, die an die Uni geht. Mit ihrer Freundin Luzie zieht sie in eine WG nach Freiburg und genießt neue Freiheiten. Als wenig später ihr Vater stirbt, muss sie jedoch zurück nach Hause und den Winzerbetrieb der Eltern übernehmen. Gemeinsam mit ihrer Mutter und Großmutter bewirtschaftet sie den Hof am Kaiserstuhl. In einer Welt, in der weibliche Arbeitskräfte nur die Hälfte zählen, müssen die Frauen sich behaupten. Erst recht, als Johanna ein Kind bekommt und sich entschließt, es ohne Vater großzuziehen. Erst recht, als sie sich dem Widerstand der Winzer und Bauern, der Bürger aus Freiburg und der Region gegen ein in der Nähe geplantes Kernkraftwerk anschließt. Auch Luzie, die gerade von einer langen Marokkoreise zurück ist, ist an ihrer Seite. Und plötzlich sieht es so aus, als könne man zusammen etwas erreichen.

„Sonnenberg“ von Brigitte Glaser entführt seine Leser*innen in die 1970er Jahre.

Die Freundinnen Johanna und Luzie studieren beide in Freiburg und wohnen zusammen in einer WG. Doch nach einem Streit trennen sich ihre Wege.
Johanna muss nach dem Tod ihres Vaters zurück in den Schwarzwald, um den Winzerbetrieb zu übernehmen. Luzie zieht es für Forschungsarbeiten nach Marokko.
Mit Mutter und Großmutter arbeitet Johanna zusammen auf dem Hof der Familie. Als Johanna schwanger wird, entscheidet sie sich, das Kind ohne Vater großzuziehen.
Als in Wyhl ein Atomkernkraftwerk gebaut werden soll, regt sich Widerstand. Dem schließen sich auch Johanna und Luzie an.

Brigitte Glaser versetzt ihre Leser*innen in eine Zeit, in der die Frauen noch wenig Rechte hatten. Zum Glück gab es Frauen wie Johanna und Luzie, die ihre Rechte einforderten.

Brigitte Glaser hat hervorragende Recherchearbeit geleistet. Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als überall die Plakate „Atomkraft, nein danke“ hingen. Die Autorin spiegelt die Zeit des Widerstandes realistisch wider. Die Autorin lässt ihre Leser*innen an der Planung und Entwicklung des Kernkraftwerkes teilhaben.
Auch die politische Entwicklung wird interessant dokumentiert.

Die Charaktere sind lebendig und sympathisch.
Johanna und Luzie sind recht unterschiedlich und ergänzen sich gut.
Johann ist eher die Skeptikerin und Luzie hingegen die Planerin, die an die Zukunft glaubt.

Der Schreibstil von Brigitte Glaser ist wie gewohnt flüssig und gut verständlich.
Die Autorin verknüpft reale Hintergründe in eine fiktive Geschichte.
Wer wie ich, die 1970er Jahre erlebt hat, findet bekannte und interessante Hintergründe zu der Planung und Umsetzung des Kernkraftwerks Wyhl.
Die eingestreuten Worte im Dialekt des Schwarzwalds machen die Geschichte noch authentischer.

„Sonnenberg“ ist wieder ein interessanter und unterhaltsamer Roman von Brigitte Glaser.

The Monet Family – Shine Bright Like a Diamond

Weronika Anna Marczak
Roman
713 Seiten
erschienen im Ullstein Verlag
Übersetzt aus dem Polnischen von Marlena Breuer
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein grandioses Reihenende

Klappentext:
Hailie schwebt auf Wolke sieben – mit Adrien fühlt sich alles richtig an. Es könnte so perfekt sein, wenn nur ihre nicht Brüder wären. Denn die dürfen nichts von ihrer Beziehung wissen. Sie haben klare Vorstellungen davon, wen Hailie daten darf, und Adrien steht ganz bestimmt nicht auf ihrer Liste. Hailie weiß keinen anderen Ausweg, als ihre Liebe zu verheimlichen. Doch wie lange kann sie so weitermachen, ohne alles zu verlieren?

„The Monet Family – Shine Bright Like a Diamond“ ist der 7. Band der Family of Secrets Reihe von Weronika Anna Marczak.

Die „Family of Secrets“-Reihe dreht sich rund um die Monet-Geschwister.

Die Geschichte knüpft direkt an den 6. Band an.
Im Mittelpunkt steht Hailie Monet. Ihre Gefühle für Adrian sind stärker denn je.
Doch sie muss sich gegen ihre älteren Brüder behaupten, denn die wären gegen diese Verbindung.
Die Familie muss nach außen hin glänzen und Zusammenhalt signalisieren, doch im Inneren sieht es ganz anders aus.
Die Machtverhältnisse innerhalb der Familie verlagern sich und der Familie droht eine Gefahr.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und haben seit dem 1. Band eine große Entwicklung durchlebt.
Hailie Monet, einst schüchternes und zurückhaltendes Mädchen, hat sich zu einer reifen jungen Frau entwickelt. So fordert sie jetzt auch ihren Platz in der Familie ein.
Hailie war mir von Anfang an die sympathischste aus der Familie.

Die Brüder Vincent, Will, Dylan, Shane und Tony sind sich untereinander nicht einig. Das Oberhaupt der Familie ist zweifellos Vincent. Aber auch der kühle Vincent hat seine schwachen Seiten.

Der Schreibstil von Weronika Anna Marczak ist flüssig, bildhaft und emotional.
Die Autorin stellt einen Kontrast zwischen dem glamourösen Luxusleben und der düsteren, bedrohlichen Realität dar.
Die Perspektive aus Sicht von Hailie sorgt dafür, dass die Leser*innen Hailie ganz nahekommen und sogar ihre Gedanken lesen können.
Das Erzähltempo wechselt zwischen ruhigen Momenten und rasender Geschwindigkeit.

Mich hat das Ende der Reihe beeindruckt. Es war ein grandioser Abschluss der Reihe.
Allen Neulesern würde ich empfehlen, zum besseren Verständnis bei Band 1 anzufangen.

Zitronenblüten und Meereszauber

Nelly Berlin
Roman
erschienen im Selfpublishing
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Nelly Berlin für das Rezensionsexemplar

Ein Sommerroman

Klappentext:
Eigentlich denkt Leonie, ihr Leben läuft gut. Doch dann passiert eine Katastrophe und plötzlich steht sie ohne Job da und ohne Plan, wie es für sie weitergehen könnte.

Jason ist Bassist in einer super erfolgreichen Rockband. Doch dann wird er in einen Skandal verwickelt und muss eilig untertauchen. Wo geht das besser als am wunderschönen Meer von San Michelle?

Allerdings braucht Jason jemanden, der sich um sein Leben kümmert, und Leonie braucht dringend einen Job. Als die beiden aufeinandertreffen, haben sie sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie das gehen soll.

Während die Zitronenblüten duften und das Meeresrauschen alles verzaubert, stellt Leonie fest, dass Jason ganz anders ist als gedacht und dass das Glück oft nur einen Songtext weit entfernt liegt.

„Zitronenblüten und Meereszauber“ von Nelly Berlin ist ein idealer Sommerroman.

Nelly Berlin hat liebenswerte Charaktere ins Leben gerufen.
Da ist Leonie, die keinen Job mehr hat. Für einen Neustart will sie Kraft im verträumten Örtchen San Michelle sammeln.
Auch der Bassist Jason, der mit seiner Rockband Erfolge feiern konnte, braucht nach einem Skandal einen Neustart.
Ausgerechnet landen beide im selben Hotelzimmer.
Da Jason jemanden braucht, der sein Leben managt, bietet er Leonie den Job an.
Die beiden sind so unterschiedlich, dass man denkt, das kann nicht lange gutgehen.
Doch Sonne und Meer können alles und jeden verzaubern.

Da sind auch noch Vivian und Noah.
Vivien beschäftigt sich mit Kunst und recherchiert zu einem bestimmten Gemälde. Sie ist auf dem Weg, einen Kunstskandal aufzudecken. Da begegnet ihr Noah, der seine Hilfe anbietet. Nur meint es Noah ehrlich?

Nelly Berlin hat hier gleich zwei herzerwärmende Geschichten in einem Roman verpackt.
Die Geschichte von Leonie und Jason ist romantisch und passt zum beeindruckenden Setting von Sonne, Strand und Meer. 
Mit der Geschichte von Vivian und Noah bekommt der Roman so etwas wie Krimi-Vibes.

Der Handlungsort San Michelle wird anschaulich beschrieben.

Der Schreibstil von Nelly Berlin ist wie immer flüssig, gut verständlich und fesselnd. Ich bin tief in die Geschichte versunken und habe das Buch nur schwer zur Seite legen können.

„Zitronenblüten und Meereszauber“ ist wieder einmal ein richtiges Wohlfühlbuch, ideal für den Sommer und den Urlaub.

Wirf einen Schatten

Elena Fischer
Roman
288 Seiten
erschienen im Diogenes Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein einfühlsamer Roman

Klappentext:
Joseph ist einsam und hadert mit seinem Schicksal, nicht erst, seit seine Frau Lis mit dem gemeinsamen Sohn in die Stadt gezogen ist, weil sie den Alltag auf dem Hof nicht mehr ausgehalten hat. Wahrlich etwas Besonderes in den Sechzigerjahren auf dem Land. Zum Glück ist da noch Ada, Lis‘ ältere Schwester, mit der sich Joseph schon immer sehr verbunden fühlt. Und dann steht plötzlich die 20-jährige Birdie vor seiner Tür, geschwächt und auf der Flucht vor ihrer Familie. Lis, Ada und Birdie, sie werden ihrem eigenen, aber auch Josephs Leben eine ganz neue Richtung geben.

„Wirf einen Schatten“ ist der neue Roman von Elena Fischer.
Schon der Debütroman von Elena Fischer, „Paradise Garden“, hatte mir gut gefallen, und so war ich schon gespannt auf das neue Werk der Autorin.

Im Mittelpunkt steht Joseph. Er ist ein sehr sensibler Mensch. Er bewältigt seinen Alltag auf dem Hof, denn er ist der Einzige aus seiner Familie, der den Hof hat übernehmen können. Seine Eltern sind gestorben und auch sein Bruder lebt nicht mehr. Zum Leben als Bauer, gehört es auch Tiere zu schlachten. Das fällt Joseph nach all den Jahren immer noch schwer und er verspürt eine gewisse Schuld.
Sein Wunsch, mit der Krankenschwester Lis zusammen den Hof zu bewirtschaften, ist fehlgeschlagen. Lis hat nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes den Hof verlassen. Sie hat realisiert, dass sie für das Leben auf dem Land nicht geschaffen ist.
Joseph fühlt sich allein und denkt darüber nach, was das Leben noch für einen Sinn macht. Er träumt sogar davon, sich umzubringen.
Doch da klopft Birdie an seine Tür. Eine junge, geschwächte und kranke Frau. Joseph holt Hilfe bei einer Hebamme und pflegt die junge Birdie gesund.

Auch Ada, Josephs Schwägerin, sorgt sich um ihn. Ada ist eine intellektuelle junge Frau, die sich im Gegensatz zu ihrer Schwester, mit Joseph verbunden fühlt.

Das Ganze verfasst Elena Fischer zu einer spannenden und einfühlsamen Geschichte.
Die Charaktere wirken lebendig und haben mir gefallen.
Besonders Joseph mit seiner Sensibilität, auch seinen Tieren gegenüber. Ich habe mit ihm gefühlt, als er so allein auf seinem Hof war.

Die Geschichte ist in den Jahren 1963/1964 angesiedelt, vieles kann man sich aber auch in der heutigen Zeit vorstellen. Es gibt Rückblicke in die Jahre 1957-1961, in denen die Leser*innen erfahren, wie es zu der Situation in der Gegenwart gekommen ist.

Elena Fischer hat einen angenehm zu lesenden Schreibstil. Ihre Sprache ist ausdrucksstark und einfühlsam.

Mit „Wirf einen Schatten“ konnte Elena Fischer mich wieder beeindrucken.

Der Teufel trägt Prada

Lauren Weisberger
Roman
480 Seiten
erschienen im Second Chances Verlag
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Regina Rawlinson und Martina Tichy
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Die Romanvorlage zum Film

Klappentext:
Andrea Sachs ist jung, ambitioniert und hat nicht die geringste Ahnung von Mode. Trotzdem landet sie als persönliche Assistentin bei der gefürchtetsten Frau der New Yorker Modewelt: Miranda Priestly , Chefredakteurin des legendären Magazins Runway . Ein Jahr durchhalten, dann stehen ihr alle Türen offen. So der Plan.

Die Realität? Absurde Aufgaben um drei Uhr morgens, Designer-Stilettos als Überlebensausrüstung und eine Chefin, deren eiskalte Perfektion keine Schwäche duldet. Zwischen Haute Couture und Demütigung verliert Andrea Stück für Stück das, was ihr wirklich wichtig ist: ihre Freundschaften, ihre Liebe, sich selbst.

„Der Teufel trägt Prada“ von Lauren Weisberger wurde vom Second Chances Verlag neu aufgelegt:

Wer den Film gesehen hat, der hat beim Lesen dieses Buchs schnell Bilder im Kopf.

Andrea Sachs tritt die Stelle als Assistentin bei Miranda Priestly an. Schnell ist klar, sie hatte ganz andere Erwartungen an diesen Job.
Genau wie sie stellen sich die meisten Menschen den Job ganz anders vor. Täglich mit der Modepäpstin zusammenzuarbeiten. Täglich die neueste und schönste Mode vor Augen zu haben. Der Job fordert aber auch so einiges von Andrea. Sie muss ihrer Chefin immer zur Seite stehen, wenn es nötig ist, auch nachts.

Lauren Weisberger hat ihre Charaktere gut gezeichnet. Aufgrund des Films hatte ich als Miranda Priestly immer Meryl Streep vor Augen.

Die Autorin vermittelt den Glamour und den Hype der Modewelt sehr gut.

Der Schreibstil von Lauren Weisberger ist flüssig und gut verständlich.
Der Humor der Autorin besticht durch seine Bissigkeit.

Das Buch habe ich bei Ersterscheinung schon einmal gelesen. Da jetzt bald die Fortsetzung „Die Rache trägt Prada“ erscheint, war es mir eine große Freude, den 1. Band noch einmal in seiner Neugestaltung zu lesen.

Tutto Bene

Laura Wagner
Roman
286 Seiten
erschienen im DuMont Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den DuMont Verlag für das Rezensionsexemplar

Tragisch und zugleich leicht und humorvoll

Klappentext:
Mars, Snickers, Happy Cherries – wenn Emma die Späti-Regale aufstockt, sieht sie nur eins: Kalorien. Ihr Studium hat sie abgebrochen, genauso wie den Kontakt zu ihrem Vater, der vermutlich irgendwo auf einer Parkbank seinen letzten Rausch ausschläft. Und auch Emma steht kaum einen Abend ohne Müller-Thurgau durch, die Tasse unter dem Tresen hilft ihr beim Vergessen. Ist doch tutto bene, oder? Nicht. Aber dann ist da plötzlich Ingrid: fünfzehn, rotzfrech und seit Neuestem Schülerpraktikantin im Späti. Nicht nur Udo, der einzig für Schokolade und Energydrinks hinter seinem Gaming-Computer hervorkriecht, mag die neunmalkluge Teenagerin auf Anhieb. Auch Emma lässt Ingrid bald unbedacht in ihr Herz. Unbedacht, denn jetzt muss sie ihre Probleme wirklich angehen – und die steigern sich exponentiell, als sie den Matrosen, der eigentlich Leo heißt, kennenlernt. Er will das, was sie seit Jahren scheut: eine Beziehung, mit allem, was dazugehört. Doch Emma wagt ja noch nicht mal, sich ein Tattoo stechen zu lassen, wie soll sie sich da zu so etwas Großem committen? Sich jemandem auch nur einen Spaltbreit zu öffnen, ist schon schwer genug.

„Tutto Bene“ ist ein tragischer, aber auch leichter und humorvoller Roman von Laura Wagner.

Laura Wagner hat recht unterschiedliche, zum Teil skurrile Charaktere entworfen und zum Leben erweckt.

Im Mittelpunkt steht die Ich-Erzählerin Emma. Sie arbeitet in einem typischen Berliner Späti. Emma leidet unter Bindungsängsten und einer toxischen Beziehung zu sich selbst. Ihr Schutzschild ist ihre Distanz und ihr Sarkasmus. Der Alltag ist von emotionaler Betäubung geprägt. Ihr bester Freund ist der Müller-Thurgau, ihr Begleiter, um den Frust und ihre Probleme zu vergessen.

Die fünfzehnjährige Ingrid ist Schülerpraktikantin im Späti. Sie ist eigentlich das genaue Gegenteil von Emma. Ingrid ist rotzfrech, neunmalklug und erstaunlich reif für ihr Alter. Mit ihrer unbedarften Art knackt sie Emmas harte Schale und bringt eine völlig neue Dynamik in den Laden.

Leo und Emma lernen sich durch eine Dating-App kennen. Emma nennt ihn liebevoll „der Matrose“. Leo versucht, eine engere Verbindung zu Emma aufzubauen. Doch genau davor hat Emma Angst, obwohl sie sich nach der Nähe von Leo sehnt.

Udo ist ein steter Gast im Späti. Er schält sich nur hinter seinem Computer hervor, um Nachschub an Schokolade und Energydrinks zu holen.

Diese vier Charaktere sorgen für tiefgründige, ernste und auch humorvolle Lesestunden.
Emma durchlebt in der Geschichte eine große Entwicklung. Nach und nach bröckelt ihr Schutzpanzer und lässt das verletzte Ich hervorkommen.

Laura Wagner schreibt in einer sehr direkten, frischen und selbstironischen Sprache. Die Kapitel sind kurz, das Erzähltempo ist hoch. Besonders die spritzigen Dialoge sprühen vor trockenem Humor, Wortwitz und treffenden Alltagsbeobachtungen.
Hinter den bissigen Bemerkungen verbirgt sich ein tieferer emotionaler Tiefgang.

„Mit „Tutto Bene“ hat Laura Wagner ein beachtenswertes Debüt hingelegt.

Harold und der Buchhändler

Camille Pagán
Roman
345 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Katharina Naumann
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein Wohlfühlroman

Klappentext:
Es gibt zwei Arten von Menschen: Hunde-Menschen und die, die dem richtigen Hund noch nicht begegnet sind … Dieser Roman erzählt die herzerwärmende Geschichte von Mischlingshund Harold, der eine wichtige Mission hat: Er will seinem Herrchen Miguel zu neuem Lebensmut verhelfen. Denn Miguel, ein Buchhändler aus Michigan, trauert um seine verstorbene Frau. An manchen Tagen schafft er es nicht einmal, Lakeside Books zu öffnen. Schon bald droht der Buchhandlung das Aus, und Harold muss um seinen gemütlichen Stammplatz zwischen den Bücherregalen fürchten. Er beschließt, Miguel zu helfen und ein neues Frauchen für sie beide zu finden. Auch wenn das bedeutet, dass Harold auf seine alten Tage noch einmal richtig aufdrehen muss!

„Harold und der Buchhändler“ von Camille Pagán ist ein richtiger Roman zum Lesen und Wohlfühlen.

Im Mittelpunkt stehen der Mischlingshund Harold und sein Herrchen Miguel. Mit Miquels Frau ist auch sein Lebensmut gestorben. An manchen Tagen hat Miquel noch nicht einmal die Kraft, seine Buchhandlung zu öffnen. Das ist für Harold traurig, denn er liebt nicht nur sein Herrchen, sondern auch den Platz zwischen den Bücherregalen. Also beschließt Harold: Ein neues Frauchen muss her.
Ich habe Harold gleich in mein Herz geschlossen. Wie lieb und einfühlsam ein Tier sein kann, ist hier deutlich geworden. Wenn er mit seiner feuchten Nase Herrn Miquel angestupst hat. Einfach herzerwärmend.

Auch Miquel hat mir als Charakter gut gefallen. Ich konnte gut mit ihm fühlen und habe seine Trauer verstanden.

Camille Pagán erzählt die Geschichte sehr einfühlsam und mit sehr viel Wärme. In der Geschichte verarbeitet die Autorin Themen wie Trauer, Loslassen, aber auch Neuanfang.
Der Star in der Geschichte ist ohne Zweifel der Mischlingshund Harold. Aus seiner Sicht wird die Geschichte auch erzählt.

Der Schreibstil von Camille Pagán ist flüssig und gut verständlich. Nach ein paar Seiten war ich von der Geschichte gefangen und wollte das Buch nicht m mehr aus der Hand legen.

„Harold und der Buchhändler“ ist ein warmherziger Wohlfühlroman, den ich gerne gelesen habe.

Guten Morgen, schönes Wetter heute

Tanja Kokoska
Roman
346 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein Wohlfühlroman

Klappentext:
Diesmal ist es etwas anderes. Darauf hofft Ina jedes Mal, wenn sie sich verliebt. Doch es geht immer schief. Sie arbeitet in einem Tattoo-Studio und wohnt mit ihrem Sohn Henry in der Siedlung »Am Kastanienbaum«, irgendwo mitten in einer großen Stadt. Dort gibt es noch mehr Menschen wie Ina, 1.583 genauer gesagt.
Sie leben nah beisammen und bleiben doch allein. Da ist Herr Bello, der am liebsten im Faltenrock tanzt. Samy, der davon träumt, eine Ente zu streicheln. Und Frau Arslan, die Gedichte in Pralinenschachteln versteckt. Sie alle eint die Sehnsucht nach Glück und Verbundenheit.
Eines Tages macht Baggerfahrer Paco eine schicksalhafte Entdeckung: Eine Weltkriegsbombe liegt unter der Erde. Darauf geschieht in der Siedlung etwas Wundersames. Die Menschen kommen einander näher, als es möglich schien. Und Ina begegnet dem Mann, mit dem es etwas anderes ist.

„Guten Morgen, schönes Wetter heute“ ist ein warmherziger Roman von Tanja Kokoska.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Ina. Ina arbeitet in einem Hotel und in einem Tattoo-Studio und lebt mit ihrem 17-jährigen Sohn Henry zusammen. Ina lebt in einer Stadt mit 1.583 anderen Menschen. Doch sie fühlt sich allein, wie viele der anderen Menschen auch.
Als bei Bauarbeiten eine Bombe aus dem 2. Weltkrieg gefunden wird, müssen die Anwohner ihre Wohnungen verlassen. Dabei werden die Menschen aufeinander aufmerksam, lernen sich kennen und rücken ein Stück enger zusammen.

Tanja Kokoska hat für diese Geschichte wunderbare Charaktere zum Leben erweckt.
Außer Ina und ihrem Sohn Henry lernen die Leser*innen noch einige andere Charaktere besser kennen.
Da sind Herr und Frau Arsalan, sie führen zusammen ein Lebensmittelgeschäft in der Siedlung. Frau Arsalan sehnt sich nach Glück, aber die Sorge um ihre Mutter, die in der Türkei zurückgeblieben ist, lässt sie nicht los.

Herr Bello war früher in einem Möbelhaus tätig, jetzt verbringt er seine Zeit mit Malen nach Zahlen oder tanzt im Faltenrock.

Samy führt die Gaststätte in der Siedlung. Er stammt aus Sri Lanka und auch er hat Träume. Gerne würde er einmal den Eiffelturm sehen oder eine Ente streicheln.

Auch die Witwe Frau Kaiser ist einsam. Ihr einziger Sohn lebt in Japan.

Ein bunter Reigen unterschiedlichster Protagonisten. Die sich näher kennenlernen und aufeinander aufmerksam werden.
Tanja Kokoska gibt jedem der Charaktere eine eigene Persönlichkeit. Ich habe sie alle schnell in mein Herz geschlossen.
So viele unterschiedliche Menschen, die eng beieinander leben und doch irgendwie allein sind.
Es macht Freude mitzuerleben, wie die Menschen sich langsam besser kennenlernen und sich annähern.

Tanja Kokoska erzählt die Geschichte mit viel Gefühl und in einer ganz wunderbaren Sprache. Dabei ist der Schreibstil der Autorin flüssig und gut verständlich.
Auf eine ganz wunderbare Weise verarbeitet die Autorin die Themen Einsamkeit, Freundschaft und Nachbarschaft.
Das Buch hat mir beim Lesen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

„Guten Morgen, schönes Wetter heute“ ist ein Wohlfühlroman, den ich mit Freude gelesen habe.

Das Geheimnis der Frauern

Sonja Roos
Roman
443 Seiten
erschienen im Goldmann Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein wunderschöner Roman

„Das Geheimnis der Frauen“ ist ein wunderschöner Roman von Sonja Roos.
Für mich ist es der erste Roman von Sonja Roos, aber ich bin mir sicher, es werden noch viele folgen.

Die Geschichte hat zwei Zeitebenen. In der Gegenwart, die in dem Roman im Jahr 2014 angesiedelt ist, hat die Hauptprotagonistin Lulu Streit mit ihrem Arbeitgeber und gleichzeitigem Partner. Lulu arbeitet in einem Nobelrestaurant auf Sylt. Jetzt fährt sie zurück in den Westerwald, in ihr Elternhaus. Mit 34 Jahren wieder bei ihren Eltern zu wohnen, fällt ihr nicht leicht.
Lulus Eltern haben lange die Dorfkneipe „Dorfkrug“ geführt, die seit Generationen in Familienbesitz ist. Doch nach einem Herzinfarkt von Lulus Vater ist der „Dorfkrug“ geschlossen.
In Lulus Innerem wächst die Idee, die Tradition weiterzuführen und den „Dorfkrug“ zu modernisieren und neu zu eröffnen. Den Gedanken schiebt Lulu allerdings erst einmal zur Seite.
Lulus Großvater Max freut sich, seine Enkelin wieder in der Nähe zu haben. Er fühlt sich seit dem Tod seiner Frau einsam. Als Lulu einen Stapel ungeöffneter Briefe aus England bei ihrem Großvater findet, wird er ärgerlich. So oft Lulu und ihre Schwester nachbohren, Großvater Max bleibt verschlossen.

Die 2. Zeitebene ist im Jahr 1945, kurz vor Ende des 2. Weltkriegs, angesiedelt.
Max ist ein 10-jähriger Junge. Sein Vater ist an der Front, seine Mutter Grete schenkt ihm wenig Zuneigung. Die verteilt sie lieber an die Soldaten. Seine Bezugsperson ist seine Tante Hanni. Sie versorgt ihn wie eine Mutter. So oft sie ihm beteuert, dass seine Mutter ihn liebt und mit den anderen Männern nur schäkert, damit es ihnen besser geht, versteht Max nicht.
Als ein britischer Pilot mit seinem Flugzeug abgeschossen wird, verstecken Hanni und Grete den Engländer. Hanni pflegt ihn gesund und entwickelt das erste Mal Gefühle für einen Mann. Doch Grete kann auch dem Piloten nicht widerstehen. Das führt zu einem Streit zwischen den Schwestern.

Sonja Roos erzählt die Geschichte unterhaltsam und spannend. Dabei kann ich nicht sagen, welcher Handlungsstrang mir am besten gefallen hat. Beide Zeitebenen waren gleichermaßen spannend und interessant.
Die Handlungsstränge haben sich immer abgewechselt, wobei sie manchmal mit einem Cliffhanger endeten.

Die Charaktere wirkten sehr lebendig und waren mir fast alle schnell sympathisch. Lulu mochte ich besonders gerne. Als sie überlegte, nach Sylt zurückzukehren, wollte ich sie schon schütteln. Aber sie ist im Laufe der Geschichte über sich hinausgewachsen und hat ihr Leben in die Hand genommen.
Auch Großvater Max ist ein toller Charakter. Er hat eine besondere Beziehung zu seinen Enkeltöchtern.
In der Vergangenheit, als Max noch ein Kind war, tat er mir eher leid. Er ist in einer schweren Zeit aufgewachsen, und mir kam es so vor, als hätte seine Mutter kein großes Interesse an ihrem Sohn.
Tante Hanni hingegen ist eine Bereicherung für diesen Roman. Eine herzensgute junge Frau. Sie hat immer hinter ihrer Schwester zurückstecken müssen. Mit ihr erleben die Leser*innen aber auch noch eine Überraschung.

Sonja Roos erzählt beide Handlungsstränge gleich stark. Die Autorin vermittelt das Jahr des Kriegsendes sehr authentisch. In dem kleinen Dorf im Westerwald waren die Bombenangriffe zwar nicht so stark wie in den Städten, aber die Frauen – ja es waren nur noch Frauen im Dorf – hatten genug vom Krieg.
Auch die Gegenwart wird sehr realistisch beschrieben. Das kleine Dorf im Westerwald, die Dorfkneipe und die Menschen, die sich fast alle kennen und gegenseitig helfen.

Der Schreibstil von Sonja Roos ist flüssig und gut verständlich. Nach wenigen Seiten bin ich tief in die Geschichte eingetaucht und konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

„Das Geheimnis der Frauen“ ist eine interessante Familiengeschichte, die ich mit Freude gelesen habe.