Guten Morgen, schönes Wetter heute

Tanja Kokoska
Roman
346 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein Wohlfühlroman

Klappentext:
Diesmal ist es etwas anderes. Darauf hofft Ina jedes Mal, wenn sie sich verliebt. Doch es geht immer schief. Sie arbeitet in einem Tattoo-Studio und wohnt mit ihrem Sohn Henry in der Siedlung »Am Kastanienbaum«, irgendwo mitten in einer großen Stadt. Dort gibt es noch mehr Menschen wie Ina, 1.583 genauer gesagt.
Sie leben nah beisammen und bleiben doch allein. Da ist Herr Bello, der am liebsten im Faltenrock tanzt. Samy, der davon träumt, eine Ente zu streicheln. Und Frau Arslan, die Gedichte in Pralinenschachteln versteckt. Sie alle eint die Sehnsucht nach Glück und Verbundenheit.
Eines Tages macht Baggerfahrer Paco eine schicksalhafte Entdeckung: Eine Weltkriegsbombe liegt unter der Erde. Darauf geschieht in der Siedlung etwas Wundersames. Die Menschen kommen einander näher, als es möglich schien. Und Ina begegnet dem Mann, mit dem es etwas anderes ist.

„Guten Morgen, schönes Wetter heute“ ist ein warmherziger Roman von Tanja Kokoska.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Ina. Ina arbeitet in einem Hotel und in einem Tattoo-Studio und lebt mit ihrem 17-jährigen Sohn Henry zusammen. Ina lebt in einer Stadt mit 1.583 anderen Menschen. Doch sie fühlt sich allein, wie viele der anderen Menschen auch.
Als bei Bauarbeiten eine Bombe aus dem 2. Weltkrieg gefunden wird, müssen die Anwohner ihre Wohnungen verlassen. Dabei werden die Menschen aufeinander aufmerksam, lernen sich kennen und rücken ein Stück enger zusammen.

Tanja Kokoska hat für diese Geschichte wunderbare Charaktere zum Leben erweckt.
Außer Ina und ihrem Sohn Henry lernen die Leser*innen noch einige andere Charaktere besser kennen.
Da sind Herr und Frau Arsalan, sie führen zusammen ein Lebensmittelgeschäft in der Siedlung. Frau Arsalan sehnt sich nach Glück, aber die Sorge um ihre Mutter, die in der Türkei zurückgeblieben ist, lässt sie nicht los.

Herr Bello war früher in einem Möbelhaus tätig, jetzt verbringt er seine Zeit mit Malen nach Zahlen oder tanzt im Faltenrock.

Samy führt die Gaststätte in der Siedlung. Er stammt aus Sri Lanka und auch er hat Träume. Gerne würde er einmal den Eiffelturm sehen oder eine Ente streicheln.

Auch die Witwe Frau Kaiser ist einsam. Ihr einziger Sohn lebt in Japan.

Ein bunter Reigen unterschiedlichster Protagonisten. Die sich näher kennenlernen und aufeinander aufmerksam werden.
Tanja Kokoska gibt jedem der Charaktere eine eigene Persönlichkeit. Ich habe sie alle schnell in mein Herz geschlossen.
So viele unterschiedliche Menschen, die eng beieinander leben und doch irgendwie allein sind.
Es macht Freude mitzuerleben, wie die Menschen sich langsam besser kennenlernen und sich annähern.

Tanja Kokoska erzählt die Geschichte mit viel Gefühl und in einer ganz wunderbaren Sprache. Dabei ist der Schreibstil der Autorin flüssig und gut verständlich.
Auf eine ganz wunderbare Weise verarbeitet die Autorin die Themen Einsamkeit, Freundschaft und Nachbarschaft.
Das Buch hat mir beim Lesen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

„Guten Morgen, schönes Wetter heute“ ist ein Wohlfühlroman, den ich mit Freude gelesen habe.

Das Geheimnis der Frauern

Sonja Roos
Roman
443 Seiten
erschienen im Goldmann Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein wunderschöner Roman

„Das Geheimnis der Frauen“ ist ein wunderschöner Roman von Sonja Roos.
Für mich ist es der erste Roman von Sonja Roos, aber ich bin mir sicher, es werden noch viele folgen.

Die Geschichte hat zwei Zeitebenen. In der Gegenwart, die in dem Roman im Jahr 2014 angesiedelt ist, hat die Hauptprotagonistin Lulu Streit mit ihrem Arbeitgeber und gleichzeitigem Partner. Lulu arbeitet in einem Nobelrestaurant auf Sylt. Jetzt fährt sie zurück in den Westerwald, in ihr Elternhaus. Mit 34 Jahren wieder bei ihren Eltern zu wohnen, fällt ihr nicht leicht.
Lulus Eltern haben lange die Dorfkneipe „Dorfkrug“ geführt, die seit Generationen in Familienbesitz ist. Doch nach einem Herzinfarkt von Lulus Vater ist der „Dorfkrug“ geschlossen.
In Lulus Innerem wächst die Idee, die Tradition weiterzuführen und den „Dorfkrug“ zu modernisieren und neu zu eröffnen. Den Gedanken schiebt Lulu allerdings erst einmal zur Seite.
Lulus Großvater Max freut sich, seine Enkelin wieder in der Nähe zu haben. Er fühlt sich seit dem Tod seiner Frau einsam. Als Lulu einen Stapel ungeöffneter Briefe aus England bei ihrem Großvater findet, wird er ärgerlich. So oft Lulu und ihre Schwester nachbohren, Großvater Max bleibt verschlossen.

Die 2. Zeitebene ist im Jahr 1945, kurz vor Ende des 2. Weltkriegs, angesiedelt.
Max ist ein 10-jähriger Junge. Sein Vater ist an der Front, seine Mutter Grete schenkt ihm wenig Zuneigung. Die verteilt sie lieber an die Soldaten. Seine Bezugsperson ist seine Tante Hanni. Sie versorgt ihn wie eine Mutter. So oft sie ihm beteuert, dass seine Mutter ihn liebt und mit den anderen Männern nur schäkert, damit es ihnen besser geht, versteht Max nicht.
Als ein britischer Pilot mit seinem Flugzeug abgeschossen wird, verstecken Hanni und Grete den Engländer. Hanni pflegt ihn gesund und entwickelt das erste Mal Gefühle für einen Mann. Doch Grete kann auch dem Piloten nicht widerstehen. Das führt zu einem Streit zwischen den Schwestern.

Sonja Roos erzählt die Geschichte unterhaltsam und spannend. Dabei kann ich nicht sagen, welcher Handlungsstrang mir am besten gefallen hat. Beide Zeitebenen waren gleichermaßen spannend und interessant.
Die Handlungsstränge haben sich immer abgewechselt, wobei sie manchmal mit einem Cliffhanger endeten.

Die Charaktere wirkten sehr lebendig und waren mir fast alle schnell sympathisch. Lulu mochte ich besonders gerne. Als sie überlegte, nach Sylt zurückzukehren, wollte ich sie schon schütteln. Aber sie ist im Laufe der Geschichte über sich hinausgewachsen und hat ihr Leben in die Hand genommen.
Auch Großvater Max ist ein toller Charakter. Er hat eine besondere Beziehung zu seinen Enkeltöchtern.
In der Vergangenheit, als Max noch ein Kind war, tat er mir eher leid. Er ist in einer schweren Zeit aufgewachsen, und mir kam es so vor, als hätte seine Mutter kein großes Interesse an ihrem Sohn.
Tante Hanni hingegen ist eine Bereicherung für diesen Roman. Eine herzensgute junge Frau. Sie hat immer hinter ihrer Schwester zurückstecken müssen. Mit ihr erleben die Leser*innen aber auch noch eine Überraschung.

Sonja Roos erzählt beide Handlungsstränge gleich stark. Die Autorin vermittelt das Jahr des Kriegsendes sehr authentisch. In dem kleinen Dorf im Westerwald waren die Bombenangriffe zwar nicht so stark wie in den Städten, aber die Frauen – ja es waren nur noch Frauen im Dorf – hatten genug vom Krieg.
Auch die Gegenwart wird sehr realistisch beschrieben. Das kleine Dorf im Westerwald, die Dorfkneipe und die Menschen, die sich fast alle kennen und gegenseitig helfen.

Der Schreibstil von Sonja Roos ist flüssig und gut verständlich. Nach wenigen Seiten bin ich tief in die Geschichte eingetaucht und konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

„Das Geheimnis der Frauen“ ist eine interessante Familiengeschichte, die ich mit Freude gelesen habe.

Erzähl mir alles

Elizabeth Strout
Roman
393 Seiten
erschienen bei Luchterhand
Übersetzt aus dem amerikanischen Englischen von Sabine Roth
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Luchterhand für das Rezensionsexemplar

Über Liebe und Freundschaft


Klappentext:
Es ist Herbst in Crosby, dem kleinen Küstenstädtchen in Maine. Vor ein paar Jahren ist Lucy Barton, erfolgreiche Schriftstellerin und Mutter zweier erwachsener Töchter, mit ihrem Ex-Mann William hierhergezogen. In ein abseits gelegenes Haus am Meer. Doch die beschauliche Ruhe in Crosby wird gestört, als eine alte Frau spurlos verschwindet. Und auch Lucys Welt gerät still und leise aus dem Lot. Auf den einsamen Spaziergängen mit Bob Burgess, ihrem alten Freund und Vertrauten, sprechen beide über ihr Leben und über das, was hätte sein können. Und dann ist da noch die legendäre Olive Kitteridge, die pensionierte Mathematiklehrerin, die jetzt in einem Altersheim am Stadtrand lebt und auch mit 90 Jahren nichts von ihrem rauen Charme verloren hat. Vorsichtig freunden sich die beiden Frauen an.

„Erzähl mir alles“ ist der neue Roman der Bestsellerautorin Elizabeth Strout.

In dieser Geschichte treffen die Leser*innen auf bekannte Charaktere. Für mich ist es das erste Buch von Elizabeth Strout, ich bin aber ohne Probleme in die Geschichte eingetaucht.
Lucy Barton lebt mit ihrem Exmann in Crosby, einem Küstenstädtchen in Maine.
Lucy ist erfolgreiche Schriftstellerin. Sie unternimmt lange Spaziergänge mit ihrem guten Freund Bob Burgess. Sie erzählen sich gegenseitig aus ihrem Leben. Über Momente, die gut waren im Leben, und über Dinge, die man hätte, besser machen können.

Auch mit Olive, einer pensionierten Mathematiklehrerein freundet sich Lucy an. Hier erfährt man bei Gesprächen viel über das Leben der 90-jährigen Olive.

Elizabeth Strout erzählt die Geschichte in einem angenehm ruhigen Ton. Man bekommt tiefe Einblicke in das Leben der Charaktere. Es geht um Liebe, Freundschaft und um Schuld.

Die Charaktere sind gut gezeichnet und lebendig. Ich habe sie schnell ins Herz geschlossen und bin ihnen gerne gefolgt. Den Gesprächen habe ich gerne gelauscht und tiefe Einblicke in das Leben der Protagonisten gewonnen.

Der Schreibstil von Elizabeth Strout ist flüssig und gut verständlich. Immer wieder wird die Geschichte mit ihrem Humor aufgelockert.

„Erzähl mir alles“ ist ein Roman über Liebe, Freundschaft und das Älterwerden, den ich mit Freude gelesen habe.

Die vergessene Tochter

Soraya Lane
Roman
345 Seiten
Übersetzt aus dem Englischen von Sigrun Zühlke
erschienen im Droemer Knaur Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Wieder ein bewegendes Schicksal

Klappentext:
Norwegen, 1950: »Ich liebe dich, Amalie, und nur darauf kommt es an«, flüsterte er. »Ich kümmere mich um dich, versprochen. Du musst keine Angst haben.«
London, Gegenwart: Während Charlotte das kleine Kästchen umklammert, in dem sich ein Diamantring und ein norwegisches Wappen verbergen, weiß sie, dass sie endlich nach Hause zurückkehren muss, zu ihrer Familie und ihrer Urgroßmutter Amalie. Im angesehensten Hotel Norwegens tritt sie ihren Traumjob als Chefköchin an und sie begegnet dem charismatischen Chefdesigner Harrison. Doch als sie Amalie mit dem Inhalt des Kästchens konfrontiert, enthüllt ihre Urgroßmutter ein tragisches Geheimnis, das auch Charlottes Welt ins Wanken bringt. Wird Charlotte die Kraft finden, ihren eigenen Weg zu gehen, oder wird sie ihrer Heimat und ihrer Liebe für immer den Rücken kehren?

„Die vergessene Tochter“ ist der 7. Band der Reihe „Die verlorenen Töchter“ von der neuseeländischen Autorin Soraya Lane.

Die Geschichte ist ähnlich aufgebaut wie die der vorherigen Bände und doch wieder so ganz anders.
Wie schon die Frauen in den vorherigen Bänden, so hatte auch in diesem Band eine junge Frau ein geheimnisvolles Holzkästchen bekommen.
In dem Kästchen für Charlotte waren ein Diamantring und ein norwegisches Wappen.
Mit Charlotte reisen die Leser*innen nach Norwegen, in die Heimat von Charlotte.

Die Geschichte hat auch wieder zwei Zeitebenen, einmal die Gegenwart, in der die Leser*innen, die junge Charlotte begleiten. Sie reist wieder nach Hause zu ihrer Familie und ihrer Urgroßmutter Amalie.

Im 2. Handlungsstrang geht es zurück in die 1950er Jahre. Die Leser*innen lernen Amalia kennen. Sie arbeitet als Dienstmädchen im Sognefjord Hotel. Dort verliebt sich Amalia in den Aushilfskoch Oskar. Die beiden genießen einen Sommer lang zusammen. Doch Oskar hat Amalia seine wahre Identität verschwiegen. Er stammt aus einer Unternehmerdynastie und seine Eltern sind mit Amalia als seiner Ehefrau nicht einverstanden.

Soraya Lane erzählt ihre Geschichte mit sehr viel Gefühl und sehr atmosphärisch.
Die Beschreibung der Handlungsorte war für mich wie eine virtuelle Reise.
Ihre Charaktere sind mit viel Liebe zum Leben erweckt.
Der Schreibstil der Autorin ist fesselnd, flüssig und gut verständlich, hat aber auch etwas Geheimnisvolles.
Ich wurde beim Lesen schnell wie durch einen Sog in die Geschichte hineingezogen.
Ich liebe es einfach, wenn in einer Geschichte Geheimnisse aus der Vergangenheit in der Gegenwart aufgedeckt werden.
In der Gegenwart bin ich Charlotte gerne gefolgt und habe ihre Reise und die Gefühle, die sie dabei überkamen, mit Freude begleitet. Die Vergangenheit und die Geschichte von Amalia haben mich sehr berührt.

Ein Geheimnis ist: Es gibt noch eine Schachtel. Diese bekommt im 8. Band Hope und sie wird die Leser*innen nach Paris führen.

Jetzt freue ich mich schon auf den 8. Band „Die verschwiegene Tochter“, der im November 2026 erscheinen soll.

Ein Wiedersehen im Sommer

Julie Caplin
Roman
412 Seiten
erschienen im Rowohlt Verlag
Übersetzt aus dem Englischen von Christiane Steen
Meine Bewertung:
von 5 Sternen

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar

Ein Wohlfühlroman

Klappentext:
Im beschaulichen Wilsgrave verlassen sich alle immer auf Bets, die selbstlose Tierarzthelferin mit dem großen Herzen. Doch dieses Herz wurde gebrochen. Von Jack, mit dem sie seit Jugendtagen zusammen war und der jetzt in Bristol Karriere machen will. Das ganze Dorf fühlt mit ihr. Manche reagieren empört und möchten Jack nie wieder sehen, andere versuchen Bets abzulenken oder, noch schlimmer, sie zu verkuppeln. Aber anstatt in ihrer Trauer zu versinken, besinnt sich Bets auf die Dinge, die sie immer schon tun wollte, und entdeckt dabei vollkommen neue Seiten an sich. Sie ahnt nicht, welche Überraschungen dieser Sommer noch für sie bereit hält. Besonders als Jack zurückkehrt.
„Ein Wiedersehen im Sommer“ ist der 2. Band der Country Escapes Reihe von Julie Caplin.

Im Mittelpunkt des 2. Band steht Bets. Sie ist Tierarzthelferin und in Jack, den Sohn des Tierarztes verliebt. Bets und Jack kennen sich schon seit Jugendtagen. Jetzt möchte Jack der Karriere wegen nach Bristol.
Das bricht Bets das Herz. Denkt sie doch, sie hat die Stelle beim Tierarzt nur wegen Jack bekommen. Und was ist mit dem Häuschen, in dem sie mit Jack gewohnt hat? Muss sie das jetzt verlassen?
Das ganze Dorf leidet mit Bets und versucht, sie aufzumuntern.
Doch Beth zweifelt an sich selbst. Schon als Kind wurde sie von ihrem Vater verlassen.

Die Autorin hat wieder großartige Charaktere ins Leben gerufen. Einige davon sind aus dem 1. Band bekannt. Auch Beth mit ihrem großen Herz, sie hat sich im 1. Band rührend um Ella gekümmert. Jetzt braucht Beth Aufmunterung und das Dorf ist bemüht, sie auf andere Gedanken zu bringen.

Julie Caplin erzählt die Geschichte mit viel Gefühl. Ihr Schreibstil ist flüssig und gut verständlich. Ich bin schnell tief in die Geschichte versunken.

„Ein Wiedersehen im Sommer“ ist für mich ein echter Wohlfühlroman. Ich freue mich jetzt schon auf den 3. Band.

Die Mitternachtsreise

Matt Haig
Roman
329 Seiten
Übersetzt aus dem Englischen von Sabine Hübner
erschienen im Droemer Knaur Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Wenn das Leben an einem vorbeizieht

Klappentext:
Stell dir vor, dein Leben zieht im Zeitraffer an dir vorbei. Was würdest du noch einmal erleben wollen? Welche Momente – und welche Menschen – zählen wirklich?
Wilbur hätte nicht gedacht, dass er Agnes Bagdale noch einmal begegnen würde. Als Kind war der Buchladen der alten Dame in Sheffield sein Zufluchtsort, nicht nur wegen seiner geliebten Bücher. Bei Bagdale’s Bookshop konnte er die Probleme zu Hause einen Moment vergessen. Und dort begann seine eigene Laufbahn als Buchhändler.
Jetzt, Jahrzehnte später, ist Wilbur erfolgreich, einsam und am Ende seines Lebens angekommen. Doch statt dem Tod wartet ein rätselhafter Zug auf ihn. Und Agnes. Sie nimmt ihn mit, zurück durch die Zeit, auf eine Reise, die ihn seine bedeutsamsten Momente noch einmal durchleben lässt. Die glücklichsten Momente, wie damals in den Flitterwochen in Venedig mit seiner großen Liebe Maggie. Aber auch die schlimmsten, in denen er alles verlor.
Schon bald begreift er, wie viel er hätte anders machen wollen.

„Die Mitternachtsreise“ von Marr Haig ist ein Buch, das alle Buchliebhaber lieben werden.
Innen auf der ersten Seite ist die Fahrkarte für die Mitternachtsreise abgedruckt. Also einsteigen und los geht’s.

Im Mittelpunkt steht Wilbur. Er ist erfolgreich, aber einsam.
Auf den Tod wartend, kommt ein Zug vorbei und nimmt ihn mit auf eine Reise.
Bei der Mitternachtsreise, zieht sein Leben noch einmal an Wilbur vorbei.
So sieht er noch einmal Agnes Bagdale und den Bagdale’s Bookshop, den er als Kind geliebt hat. Auch seine große Liebe Maggie sieht Wilbur wieder. Allerdings sieht Wilbur auch die schlechten Momente in seinem Leben, Momente, in denen er eine andere Entscheidung hätte treffen sollen.

Matt Haig erzählt die Geschichte wieder mit viel Gefühl. Seine Charaktere sind wie immer sehr lebendig.
Mir hat es Freude gemacht, Wilbur auf dieser Reise zu begleiten und seine Entwicklung mitzuerleben.
Auch Maggie ist ein Charakter, der die Geschichte bereichert.

Der Schreibstil von Matt Haig ist flüssig, gut verständlich und fesselnd. Ich bin nach wenigen Seiten tief in die Geschichte eingetaucht.
„Die Mitternachtsreise“ ist eine Geschichte über die Liebe und über die Kraft der Bücher. Ich habe auch dieses Buch von Matt Haig gerne gelesen.

Eisinsel

Hanno Rinke
Roman
412 Seiten
erschienen bei Mitteldeutscher Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Mainwunder für das Rezensionsexemplar

Roman mit psychologischer Tiefe

Klappentext:
Victor, einst Krankenpfleger, heute Suchender zwischen Moral und Macht, Körper und Geist, lebt in einer Welt aus Routinen, Beobachtungen und verdrängten Begierden. Was als sachliche Rückschau auf ein geordnetes Leben beginnt, wird zur schonungslosen Selbstanalyse eines Mannes, der hinter der Fassade von Fürsorge und Normalität eine zerstörerische Sehnsucht verbirgt. Zwischen Krankenhausfluren, Kaufhäusern und Hotelzimmern tastet sich Victor durch die Einsamkeit der Großstadt, immer auf der Suche nach einem Rest von Sinn, Nähe und Kontrolle.

„Eisinsel“ ist ein Roman über Selbstreflexion von Hanno Renke.

Im Mittelpunkt steht der ehemalige Krankenpfleger Victor. Er blickt auf sein Leben zurück, macht eine Selbstanalyse. Victor bewegt sich einsam durch die Großstadt, getrieben von einer unstillbaren Sehnsucht nach Nähe, Sinn und totaler Kontrolle. Seine Tragik liegt in der Transformation: Er verwandelt sich von einem ursprünglich empfindsamen Menschen, in einen Menschen, der fast völlig abstumpft und nichts mehr fühlt.

Hanno Rinke hat mit Victor einen interessanten Charakter geschaffen. Passend zu Victors Gedanken, ist die Atmosphäre in diesem Buch düster.
Der Autor beschreibt die innere Kälte und das Verstummen von Empathie mit einer fast klinischen Präzision. Jede psychologische Regung wird exakt seziert.
Die Geschichte ist sprachlich dicht, detailreich und atmosphärisch stark ausformuliert. Gelegentlich führt dies zu Passagen, die eine gewisse Geduld erfordern, erzeugen aber eine enorme Tiefe.
Obwohl das Tempo ruhig ist, versteht es der Autor, Kapitel mit geschickten Cliffhangern enden zu lassen. Das Buch entwickelt dadurch einen Sog, dem man sich schwer entziehen kann.

„Eisinsel“ ist ein Roman, der sich wie ein Psychothriller liest.

Was wir einander schuldig sind

Roman
255 Seiten
erschienen bei BoD – Books on Demand
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Wilma Borghoff für das Rezensionsexemplar

Eine emotionale Familiengeschichte

Klappentext:
Ein Anruf. Eine Forderung. Und ein Leben, das aus den Fugen gerät.
Als Jarik, ein lebensfroher Endfünfziger, nach Jahren von seiner Tochter Jessica hört, trifft ihn ihre Nachricht wie ein Schlag: Sie ist todkrank. Und ihre zwölfjährige Tochter Talea, seine einzige Enkelin, soll zu ihm ziehen; zu einem Großvater, den sie noch nie gesehen hat.
Für Jarik und seine zweite Frau Elvira beginnt eine Zeit voller Spannungen, Überforderung und unausgesprochenen Ängsten. Talea begegnet ihnen mit Schweigen, Wut und Misstrauen. Das Paar merkt, dass guter Wille und Liebe manchmal nicht ausreichen, um einem verletzten Kind Halt zu geben.
Aus ihrer nordischen Heimat Friesland hat Talea kaum etwas mitgebracht. Und doch ist da etwas, das sie begleitet: ein scheuer Grünspecht, der immer wieder in ihrer Nähe auftaucht, als würde er über sie wachen.

„Was wir einander schuldig sind“ von Wilma Borghoff ist ein Buch, das mich sehr berührt hat.

Im Mittelpunkt stehen Jarik, seine Frau Elvira und Talea, die Tochter von Jariks Tochter aus erster Ehe.
Jarik hat keine Verbindung zu seiner Tochter Jessica, seine Enkelin Talea, die mittlerweile 12 Jahre ist, kennt er nicht. Da kommt ein Anruf von seiner Tochter, dass sie sterben wird und er sich um ihre Tochter kümmern soll. Es scheint so, dass Jessica sonst keinen Menschen hat, dem sie ihr Kind anvertrauen kann.

Wilma Borghoff hat einen angenehmen und gut verständlichen Schreibstil. Mich hat die Geschichte schon nach wenigen Seiten gefesselt, sodass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Die Charaktere in der Geschichte sind gut gezeichnet und lebendig.
Jarik und seine Frau Elvira habe ich gleich gemocht. Obwohl ich Jarik manchmal gerne etwas geschüttelt habe. Wie gut, dass Elvira an seiner Seite ist und alles in die Hand genommen hat. Sie ist willens, Talea ein Zuhause zu geben. Auch wenn das nicht einfach ist und es immer wieder, gerade wenn sie denkt, sie sei einen Schritt weitergekommen Rückschläge gibt.
Talea hat mir leidgetan. Ihre Mutter konnte ihr aus Geldnöten nicht viel bieten und dann ist sie krank geworden. Dann ist plötzlich ihre Mutter tot und sie muss in eine andere Stadt zu den Großeltern ziehen, die sie nicht kennt. Es sind praktisch Fremde für sie.
Ich bewundere Wilma Borghoff dafür, wie sie sich in Talea hineinversetzen konnte. Wie sie die seelischen Nöte des Mädchens in ihre Geschichte einfließen lässt. Man konnte die Ängste und Nöte von Talea richtig spüren.

Die Idee mit dem Grünspecht, der immer wieder auftaucht, ist sehr gut gelungen.
Taleas gibt er immer ein kleines bisschen Zuversicht. Es ist ihr Grünspecht, der immer dann auftaucht, wenn sie besonders verzweifelt ist.

Mit „Was wir einander schuldig sind“ erzählt Wilma Borghoff eine Geschichte über Trauer und Loslassen. Aber auch eine Geschichte über Liebe, Familie und Zuversicht.
Mich hat das Buch sehr berührt und ich empfehle es gerne weiter.

Fünf, Sechs, Sieben, Acht

Ewald Arenz
Roman
237 Seiten
erschienen im DuMont Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den DuMont Verlag für das Rezensionsexemplar

Vom Älterwerden und Loslassen

Klappentext:
Anton, 60 Jahre alt, ist Stepptänzer. Ja, er ist nicht mehr so schnell wie früher, aber mit seiner Erfahrung und Ausdruckskraft tanzt er, noch allen davon. Wer sollte ihm also die Stelle als Choreograf an einer Theaterbühne streitig machen? Doch die neue Intendantin sieht das anders und engagiert ausgerechnet Emma, Antons Tochter. Anton ist verletzt, wütend, traurig und zugleich stolz auf seine Tochter. Zeigen kann er ihr das nicht.
Die Absage spült etwas in ihm hoch, das er nicht länger verdrängen kann: das Gefühl des Älterwerdens. Plötzlich spürt er die eigene Endlichkeit und fragt sich, ob er sein Leben richtig gelebt hat. Eine Frage, die ihn wieder an eine alte große Liebe denken lässt. Jo war damals einfach spurlos verschwunden. Hätte er mit ihr ein besseres Leben gelebt?
Es ist Emma, die auf Jos Spur stößt. Mit ihr reist er nach Irland. Alte Konflikte zwischen Vater und Tochter brechen wieder auf. Für Anton wird es eine Reise zu sich selbst und er begreift: Zu Ende ist es erst, wenn es zu Ende ist. Bis dahin will das Leben gelebt werden.

„Fünf, Sechs, Sieben, Acht“ ist ein Buch über das Leben und das Älterwerden von Ewald Arenz.

Im Mittelpunkt steht Anton. Er ist 60 Jahre alt und immer noch ein begnadeter Stepptänzer und Choreograf.
Eine neue Intendantin kommt an das Theater, an dem Anton arbeitet. Die neue Intendantin möchte alles jünger und moderner gestalten. Dem fällt dann auch Anton zum Opfer. Seine Stelle wird ausgerechnet mit seiner Tochter Emma besetzt, was Anton einige Zeit schmollen lässt.
Seit der Scheidung von seiner Ehefrau steht es mit der Beziehung zu seiner Tochter nicht zum Besten. Gerade in letzter Zeit haben sie sich etwas angenähert.

Ewald Arenz hat für seine Geschichte großartige Charaktere ins Leben gerufen.
In diesem Buch stecken eigentlich zwei kleine Geschichten, in denen Anton immer im Mittelpunkt steht.
Es geht einmal um Anton als Tänzer, der aufgrund seines Alters aussortiert wird. Damit kann er nicht umgehen, denn er fühlt sich noch lange nicht alt.
Anton ist geschieden, hat aber mittlerweile ein freundschaftliches Verhältnis zu seiner Ex-Frau. Die Tochter kann ihm nicht recht verzeihen, dass er sie als Kind verlassen hat.
Eine Entschuldigung oder auch eine Erklärung kamen nie über Antons Lippen.
Dann geht es um Anton, der in jungen Jahren von seiner großen Liebe verlassen wurde. Plötzlich war sie verschwunden, ohne Abschied, ohne Nachricht. Anton glaubte schon nicht mehr, dass sie noch lebt. Doch da findet sich eine Spur, die nach Irland führt.

Mir hat das Lesen große Freude gemacht. Ich habe Anton gerne auf seinem Weg begleitet und seine Entwicklung miterlebt.

Ewald Arenz erzählt die Geschichte in einer feinen Sprache, die ich fast poetisch nennen möchte. Wenn Anton über sein Leben nachdenkt, hat es manchmal auch etwas Philosophisches.

Ich bin schnell tief in der Geschichte versunken. Die Seiten sind nur so dahingeflogen.

Fünf, Sechs, Sieben, Acht ist eine Geschichte über das Leben und das Loslassen, die mir gut gefallen hat.

Hotel Sardona

Martin Oesch und Ralph Weibel
Roman
295 Seiten
erschienen im Gmeiner Verlag
Meine Bewertung:
3 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Gmeiner Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hotel in den Schweizer Alpen

Klappentext:
Wo einst prominente Gäste logierten, liegt nun der Staub vergangener Tage: Das Hotel Sardona in den Schweizer Alpen hat seinen Glanz verloren. Drei entfremdete Geschwister, gezeichnet von sehr unterschiedlichen Brüchen in ihrem Leben, erben das Haus, unter der Bedingung, es wiederzueröffnen. Während sie gemeinsam um die Zukunft des Hotels ringen, brechen alte Konflikte auf und lange verdrängte Wahrheiten kommen ans Licht. Kann aus den Trümmern der Vergangenheit eine gemeinsame Zukunft entstehen?

„Hotel Sardona“ von Martin Oesch und Ralph Weibel ist die Geschichte eines Hotels und dessen 3 neuen Besitzern.

Die Autoren haben recht unterschiedliche Charaktere ins Leben gerufen.
Benedikt Walser weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Er schickt seinen einzigen Verwandten einen Brief, indem er sie in sein Hotel Sardona in den Schweizer Alpen einlädt. Dort bekommen die 3 eine Schenkungsurkunde. Benedikt vermacht ihnen sein Hotel, mit der Auflage, es wieder neu zu eröffnen. Doch wenn die Geschwister das Hotel annehmen, müssen sie für die Renovierung viel Geld in die Hand nehmen. Geld, das sie nicht besitzen.

Walter sitzt seit einem Unfall auf einer Baustelle im Rollstuhl. Mit seiner Ehe steht es nicht zum Besten. Finanziell kommt er mehr schlecht als recht über die Runden.

Robert ist der Erfolgreiche der Geschwister. Nach außen hin sieht er auch wohlhabend aus. Fährt ein großes Auto und macht auch sonst einen auf dicke Hose. Nur in Wirklichkeit sieht es ganz anders aus.

Franziska ist gleich von dem Hotel begeistert. Sie lebt in Frankreich, hat einen Sohn, der beim Vater lebt und den sie nur selten sehen darf.

In dem Hotel leben außer Benedikt noch zwei Flüchtlinge, ein Mädchen und ein Bernhardiner.

Die Geschwister treffen sich nach langer Zeit wieder. Dass sie zerstritten sind, ist deutlich zu spüren. Die Leser*innen lernen jeden gut kennen. Ich habe zu keinem einen richtigen Zugang gefunden. Keiner konnte mir so richtig sympathisch werden.

Nach dem Abend, an dem Benedikt den Geschwistern das Hotel anbietet, ist er auch verschwunden.
Nach einiger Zeit einigen sich die Geschwister darauf, das Hotel anzunehmen. Jetzt beginnt die Planung, die eher etwas konstruktiv ist. Ob die Geschwister je das Geld zusammenbekommen, um das Hotel zu renovieren, ist fraglich.
Ich konnte die Handlungen, was die drei Geschwister angeht, nicht immer nachvollziehen.

Die beiden Autoren haben ein schönes Setting für die Geschichte gewählt. Ich konnte es mir gut vorstellen. Das verlassene Hotel, mit seinem prächtigen Entrée.

Die Geschichte wird auch recht kurzweilig erzählt. Die einzigen Bewohner sind zwei Flüchtlinge, was man als Leser*in von ihnen erfahren hat, das fand ich interessant.
Hier hätten die Autoren gerne etwas tiefer ins Detail gehen können.

„Hotel Sardona“ ist ein leichter Roman, den man zwischendurch einmal lesen kann.