Die Riesinnen
Ellen Sandberg
Roman
409 Seiten
erschienen im Penguin Verlag
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar
Absolutes Highlight
Klappentext:
»Mager ist sie, wie ein Kleiderhaken, zurechtgebogen zu Menschenform. Dünn und stark und langgestreckt: Keine ist größer als sie, im Dorf nicht, und auch nicht im nächsten. Dazu die Kupferwollehaare, die wütend nach dem Himmel greifen. Wer sie sieht, weiß, wer sie ist, man weiß es sofort, und sie hasst es, hasst es, hasst es. Vielleicht hätte sie es, an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit, auch lieben können, aber das geht nicht, nicht hier.«
Wittenmoos, ein kleines Dorf im Schwarzwald, ist die Heimat dreier Frauen. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Liese, die still und unerbittlich die Metzgerei führt. Cora, ihre Tochter, die Wütende, die ausbrechen wird und lernen muss, dass Heimkehr keine Niederlage ist. Und Eva, Coras Tochter, die den Wald so sehr liebt und sich dessen erst bewusst werden muss.
„Die Riesinnen“ von Hannah Häffner ist eins der schönsten Bücher, die ich je gelesen habe.
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen drei Frauen aus drei Generationen, die unterschiedlich nicht sein könnten. Doch eins haben sie gemeinsam, sie sind sehr groß und dürr, sie sind die drei Riesinnen.
Es beginnt mit Lieselotte. Sie lebt im Schwarzwald, in dem kleinen Dorf Wittenmoos. Von weitem erkennt sie schon jeder, denn sie ist groß, größer als jeder andere und hat eine rote Mähne. In die Dorfgemeinschaft mag sie sich nicht einfügen.
Nach einiger Zeit wechselt die Perspektive zu Cora. Von Lieselotte wird nur noch als Mutter gesprochen. Cora führt die Dorfmetzgerei. Sie ist alles andere als still, möchte am liebsten aus der enge des Dorfs ausbrechen. Auch sie ist groß, größer als alle anderen.
Dann wechselt die Perspektive zur dritten Frau im Bund, zu Eva, der Tochter von Cora. Wie kann es anders sein, auch Eva ist sehr groß. Eva ist in ihrem Wesen wieder ganz anders. Sie sucht den Weg hinaus aus dem Dorf. Aber es zieht sie auch wieder zurück, zurück zu ihren Wurzeln.
Hannah Häffner beschreibt drei unterschiedliche Frauen, die doch viele Gemeinsamkeiten haben. Mir war jede von ihnen sympathisch.
Die Handlungsorte, das Dorf im Schwarzwald werden sehr anschaulich beschrieben. Ich hatte schnell Bilder im Kopf.
Auch die Zeit der Handlung, die mit den drei Generationen fortschreitet, wird gut eingefangen.
Hannah Häffner hat einen angenehmen und flüssigen Schreibstil. Die Sprache ändert sich mit jeder der drei Frauen. Zu Beginn, als Lieselotte im Mittelpunkt stand möchte ich die Sprache fast poetisch nennen. Die Autorin hat mit dem Wechsel der Frauen und somit der Generation auch den Ton in der Geschichte geändert. Das hat mir sehr gut gefallen.
Nach nur wenigen Seiten wurde ich wie durch einen Sog in die Geschichte katapultiert. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Ich habe mir in diesem Buch so viele schöne Sätze markiert, die ich einfach nicht vergessen möchte.
„Die Riesinnen“ ist eine absolute Leseempfehlung, bei mir wird das Buch sicher zu meinen Jahreshighlights zählen.

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