Savannah – Aufbruch in eine neue Welt

Malou Wilke
Historischer Roman
568 Seiten
erschienen im dtv Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar.

Eine wunderschöne Geschichte

„Savannah: Aufbruch in eine neue Welt“ ist der erste Band der Siedler-Saga von Malou Wilke.

Eleonore, kurz Nellie genannt ist schwanger. Für eine unverheiratete Frau im 18. Jahrhundert undenkbar. So wird Nellie auch von ihrem Vater verstoßen. Sie verlässt ihr Zuhause, ihre Eltern und Geschwister.
Nellie sieht für sich keine Zukunft in Preußen. So folgt sie, wie viele dem Aufruf des Visionärs James Oglethorpe, der mit mutigen Auswanderern in Amerika eine Kolonie namens Georgia gründen will.
So begibt sich Nellie auf ein Schiff und fiebert aufgeregt dem neuen Land entgegen.
In South Carolina angekommen gibt es jeden Tag neue Herausforderungen. Nellie muss immer wieder um ihre Bleibe kämpfen. Das Leben ist hart und entbehrungsreich.
Schnell gewinnen die verwaisten Siedlerkinder das Herzen von Nellie. Und da ist Samuel, der englische Anwalt mit den blauen Augen, der ihr in schweren Stunden beisteht.

Malou Wilke zeichnet ein fesselndes Bild des Lebens in den frühen Tagen der amerikanischen Kolonien. Sie beschreibt die raue Schönheit der Landschaft ebenso eindrucksvoll wie die harten Lebensbedingungen der Siedler. Dabei lässt sie die Leser*innen tief in Nellies Gedanken und Gefühle eintauchen.

Der Roman besticht durch seine lebendige Erzählweise und seine vielschichtigen Charaktere. Nellie ist eine starke und unabhängige Frau, die für ihre Überzeugungen einsteht. Sie ist aber auch verletzlich und muss lernen, mit ihren eigenen Fehlern und Schwächen umzugehen.

Auch Themen wie indigene Völker und Sklavenhaltung werden in die Geschichte eingestreut.
Dabei bleibt die Autorin neutral und vermittelt keine eigene Meinung. Es war in dieser Zeit leider so und wenn eine Geschichte authentisch sein soll, muss das Thema natürlich angesprochen werden. So arbeitet bei Nellie das Sklavenpaar Grover und Destiny.
Zum Glück geht es ihnen bei Nellie, im Gegensatz zu vielen anderen gut.

Der Schreibstil von Malou Wilke ist flüssig, fesselnd und gut verständlich.
Ich bin schnell tief in die Geschichte eingetaucht und die Seiten sind nur so dahingeflogen.

„Savannah: Aufbruch in eine neue Welt“ ist ein spannender und emotionaler Roman.
Ich freue mich schon jetzt auf den 2. Band „Savannah: Erwachen einer neuen Zeit“ der im Dezember erscheinen soll.

Mama Melba – Heimweh schmeckt nach Sauerkirchen

Christine Conner
Historischer Roman
erschienen bei Tinte & Feder
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Christine Conner und LovelyBooks für die tolle Leserunde

Südstaatenepos

1860, Amerika steht kurz vor dem Bürgerkrieg
Die junge Melba Koch verschlägt es vom Schwarzwald nach Louisiana.
Gleich zu Beginn ihrer Ankunft widerfährt sie der erste Schicksalsschlag und sie steht alleine in einem fremden Land.
Mit Glück und auch Dank ihrer Kochkünste bekommt sie eine Anstellung auf der Belle Bleu Plantage.
Hier macht sie die erste Bekanntschaft mit der akadischen und kreolischen Küche.
Die Köchinnen der Plantage bringen ihr viele Rezepte bei.
Melba lernt aber auch kennen was es bedeutet Sklave auf einer Plantage zu sein.
Täglich wird sie Zeuge von den Grausamkeiten der Sklaverei.
Melba sitzt zwischen zwei Stühlen. Sie gehört nicht zu den Herrschaften und nicht zu den Sklaven.
Doch fühlt sie sich eher zu den Sklaven hingezogen, besonders zu dem Schmied Kwasi .
Als der Bürgerkrieg ausbricht wächst die Hoffnung auf Freiheit.
Melba tut alles was in ihrer Kraft steht, dass die Sklaven ihre Hoffnung nicht verlieren.

„Mama Melba – Heimweh schmeckt wie Sauerkirchen“ ist ein emotionaler Südstaatenroman von Christine Conner.
Eigentlich ist es viel mehr als ein Südstaatenroman.

Die Hauptperson ist Melba Koch. Sie ist noch recht jung als sie in die Südstaaten kommt.
Nach kurzer Zeit steht sie ganz alleine da. Mit etwas Glück bekommt sie eine Anstellung als Köchin auf der Belle Bleu Plantage.
Melba die zu Beginn noch etwas naiv wirkt hat keine Vorstellungen was das Leben auf einer Plantage bedeutet.
In die Küche gewöhnt sie sich schnell ein. Dank der liebenswerten Charaktere in dieser Geschichte lernt sie die akadische und kreolische Küche kennen und lieben.
Sie lernt aber auch das Leben der Sklaven kennen zu denen sie sich hingezogen fühlt.
Immer wieder wird sie Zeuge von Misshandlungen, von Kindern die ihren Müttern entrissen und verkauft werden.
Von Flucht die oft nicht gelingt.

Christine Conner erzählt ihren Südstaatenroman aus der Sicht von Melba und somit auch auch aus der Sicht der Sklaven.
Man liest hier nichts von reichen Plantagenbesitzer die rauschende Feste feiern.
Nein, man liest hier was der Reichtum und Luxus für die Sklaven bedeutet hat.
Den Menschen die diesen Luxus ermöglicht haben.
Ich habe mich diesen Menschen beim Lesen oft sehr nahe gefühlt.
Habe mit ihnen gelitten und sie bewundert.
Bewundert dafür, dass sie trotz dem Leid fast nie die Hoffnung aufgegeben haben.
Hoffnung auf ein besseres Leben, auf den Krieg und die Befreiung.

Die Kapitel haben keine Zahlen sondern Buchstaben, da die Hauptperson, Mama Melba ihr Leben in Buchstaben einteilt.
Der Titel des jeweiligen Kapitels ist ein Gericht.
Diese Gericht findet sich dann auch im Kapitel wieder. Mama Melba lernt es kennen oder kocht es zu einem bestimmten Anlass. Die Zutaten und Aromen werden oft so beschrieben, dass man sie beim Lesen auf der Zunge und in der Nase spürt.
Am Ende des Kapitels schenkt die Autorin ihren LeserInnen das Rezept zu dem jeweiligen Gericht.
Hier kann man nach Herzenslust nachkochen und nachbacken und sich somit den Südstaatenflair ins eigene Heim holen.

Mit „Mama Melba“ hat Christine Conner eine grandiosen Roman geschrieben.

Die Geschichte hat mich von Anfang bis Ende begeistert.
Eine Geschichte die alle Sinne anspricht und eine Geschichte die einen etwas nachdenklich zurücklässt.