Eisinsel

Hanno Rinke
Roman
412 Seiten
erschienen bei Mitteldeutscher Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Mainwunder für das Rezensionsexemplar

Roman mit psychologischer Tiefe

Klappentext:
Victor, einst Krankenpfleger, heute Suchender zwischen Moral und Macht, Körper und Geist, lebt in einer Welt aus Routinen, Beobachtungen und verdrängten Begierden. Was als sachliche Rückschau auf ein geordnetes Leben beginnt, wird zur schonungslosen Selbstanalyse eines Mannes, der hinter der Fassade von Fürsorge und Normalität eine zerstörerische Sehnsucht verbirgt. Zwischen Krankenhausfluren, Kaufhäusern und Hotelzimmern tastet sich Victor durch die Einsamkeit der Großstadt, immer auf der Suche nach einem Rest von Sinn, Nähe und Kontrolle.

„Eisinsel“ ist ein Roman über Selbstreflexion von Hanno Renke.

Im Mittelpunkt steht der ehemalige Krankenpfleger Victor. Er blickt auf sein Leben zurück, macht eine Selbstanalyse. Victor bewegt sich einsam durch die Großstadt, getrieben von einer unstillbaren Sehnsucht nach Nähe, Sinn und totaler Kontrolle. Seine Tragik liegt in der Transformation: Er verwandelt sich von einem ursprünglich empfindsamen Menschen, in einen Menschen, der fast völlig abstumpft und nichts mehr fühlt.

Hanno Rinke hat mit Victor einen interessanten Charakter geschaffen. Passend zu Victors Gedanken, ist die Atmosphäre in diesem Buch düster.
Der Autor beschreibt die innere Kälte und das Verstummen von Empathie mit einer fast klinischen Präzision. Jede psychologische Regung wird exakt seziert.
Die Geschichte ist sprachlich dicht, detailreich und atmosphärisch stark ausformuliert. Gelegentlich führt dies zu Passagen, die eine gewisse Geduld erfordern, erzeugen aber eine enorme Tiefe.
Obwohl das Tempo ruhig ist, versteht es der Autor, Kapitel mit geschickten Cliffhangern enden zu lassen. Das Buch entwickelt dadurch einen Sog, dem man sich schwer entziehen kann.

„Eisinsel“ ist ein Roman, der sich wie ein Psychothriller liest.

Über Leben

Hanno Rinke
Autobiografie
286 Seiten
erschienen bei Mitteldeutscher Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Mainwunder für das Rezensionsexemplar

Erinnerungen aus dem Leben des Autors

Klappentext:
Was bleibt und was nicht, in seiner Bilanz erzählt Hanno Rinke von einem so ungewöhnlichen wie selbstbestimmten Leben und von den verschlungenen Pfaden der Familiengeschichte von 1870 bis 2024 … Der eine Großvater preußischer Offizier, der andere polnischer Jude. Die Mutter ledig, der Vater im Gefängnis. Was wird daraus? „Es ist schön, zufrieden zu sein, dort, wo man ist. Noch schöner ist es, dort sein zu wollen, wo man sein könnte.“ Rinke setzt seinen Lebensmenschen – dem Partner, den Eltern, den Zeiten, Orten, Ländern, anderen Menschen, denen er begegnet, mit seinem Bericht ein Denkmal, stets auf der Suche nach dem Glück, das letztlich in der Veränderung besteht. Und doch bleibt da immer ein Ort von besonderer Tiefe, die Straße Am Teich in Othmarschen, die Richtschnur dieses bewegenden Buches, das als Rondell die Geschichte seines Autors birgt und bewahrt. Was bleibt und was nicht? „Über Leben“ ist seine Antwort.

In seiner Autobiografie „Über Leben“ erzählt Hanno Renke viele Anekdoten aus seinem und dem Leben seiner Eltern und Großeltern.

Der Autor zeichnet ein klares Bild von sich, seinen Vorfahren und von der Zeit in denen die Familienmitglieder gelebt haben.
Hanno Rinke ist der letzte männliche Nachkomme und ihm ist bewusst, dass mit ihm die Familie ausstirbt. Vielleicht ist das ein Grund um Bilanz zu ziehen.

Geboren wurde Hanno Rinke am 19. Juni 1946 in Berlin.
Seine Mutter war ledig und sein Vater saß im Gefängnis. Doch Hanno hatte eine behütete Kindheit und war seinen Eltern nahe bis zum Ende.

Hanno Rinke erzählt ausführlich von seinen Eltern. Dabei geht er zurück zu seinen Großeltern, so bekommt man ein gutes Bild von seinen Vorfahren. Ein Großvater war preußischer Offizier und einer war polnischer Jude. Seine Mutter stammte aus einer jüdischen Familie, was sie immer irgendwie belastet hat.

Am Anfang hatte ich etwas Schwierigkeiten mich an den Schreibstil von Hanno Rinke zu gewöhnen. Nach einigen kurzen Kapiteln war ich aber in seiner Geschichte drin.
Hanno Rinke erzählt sein Leben aus der Ich-Perspektive.
Wenn er über seinen Vater erzählt, lässt er in auch oft selber zu Wort kommen. Das hat mich manchmal etwas verwirrt. Ich habe den Wechsel der Charaktere, die in der Ich-Perspektive erzählen, nicht immer gleich registriert. Das hat mich dann stutzen lassen und ich habe den Abschnitt noch einmal gelesen.
Auch den Gedankensprüngen des Autors konnte ich nicht immer folgen.
Von seiner Partnerschaft hat Hanno Rinke nur wenig erzählt. Auch über sein Berufsleben, er war Filmemacher und Musikproduzent, erzählt e nur am Rande.
Von beidem hätte ich gerne mehr gelesen.

„Über Leben“ ist kein Buch, dass man auf die Schnelle weg schmökern kann. Es ist die Geschichte eines Lebens, eine Geschichte, der man Zeit geben muss, um sich zu entfalten.

„Über Leben“ habe ich mit kleinen Einschränkungen gerne gelesen.