Schloss Egeskov

Anne-Grethe Bjarup Riis und Thomas Rydahl
Historischer Roman
524 Seiten
erschienen im Blanvalet Verlag
Übersetzt von Ricarda Essrich
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Blanvalet Verlag für das Rezensionsexemplar

Dänisches Downton Abbey

Klappentext:
Fünen, Dänemark, 1874. Auf Schloss Egeskov herrscht große Aufregung: Graf Frederik soll heiraten. Doch die Verantwortung lastet schwer auf den Schultern des jungen Schlossherrn, während seine Schwester Jessie ganz andere Pläne hat. Sie will nach Paris, zum Studium an der Sorbonne. Doch dann kommt es zu einem tragischen Unfall, woraufhin die Bewohner des Schlosses von den Dienstboten bis zur Herrschaft großen Herausforderungen entgegensehen. Vor allem für Jessie wird sich alles ändern.

„Schloss Egeskov“ von Anne-Grethe Bjarup Riis und Thomas Rydahl entführt die Leser*innen nach Dänemark in die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Es ist der 1. Band der „Egeskov-Saga“ und ich war sehr gespannt.

Die Geschichte erzählt von Schloss Egeskov, seinen Bewohnern und die Dramen, die sich hinter den Mauern abspielen.

Der Schlossherr Graf Frederik steht kurz vor der Verlobung mit der jungen Komtesse Adele.
Die Schwester des Grafen, Baroness Jessie möchte gerne in Paris leben, zusammen mit dem Sohn des Pastors.

Auch die Angestellten haben Träume, die nur schwer zu verwirklichen sind.

Doch ein Unfall bringt das Leben der Adelsfamilie und das der Angestellten gehörig durcheinander.

Anne-Grethe Bjarup Riis und Thomas Rydahl geben den Leser*innen einen guten Einblick in das Leben auf Schloss Egeskov. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und so lernt man die Adelsfamilie und auch die Angestellten gut kennen.

Die Charaktere werden gut beschrieben und realistisch und lebendig dargestellt.
Auch das Schloss, das von Wasser umgeben ist, kann man sich anhand der Beschreibung gut vorstellen.

Der Vergleicht mit Dowton Abbey passt meiner Meinung nach sehr gut. Auch in dieser Geschichte haben die Leser*innen Einblick in das Leben der Adeligen und i das der Angestellten.

Der Schreibstil von Anne-Grethe Bjarup Riis und Thomas Rydahl ist flüssig und gut verständlich. Vor allem ist sie aus einem Guss, man spürt nicht, dass zwei Personen an dieser Geschichte geschrieben haben.

Einiges in der Geschichte entspricht der Realität und einiges ist Fiktion. Die beiden Autoren verweben Realität und Fiktion so fein zu einem großen Ganzen, dass man es nicht mehr zu Trennen vermag.

Ich habe „Schloss Egeskov“ mit Freude gelesen und bin schon auf den 2. Band gespannt.

Die Erfinderin der Freiheit

Elke Becker
Historischer Roman
359 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an das Bloggerportal und den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar

Die Erfindung des BH‘s

Klappentext:
Dresden 1908: Eine neue Zeit beginnt, die Jahre der großen Erfindungen sind angebrochen. Christine arbeitet als Therapeutin im weltbekannten Sanatorium Lahmann. Während ihrer Behandlungen fallen die feinen Damen in ihren engen Korsetts reihenweise in Ohnmacht, was Christine auf eine weltverändernde Idee bringt: Sie entwickelt den ersten Büstenhalter. Die ersten Modelle aus zusammengenähten Stofftaschentüchern und Hosenträgern finden zunächst wenig Anklang in der feinen Gesellschaft, die Damen lehnen das neue Kleidungstück ab. Zum Glück gibt es Julia, Lotta und Amalie, die Christine bei der Weiterentwicklung des BHs unterstützen. Die vier Freudinnen leben in einem gemeinsamen Wohnhaus und befeuern sich gegenseitig beim Ausprobieren und Tüfteln an neuen Ideen. Und sie geben Christine Halt – ganz besonders als der charmante Franz im Sanatorium anreist, der jedoch in Begleitung von Johanna ist.

„Die Erfinderin der Freiheit“ ist ein interessanter historischer Roman von Elke Becker. Die Autorin hat mich schon mit ihrer „Kölln-Saga“ begeistert und ich habe mich sehr auf das neue Buch gefreut.

Es geht zurück ins frühe 20. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht Christine, eine junge Therapeutin in einem weltbekannten Sanatorium. Hier sieht sie all das, was ein enges Korsett mit den Damen anstellt. Wobei eine Ohnmacht noch das Harmloseste ist.
Christine möchte den Frauen zu mehr Freiheit verhelfen. So erfindet Christine den BH. Das erste Stück ist noch ziemlich primitiv, es besteht aus Hosenträgern und Stofftaschentüchern. Damit stößt die junge Frau auch auf Ablehnung in der Frauenwelt.
Mit der Unterstützung von Julia, Amalie und Lotta tüftelt Christine ein vorzeigbares Model aus.

Elke Becker ist mit diesem Roman wieder eine interessante und unterhaltsame Geschichte gelungen.
Die Charaktere sind gut gezeichnet, wie aus dem realen Leben entsprungen.
Dabei ist Christine Hardt tatsächlich eine historisch überlieferte Person. Auch wenn man nicht sehr viel von ihr in Erfahrung bringen kann. So hat Christine Hardt im Sanatorium Lahmann gearbeitet und dort auch feststellen müssen, dass viele Frauen auf Grund des Korsetts missgebildete Organe haben.
So hat Frau Hardt auch 1899 beim Kaiserlichen Patentamt ihren Brusthalter angemeldet.
Dies ist Grund genug für Elke Becker über die Frau zu recherchieren.

Elke Becker erzählt das Leben der 4 Frauen auf eine sehr realistische Art.
So erzählt sie auch die Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven der vier Frauen. Man kommt so den Frauen auch näher und kann sich richtig in ihr Denken hineinversetzten.

Der Schreibstil von Elke Becker ist wie immer flüssig und gut verständlich.

Die Autorin hat aus historischen Überlieferungen und ihrer schriftstellerischen Freiheit eine wirklich schöne Geschichte gesponnen.

Mir hat das Lesen von „Die Erfinderin der Freiheit“ viel Freude bereitet.

Die Begine und das dunkle Geheimnis

Silvia Stolzenburg
Historischer Roman
274 Seiten
erschienen im Gmeiner Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Gmeiner Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannender Historischer Kriminalroman

Klappentext:
Ulm 1416: Als eine reiche Kaufmannswitwe tot in ihrem Bett aufgefunden wird, bezichtigen böse Zungen die ehemalige Begine Anna Ehinger des Mordes. Die Arznei, die sie der Witwe am Abend ihres Todes verabreicht hat, soll Gift gewesen sein. Zwar glaubt der Rat nicht an Annas Schuld, doch als brutale Morde die Stadt in Angst und Schrecken versetzen und die junge Beginen-Novizin Luzia spurlos verschwindet, beschließt Anna, sich auf die Suche nach dem Schuldigen zu machen. Schnell wird klar: In Ulm geht ein Dämon um, der es auf weit mehr als nur auf die Träume der Kinder abgesehen hat.

„Die Begine und das dunkle Geheimnis“ ist der 8. Band der Reihe „Die Begine von Ulm“ von Silvia Stolzenburg.

Die Autorin schickt ihre Leserinnen, in diesem Historischen Kriminalroman nach Ulm in das Jahr 1416.

Die ehemalige Begine Anna, soll trotz ihrer Heirat die Novizin Luzia in die Wirkung und Anwendung der Heilkräuter einführen.
Als die Kaufmannswitwe Senft tot in ihrem Bett gefunden wird, gerät Anna in Verdacht ihr Gift verabreicht zu haben. Denn Anna hat der Witwe am Abend zuvor eine Medizin gebracht.
Kurz darauf wird die Stadt durch grausame Morde in Atem gehalten und auch die junge Novizin Luzia, die die Tochter des Bürgermeisters ist verschwindet spurlos.
Anna nimmt die Suche nach dem Täter und nach der Novizin auf.

Silvia Stolzenburg erzählt die Geschichte unterhaltsam und spannend.
Für mich ist es das erste Buch der Reihe und ich habe mich mit dem Begriff Begine erst einmal auseinandersetzten müssen. Beginen leben wohl in einer christlichen Gemeinschaft zusammen und haben sich auf das Heilen kranker und armer Menschen spezialisiert. Im Gegensatz zu Nonnen legen Begine kein Gelübde ab.
Das fand ich interessant und Anna hat mir auch gleich gut gefallen.

Silvia Stolzenburg hat interessante und sympathische Charaktere ins Leben gerufen. Sie wirken alle lebendig und wie aus dem echten Leben entsprungen.

Die Zeit der Handlung wird sehr gut widergespiegelt und die Handlungsorte anschaulich beschrieben.

Die Suche nach dem Täter der sein Unwesen in Ulm treibt wird spannend erzählt-

Der Schreibstil von Silvia Stolzenburg ist flüssig und gut verständlich.

„Die Begine und das dunkle Geheimnis“ vereint meine zwei liebsten Genres, Krimi und historischer Roman. Ich habe das Buch mit Freude gelesen.

Der Pakt der Verräter

Ellin Carsta
Historischer Roman
302 Seiten
erschienen bei Tinte & Feder
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Familiensaga mit Suchtpotenzial

Klappentext:
Bernried am Starnberger See, 1943: Der Krieg wird immer grausamer und fordert ein erstes Opfer in den Reihen der Familien von Falkenbach und Lehmann. Die Verzweiflung, aber auch die Entschlossenheit zu handeln, ist so groß wie noch nie.
Gemeinsam mit Paul-Friedrich von Falkenbach brütet Wilhelm darüber, wie sie gegen das Nazi-Regime vorgehen können und sind dabei nicht immer einer Meinung. Auch Ferdinand Lehmann vollführt weiterhin einen gefährlichen Balanceakt im Arbeitslager und legt sich mit dem Wachpersonal an.
Die Familie plant eine riskante Aktion, um Kontakt zum britischen Geheimdienst aufzunehmen. Doch der SS-Mann Alfred Breuer ist ihnen dicht auf den Fersen. Können sie ihre Pläne verwirklichen, ohne alles zu verlieren? Und welche Opfer sind sie bereit zu bringen für eine ungewisse Zukunft?

„Der Pakt der Verräter“ ist der 13. Band der Falkenbach Saga von Ellin Carsta.
Die Falkenbach Saga ist für viele Bände angelegt und ich freue mich immer wieder auf den nächsten Band.
Jedes Kapitel ist mit einem Gedanken eines Familienmitglieds der Familien Falkenbach oder Lehmann überschrieben. Diese Person steht dann im Mittelpunkt des Kapitels.
Durch die immerwährenden Perspektivwechsel ist die Geschichte so facettenreich und interessant.

Der Krieg schreitet fort und wir sind mittlerweile im Jahr 1943 angekommen.
Leopold Lehmann und Gustav von Falkenbach sind an der Front, zuhause bangen die Familien um sie.

Auch auf Gut Falkenbach spürt man den Krieg immer mehr. Auch wenn die Familien nicht hungern müssen, fordert der Krieg doch seine Opfer.
Paul-Friedrich von Falkenbach und Wilhelm Lehmann überlegen weiterhin, wie man dem Nazi-Regime ein Ende setzen kann.
Ferdinand Lehmann führt weiterhin die Fabrik, in der Waffen hergestellt werden und das Arbeitslager. Dabei ist er immer darum bemüht, dass es den Arbeitern besser geht als in anderen Arbeitslagern. Trotzdem führt das zu einer Arbeitsniederlegung in der Fabrik.

SS-Mann Alfred Breuer kommt den Familien, besonders den von Falkenbachs immer näher. Ich hoffe sehr, dass Paul-Friedrich die Gefahr abwenden kann.

Auch Ferdinands Frau Elisabeth treffen die Leser*innen wieder. Sie ist weiterhin eine große Anhängerin des Führers, bereut jedoch, dass sie ihren Mann so hintergangen hat.

Ellin Carsta erzählt die Geschichte in einem flüssigen und spannenden Schreibstil, sie vermittelt die Atmosphäre, die zu dieser Zeit in Deutschland herrscht, sehr gut. Außer der Familie und den Freunden trauen auch die von Falkenbachs und die Lehmanns niemanden mehr.
Das Land ist mitten im Krieg und man spürt deutlich die Auswirkungen, auch wenn es den Familien an nichts mangelt.
Nach außen lassen die Familien von Falkenbach und Lehmann sich nicht anmerken, was sie wirklich vom Krieg und ihren Verursachern halten. Gerade Paul-Friedrich ist immer darauf aus, dass man seine Treue gegenüber Hitler nicht anzweifelt. In der Geschichte bekommt man die Denkweise der Charaktere natürlich mit. Die Geschichte ist an einen Zeitpunkt angekommen, wo ich mir immer mehr Sorgen um die Familien mache. Paul-Friedrich scheint zwar immer bestens informiert zu sein und immer das Ziel zu verfolgen Unheil von den Familien fernzuhalten. Aber es gibt Gegner, die den Familien schaden wollen.

Auch der 13. Band war wieder sehr spannend erzählt.
Ich hoffe, Ellin Carsta lässt ihre Leser*innen die Familien noch einige Zeit begleiten.

Jetzt fiebere ich schon wieder ganz aufgeregt dem 14. Band entgegen.
„Die Stimme der Gewalt“ soll im Juni erscheinen und schon der Titel lässt ahnen, dass es aufregend weitergeht.

Die Papierschöpferin

Anna Thaler
Historischer Roman
319 Seiten
erschienen im Droemer Knaur Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar

Interessanter Historischer Roman

Klappentext:
Norditalien im 15. Jahrhundert: Der plötzliche Tod ihres Vaters lässt Sofia di Maderno mit drei jüngeren Geschwistern zurück. Jetzt muss sie, auf sich allein gestellt, die Papiermühle der Familie führen. Als Sofia sich weigert, den Sohn eines anderen Müllers zu heiraten, werden aus den Nachbarn Konkurrenten, die ihr die Gesellen abwerben. Bald steht die Mühle kurz vor dem Ruin. Erst die Unterstützung des väterlichen Freunds Sebastiano, eines Franziskaner-Mönchs, lässt Sofia wieder Hoffnung schöpfen. Sebastianos Novize Gianluca lässt Sofias Herz höher schlagen. Schließlich führt der Kampf um ihr Erbe Sofia nach Augsburg, wo nach den Erfindungen Johannes Gutenbergs der Buchdruck revolutioniert wird. Und nach Venedig, wo ihr Vater einen gefährlichen Plan verfolgt hat.

„Die Papierschöpferin“ ist ein interessanter Historischer Roman von Anna Thaler.

Sofia di Maderno lebt in Norditalien im Papiermühlental. Seit dem Tod ihrer Mutter kümmert sich Sofia um die Familie. Jetzt ist ihr Vater von einer Reise nach Venedig nicht zurückgekommen. Sofia steht mit der Papiermühle und drei jüngeren Geschwistern allein da.
Zuerst sieht es so aus, als würden die anderen Papierhersteller Sofia unterstützen. Das hält aber nicht lange an. Zu einer Heirat will sie sich nicht zwingen lassen. So bleibt ihr nur die Unterstützung von Frate Sebastiano, einem Freund ihres Vaters und dem nahegelegenen Kloster.
Als es um die Mühle schlecht aussieht und es keine Arbeiter im Ort gibt, geht Sofia mit Frate Sebastiano auf eine Reise nach Augsburg, um neue Arbeiter anzuheuern.
Hier macht Sofia die Bekanntschaft mit dem Buchdruck, eine revolutionäre Erfindung von Johannes Gutenberg. Weiter geht es nach Venedig, um herauszufinden, was das Vorhaben ihres Vaters war.

Anna Thaler verpackt in ihrer Geschichte viele Informationen über die damalige Papierherstellung. Ich fand das sehr interessant und habe mir die Herstellung von Papier nicht so mühsam vorgestellt. Für den neue Buchdruck kann man dann auch nicht jedes Papier gebrauchen. Vor allem der Leim, der auf die Papierbögen aufgetragen wird, braucht eine bestimmte Rezeptur. Hier habe ich Sofia bewundert, wie sie sich gleich an die Rezepturen ihres Vaters erinnert hat und die richtige parat hatte.

Die Charaktere sind von Anna Thaler gut gezeichnet und wirken lebendig. Mir hat Sofia gut gefallen. Sie hat viel Verantwortung übernommen, für ihre Geschwister und für die Mühle. Auch Frate Sebastiano war mir schnell sympathisch, auch wenn ich nicht mit jeder Handlung von ihm einverstanden war. Sein Novize Gianluca ist auch eine große Bereicherung für die Geschichte.
In der Geschichte treffen die Leser*innen auch auf einige historische Persönlichkeiten wie z. B. Jakob Fugger. Das macht die ganze Geschichte noch authentischer.

Anna Thaler erzählt die Geschichte in einer der zeit angepassten Sprache. Ihr Schreibstil ist flüssig, gut verständlich und fesselnd. Ich konnte das Buch nach wenigen Seiten kaum aus der Hand legen.

Mir haben so wohl die Geschichte, wie auch die interessanten Informationen zur Papierherstellung sehr gut gefallen.

„Die Papierschöpferin“ ist ein historischer Roman ganz nach meinem Geschmack.

Der Tote an der Alster

Anja Marschall
Historischer Kriminalroman
269 Seiten
erschienen im Emons Verlag
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Emons Verlag für das Rezensionsexemplar

Interessanter historischer Kriminalroman

Klappentext:
1906: In Hamburgs vornehmem Hotel Vier Jahreszeiten feiern die Reichen der Stadt – doch der schöne Schein wird jäh getrübt, als ein Toter in einer Suite gefunden wird. Kommissar Hauke Sötje begreift sofort, dass dieser Fall etwas mit ihm zu tun hat, denn das Opfer ist sein Widersacher Graf von Lahn. Während sein Vorgesetzter den Mörder im Hotel sucht, stellt Hauke eigene Ermittlungen an und stößt auf Spionage, Verrat und die erschütternde Erkenntnis, dass er und seine Familie längst ins Visier des Täters geraten sind.

„Der Tote an der Alster“ ist ein spannender und interessanter historischer Kriminalroman von Anja Marschall. Es ist der 6. Band der Hauke Sötje Reihe.
Die vorherigen Bände habe ich nicht gelesen, was für das Verständnis auch nicht unbedingt nötig ist.

Hauke Sötje ist Kommissar in Hamburg. Sein Vorgesetzter hält viel von ihm, bei seinen Kollegen hat er eher einen schweren Stand. Das hat vielleicht mit seiner Vergangenheit als Kapitän zu tun.
Jetzt wird er in das luxuriöse Hotel Vier Jahreszeiten gerufen. Im Zimmer 301 wurde ein toter Gast gefunden. Dem Hoteleigentümer nach handelt es sich um den Kaufmann Eugenius Oppenheimer aus Stuttgart. Hauke Sötje glaubt allerdings in dem Opfer den Spion und seinen Widersacher Graf von Lahn zu erkennen.
Während der Ermittlungen wird Sötje von seiner Vergangenheit eingeholt und auch seine Familie gerät in Gefahr.

Anja Marschall erzählt die Geschichte in einem ruhigen Tempo. Die Charaktere sind zum größten Teil sympathisch. Vor allem Hauke Sötje gefällt mir gut. Er bringt moderne Ansätze mit in seine Ermittlungen ein und verlangt auch von seinen Mitarbeitern, dass sie sich ein wenige in der Gerichtsmedizin auskennen. Zumindest sollen sie erkennen können, wie lange ein Opfer schon tot ist.

Es ist spannend bei den Ermittlungen zu folgen. Hauke Sötje steht kurz vor einer Beförderung, die er bei diesem Fall zu verspielen scheint. Der Kommissar will an die Identität des Toten nicht glauben.
Da Sötje mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird, erfahren die Leser*innen auch etwas vor seiner Zeit bei der Polizei.

Anja Marschall vermittelt die Zeit in ihrem Kriminalroman sehr gut. Vor jedem Kapitel gibt es unabhängig von der Geschichte einen kurzen Auszug aus einer örtlichen Zeitung. Damit kann man sich gut in die Zeit hineinversetzten.
Auch die Sprache ist hervorragend an die Zeit angepasst.

Anja Marschall erzählt den Fall spannend, es gibt aber auch immer wieder einmal stellen, die etwas langatmig sind und man sich wünscht, dass es zur Sache geht.

Das Ende hat mich etwas bestürzt. Der Kriminalroman hört praktisch mitten in der Geschichte auf.
Jetzt heißt es warten bis im Herbst der nächste Band erscheint.

Kleopatra

Saara El-Arifi
Historischer Roman
420 Seiten
erschienen bei Hoffmann & Campe
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Volker Oldenburg
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar

Eine Königin spricht

Klappentext:
Dieser atemberaubende Roman erzählt das Leben der ehemals mächtigsten Frau der Welt: Kleopatra, die letzte altägyptische Königin, war eine Pharaonin, Ehefrau, Mutter – und eine Herrscherin mit unermesslicher Macht. Ihr Tod ist legendenumwoben, ihr Leben sagenhaft. Mit gerade einmal 19 Jahren besteigt sie nach dem Tod ihres Vaters den Thron eines Weltreichs, nicht ahnend, welche ungeheuerlichen Herausforderungen von diesem Moment an ihr Leben bestimmen sollten.
Bestsellerautorin Saara El-Arifi erzählt das Leben der Kleopatra jetzt erstmals aus ihrer eigenen Sicht: ein einzigartiges Leseabenteuer und ein Manifest von Macht, Liebe und dem unbezwingbaren Geist einer wahren Königin, die sich den Zwängen ihrer Zeit widersetzte.

„Kleopatra“ von Saara El-Arifi ist ein außergewöhnlicher Roman, der mir sehr gut gefallen hat.

Kleopatra, wohl eine der bekanntesten und mit Mythen behaftete Frau aus dem alten Ägypten.
Saara El-Arifi verleiht ihr in ihrem Roman eine Stimme. Die Geschichte ist in der Ich-Perspektive aus Sicht von Kleopatra geschrieben. Ich habe mich beim Lesen Kleopatra nahe gefühlt. Mir hat besonders gefallen, dass die Leser*innen von Kleopatra direkt angesprochen wurden. Sie hat offen einige Überlieferungen bemängelt. Ob Bilder oder Überlieferungen in geschriebener Form, Kleopatra bemängelt und stellt richtig, was ihrer Meinung nach falsch überliefert wurde.

Saara El-Arifi beschreibt Kleopatra sehr gut und auch ihre Beziehung zu Caesar und später zu Marcus Antonius und auch die Geburt und die Liebe zu ihren Kindern werden gut erzählt.
Kleopatra war eine Königin die lange umstritten war. Dazu haben auch ihre Schwester und ihr Bruder beigetragen, die ihr den Thron streitig machen wollten.

Natürlich musste auch Saara El-Arifi sich an die alten Überlieferungen halten. Die Autorin hat genau recherchiert und das für sie wahrscheinlichste Bild von Kleopatra in diesem Roman gezeichnet.

Der Schreibstil von Saara El-Arifi ist flüssig und gut verständlich. Sie hat mich mit ihren Worten in den Bann gezogen. Ich konnte das Buch schon nach wenigen Seiten nicht mehr aus der Hand legen.
Mit diesem Buch habe ich eine neue Autorin für mich entdeckt.

Das Herz aus Gold

Weina Dai Randel
Historischer Roman
443 Seiten
erschienen bei Tinte & Feder
Meine Bewertung:
4 von 5 Sternen

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar

Emotionale Geschichte

„Das Herz aus Gold“ von Weina Dai Randel entführt die Leser*innen bis nach Shanghai

China: 1925. Im Mittelpunkt steht Anyu Zhang. Als 15-jähriges Mädchen findet sie im Schnee ein Fabergé-Ein und setzt alles dran es dem Besitzer zurückzugeben. Isaak Mandelburg, Juwelier des russischen Zaren, der auf der Flucht ist, dankt Anyu indem er ihr eine Adresse in Shanghai gibt uns sagt sie sei dort immer willkommen.
Jahre später, Anyu ist zur Waisen geworden, nimmt sie ihren Mut zusammen und geht nach Shanghai. Sie ist fest entschlossen auch Juwelierin zu werden und lernt die Welt des Glanzes kennen.
Aber nicht nur der Glanz und die Schönheit der Juwelen begegnen Anyu in Shanghai, sondern auch die Schattenseiten, die von Gier und Brutalität beherrscht werden. Kann sich Anyu in der gefährlichen Stadt zurechtfinden, ohne unterzugehen?

Weina Dai Randel hat großartige Protagonisten das Leben geschenkt. Anyu hat mir gleich gefallen. Sie ist mutig und intelligent und fest entschlossen, das Juwelierhandwerk zu erlernen. Es dauert aber nicht lange bis sie die Schattenseiten kennenlernt. Auch Isaak Mandelburg, der Juwelier hat mir gut gefallen. Einst Juwelier des Zaren, musste er nach Shanghai flüchten.

Weina Dai Randel erzählt die Geschichte auf eine emotionale Art. Es mutet fast an, wie ein Märchen. Das junge Mädchen Anyu geht nach Shanghai in die Welt des Glanzes und des Glimmers, um dort bei einem Juwelier das Handwerk zu erlernen. Aber die Autorin führt ihre Leser*innen auch in den Abgrund, in die Unterwelt von Shanghai in der alles andere als Glimmer herrscht.

Weina Dai Randel lässt Themen wie Rassenhass und die Unterschiede zwischen Arm und Reich sehr deutlich in ihre Geschichte einfließen.
Auch über die Herstellung edler Schmuckstücke kann man einiges lesen.
Der Schreibstil von Weina Dai Randel ist flüssig und gut verständlich.

„Das Herz aus Gold“ ist ein Roman, den ich gerne gelesen habe.

Die Welt in unseren Händen

Emily Walton
Historischer Roman
372 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an Emily Walton für das Rezensionsexemplar

Ein fesselnder historischer Roman

Klappentext:
Als die junge Emma ihre Großmutter June in Oxford besucht, ahnt sie zunächst nicht, dass dies ihr letzter Besuch bei ihr sein wird. Und auch nicht, was ihr bevorsteht, als sie ein Gedichtbändchen mit der Widmung eines gewissen Ken aus dem Jahr 1944 entdeckt. Nach und nach enthüllt sich eine abenteuerliche Lebensgeschichte, die Emma nie vermutet hätte. Als June kaum so alt ist wie sie jetzt, stellt sie sich in den Dienst der Royal Air Force. Die Kriegswirren führen sie von London bis in die Wüste Ägyptens. Als sie in Kairo dem südafrikanischen Kameramann Ken gegenübersteht, hat sie zum ersten Mal das Gefühl, eine innere Heimat zu finden. Doch kann sie sich diesen Gefühlen hingeben, während die Welt im Argen liegt und ihre beste Freundin Dotty in London um ihr Leben ringt? Während Emma in die Jugend ihrer Großmutter eintaucht, beginnt sie ihre eigene Zukunft mit anderen Augen zu sehen.

„Die Welt in unseren Händen“ von Emily Walton ist ein großartiger historischer Roman, der die Leser*innen von London bis nach Ägypten führt.

Als Emma ihre Großmutter June besuchte, fand sie bei ihr ein Gedichtband mit einer Widmung. Aus dem Jahr 1944. Zusammen mit Emma tauchen die Leser*innen in Junes Leben ein. June absolvierte während des Kriegs ihren Dienst bei der Royal Air Force. Die Wirren des Kriegs haben sie bis nach Ägypten gespült, wo sie Ken getroffen hat.

Emily Walton erzählt mit dem Roman „Die Welt in unseren Händen“ einen berührenden Roman. Die Geschichte beginnt im Jahr 2012, von da aus werden die Leser*innen zurück in die 1940er Jahre geschwemmt. Es ist die Geschichte von June, die erzählt wird.
June möchte Karriere bei der Women’s Auxiliary Air Force machen. Sie träumt von einem selbstbestimmten Leben. Doch der Krieg verändert alles.

Mir haben June und auch Emma sofort gefallen. Auch die anderen Protagonisten werden gut beschrieben und wirken lebendig.

Emily Walton beschreibt die Handlungsorte sehr anschaulich. Ich sah die Wüste Ägyptens vor meinen Augen. Es ist bewegend und spannend zugleich, die Geschichte von June zu lesen. Die Liebesgeschichte zwischen June und dem südafrikanischen Kameramann Kent hat mich berührt. Auch die Sorge um Junes Freundin Dotty, die in London um ihr Leben ringt, ist berührend. June würde gerne zu Dotty reisen, doch der Krieg lässt das nicht zu.

Am Ende der Geschichte treffen die Leser*innen wieder auf Emma. Sie kennt jetzt die Lebensgeschichte ihrer Großmutter und findet Parallelen zu ihrem Leben, aus denen sie Kraft und Hoffnung ziehen kann.

Ich liebe Geschichten, in denen ein Geheimnis der Vergangenheit entblättert wird. So war „Die Welt in unseren Händen“ genau das richtige Buch für mich. Inspiriert zu dieser Geschichte wurde die Autorin durch Erzählungen ihrer Großmutter, die sie zum Teil in die Geschichte einfließen ließ.

„Die Welt in unseren Händen“ ist ein berührender Roman, den ich mit viel Freude gelesen habe.

Die wilden Jahre

Susanne Goga
Historischer Roman
438 Seiten
erschienen im Heyne Verlag
Meine Bewertung:
5 von 5 Sternen

Vielen Dank an den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar

Spannender und interessanter historischer Roman

Klappentext:
Rheinland 1919. Die Geschwister Thora und Hannes Bernrath entstammen einer wohlhabenden Fabrikantenfamilie aus Mönchen-Gladbach und stehen einander sehr nah. Sie leben in bewegten Zeiten von Krieg, Revolution und Besatzung. Thora nutzt die neue aufregende Zeit, um ein Schauspielstudium in Düsseldorf zu beginnen, während Hannes, der eigentlich Architektur studieren wollte, nach seiner Rückkehr von der Front orientierungslos ist. Eines Tages wird Hannes wegen Mordverdachts verhaftet, schweigt aber beharrlich. Im Zimmer ihres Bruders findet Thora einen Gedichtband von Eichendorff, in dem die Worte »Adler« und »Vulkan« markiert sind. Sie begibt sich auf die Suche nach dem Rätsel, das sich dahinter verbirgt. Und erfährt vom geheimen Leben ihres Bruders. Thora begreift, dass sie mit allen Mitteln darum kämpfen muss, ihn aus dem Gefängnis zu befreien.

„Die wilden Jahre“ von Susanne Goga entführt die Leserinnen ins Jahr 1919.

Im Mittelpunkt stehen die Geschwister Thora und Hannes Bernrath. Sie sind als Kinder einer wohlhabenden Fabrikantenfamilie in Mönchen-Gladbach aufgewachsen.
Der erste Weltkrieg ist vorbei, jetzt heißt es wieder Leben und Pläne machen. Thora beginnt ein Schauspielstudium in Düsseldorf. Hannes hingegen hat der Krieg und die Front aus der Bahn geworfen.

Susanne hat großartige Charaktere ins Leben gerufen. Die Geschwister Thora und Hannes waren mir schnell vertraut und sympathisch.
Thora ist eine mutige junge Frau, die, wenn sie einen Entschluss fasst, ihn auch durchzieht. Ihrem Bruder ist sie sehr verbunden und als er unter Mordverdacht gerät, beginnt Thora auf eigene Faust zu ermitteln, damit ihr Bruder seine Unschuld beweisen kann.

Hannes ist ganz anders als seine Schwester. Man lernt ihn und seine Geschichte erst im Laufe der Geschichte kennen. Durch Rückblenden und Briefe wird das Geheimnis um Hannes nach und nach entblättert.

Susanne Goga fängt die Zeit nach dem 1. Weltkrieg hervorragend ein. Vieles ist im Umbruch, vieles scheint sich zu verändern und es gibt viele Spannungen. Auch die politische Situation wird gut beschrieben. So war Mönchen-Gladbach von den Alliierten und es wurde gestreikt.
Auch wenn ich viel historische Romane und auch einiges über die Nachkriegsjahre gelesen habe, habe ich doch einiges Neues erfahren.

Susanne Goga hat einen flüssigen und gut verständlichen Schreibstil. Mit der Geschichte von Hannes und dem Mordverdacht bringt die Autorin Spannung in die Geschichte. Mit den historischen Hintergründen, vermittelt die Autorin viel interessantes Wissen.

„Die wilden Jahre“ ist ein historischer Roman mit Krimi Vibes, den ich mit Freude gelesen habe.